Georg bat mich, eine Vorstellung seines Projekts Buchdialoge.de als Gastartikel zu veröffentlichen.
„Mehr Bücher lesen“, das wollte ich schon lange, aber es ist mir nie so richtig gelungen. Und vielleicht lag es ja auch am Format, denn man liest ja meist den Monolog einer Person nach.
Ich aber fand schon immer Gespräche und Dialoge viel spannender, konnte aus denen auch immer mehr mitnehmen.
Und so habe ich jetzt Buchdialoge.de gebaut: Ein Podcast, in dem pro Folge ein Sachbuch durch zwei Stimmen zusammengefasst und auch eingeordnet wird, und das in nur 15 Minuten.
Anders als bei Blinkist ist es also kein Monolog, sondern ein lebendiger, „Podcast-artiger“ Dialog.
Die Buchauswahl ist dabei alles, was „die Welt verstehen“ hilft: Wissenschaft, Soziologie, Biologie, Geschichte, Politik und Philosophie. Dabei ist weniger wichtig, wer der Autor ist, sondern ob die Thesen plausibel argumentiert und evidenzbasiert sind.
Gerade „Cheap Sex“ fand ich sehr spannend: Es erklärt die moderne Dating-Kultur
und das Sinken der Fruchtbarkeitsraten mit einem ökonomischen Theorieansatz:
Was Du aus dem Buch mitnehmen kannst
Die Ökonomie der Intimität
Mark Regnerus argumentiert in Cheap Sex (2017), dass die radikalen Veränderungen in Dating, Ehe und Monogamie in den USA nicht primär durch ideologischen Wandel, sondern durch technologiegetriebene Marktveränderungen erklärt werden. Die zentrale Erkenntnis ist, dass Sex „billig“ geworden ist, was bedeutet, dass Frauen weniger Gegenleistung (wie Zeit, Engagement oder Ressourcen) von Männern für sexuellen Zugang erwarten. Diese Preisunterdrückung wurde durch drei Hauptentwicklungen vorangetrieben: die Pille, die Pornografie und Online-Dating-Plattformen. Diese Dynamik führte zur Spaltung des Partnermarktes in einen lockeren „Sex-Markt“ und einen „Ehe-Markt“. Die Konsequenz ist eine geschlechtsspezifische Asymmetrie, bei der Männer, deren Interessen an sexuellem Zugang einfacher befriedigt werden, ihre Motivation zur langfristigen Bindung verlieren.
Buchdialoge ist ein Freemium-Modell: Die o.g. Bücher sind kostenlos, die
meisten anderen aber Bezahlinhalte. So zum Beispiel:
Das letztgenannte Buch hatte für mich den bislang größten Erkenntnisgewinn: Es argumentiert sehr plausibel, wie psychische Störungen oft nur extreme Ausprägungen an sich nützlicher Eigenschaften sind.
Erstellt werden die Dialoge übrigens initial per Künstlicher Intelligenz (NotebookLM von Google), auf Grundlage des kompletten E-Books. Zur Qualitätssicherung wird jeder Dialog dann noch einmal von einem Menschen gegengehört. Ich war selbst anfangs skeptisch, ob die KI da nicht halluziniert, habe mir dann aber mehrere Dialoge aus Büchern erstellt, die ich selbst gelesen hatte – und war echt beeindruckt, wie akkurat die KI das inzwischen hinbekommt.
Auch haben einige Autoren bereits Feedback geschickt – was ausnahmslos positiv war, teilweise sogar begeistert.
Daher dachte ich mir, ich stelle das Projekt auch Euch hier vor – als Christians Leser schätzt Ihr ja die analytische Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Themen und seid daher ein ideales Publikum für Buchdialoge.de.
Das Archiv: Sofort-Zugriff auf alle bisherigen Dialoge (aktuell über 70 Bücher, u.a. von Richard Dawkins, Steven Pinker, Robert Plomin).
Wöchentliches Update: Jede Woche kommen 6 neue Bücher hinzu.
Vertiefung: Zu jedem Buch gibt es einen strukturierten Artikel, der die 3 Kerngedanken, die Zielgruppe sowie einen Überblick des Inhalts liefert – und das Buch in einem Satz zusammenfasst.
Ich selbst finde faszinierend, wieviel von so einem Buchdialog ich noch „behalte“: Zu jedem gehörten Buch kann ich auch nach Wochen noch die Kerngedanken nennen. Und viel mehr kann ich bei einem ganz gelesenen Buch nach Monaten auch nicht.
Beim Buchdialog habe ich aber nur 15 Minuten Zeit investiert – und nicht 15 Tage oder gar Wochen.
Das Dialogformat scheint mir auch deswegen so angenehm, weil beim Hören die andere Stimme immer genau die (kritische) Frage stellt, die ich mir oft selbst gerade stelle. Man „schält“ sich also beim Hören Stück für Stück an den Erkenntniskern heran, sozusagen.
Für alle, die diesen Artikel schon später lesen: Jetzt kostet es mit dem Link59€ (statt 77€).
Und wer erst einmal unverbindlich testen möchte: Meldet Euch für das kostenlose Abo an und erhaltet jede Woche zwei der sechs neuen Buchdialoge gratis in Euer Postfach.
Lasst mich sonst auch gern wissen, wie ihr die verlinkten Buchdialoge oben findet. Bestimmt hat ja jemand von Euch Dawkins, Plomin oder Pinker im Original gelesen und kann beurteilen, wie akkurat der Dialog den Kern trifft.
Ich habe diesen Tweet in dieser oder leicht abgewandelter Form jetzt ein paar Mal gelesen, insofern scheint er mir für eine Besprechung interessant:
es gibt übrigens keine male loneliness epidemic es ist einfach nur die erste generation die nicht gezwungen ist männer fürs überleben zu heiraten
1.
Die Male loneliness epidemic dreht sich nicht darum, dass Männer keine Frauen bekommen, sondern das einige Männer relativ wenige Freunde (Männlich/Weiblich) haben und sie insgesamt weniger gut eingebunden sind als Frauen. Häufig ist ihre Partnerin ihre wichtigste Kontaktperson.
Das liegt an vielen Faktoren, einmal das Männer und Frauen Freundschaften anders bilden, aber auch daran, dass Männer zB mehr Onlineaktivitäten wie etwa Videospiele betreiben, weniger Zeit haben weil sie mehr arbeiten etc.
2.
Der Rest der Erklärung ist so eine typische Feministinnentheorie, bei der etwas schlechtes für Männer
natürlich ihr Fehler sein muss
mit der Befreiung der Frau zusammenhängt
Das ist auch der einzige legitime Ansatz dort irgendetwas zu erklären, wobei man sich natürlich mit dem zugrundliegenden Problem nicht weiter beschäftigen muss.
Das Argument an sich ist blödsinnig. Es haben ja nach wie vor auch gut verdienende Frauen Partnerschaften und wollen entsprechend neue wenn diese nicht klappen. Die meisten Frauen dürften, bei allen Problemen, die in Ehen und Beziehungen bestehen auch ihre Partner mögen und nicht nur als Versorger sehen.
Wenn das so wäre, dann würde es auch eher ein schlechtes Licht auf Frauen werfen, einmal weil sie sich für Geld „unterwerfen“ und dann auch, weil die Scheidungsrate bei lesbischen Frauen ja noch höher ist.
Ich habe eine Freundin die genau das beklagt. Die Kerle mit denen sie etwas anfängt sind alle nur an lockeren Geschichten interessiert.
Einer der Gründe, den ich ihr allerdings nicht sagen kann, sehe ich darin, dass sie weit über die „Wall“ hinaus ist. Sie ist herber im Gesicht geworden und gleichzeitig deutlich kräftiger. Trotzdem versucht sie es mit jetzt über 50 regelmäßig mit Männern die sich gut gehalten haben. Abgesehen davon, dass sie etwas kompliziert ist und auch wenig kompromissbereit ist.
Nun haben Single Männer in passabler Kondition wenig Gründe sich so zu binden. Entweder korrigiert sie ihre Ansprüche deutlich nach unten oder sie wird Single bleiben müssen.
Dass die Ansprüche nicht einfach so reduziert werden können verstehe ich auch.
Und sie ahnt auch glaube ich das Problem oder zumindest die Konsequenzen.
Dazu kurz etwas:
1. The Wall
Erst einmal zur Idee der „Wall“. Ich habe des Grok mal zusammenfassen lassen:
„The Wall“ (wörtlich „die Wand“ oder „die Mauer“) ist ein Begriff, der vor allem aus der Manosphere, Red-Pill- und MGTOW-Szene kommt. Er beschreibt den (angeblichen) Punkt im Leben einer Frau, an dem ihre physische Attraktivität und ihr sexueller Marktwert (Sexual Market Value = SMV) rapide und dauerhaft einbrechen – meistens weil sie altert.
Was genau wird damit vertreten?
Die Kernbehauptung lautet fast immer so:
– Frauen haben einen sehr steilen Attraktivitäts-Peak → meist zwischen ca. 18–25 (manchmal 22–24 als Maximum genannt)
– Danach geht es bergab, oft rapide ab ~27–30
– Mit ~30–35 „trifft sie die Wand“ („hits the wall“) → Falten, nachlassende Hautelastizität, weniger jugendliche Frische, evtl. erste graue Haare, veränderte Körperformen etc.
– Ab diesem Punkt sinkt ihre Fähigkeit, hochwertige Männer (vor allem finanziell/emotionale starke, statushohe Männer) anzuziehen dramatisch
– Viele Autoren behaupten: Ab da müssen Frauen stark „settlen“ (sich mit deutlich schlechteren Männern zufriedengeben), werden verzweifelter, manchmal bitter, und versuchen plötzlich commitment, das sie vorher abgelehnt haben
Typische Formulierungen aus der Szene lauten:
– „Women hit the wall around 30“
– „The wall is undefeated“
– „Post-wall women“
– „She’s hit the wall and now she’s desperate“
Wichtige Nuancen / Variationen
Quelle / Szene
Typisches Alter für „The Wall“
Zusätzliche Begründung
Tonfall
Frühe Red-Pill-Blogs (z. B. Rollo Tomassi ~2012)
~30
Kombination aus nachlassender Schönheit + Männer werden sich ihrer eigenen steigenden SMV bewusst
analytisch-zynisch
Hartgesottene Black-Pill / Incels
23–27
„Schon ab 25 ist sie cooked“
extrem pessimistisch / hasserfüllt
Mainstream-Manosphere / YouTube heute
28–35
Fruchtbarkeit + Optik + „Party-Phase vorbei“
oft mit Häme oder Warnung
Kritikerinnen / Gegen-Narrative (z. B. FDS)
Gibt’s bei Männern viel früher / härter
Glatze, Bauch, weniger Testosteron ab ~30–35
Umkehrung als Gegenangriff
Realität vs. Ideologie
Der Ausdruck ist stark ideologisch aufgeladen und dient meist zwei Zwecken:
1. Als Schadenfreude-Waffe gegen Frauen, die in den 20ern „zu wählerisch“ waren („Jetzt kriegst du nur noch Betas“)
2. Als Warnung an junge Frauen („Nutze deine Zeit, sonst endest du allein“)
Biologisch gibt es tatsächlich einen reproduktiven Peak bei Frauen in den frühen 20ern und einen deutlichen Abfall der Fruchtbarkeit ab Mitte/Ende 30 – aber der Sprung von „attraktiv“ → „unsichtbar“ oder „wertlos“ mit 30 ist massiv übertrieben und wird von fast niemandem außerhalb dieser Filterblase so erlebt.
Kurz gesagt: „The Wall“ steht für die Überzeugung, dass weibliche Schönheit und dating power extrem zeitlich begrenzt sind und danach ein harter Absturz kommt – während Männer angeblich viel länger (oder sogar aufsteigend) attraktiv bleiben.
Das ist die zentrale These, die der Ausdruck transportiert.
Ich sage nicht, dass Sebastian, der ja auch nur das Wort benutzt hat, das in dieser Hinsicht vertreten hat, aber es ist ja dennoch ein guter Anlass das Thema mal zu besprechen:
Ich würde Groks Zusammenfassung zustimmen, dass da eine starke Übertreibung drin ist. Natürlich hat Jugendlichkeit bei der weiblichen Schönheit einen höheren Wert als bei Männern, aber der Abfall ist keineswegs so steil, wie es da gerne dargestellt wird. Vielleicht ist das für eine Frau der Fall, die absolut auf Schönheit gesetzt hat und dann erkennt, dass sie mit jungen Frauen nicht mehr mithalten kann. Aber die meisten 22 Jährigen sind auf dem Partnermarkt für 35jährige keine Konkurrenz (vielleicht sind es die 30jährigen, aber die meisten Männer werden auch keinen zu großen Alterunterschied anstreben (die meisten werden so 5 Jahre runter gehen, wenn sie es können) und natürlich halten sich viele Männer auch nicht so gut, selbst wenn sie sich vielleicht besser halten könnten. Sie haben nicht die Zeit für Sport, sie werden bequemer, sie setzen etwas an, die Haare werden dünner etc. Und viele können das natürlich auch nicht durch Status oder ähnliches ausgleichen, weil sie ganz normale Leben führen.
Wir raten ihr, ihre Ansprechbarkeit zu erhöhen, indem sie Blicke zuwirft, allerdings ist sie recht wählerisch, was ihre Männer angeht. Sie sieht nicht schlecht aus, aber sie steht – wer kann es ihr verübeln – auf Männer 2 Punkte über ihrem Skalenwert. Eben die, die wohl jede Frau mit einem typischen Geschmack gut finden würde: Sportlich, aber nicht zu sportlich, groß, markantes Gesicht. Die meisten beachten sie nicht sonderlich. Meiner Meinung nach nicht die schlauste Strategie, wenn sie – wie gesagt eher der konservativere Typ – eine Beziehung und keinen One-Night-Stand will.
Sebastian schrieb:
Einer der Gründe, den ich ihr allerdings nicht sagen kann, sehe ich darin, dass sie weit über die „Wall“ hinaus ist.
Südländerin und ich hatten damals ein Gespräch:
SL: „Sie ist doch eigentlich ganz nett, aber sie hat so viel Pech mit den Männern! Die Arme! Warum verliebt sich nur keiner in sie??“
Ich: Sie ist eine 7 und sie will eine 10. Klappt halt nicht.
SL: „!!!!CHRISTIAN!!! wie kannst du nur so etwas sagen? Jede Frau ist doch schön und du kannst sie nicht einfach auf eine Zahl reduzieren und überhaupt *empörterBlick*
Ich: Man es kann es vielleicht romantischer ausdrücken, aber letztendlich ist es so. Entweder sie muss ihre Ansprüche runterschrauben oder sie muss sich im Fitnessstudio anmelden.
SL: *empörteBlicke*
Ich: *in einem fast nicht sarkastischen Ton voller Überzeugung* Oder sie müsste deine wunderschönen Augen und deine Seele haben, dann wäre es auch kein Problem“
SL: Idiot! *küsst mich*
Und dann hat Südländerin, die mitunter etwas zu ehrlich ist, ihr das in einem Gespräch wohl auch so etwas blumiger und schonender und wahrscheinlich ohne Zahlen gesagt und was war die Folge:
Die Freundin hat mehr oder weniger den Kontakt abgebrochen, wenn auch soft indem man sich einfach immer seltener getroffen hat und es sich ausgeschlichen hat
Sie hat sich aber dennoch im Fitnessstudio angemeldet und sehr viel Sport gemacht.
Wir haben sie ca. ein Jahr später sportlicher und schlanker mit einem Freund getroffen, der war zwar keine 10, aber durchaus ein hübscher Mann
Die Grünen-Fraktion startet mit einem egalitären Vorsatz ins neue Jahr: Ab dem 1. Januar sollen Abgeordnete ihren Mitarbeitenden mindestens 27 Euro pro Stunde bezahlen – und zwar unabhängig davon, welche Aufgabe sie ausüben. Ausgenommen sind lediglich geringfügig Beschäftigte und studentische Hilfskräfte.
In einer Mail desFraktionsvorstands und der Interessenvertretung der Mitarbeitenden an die Grünen-Abgeordneten heißt es, dass dies ein weiterer „Schritt zur Reduzierung des strukturellen Gender Pay Gaps“ sei.
Bei den Mitarbeitern Mitarbeitenden der Grünen Abgeordneten gibt es einen strukturellen Gender Pay Gap? Wie kann denn das passieren?
Da würde mich aber wirklich mal eine Untersuchung interessieren. Es wäre ja nichts amüsanter als wenn die Grünen bei ihren Angestellten einen Gender Pay Gap hätten.
Nach Checkpoint-Informationen sind darüber allerdings nicht alle bei den Grünen glücklich. Das Geld, das jeder Abgeordnete für die Bezahlung seiner Mitarbeitenden erhält, kommt vom Land Berlin und ist gedeckelt. In diesem Jahr gibt es zwar rund 700 Euro mehr pro Abgeordnetem. Das wird bei vielen aber für den neuen Mindestlohn draufgehen. Dadurch wird wiederum der Lohnabstand für unterschiedlich qualifizierte Mitarbeitende geringer ausfallen. Manche Grüne fürchten dadurch neue Gerechtigkeitsprobleme.
Ach wie schön, dass die Grünen so auf dem Umweg mal ein paar Probleme aus der realen Welt mitbekommen. Es ist ja zumindest mal eine Erkenntnis, dass der Lohnabstand auch sinkt, wenn man einen neuen Mindestlohn festlegt, es sei denn man erhöht den Lohn insgesamt. Aber dann ist zumindest in diesem Szenario nicht genug Geld dar. Wäre in der freien Wirtschaft nicht anders, weswegen man dann die Preise erhöhen muss. Oder seinen eigenen Lohn/verringern. Scheinen die Grünen Abgeordneten aber auch nicht zu wollen….
Zudem stellt sich die Frage, ob das Vorgehenüberhaupt rechtens ist. Für die Berufsgruppe „Sekretär/in“ sieht das Präsidium des Abgeordnetenhauses etwa einen Korridor von 18 bis 22 Euro pro Stunde vor. „Diese Gehaltsspannen sind verbindlich“, teilte Parlamentssprecher Denis McGee dem Checkpoint mit. Die Grünen sehen darin keinen Widerspruch. „Die Vergütung erfolgt immerin Abhängigkeit zur Aufgabe“, erklärte Fraktionssprecher Sebastian Brux. Die „Berufsgruppe der Sekretär:innen“ gebe es zudem „eigentlich nicht in unseren Abgeordnetenbüros“.
Klar, dann nennt man die Sekretärinnenstelle eben um in „Persönliche Referentin“ oder „Sekretärin und Gleichstellungsbeauftragte Büro“ oder was auch immer einem so einfällt. Wäre aber trotzdem die Frage, ob die zusätzlichen Tätigkeiten dann die Umgehung rechtfertigen, wenn es aus Sicht des Präsidiums dann doch nur eine Sekretäriatsstelle ist.
Neurozitismus ist ein Persönlichkeitsmerkmal der „Big Five“, also der fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit.
Es ist auch das Persönlichkeitsmerkmal mit den größten Geschlechterunterschied im Schnitt.
Aus der Wikipedia:
Der Begriff und das Konzept gehen auf den Psychologen Hans Jürgen Eysenck zurück.[1] Ein alternativer Begriff im Zusammenhang mit der Eysenckschen Theorie ist Emotionale Labilität.
Bei Menschen mit hohem Neurotizismuswert finden sich oft folgende Eigenschaften und Verhaltensweisen:
Neigung zu Nervosität
Reizbarkeit, Launenhaftigkeit
Neigung zu Unsicherheit und Verlegenheit
Klagen über Ärger und Ängste
Klagen über körperliche Schmerzen (Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Schwindelanfälle etc.)
Neigung zu Traurigkeit und Melancholie
Sehr sensibel auf Stress reagierend
Eher negative Affektlage
Dauerhafte Unzufriedenheit
Niedriger Neurotizismus bedeutet dagegen emotionale Stabilität und Gelassenheit.
Eysenck konstruierte seine Persönlichkeitsdimensionen mittels einer Faktorenanalyse. Allen Persönlichkeitsmerkmalen liegt laut Theorie zugrunde, dass sie relativ stabil, konsistent und zeitlich überdauernd sind. Der Faktor Neurotizismus lässt sich laut Eysenck in die Dimensionen Labilität-Stabilität aufteilen. Er weist faktorenanalytisch enge Zusammenhänge mit den damals verwendeten Begriffen „schlecht organisierte Persönlichkeit“, „abhängig“ oder „abnormal vor der Krankheit“ auf. Eysenck bezeichnete ihn auch als „Fehlen von Persönlichkeitsintegration“.
Eysenck sah den Ursprung in Unterschieden zwischen Individuen hinsichtlich der autonomen physiologischen Erregung. Demnach reagieren Persönlichkeiten mit hohen Neurotizismuswerten stärker auf angst- und stresserregende Situationen als emotional stabile Individuen. Zudem benötigen sie nach derartiger Erregung länger, um wieder in ihren Ursprungszustand zurückzukehren. Als Erklärung diente Eysenck das limbische System, das unter anderem für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Neurotizistisches Verhalten ist damit das Ergebnis einer starken Reaktion des limbischen Systems auf externe Reize. Damit kommt es bei Personen mit hohem Neurotizismuswert öfter zu Neurosen, weil externe Reize stärker emotional kodiert und damit konditioniert werden.
Hier zb ein Studie:
Previous research suggested that sex differences in personality traits are larger in prosperous, healthy, and egalitarian cultures in which women have more opportunities equal with those of men. In this article, the authors report cross-cultural findings in which this unintuitive result was replicated across samples from55 nations (N 17,637). On responses to the Big Five Inventory, women reported higher levels of neuroticism, extraversion, agreeableness, and conscientiousness than did men across most nations. Thesefindings converge with previous studies in which different Big Five measures and more limited samples of nations were used. Overall, higher levels of human development—including long and healthy life, equal access to knowledge and education, and economic wealth—were the main nation-level predictors of larger sex differences in personality. Changes in men’s personality traits appeared to be the primary cause of sex difference variation across cultures. It is proposed that heightened levels of sexual dimorphism result from personality traits of men and women being less constrained and more able to naturally diverge in developed nations. In less fortunate social and economic conditions, innate personality differences between men and women may be attenuated.
Hier kommt Neuroticism auf d=0,4, bei einer Abweichung mit einem höheren Wert bei Frauen, also einen mittleren Wert, allerdings der größte aller Geschlechterunterschiede.
Natürlich muss man dabei noch einmal betonen: Das bedeutet nicht, dass alle Frauen in der Hinsicht einen höheren Wert haben, zwei Normalverteilungen mit einem d=0,4 sehen so aus:
normalverteilungen_d_04
(Bild von ChatGPT erstellt, ich hoffe es ist richtig)
Eine interessante weitere Aufspaltung gibt es in dieser Studie hier (die auch für eine Besprechung interessant wäre):
Geschlechterunterschiede Persönlichkeit
Also:
N1_Anxiety −0.56
N2_Anger −0.16
N3_Depression −0.19
N4_Self-conscious −0.11
N5_Immoderation −0.15
N6_Vulnerability −0.54
Oder auch:
Persönlichkeit Geschlechterunterschiede
Gerade die Ängstlichkeit und die Anfälligkeit für Belastung ist also im Schnitt höher.
Erklärungen könnten sein: (ChatGPT)
1) Unterschiede in der Stressreaktivität (HPA-Achse)
Die HPA-Achse (Hypothalamus–Hypophyse–Nebennierenrinde) ist das zentrale biologische Stresssystem des Körpers.
Ablauf:
Stressreiz → Gehirn aktiviert Hypothalamus
Ausschüttung von CRH → Hypophyse
Ausschüttung von ACTH → Nebennieren
Ausschüttung von Cortisol
Cortisol bereitet den Körper auf Belastung vor – kurzfristig sinnvoll, langfristig belastend.
Geschlechtsunterschied:
Frauen zeigen im Mittel stärkere und länger anhaltende Cortisolreaktionen auf soziale und emotionale Stressoren.
Gleichzeitig erfolgt bei ihnen eine langsamere Rückkehr zum Ruhewert.
Konsequenz:
Häufigere Aktivierung → subjektiv schnelleres Gefühl von Überforderung
biologischer Beitrag zu höherer Stressvulnerabilität und Neurotizismus
Empirische Basis:
Kirschbaum et al. (1999), Kudielka & Kirschbaum (2005), Stroud et al. (2002)
2) Hormonelle Einflüsse
Geschlechtshormone beeinflussen direkt die Emotions- und Stresssysteme des Gehirns.
Östrogen:
verstärkt Aktivität in Amygdala (Bedrohungsverarbeitung)
moduliert Serotoninsystem (Stimmungsregulation)
Progesteron:
beeinflusst Angstreaktionen
schwankt stark im Zyklus
Testosteron:
dämpft Stress- und Angstreaktionen
erhöht Stressresistenz
Folge:
weiblicher Hormonhaushalt → größere Schwankungen in emotionaler Reaktivität
männlicher Hormonhaushalt → im Mittel stabilere Stresspufferung
Das erklärt auch:
zyklusabhängige Stimmungsschwankungen
erhöhte Depressionsrisiken nach Geburt und in Wechseljahren
3) Genetische Korrelation mit internalisierenden Störungen
Neurotizismus ist teilweise genetisch bedingt (~40–50 % Erblichkeit).
Die gleichen genetischen Faktoren, die hohen Neurotizismus begünstigen, erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit für:
Angststörungen
Depression
Posttraumatische Belastungsstörung
Man spricht von genetischer Kovarianz oder shared genetic liability.
Zwillingsstudien zeigen:
Gene, die Neurotizismus erhöhen, erklären bis zu 60 % des genetischen Risikos für Depression.
Geschlechtsaspekt:
Frauen tragen im Mittel etwas höhere genetische Expression dieser internalisierenden Vulnerabilität → höhere Prävalenz von Angst/Depression.
Wichtige Studien:
Kendler et al. (2006)
Hettema et al. (2006)
Die HPA-Achse (Hypothalamus–Hypophyse–Nebennierenrinde) klingt interessant für weitere Fragen. Cortisol an sich auch.
Erich von Däniken ist am Wochenende gestorben (RIP) und das hat mich daran erinnert, dass ich als Kind/Jugendlicher eines seiner Bücher gelesen hatte, und das mit einer gewissen Faszination. Einen Beleg für Außerirdische zu haben wäre ja toll, vielleicht auch erschreckend, aber jedenfalls etwas über das man nachdenken kann.
Man liest eben einen langen Text mit einer Argumentation mit angeblich sehr vielen belegen und irgendwelche Bilder von Astronauten ähnlichen Malereien und lassen ja zumindestens die Option offen, das es tatsächlich stattgefunden hat sicherlich ist auch das Gebiet dafür ganz günstig, weil alles in einer Zeit spielt in der man wenig überprüfen kann, gerade wenn die diese darauf abstellen, dass diese Wesen eben beispielsweise als Götter oder ähnliches angesehen worden sind.
Und natürlich ist dies auch ein inzwischen häufiger Trope in diversen Science Fiktion Romanen oder Serien gewesen, in denen die Helden in eine ähnliche Rolle als Götter geschlüpft sind.. es ist nicht unvorstellbar, dass sich höher entwickelte Lebewesen irgendwie mit Leben auf einem anderen Planeten einlassen.
Wobei das wahrscheinlich entweder eine gewisse höhere Entwicklung oder eine gute Organisation voraussetzt oder der entsprechende Planet muss wirtschaftlich für die entsprechende Lebensformen vollkommen uninteressant sein. Ansonsten würde es wahrscheinlich eher so enden, wie es auch auf der Erde endete, wenn technisch höher entwickelte Nationen auf weniger entwickelte gestoßen sind.
Ähnlich ging es mir mit Karl May, den ich als Kind/Jugendlicher ebenfalls vollständig gelesen habe und die bei mir zu einer gewissen religiösen Phase im Sinne eines Glaubens an einen Gott geführt haben die allerdings nur kurz anhielt.
Natürlich war das auch die Zeit, in der man leichter zu beeinflussen war weil Informationen nicht so einfach zur Verfügung standen wie heute, wo man im Internet an nahezu jede Gegenposition gelangen kann.
Heute würde man sich wahrscheinlich bei solchen Thesen direkt ins Internet begeben und hinreichend Aufklärungen zu einer Vielzahl von Däniken Thesen finden, wenn man sucht.
Wobei man natürlich auch heute noch die Augen zu machen kann, dass ich in einer Gruppe Gleichgesinnter begeben kann und alles ablehnen kann, was dem entgegen steht.
Es gibt ja heute noch Leute, die die Erde für flach halten oder meinen, das die Sinnflut tatsächlich die gesamte Erde bedeckt hatte und die meinen dies irgendwie nachweisen zu können. Das mag zu anderen Zeiten verzeihlich gewesen sein ist aber heute ein Zeichen einer extremen Nachlässigkeit oder starken Ideologisierung.
Natürlich passiert es trotzdem auch noch , dass man selektiv an die Sache herangeht.. wenn ich eine Studie sehe die ganz geht meine Vorstellung, wie bestimmte Sachen ablaufen geht, dann suche ich auch sehr gerne nach Gegenargumenten und Gegenstudien oder Kritik im Netz und finde auch häufig etwas. Bei Studien, die meiner Meinung bestätigen passiert das weniger. Ich gehe davon aus, dass sie sich eben passend einordnen.
Ich bedanke mich hiermit noch einmal bei allen Leuten, die mich darauf hingewiesen haben, dass bestimmte Studien Schrott sind, erhebliche Schwächen haben oder zu mindestens erhebliche Kritik geübt haben, die wiederum dazu führte, dass ich mich mit den Pro und contra Argumenten beschäftigen musste. Die Idee, dass man einige Meinungen einfach ablehnen kann weil sie nicht der eigenen Ideologie entsprechen, finde ich nach wie vor erschreckend.
Wir sollten uns alle selbst immer wieder die Mühe machen unsere eigenen Thesen zu hinterfragen und auf Gegenargumente einzugehen
The single most attractive quality in a man is generosity. The most unattractive quality is stinginess. The sheer number of men on here who claim to be concerned about picking up a dinner tab for a date it won’t work out with is astonishing! So you bought someone dinner, my god.
Zum Essen einladen, soweit würde ich zustimmen, ist ein „Costly Signal“. Es signalisiert, dass man Ressourcen hat und auf die Partnerin verwenden will, ein sehr altes evolutionäres Zeichen. In der Hinsicht ist Geiz unattraktiv.
The single most un-attractive quality in a man is the willingness to be made a sucker.
Und das ist das moderne Dilemma: Um so unverbindlicher Dating wird um so eher kippt die Bewertung, dass man Ressourcen auf eine Frau verwendet, die etwas besonderes für einen ist und die einem etwas bedeutet. Weil sie das wenn man sich gerade erst auf Tinder und Co getroffen hat, bei dem sie mit 100 anderen Männern gematcht hat und mit vielen davon schreibt, eben noch nicht sein kann. Sie kann es zu leicht ausnutzen und man ist zu schnell der „Sucker“.
I have always insisted on paying for dinner. And every quality woman I’ve ever known insisted that she pay half. Usually, I insisted harder. But not always.
Da ist gleich der Ausweg: Man geht davon aus, dass die Frau ihrerseits eine Verpflichtung eingeht: Der Mann macht die Geste, die Frau bietet an die Hälfte zu tragen oder das nächste Essen / die nächsten Drinks zu zahlen. Schon ist es wesentlich besser und beide zeigen, dass ihnen an dem anderen etwas liegt. Das erfordert aber natürlich eine gewisse „Vorauswahl“ der Frau.
I never minded paying for a date, but I really would not want to pay for a date if I thought I was being taken advantage of
Das ist die Abgrenzung, die viele wahrscheinlich für sich vornehmen. Und die bereits dadurch verletzt wird, dass die Frau darauf besteht, dass das erste Date ein Essen gehen ist. Denn damit geht eine Erwartung einher, dass er erst einmal etwas leisten und zahlen muss, dass sie also weniger an ihm interessiert ist und er in Vorleistung gehen muss. Der Zustand sollte eher sein, dass beide sich kennenlernen wollen, weil sie Interesse aneinander haben und gespannt auf den anderen sind. Und dann ist es ganz egal wo.
That’s bullshit because females take everything from unattractive men for a cost and then they give everything to attractive men for free. Wtf do females know about generosity? These beta males are losing power. I’m glad. People are sick of these losers.
Das haut in die gleiche Kerbe: Wenn sie mich wirklich wollte, mich als sehr hochwertig ansehen würde, dann wäre es egal ob wir essen gehen. Bei besonders attraktiven Männern oder anderweitig besonders begehrenswerten Männern wäre die Frage, ob man essen geht vollkommen egal
Natürlich funktioniert das Argument auch von der anderen Seite: Wenn er so wenig an mir interessiert ist, dass er die Kosten eines Essens fürchtet, entweder weil er nur Sex will oder weil er meint, dass ich zu gut für ihn bin, dann sortiere ich ihn besser aus.
5.
Men are meant to be givers. Not ATMs, not martyrs, but men who instinctively provide, include, and make life lighter for the people they invite in. If picking up a dinner check is enough to make you feel exploited, ‘modern dating’ isn’t the problem. The problem is that you see generosity as a loss instead of part of the privilege of courting someone.
Und noch eine weibliche Sicht in eine ähnliche Richtung: Der Mann sollte unbekümmert großzügig sein, es als Teil der Gelegenheit jemanden umwerben zu können sehen.
The type of generosity women like the most is your Sex drive – being generous by being attracted to her enough to want to fuck her because she’s MORE aroused by YOU. “Attractive qualities” don’t matter as much as being attractive and not doing unattractive things. OP isn’t specific about the context surrounding “picking up a dinner tab for a date it won’t worth out with” but regardless it presupposes that taking chicks out for dinner is cool under any circumstances. “So you bought someone dinner, my god.” Dinner only AFTER you fuck. Your non-sexual attention at dinner is her reward for good sexually compliant behavior. Pavlov’s Dog that bitch.
I think dinner is too much for a first date. Coffee & a pastry is more appropriate. I don’t blame any man for not wanting to pay for dinner AND sit through the whole thing for a woman he might barely know. Keep it quick & easy, & then splurge if you want to see each other again.
Eben. Es ist das erste Kennenlernen ohne das man viel über den anderen und die Chemie miteinander weiß. Ein Restaurant bedeutet, dass man sich setzt, Essen bestellt, wartet bis es kommt und vielleicht hat man bis dahin schon festgestellt, dass man nicht zueinander passt. Man hat aber Essen bestellt und muss noch warten, es Essen und dann auch noch bezahlen.
This doesn’t work in a culture where the scammer or the hustler archetype is ascendant.
Das wäre der gesellschaftliche Aspekt: Wenn Frauen wollen, dass sie zum Essen eingeladen werden, obwohl man sie kaum kennt, dann müssten sie radikal gegen Frauen vorgehen, die auf freie Essen aus sind.
Eine Frau hat wohl Maßnahmen von ICE, die insbesondere in den USA für illegale Einwanderung zuständig sind und unter Trump wohl stark ausgebaut worden sind, behindert, ICE-Beamte wollten sie verhaften (nehme ich an) und sie ist mit dem Auto davon gefahren.
Streitig ist, ob sie dabei auf einen der Beamten zugefahren ist oder ob es zumindest für diesen so aussah.
Der Beamte hat dann auf sie geschossen und sie tödlich getroffen. Aus Sicht der „Befürworter“ weil sie ihn überfahren wollte, was ihn dazu berechtigt hätte, aus der Sicht der „Kritiker“ weil er sie einfach umbringen wollte, obwohl sie keine Gefahr war.
Hier eine Zusammenfassung von Grok:
Stelle die Vorfälle in Bezug auf ICE in Minnesota so neutral wie möglich dar. Sage, was die Ausgangslage war und was beide seiten jeweils vertreten
Ausgangslage
Im Dezember 2025 startete die U.S. Immigration and Customs Enforcement (ICE), eine Behörde des Department of Homeland Security (DHS), eine großangelegte Operation namens „Operation Metro Surge“ in Minnesota, insbesondere in der Region um Minneapolis und St. Paul. Diese Operation umfasst den Einsatz von etwa 2.000 zusätzlichen Bundesagenten und zielt auf die Verhaftung illegaler Einwanderer ab, darunter Personen mit kriminellen Vorstrafen wie Sexualdelikten, Mord oder Drogenhandel. Minnesota gilt als ein Staat mit sogenannten Sanctuary-Politiken, die die Kooperation lokaler Behörden mit ICE einschränken, um Einwanderer ohne legalen Status vor Abschiebung zu schützen. Lokale Politiker wie Gouverneur Tim Walz und Bürgermeister Jacob Frey haben ICE-Operationen kritisiert und betont, dass der Staat keine Ressourcen für Abschiebungen bereitstellt. Gleichzeitig berichtet das DHS von einer Zunahme von Angriffen auf ICE-Agenten, einschließlich Fahrzeugangriffen, die sie auf „radikale Rhetorik“ lokaler Politiker zurückführen, wie Walz‘ Vergleich von ICE mit der „Gestapo“ oder Freys Forderung, ICE solle „aus Minneapolis verschwinden“. Seit Januar 2025 wurden über 1.500 Personen verhaftet, darunter viele mit kriminellen Hintergründen, was zu Protesten, Konfrontationen und einem tödlichen Vorfall führte.
Wichtige Vorfälle
Verhaftungen und Operationen:
ICE hat gezielte Razzien in somalisch-dominierten Vierteln durchgeführt, wie Cedar-Riverside, wo Agenten Ausweise forderten und Personen festnahmen. Beispiele umfassen die Verhaftung eines somalischen Sexualstraftäters, der aufgrund lokaler Sanctuary-Regeln frei war, sowie andere mit Vorstrafen für Mord, Drogenhandel oder sexuelle Übergriffe. Es gab Berichte über Kollateralverhaftungen und Konfrontationen mit Anwohnern, die Agenten umzingelten oder blockierten. In einigen Fällen wurden US-Bürger vorübergehend festgehalten, darunter ein Mann, der trotz Vorlage eines digitalen Passes in Handschellen gelegt und weggefahren wurde, bevor er freigelassen wurde.
Proteste und Konfrontationen:
Anwohner und Aktivistengruppen wie Indivisible Twin Cities haben Netzwerke aufgebaut, um ICE-Operationen zu beobachten und zu stören, einschließlich „Nachbarschaftspatrouillen“. Es kam zu Vorfällen, bei denen Agenten mit Pfefferspray vorgingen, Fenster einschlugen oder Taser zogen, um Blockaden zu durchbrechen. In Schulen und Unternehmen gab es Störungen, was zu Schulschließungen und Forderungen führte, ICE von Schulgeländen fernzuhalten.
Tödlicher Schusswechsel am 7. Januar 2026:
In Minneapolis schoss ICE-Agent Jonathan E. Ross auf die 37-jährige US-Bürgerin Renee Nicole Good, die in ihrem Auto saß. Good, eine Mutter von drei Kindern und Aktivistin in einer Anti-ICE-Gruppe, starb an den Verletzungen. Videos zeigen den Vorfall aus mehreren Winkeln, aber die genaue Abfolge vor dem Schuss ist unklar. Zeugen berichteten, dass ein Arzt am Ort war, aber von Agenten zurückgehalten wurde, und eine Ambulanz durch ICE-Fahrzeuge blockiert war. Dies führte zu landesweiten Protesten und einer Untersuchung durch das FBI. Ähnliche Schussvorfälle ereigneten sich kurz darauf in Portland und erneut in Minnesota.
Position der Bundesregierung und ICE
Die Trump-Administration und das DHS vertreten die Ansicht, dass die Operation notwendig ist, um „die schlimmsten Kriminellen“ zu entfernen und Communities zu schützen. Sie berichten von über 1.300 % mehr Angriffen auf Agenten seit 2025, einschließlich 66 Fahrzeugangriffen, und führen dies auf anti-ICE-Rhetorik lokaler Politiker zurück. Der Schuss auf Good wird als Selbstverteidigung dargestellt: Sie habe versucht, den Agenten zu überfahren, was durch Ross‘ frühere Verletzung in einem ähnlichen Vorfall untermauert wird. ICE betont Professionalität und dass Verhaftungen auf Haftbefehlen basieren, nicht auf Rasse. Sie kritisieren Minnesota für das Horten von Kriminellen durch Sanctuary-Politiken und berichten von Erfolgen wie der Verhaftung von Pädophilen und Drogenhändlern.
Position der lokalen Behörden und Aktivisten in Minnesota
Gouverneur Tim Walz, Bürgermeister Jacob Frey und Gruppen wie der Immigrant Law Center of Minnesota (ILCM) sehen die Operation als rassistisch und islamophob, gezielt gegen somalische Communities. Sie berichten von racial profiling, Fehlverhaftungen US-Bürger, übermäßiger Gewalt (z. B. Chokeholds, Pfefferspray) und Störung des Alltags, einschließlich in Schulen. Der Schuss auf Good wird als unnötig und möglicherweise Mord dargestellt; Videos zeigten, dass sie vom Agenten wegsteuerte, und medizinische Hilfe wurde verzögert. Sie fordern den Abzug von ICE, eine unabhängige Untersuchung und betonen, dass die Operation Terror und Chaos schafft, ohne echte Bedrohung zu adressieren. Walz hat die Nationalgarde mobilisiert und fordert, dass der Bund Minnesota „in Ruhe lässt“. Aktivisten organisieren Widerstand, um Nachbarn zu schützen, und kritisieren die Eskalation durch Bundesagenten
Das Ereignis wird sicherlich noch weiter aufgeklärt werden, es wird entsprechende Aussagen etc geben.
Ich will etwas zum Drumherum schreiben und es wird etwas zynisch in der Analyse:
Für die radikaleren Aktivistinnen ist es natürlich interessant jetzt aus der getöteten Frau Good einen neuen George Floyd Moment zu machen, ungeachtet der weiteren Ermittlungen. Wenn das gelingt, dann können sie ihre Organisation ausbauen und erheblichen Zuwachs bekommen.
Es wird interessant, ob eine weiße Frau und Mutter (wenn auch wohl in einer lesbischen Beziehung) da ausreicht, noch dazu bei einem Thema wie Einwanderung. Kann man sie ähnlich zur Galionsfigur einer Bewegung ausbauen? Floyd stand für Polizeigewalt gegen Schwarze und das gerade weil sie schwarz waren. Das wird bei Good schwieriger, schlicht weil sie weiß ist und auch weil sie eine Frau ist. Weiße Frauen dürften überaus selten erschossen werden, wenn ich es richtig in Erinnerung habe sind sie sogar die Gruppe mit der niedrigsten Rate tödlicher Polizeigewalt unter den Geschlechter-Race-Gruppen. Man könnte von „white female Privilege“ sprechen. Noch dazu verkörpert sie genau den Fall, der ansonsten immer angeführt wird, wenn es um Polizeigewalt geht: „Wenn dich ein Polizist (oder andere Beamte wie ICE) auffordern auszusteigen, dann mache das, mache keine schnellen Bewegungen, verhalte dich kooperativ und dir passiert nichts“.
Aber immerhin, sie ist eine Mutter, sie hatte (was im Netz oft betont wurde) Stofftiere in ihrem Handschuhfach von ihren Kindern, sie war eine Frau, man kann vielleicht daran arbeiten, dass niemand mehr sicher ist und die Monster sogar eine Frau erschießen (wie gehen sie dann erst mit anderen um?)
Natürlich werden gleichzeitig auch die ICE-Mitarbeiter jetzt vorsichtiger vorgehen müssen, weil das Klima aufgestachelt ist und sie evtl noch mehr Angriffe gegen sich haben könnten und dazu noch weitere Todesfälle vermeiden sollten.
Auf der anderen Seite wird es die „Law and Order“ Seite um Trump für sich ausschlachten wollen: Einmal können sie auf eine abschreckende Wirkung setzen und das könnte bereits den Widerstand verringern. Die Parole „Fuck around and find out“ oder kurz „Fafo“ wird ja gern im Trump-Umfeld genutzt. Dazu können sie anführen, dass hier „linke Spinner“ vor nichts zurückschrecken um die Durchsetzung der Politik Ausländer abzuschieben, hier gerade auch Somalier, die gerade durch falsche Kinderbetreuungsstätten, bei denen man staatliche Leistungen abgegriffen hat, aufgefallen sind.
Sie können deutlich machen, dass eben nur mit ihnen solche Mißstände beendet werden und die radikalen Linken dagegen nicht ankommen können. Sie werden gerade betonen, dass die ICE-Mitarbeiter beständig unter Angriff sind und damit entsprechend noch härtere Maßnahmen rechtfertigen. Sie können ebenfalls ein Feindbild ausbauen, dann eben in Bezug auf Good die Aktivistin, die mehrere 100 Meilen von ihrem Wohnort hergefahren ist um ICE zu behindern und dabei ihre Kinder zurückgelassen hat und sich für unangreifbar hielt und so zu Hass aufgestachelt war, dass sie meinte sogar einen ICE Beamten überfahren zu können oder jedenfalls keine Rücksicht auf ihn nehmen zu müssen ohne das ihr was passiert.
Der Vorfall kann also von beiden Lagern gut verwendet werden und wird die Graben ggfs noch einmal vertiefen. Mal sehen ob der linken eine Aktivierung gelingt und was dann die Gegenmaßnahme ist.
Jennifer Degner-Mantoan: Antifeministische Netzwerke: Die deutsche Männerrechtsbewegung
Soziale Bewegungen zeichnen sich aus durch (1) einen (informellen) Netzwerkcharakter, (2) die Ausbildung einer kollektiven Identität und kollektiv geteilter Deutungsrahmen, (3) das Streben nach gesellschaftlichem Wandel sowie (4) darauf abzielendes Protestverhalten (della Porta/Diani 1999: 16; Rucht 1995: 11; Roth/Rucht 2008: 638).
Sie sind ein relationales Phänomen, d. h. sie handeln die eigenen Grenzen und Zugehörigkeiten, Problemdeutungen und Verantwortlichkeitszuschreibungen, Strategien und Ziele ständig neu aus und sprechen Anhänger_innen und Unterstützer_innen, aber auch Opponent_innen, in einer Weise an, die auf die (De-)Mobilisierung verschiedener Zielgruppen hinwirkt (Rucht 2005: 197).
Die deutsche Männerrechtsbewegung besteht aus Einzelpersonen, Vereinen und informellen Gruppen, die netzwerkartig miteinander verbunden sind. Um moralische Ressourcen zu generieren, muss sie insbesondere die Legitimität ihrer Anliegen kommunizieren (Roth/Rucht 2008: 25; Rucht 1984: 616) bzw. die Illegitimität ihrer politischen Gegner_innen betonen, eine starke Solidarität untereinander entwickeln und Verbündete finden, die ihre Interessen auch über den Wirkungskreis der Bewegung hinaus verbreiten.
Die aus dem Netzwerk entstehenden Bewegungsgemeinschaften (Staggenborg 1998; Hassan/Staggenborg 2015) sind in ihrer ideologischen Prägung, thematischen Schwerpunktsetzung und Organisationsform durchaus verschieden. Es gibt:
informelle (Unterstützungs-)Netzwerke,
institutionalisierte Strukturen sowie
parteinahe Strukturen (Beck et al. 2021).
Mit Hilfe eigener alternativer Medien lassen sich Inhalte über die Bewegungskanäle hinaus verbreiten und neue Unterstützer_innen generieren. Die Bewegung kann aber auch auf Befürworter_innen in den hegemonialen Medien zählen, die über die Benachteiligung von (cis) Männern und die vermeintlichen Verfehlungen „des Feminismus“ berichten oder zentralen Akteur_innen der Männerrechtsbewegung über Interviews und Gastbeiträge eine Plattform geben (Aigner 2012).
Thematisch problematisiert die Männerrechtsbewegung zu unterschiedlich starken Anteilen eine Benachteiligung von (cis) Männern u. a. bezüglich:
Bildung
Arbeit
Gesundheit
Partnerschaft
Elternschaft
Erziehung
Antifeminismus und eine (cis)männliche Opferhaltung dienen als geteilter Deutungsrahmen, der eine kollektive Identifikation ermöglicht. Ideologisch reicht das Spektrum von (links-)liberalen bis hin zu extrem rechten Einstellungen und Weltdeutungen.
Die verschiedenen Gemeinschaften können als Teil einer „Bewegungsfamilie“ (della Porta/Rucht 1995: 232) verstanden werden, die sich zunächst über den Einsatz für Männerrechte definiert. Innerhalb der Bewegungsfamilie lässt sich zwischen diversen Gruppierungen unterscheiden, die miteinander kooperieren, konkurrieren oder auch in Konflikt zueinander stehen.
Darüber hinaus lassen sich situationsspezifische Bewegungskoalitionen, d. h. zeitlich begrenzte Kooperationen, beobachten, während derer Ressourcen geteilt und Aktionen gemeinsam koordiniert werden (McCammon/Moon 2015: 326f.). Dies ist bspw. der Fall, wenn einzelne Organisationen der Männerrechtsbewegung sich mit christlich-fundamentalistischen oder auch verschwörungsideologischen Akteur_innen verbünden, etwa bei Protesten gegen eine Pädagogik der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt (Oldemeier et al. 2020) oder im Rahmen der Coronaproteste (Blum/Rahner 2020).
3 Netzwerke als Bewegungsressource
Das Internet und neue Technologien bieten Möglichkeiten der schnellen, zeit- und ortsunabhängigen, kostengünstigen, vergleichsweise niedrigschwelligen und massentauglichen Kommunikation sowie eine Vielzahl an Handlungsrepertoires für Bewegungsakteur_innen (Dolata/Schrape 2015: 17ff.; Rucht/Teune 2017: 21; Illgner 2018: 254; Fielitz/Staemmler 2020: 433).
Netzwerke lassen sich mit wenig Aufwand aufbauen und pflegen. Sie stellen nicht nur eine Ressource von Bewegungen dar, sondern bieten auch die Möglichkeit der Einflussnahme auf Gelegenheitsstrukturen (Diani 1996; Cinalli/Füglister 2008). Darüber hinaus können sie ein kollektives Bewusstsein fördern, mit dem die eigene Position und Weltdeutung – insbesondere im Falle radikaler Gruppierungen – weniger alleinstehend erscheint (Ackland/Gibson 2013: 231ff.; Veilleux-Lepage/Achambault 2019: 23).
Personalisierte Kommunikationsformen wie Social News Aggregatoren und Mikroblogs ergänzen kollektives Handeln, das wiederum von Onlineplattformen koordiniert und gebündelt werden kann (Bennett/Segerberg 2012: 743ff.). So entstehende Koalitionen mobilisieren wiederum größere Mengen an Akteur_innen (Earl/Kimport 2011: 148ff.). Gleichzeitig besteht die Gefahr einer Abschottung in homogene, virtuelle Gemeinschaften und einer Radikalisierung von Online-Communities (Caiani/Parenti 2013: 3ff.), wie in Teilen der Manosphere (Horta Ribeiro et al. 2020; Rothermel 2020).
3.1 Soziale Netzwerkanalyse
Die soziale Netzwerkanalyse liefert relationale Daten über die Einheiten, Beziehungen und Abgrenzungen eines Netzwerks (Serdült 2002: 127f.). Betrachtet werden einzelne Verbindungen von Individuen sowie die allgemeine Netzwerkstruktur (Snow/Zurcher/Ekland-Olson 1983: 118), welche als Form sozialen Kapitals und damit als Bewegungsressource interpretiert werden (Diani 2005: 340; Schmidt 2006: 38f.).
Wie eingangs beschrieben, liegt bisher keine Studie vor, die das Netzwerk der Männerrechtsbewegung erfasst. Zwar konnte eine breite Anschlussfähigkeit maskulistischer Ideologiefragmente und Narrative festgestellt werden (u. a. Ganz/Meßmer 2017; Mayer/Ajanovic/Sauer 2018; Höcker/Pickel/Decker 2020; Kaiser 2020; Näser-Lather/Oldemeier/Beck 2019; Kalkstein et al. 2024), ein Überblick über die Akteurslandschaft und deren Verbindungen über die eigenen Kanäle hinaus stellt jedoch weiterhin ein Forschungsdesiderat dar.
(…)
Ausgehend vom oben skizzierten Forschungsstand zur Männerrechtsbewegung habe ich sieben Akteur_innen zum Ausgangspunkt genommen, von deren Webpräsenzen aus ich händisch eine Wanderung über die jeweiligen Verlinkungen unternommen habe, um so weitere Startknoten für die Netzwerkanalyse zu finden.
Außerdem habe ich das Bundesforum Männer als einen Akteur aufgenommen, der aus pro-feministischer Perspektive agiert, während für die anderen Akteur_innen auf Basis bisheriger Forschung eine antifeministische Positionierung angenommen wird (Beck et al. 2021: 7ff.; Claus 2014: 16ff.; Kemper 2011a: 36ff.).
Insgesamt ergaben sich so elf Startknoten. Darunter befinden sich:
die Homepages der bekanntesten deutschen Männer- und Väterrechtsvereine (u. a. MANNdat, AGENS, Forum Soziale Inklusion, Väteraufbruch für Kinder),
verschiedene, meist von Einzelpersonen bespielte Weblogs.
Daneben wurden Kampagnen und Aktionsbündnisse, die eine Schnittstelle zwischen der Bewegung und anderen zivilgesellschaftlichen sowie politischen Akteur_innen darstellen, in das Sample aufgenommen (u. a. die Initiativen Genug Tränen und Familienschutz).
Ebenfalls berücksichtigt wurde der deutsche Genderkongress als eine – zumindest in der Außendarstellung – international ausgerichtete, von Bewegungsakteur_innen getragene Tagung.
Außerdem wurden die Knoten auf den Dimensionen politische Orientierung¹⁰ und thematischer Schwerpunkt und welcher politischen Orientierung die Akteur_innen am ehesten zuzuordnen sind.
(…)
Maskulismus
Liberale Akteur_innen sind kaum Teil der direkten Routen zwischen anderen Knoten. Zentraler sind dagegen Akteur_innen, die eher dem konservativen bis (extrem) rechten Spektrum zugeordnet werden können (1).
Besonders schnell erreichen einige Blogs sowie das alternative Nachrichtenportal Cuncti andere Akteur_innen. Sie sind somit besonders einflussreich (2).
Gut vernetzt sind neben zwei maskulistischen Blogs zwei der größten deutschen Männerrechtsvereine (3).
Die Korrelation der Zentralitätsmaße ergibt einen (sehr) starken positiven Zusammenhang. Dies spiegelt sich auch in der Übersicht der Zentralisationsmaße: Unter den fünf zentralsten, populärsten und einflussreichsten Knoten befinden sich auch nach weiteren Reduktionsschritten immer wieder die gleichen Akteur_innen.
Diese können als Kern des Netzwerks beschrieben werden.
Man merkt die Daten sind etwas älter, ich meine es wird auf 2023 verwiesen.
Deutlich wurde, dass das Netzwerk aus wenigen, dafür umso aktiveren Akteur_innen besteht. Die Strukturen sind kaum formalisiert. Thematisch liegt der Schwerpunkt auf Männerrechten und Antifeminismus, die eine ideologische Klammer für die Bewegungsfamilie darstellen. Trotz politisch unterschiedlicher Verortung weisen die zentralen Akteur_innen in ihren Verlinkungen zumindest eine Offenheit für die (extreme) Rechte auf.
Liberale Akteur_innen weichen mit jedem Reduktionsschritt zugunsten konservativer und extrem rechter Akteur_innen. Dies deckt sich mit der Abnahme institutionalisierter Strukturen zugunsten von Einzelpersonen betriebener Weblogs.
Konkrete Hilfs- und Unterstützungsangebote für Männer wie psychologische und medizinische Beratung, Präventionsangebote, Anlaufstellen für Opfer häuslicher Gewalt, Sozialberatungen oder Straffälligen- und Obdachlosenhilfen werden kaum bis gar nicht verlinkt und verschwinden nach nur wenigen Reduktionsschritten gänzlich. Fraglich ist, warum institutionalisierte Angebote im Netzwerk kaum präsent sind. Anti-etatistische Vorstellungen und ein allgemeines Misstrauen gegenüber staatlichen Organisationen, die stets unter Feminismusverdacht stehen, können eine mögliche Erklärung sein.
Darüber hinaus lässt sich fragen, wie hoch die Bereitschaft ist, über die Textproduktion hinaus aktiv zu werden, um eigene Strukturen aufzubauen. Wenn bspw. der Ausbau von Frauenhäusern mit dem Mangel an vergleichbaren Angeboten für (cis) Männer in Frage gestellt wird, könnte sich darin eine verletzte Anspruchshaltung (Kimmel 2017) zeigen.
Thematisch verschiebt sich der Schwerpunkt mit jedem Reduktionsschritt zugunsten maskulistischer und antifeministischer Inhalte. Dies bestätigt den Befund, dass Antifeminismus und eine (cis)männliche Opferhaltung fester Bestandteil der kollektiven Identität der Männerrechtsbewegung sind und die heterogenen Gemeinschaften der Bewegungsfamilie zusammenhalten. Interessant ist darüber hinaus, dass zwar Familie und Elternschaft auch in diesem Rahmen verhandelt werden, Akteur_innen, die einen Fokus auf das Thema setzen, jedoch kaum präsent sind.
Aus den bisherigen Erkenntnissen lässt sich folgern, dass die Männerrechtsbewegung einen starken Fokus auf Problemdeutung und Ideologieproduktion legt, jedoch wenig eigene Problemlösestrategien entwickelt. Der Aktivismus ist geprägt von Abgrenzung und Empörung und lässt somit wenig Raum für konstruktive Ansätze. Vorhandene Ressourcen werden aufgrund ideologischer Differenzen nicht wahrgenommen. Die Männerrechtsbewegung schafft es somit bisher nicht, nachhaltige Bündnisse einzugehen und die eigenen Inhalte über ein begrenztes Unterstützungsnetzwerk hinaus zu etablieren.
Da sind wir eigentlich wieder bei einer alten Diskussion, etwa:
Nachdem sich vorherige Vorwürfe gegen Stefan Gelbhaar (Grüne) als falsch herausstellten veröffentlicht der Tagesspiegel nun neues Material:
Faust lernt Gelbhaar im Jahr 2011 kennen. Da ist sie 15 Jahre alt. Gelbhaar nimmt an einem Wahlkampf-Podium an ihrem Gymnasium teil, dann trifft sie ihn an einem Wahlkampfstand wieder. Sie ist beeindruckt von dem Politiker, der damals Landeschef der Grünen ist und ins Abgeordnetenhaus gewählt wird. Sie schreibt ihm auf seinem offiziellen Facebook-Account eine Direktnachricht, denn sie möchte sich bei den Grünen engagieren.
Das schreibt sie ihm am 15. September 2011 und siezt ihn. Keine 24 Stunden später antwortet Gelbhaar, dass ihn das freue und dass er sich „natürlich und sehr gerne“ an sie von der Begegnung am Wahlkampfstand erinnere. „Und ich“, schreibt er der 15-Jährigen, „schlage mal ganz spontan das Du vor“. Gelbhaar ist damals 35 Jahre alt.
Das Mädchen antwortet, es sei ja sympathisch, wenn Politiker bürgernah seien. Sie wünschte ihm viel Erfolg bei der Abgeordnetenhauswahl. Sie finde es „sehr schön“, dass Gelbhaar sich an sie erinnere. Der antwortet: „Du findest das sogar sehr schön?“ Dazu ein Freu-Smiley.
Dass sich die 15-Jährige bei den Grünen engagieren will, dass Gelbhaar ihr Wege eröffnen, Hilfe bieten könnte – all das findet sich nicht im Chat. Aber auch keine Übergriffigkeit gegenüber einer Minderjährigen. Doch sein Verhalten einordnen will Gelbhaar heute nicht. Sein Anwalt erklärt dazu: „Unser Mandant verwahrt sich gegen den Vorwurf, er habe sich einer Minderjährigen genähert. Der Vorwurf ist abwegig und nicht im Ansatz von dem vorliegenden Sachverhalt gedeckt.“
Bei den Grünen dürfte Duzen ja normal sein. Auch sonst macht er nichts, was sich nicht gehört. Sie schreibt ihm an, dass sie sich bei den Grünen engagieren soll, was soll er da auch groß antworten? Wird wahrscheinlich häufiger passieren.
Interessant auch die Darstellung. Es findet sich nichts unangebrachtes in dem Chat. Und er will das nicht einordnen.
In der Tat ist ja der Vorwurf abwegig, dass er sich ihr genährt hatte. Es wäre aus meiner Sicht noch im Rahmen der normalen Rekrutierung dann wohl für die Grüne Jugend. Er gibt eben den volksnahen Politiker. Hätte er das gleiche bei einem Jungen geschrieben wäre es vollkommen unverdächtig.
Sieben Jahre nach dem ersten Chat, Faust ist 22 Jahre alt, geht es weiter. Von 2018 bis 2021 haben beide nachweisbar Chatkontakt. Faust reagiert auf seine politischen Posts bei Instagram mit Klatschen-Emojis, er sendet Herzaugen- oder Flammen-Emojis, die „hot“ bedeuten, also „heiß“, zu Fotos und Stories auf ihrem Instagram-Account. Auf denen zeigtsich die Frau: jung, attraktiv, auch freizügig und spielerisch. Er fragt sie, was sie vorhabe, was sie werden wolle, was sie studiere.
Am 2. Dezember 2018 schreibt Gelbhaar ihr: „Ich kiek mir deine Bilder zu gern an.“ Faust antwortet: „Dankeschön :)“. Am 14. Februar 2019 schreibt er ihr zu einem Foto, bei dem ein Filter ihre Augen verändert hat: „Hast du doch gar nicht nötig.“
Was Faust erlebte, ist zunächst ein Einzelfall. Doch spiegelt sich darin ein Verhalten, das Gelbhaar auch anderen Frauen gegenüber gezeigt haben soll – grenzverletzend, distanzlos. Der Chat ist nicht immer eindeutig, wirkt oft einvernehmlich. Aber es bleibt der Eindruck: Da schreibt ein Mittvierziger über seinen offiziellen, mit blauem Haken verifizierten Account als Abgeordneter, als Politiker sehr locker mit einer jungen Frau hin und her. Zu locker?
Sie schreiben also 3 Jahre, beginnend ab ihrem Alter von 22. Und? Er kann sie über Instagram kaum unter Druck setzen und sie kann ihn jederzeit blockieren.
„Der Chat wirkt einvernehmlich“ war er ja anscheinend auch
„Er schreibt zu locker“ Sie ist volljährig und er auch. Wo ist das Problem? Auch ein Politiker kann einvernehmlichen Sex mit einer 22jährigen oder später 25jährigen haben.
Und wie hält man es als Bundestagabgeordneter mit der Kommunikation mit Frauen, die 20 Jahre jünger sind? Was ist angemessen? Und was ist privat? Sollte ein Mandatsträger per Direktnachricht den Eindruck vermeiden, dass er flirtet? Oder Fotos einer leicht bekleideten Frau liken? Und wie wäre das bei dem CEO eines namhaften Konzerns oder einem Bürgermeister?
Das ist jeweils deren Sache. Warum soll er übrigens nicht die Fotos einer Frau liken, auch leicht bekleidet, die mit ihm seit drei Jahren schreibt?
Am 17. Juni schreibt Faust ihm einen Glückwunsch, weil er bei Instagram einen blauen Haken im Profil nach einer Integritätsprüfung bekam. Gelbhaar antwortet mit Fragezeichen, Smiley und: „Dein Profil ist toll. Wollte ich dir schon lange mal sagen.“
Herzaugen-Smiley für ein Bikini-Foto bei Instagram
Wieder fragt er sie, was sie macht. Sie schreibt über ihr Studium, wo sie sich engagiert, nennt ihre Hobbys, darunter Hypnose. Das „fasziniert mich“, antwortet Gelbhaar. Faust schreibt: „Warum interessiert dich das so sehr, wenn ich fragen darf?“ „Hab darauf keine schlaue Antwort“, antwortet Gelbhaar. „Wahrscheinlich bin ich einfach unangemessen neugierig.“
Es folgen Herzaugen-Smileys, als sich Faust im Bikini zeigt. Ein „Daumen hoch“ zu einem Outfit mit Minirock. Zu einem Foto mit knapper Kleidung beim Christopher Street Day 2019 kommentiert er: „Sehr cool.“ Und: „Selbst geschneidert?“ Es war nur gekauft, Gelbhaar findet: „Trotzdem wie angegossen ;).“ Sie antwortet: „Vielen Dank.“
Das scheinen ja alles sehr harmlose Nachrichten zu sein, wenn sie nicht mehr haben ist das weit weg von einem Skandal. Anscheinend nur kurze, harmlose Kommentare, die sie anscheinend auch noch gut findet (und von denen sie wahrscheinlich auch noch viele weitere bekommen hat)
Julia Faust meldet sich beim Tagesspiegel
Als Gelbhaar im September ein Video in seiner Story postet, meldet sich Faust. Sie merkt an, dass der Ton schlecht sei. Daran werde gearbeitet, schreibt er zurück. Und irgendwann „machen wir mal was zusammen?“ Faust antwortet: „Gern.“ Wochenlang bleibt es dann ruhig. Im November fragt Gelbhaar, wie es Faust geht. Sie antwortet mit Emojis, die bedeuten: lernen, Schulternzucken.
Der Chatverlauf offenbart einen Eindruck, gegen den sich Gelbhaar bisher vor Gericht teilweise erfolgreich wehren konnte. Dazu muss man wissen, dass bisher an den Vorwürfen mehrerer Frauen in der „Süddeutschen Zeitung“ gegen ihn offiziell nichts geklärt ist, geschweige denn rechtskräftig.
Und auch hier wird man nichts vorwerfbares draus ableiten können. Klar kann man es einen schlechten Stil finden wenn ein 40jähriger mit einer 25jährigen schreibt. Aber es ist gleichzeitig auch nichts verbotenes. Man kann daraus nur etwas herleiten, wenn man ihn ohnehin absägen will und einen Vorwand braucht.
Es erstaunt gerade von den Grünen, die sich ja sonst in dem Bereich sehr sexpositiv aufstellen.
Die Vorwürfe gegen Gelbhaar bewegen die Partei immer noch.Im November überschattete das Thema die Wahlversammlung der Pankower Grünen, als Gelbhaar bei seinem Comebackversuch damit scheiterte, sich als Direktkandidat zur Abgeordnetenhauswahl aufstellen zu lassen. Im April 2026 wird die Landesliste für das Abgeordnetenhaus beschlossen.
Was Faust erlebte, hat sie bereits im Februar in einer eidesstattlichen Versicherung zur Vorlage bei Gericht niedergeschrieben. Diese lag dem Landgericht Hamburg und Gelbhaars Anwälten spätestens seit Mai vor. Monate später gab es für Julia Faust einen konkreten Anlass, mit dem Tagesspiegel zu sprechen und einen Einblick in die Chats mit Gelbhaar zu gewähren. Sie fand es zweifelhaft, dass Gelbhaar vor seinem Comebackversuch im November erklärt hatte, dass alle Vorwürfe gegen ihn aufgeklärt seien und die Gerichte eindeutig entschieden hätten.
Und was will sie dazu sagen? Sie hat ja anscheinend ganz einvernehmlich mit ihm geschrieben?
Im Janur 2020 schreibt Faust zu einem Video des Politikers: „Super Film!“ Er antwortet mit einem Lächel-Smiley und fragt: „Kaffee demnächst?“ Sie antwortet: „Iced Coffee“ und Herzaugen-Smiley.
Oh Nein! Das Grauen!
Tage später kommentiert Gelbhaar wieder Fotos, auf denen Fausts Gesicht mit einem Filter bearbeitet wurde: „Sehr nice der Gesichtsausdruck“ und Herzaugen-Smiley. Faust bedankt sich und beglückwünscht Gelbhaar zu einer Gesetzesänderung.
Wieder wechselt Gelbhaar ins Persönliche: „Wann machen wir mal unseren Kaffee?“ Faust schreibt, es komme auf den Wochentag an, sie habe gerade viel mit dem Studium zu tun, montags und freitags gingen, aber das „müssen wir leider noch etwas verschieben“, sie schreibe gerade Klausuren.
Auch wieder Grauenhaft.
Heute liest sie aus dem Chat Flirtversuche
„Wenn ich das alles lese, wird mir ganz anders“, sagt Julia Faust heute. Damals habe sie sich nichts dabei gedacht, auch wenn sie es so wahrgenommen habe, dass Gelbhaar auf sie steht, dass er sie anmache. „Diese Flirtversuche. Das alles ist strafrechtlich nicht relevant, doch ich finde es moralisch verwerflich.“
Und damals fand sie es interessant, dass ein Mann mit hoher Position ihr Aufmerksamkeit schenkt und dachte daran, dass sie das vielleicht ja auch irgendwie mal nutzen kann und ihn sich warmhält.
Rückblickend komme ihr das vor wie ein Versuch eines älteren Mannes, sich bei einer jungen Frau das Vertrauen zu erschleichen für einen privaten Kontakt. Eines einflussreichen Grünen-Politikers, eines Abgeordneten, der gemäß dem Grundgesetz Vertreter des „ganzen Volkes“ ist.
Ruft die Sittenpolizei!
Auch klassisches warmhalten.
Faust kontaktierte Gelbhaar als Mandatsträger, nicht als Privatmann
Gelbhaar will wissen, wohin sie reist. Faust antwortet und fragt dann: „Hast Du eigentlich Praktikant*innen? Wenn nicht, wo und für wann kann ich mich bewerben?“ Gelbhaar: „Besprechen wir dann? Weiß manchmal nicht, was du wie ernst meinst.“
Wieder richtet er den Fokus weg vom Praktikum. Sie schreibt, dass sie es ernst damit meine, schickt sogar ein Thema nach, dass sie interessiert: ein Gesetzentwurf zur Grundrente für Künstler.
Gelbhaar wechselt im Chat immer wieder auf eine vertraute Ebene, dreht Fragen über ein Praktikum ins Persönliche. Statt eines Gesprächs im Büro, das Faust im beruflichen Rahmen vorschlägt, will er sich lieber privat treffen. Er, der 20 Jahre ältere Abgeordnete, zeigte wenig Distanz gegenüber einer Frau, die einen Weg in die Politik suchte, die ihn deshalb als Politiker, als Mandatsträger kontaktierte – nicht als Privatmann.
Echt faszinierend. Klar, er will sie persönlich kennen lernen, ist vielleicht auch auf Sex aus oder auch nicht. Sie nutzt den Kontakt, ködert ihn ganz bewußt mit möglichen Treffen und will sich dann über die Beziehung zu ihm einen Praktikumsplatz sichern.
Klar hätte sie auch sagen können „das mit ihm ist mir zu persönlich, ich frage mal ganz formell und ohne den Kontakt über ihn bei den Grünen an“. Aber die inzwischen 24jährige (wenn ich richtig gerechnet habe) nutzt lieber den Kontakt von dem Mann, der ihre Bikinifotos mag und bei dem sie das Gefühl hat er will was von ihr und bei dem sie immer offen lässt, ob man sich mal privat trifft oder nicht.
Manches schmeichelt ihr auch
Im März 2020 antwortet Faust auf eine Story von Gelbhaar, dass sie eine „Location“, in der Gelbhaar war, auch möge. Gelbhaar: „Guck an, mit Dir wär es natürlich mehr Highlight gewesen. Also noch mehr :)“. Sie antwortet: „Aww.“ Sie fühlt sich geschmeichelt. Am 26. Juni antwortet Gelbhaar mit einer Flamme auf ein Foto: Faust trägt einlanges T-Shirt, es ist zu erkennen, dass sie darunter nur einen Slip trägt.
Anfang Juli 2020: Faust schreibt, dass sie sich im Maklergeschäft umschaue, Objekte suche, und fragt, ob Gelbhaar sich umhören könne. „Musste mir mal bei nem Date erklären, was Du da genau brauchst“, schreibt Gelbhaar. Faust antwortet, sie wollten sowieso mal miteinander wegen eines Praktikums sprechen.
Sie fragt auch, ob sein Büro – mitten in der Corona-Pandemie – wieder geöffnet sei. Er solle gern Bescheid sagen, wann er da sei, dann komme sie mal vorbei. Gelbhaar fragt: „Nice. Wie bist Du denn da im Sommer?“ Faust berichtet, sie habe noch keine Pläne, Ende Juli aber noch Klausuren. Das heiße, „Ende Juli treffen wir uns? Nice“, schreibt Gelbhaar. Faust liked das mit einem Herz und antwortet: „Ja genau.“
Sie will sich also ein Praktikum im Bundestag ergattern und flirtet deswegen mit ihm.
Wir gewährleisten einen verantwortungsvollen Umgang mit Nähe und Distanz.
Aus dem Verhaltenskodex der Partei Bündnis 90/Die Grünen
Das sagt ja wenig aus.
Der Chatverlauf mit Faust wiegt nicht so schwer, wie die falsch erhobenen Vorwürfe des RBB vor einem Jahr. Aber es rührt an das Selbstverständnis der Grünen als feministische Partei. Denn die Grünen haben einen Kodex. Der gibt „Verhaltensregeln zwischen allen Parteimitgliedern“ vor, dazu zählt: „keine Grenzverletzungen“. Und: „Wir gewährleisten einen verantwortungsvollen Umgang mit Nähe und Distanz.“
Längst geben sich auch große Unternehmen für ihre Compliance strenge Regeln. Damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gar nicht erst in Gefahr geraten, die Last der Entscheidung zu tragen: Kann ich zu Vorgesetzten nein sagen, ohne Konsequenzen zu befürchten?
Sie war allerdings keine Mitarbeiterin. Sie war eine Bekannte von ihm seit zumindest 3 Jahren die über diesen Zeitraum immer wieder mit ihm kommunizierte.
20. Juli 2020: Wieder ein „hot“-Kommentar von Gelbhaar, diesmal zu einem Foto mit Faust im Badeanzug. Im August antwortet sie auf eine Story von ihm. Er versteht aber nicht, was sie sagen will: „Na, nun musste erläutern … oder auf unserem Treffen Ende Juli, Zwinker-Smiley.“ Faust stimmt zu, fragt aber: „Von wann bis wann bist Du im Büro?“ Gelbhaar antwortet nicht.
Gelbhaar fordert Kompensation, weil Faust weniger postet
Sie tauschen sich über ein Kinderfoto von ihr aus, über Rodelberge. Die Kommunikation wird einseitiger, Gelbhaar schickt Flammen, Herzaugen-Emojis, schreibt zu einem Foto zu Fausts gestorbenen Haustier: „Sei gedrückt.“ Faust hinterlässt ein Herz dafür.
Am 30. Juni 2021 meldet sich Gelbhaar wieder mit zwei Emojis. Faust schreibt, sie sei nur noch selten bei Instagram. „Das prangere ich an und wünsche mir Kompensation“, antwortet Gelbhaar. Faust schickt ihm ein Foto vom Zeughauskino, wo sie zu dieser Zeit arbeitet und weil sie dort nicht allein ist.
Das ist ja auch eine relativ normale Konversation, gerade weil zwischen ihnen ja auch eine gewisse Nähe ist und sie auch auf ihn eingeht und man bereits einen Termin für ein Treffen sucht.
Gelbhaar: „Schmunzel. Das bedeutet? Ist das ne Einladung?“ Faust: „Ist eine Kompensation. Und eine Empfehlung.“ Gelbhaar: „Deine Kompensation 😉 und für mich?“ Faust: „Für dich eine Empfehlung. Tickets kosten nur 0-5 Euro, je nach Vorstellung etc.“ Gelbhaar bedankt sich und schreibt: „Wahrscheinlich hast du mich bewusst so verstanden, he? ;)“ Faust: „Was meinst du?“ Gelbhaar: „Kompensation für mich wegen Deiner Insta-Abwesenheit … Da reicht ja kein Museum.“ Faust: „Achsoo. Keine Sorge ich bin bald wieder häufiger auf dieser Plattform.“ Gelbhaar: „Die Lücke bleibt natürlich für immer.“ (Schulterzucken-Emoji). Faust: zwei Lach-Tränen-Smileys. Gelbhaar: „Du darfst die ewige Lücke aber gern kompensieren ;))“
Heute sagt Faust, sie habe das Gefühl, Gelbhaar habe sich manipulativ verhalten, habe den Eindruck erwecken wollen, sie sei ihm etwas schuldig, nämlich ein privates Treffen. Sie sei lange naiv gewesen, bis sie gemerkt habe, dass sich Gelbhaar als Abgeordneter ihr als junge Frau gegenüber unangemessen verhalten habe.
Sie hat ihm ja auch lange genug die Karotte vor der Nase baumeln lassen und nun hat er eben (scherzhaft) eingefordert, dass sie auch mal was liefert. Aber es ist ja keine Erpressung oder etwas ähnliches.
Der Chat sei rein privat, erklärt Gelbhaars Anwalt
Der Tagesspiegel hat Gelbhaar und seine Anwälte zu den konkreten Chatabschnitten genau befragt. Sie dementierten ihn nicht, im Gegenteil. Gelbhaars Anwalt erklärt auf die Frage, ob sein Mandant die Komplimente, die Emojis für Bikini-Bilder, die lodernde Flamme für Fotos mit knapper Bekleidung oder Badeanzug, die Forderung nach einer Kompensation nicht übergriffig findet: „Im Kern interessieren Sie sich dafür, wie Frau ,Faust’ und unser Mandant privat kommuniziert haben“.
Die konkreten Fragen zu den einzelnen Teilen des Chats beantwortet der Anwalt aber nicht. Stattdessen erklärt er allgemein: „Zu privaten Angelegenheiten äußert sich unser Mandant nicht.“
Es handelt sich um eine unverfängliche, wechselseitige und gleichberechtigte Kommunikation.
Der Anwalt von Stefan Gelbhaar
Demnach unterliege sämtliche Kommunikation zwischen Gelbhaar und Faust der Vertraulichkeit. „Es handelt sich um einen beidseitig vertrauten Austausch, der eben nicht einseitig ist und erst recht nicht so zu lesen ist, dass unser Mandant Frau Faust zu etwas drängte“, teilt der Anwalt weiter mit.
Die zahlreichen Lachsmileys und Herz-Emojis, die Julia Faust sandte, „dokumentieren einen vertrauten, privaten Austausch“. Faust habe zu keiner Zeit signalisiert, mit Inhalten der Kommunikation nicht einverstanden zu sein. „Sie selbst hat unseren Mandanten nach einem Treffen gefragt, nach persönlichen Dingen gefragt, Storys von unserem Mandanten kommentiert und durchgehend zugewandt kommuniziert.“
Und da hat der Anwalt recht und Frau Faust wusste das auch.
Die Kommunikation dokumentiere kein Fehlverhalten des Grünen-Politikers. Es sei abwegig, zu meinen, die Kommunikation dokumentiere in Teilen ein „Bedrängen“ durch Gelbhaar. „Es handelt sich um eine unverfängliche, wechselseitige und gleichberechtigte Kommunikation.“ Die Weitergabe der Chats erfolge nur, um Gelbhaar erneut vorzuführen und gezielt zu schädigen. Es sei sittlich verwerflich, die „damalige private und völlig unverfängliche Kommunikation in den Kontext eines wie auch immer gearteten Fehlverhaltens einzustellen“.
Im Herbst 2021 schickte Gelbhaar nur noch wenige Nachrichten an Faust. Eine Flamme zu einer Story, Komplimente zu ihren Outfits für den Christopher Street Day oder für Halloween. Dann bricht der Kontakt ab. Faust wird privat gewarnt, bei Gelbhaar besser kein Praktikum zu machen.
„Ich fand die politische Arbeit von Stefan Gelbhaar spannend, ich konnte mich mit den Grünen identifizieren“, sagt Julia Faust. „Aber ich wollte ein Praktikum, kein privates Date.“ Sie lese heute die Chats von damals; sie sehe, wie Gelbhaar mit den Vorwürfen umging; aber sie finde: „Fast ist es so, als versteht er das Problem gar nicht.“ Faust fragt sich, ob Gelbhaar im Chat auf dieselbe Art und mit demselben Aufwand mit einem jungen Mann, der ein Praktikum bei ihm suchte, geschrieben hätte.
Ach komm Julia. Du wolltest ein Praktikum über die Beziehung zu einem Mann den du dir deswegen warmgehalten hast und den du angefüttert hast. Du wusstest das er auf dich steht und hast gehofft daraus Kapital schlagen zu können. Das ist wirklich einfach zu verstehen.
Er hat auch nicht mit dir geschrieben, weil du ein Praktikum wolltest. Das kam erst später. Du hast vorher positiv auf ihn reagiert, selbst angedeutet, dass du dich mit ihm treffen willst und leicht geflirtet.
Und natürlich kann man darüber streiten, ob ein 40jähriger das machen sollte. Aber sie war eben zu dem Zeitpunkt als wesentliche Teile der Gespräche stattgefunden haben über 20 und volljährig. Sie wusste was sie machte. Sie wusste auch wie sie Leute loswerden kann mit denen sie nicht reden will.