„Ich bin nicht weniger wichtig als mein Mann, der Professor ist oder eben Ingenieur“

Ein Artikel zur Partnersuche einer Karrierefrau:

Meine Unabhängigkeit ist ganz sicher hinderlich bei der Suche. Ich will den Typen nicht bewundern. Aber ich glaube, damit kommen viele Männer nicht klar. Ich will auf Augenhöhe wahrgenommen werden. Wenn ich Männer treffe, haben die alle schon eine Frau, die zu Hause die Kinder hütet, während der Mann durch die Welt tingelt, sich selbst verwirklicht, seinem Beruf nachgeht und abends dann auch noch manchmal nette Kolleginnen ausführt.

Meine Mutter sagt, diesen Mann, der mich auf Augenhöhe trifft und der mein Leben teilt, gibt es nicht. Also ein bisschen muss ich ihr recht geben: Zumindest in Schmalkalden gibt es den nicht. Meine letzte Partnerschaft ist kaputtgegangen, weil er ganz klar gesagt hat: ‚Ich habe meinen Job, ich bin Ingenieur, ich bringe das Geld nach Hause. Lass doch du deine Dissertation!‘ Er wollte, dass ich meine Arbeit auf Eis lege, ihn heirate und Kinder bekomme. Die Dissertation war für ihn nur so eine Zwischenarbeit zwischen Studium und Mutterschaft. Und da habe ich natürlich gesagt: ‚Nein, ich schreibe meine Dissertation.‘ Und dann ist das eben auseinandergegangen.

Ich habe doch auch Wünsche und Träume und bin nicht weniger wichtig als mein Mann, der Professor ist oder eben Ingenieur. So wie ich mich für seine Projekte interessiere, muss er sich auch für meine Projekte interessieren.

Interessant finde ich, dass die Idee, dass ein Partner kein Ingenieur oder Professor sein muss, ihr anscheinend gar nicht in den Sinn kommt. Sie will einen Mann, der Karriere gemacht hat, dann aber anscheinend das auch wieder einschränkt.

Inwiefern ihre eigenen Partnerwahlkriterien da die Suche behindern und ob sie vielleicht nach einem Mann suchen sollte, der weniger auf Karriere aus wahr, kommt da nicht in ihren Gedanken vor.

Alter Männer, junge Frauen

Bei Slate regt sich eine Autorin darüber auf, dass so viele (reiche und berühmte) Männer junge Frauen haben.

Interessant ist ihre Begründung:

Older men who date much younger women make the transactional, hierarchical nature of romance explicit and reveal the extent to which men and women are still playing by very different rulebooks. In other areas of life, we gesture toward valuing things beyond the superficial. For most of us, in dating those things kind of go out the window, but then people tend to pair off with partners at about the same attractiveness level that they occupy. It all evens out. Except! Some older men have this secret other option, whereby they get to opt out of the system: When they acquire enough money or power, they can basically trade that capital for the thing women have that’s valued by society: youth and beauty. The pretense of finding someone who can be a partner and equal disappears; women both young and old get to see that all that really matters is how you look in a bikini. Meanwhile, women also watch their romantic options shrink as they age—a similar amount of money or power on their part usually doesn’t bring all the boys to the yard in quite the same way.

(…)

Still, more often than not, these pairings feel icky because they are icky: The parties aren’t on equal footing; different experiences and life stages are inevitably going to make it harder to relate. Attention from an older man might feel flattering, but do your future self a solid and ask: Why isn’t this guy interested in people his own age?

The personal is political. John Waters has said, “If you go home with somebody, and they don’t have books, don’t fuck ‘em!” Let’s revise that to add that if someone wants you to be the May to their December or vice versa, don’t let ‘em. In the end, this is no time to be a traitor to your generation. Instead, find someone your own age who’s even hotter. Get you a man you can talk about Pokémon Go with—or get you a woman you can talk about the Carter administration with.

In einem Teil ihrer grundlegenden Gedanken hat sie Recht: Frauen können Macht und Geld nicht in gleicher Weise in Attraktivität umsetzen wie Männer. Was sie nicht versteht: Männer können Jugend und Schönheit eben auch nicht in der Weise in Attraktivität umsetzen wie Frauen, dass sie sich damit den Zugang zu Macht und Geld verschaffen können.

Und natürlich blendet sie aus, dass Partnerwahlkriterien und die Frage, was wir einen hohen Wert aussuchen nicht Kriterien der Gerechtigkeit oder der Gleichheit unterliegt, sondern unserer Biologie: Eine Frau kann eben nur bis zu einem gewissen Alter Kinder bekommen und damit lohnt sich eine Selektion auf Jugend eher für Männer.

Ich hatte hier auch schon einmal aufgeführt, dass der Umstand, dass Männer auf vergleichsweise junge Frauen stehen (18-25) sogar in gewisser Weise als  Ausdruck einer „männlichen Romantik“ gesehen werden kann:

Nur mit jungen Frauen kann man noch lange eine Vielzahl von Kindern bekommen.

Gut, Frauen in dem Alter sind auch auf dem Höhepunkt ihrer Fruchtbarkeit, so dass auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei kurzfristigen Sex schwanger wird, steigt, aber der andere Grund klingt doch gleich viel freundlicher.
Dazu noch mal diese Grafik:

Unfruchtbarkeit Frau Alter

 Wie man sieht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine 20 unfruchtbar ist, bei 3% und die Wahrscheinlichkeit, dass sie schwanger wird, sehr hoch.
Interessant ist, dass sie so deutlich anspricht, dass sie das ärgert, was bei intrasexueller Konkurrenz immer verständlich ist und dann als richtiges Verhalten ausgibt, dass die Partner „Gemeinsamkeiten“ haben und sich als gleichwertig ansehen. Das ein reicher mächtiger Mann eine schöne Frau als gleichwertig ansieht und sie ihn scheint merkwürdigerweise für sie ausgeschlossen, sie wertet indirekt die Frau zu etwas ab, was nur Sex ist. Bei den Gemeinsamkeiten sieht sie anscheinend eher eine Langzeitstrategie am Werk, was aus weiblicher Sicht eine gewisse Berechtigung hat: Aus seiner Sicht deckt die Beziehung eher noch den Rest seines Lebens ab als aus ihrer Sicht.

„Er hat keine Gefuehle, will aber mit mir schlafen“

In den Suchbegriffen tauchen immer wieder Varianten der Aussage „“Er hat keine Gefuehle, will aber mit mir schlafen“ auf, beispielsweise:

will er nur das eine

er will nur Sex sonst nichts

warum will er nur Sex und keine beziehung

er will nur Sex behandelt mich aber sonst wie in einer beziehung

wie kann man einem Mann sagen das man nicht nur Sex will

er will keine feste Beziehung aber Sex

er will mit mir schlafen aber keine Beziehung

warum schläft er noch mit mir obwohl er weiß, dass wir nicht zusammen kommen

Die Antwort darauf erscheint mir als Mann naheliegend:

Sex ist etwas, was nicht so einfach zu bekommen ist also wollen viele eine Quelle dafür nicht ohne weiteres aufgeben

Hintergrund dürfte auch sein, dass Männer Sex einfach so anders bewerten als die meisten Frauen. Eben gerade auch, weil sie ihn nicht ohne weiteres (abseits der Prostitution) haben können, eine Frau aber nicht.

Natürlich kann es das auch anders herum geben: Sie will einfach nur Sex, aber keine Beziehung. Aber ich vermute mal, dass den meisten Männern in dieser Situation der Wert von Sex durchaus bewusst ist und sie vielleicht eher fragen würden, wie man das ändern kann oder wie man sie umstimmen kann.

Vielleicht sind diese Aussagen aber auch genauso gemeint und es wird nach entsprechenden Schilderungen von vergleichbaren Situationen gesucht, um damit dann die Situation besser zu verstehen

Ich habe daher mal unter den Suchbegriffen gesucht. Aus den Fünden:

Im Forum von Elitepartner:

Ich kenne seit ca. 2 Monaten einen Mann. Es ging von Anfang an nur darum, dass er eine Affäre mit mir möchte (seine Aussage: „Bis ich was anderes gefunden habe.“). Wir haben uns auch getroffen und waren miteinander im Bett. Es war sehr schön mit ihm, er war sehr zärtlich. danach wollte er, dass wir uns öfters treffen, nicht nur für Sex, sondern auch zum weggehen, Therme, bummeln….
Doch einen Tag danach fing er mit Zweifel an und ob ich es schon möchte, dass wir uns nur für Sex treffen. Ich habe ihm gesagt, dass ich mehr nicht ausschließen werde, weil ich nie weiß, wie sich meine Gefühle entwickeln werden (bin ja schließlich keine Maschine).
Doch er schließt eine Beziehung kategorisch aus, weil ich nicht seinem Frauentyp entspreche. Ich finde das schon sehr komisch. Warum will er dann eine Affäre mit mir, wenn ich nicht seinem Typ entspreche? Ist es ihm egal, mit wem er schläft?
Was haltet ihr davon?

Das scheint eher dafür zu sprechen, dass zumindest diese Frau den Unterschied tatsächlich nicht sieht: Er möchte sich nicht an sie binden, aber den Sex mitnehmen ohne große Verpflichtungen zu haben ist vollkommen okay.

Ich hatte es in meinem Beitrag über die Fuckzone mal wie folge ausgedrückt:

Häufig kann es aber genau so gut sein, dass gerade in der Konstellation Mann-Frau auch hier die Attraction nicht hinreichend hoch ist. Er kann sich vorstellen, mit ihr zu schlafen, aber er will sich nicht dauerhaft an sie binden und dafür andere Frauen aufgeben. Sie ist sozusagen schön genug für Sex, aber nicht schön genug für eine Beziehung. Eine andere Variante ist: Sie wäre zwar gut genug aussehend für eine Beziehung, aber ihre Art und Persönlichkeit sind nicht nach seinem Geschmack, so dass er zwar kurze Zeit Sex mit ihr haben kann, ansonsten aber an ihr nicht interessiert ist.

Wer zu häufig in der Fuckzone landet, der sollte gerade als Frau die Auswahl seiner Männer beachten: Es spricht dann einiges dafür, dass die jeweilige Frau zu hoch rangeht oder zu nervig ist für die Klasse der Männer, die sie auswählt. Wenn man gut aussieht, dann ist es eben ein Persönlichkeitsproblem, also quasi im Komfortbereich zu verorten.

Mir kommt es so vor als könnten Frauen diesen Gedanken nur sehr schwer nachvollziehen, dass für viele Männer Sex etwas weit unproblematischeres ist als für sie, nämlich in dem Sinne, dass sie dafür nicht viel an persönlichen Kontakt oder Gefühlen benötigen und gleichzeitig etwas, was sie schwer bekommen. Im Gegenzug finden es viele Männer schwer verständlich, warum sich eine Frau bestens mit ihnen versteht aber trotz einer gewissen Gleichwertigkeit im Aussehen keinerlei Interesse an einem mehr hat, sondern der Mann in der Friendzone landet

Einer der Kommentatoren dort analysiert die Situation wie folgt:

„mechanisch“ bist du, weil du auch Sex haben kannst ohne Gefühle, genau wie ER!
Für einen Mann gibt es doch nichts Besseres, als jederzeit eine Frau parat zu haben, die verfügbar für seine sexuellen Bedürfnisse ist. Besser gehts doch nicht! Du musst nicht unbedingt sein Frauentyp sein, wenn Männer die Eier anschwillen, dann nehmen sie was kommt, besser als garnichts! Schade, dass du dich so billig hergibst, sozusagen als „Wixvorlage“ für den notgeilen Mann dienst. Naja, wirklich zu bedauern bist du nicht…sorry für die ehrlichen Worte!

Da schwingt eine gewisse Verachtung für die männliche Sexualität mit, insbesondere für den notgeilen Mann, der nicht das bekommt, was er will und daher seine Anforderungen herunterschraubt. Es wäre in feministischer Sprechweise auch „Slutshaming“ dabei, denn das sie Sex mit ihm hat wird eben nicht als „Empowernd“ sondern als Ausnutzen durch ihn angesehen.

Ein anderer Fund:

Er will keine beziehung hat aber sex mit mir!
Kurzfassung: Er möchte keine Beziehung aber möchte das ich bei ihm bin und Zeit mit ihm verbringen.Sex haben wir auch.Er sagt er mag mich sehr und wir führen schon sowas wie eine Beziehung aber er will das alles geheim halten und ich kann das alles langsam nicht mehr.das alles geht schon 3-4 monate und ich verliebe mich langsam in ihn.ich hab schon versucht das zu beenden aber er fehlt mir so und ich möchte nicht das es zu ende geht 😦 was soll ich machen?

Klingt für mich als würde er sich durchaus ganz wohl fühlen, aber wüsste, dass er an Status verlieren würde, wenn es rauskommen würde, vielleicht, weil ihr Partnerwert ansonsten von ihm wesentlich zu niedrig eingeschätzt wird. Vielleicht hat er ihr auch nur Honig um den Mund geschmiert, damit sie weiterhin mit ihm schläft.

Es scheint mir jedenfalls ein Problem zu sein, bei dem die unterschiedliche Sichtweise und die verschiedene Einstellung zu Sex Probleme mit sich bringt und das gegenseitige Verstehen erschwert.

 

 

Geschlechterunterschiede in den Partnerwahlkriterien

Eine interessante Studie hat noch einmal Partnerwahlkriterien überprüft:

Evolutionary psychologists have argued for evolved sex differences in human mate preferences (e.g., (Buss and Barnes Journal of Personality and Social Psychology 50,559–570, 1986; Buss American Scientist 73,47–51, 1985, Behavioral and Brain Sciences 12, 1–49, 1989, 1994). Specifically, they have suggested that men and women place different values on physical appearance, fertility, and economic stability when they choose a long-term partner (e.g., Miller 2000; Buss and Schmitt Psychological Review 100, 204–232, 1993; Fisman et al. 2006; Sprecher et al. Journal of Personality and Social Psychology 66, 1074–1080, 1994). In this short report, we replicated a seminal study that investigated preferences for potential marriage partners (Sprecher et al. Journal of Personality and Social Psychology 66, 1074–1080, 1994) to assess if sex differences in mate preferences may have converged over time due to social change via a crowd-sourced sample (n = 522). The replication was largely successful and, thus, suggests stable sex differences in long-term mate preferences in line with an evolutionary framework. However, we also found evidence for narrowed sex differences for preferences with regard to ethnicity and education. Interestingly, while the original study found no sex difference in the preference for marrying the previously married, the current study showed that women were slightly more inclined than men to prefer a previously married partner. Therefore, these findings also suggest that social change and societal norms could make long-term mate preferences flexible and influence how they develop over time.

Quelle: Sex Differences in Mate Preferences: a Replication Study, 20 Years Later

Hier die Werte:

Werte Partnerpräferenzen Männer Frauen

Werte Partnerpräferenzen Männer Frauen

Und als Text:

Women reported being more willing than men to marry someone older by five or more years (F = 43.95, p = 0.001, d = 0.58), who already had children (F (1, 520) = 19.64, p = 0.001, d = 0.40), who would earn much more than themselves (F = 22.20, p = 0.001, d = 0.40), who was not “good-looking” (F (1,520) = 24.59, p = 0.001, d = 0.43), who had been married before (F (1,520) = 5.85, p < 0.05, d = 0.22), and who had more education (F (1,520) = 11.79, p = 0.001, d = 0.30).

Men reported being more willing than women to marry someone younger by five or more years (F = 51.56, p = 0.001, d = 0.65), not likely to hold a steady job (F (1,520) = 42.43, p = 0.001, d = 0.57), and who would earn much less (F = 7.46, p = 0.01, d = 0.24). No statistically significant sex differences were observed in preferences for a different religion, different race, and someone with less education (all p values >0.22).

These results thus largely correspond to the results of Sprecher et al. (1994) except for “having been married before,” “was of a different race,” and “had less education than you.” An analysis of variance also revealed a sex difference (men; M = 5.02, SD = 1.58, women; M = 5.47, SD = 1.44) for perceived importance of marriage for a long-term relationship (F (1,520) = 11.27, p = 0.01, d = 0.29), with women valuing marriage more than men did. This variable, the perception of importance, also moderated the sex difference on the willingness to marry someone older by five or more years (B = −0.24, p = 0.01, η p 2  = 0.01). For women, importance of marriage was positively related to a greater willingness to marry a man who was older by five years or more (F (1,260) = 12.23, p = 0.001, η 2  = 0.045), whereas for men, importance of marriage was not significantly related to a greater willingness to marry someone who was five years or older (F (1,257) = 0.24, p = 0.62). Importance of marriage did not significantly moderate any of the other reported sex differences (all of the p values >0.09).

Andere Studien dazu:

Laurie Penny, die „Fuck Zone“ und „gute Männer sind wie Einhörner“

Laurie Penny hat einen Anti-Valentins-Rant verfasst, den ich in Auszügen sehr interessant finde:

It’s not that I didn’t get upset and frustrated. There were times when I badly wanted a partner, and for much of that time, I felt like I had to choose between having one and being my best self. That self, the self that was dedicated to writing, travelling and doing politics, that had many outside interests and more intense friendships, was not something men seemed to value or desire—at least not in that way. I don’t mean to suggest that I don’t also have gigantic, awkward flaws that make me largely unbearable to be with—just that boys rarely stuck around long enough to find that out. Plenty of them were perfectly happy to sleep with me, but after a little while, when I became a real person to them, when it became more than just sex, they turned mean or walked away.

Finde ich vor dem Hintergrund erstaunlich, dass sie erkennbar nur von sich selbst ausgeht und in keiner Weise darüber nachdenkt, wie sie wohl auf Männer wirkt und was diese an ihr interessant finden könnten. Das Männer ihren Erfolg und ihre politischen Interessen nicht interessant finden ist wenig verwunderlich, wenn sie Aussagen wie

Romantic love is a systemic lie designed to manipulate women into lifelong emotional labour. But I still get butterflies sometimes.

macht oder wenn sie es als Zumutung und zum Schweigen bringen empfindet, wenn man aus Rücksicht auf die Männer nicht mehr sagen darf, dass Männer nun einmal Frauen unterdrücken

These days, before we talk about misogyny, women are increasingly being asked to modify our language so we don’t hurt men’s feelings. Don’t say, “Men oppress women” – that’s sexism, as bad as any sexism women ever have to handle, possibly worse. Instead, say, “Some men oppress women.” Whatever you do, don’t generalise. That’s something men do. Not all men – just somemen.
This type of semantic squabbling is a very effective way of getting women to shut up. After all, most of us grew up learning that being a good girl was all about putting other people’s feelings ahead of our own. We aren’t supposed to say what we think if there’s a chance it might upset somebody else or, worse, make them angry. So we stifle our speech with apologies, caveats and soothing sounds. We reassure our friends and loved ones that “you’re not one of those men who hate women”.
Welcher Mann sehnt sich bei einer derartigen Frau nicht nach einer langen Beziehung?
Es scheint also als würde Laurie weniger in die Friendzone und eher in die Fuckzone kommen. Dazu schrieb ich mal:

Häufig kann es aber genau so gut sein, dass gerade in der Konstellation Mann-Frau auch hier die Attraction nicht hinreichend hoch ist. Er kann sich vorstellen, mit ihr zu schlafen, aber er will sich nicht dauerhaft an sie binden und dafür andere Frauen aufgeben. Sie ist sozusagen schön genug für Sex, aber nicht schön genug für eine Beziehung. Eine andere Variante ist: Sie wäre zwar gut genug aussehend für eine Beziehung, aber ihre Art und Persönlichkeit sind nicht nach seinem Geschmack, so dass er zwar kurze Zeit Sex mit ihr haben kann, ansonsten aber an ihr nicht interessiert ist.

Wer zu häufig in der Fuckzone landet, der sollte gerade als Frau die Auswahl seiner Männer beachten: Es spricht dann einiges dafür, dass die jeweilige Frau zu hoch rangeht oder zu nervig ist für die Klasse der Männer, die sie auswählt. Wenn man gut aussieht, dann ist es eben ein Persönlichkeitsproblem, also quasi im Komfortbereich zu verorten.

Da scheint mir bei Laurie Penny auf jedenfalls die Persönlichkeit ein größeres Problem zu sein, je nach dem welche Männer sie sich aussucht könnte auch Schönheit ein Problem sein.

Laurie Penny

Laurie Penny

 Sie scheint nicht die eigentlich hinreichend bekannte Tatsache zu verstehen, dass Männer Casual Sex aufgrund des stärkeren Sexualtriebs so ziemlich mit jeder für sie einigermaßen passablen Frau haben und das nichts weiter über daraus hinausgehendes Interesse aussagt. Sie scheint auch darunter zu leiden, dass die Männer sie nur für Sex benutzen und darüber hinaus kein weitergehendes Interesse an ihr haben. Sie scheint sich aber nicht bewußt zu machen, warum die Männer es nicht mit ihr aushalten, bis sie „ihre eigentlichen Charakterfehler erkennen können“. Sie scheint also schlicht keinerlei Reflextionsvermögen diesbezüglich zu haben oder aber ihre innere mentale Barriere ist zu stark um sich das bewußt machen zu können.

Auch diese Stelle fand ich interessant:

Nothing frustrates me so much as watching young women at the start of their lives wasting years in succession on lacklustre, unappreciative, boring child-men who were only ever looking for a magic girl to show off to their friends, a girl who would in private be both surrogate mother and sex partner. I’ve been that girl. It’s no fun being that girl. That girl doesn’t get to have the kind of adventures you really ought to be having in your teens and twenties. It’s not that her dreams and plans don’t matter, but they always matter slightly less than the boy’s, because that’s what boys are taught to expect—that their girlfriend is there to play a supporting role in their life.

Das klingt als wolle sie gleichzeitig „echte Männer“, was ich bei Feministinnen immer lustig finde. Gleichzeitig scheint mir hier auch eine gewisse intrasexuelle Konkurrenz durchzuschimmern: Diese „Magischen Mädchen, mit denen man bei seinen Freunden angeben kann“ dürften ja üblicherweise hübsch sein. Es ist eine gewisse Form von „diese anderen Frauen biedern sich bei den Jungs an, indem sie sie umsorgen und für Sex zur Verfügung stehen, statt unabhängig und abenteuerlustig zu sein wie ich“.

Wie wenig sie den Partnermarkt versteht zeigt sich dann auch daran, dass sie meint, dass Männer die Frauen nur als mit „einer Unterstützungsrolle ausgestattet“ ansehen. Die meisten Männer dürften eher sehr bemüht um eine Freundin sein und ihre Beziehung als durchaus sehr wesentlich ansehen.

Dazu passt auch diese Stelle:

Today, whatever else we are, women are still taught that we have failed if we are not loved by men. I’ve lost count of the men who seem to believe that the trump card they hold in any debate is “but you’re unattractive”. “But I wouldn’t date you.” How we feel about them doesn’t matter. Young women are meant to prioritise men’s romantic approval, and young men often struggle to imagine a world in which we might have other priorities.

Mir scheint, sie ist wirklich unfähig eine andere Perspektive als die eigene, geschweige denn eine männliche Perspektive, einzunehmen. Für sie ist es wahrscheinlich unvorstellbar, dass beide Geschlechter regelmäßig danach bewertet werden, wie attraktiv sie für das andere Geschlecht sind und das Beleidigungen üblicherweise gerade den Partnerwert betreffen. Natürlich hören auch Männer häufig, dass sie „keine abbekommen würden“, sie werden als „Wichser“ bezeichnet, sie fühlen sich schlecht, wenn ihre Freunde Freundinnen haben und sie nicht. Und natürlich ist „du bist unattraktive“ oder „ich würde keine Beziehung mit dir wollen“ eine gern genommene Beleidigung, weil sie eben gerade wenn sie von Männern kommt, die mit nahezu jeder Frau schlafen würden, den Partnerwert nachhaltig abspricht. Frauen können damit weitaus weniger beleidigen, weil es ihr Default-Zustand ist: Sie wollen per se nicht mit den meisten Männern schlafen. Ein Mann muss erst besonders gut aussehen oder sich besonders um sie bemüht haben, damit dies der Fall ist. Es ist der Grund, warum man in Bars und Clubs „Ladies Nights“ hat und keine „Boys Nights“: Wenn man Frauen einen Grund gibt in den Klub zu kommen, dann hat man damit den Männern einen Grund gegeben, in den Klub zu kommen. Ihre Vorstellung, dass es dabei dann darum geht, dass Männer Frauen „romantisch bestätigen“, ist aus dieser Sicht eher lebensfremd.

Ich kann mir aber vorstellen, dass es ein wunderbarer Selbstschutz ist: Männer beuten einen in einer Beziehung eben nur aus, sie erwarten, dass sie der Mittelpunkt sind, andere Frauen sind doof genug, das zu machen, aber Laurie eben nicht! Sie lässt sich nicht von den Männern unterdrücken und erlebt lieber Abenteuer!

Vielleicht ist Laurie Penny also auch Feministin, weil sie einfach nicht damit zurecht kommt, dass sie bei Männern nicht ankommt und verarbeitet das auf diese Weise.

Sie führt weiter aus:

“In patriarchal culture,” as bell hooks observes in All About Love: New Visions, “men are especially inclined to see love as something they should receive without expending effort. More often than not they do not want to do the work that love demands.”

Es ist lustig, dass sie sich oben davon freisagt, dass man als Frau Arbeit in die Liebe stecken sollte und anscheinend nicht bereit ist, dafür etwas zu tun und gleichzeitig den Männern vorhält, dass sie ihrerseits nichts tun.

Es erscheint mir angesichts dessen, dass üblicherweise der Mann in der Beziehungsanbahnung weitaus mehr machen muss als die Frau, auch eine typisch unrealistische Verfälschung der tatsächlichen Abläufe. Und auch in einer Beziehung sind es häufig genug die Männer, die versuchen müssen ihre Frau glücklich zu bekommen: Wie gut eine Beziehung läuft bewertet sich eben danach, wie glücklich die Frau ist (A happy wife, a happy life„). Das sich die Männer dabei nicht um Laurie bemühen kann durchaus sein.

Laurie meckert weiter:

 Even the very best and sweetest of men have too often been raised with the expectation that once a woman is in their lives romantically, they will no longer have to do most of the basic chores involved in taking care of themselves. When I’ve spoken critically about this monolithic ideal of romantic love in the past, most of the pushback I’ve received has been from men, some of it violent, and no wonder. Men usually have far more to gain from this sort of traditional arrangement. Men are allowed to think of romantic love as a feeling, an experience, a gift that they expect to be given as a reward for being their awesome selves. That sounds like a great deal to me. I wouldn’t want that challenged.

Puuuh, was für eine verschrobene Sicht. Da sagt sie den Männer Sätze wie

Romantic love is a systemic lie designed to manipulate women into lifelong emotional labour. But I still get butterflies sometimes.

und die widersprechen ihr auch noch! Unvorstellbar, wirklich, die arme Laurie. Dabei ist es doch ganz klar, dass Männer sonst gar nichts machen, sondern sich selbst als Belohnung für alles sehen, während die Frau ackert.

Ich bin weit eher geneigt, dass viele Frauen das Prinzip, dass sie die Belohnung sind, insbesondere ihre gute Laune, weitaus eher umsetzen können als viele Männer

Women, by contrast, learn from an early age that love is work. That in order to be loved, we will need to work hard, and if we want to stay loved we will need to work harder. We take care of people, soothe hurt feelings, organise chaotic lives and care for men who never learned to care for themselves, regardless of whether or not we’re constitutionally suited for such work. We do this because we are told that if we don’t, we will die alone and nobody will find us until an army of cats has eaten all the skin off our faces.

Hier scheint sie die Vorstellung der aufopfernden bürgerlichen Hausfrau, die selbstlos für die Familie werkelt zu beschwören. Immer nur „Care Arbeit“ leistend ohne jemals etwas zurückzubekommen. Und der Mann ist der Pascha im Haus. Und jede Frau die das nicht macht bekommt eben Angst damit gemacht, dass sie einsam stirbt und ihre Katzen sie auffressen.

Natürlich kann man da auch das gegenteilige Bild malen: Der Mann, der sich totarbeitet, damit die Familie gut leben kann, dessen Frau zuhause sitzt und wie Peggy Bundy Fernsehn schaut und Bonbons ist. Man kann dagegen auch das Bild des Mannes stellen, der ganz unter dem Pantoffel seiner Frau steht.

Little boys are told they should “get” girlfriends, but they are not encouraged to seriously consider their future roles as boyfriends and husbands. Coupledom, for men, is not supposed to involve a surrendering of the self, as it is for women. Young men do not worry about how they will achieve a “work-life balance”, nor does the “life” aspect of that equation translate to “partnership and childcare”. When commentators speak of women’s “work-life balance”, they’re not talking about how much time a woman will have, at the end of the day, to work on her memoirs, or travel the world, or spend time with her friends. “Life”, for women, is envisioned as a long trajectory towards marriage. “Life”, for men, is meant to be bigger than that.

Ach, die alte Darstellung, dass es Frauen schwerer haben, weil sie nicht einfach nur auf Arbeit festgelegt sind, sondern eine Wahl haben.

No wonder single girls are stigmatised, expected at every turn to expected to explain their life choices. No wonder spinsterhood is supposed to be the worst fate that can befall a woman. “Spinster” is still an insult, whereas young men get to be fun-loving bachelors, players and studs. There would be serious social consequences if we collectively refused to do the emotional management that being a wife or girlfriend usually involves—so it’s important that we’re bullied into it, made to feel like we’re unworthy and unloveable unless we’re somebody’s girl. Today, we’re even expected to deliver the girlfriend experience in the workplace, as “affective labour”—the daily slog of keeping people happy—becomes a necessary part of the low-waged, customer-facing, service-level jobs in which women and girls are over-represented.

Ist das eigentlich ein „ich bin Single und das darf mir keiner vorwerfen, warum sind alle so gemein zu mir“? Frauen werden bei ihr also in die Beziehung geprügelt, wo sie ausgebeutet werden. Und nur sie widersetzt sich heroisch. Das Frauen einfach so eine Beziehung wollen und das Männer auch genug in diesen machen, dass wird einfach ausgeblendet.

That’s an ideological reason to be single. Now here’s a practical one. The truth is that most men in their teens and twenties have not yet learned to treat women like human beings, and some never do. It’s not entirely their fault. It’s how this culture trains them to behave, and in spite of it all, there are a few decent, kind and progressive young men out there who are looking for truly equal partnerships with women.

 Nein, im Feminismus hassen wir Männer nicht, wir beklagen nur, dass sie Frauen eben nicht als Menschen behandeln können und wir sagen sogar, dass es nicht vollständig ihre Schuld ist. Wir gestehen sogar zu, dass es ein paar ganz wenige Männer gibt, die nicht ganz schlecht sind. Wie kann man nur immer wieder behaupten, der Feminismus habe etwas gegen Männer? Wir halten euch nur vor, dass ihr eben scheiße seid, weil ihr es seid, aber ihr könnt euch ja bessern. Ich wundere mich ja wirklich, warum Männer keine Beziehung mit ihr wollen.

The trouble is that there aren’t enough of them for all the brilliant, beautiful, fiercely compassionate women and girls out there who could really do with someone like that in their lives. Those men are like unicorns. If you meet one, that’s great. You might think you’ve met one already—I’ve often thought so—but evidence and experience suggest that a great many unicorns are, in fact, just horses with unconvincing horns. If you don’t manage to catch a real unicorn, it doesn’t mean there’s anything wrong with you. Either way, you should have a plan B.

„Der Grund warum ich Single bin ist, dass es einfach kaum gute Männer gibt, das kann man mir doch wirklich nicht vorwerfen! Wie Einhörner sind sie, quasi nicht existent. Wirklich, es liegt an den Männern! Nicht daran, dass mich keiner gut genug für etwas ernsteres findet“

Ich finde mit Laurie Penny gewinnt die These, dass Feminismus ein Kampfmittel der intrasexuellen Konkurrenz unter Frauen ist, durchaus an Gewicht.

Frauen und ihr Mitwirken an den Geschlechterrollen

Beim „Good Men Projekt“ gibt es eine interessante Erkenntnis einer Frau

I live in a house full of men: little men, big men, young men, and old men. Between my husband, four sons and all their friends, I have men of all shapes and sizes roaming through my house all the time. Not long ago, I started sharing what I’ve learned from observing all these men on a blog I called Boys Cry Too.

My goal was to convince everyone that teaching boys not to cry has a multitude of unhealthy side effects and we should stop. Shortly after my first few posts went live though, my husband looked at me and said, “What you’re saying on your blog is great, but you don’t really mean it.”

I desperately want an emotionally intelligent spouse who can converse intimately with me about our most vulnerable feelings. Except when I don’t.
I was startled and asked what he meant. He continued, “When you wake me up in the middle of the night because you heard a noise that made you nervous, the last thing you want to hear is that I’m scared too.”

I was speechless, and I’m rarely speechless; but he was right.

I desperately want an emotionally intelligent spouse who can converse intimately with me about our most vulnerable feelings. Except when I don’t. Sometimes what I really want is a fearless, superhero who will walk through the house at four o’ clock in the morning and confront whatever strange noise I may have heard while I stand at the top of the stairs holding the phone.

I want sons who will talk about their feelings and make compromises instead of pummeling each other, but I also want them to defend themselves if someone picks on them at school. I want them to be peacemakers, but not pushovers. I want them to be obedient, and independent, confident, yet introspective. And since I’m being honest, I’ll just go ahead and say it: I want them to kick ass out on the field.

I want my husband to help with the dishes, change diapers, and fold laundry; but I’m more physically attracted to him when he comes inside sweaty from a day of manual labor. I hate guns, but I’m glad my husband knows how to use one. Sometimes I want him to hug me when I’m crying and other times I’d prefer he just make me laugh.

Women are too. Women’s contradictory expectations are actually helping in many ways to perpetuate the stereotypes men struggle against.
When my husband pointed all this out to me, I was stunned. Here I was championing the softer side of boys every day on my blog, but in real life I was often communicating a desire for the exact opposite. I was a classic case of saying one thing and doing another, but blissfully unaware of my hypocrisy.

Das ist eigentlich eine Erkenntnis, zu der man durchaus leicht kommen kann. Es ist erstaunlich, dass sie in der Geschlechterdebatte auf Seiten des Feminismus so vollkommen untergeht.

„Männer wählen schlaue statt schöne Frauen“

Ein Artikel macht gerade die Runde, der interessante Theorien zur Partnerwahl aufstellt:

In the current sociocultural framework for understanding mating preferences, we propose that gender roles affect sex differences and similarities in mate preferences. Gender roles, in turn, are shaped by the unequal division of labour between women and men. As a consequence, mating preferences and choices should converge across the sexes as the weakening of this division puts the sexes in more similar social roles in their societies. To evaluate these assumptions, we review relevant findings from three domains that show variability in gender roles:
(a) cross-cultural variability related to differences in societies‘ division of labour,
(b) historical variability related to temporal changes in the division of labour, and
(c) individual variability in gender attitudes that reflects the gradual and uneven spread of shifts toward gender equality throughout each society.
The bringing together of multiple lines of evidence puts the sociocultural framework on a new and more secure foundation.
Leider habe ich die Studie nicht im Volltext gefunden, wenn sie jemand zuschicken könnte, dann wäre ich sehr interessiert.
Etwas mehr Hinweise gibt die diesbezügliche Presseerklärung:
Intelligenz über Schönheit? Bisher galt die Vermutung, dass Männer biologisch darauf programmiert sind, bei der Partnersuche vor allem auf schöne Gesichter und Rundungen anzusprechen. Eine neue Studie zeigt, dass sich die Gesetze der Partnerwahl mit der zunehmenden Gleichstellung von Männern und Frauen verändern.
Mit der Gleichstellung von Männern und Frauen verändern sich auch die Kriterien in der Partnerwahl.
Trotz Hindernissen auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter zeigen neuere Studien, dass Männer heute bei der Partnerwahl tatsächlich Intelligenz zunehmend vor Schönheit stellen. Zu diesem Schluss kommen Marcel Zentner, Professor am Institut für Psychologie der Uni Innsbruck, und seine Kollegin Alice Eagly, Professorin für Psychologie an der Northwestern University (USA), nach einer extensiven Analyse von Studien, die sich mit gesellschaftlichen Einflüssen auf die Partnerwahl befasst haben. „Wir sichteten und analysierten hunderte von Studien aus verschiedenen Disziplinen. Sie zeigen, dass die Partnerpräferenzen von Frauen und Männern mit unvermuteter Schnelligkeit auf Fortschritte in der Gleichstellung reagieren“, sagt Marcel Zentner. Dieses Ergebnis rührt an den Grundfesten einer verbreiteten Theorie, wonach unsere Partnerpräferenzen evolutionsbiologisch festgeschrieben sind. Frauen brauchen Männer mit Ressourcen zum Großziehen ihrer Kinder. Männer hingegen möglichst viele fruchtbare Frauen. So können beide die größtmögliche Zahl von Nachkommen hinterlassen. Doch einige Evolutionsbiologinnen und -biologen argumentieren heute anders. Unsere Vorfahren hätten sich ständig wechselnden Umwelten mit neuen Anpassungsproblemen stellen müssen. Den Überlebensvorteil hatten also diejenigen, die flexibel auf Veränderungen in der Umwelt reagieren konnten. Das evolutionsgeschichtliche Ergebnis sei die dem Menschen eigene Flexibilität. „Dieselbe Flexibilität erlaubt es dem Menschen auch, seine Partnerpräferenzen den gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen“, meint Alice Eagly von der Northwestern University. „Wie Vertreterinnen und Vertreter soziokultureller Ansätze schon lange vermutet haben, werden Partnerinnen und Partner vor allem danach ausgewählt, wie sehr sie in einen bestimmten Lebensentwurf hineinpassen. Und Lebensentwürfe werden durch die zunehmende Gleichstellung der Geschlechter maßgeblich geprägt“, so die Psychologin. Dass Partnerpräferenzen und Gleichstellung eng zusammenhängen, wiesen Zentner und Eagly auf drei sich gegenseitig ergänzende Arten nach.
„Flexibel reagieren können“ ist eine interessante Sache. Es ist aber etwas, was Evolution nur sehr schwer verwirklichen kann. Der Dodo beispielsweise wäre in einer Betrachtung mit dem Wissen um die Zukunft sicherlich besser dran gewesen, wenn er seine Flugfähigkeit behalten hätte. Er wäre dann flexibler gewesen. Wir wissen, dass das der Evolution vollkommen egal war. Sie stellt den lang anhaltenden momentanen Vorteil in den Vordergrund.
Und da ist es beim Menschen nicht anders: Die Evolution kann nicht planen, dass wir irgendwann einmal eine Zukunft haben, in der Ernährung keine Rolle mehr spielt und wir uns auf andere Aufgaben konzentrieren müssen. Sie kann nur die Situationen verwerten, die in der Vergangenheit dazu führten, dass sich bestimmte Gene angereichert haben. Und da war es eben immer so (das baue ich schon für Elmar ein), dass man Eier teurer verkaufen konnte als Sperma und zudem die Kosten des Sex schnell bei der Frau verblieben. Wenn die Frau keine Unterstützung eines Partners benötigt hätte, dann hätten wir wie andere Menschenaffen auch keine Notwendigkeit gehabt eine Liebeschemie zu entwickeln. Wir hätten auch einfach ohne Bindung Sex haben können. Liebe macht eigentlich nur dann Sinn, wenn man sich bei der Aufzucht des Nachwuches unterstützt. Damit wird die Fähigkeit zur Unterstützung bei der Aufzucht des Nachwuchs natürlich ein relevantes Partnerwahlkriterium.
Das ist übrigens unabhängig davon, dass auch die Frau sich an der Ressourcenbeschaffung beteiligt. Evolutionsbiologische Modelle gehen nicht davon aus, dass die Versorgung alleine Sache des Mannes ist. Sie gehen nur davon aus, dass Versorgereigenschaften neben anderen Anzeichen für genetische Qualität sexy sind.
Vorstellungen ändern sich
Zunächst untersuchten Zentner und Eagly kulturübergreifende Studien. „Diese zeigen, dass das geschlechtstypische Präferenzmuster, wie Frauen sind von Einfluss und Reichtum angezogen und Männer von Jugend und Schönheit, mit zunehmender Geschlechtergleichstellung der Länder dahinschmilzt“, erklärt der Wissenschaftler. So ist die Präferenz von Frauen für solvente Männer in Ländern mit relativ niedriger Gleichstellung wie Korea oder die Türkei doppelt so stark ausgeprägt wie in Ländern mit relativ hoher Gleichstellung wie Finnland oder den Vereinigten Staaten. In Finnland sind Bildung und Intelligenz der Partnerin oder des Partners für Männer bereits wichtiger als für Frauen.
Hier müsste man sich natürlich die konkreten Studien anschauen. Eine Studie dazu hatte ich mal hier verlinkt. Daraus eine interessante Grafik:
Geschlechtsunterschiede in der Partnerwahl

Geschlechtsunterschiede in der Partnerwahl

Das zeigen sich trotz aller Unterschiede in der Gesellschaft ganz erhebliche Geschlechterunterschiede und diese verlaufen insoweit durchaus stereotyp. Man sieht, dass gerade „Good looks“ große Unterschiede beibehält.

Danach befassten sich Zentner und Eagly mit Studien zu Geschlechtsrollenbildern von Individuen. Hier zeigte sich, dass die traditionellen geschlechtstypischen Partnerpräferenzen vor allem bei Personengruppen anzutreffen sind, die ein konventionelles Geschlechtsrollenbild haben. Je progressiver dieses Bild ist, desto geringfügiger ist auch der Geschlechtsunterschied in den Partnerpräferenzen der untersuchten Personengruppen.
Das mag absolut sogar stimmen: In einer gleicherberechtigteren Gesellschaft spielt „Kann die Frau gut kochen“ einen geringeren Unterschied und auch Altersunterschiede gehen zurück und Bildungsabschlüsse werden wichtiger. Gerade bei sehr ungleichen Gesellschaften kann evtl auch ein Geschlecht seine Präferenzen wesentlich deutlicher durchsetzen. Das ändert aber nichts daran, dass bestimmte Partnerpräferenzen nach wie vor starke Unterschiede aufweisen.
Schließlich weisen die Autorin und der Autor in der Analyse historischer Trends nach, dass Änderungen in Geschlechterrollenbildern parallel zu Änderungen in Partnerpräferenzen verlaufen. In vielen Nationen ist die klassische Arbeitsteilung, bei der Männer erwerbstätig sind und Frauen den Haushalt bestreiten, schon lange überholt.
Letzteres ist auch kein Bestandteil evolutionärer Theroien. Dennoch kann Status, Vermögen, Versorgereigenschaft eine wichtige Rolle spielen. Wenn Frauen nach wie vor einen Mann wollen, der zumindest genauso viel, besser mehr verdient als sie dann spielt sein Beruf für die Frauen eben eine wichtigere Rolle, selbst wenn Männer keine Hausfrau mehr wollen.
Einkommen und Bildung der Frau spielten vor 75 Jahren bei der Partnerwahl kaum eine Rolle, während heute immer mehr Männer diese Eigenschaften als sehr bedeutsam einschätzen.
Das verstößt nur nicht gegen evolutionär entwickelte Rollen. Es ist nur eine Verlagerung bestimmter Eigenschaften, während andere bestehen bleiben. Eine blöde Frau war denke ich zu keiner Zeit attraktiv, wenn auch ein Verhalten, welches darstellte, dass sie die Position ihres Mannes nicht respektiert, durchaus anderes bewertet wurde und auch in der intrasexuellen Konkurrenz bedeutsam sein konnte.
„Die Gleichstellung wirkt wie eine Art Hebel“, beschreibt Marcel Zentner die Ergebnisse im Fazit. „Wird er nach oben gedrückt, verkleinern sich die Unterschiede in den Partnerpräferenzen zwischen Männern und Frauen, egal ob der Hebel bei der Kultur, der Person, oder dem Tempo gesellschaftlicher Entwicklungen angesetzt wird.
Er verkleinert sich in einigen Bereichen, indem andere Merkmale mehr betont werden.
Dies bedeutet nicht, dass diese Unterschiede ganz verschwinden würden oder dass biologische Faktoren keine Rolle spielten. Feststellen lässt sich jedoch, dass gesellschaftliche und psychologische Faktoren Partnerpräferenzen weit mehr prägen, als wir bisher vermutet haben.“ In früheren Zeiten war es für Frauen sinnvoll, Männer zu bevorzugen, die für sie und die Kinder aufkommen konnten und umgekehrt für Männer, Frauen auszuwählen, die vor allem gebären und kochen konnten. „Doch in der heutigen Umwelt, in der oft beide Eltern für ein befriedigendes Auskommen arbeiten müssen, suchen Männer gebildete Frauen mit guten Gehaltsaussichten“, zeigt sich Alice Eagly überzeugt. „Umgekehrt müssen Männer sich nicht zwingend der Vermögensvermehrung widmen. Ihre Erfolgschancen steigen bei Frauen, wenn sie ihr Aussehen pflegen und auch im Haushalt eine gute Figur abgeben.“
Aus meiner Sicht eine Verkennung der Lage: Männer suchen immer noch hübsche Frauen, aber eben solche, die mit ihnen in Bildung etc mehr Gemeinsamkeiten haben. Gehaltsaussichten sind ein Bonus, aber ich vermute mal, die meisten Männer finden das nach wie vor nicht entscheidend, wenn ihr Gehalt zumindest okay ist.
Eine Grafik, die das aus meiner Sicht gut verdeutlicht:
Einkommen Ehegatte

Einkommen Ehegatte

Hier sieht man, dass hochbegabte Frauen keineswegs einen Partner akzeptierten, der wesentlich weniger verdiente, im Schnitt verdiente trotz der Hochbegabung der Mann mehr. Lediglich die sehr Hochbegabten hatten Probleme Männer mit ebenso hohen Gehalt zu finden. Die Männer gingen problemlos mit Frauen Ehen ein, die weit weniger verdienten (man darf vermuten: Dafür aber besser Aussahen)

Und natürlich waren hübsche Männer zu allen Zeiten begehrt. Es ist ein klassisches Partnerwahlkriterium. Es wirkt demnach auch heute noch. Es ist aber durchaus mit Status (und natürlich mit Game) zu einem gewissen Teil ersetzbar, was sich auch nicht geändert hat. Natürlich hat die sexuelle Befreiung dazu beigetragen, dass weibliche Partnerwahl überhaupt in dieser Hinsicht wirksamer wurde, was eine Betonung dieser Merkmale durchaus attraktiver macht.

Ich bin nach wie vor am Volltext des Artikels interessiert. Dann könnte man sehen, wie sie ihre Meinung begründen.