Männer haben eine andere Einstellung zu Sex als Frauen

In der Diskussion zum Beitrag „Sex und Feminismus“ war auch die Frage aufgetaucht, inwiefern sich die Einstellung von Mann und Frau zum Sex unterscheidet, es also eine „männliche Sexualität“ bzw. eine „weibliche Sexualität“ gibt. Ich meine schon, dass hier bereits erhebliche biologische Unterschiede vorhanden sind, allein wenn man die unterschiedlichen Mengen freies Testosteron berücksichtigt, aber auch weitere Unterschiede im Gehirn. Aufgrund der unterschiedlichen Kosten des Sex (Die Kosten der Produktion von Sperma vs. neun Monate Schwangerschaft) wäre es aus Sicht der Evolution auch erstaunlich, wenn hier keine Unterschiede vorhanden wären, nachdem diese Interessen über mehr als einige Millionen Jahre bestanden (die Steinzeit begann zwar vor 2,5 Millionen Jahren, aber die Abspaltung von den Affen liegt etwa 8 Millionen Jahre zurück,  und die ersten Primaten gab es vor etwa 55-90 Millionen Jahren).

Aber abseits aller Theorie finde ich dieses Video zur Darstellung der unterschiedlichen Einstellung sehr anschaulich:

9 Gedanken zu “Männer haben eine andere Einstellung zu Sex als Frauen

  1. @Nick

    Die Studie untersucht eigentlich etwas anderes, nämlich ob man mittels einem geringen Testosternspiegel eine sichere Diagnose auf die „sexuelle Funktion“ (sexual function) der Frauen diagnostiziert werden kann. Dies ist nicht der Fall.

    Aus weiteren Angaben der Wissenschaftler zu ihrer Studie:

    We evaluated whether women who had low sexual function had different blood levels of testosterone and other androgens compared to women who did not report low sexual function. Low sexual function was defined as a score of 0 out of a possible 100 for each aspect of sexual function for women aged 45 years and above and a score in the lowest 5% of scores for women under 45 years.

    We found that for each aspect of sexual function evaluated: desire, arousal, pleasure, orgasm, receptivity and self-image, women who had a low score did not have different blood levels of total testosterone or free testosterone than women who did not have a low score.

    We did find that women under 45 years who reported low desire, arousal and receptivity were between 3 to 6 fold more likely to have a low level of the hormone DHEA sulphate as were women 45 years or more who reported low sexual receptivity. However, of note, there were also a number of women who had a low DHEA sulphate level, but normal sexual function. Thus measurement of DHEA sulphate also does not provide a diagnostic test.

    Es geht hier, wie man dem ersten Absatz entnehmen kann, um „Sonderfälle“ nämlich Frauen mit einem sehr niedrigen Sexualtrieb: Ein Ergebnis von 0 bei den Frauen, die über 45 Jahre alt waren und die niedrigsten 5%, die unter 45 Jahre waren.

    Bei dieser Sondergruppe hat man nun festgestellt, dass ein Zusammenhang nicht vorhanden war. Dafür gibt es verschiedene Erklärungen:

    Zum einen kann bei dieser Sondergruppe beispielsweise auch einfach nicht das Testosteron interessant sein, sondern die Erkennbarkeit des Testosterons für den Körper, zB über die Rezeptoren. Wer viel Testosteron hat, aber keine oder wenige Rezeptoren, der hat quasi kein Testosteron aus Sicht des Körpers. Hinzukommt, dass bei Frauen über 45 natürlich auch die Östrogenproduktion heruntergefahren wird und sie daher häufig nicht oder nicht mehr so so starkt feucht werden, was Sex und die Lust darauf auch beeinträchtigen kann. Das zeigt sich auch daran, dass es bei jüngeren Frauen wesentlich wahrscheinlicher war, dass ein Testosteronmangel vorlag.
    Zudem hat Sex natürlich mehr als ein Nachfrage- bzw. Belohnungssystem. Testosteron ist die ursprüngliche Lust, das animalische daran. Aber beim Sex werden auch weitere Hormone ausgeschütet. Ich hatte das bei „Testosteron und Libido“ schon mal beschrieben:

    Es heißt auch nicht, dass Frauen nicht auch genauso viel Sex wollen, aber für sie sind dabei vielleicht nicht so stark die Befriedigungen der animalischen Lust im Vordergrund sondern sie genießen eher die Ausschüttung von Hormonen wie dem „Kuschelhormon“ Oxytocin, sowie einer Reihe von Endorphinen wie Serotonin und Dopamin. Daraus entstehen dann ganz andere Erwartungen an Sex, die sich in den jeweiligen Wünschen niederschlagen. Die meisten Frauen davon zu überzeugen, Sex nach den Vorstellungen der Männer zu haben, macht wenig Sinn, weil für sie der biologische Reiz am puren Sex dabei, nämlich die Stillung animalischer Lust, wesentlich geringer ist. Natürlich könnten sich Frauen frei dafür entscheiden, die Chance ist aber höher dass die meisten Frauen diesen Lebensweg nicht wählen sondern sich für einen anderen, zB Sex in einer Partnerschaft entscheiden, weil dieser ihnen aufgrund ihres körperlichen Unterschiede „logischer“ erscheint.

    Den Effekt von Testosteron auf die Libido bestreiten die Autorinnen der Studie auch nicht:

    Does this mean that testosterone is not effective for some women who have low libido?

    NO, several large studies of testosterone in women who have had a surgical menopause ( ovaries removed) show a significant improvement is sexual satisfaction and several other aspects of sexual wellbeing. Fewer studies report the same findings for women who have undergone natural menopause and there is one published study of improvement in libido in premenopausal women with short term testosterone therapy.

    However, safety information for the use of testosterone for greater than 12 months is lacking.

    Die Studie hat damit einen vollkommen anderen Forschungsschwerpunkt als die Widerlegung, dass Testosteron nicht mit der Libido im Zusammenhang steht. Es geht darum, ob man bei Frauen, die eine extrem niedrige Libido haben, immer Testosteron als Ursache angeben kann.

  2. Verstehe. Im Abstract heißt es ja auch:

    Context: It has been proposed that low sexual desire and sexual dysfunction are associated with low blood testosterone levels in women. However, evidence to support this is lacking.

    Das wird dann mit der Überschrift „Studie: Weibliche Libido hängt nicht von Geschlechtshormonen (Testosteron, Androgene) ab“ kommuniziert, was ja falsch ist. Es müsste also heißen: „niedrige weibliche Libodo steht nicht immer im Zusammenhang mit einem niedrigen Testosteronspiegel“ Böse Falle..

    http://www.medknowledge.de/abstract/med/med2005/07-2005-45-libido.htm

  3. Ja, die Studie ist eigentlich klar, wird aber gerne falsch zitiert. Insofern war es eine gute Gelegenheit hier einmal etwas dazu zu sagen.

    Das Testosteron und Libido in einem Zusammenhang stehen ist eigentlich nicht mehr umstritten. Allerdings ist Sex etwas komplizierter als nur Testosteron und man kann natürlich auch aufgrund anderer Komponenten (natürlich auch sozialer) keine Lust auf Sex haben, selbst wenn eigentlich ein normaler Testosteronlevel vorliegt.

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