Der Väterreport 2023, eine Studie im Auftrag des Familienministeriums, ist veröffentlicht worden
Aus der Einleitung:
Väter standen lange nicht im Fokus der Familienpolitik. Das hat sich in den
letzten Jahren deutlich geändert. Viele Väter möchten sich stärker an der
Kinderbetreuung und im Haushalt beteiligen. Familienpolitik möchte Väter dabei unterstützen und hat sich zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen für eine partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit zu verbessern
Soweit die Zieldarstellung. Frauen sollen mehr Erwerbsarbeit übernehmen können, Männer mehr Sorgearbeit. Alles sollte „Partnerschaftlicher“ werden, was für das Ministerium anscheinend nur bedeuten kann, dass man keine Arbeitsteilung vornimmt, sondern mehr Gleichheit erreicht.
Die bisherigen Maßnahmen zeigen erste Erfolge: So ist zum Beispiel die Väterbeteiligung am Elterngeld in den letzten 15 Jahren kontinuierlich gestiegen. Vor diesem Hintergrund skizzierten die letzten Väterreporte das Bild des aktiven Vaters (BMFSFJ 2018, 2021c). Im Gegensatz zur Vorgeneration – und auch zu anderen, weniger in die Kinderbetreuung involvierten Vätern der eigenen Generation – möchte er eine wichtige Rolle im Leben seiner Kinder einnehmen. Er bringt sich intensiv in die
Erziehung ein und nutzt betriebliche sowie staatliche Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Schon in dieser Unterscheidung zwischen mehr und weniger involvierten Vätern zeigt sich, dass Väter und Väterrollen unterschiedlich sind. Um Familienpolitik wirksam zu gestalten, ist es nötig, Väter in ihrer Diversität und ihren unterschiedlichen Lebensrealitäten mitzudenken – denn einen Standardvater gibt es nicht. In diesem Väterreport steht daher nicht mehr allein der „aktive Vater“, sondern die Vielfalt der Väter im Mittelpunkt.
Bisherige Analysen betrachten in der Regel Durchschnittswerte der Gesamtheit der Väter in Deutschland beziehungsweise vergleichen nur einzelne Merkmale von Vätern. Im Folgenden werden dagegen fünf Vätertypen vorgestellt, die auf Grundlage von bevölkerungsrepräsentativen Daten mittels einer Clusteranalyse
ermittelt wurden. Die Clusteranalyse ist ein statistisches Verfahren zur Entdeckung von „Ähnlichkeitsstrukturen“: Väter mit hoher Ähnlichkeit bei Einstellungen und soziodemografischen Merkmalen werden demselben
Cluster zugeordnet.2
Die so ermittelten fünf Vätertypen unterscheiden sich beispielsweise hinsichtlich ihrer Einstellung zur Gleichstellung von Männern und Frauen,
ihres Engagements rund um die Kinderbetreuung und verschiedener soziodemografischer Merkmale. Folgende Vätertypen scheinen auf
Es wurden also verschiedene Vatertypen herausgebildet. Schauen wir sie uns mal an:

überzeugte Engagierte Väter
Das ist quasi der Held des Vatertyps. Er erreicht einen Gleichstellungswert von 10/11, er möchte möglichst viel Kinderbetreuung übernehmen, jedenfalls aber die Hälfte. Er ist noch vergleichsweise Jung und hat Kinder um die 5 Jahre alt. Er findet seinen Beruf nicht ganz so wichtig wie die Familie. Er scheint eher in Großstädten zu leben

überzeugte Engagierte Väter
Der zweite Vatertyp schneidet schon deutlich schlechter ab, er kommt nur auf 8/11 Gleichberechtigungspunkten, er würde zu mehr als der Hälfte gern die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen, dass schaffen aber nur 44%. Er ist Jünger als die Väter davor, dementsprechend sind auch seine Kinder etwas jünger. Meist hat er ein Haushaltseinkommen unter 5.000 € netto (was ich eine relativ willkürliche und wenig aussagestarke Grenze finde, hier hätte mich ein Durchschnittsgehalt eher interessiert. Seine Berufsorientierung ist „leicht überdurchschnittlich“ (für Männer oder für Männer und Frauen gemeinsam?) und er lebt auch eher in einer Großstadt

zufriedene pragmatiker Vater
Der zufriedene Pragmatiker sinkt erneut auf dem Gleichberechtigungsindex, er kommt nur auf 6/11 Punkten. Auch hier fänden es fast 60% ideal, wenn sie die Hälfte übernehmen könnten, aber leider (aus hier ungeklärten Gründen) können nur 35% ihre Idealvorstellung umsetzen. Er hat keine so hohe Bildung, er verdient eher nicht so viel. Er hat sogar die geringste Beruforientierung aller Vatertypen und lebt eher in kleineren Städten.

etablierte konventionelle Väter
Der etablierte Vater kommt nur noch auf 5/11 Punkten. 43% übernehmen nur einen kleinen Teil der Kinderbetreuung, 14% eher die Hälfte.
Dann heißt es 49% fänden es ideal weniger als die Hälfte der Kinderbetreuung zu übernehmen. Bedeute das, dass 51% die Hälfte oder mehr idealerweise übernehmen würden? Warum plötzlich die Umkehr im Vergleich zu den anderen? Auch hier können sie anscheinend ihren Wunsch aber nicht umsetzen. Viele sagen, dass es ihnen nicht möglich war bzw nicht in Frage kam Elternzeit zu nehmen. Sie sind eher Akademiker, sie sind schon älter und ihre Kinder sind auch eher schon 10 Jahre alt. Sie scheinen ganz gut zu verdienen, die meisten haben über 5000 € Haushaltseinkommen. Ihre Berufsorientierung ist überdurchschnittlich.
Und schließlich der schlimmste von allen, der überzeugte Rollenbewahrer. Er kommt nur auf einen Gleichberechtigungsindexwert von 2/11. Die meisten übernehmen nur einen kleinen Teil, aber 10% immerhin die Hälfte. 61% fänden es ideal weniger als die Hälfte zu übernehmen, also ja anscheinend 39% zumindest die Hälfte. Auch hier wird die Diskrepanz zu der tatsächlichen Beteiligung nicht in der Grafik erklärt. Sie haben auch eher einen nicht so hohen Abschluss, verdienen nicht so viel als Familie, haben aber die höchste Berufsorientierung.
Ich dachte ich fange mal mit den Vatertypen an. Ihre Verteilung ist auch interessant:

Ich finde es faszinierend, dass man hier eine Vatereinteilung macht und ihnen einfach mal so Gleichberechtigungspunkte zuweist und so tut als könnten sie ganz alleine die Entscheidung treffen, die zu ihrer jeweiligen Rolle führt.
Man sieht ja eigentlich ganz gut, dass viele durchaus sich mehr Beteiligung vorstellen könnten. Mal sehen ob der Vaterreport noch darauf eingeht, warum sie das nicht umsetzen können.
Ich habe gleich mal geschaut, ob es auch einen „Mütterreport“ gibt, das scheint aber nicht der Fall zu sein. Da würde mich ja eine entsprechende Aufteilung und insbesondere auch die „Gleichberechtigungspunkte“ interessieren,
Wir dort die „Überzeugte Engagierte“, die besonders viel arbeiten gehen will möglichst viele Gleichberechtigungspunkte bekommen und die „überzeugte Rollenbewahrerin“, die gar nicht daran denkt, dass ihr Mann die Kinder betreuen könnte oder das sie einen Mehranteil an der Erwerbstätigkeit übernehmen könnte weniger Punkte?
Mit wem der Vätertypen wären die Muttertypen jeweils zusammen und wie wäre ihre Verteilung?
Ich glaube ein solcher Report wird niemals gemacht werden, denn er würde als Angriff auf die Mütter gewertet werden.
Den Rest der Studie dann in weiteren Artikeln
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