„Männer wählen schlaue statt schöne Frauen“

Ein Artikel macht gerade die Runde, der interessante Theorien zur Partnerwahl aufstellt:

In the current sociocultural framework for understanding mating preferences, we propose that gender roles affect sex differences and similarities in mate preferences. Gender roles, in turn, are shaped by the unequal division of labour between women and men. As a consequence, mating preferences and choices should converge across the sexes as the weakening of this division puts the sexes in more similar social roles in their societies. To evaluate these assumptions, we review relevant findings from three domains that show variability in gender roles:
(a) cross-cultural variability related to differences in societies‘ division of labour,
(b) historical variability related to temporal changes in the division of labour, and
(c) individual variability in gender attitudes that reflects the gradual and uneven spread of shifts toward gender equality throughout each society.
The bringing together of multiple lines of evidence puts the sociocultural framework on a new and more secure foundation.
Leider habe ich die Studie nicht im Volltext gefunden, wenn sie jemand zuschicken könnte, dann wäre ich sehr interessiert.
Etwas mehr Hinweise gibt die diesbezügliche Presseerklärung:
Intelligenz über Schönheit? Bisher galt die Vermutung, dass Männer biologisch darauf programmiert sind, bei der Partnersuche vor allem auf schöne Gesichter und Rundungen anzusprechen. Eine neue Studie zeigt, dass sich die Gesetze der Partnerwahl mit der zunehmenden Gleichstellung von Männern und Frauen verändern.
Mit der Gleichstellung von Männern und Frauen verändern sich auch die Kriterien in der Partnerwahl.
Trotz Hindernissen auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter zeigen neuere Studien, dass Männer heute bei der Partnerwahl tatsächlich Intelligenz zunehmend vor Schönheit stellen. Zu diesem Schluss kommen Marcel Zentner, Professor am Institut für Psychologie der Uni Innsbruck, und seine Kollegin Alice Eagly, Professorin für Psychologie an der Northwestern University (USA), nach einer extensiven Analyse von Studien, die sich mit gesellschaftlichen Einflüssen auf die Partnerwahl befasst haben. „Wir sichteten und analysierten hunderte von Studien aus verschiedenen Disziplinen. Sie zeigen, dass die Partnerpräferenzen von Frauen und Männern mit unvermuteter Schnelligkeit auf Fortschritte in der Gleichstellung reagieren“, sagt Marcel Zentner. Dieses Ergebnis rührt an den Grundfesten einer verbreiteten Theorie, wonach unsere Partnerpräferenzen evolutionsbiologisch festgeschrieben sind. Frauen brauchen Männer mit Ressourcen zum Großziehen ihrer Kinder. Männer hingegen möglichst viele fruchtbare Frauen. So können beide die größtmögliche Zahl von Nachkommen hinterlassen. Doch einige Evolutionsbiologinnen und -biologen argumentieren heute anders. Unsere Vorfahren hätten sich ständig wechselnden Umwelten mit neuen Anpassungsproblemen stellen müssen. Den Überlebensvorteil hatten also diejenigen, die flexibel auf Veränderungen in der Umwelt reagieren konnten. Das evolutionsgeschichtliche Ergebnis sei die dem Menschen eigene Flexibilität. „Dieselbe Flexibilität erlaubt es dem Menschen auch, seine Partnerpräferenzen den gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen“, meint Alice Eagly von der Northwestern University. „Wie Vertreterinnen und Vertreter soziokultureller Ansätze schon lange vermutet haben, werden Partnerinnen und Partner vor allem danach ausgewählt, wie sehr sie in einen bestimmten Lebensentwurf hineinpassen. Und Lebensentwürfe werden durch die zunehmende Gleichstellung der Geschlechter maßgeblich geprägt“, so die Psychologin. Dass Partnerpräferenzen und Gleichstellung eng zusammenhängen, wiesen Zentner und Eagly auf drei sich gegenseitig ergänzende Arten nach.
„Flexibel reagieren können“ ist eine interessante Sache. Es ist aber etwas, was Evolution nur sehr schwer verwirklichen kann. Der Dodo beispielsweise wäre in einer Betrachtung mit dem Wissen um die Zukunft sicherlich besser dran gewesen, wenn er seine Flugfähigkeit behalten hätte. Er wäre dann flexibler gewesen. Wir wissen, dass das der Evolution vollkommen egal war. Sie stellt den lang anhaltenden momentanen Vorteil in den Vordergrund.
Und da ist es beim Menschen nicht anders: Die Evolution kann nicht planen, dass wir irgendwann einmal eine Zukunft haben, in der Ernährung keine Rolle mehr spielt und wir uns auf andere Aufgaben konzentrieren müssen. Sie kann nur die Situationen verwerten, die in der Vergangenheit dazu führten, dass sich bestimmte Gene angereichert haben. Und da war es eben immer so (das baue ich schon für Elmar ein), dass man Eier teurer verkaufen konnte als Sperma und zudem die Kosten des Sex schnell bei der Frau verblieben. Wenn die Frau keine Unterstützung eines Partners benötigt hätte, dann hätten wir wie andere Menschenaffen auch keine Notwendigkeit gehabt eine Liebeschemie zu entwickeln. Wir hätten auch einfach ohne Bindung Sex haben können. Liebe macht eigentlich nur dann Sinn, wenn man sich bei der Aufzucht des Nachwuches unterstützt. Damit wird die Fähigkeit zur Unterstützung bei der Aufzucht des Nachwuchs natürlich ein relevantes Partnerwahlkriterium.
Das ist übrigens unabhängig davon, dass auch die Frau sich an der Ressourcenbeschaffung beteiligt. Evolutionsbiologische Modelle gehen nicht davon aus, dass die Versorgung alleine Sache des Mannes ist. Sie gehen nur davon aus, dass Versorgereigenschaften neben anderen Anzeichen für genetische Qualität sexy sind.
Vorstellungen ändern sich
Zunächst untersuchten Zentner und Eagly kulturübergreifende Studien. „Diese zeigen, dass das geschlechtstypische Präferenzmuster, wie Frauen sind von Einfluss und Reichtum angezogen und Männer von Jugend und Schönheit, mit zunehmender Geschlechtergleichstellung der Länder dahinschmilzt“, erklärt der Wissenschaftler. So ist die Präferenz von Frauen für solvente Männer in Ländern mit relativ niedriger Gleichstellung wie Korea oder die Türkei doppelt so stark ausgeprägt wie in Ländern mit relativ hoher Gleichstellung wie Finnland oder den Vereinigten Staaten. In Finnland sind Bildung und Intelligenz der Partnerin oder des Partners für Männer bereits wichtiger als für Frauen.
Hier müsste man sich natürlich die konkreten Studien anschauen. Eine Studie dazu hatte ich mal hier verlinkt. Daraus eine interessante Grafik:
Geschlechtsunterschiede in der Partnerwahl

Geschlechtsunterschiede in der Partnerwahl

Das zeigen sich trotz aller Unterschiede in der Gesellschaft ganz erhebliche Geschlechterunterschiede und diese verlaufen insoweit durchaus stereotyp. Man sieht, dass gerade „Good looks“ große Unterschiede beibehält.

Danach befassten sich Zentner und Eagly mit Studien zu Geschlechtsrollenbildern von Individuen. Hier zeigte sich, dass die traditionellen geschlechtstypischen Partnerpräferenzen vor allem bei Personengruppen anzutreffen sind, die ein konventionelles Geschlechtsrollenbild haben. Je progressiver dieses Bild ist, desto geringfügiger ist auch der Geschlechtsunterschied in den Partnerpräferenzen der untersuchten Personengruppen.
Das mag absolut sogar stimmen: In einer gleicherberechtigteren Gesellschaft spielt „Kann die Frau gut kochen“ einen geringeren Unterschied und auch Altersunterschiede gehen zurück und Bildungsabschlüsse werden wichtiger. Gerade bei sehr ungleichen Gesellschaften kann evtl auch ein Geschlecht seine Präferenzen wesentlich deutlicher durchsetzen. Das ändert aber nichts daran, dass bestimmte Partnerpräferenzen nach wie vor starke Unterschiede aufweisen.
Schließlich weisen die Autorin und der Autor in der Analyse historischer Trends nach, dass Änderungen in Geschlechterrollenbildern parallel zu Änderungen in Partnerpräferenzen verlaufen. In vielen Nationen ist die klassische Arbeitsteilung, bei der Männer erwerbstätig sind und Frauen den Haushalt bestreiten, schon lange überholt.
Letzteres ist auch kein Bestandteil evolutionärer Theroien. Dennoch kann Status, Vermögen, Versorgereigenschaft eine wichtige Rolle spielen. Wenn Frauen nach wie vor einen Mann wollen, der zumindest genauso viel, besser mehr verdient als sie dann spielt sein Beruf für die Frauen eben eine wichtigere Rolle, selbst wenn Männer keine Hausfrau mehr wollen.
Einkommen und Bildung der Frau spielten vor 75 Jahren bei der Partnerwahl kaum eine Rolle, während heute immer mehr Männer diese Eigenschaften als sehr bedeutsam einschätzen.
Das verstößt nur nicht gegen evolutionär entwickelte Rollen. Es ist nur eine Verlagerung bestimmter Eigenschaften, während andere bestehen bleiben. Eine blöde Frau war denke ich zu keiner Zeit attraktiv, wenn auch ein Verhalten, welches darstellte, dass sie die Position ihres Mannes nicht respektiert, durchaus anderes bewertet wurde und auch in der intrasexuellen Konkurrenz bedeutsam sein konnte.
„Die Gleichstellung wirkt wie eine Art Hebel“, beschreibt Marcel Zentner die Ergebnisse im Fazit. „Wird er nach oben gedrückt, verkleinern sich die Unterschiede in den Partnerpräferenzen zwischen Männern und Frauen, egal ob der Hebel bei der Kultur, der Person, oder dem Tempo gesellschaftlicher Entwicklungen angesetzt wird.
Er verkleinert sich in einigen Bereichen, indem andere Merkmale mehr betont werden.
Dies bedeutet nicht, dass diese Unterschiede ganz verschwinden würden oder dass biologische Faktoren keine Rolle spielten. Feststellen lässt sich jedoch, dass gesellschaftliche und psychologische Faktoren Partnerpräferenzen weit mehr prägen, als wir bisher vermutet haben.“ In früheren Zeiten war es für Frauen sinnvoll, Männer zu bevorzugen, die für sie und die Kinder aufkommen konnten und umgekehrt für Männer, Frauen auszuwählen, die vor allem gebären und kochen konnten. „Doch in der heutigen Umwelt, in der oft beide Eltern für ein befriedigendes Auskommen arbeiten müssen, suchen Männer gebildete Frauen mit guten Gehaltsaussichten“, zeigt sich Alice Eagly überzeugt. „Umgekehrt müssen Männer sich nicht zwingend der Vermögensvermehrung widmen. Ihre Erfolgschancen steigen bei Frauen, wenn sie ihr Aussehen pflegen und auch im Haushalt eine gute Figur abgeben.“
Aus meiner Sicht eine Verkennung der Lage: Männer suchen immer noch hübsche Frauen, aber eben solche, die mit ihnen in Bildung etc mehr Gemeinsamkeiten haben. Gehaltsaussichten sind ein Bonus, aber ich vermute mal, die meisten Männer finden das nach wie vor nicht entscheidend, wenn ihr Gehalt zumindest okay ist.
Eine Grafik, die das aus meiner Sicht gut verdeutlicht:
Einkommen Ehegatte

Einkommen Ehegatte

Hier sieht man, dass hochbegabte Frauen keineswegs einen Partner akzeptierten, der wesentlich weniger verdiente, im Schnitt verdiente trotz der Hochbegabung der Mann mehr. Lediglich die sehr Hochbegabten hatten Probleme Männer mit ebenso hohen Gehalt zu finden. Die Männer gingen problemlos mit Frauen Ehen ein, die weit weniger verdienten (man darf vermuten: Dafür aber besser Aussahen)

Und natürlich waren hübsche Männer zu allen Zeiten begehrt. Es ist ein klassisches Partnerwahlkriterium. Es wirkt demnach auch heute noch. Es ist aber durchaus mit Status (und natürlich mit Game) zu einem gewissen Teil ersetzbar, was sich auch nicht geändert hat. Natürlich hat die sexuelle Befreiung dazu beigetragen, dass weibliche Partnerwahl überhaupt in dieser Hinsicht wirksamer wurde, was eine Betonung dieser Merkmale durchaus attraktiver macht.

Ich bin nach wie vor am Volltext des Artikels interessiert. Dann könnte man sehen, wie sie ihre Meinung begründen.

Wie sehr unterscheiden sich die Partnerpräferenzen von Männern und Frauen?

Eine Studie behandelt die Frage, wie sehr sich die Partnervorstellungen zwischen den Geschlechtern unterscheiden:

Previous studies on sex-differentiated mate preferences have focused on univariate analyses. However, because mate selection is inherently multidimensional, a multivariate analysis more appropriately measures sex differences in mate preferences. We used the Mahalanobis distance (D) and logistic regression to investigate sex differences in mate preferences with data secured from participants residing in 37 cultures (n = 10,153). Sex differences are large in multivariate terms, yielding an overall D = 2.41, corresponding to overlap between the sexes of just 22.8%. Moreover, knowledge of mate preferences alone affords correct classification of sex with 92.2% accuracy. Finally, pattern-wise sex differences are negatively correlated with gender equality across cultures but are nonetheless cross-culturally robust. Discussion focuses on implications in evaluating the importance and magnitude of sex differences in mate preferences.

Quelle: How Sexually Dimorphic Are Human Mate Preferences?

Der Grundgedanke hinter der Studie wird hier kurz zusammengefasst:

Evolutionary psychology predicts that men and women will tend to have consistently different mating strategies because of a simple fact: Women get pregnant and men do not. This fundamental asymmetry means men and women face different challenges in regards to reproductive fitness, the number of offspring produced by an individual.

Gestation and breastfeeding requires women to invest time and resources in her children, shortening her reproductive lifespan. “Consequently, in long-term mating, women more severely faced the adaptive problem of acquiring resources to produce and support offspring. Women are therefore predicted to greater prefer long-term, committed mates who possess resources and qualities linked to resource acquisition such as status, ambition, and slightly older age,” the researchers wrote.

Das ist soweit auch alles schon häufiger hier diskutiert worden und nichts neues.

Die Studie vergleicht auch, inwieweit sich Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern auf die Partnerwahl auswirkt und wie groß der Unterschied trotz aller Varianz zwischen den Kulturen in diesen jeweils verbleibt

Geschlechtsunterschiede in der Partnerwahl

Geschlechtsunterschiede in der Partnerwahl

Zu der Tabelle 1 heißt es:

Table 1 shows the correlation between each sex difference effect size and the GEM across cultures. Many sex differences were negatively correlated with gender empowerment, including preference for cooking ability, r(25) = −.46, p = .02; similar educational attainment, r(25) = −.52, p = .01; similar religion, r(25) = −.43, p = .01; age differences, r(25) = −.58, p = .001; and overall educational attainment, r(25) = −.50, p = .01. As such, the overall Mahalanobis D was also moderately negatively correlated with gender empowerment across cultures, r(25) = −.48, p = .01. This was true for both the Mahalanobis D based on sexually dimorphic variables, r(25) = −.51, p = .006; and the sexually monomorphic Mahalanobis D, r(25) = −.40, p = .04. As gender empowerment became increasingly equivalent across cultures, the difference between the sexes in their mate preferences decreased along several individual dimensions as well as in their overall patterns of mate preference.
The correlations between the GEM and sex differences were sometimes strong, implying that gender empowerment accounts for a large amount of the variance in mate preference sexual dimorphism. However, interpreting these correlations requires appreciating the extent of this cross cultural variance relative to the magnitude of sex differences across dimensions

Also mit mehr Gleichberechtigung werden die Unterschiede in der Wichtigkeit bestimmter Partnerpräferenzen größer oder kleiner. Wenn mehr Gleichberechtigung vorhanden ist, ist der Unterschied in der Partnerwahl zB bezüglich des Kriteriums „Kann kochen“ kleiner. Was verständlich ist, da man ja nicht unbedingt gleich heiratet, man häufig eh in den reicheren Ländern mehr außerhalb der Familie ist, zB in Kantinen und es insofern vermutlich sowohl den Männern unwichtiger und im Gegenzug den Frauen als Zeichen einer gewissen Modernität wichtiger ist. In Kulturen mit weniger Gleichberechtigung wird auch ein Altersunterschied wichtiger: ich vermute mal, er muss älter sein und sie ernähren können.

In der zweiten Tabelle wird dann geschaut, wie groß der Unterschied trotz aller Varianz war:

 We calculated a difference-to-variability (DTV) ratio (i.e., a signal-to-noise ratio) for each of the 19 mate preference dimensions as well as for the overall mate preference complex. These ratios divided the absolute magnitude of each sex difference ignoring culture by the standard deviation in the sex difference across cultures. A large DTV ratio indicates that the magnitude of the sex difference remains large regardless of its cross-cultural variability; a small DTV ratio indicates the sex difference’s cross-cultural variability is much larger than its actual magnitude. Table 2 shows the ratio for each sex difference. Several preference dimensions that were not predicted to be sex differentiated showed very small DTV ratios: health (DTV = .32), refined (DTV = .49), and political views (DTV = .55). Four of the five variables originally predicted to be sex differentiated were among the six highest DTV ratios: age difference (DTV = 3.18), physical attractiveness (DTV = 2.21), good financial prospects
(DTV = 1.82), and ambition (DTV = 1.43). Chastity was more variable across cultures (DTV = .89). 

The Mahalanobis D between the sexes was highly stable (DTV = 2.93). That is, the magnitude of the sex difference in the overall pattern of mate preference was nearly 3 times the variability in that sex difference across cultures. Splitting the Mahalanobis D into the sexually monomorphic and sexually dimorphic versions reveals that this stability is due largely to the five mate preference dimensions predicted to be sexually dimorphic. The sexually dimorphic preference Mahalanobis D had a DTV ratio of DTV = 3.60; for just the preference variables predicted to be sexually dimorphic, the sex difference in the overall pattern of mate preferences was more than 3½ times the variability in that difference across cultures. Conversely, the Mahalanobis D for the sexually monomorphic preferences had a DTV ratio of just DTV = 1.37, indicating that the pattern of these preferences was barely more sexually dimorphic than it was cross-culturally variable

In der Tabelle zeigt sich also, dass bestimmte Variablen unabhängig von der jeweiligen Kultur und damit auch der Gleichberechtigung in dieser hohe Unterschiede aufweisen. Das sind beispielsweise „gutes Einkommen“ (hier dürften Frauen interessierter sein) und „gutes Aussehen“ (da dürften Männer höhere Anforderungen zeigen. Die Kriterien, bei denen man nach den evolutionären Theorien davon ausgegangen war, dass sie hohe Unterschiede ergeben würden und sich zwischen den Geschlechtern unterscheiden würden, zeigten auch tatsächliche hohe Unterschiede über alle Kulturen.

Die Daten durch die Veränderung bei mehr Gleichberechtigung werden auch noch einmal hier dargestellt:

Geschlechterunterschiede Partnerwahl Gleichberechtigung

Geschlechterunterschiede Partnerwahl Gleichberechtigung

Da sieht man, dass die Unterschiede zwar kleiner bleiben, aber immer noch groß bleiben (D=1,83), selbst wenn man absolute Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern annimmt.

Aus der Besprechung:

The results of our analyses of mate preferences, with theoretically appropriate multivariate statistics, suggest a new appraisal of sexual dimorphism in human mate preferences. Sex differences are large by any standard when assessing the pattern of mate preferences rather than along individual
dimensions of mate selection. At 2.41, the Mahalanobis D between the sexes for all mate preference variables is more than 8 times larger than typical effect sizes in psychological studies (Funder & Ozer, 1983; Rosnow & Rosenthal, 2003).

(…)

Knowledge of a person’s mate preferences alone allows prediction of that person’s sex with 92% accuracy, a further testament to the sex-differentiated nature of human mate selection psychology. These differences remain large when analyzing just those preference variables originally predicted to be sex differentiated on the basis of evolutionary hypotheses (Buss, 1989)—D = 2.28 and predictive accuracy = 92.4%. The large sex differences in mate selection psychology are thus driven specifically by those dimensions predicted to be sex differentiated on the basis of evolutionary theory.

Finally, sex differences in the overall pattern of mate preference are linked to equality in gender empowerment across cultures. Nonetheless, the cross-cultural variability explained by GEM is dwarfed by the magnitude of the sex difference itself. In fact, if we extrapolate our regression equations to a hypothetical society with perfect gender equality, then the overall pattern of sex differences in mate preference would remain large. Although predictions of unobserved data should be interpreted cautiously, this analysis indicates that gender empowerment equality would need to have complex, nonlinear effects on mate preferences—effects not proposed in the extant literature nor observed in our data—to serve as an explanation of observed sexual dimorphism. Combined with evidence that some sex differences increase with increasing gender equality (see Schmitt, 2014, for a review), this suggests that, rather than being an origin of sexual dimorphism in mate preferences, gender equality appears to be just one of many inputs to sexually dimorphic mating adaptations.

Das macht deutlich, dass die Unterschiede sehr groß sind und sehr groß bleiben. Es macht auch deutlich, dass die evolutionären Theorien da durchaus zuverlässige Vorhersagen erzeugen, während rein soziale Theorien diese Faktoren aus meiner Sicht nicht wirklich erfassen können. Das wird in der Studie auch  noch einmal an einer Grafik verdeutlicht:

Geschlechterunterschiede im Vergleich

Geschlechterunterschiede im Vergleich

Der Unterschied in der Partnerwahl ist also deutlich größer als etwa der Größenunterschied zwischen Mann und Frau, er bewegt sich etwa in der Größe des Oberkörperkraftunterschiedes. Was auch verständlich macht, warum es in dem Bereich so viel Unverständnis gibt. Frauen nehmen an, dass Männer Schweine sind und Männer verstehen nicht, was Frauen nun eigentlich wollen.

 

Evolutionäre Theoriewoche: Sexual Strategies Theory etc (5. Tag)

Dieser Beitrag ist Teil der evolutionären Theoriewoche

Das heutige Thema ist:

Sexual Strategies Theory etc

Die Sexual Strategies Theory ist eine Konzept aus der Evolutionspsychologie von Buss und entwickelt Partnerwahl- bzw. Verhaltensstrategien aufgrund evolutionärer Grundlagen. Um diese oder andere Theorien, die aus evolutionären Betrachtungen hergeleitet werden, soll es heute gehen.

Aus einem Artikel dazu:

Men and women have evolved a strategic repertoire consisting of both short-term and long-term sexual strategies. Chimpanzees, our closest primate relatives, have primarily a short-term sexual strategy. Mating takes place primarily when the females enter estrus, and the males do practically nothing to help raise the offspring. Humans, in contrast, have evolved a more complex repertoire of strategies, including long-term mating characterized by attachment between parents and biparental care. Short-term mating, however, can occur before settling on a long-term mate, in between bouts of long-term mating, or during the course of long-term mating in the form of brief affairs.

Different adaptive problems must be solved when pursuing a short-term as opposed to a long-term sexual strategy. The successful pursuit of a strategy requires the solution of specific adaptive problems. A short-term strategy, for example, requires sexual motivation to mate with a variety of partners and the ability to identify partners who are immediately sexually accessible. A long-term strategy, in contrast, involves assessment of future trajectories of potential partners on dimensions central to reproductively relevant resources.

Because men and women differ in minimum obligatory parental investment, men devote a larger proportion of their total mating effort than do women to short-term mating. To produce a single child, women must undergo the burdens of a nine-month gestation, which is costly in time, energy, opportunity costs, increased vulnerability, and risk during childbirth. This is the minimum investment, and it is obligatory. Men’s minimum obligatory investment is a single act of sexual intercourse. Men typically invest much more, of course, but the key point is that these differences in minimum obligatory investment produce a different benefit structure, in the currency of reproductive success, to short-term sexual strategies. Specifically, men in our evolutionary past could increase their reproduction by mating with a variety of women directly resulting in an increased number of children. An ancestral woman having sex with 100 men in 1 year could still not produce more than a single child. Thus, men are predicted to devote a larger share of their mating effort, compared with women, to sexual access to a variety of partners.

A task analysis of men’s short-term sexual strategy suggests four relatively distinct adaptive problems that must be solved: (a) partner number, (b) identification of sexually accessible women, (c) identification of fertile women, and (d) minimal commitment and investment. Men who lack mechanisms such as a desire for a variety of partners, assessment of the degree of sexual accessibility, assessment of physical cues linked with fertility, and strategies for keeping time and investments to a minimum would have been out-reproduced by men who successfully solved these problems entailed by the pursuit of a short-term mating strategy.

Although women cannot benefit as much or as directly in reproduction from short-term mating, women can potentially reap a host of adaptive benefits: (a) immediate resources for themselves and children; (b) mate insurance should her regular mate become injured, die, or defect from the relationship; and (c) genetic benefits through mating with superior men. Because it is clear that women engage in short-term mating, and likely have done so throughout human evolutionary history, it is unlikely that they would have done so in the absence of benefits. The hypothesized benefits constitute some main advantages to women of a short-term mating strategy.

Task analysis of long-term mating suggests a different set of problems that must be solved: (a) identifying reproductively valuable women, (b) ensuring increased probability of paternity, and (c) identifying women with good parenting skills. Men who failed to solve these problems, for example, by being cuckolded and investing unwittingly in the offspring of other men, would have been replaced over evolutionary time by men who successfully solved these adaptive problems.

Women pursuing a long-term sexual strategy would benefit from solving the following problems: (a) identifying men who have the ability to acquire resources, (b) identifying men who display a willingness to invest those resources in them and their children, (c) identifying men willing to commit to a long-term relationship, (d) identifying men willing to protect them and their children from aggressive members of the same species, and (e) identifying men with good parenting skills. Women, in this analysis, are predicted to place a greater premium than men on a potential mate’s external resources, as well as the cues to such resources such as status, older age, ambition, and industriousness. Furthermore, women are predicted to shun men who emit cues that signal that they are pursuing a short-term, rather than long-term, mating strategy.

(…)

Two specific predictions about strategic interference can be derived from the fundamental differences in mating strategies pursued by the sexes: (a) Women will be more upset and angered by features of men’s strategy that interfere with their own, such as the male tendency toward greater sexual assertiveness or aggressiveness–initiating sexual advances sooner, more frequently, more persistently, more aggressively, or with more partners than women; (b) men, in contrast, will be upset and angered by features of women’s mating strategies that conflict with their own, such as those involving selectively withholding or delaying consummation opportunities-declining to have sex, desiring it less frequently, or requiring more stringent external conditions to be met prior to consummation.

Die Theorie zeigt aus meiner gut, wie man aus evolutionären Theorien in Verbindung mit biologischen Unterschieden Theorien entwickeln kann, die man dann im Folgenden überprüfen kann. Diese machen auch das menschliche „Paarungsverhalten“ aus meiner Sicht wesentlich verständlicher und zeigen gleichzeitig auch, dass auch hier wieder verschiedene Strategien von beiden Geschlechtern entwickelt werden können, damit auch Personen mehr auf die eine als die andere Strategie „optimiert“ sein können. Zudem können in der einen Gesellschaft eher diese Strategien sinnvoll und in einer anderen andere oder andere Mischformen und Ausprägungen der Strategien.

Als Schwerpunkt würde mich aber interessieren, wie schlüssig ihr die SST findet, welche anderen evolutionär geprägten Theorien ihr sonst kennt oder was ihr genau an diesen Theorien für falsch haltet.

Männer machen Smilies im Profil unattraktiv, Frauen attraktiv

Eine Online-Dating Seite hat ein paar Daten ausgewertet und folgende Datingseiten Profiltipps:

Datingseite Profil Tipps

Datingseite Profil Tipps

Da die Grafik etwas klein ist

After studying a sample of 4,000 members, Zoosk found that men with a “:)” in their profile get 6% less incoming messages and 12% fewer responses to outgoing messages. Using a “:)” in an actual message decreased response rates by a whopping 66%.

Men, on the other hand, love a good emoticon. So much so that women with a “:)” in their profile get 60% more messages. So for guys looking for some kind of way, any way, that still allows them to express their emotions through a collage of punctuation, you’re in luck. Zoosk found that using the slightly longer “:-)” emoticon in a message actually increases responses by 13%.  Because, ya know, taking the time to find that extra dash really shows he cares.

Zu dieser Richtung im groben hatte ich schon mal eine andere Studie:
This research examined the relative sexual attractiveness of individuals showing emotion expressions of happiness, pride, and shame compared with a neutral control. Across two studies using different images and samples ranging broadly in age (total N 1041), a large gender difference emerged in the sexual attractiveness of happy displays: happiness was the most attractive female emotion expression, and one of the least attractive in males. In contrast, pride showed the reverse pattern; it was the most attractive male expression, and one of the least attractive in women. Shame displays were relatively attractive in both genders, and, among younger adult women viewers, male shame was more attractive than male happiness, and not substantially less than male pride. Effects were largely consistent with evolutionary and socio-cultural-norm accounts. Overall, this research provides the first evidence that distinct emotion expressions have divergent effects on sexual attractiveness, which vary by gender but largely hold across age.
Anscheinend kommt es bei den Frauen nicht gut an, wenn man zu bemüht Witzigkeit und Fröhlichkeit einbaut, Männer hingegen werden bei einer gut gelaunten fröhlichen Frau vielleicht einfach eher denken, dass sie auch ihre Bemühungen positiv aufnehmen wird.
Die anderen Tipps noch einmal im Schnelldurchlauf:

Despite their complaints, dudes actually love selfies. Men don’t fare as well when they post selfies, but women get 4 percent more incoming messages when they do.

Ich vermute mal, dass es Männer einfach finden da ein „echt schönes Foto“ oder etwas in der Art zu schicken, es also insbesondere eine gute Gelegenheit ist. Dazu sind wir vielleicht auch einfach visueller ausgerichtet

• Get a dictionary. People with typos in their profiles get 13 percent fewer responses.

•  It’s smart to show proof that you don’t have cankles. Users with full-body shots as their main photos receive 203 percent more messages and are 33 percent more likely to get a response to their outgoing messages.

Klar, körperliche Schönheit spielt eine wichtige Rolle und wenn man den ganzen Körper sehen kann verbleibt weniger Unsicherheit. Ich vermute zudem, dass hübschere Leute auch weniger Probleme damit haben den ganzen Körper zu zeigen, was den Effekt verstärkt. Man kennt ja gerade von Frauen das Foto, auf dem der Winkel und das Licht genau so ausgerichtet ist, dass sie nicht so dick aussieht.

• Posing with a cute dog does not negate your shitty personality. People who pose with animals get 53 percent fewer incoming messages and 12 percent fewer responses to their outgoing messages.

Ich vermute auch hier, dass gerade die Leute, die auf einen Hund setzen um abzulenken, dies auch eher nötig haben

• Pretend you’re smart, interesting and in shape. Mentioning jogging, running, lifting weights, yoga, painting, music, drawing and reading all up your chances of getting messages from potential suitors.

„Zeige Signale für gute Gene“.

• Don’t use the word “angel,” you looney tune. Male or female, you’ll get 51 percent fewer responses.

Da würde mich der Kontext interessieren, ob es zB auf Religiösität oder Spiritualität hindeutet.

• Have a kid, but only if you’re a dude. Hot dads are in right now. Men who use the words “son,” “daughter,” “teenager,” “children,” “kids,” “single dad” or “single mom” get 7 percent more incoming messages. Women who do the same get 4 percent less. How’s that for 😦 ?

Das ist ja durchaus mal interessant. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Männer dann vielleicht auch eher von Frauen mit Kind angeschrieben werden, weil diese davon ausgehen, dass diese ihre Situation eher akzeptieren. Zum Kind als Hindernis auf dem Partnermarkt hatte ich hier bereits etwas

„Sozialer Aufstieg durch Heirat wird schwieriger“

Der Spiegel berichtet darüber, dass inzwischen eher Menschen gleicher Bildung heiraten:

Der Arzt heiratet nicht mehr die Krankenschwester – er heiratet eine Ärztin.

Diese Entwicklung hat einen Nebeneffekt: Der soziale Aufstieg durch Heirat wird immer schwieriger – und das verringert die Aufstiegschancen generell. Sogar die steigende Einkommensungleichheit in westlichen Gesellschaften lässt sich zum Teil mit den veränderten Heiratsverhalten erklären.

Es ist aus meiner Sicht verständlich, dass sich die Schema verschieben. Denn Gleichheit ist zum einen ein in der Partnerwahl wichtiges Merkmal, zum anderen aber entsteht dies auch schlicht daraus, dass man sich im Studium oder über den Beruf kennen lernt und dann später heiratet. Eine weitere Quelle sind Freunde von Freunden, die eben dann meist auch aus einem ähnlichen sozialen Umfeld kommen.

Eine Untersuchung von Hunderttausenden US-Paaren zwischen 1960 und 2005 brachte die Erkenntnis, dass die soziale Mobilität durch sogenannte homosoziale Ehen in der Gesellschaft ab- sowie die Ungleichheit der Haushalte in Sachen Einkommen zunimmt. Auch in einer 2011 veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)wird die „Tendenz zur Paarung unter Gleichen“, als ein Grund für die wachsende Ungleichheit in der Gesellschaft genannt.

In Deutschland gibt es Studien, die eine ähnliche Entwicklung nahelegen: „Der Anteil der aufwärtsheiratenden Frauen hat über die Generationen hinweg deutlich abgenommen“, schreiben etwa dieSoziologen Hans-Peter Blossfeld und Andreas Timm. Es gibt jedoch auch eine Untersuchung der Soziologen Hans-Jürgen Andreß und Martin Spitzenpfeil, die auf Deutschland bezogen zu einem anderen Ergebnis kommt: Demnach sei der Anteil der homogamen Haushalte über dreißig Jahre hinweg relativ konstant geblieben.

Aufwärtsheiraten – wir hatten es hier schon einmal in einer Kommentardiskussion – kann man natürlich auch, wenn man innerhalb bestimmter Schichten heiratet. Etwa wenn die Sozialpädagogin den erfolgreichen BWLer heiratet oder den gut verdienenden Ingenieur. Oder die Richterin den Anwalt aus der Großkanzlei.

In der Tat dürfte das aber die sozialen Unterschiede vergrößern: Nicht nur haben solche Familien mehr Einkommen, sie haben im Schnitt auch intelligentere Kinder (aufgrund der Vererbbarkeit von Intelligenz), die sie gleichzeitig besser fördern können (sowohl selbst als auch finanziell).

Ich finde allerdings sowieso, dass das Abstellen auf die Unterschiede ein schlechtes Kriterium ist, dass allenfalls in einer Neiddebatte verwertbar ist. Wichtiger dürfte sein, wie die Lebenmöglichkeiten an sich in dem jeweiligen Land sind. Ich sehe auch nicht wirklich, wie man große Unterschiede verhindern will: Nehmen wir mal als Beispiel Larry Page, Mitgründer von Google, mit einem Vermögen von 23 Milliarden Dollar. Natürlich ist das unverschämt reich. Sogar grotesk reich. Aber will wirklich jemand, dass er Google in andere Hände geben muss und seine Anteile verkaufen muss, weil es eine Obergrenze gibt, vielleicht gar an den Staat?  Oder an beliebige Investoren? Und danach muss er das Geld zwangsverprassen bis er unter eine bestimmte Grenze fällt? Da würde man sich wohl einiges an Unternehmertum abschneiden (und viele Leute müssten wohl einfach noch luxuriöser leben, damit sie das Geld selbst ausgeben und nicht weggeben müssen). Und welche Obergrenze soll das sein? Sind ein paar Millionen okay oder weniger? Die meisten Menschen dürften abgesehen von ihrem Neid Vorteile davon haben, dass es entsprechende Konzerne gibt, in denen viele schlaue Menschen wieder Arbeit finden und sich ebenfalls einen hohen Standard aufbauen können.

Aber zurück zu Männer und Frauen:

Fakt ist, dass es vor 50 Jahren für Männer noch extrem schwierig war, Partnerinnen mit demselben Bildungshintergrund zu finden. In den Universitäten gab es nur wenige Frauen. Die Studenten waren also gezwungen, ihre Partnerinnen in anderen Umgebungen zu suchen. Etwa in der Kneipe oder bei Tanzveranstaltungen.

Das hat sich geändert: Der Anteil von gebildeten Frauen in westlichen Gesellschaften ist in den vergangenen Jahrzehnten rapide gestiegen, das Verhältnis bei Abiturienten und Studienanfängern ist heute ausgeglichen. Es greift nun, was Soziologen als „Gelegenheitsstruktur“ bezeichnen: Es ist eben einfacher, als Student auf eine Studentin zu treffen als auf eine Fabrikarbeiterin. Und Gelegenheit macht Liebe. „Menschen fällt es leichter, sich in andere Personen zu verlieben, die einen ähnlichen Habitus haben, ähnlich denken und fühlen, gleiche Werte teilen, den selben Geschmack haben“, sagt Kultursoziologe Günter Burkart.

Gleiche Interessen und gleiche Vorstellungen machen die Sache in der Tat häufig leichter. Zumindest ein gewisses gleiches Bildungsniveau kann da einiges ausmachen. Wobei ja auch in der Gruppe „Studenten“ ganz erhebliche Unterschiede im denken und Fühlen und in den Werten vorhanden sein können.

Die Frauen haben es in der Hand: Sie müssen bei derPartnerwahl nicht mehr nach oben gucken – denn dort sind sie bereits angekommen. „Nun könnten sie ihrerseits nach unten schauen – doch warum sollten sie das tun? Es gibt ja viele potenzielle Partner mit einem ähnlichen Hintergrund“, sagt Burkart. Und wenn die Frau tatsächlich mehr verdient oder einen höheren Abschluss hat als der Mann? „Dafür brauchen beide ein großes Selbstbewusstsein, sonst ist dieses Modell konfliktbelastet“, sagt Burkart: „Es muss ihnen egal sein, wenn etwa Freundinnen oder Freunde über den Partner herziehen.“

Das ist auch eine schöne Weise die Aussage zu umgehen, dass viele Frauen sich sehr ungern nach unten orientieren. Und das ein gewisses Ungleichgewicht dadurch hineinkommen kann, dass Status und ein guter Job Männer attraktiver machen, Frauen aber nicht unbedingt. Und das dadurch eben Frauen auf einer hohen Position eher Probleme haben einen passenden Mann zu finden, weil Männer auf gleicher Stufe dann eben eher eine zwar auch studierte Frau, aber aus der niedrigeren Stufe auswählen.

Eigene Partnerwahl vs. Wahl des Partners durch die Eltern in evolutionärer Betrachtung

Gerade kam über Beiträge von Djadmoros eine Diskussion über eigene Partnerwahl im Gegensatz zu der Wahl des Partners durch die Eltern auf.

Dabei ging es darum, dass eine Wahl durch die Eltern zum einen als kulturelle Wahl gesehen wird, die gegen abgespeicherte Attraktivitätsmerkmale spricht und auch allgemein eine eigene Partnerwahl ersetzt hat.

1. Was bedeutet Partnerwahl durch die Eltern bei evolutionärer Betrachtung?

Eine Partnerwahl durch die Eltern ist erst einmal ein Konflikt zwischen verschiedenen genetischen Interessen.

Gemeinsame Interessen der Eltern und des jeweiligen Kindes sind die Weitergabe der Gene in die nächsten Generationen.

Die genetischen Interessen können sich aber trotz dieser gemeinsamen Interessen erheblich unterscheiden.

Die Eltern könnten zB einen Partner wählen wollen, der eine möglichst umfassende Versorgung der Tochter und der Kinder sicherstellt, damit sie dies nicht machen müssen und so Ressourcen frei haben für andere Enkelkinder oder weitere eigenen Kinder.

Im Gegenzug könnte eine Tochter es genau andersherum sehen: Eine Strategie könnte es sein, sich auf Kurzzeitstrategien oder auf einen Mann mit sonstigen Anzeichen für gute Gene aber nicht unbedingt guter Bindung einzulassen und für die Unterstützung bei der Versorgung eher auf die Großeltern zu setzen.

Zudem könnten die Eltern mit der Heirat auch andere Interessen verbinden, die über die beste Möglichkeit der Weitergabe der Gene für das jeweilige Kind hinausgehen. Etwa kann es für sie interessant sein, ein Kind einfach nur so zu verheiraten, dass es ihnen persönliche Vorteile bringt, etwa politische oder eben in Form von Ressourcen. Dann könnten die Kinder ihre genetischen Interessen nicht voll umsetzen.

Dieser Konflikt stammt auch daher, dass die Enkelkinder nur 1/4 der Gene der Großeltern tragen, aber 1/2 der Gene der Eltern. Wenn die Großeltern weitere Kinder haben, dann trifft sie dieser Verlust weniger als die jeweiligen Kinder.

Demnach besteht also ein Konflikt zwischen den Eltern und den Kindern bei der Partnerwahl, der jeweils die Selektion verschiedener Attraktivtätsmerkmale in biologischer Hinsicht zur Folge haben kann.

Demnach wären selbst bei absoluter Elternwahl eben dann zur Auswahl des richtigen Partners für das Kind von abgespeicherten Attraktivitätsmerkmalen auszugehen. Elternwahl bedeutet nicht, dass die Wahl kulturell erfolgt, die genetische Selektion wirkt dann eben auf die Eltern.

2. Ist bei einer Kultur der Elternwahl die Vorliebe des Kindes für einen bestimmten Partner von Bedeutung?

Auch bei einer Wahl durch die Eltern können Vorlieben der Kinder für einen bestimmten Partner von starker Bedeutung sein. Denn auch wenn die Interessen abweichen können stimmen sie auch in vielen Punkten überein. Und der sicherste Weg zu Enkelkindern ist es, wenn die Partnerschaft beiderseitig auf Interesse stößt. Denn bei einem unwilligen Eingehen der Partnerschaft besteht die Gefahr, dass er sich zB auch in einer Polygamie seinen anderen Frauen mehr widmet und deren Kinder mehr fördert, sie verstößt, sich eine Geliebte nimmt etc. Bei der Wahl einer Frau für einen Sohn, die diesen gar nicht will, steigt die Vaterunsicherheit und es wird mehr „Mate Guarding“ erforderlich.

Eltern sind also daran interessiert, ein „Liebespaar“ zu schaffen, sofern sie nicht auf die Vorteile für sich selbst abstellen. Letzteres dürfte eher in Gesellschaften, die Besitz im größeren Umfang haben, interessant sein. Das ist allerdings bei Jägern und Sammlern seltener der Fall.

Insofern sind Fälle auch bei einer Wahl durch die Eltern interessant, bei der beide Partner bereits Interesse füreinander bekundet haben, beide dem jeweils anderen gefallen, beide in Gesprächen geklärt haben, dass sie sich gefallen und sich verstehen werden. Dann können die Eltern untereinander oder der Mann mit den Eltern Verhandlungen aufnehmen, ob es zur Heirat kommt.

Selbst bei sonstigen arrangierten Ehen wird es sinnvoll sein, den Sohn oder die Tochter zu befragen, wie sie den jeweiligen Kandidaten finden und ob sie es sich mit ihm vorstellen können. Sonst drohen erhebliche Nachteile. (zumal die meisten Eltern wohl auch (biologisch vielleicht deswegen) glückliche Kinder haben wollen.

3. Ausweichstrategien

Wie bereits angedeutet bedeutet Ehe nicht, dass die Kinder dann strikt monogam mit dem ausgewählten Partner leben. Unsere Spezies ist nicht strikt monogam, sie ist eher auf serielle Monogamie mit Fremdgehoption ausgerichtet. Dafür spricht die vorhandene Liebeschemie, die Hodengröße, unsere Tendenz zur Eifersucht und zu Mate Guarding etc.

Interessanterweise wären wir, wenn unsere eigenen Vorlieben nur bei diesen Ausweichstrategien zum tragen kommen würden, wohl wesentlich mehr auf Kurzzeitstrategien ausgerichtet. Da beide Geschlechter aber insoweit erhebliche Gemeinsamkeiten auch bei Langzeitstrategien zeigen ist dies unwahrscheinlich

4. Anzeichen für direkte Partnerwahl

Aus meiner Sicht gibt es auch weitere Anzeichen für direkte und nicht durch Eltern bestimmte Partnerwahl

  • Homosexualität und ihre biologischen Grundlagen zeigen,  dass wir da Vorlieben haben. Wenn Eltern alleine wählen, wäre kaum verständlich, dass es biologische Homosexualität geben kann
  • Asexualität zeigt, dass es Personen gibt, die eben gerade nicht lernen, was sexy ist und dieses Konzept schlicht nicht begreifen können oder es jedenfalls nicht bestimmten Geschlechtern zuordnen können. Das spricht dafür, dass wir selbst solche Merkmale abgespeichert haben und wenn diese Fehlen uns selbst das Konzept zu bizarr ist
  • Wir verlieben uns auf eine weise, die nicht zu einer reinen Auswahl durch die Eltern passt. Wir akzeptieren dafür auch diese Auswahl zu selten, wenn sie nicht den sonstigen Kriterien entspricht
  • Attraktivitätsmerkmale sind weltweit sehr einheitlich
  • Wir verlieben uns häufig in Personen oder begehren sie nach bestimmten Merkmalen
  • Eltern können sterben oder einen geringen Einfluss haben, weil man selbst hoch genug aufgestiegen ist

Partnerwahl: Männer bevorzugen bei guter Gesundheitsversorgung weiblichere Gesichter

Ein Artikel im Spiegel verweist auf interessante Aspekte der Partnerwahl in Hinblick auf die Bevorzugung männlicherer oder weiblicherer Gesichter:

Wer ist attraktiv – und wer nicht? Auf diese Frage gibt es viele individuelle Antworten. Sie haben mit der Kultur zu tun und selbstverständlich mit persönlichen Vorlieben. Und doch zeigen sich auch allgemeinere Zusammenhänge: Männer aus Ländern mit einer guten Gesundheitsversorgung haben eine besonders große Vorliebe für feminine Frauengesichter.  (…) In allen Nationen bevorzugten Männer im Durchschnitt jeweils die weiblicheren Gesichter. In Ländern, die einen hohen National Health Index (NHI) haben, in denen die Bevölkerung also einen sehr guten Gesundheitsstatus hat, war dieser Trend besonders stark ausgeprägt. (Umgekehrt schwärmen Frauen in Gesellschaften mit schlechter öffentlicher Gesundheit übrigens eher für männlich aussehende Partner.)

Also:

  • Männer wollen in Gesellschaften mit guter Gesundheitsversorgung Frauen mit feminineren Gesichtern, in Ländern mit weniger guter Gesundheitsvorsorge bevorzugen sie auch weibliche Gesichter, aber nicht so ausgeprägt
  • Frauen wollen in Gesellschaften mit schlechter Gesundheitsversorgung Männer, die männlicher aussehen

Meine Vermutung wäre, dass Testosteron zwar männlichere Gesichter gibt, aber dafür eben insgesamt eine höhere Robustheit, die im Überlebenskampf gegen schlechte Bedingungen hilfreich sein kann. Bei Männern kann man demnach auf besonders männlich aussehende Männer abstellen, bei Frauen eben auf weniger weibliche.

Zugrunde liegt dem Ergebnis bezüglich der Wahl der Männer diese Studie:

Both attractiveness judgements and mate preferences vary considerably cross-culturally. We investigated whether men’s preference for femininity in women’s faces varies between 28 countries with diverse health conditions by analysing responses of 1972 heterosexual participants. Although men in all countries preferred feminized over masculinized female faces, we found substantial differences between countries in the magnitude of men’s preferences. Using an average femininity preference for each country, we found men’s facial femininity preferences correlated positively with the health of the nation, which explained 50.4% of the variation among countries. The weakest preferences for femininity were found in Nepal and strongest in Japan. As high femininity in women is associated with lower success in competition for resources and lower dominance, it is possible that in harsher environments, men prefer cues to resource holding potential over high fecundity.

Quelle: Cross-cultural variation in men’s preference for sexual dimorphism in women’s faces

Die zweite Studie, die kurz angesprochen wird, ist dann wohl diese:

Recent formulations of sexual selection theory emphasize how mate choice can be affected by environmental factors, such as predation risk and resource quality. Women vary greatly in the extent to which they prefer male masculinity and this variation is hypothesized to reflect differences in how women resolve the trade-off between the costs (e.g. low investment) and benefits (e.g. healthy offspring) associated with choosing a masculine partner. A strong prediction of this trade-off theory is that women’s masculinity preferences will be stronger in cultures where poor health is particularly harmful to survival. We investigated the relationship between women’s preferences for male facial masculinity and a health index derived from World Health Organization statistics for mortality rates, life expectancies and the impact of communicable disease. Across 30 countries, masculinity preference increased as health decreased. This relationship was independent of cross-cultural differences in wealth or women’s mating strategies. These findings show non-arbitrary cross-cultural differences in facial attractiveness judgements and demonstrate the use of trade-off theory for investigating cross-cultural variation in women’s mate preferences.

Quelle: The health of a nation predicts their mate preferences: cross-cultural variation in women’s preferences for masculinized male faces

Die Studien, von denen ich leider nur den Abstract lesen konnte, klingen interessant, weil sie zwei Bereiche betreffen:

  • Sie könnten deutlich machen, wie biologische Auswahlkriterien mit der Umwelt in Verbindung stehen können und welche „Trade offs“ jeweils gemacht werden. Hier anscheinend der zwischen Fruchtbarkeit und der Widerstandsfähigkeit /Konkurrenzfähigkeit. Dadurch ergibt sich eine gewisse Vielfalt, eben beispielsweise männlichere Frauen und weiblichere Männer
  • sie könnten auch andere Bereiche betreffen: Das Gesicht ist lediglich ein Zeichen für geringes / vermehrtes postnatales Testosteron. Es wäre interessant, ob sich dieser Trend auch in anderen Bereichen, die ähnliche Indikatoren sind, finden lassen. beispielsweise beim Verhalten oder sonstigen Körperbau etc.

Zu dem Komplex „weiblichere Männer und männlichere Frauen“ hatte ich bereits einmal einen Artikel. Dort schrieb ich:

Das gilt eben auch für bestimmte Eigenschaften von Mann und Frau. Ein ultraharter Mann war vielleicht in Kriegszeiten im Vorteil, demnach haben solche Männer Kriegssituationen besser überstanden, waren aber in Friedenszeiten nicht sanft genug für ein soziales Leben. Ein zu sehr auf bestimmte Sachen bezogener Mann konnte in großen Gruppen mit hoher Spezialisierung vielleicht gute Geschäfte durch seine Spezialisierung machen und damit seine mangelnde Sozialkompetenz ausgleichen. Gingen die Geschäfte aber nicht so gut oder waren Allounder mehr gefragt, dann schnitt er schlechter ab. Eine harte Frau konnte vielleicht schlechter mit Kindern umgehen und war weniger fruchtbar. Sie schnitt aber im Krieg oder anderen Krisenzeiten besser ab und konnte so ihre Gene erhalten. Eine weiche Frau war vielleicht fruchbarer und sehr auf ihre Kinder bezogen, aber sie überstand Notzeiten und Kriege vielleicht schlechter.

Die Normalverteilung innerhalb der Geschlechter würde insofern Risikoverteilungen wiedergeben und in der Mitte die Allrounder für die typischerweise Frauen treffenden Risiken und die typischerweise von Frauen benötigten Fähigkeiten in einer den Risiken entsprechenden Verteilung aufweisen, während die Enden der Normalverteilungen speziellere Anpassungen an bestimmte Situationen zu Lasten anderer darstellen.

Das passt eigentlich recht gut zu den Ergebnissen der Studie.

Neuer Partner nach Statuszuwachs bei Frauen

Auf dem Blog Offene Flanke wird eine Stelle aus einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung besprochen, der wie folgt lautet:

Wenn junge Frauen durch Casting-Shows prominent werden, beteuern sie gern, wie wichtig genau jetzt ihr langjähriger Freund sei. Und kurz darauf sind sie mit einem älteren, ebenso (halb-)prominenten Mann zusammen. Ein trauriges Naturgesetz der Liebe.

Das scheint mir eine realistische Vorstellung zu sein, zumindest, wenn die betreffende Frau hübsch ist, also etwa ein Modell-Casting.

Hier gibt es eine kleine Zusammenstellung von „Germanys Next Topmodel-Kandidatinnen“ die aber teilweise auch mit relativ unbekannten Männern zusammen sind. In das Klischee passt zB Lena Gercke recht gut.

Meiner Meinung nach hängt es letztendlich davon ab, wie sich die jeweilige Frau auf diese Promiwelt einlässt und diese als einen wesentlichen neuen Teil ihrer selbst ausmacht.

1. Statusveränderungen

Geht man davon aus, dass Status attraktiv ist, aber die Bewertung nach evolutionären Gegebenheiten insbesondere von dem sozialen Umfeld abhängig ist, dann kann der alte Freund einen gehörigen Statusverlust erleiden:

Wenn sie sich vorher als Teil der Gruppe ihrer Freunde war, die alle einen normalen Status hatten, dann wäre ihr Freund innerhalb dieser Verhältnisse vielleicht ein recht cooler Junge gewesen, der innerhalb dieser Gruppe einen hohen sozialen Status hatte.

Wechselt sie jetzt aber das Umfeld und kommt so mit immer mehr Promis in Kontakt, die einen weit darüber hinausgehenden Status haben, dann sinkt der ursprüngliche Status ihres Freundes relativ zu dem höheren Status des neuen Umfeldes vielleicht erheblich ab. Dieser Unterschied wird um so deutlicher, um so eher sie sich diesem neuen Feld zugehörig fühlt. Dies hängt aber sicherlich auch davon ab, inwieweit sie die „veränderte Welt“ annimmt. Sieht sie Promis als verlogen an, als aufgeblasener Haufen, bei dem sie sich nicht wohlfühlt, dann wird sie ihre ursprüngliche soziale Gruppe und deren Statusgefüge eher als das nach wie vor wesentliche wahrnehmen.

Vorher hätte man den Promi schlicht nicht getroffen, nunmehr hat man einen gewissen Zugang. Nunmehr kann man seinen schönheitsbedingten Marktwert auf einem wesentlich hochpreisigeren Markt anbieten, die einen plötzlich wahrnehmen und sich insoweit für einen interessieren. Mit dem höherwertigen oder anderen Markt erscheinen auch neue Angebote lukrativer als das Angebot, was man vorher hatte.

Da der Marktwert einer schönen Frau überall hoch ist, kommt sie insofern auch auf diesem neuen Markt gut an.

2. Gemeinsamkeiten und deren Schwinden durch veränderte Lebensumstände

Dann kommt auch insbesondere ein weiterer Effekt, der der Gemeinsamkeit hinzu. Ihr „normaler“ Freund kann dann ihre Welt nicht mehr wirklich verstehen, er ist ja nicht (pseudo)prominent. Auf ihn gehen die Leute nicht zu. Mit ihm wollen sie sich nicht unterhalten. Ihn erkennen sie nicht.

Das Gefühl, dass die Verbindung schlechter wird, wenn man in eine neue Gruppe gerät, ein neues Umfeld hat, eine Lebensumstellung erlebt, kommt auch in anderen Situationen zum tragen.
Auf offene Flanke heißt es dazu in dem oben zitierten Artikel:

Die Veränderung von Lebensverhältnissen und die damit zusammenhängende Veränderung des Horizonts einer Person führt nach meiner Erfahrung oft zu Partnerwechseln. So habe ich es nicht selten beobachtet, dass Jugendlieben etwa am Studium eines Partners zerbrochen sind. Er oder sie tritt mit Studienbeginn ein in eine völlig neue Welt, lernt ganz andere Dinge kennen und befindet sich womöglich auch das erste Mal in einer Stadt, weit weg vom Alltag zu Hause. Unter diesen Umständen differenzieren sich Wünsche und Interessen schneller heraus, die sich bei unveränderten Lebensläufen erst in einigen Jahren gezeigt hätten. Ich kann mich erinnern, dass diese Beziehungsdramen begleitet waren von der Klage, dass der daheim gebliebene Partner sich nicht weiterentwickelt habe.

Hier spielt denke ich der Faktor, dass man das Gefühl hat, dass der andere einen nicht mehr in gleicher Weise versteht, sicherlich eine große Rolle. Der neue Kommilitone versteht einen dann eben besser, er steht vor den gleichen Problemen, man hat einen neuen Zugang zu einer anderen Welt, den der alte Partner evtl nicht hat. Bei dem Promi ist das ähnlich. Er versteht auch die neue Lage besser, ist gewandter in der neuen Welt, in der man zurechtkommen muss, hat aber auch die gleichen Probleme.

3. Abgrenzung zu „Status macht attraktiv“ bei Männern

Ich würde nicht unbedingt davon ausgehen, dass hier der Status selbst die Frau für die PromiMänner attraktiv macht. Dies mag zu einem kleineren Teil beitragen, weil auch das Schönfinden durch andere ein gewisser Indikator für gute Gene ist und insbesondere auch dafür, dass sie einem Massengeschmack entsprechen, was in Hinblick auf die Sexy Son Hypothese interessant ist.

Aber üblicherweise spielt sozialer Status bei der männlichen Partnerwahl gegenüber Schönheit eine weitaus geringere Rolle als im umgekehrten Fall.

Evolutionäre Thesen zur Partnerwahl aus „Evolution of Desire“ von David Buss

Auf dieser Seite werden einige Grundaussagen in „Evolution of Desire“ von David Buss zusammengefasst:

1. Was wollen Frauen bei einem Mann?

  • Economic capacity (Richer women like even richer men.)
  • Social status (That’s why all those senators are always featured in lurid headlines.)
  • Age (Actually, on average women only want a man about 3 years older.)
  • Ambition and Industriousness
  • Dependability and Stability
  • Intelligence
  • Compatibility (This does not seem to directly indicate either resources or commitment. Rather, this suggests the potential for both parties to successfully sustain the relationship.)
  • Size and strength (Yes, women like tall men.)
  • Good health
  • Love-Love is the most valued characteristic in a partner for both women and men.
  • Kindness (A code word for commitment.)
  • Sincerity (Another code word for commitment.)

Das wäre eine gute Mischung sowohl aus Langzeitstrategie- als auch Kurzzeitstrategiekriterien. Ressourcen und eine gute Position in der Gruppe sind wichtige Anzeichen sowohl für gute Gene als auch für die Fähigkeit sie erst bei einer Schwangerschaft zu versorgen und dann später sie und die Kinder bei der Aufzucht dieser zu versorgen. Eine Verbindung und Liebe sichert ab, dass er nicht nur die Fähigkeiten dazu hat, sondern diese Rolle auch dauerhaft ihr gegenüber übernehmen will und wird

2. Was wollen Männer bei einer Frau?

  1. Youth
  2. Beauty
  3. Attractive body shape-in particular, a low waist to hip ratio.

Hier kommt aus meiner Sicht die Bindung etwas zu kurz, auf die Männer natürlich in einer Langzeitstrategie auch wert legen müssen. Ansonsten spielen aber die körperlichen Gegebenheiten natürlich eine große Rolle.

3. Warum heiraten Männer?

  1. To fulfill women’s desire for commitment. (Men have been shaped by the selective pressure exerted by women.)
  2. For better survival of children (More resources, political support.)
  3. To insure mate fidelity. (More copulations, fidelity enforced by self and relatives, know personality better to detect infidelities.)

Eine Langzeitbindung hat für den Mann durchaus Vorteile: Da wir sehr ressourcenintensive Nachkommen haben lohnt sich eine gemeinsame Strategie, diese allerdings lohnt sich wiederum nur dann, wenn man sicher sein kann, dass die Kinder auch die eigenen sind.

4. Welche Anzeichen gibt es, aus denen Rückschlüsse auf die Paarungsstrategien unserer Vorfahren geschlossen werden können

  1. Testes size (we were somewhat promiscuous).
  2. Correlation between sperm count and time apart from mate. (We were not monogamous.)
  3. Female orgasm (I don’t understand what this says about our past sexual strategies…)
  4. Male lust (Men were not monogamous.)
  5. Relaxation of standards for short-term mates (we were not lifelong monogamists.)
  6. Male sexual fantasies (universally include multiple female partners.)
  7. Female sexual Fantasies (suggest they want to maintain their monogamist partner.)
  8. Homosexual proclivites: Large numbers of anonymous partners. (Male desires unchecked by female limitations.)
  9. Prevalence of prostitution (Men want sex more than women)
  10. Incest demongraphics (Father-daughter is much more common than mom-son.)

Zu 3. führt Buss in dem Buch aus, dass bei einer Frau, die einen Orgasmus hat, mehr Sperma aufgenommen wird und daher die Chancen einer Befruchtung steigen. Insoweit könne aus dem weiblichen Orgasmus gefolgert werden, dass damit die Befruchtung für den Fall einer besonderen Erregung bzw. einer besonderen Stimmulierung im Gegensatz zu einem zB erzwungenen Sexakt gesteigert wird, was auch nur Sinn macht, wenn wir nicht absolut  monogam sind. Die anderen Gründe sprechen ebenfalls dafür, dass wir zwar in einer Bindung leben, aber nicht per se monogam sind und Männer noch eher einen Seitensprung suchen als Frauen.

4. Strategien um die Wahl mehrerer Partner bei Männern zu begünstigen

  • Relaxation of short-term standards
  • The Coolidge Effect (easily aroused by novelty.)
  • Perceptual shift in attractiveness as time runs out.

Da wäre also der Umstand, dass Männer bei One-Night-Stands wesentlich geringere Kriterien haben, bei einer neuen Frau schneller wieder zu Sex bereit sind und bei einem engen Zeitrahmen einer möglichen Paarungsgelegenheit diese Standards noch einmal sinken (aka „Resteficken“).

5. Die potentiellen Kosten von Sex einfach so für Frauen und deren Kinder in evolutionären Zeiten

  1. Sexually transmitted diseases
  2. Poor reputation
  3. Injury from a jealous husband
  4. Pregnancy without support
  5. Increase sibling competition among children of different fathers

6. Techniken um einen männlichen Partner für eine Kurzzeitstrategie zu bekommen

  1. Enhancing appearance
  2. Denigrating another woman’s appearance
  3. Displaying infidelity-promiscuity
  4. Accepting a proposition, and performing other „sexual signals“ (tight clothes, staring at someone, etc.)
  5. Denigrating a rival as a tease or a prude. (NOTE: Calling a rival a slut will backfire – men want sluts as short-term partners.)
  6. Acting submissive

Demnach kann es eine verständliche Strategie sein, sich sehr sexy zu kleiden und gleichzeitig andere Frauen, die sich ähnlich kleiden und aber auch solche, die sich konservativ kleiden, abzuwerten. Im wesentlichen also Signale setzen, dass man körperlich fit ist und gleichzeitig an Sex interessiert unter Reduzierung der Ansprechangst des Mannes.

7. Techniken um einen weiblichen Partner für eine Kurzzeitstrategie zu bekommen

  1. Immediate resource display
  2. Denigrate rival’s resources
  3. Wearing costly clothing
  4. Displaying commitment (persistence, kindness, nurturance toward children, fidelity, love)-though not as effective as when used to attract long-term mates
  5. Displaying physical prowess
  6. Displaying bravado and self-confidence
  7. Sneak or satellite strategy-pretending to not be interested or dominant, and then swithching when the opportunity arises

Also Statussymbole und Marken in Verbindung mit körperlicher Fitness, Wagemut und Selbstvertrauen, wobei man gleichzeitig zeigt, dass man auch zu einer Bindung in der Lage ist. Im Endeffekt also die aus dem Pickup bekannten Punkte Attraktion und Komfort.

8. Strategien um einen weiblichen Partner für eine Langzeitstrategie zu bekommen

  1. Displaying potential for acquiring resources (ambition)
  2. Denigrating rival’s ambition
  3. Wearing costly clothing
  4. Displaying commitment (persistence, kindness, nurturance toward children, fidelity, love)
  5. Denigrating a rival’s fidelity

Hier kommt also insbesondere dazu, dass man stärker Verbundenheit signalisiert und bei einem Rivalen deutlich macht, dass dieser Untreu ist. Hier kommt zu kurz, dass ein zu deutliches Zeigen von Verbundenheit  zu früh ebenfalls signalisieren kann, dass man zu „needy“ ist.

9. Strategien der Partnersicherung von Männern

  1. Fulfilling partner’s desire for material resources
  2. Fulfilling partner’s desire for love and kindness
  3. Submissiveness (more so than women!)
  4. Maintaining vigilance
  5. Concealing your partner
  6. Denigrating rivals
  7. Threatening and injuring rivals 
  8. Threatning and injuring partner 

Zustimmen würde ich, dass viele dieser Taktiken von Männern immer wieder angewendet werden. Allerdings sind sie eben auch gefährlich, wer seine Partnerin zu sehr aufs Podest stellt, der macht sich selbst eben teilweise auch uninteressant. Das mag in einer harscheren Umwelt, bei dem das Überleben der Frau und der Kinder weit aus mehr von dem Mann abhing noch eine bessere Strategie gewesen sein als heute, ist heute aber nur dann effektiv, wenn man es nicht übertreibt. In einer wohlhabenden Umgebung, in der niemand Hunger leidet, werden eben Strategien der Kurzzeitpartnerwahl auch für Frauen interessanter.

Die letzten beiden Punkte sind dann direkter und führen auch heute noch zu einiger Gewalt, von „hast du meine Freundin angemacht?“ bis hin zu Mord an der Partnerin, wenn diese fremdgegangen ist.

9. Weibliche Strategien zur  Partnersicherung

  1. Enhancing beauty
  2. Submissiveness
  3. Provoke jealousy

Klar, schön bleiben ist wichtig. Allerdings mit steigenden Alter auch problematisch. Eifersucht auszulösen scheint mir auch eine mitunter sehr gewagte Strategie zu sein und zu starke Unterordnung kann eben auch langweilig machen (aber auch Ärger vermeiden). Eine gute Kooperation und geringer Stress kommt hier zu kurz

10. Die häufigsten Gründe für das Scheitern der Partnerschaft

  1. Infidelity
  2. Infertility
  3. Male failure to provide economic support
  4. Female sexual withdrawal
  5. Male sexual withdrawl
  6. Acquisition of additional wives
  7. Unkindness
  8. Female aging

Alles harte Gründe, die zum Scheitern einer Beziehung führen können.

11. Wie viel Prozent des jeweiligen Geschlechts geben trotz einer Affaire an, dass ihre (Haupt-)Beziehung glücklich ist?

  • 56% of men
  • 33% of women

Evolutionär ist es leicht erklärbar, dass Männer eher als Frauen auch aus einer glücklichen Beziehung ausbrechen und zudem die daneben stehende Beziehung nicht als negative Aussage über ihre Hauptbeziehung sehen wollen

Ich habe die Sachen herausgegriffen, die interessante kurze Stichpunkte als Zusammenfassung geboten haben. In dem Artikel sind auch noch andere interessante Punkte enthalten. Da ich das Buch noch nicht ganz durch habe, kann ich leider noch nicht sagen, wie genau diese Thesen mit denen von David Buss übereinstimmen.

“Don’t stick your dick in crazy” und “Don’t fuck bad boys”

Yacv hat einmal zwei sehr einfache Regeln vorgestellt, die eine Absicherung vor unliebsamen Überraschungen beim anderen Geschlecht bieten sollen:

Für Männer:

“Don’t stick your dick in crazy”

und für Frauen

“Don’t fuck bad boys”

Eigentlich sehr einfache Regeln, gegen die aber immer wieder verstoßen wird. Bei den Männer meist, weil „crazy“ oft einfachen Sex bereitstellt und diesen eben auch als Mittel der Beeinflussung einsetzt, bei Frauen, weil der Bad Boy eine Vielzahl von Attraktivitätsmerkmalen gerade für Sex bedient.

Dennoch scheint es mir eine Regel zu sein, die viel zum eigenen Glück beitragen kann.