Der Bodyguard-Effekt: Warum Frauen Mut mehr belohnen als Muskeln

Eine interessante Studie, die die Attraktivität von „Beschützereigenschaften“ betrifft:

Abstract

Ancestrally, physical violence from conspecifics was a recurrent adaptive problem. Did selection favor preferences for partners who are both strong (highly able) and willing to protect us from violence? Strength and willingness are interrelated, so dissociating their effects is necessary. Here we assessed both inferences and preferences. In 7 experiments (N = 4,508 U.S. adults recruited via MTurk), we systematically varied the willingness of a date or friend to physically protect you from an attack, compared to scenarios where you do not have this information. We also varied that person’s strength. Discovering that a person is willing to protect greatly increased their attractiveness as a romantic partner or friend, regardless of their strength. This held for both women and men raters, and when evaluating both opposite- and same-sex dates and friends. In fact, partners who were willing to protect were attractive even if they tried to do so but failed, and even if you were harmed because of their failure. Discovering that a partner is unwilling to protect decreased their attractiveness, and was a deal-breaker for women evaluating a male date. Unwillingness decreased attractiveness more when the rater was a woman, when the target was a man, and when the target was being evaluated as a date versus friend. Women placed some importance on a male date’s strength, but this was mostly due to inferences about his willingness to protect them. Surprisingly, we found only weak evidence that differences in strength, independent of willingness, increased the attractiveness of a partner.

Quelle: Willingness to protect from violence, independent of strength, guides partner choice

Eine interessante Studie, die Beschützereigenschaften untersucht und dabei zu einem interessanten Ergebnis kommt: Insbesondere die Bereitschaft für den anderen Einzustehen ist attraktiv und das in Bezug auf Männer und Frauen als Partner.
Bei Männern ist allerdings insbesondere die fehlende Bereitschaft zur Verteidigung unattraktiv.

Die Studie erläutert zuerst, warum das so relevant sein könnte, nämlich weil die evolutionär relevante Zeit, in der der Mensch gelebt hat, brutal war (KI-Übersetzt)

Der Vergleich von Raten tödlicher Gewalt bietet einen Einblick in das Risiko, in modernen, historischen und ursprünglichen Gesellschaften körperlich angegriffen zu werden (Daly & Wilson, 1988). In den USA liegen die durchschnittlichen Raten von Todesfällen durch zwischenmenschliche Gewalt heute bei weniger als 1 von 10.000 Personen (Daly & Wilson, 1988; Pinker, 2011, Abb. 2-4, S. 55).

Archäologische und ethnografische Daten legen jedoch nahe, dass in Jäger- und Sammler- sowie Jäger-Gartenbaugesellschaften der Anteil der Todesfälle durch zwischenmenschliche Gewalt – insbesondere durch Gewalt zwischen Gruppen (Wrangham, 2019) – im Durchschnitt etwa 15 % betrug und Werte von bis zu 60 % erreichen konnte (Pinker, 2011, Abb. 2-2, S. 49).

Am oberen Ende dieses Spektrums tödlicher Gewalt starben bei den Waorani-Jägern und Sammlern in Ecuador zwischen 50 und 64 % aller Menschen durch zwischenmenschliche Gewalt, vor allem durch Tötungsdelikte und Kriege mit benachbarten Gruppen (Larrick et al., 1979).

Am unteren Ende des Spektrums lagen die Tötungsraten bei den sogenannten „harmlosen Menschen“ (Thomas, 1958/1989) – den !Kung-Jägern und Sammlern im südlichen Afrika – auf einem Niveau, das mit den heutigen Raten in Detroit und New Orleans, zwei US-amerikanischen Städten mit hoher Kriminalität, vergleichbar war (Lee, 1979).

Bei Schimpansen, unseren nächsten phylogenetischen Verwandten, gibt es Populationen, in denen etwa ein Drittel der Männchen durch Gewalt stirbt, hauptsächlich infolge von Aggressionen zwischen Gruppen (Wilson & Wrangham, 2003; Wrangham, 1999; Wrangham et al., 2006).

 

Die zentrale methodische Leistung dieser Arbeit besteht darin, zwei Faktoren zu entkoppeln, die in der bisherigen Forschung stets vermischt wurden: die Fähigkeit zu schützen (operationalisiert als körperliche Stärke) und die Bereitschaft zu schützen (operationalisiert als tatsächliches Verhalten in einer Bedrohungssituation).

In sieben Experimenten mit insgesamt 4.508 US-amerikanischen Erwachsenen wurde den Teilnehmenden folgendes Szenario vorgelegt:

Man befindet sich mit einem Date oder Freund in der Öffentlichkeit, als ein betrunkener Fremder angreift. Der Begleiter sieht die Bedrohung – und reagiert entweder schützend, gar nicht (Kontrollbedingung: niemand sieht die Bedrohung rechtzeitig) oder weicht zurück.
Zusätzlich wurde die beschriebene körperliche Stärke des Begleiters systematisch variiert: schwach, durchschnittlich oder stark.

Dieses Design erlaubte es, den unabhängigen Beitrag beider Faktoren zur wahrgenommenen Attraktivität zu messen – sowohl für romantische Partner als auch für Freundschaften, und für gleichgeschlechtliche wie gegengeschlechtliche Konstellationen.

Das Design ist wahrscheinlich das einzig mögliche, man kann ja Leute nicht einfach so angreifen und schauen wie sie reagieren. Aber es hat natürlich den Nachteil, dass der Bewertende die Situation nicht erlebt und dementsprechend die „Tatsächlichen Gefühle der Situation“ erlebt. Aber ich denke es ist dennoch ein gutes Experiment, welches die Richtung zeigt.

Ergebnis 1: Schutzbereitschaft ist ein mächtiger Attraktivitätsverstärker

Der Befund ist eindeutig: Wer bereit war zu schützen, wurde gegenüber der Kontrollbedingung – also gegenüber Personen, über deren Bereitschaft keine Information vorlag – massiv attraktiver bewertet. Auf einer Skala von 0 bis 10 stiegen die Attraktivitätswerte wie folgt:

Konstellation Attraktivitätsanstieg (b)
Frauen bewerten männliches Date +2,52
Männer bewerten weibliches Date +1,96
Gleichgeschlechtliche Dates (homo-/bisexuelle Stichprobe) +2,05
Freundschaften (alle Geschlechter & Konstellationen) +3,59

b = unstandardisierter Regressionskoeffizient auf einer Skala von 0–10; Vergleichsgröße ist jeweils die Kontrollbedingung (keine Information über Schutzbereitschaft)

Diese Effekte sind nicht trivial. Sie erklären in der Partnerwahlbedingung gemeinsam mit anderen Prädiktoren 46 % der Varianz in den Attraktivitätsbewertungen – ein für sozialpsychologische Feldstudien außerordentlich hoher Wert.

Evolutionsbiologisch ist das konsistent mit der sogenannten Bodyguard-Hypothese (Mesnick, 1997; Wilson & Mesnick, 1997): Der Schutz vor männlicher Aggression, insbesondere in Kontexten häufiger Gruppengewalt, war ein fitnessrelevanter Vorteil, den ein Partner einbringen konnte. Die Autoren schreiben dazu:

„Discovering that a person is willing to physically protect you […] was very attractive to both women and men, in both opposite- and same-sex dates, and in friends of both sexes.“

(Barlev et al., S. 52)

Die Bereitschaft jemanden zu schützen – und dafür auch eigene Verletzungen in Kauf zu nehmen – ist auch ein guter Indikator dafür, dass einem die entsprechende Person tatsächlich etwas bedeutet, weil es ein Signal mit evtl hohen Kosten ist, also ein „Costly Signal“. Der Angreifer kann einen ja tatsächlich schwer verletzen.

Interessant ist auch, dass der Anstieg in der Freundesgruppe sogar der Höchste ist. Vielleicht weil man von einer romantisch interessierten Person eher solche Opfer erwartet, nicht aber unbedingt von jemanden in einer reinen Freundschaft. Es ist vielleicht auch ein Zeichen, dass man für den anderen eine hohe Bedeutung hat, was ihn evtl. wieder für eine romantische Anziehung interessant macht.

Ergebnis 2: Unwilligkeit ist ein Deal-Breaker – vor allem für Frauen

Noch aufschlussreicher als der positive Effekt der Schutzbereitschaft ist der negative Effekt ihrer Abwesenheit. Wer die Bedrohung sah und sich dennoch abwandte, verlor drastisch an Attraktivität:

Konstellation Attraktivitätsverlust (b)
Frauen bewerten unwilligen männlichen Date –3,30 (nahe Skalenboden, ~1–2 von 10)
Männer bewerten unwillige weibliche Date –0,73

Dieser Unterschied ist bemerkenswert: Der Attraktivitätsverlust bei Frauen war mehr als viermal so groß wie bei Männern. Männliche Dates, die wegtraten, wurden von Frauen nahezu vollständig aus dem Kandidatenpool ausgeschlossen. Die Autoren bezeichnen das ausdrücklich als:

„a deal-breaker for women evaluating a male date“

(Barlev et al., S. 2)

Das entsprichtden evolutionären Erwartungen. Frauen sind aufgrund des ausgeprägten sexuellen Dimorphismus beim Menschen – besonders bei Oberkörperkraft und Körpermasse – physisch verletzlicher als Männer. Sie sind häufiger Ziel sexueller Gewalt und waren in ancestralen Umwelten in besonderem Maße auf koalitionären Schutz angewiesen. Dass ein Partner, der diese Bereitschaft explizit verweigert, für Frauen nahezu unwählbar wird, ist aus dieser Perspektive keine Überraschung – es ist das erwartete Ergebnis evolutionärer Selektion auf Schutzbedürfnis.

Männer erwarten in der Hinsicht wahrscheinlich nicht, dass die Frau sich schützend vor sie stellt und machen daher zwar immer noch einen Abzug, aber einen deutlich kleineren.

Es gibt ja die alte Idee, dass man als Mann jemanden dafür bezahlen sollte, dass er einen auf dem Nachhauseweg mit der Freundin / dem Date überfällt und man schlägt ihn dann heldenhaft in die Flucht. Nach der Studie hat diese Idee (abgesehen von ihrer ethischen Betrachtung) einiges für sich.

Ergebnis 3: Körperliche Stärke wirkt fast ausschließlich indirekt

Eines der überraschendsten Ergebnisse betrifft die Rolle körperlicher Stärke. Zwar bewerteten Frauen stärkere männliche Dates geringfügig attraktiver (b = +0,56), doch eine Mediationsanalyse zeigt, dass dieser Effekt fast vollständig über die erschlossene Schutzbereitschaft vermittelt wird – nicht über die Stärke an sich:

Mediationspfad Effektgröße (b) Einordnung
Stärke → Fähigkeit → Willingness → Attraktivität 1,07 Hauptpfad, hoch signifikant
Stärke → Fähigkeit → Attraktivität (direkt) 0,14 Nur 1/8 so groß
Direkter Effekt Stärke → Attraktivität –0,04 Nicht signifikant

Die Autoren ziehen daraus eine klare Schlussfolgerung:

„The main reason women judge stronger men as more attractive is that stronger men are thought to be more willing to protect them.“

(Barlev et al., S. 23)

Stärke ist demnach kein eigenständiger Attraktor, sondern ein Signal – und was sie signalisiert, ist Schutzbereitschaft. Für die Evolutionsbiologie ist das kohärent: Was letztlich zählt, ist nicht die rohe Ressource Muskelkraft, sondern die Wahrscheinlichkeit, dass diese Ressource für einen eingesetzt wird. Stärke ohne Bereitschaft hat für den Schutz Empfangenden keinen Nutzen.

Ich bin noch nicht so sicher, ob man das aus dem Szenario so endgültig rauslesen kann. Frauen finden ja auch so sportliche und große Männer attraktiv, auch wenn sie gerade nicht überfallen werden. Aber der Umstand des potentiellen Schutzes könnte eben auch da eine Rolle spielen.

Ergebnis 4: Schutzbereitschaft zählt auch beim Scheitern

Ein weiterer stringenter Test fragte: Ist ein Partner noch attraktiv, wenn er oder sie zwar schützen will, aber scheitert – also vom Angreifer zu Boden geworfen wird? Und selbst wenn man dadurch verletzt wird? Die Antwort ist eindeutig: ja.

Bedingung Ø Attraktivität (Skala 0–10)
Willing & succeeds (Frauen bewerten männlichen Date) ~7,8
Willing & fails (Frauen bewerten männlichen Date) ~7,4
Kontrollbedingung (keine Information über Bereitschaft) ~5,0
Unwilling ~2,3

Der Attraktivitätsbonus eines schutzwilligen Partners bleibt nahezu vollständig erhalten, selbst wenn der Versuch scheitert – obwohl die Teilnehmenden sehr wohl registrierten, dass ein gescheiterter Beschützer als weniger fähig einzustufen ist. Die Fähigkeitseinschätzung sank, die Attraktivität aber kaum.

Evolutionsbiologisch ist das gut erklärbar. Ein einzelner Misserfolg in einem Kampf ist kein verlässlicher Indikator für generelle Unfähigkeit – situative Faktoren spielen stets eine Rolle. Entscheidend ist das Verhaltensmuster, das auf ein stabiles Motivationssystem schließen lässt. Wie die Autoren anmerken:

„Whatever led to your failure today […] might not lead to your failure tomorrow.“

(Barlev et al., S. 57)

Wer bereit ist, sich für einen in Gefahr zu begeben, zeigt damit etwas Tieferes als Kompetenz: Er oder sie zeigt, wie hoch man im subjektiven Welfare-Kalkül des anderen gewichtet wird.

Wäre allerdings interessant, dass noch nach der Unfähigkeit im Kampf an sich zu bewerten und wie es danach weiter geht (er raubt sie aus oder wendet auch ihr gegenüber Gewalt an, wie stark ist der Angreifer etc)
Ich könnte mir vorstellen, dass gerade bei einem als sehr stark angenommenen Angreifer die Bereitschaft mehr zählt, da sie da ja auch nicht erwarten kann, dass er oder ein anderer normaler Mann da gewinnt. Interessant wäre es, wenn der Gegner nicht stark/gefährlich ist und das Date sich besonders dumm verhält, also Unfähigkeit demonstriert.

 

Ergebnis 5: Romantische Partner werden strenger bewertet als Freunde

Die Unwilligkeit zum Schutz wird bei romantischen Partnern deutlich härter bestraft als bei Freundschaften:

Beziehungstyp Attraktivitätsverlust bei Unwilligkeit (b)
Romantischer Partner –2,08
Freund / Freundin –0,73

Das ist evolutionär plausibel. Freundschaften sind multifunktional – sie werden aus vielen Gründen geschlossen, und kein einzelnes Merkmal ist per se ausschlusgebend. Romantische Partnerschaften hingegen sind in ancestralen Umwelten enger mit physischer Ko-Präsenz, gemeinsamer Nachkommenschaft und gegenseitiger Abhängigkeit verbunden. Die Anforderungen an die Bereitschaft zum Schutz sind dort entsprechend höher.

Einordnung: Was sagen uns diese Befunde über menschliche Psychologie?

Die Autoren diskutieren, ob die gefundenen Präferenzen Ausdruck eines domänenspezifischen kognitiven Systems für Schutz-Willingness sind oder durch ein allgemeines Welfare-Tradeoff-System erklärt werden könnten – also durch die Fähigkeit, aus kostspieligem Verhalten auf den allgemeinen Wert zu schließen, den eine Person einem selbst beimisst.

Gegen die rein domänenallgemeine Erklärung spricht, dass die Effekte von Bereitschaft und Nichtbereitschaft keine Spiegelbilder sind: Während Bereitschaft die Attraktivität universell steigert, zeigt Unwilligkeit stark asymmetrische Effekte entlang von Geschlecht und Beziehungskontext. Ein rein kostenbasiertes Kalkül würde das nicht vorhersagen. Am wahrscheinlichsten erscheint eine hybride Architektur: domänenspezifische Systeme, die auf Signale physischer Schutzbereitschaft sensibilisiert sind, eingebettet in ein allgemeineres System zur Schätzung sozialer Wertschätzung.

Fazit

Diese Studie ist methodisch sorgfältig, theoretisch gut verankert und liefert Befunde von erheblicher Bedeutung für das Verständnis menschlicher Partnerwahl. Sie zeigt: Menschen – Männer wie Frauen, heterosexuell wie homosexuell – bevorzugen Partner und Freunde, die bereit sind, für sie einzutreten. Körperliche Stärke ist dabei kein eigenständiges Attraktivitätsmerkmal, sondern ein Proxy für Schutzbereitschaft.

Dass diese Präferenzen in einer modernen Gesellschaft aktiv sind, in der die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich körperlich angegriffen zu werden, verschwindend gering ist, illustriert einen zentralen Befund der Evolutionspsychologie. Die Autoren bringen es auf den Punkt:

„These ancestral social ecologies left their fingerprints on the design of our modern psychology.“

(Barlev et al., S. 3)

Die Studie zeigt, dass Frauen nicht primär körperliche Stärke suchen, sondern Schutzbereitschaft – und Stärke nur insofern schätzen, als sie als Signal für diese Bereitschaft gelesen wird. Das Bild des „starken Mannes“, das kulturell so wirkmächtig ist, wäre demnach eine Vereinfachung eines komplexeren psychologischen Suchmusters: Gesucht wird nicht der Stärkste, sondern derjenige, der bereit ist, seine Stärke – welcher Art auch immer – für einen einzusetzen.

Ob Frauen dieses Muster bewusst „einfordern“ oder ob es sich als unbewusste Präferenz äußert, lässt die Studie offen. Die Befunde sprechen aber dafür, dass es sich um ein tiefes, kulturunabhängiges Motivsystem handelt: Es zeigte sich gleichermaßen bei heterosexuellen wie homosexuellen Frauen, bei der Bewertung von Langzeit- wie Kurzzeitpartnern, und bei Freundschaften ebenso wie bei romantischen Beziehungen.

Interessant ist schließlich die Frage, ob dieser Selektionsdruck auch umgekehrt funktioniert – ob also Männer, die in einer Kultur aufwachsen, in der Schutzbereitschaft erwartet und belohnt wird, dieses Verhalten stärker internalisieren. Die Studie kann das nicht beantworten. Aber sie liefert den entscheidenden Baustein: Die Präferenz ist real, sie ist stark, und sie ist robust gegenüber situativen Variationen. Das genügt, um einen evolutionären Wirkungsmechanismus zu plausibilisieren.

Was das gesellschaftlich bedeutet, ist eine offene Frage. Man könnte argumentieren, dass weibliche Schutzpräferenzen traditionelle Rollenbilder stabilisieren – oder umgekehrt, dass das zugrunde liegende Muster (Verlässlichkeit, Einsatz für andere, emotionale Präsenz in Gefahrensituationen) ein Ideal beschreibt, das weit über körperliche Dominanz hinausgeht. Beide Lesarten sind mit den Daten vereinbar. Was die Daten nicht zulassen, ist die Schlussfolgerung, dass diese Präferenzen kulturell konstruiert oder beliebig veränderbar sind. Sie sind, nach allem, was die Studie zeigt, tief in der menschlichen Partnerwahl-Psychologie verankert.

(ja, teile des Artikels habe ich einer KI-Zusammenfassung entnommen)

Die Natur AG an Fräulein Schmidts Schule

An der Grundschule von Frau Schmidt konnte man sich verschiedene AGs aussuchen, von Tanzen über bestimmte Musikinstrumente und eben auch eine Natur AG. Ich war für Tanzen, aber dazu hatte sie keine Lust und ist in der Natur AG gelandet.

Am Anfang bekam ich mit, dass sie etwas im Wald herumgegangen sind. Aber nach und nach merkte ich, dass da wirklich etwas hängen geblieben ist.

Wenn sie bei uns im Garten war, dann kannte sie plötzlich die Namen aller möglichen Blumen und konnte etwas zu denen erzählen. Sie hatte alle möglichen Geschichten zu Insekten und anderen Tieren. Sie interessiert sich richtig für das Thema und findet die AG super.

Und ich auch.

Neulich sagte sie „die Männchen dieser Käfer haben die Hörner, weil die sich immer um die Weibchen kloppen“.

Ach, Vater sein ist schon etwas schönes.

Ich habe aus der Bücherei schon ein paar passende Kinder-Naturbücher ausgeliehen.

Vielleicht muss ich dieses kurzzeitig genutzte Theme des Blogs wieder aktiveren, wenn sie den Blog übernimmt…

Warum der Tyrannosaurus Rex kurze Arme hatte und andere evolutionäre Geschichten

Gerade eine interessante Theorie dazu gehört, warum der Tyrannosaurus so kleine Arme hat:

Muskeln für Armkraft und Muskeln für Beißkraft brauchen beide Verankerungspunkte an den Schulterknochen. Sie stehen insofern in direkter evolutionärer Konkurrenz miteinander. Für den T-Rex hat es sich mehr gelohnt die Beißkraft zu optimieren (und das hin zu der wohl gewaltigsten Beißkraft eines Lebewesens jemals), so dass die Arme das Nachsehen hatten

Eine andere Theorie fand ich auch interessant:

warum sind gerade die Wale, also Säugetiere, die ins Wasser zurückgekehrt sind, im Meer so erfolgreich und insbesondere intelligenter als Fische?

Ihr Vorteil ist, dass in der Luft wesentlich mehr Sauerstoff ist als im Wasser. Lungen verbunden mit der Fähigkeit die Luft anzuhalten versorgt einen damit mit mir wesentlich mehr Statusstoff als die Möglichkeit diesen aus dem Wasser zu erlangen. Damit hat man auch eher die Möglichkeit sich ein effektives Gehirn zu leisten und trotzdem noch genug Sauerstoff zu haben um Muskeln etc zu versorgen

Welche evolutionären Vorgänge oder Erklärungen fandet ihr interessant?

 

 

Kinder- und Heiratsmathematik insbesondere unter Berücksichtigung nachlassender weiblicher Fruchtbarkeit

Hatten wir schon mal die gängige Alters-Mathematik für Kinder und Ehe, gerade bei einer Frau

Der typische Plan wird, wenn man logisch plant, so sein:

Ich will später einmal heiraten und Kinder bekommen. Ab 35 wird es schwieriger Kinder zu bekommen. Wenn ich zwei Kinder bekommen möchte und das mit einem Abstand von ca. 2 Jahren, dann sollte ich nach Möglichkeit mein erstes Kind mit spätestens 30-31 bekommen, mein zweites dann mit 32-33. Das gibt mir auch genug Zeit meine Ausbildung zu machen und zunächst etwas beruflich Fuß zu fassen. 
Das bedeutet, dass ich  mit 29-30 Schwanger sein müsste. Idealerweise will ich vorher verheiratet sein, die Heirat braucht mit allen Vorbereitungen auch ein Jahr und ich möchte auch bei meiner Heirat nicht schwanger sein sein, also sollte ich bis 28-29 verlobt sein. Um mich zu verloben muss ich den Partner aber erst einmal richtig kennenlernen und er muss der Richtige sein, also sollten wir zumindest 2 Jahre zusammen sein. also 26-27. Es ist aber auch riskant, dann erst jemanden kennenzulernen, was ist wenn er der Falsche ist und ich das nach 2 Jahren merke, dann verschiebt sich alles 2 Jahre nach hinten. Also sollte ich bereit mit 24 nach Möglichkeit einen festen Partner haben, der als Kandidat in Betracht kommt.

Natürlich wird nicht jede Frau so denken, aber ich denke dieser Gedanke, diese Planung kommt bei Frauen so häufiger vor als bei Männern, die ja immerhin die Option auf eine jüngere Frau haben, die den Zeitplan etwas nach hinten verschiebt. Eher werden sie denken, dass die jeweilige Freundin diesen Zeitplan so aufgestellt hat und sich auch überlegen, ob sie das wollen.

Das ganze verschiebt sich sicherlich auch noch je nachdem, welche Ausbildung man macht, bei kürzeren Ausbildungen und früherer Berufstätigkeit kommt man ja schneller im „realen Leben“ an als mit einem Studium.

Nachweise für die Evolutionstheorie

In dem Reddit Sub „Debate Evolution“ wurde eine interessante Aufgabe gestellt:

The other day I made a post asking creationists to give me one paper that meets all the basic criteria of any good scientific paper. Instead of giving me papers, I was met with people saying I was being biased and the criteria I gave were too hard and were designed to filter out any creationist papers. So, I decided I’d pose the same challenge to evolutionists. Provide me with one paper that meets these criteria.

  1. The person who wrote the paper must have a PhD in a relevant field of study. Evolutionary biology, paleontology, geophysics, etc.
  2. The paper must present a positive case for evolution. It cannot just attack creationism.
  3. The paper must use the most up to date information available. No outdated information from 40 years ago that has been disproven multiple times can be used.
  4. It must be peer reviewed.
  5. The paper must be published in a reputable scientific journal.
  6. If mistakes were made, the paper must be publicly retracted, with its mistakes fixed.

These are the same rules I provided for the creationists.

Bei den Creationisten kam – wie zu erwarten – nicht.

Hier finden sich aber einige interessante Studien:

1. Predicting rapid adaptation in time from adaptation in space: A 30-year field experiment in marine snails

Predicting the outcomes of adaptation is a major goal of evolutionary biology. When temporal changes in the environment mirror spatial gradients, it opens up the potential for predicting the course of adaptive evolution over time based on patterns of spatial genetic and phenotypic variation. We assessed this approach in a 30-year transplant experiment in the intertidal snail Littorina saxatilis. In 1992, snails were transplanted from a predation-dominated environment to one dominated by wave action. On the basis of spatial patterns, we predicted transitions in shell size and morphology, allele frequencies at positions throughout the genome, and chromosomal rearrangement frequencies. Observed changes closely agreed with predictions and transformation was both dramatic and rapid. Hence, adaptation can be predicted from knowledge of the phenotypic and genetic variation among populations.

2. A structured coalescent model reveals deep ancestral structure shared by all modern humans

Understanding the history of admixture events and population size changes leading to modern humans is central to human evolutionary genetics. Here we introduce a coalescence-based hidden Markov model, cobraa, that explicitly represents an ancestral population split and rejoin, and demonstrate its application on simulated and real data across multiple species. Using cobraa, we present evidence for an extended period of structure in the history of all modern humans, in which two ancestral populations that diverged ~1.5 million years ago came together in an admixture event ~300 thousand years ago, in a ratio of ~80:20%. Immediately after their divergence, we detect a strong bottleneck in the major ancestral population. We inferred regions of the present-day genome derived from each ancestral population, finding that material from the minority correlates strongly with distance to coding sequence, suggesting it was deleterious against the majority background. Moreover, we found a strong correlation between regions of majority ancestry and human–Neanderthal or human–Denisovan divergence, suggesting the majority population was also ancestral to those archaic humans.

 

3. Evolution of the ancestral mammalian karyotype and syntenic regions

Significance
Computational reconstruction of ancestral mammalian karyotypes revealed a comprehensive picture of the chromosome rearrangements that occurred over the evolutionary history of mammals. Ancient gene order, in some cases extending to full chromosomes, was found conserved for more than 300 My, demonstrating strong evolutionary constraint against rearrangements in some regions. Conserved segments of chromosomes are enriched for genes that control developmental processes. Therefore, Darwinian selection likely maintains ancient gene combinations while allowing for genomic innovations within or near chromosomal sites that break and rearrange over evolutionary time. The revealed relationship between the three-dimensional structure of chromosomes and the evolutionary stability of chromosome segments provides additional insights into the mechanisms of chromosome evolution and diseases associated with genome rearrangements.
Abstract
Decrypting the rearrangements that drive mammalian chromosome evolution is critical to understanding the molecular bases of speciation, adaptation, and disease susceptibility. Using 8 scaffolded and 26 chromosome-scale genome assemblies representing 23/26 mammal orders, we computationally reconstructed ancestral karyotypes and syntenic relationships at 16 nodes along the mammalian phylogeny. Three different reference genomes (human, sloth, and cattle) representing phylogenetically distinct mammalian superorders were used to assess reference bias in the reconstructed ancestral karyotypes and to expand the number of clades with reconstructed genomes. The mammalian ancestor likely had 19 pairs of autosomes, with nine of the smallest chromosomes shared with the common ancestor of all amniotes (three still conserved in extant mammals), demonstrating a striking conservation of synteny for ∼320 My of vertebrate evolution. The numbers and types of chromosome rearrangements were classified for transitions between the ancestral mammalian karyotype, descendent ancestors, and extant species. For example, 94 inversions, 16 fissions, and 14 fusions that occurred over 53 My differentiated the therian from the descendent eutherian ancestor. The highest breakpoint rate was observed between the mammalian and therian ancestors (3.9 breakpoints/My). Reconstructed mammalian ancestor chromosomes were found to have distinct evolutionary histories reflected in their rates and types of rearrangements. The distributions of genes, repetitive elements, topologically associating domains, and actively transcribed regions in multispecies homologous synteny blocks and evolutionary breakpoint regions indicate that purifying selection acted over millions of years of vertebrate evolution to maintain syntenic relationships of developmentally important genes and regulatory landscapes of gene-dense chromosomes.

4. Forty Years of Erratic Insecticide Resistance Evolution in the Mosquito Culex pipiens

Abstract
One view of adaptation is that it proceeds by the slow and steady accumulation of beneficial mutations with small effects. It is difficult to test this model, since in most cases the genetic basis of adaptation can only be studied a posteriori with traits that have evolved for a long period of time through an unknown sequence of steps. In this paper, we show how ace-1, a gene involved in resistance to organophosphorous insecticide in the mosquito Culex pipiens, has evolved during 40 years of an insecticide control program. Initially, a major resistance allele with strong deleterious side effects spread through the population. Later, a duplication combining a susceptible and a resistance ace-1 allele began to spread but did not replace the original resistance allele, as it is sublethal when homozygous. Last, a second duplication, (also sublethal when homozygous) began to spread because heterozygotes for the two duplications do not exhibit deleterious pleiotropic effects. Double overdominance now maintains these four alleles across treated and nontreated areas. Thus, ace-1 evolution does not proceed via the steady accumulation of beneficial mutations. Instead, resistance evolution has been an erratic combination of mutation, positive selection, and the rearrangement of existing variation leading to complex genetic architecture.

Author Summary
Adaptation is not always a straightforward process, and often results from natural selection tinkering with available variation. We present in this study just such a tortuous natural selection pathway, which allows the mosquito Culex pipiens to resist organophosphorous insecticides. In the Montpellier area, following the use of insecticide to control mosquito populations, a high-resistance allele of the insecticide target enzyme appeared. But this allele also displayed strong deleterious side effects. Recently, several duplicated haplotypes began to spread in natural population that put in tandem a susceptible and a resistant allele. We show that the duplicated haplotypes actually display reduced side effects compared to the resistant allele when in the heterozygous state, but also new and strong costs in the homozygote. This pattern leads to an unexpected equilibrium between four different alleles across treated and nontreated areas. The story of resistance in C. pipiens is indeed far from a slow progression toward a “perfect” adaptation. Rather, selection for resistance to insecticide is a long process of trial and error leading to an uncommon genetic architecture.

5. Predictable evolution toward flightlessness in volant island birds

Significance
Predictable evolutionary trends illuminate mechanisms that affect the diversity of traits and species on the tree of life. We show that when birds colonize islands, they undergo predictable changes in body shape. Small-island bird populations evolve smaller flight muscles and longer legs. These shifts in investment from wings to legs, although often subtle, are qualitatively similar to changes that have occurred in flightless bird lineages. Islands with fewer predator species were associated with more dramatic shifts toward flightlessness, implicating reduced predation pressure as the most likely cause of this trend. These predictable evolutionary changes likely exacerbate the vulnerability of flighted island birds to introduced predators and reduce the potential for small-island species to give rise to subsequent radiations.
Abstract
Birds are prolific colonists of islands, where they readily evolve distinct forms. Identifying predictable, directional patterns of evolutionary change in island birds, however, has proved challenging. The “island rule” predicts that island species evolve toward intermediate sizes, but its general applicability to birds is questionable. However, convergent evolution has clearly occurred in the island bird lineages that have undergone transitions to secondary flightlessness, a process involving drastic reduction of the flight muscles and enlargement of the hindlimbs. Here, we investigated whether volant island bird populations tend to change shape in a way that converges subtly on the flightless form. We found that island bird species have evolved smaller flight muscles than their continental relatives. Furthermore, in 366 populations of Caribbean and Pacific birds, smaller flight muscles and longer legs evolved in response to increasing insularity and, strikingly, the scarcity of avian and mammalian predators. On smaller islands with fewer predators, birds exhibited shifts in investment from forelimbs to hindlimbs that were qualitatively similar to anatomical rearrangements observed in flightless birds. These findings suggest that island bird populations tend to evolve on a trajectory toward flightlessness, even if most remain volant. This pattern was consistent across nine families and four orders that vary in lifestyle, foraging behavior, flight style, and body size. These predictable shifts in avian morphology may reduce the physical capacity for escape via flight and diminish the potential for small-island taxa to diversify via dispersal.

6. Genome Features of “Dark-Fly”, a Drosophila Line Reared Long-Term in a Dark Environment

Organisms are remarkably adapted to diverse environments by specialized metabolisms, morphology, or behaviors. To address the molecular mechanisms underlying environmental adaptation, we have utilized a Drosophila melanogaster line, termed “Dark-fly”, which has been maintained in constant dark conditions for 57 years (1400 generations). We found that Dark-fly exhibited higher fecundity in dark than in light conditions, indicating that Dark-fly possesses some traits advantageous in darkness. Using next-generation sequencing technology, we determined the whole genome sequence of Dark-fly and identified approximately 220,000 single nucleotide polymorphisms (SNPs) and 4,700 insertions or deletions (InDels) in the Dark-fly genome compared to the genome of the Oregon-R-S strain, a control strain. 1.8% of SNPs were classified as non-synonymous SNPs (nsSNPs: i.e., they alter the amino acid sequence of gene products). Among them, we detected 28 nonsense mutations (i.e., they produce a stop codon in the protein sequence) in the Dark-fly genome. These included genes encoding an olfactory receptor and a light receptor. We also searched runs of homozygosity (ROH) regions as putative regions selected during the population history, and found 21 ROH regions in the Dark-fly genome. We identified 241 genes carrying nsSNPs or InDels in the ROH regions. These include a cluster of alpha-esterase genes that are involved in detoxification processes. Furthermore, analysis of structural variants in the Dark-fly genome showed the deletion of a gene related to fatty acid metabolism. Our results revealed unique features of the Dark-fly genome and provided a list of potential candidate genes involved in environmental adaptation.

 

Ich persönlich finde ja diese E. Coli Langzeitstudie diesbezüglich sehr überzeugend

The Forgotten Prehistoric War That Killed 95% Of All Men

Welche Geschlechterunterschiede erlebt ihr im Alltag?

Dass es eine Vielzahl von Geschlechterunterschieden gibt, die allerdings nur im Schnitt bestehen und die auch ganz unterschiedliche Ausprägungen haben, dürfte hier im Blog häufig genug Thema gewesen sein.

Aber eine interessante Frage wäre: Was bekommt man eigentlich davon mit?

Gerade bei den Leuten, die man besser kennt, tritt ja häufig das Persönliche mehr hervor und die statistischen Unterschiede fallen einen weniger auf.

Und natürlich bemerkt man etwas eine stärkere Gefühlsbezogenheit von Frauen auch nicht unbedingt im normalen Umgang, indem es nicht um gefühlsbetonte Themen geht.

Was fällt euch an Geschlechterunterschieden am meisten auf?

Wonach richtet es sich, welche Lebenserwartung eine Spezies hat? Die Biologie der Lebenserwartung

Es ist eine interessante Frage, warum bestimmte Spezien länger leben bzw wonach sich das richtet.

Der Grund liegt letztendlich schlicht darin wie Evolution arbeitet. Dabei ist der erste Ansatz wieder einmal der genzentrierte Ansatz der Evolution: Gene, die (dauerhaft) in die nächsten Generationen kommen, überleben und bilden den Genpool der nachfolgenden Generationen. Es werden insofern keine Eigenschaften selektiert, sondern Gene und inwiefern sie in die nächste Generation kommen mit Hilfe der Körper, die sie erschaffen.

Älter werden lohnt sich aus dieser Sicht nur dann, wenn durch die dafür notwendigen Mutationen mehr Gene in die nächste Generation kommen.

Insekten etwa, deren Eier in warmen Zeiten gelegt werden und bei denen die Eier überwintern können, damit nach dem Winter neue Insekten schlüpfen, die neue Eier produzieren und so weiter, bräuchten sehr viele Mutationen um „Winterfest“ zu werden und mehrere Jahre Eier legen zu können.
Mutationen, die sie in einem Sommer mehr Eier oder winterfestere Eier legen lassen sind da einfacher und um so mehr man in diese Richtung selektiert um so weniger lohnen sich die Mutationen in die andere Richtung.
Andere Insekten sind den Weg gegangen (zB Marienkäfer, die mit Glyzerin und Winterstarre überleben) und leben deswegen länger.

Bei anderen Tieren erfordert der Aufbau eines „effektiven Körpers“ Zeit, sie profitieren von mehr Zeit, weil sie damit einen „Besseren Körper“ aufbauen können, zB Elefanten, die eine lange Zeit wachsen müssen, dafür aber aufgrund ihrer Größe auch gefährliche Angreifer abwehren können.

Oder eben bestimmte Angreifer: Ein Löwe braucht auch mehr Zeit zum Wachsen, kann dafür aber auch größere Beute jagen als kleinere Tiere, was ihm dann mehr Ressourcen bringt.

Ein Problem des Alters ist, dass es schlicht Folgekosten hat. Etwas, was nur 3 Monate halten soll wird man anders bauen als etwas, was 20 Jahre halten soll. Bei längerer Zeit muss man Verschleiß und dessen Reparatur „einplanen“ (also: es müssen Gene selektiert werden, die ein stabileres Herz bauen welches 20 Jahre zuverlässig Blut pumpt, was sich nur lohnt, wenn dadurch mehr oder besserer Nachwuchs entsteht. Und natürlich müssen alle anderen Faktoren auch dafür sprechen, dass man überhaupt das 20 Lebensjahr erreicht. Sonst lohnt es sich nicht und die Ressourcen sind anderweitig besser eingesetzt.

Das bedeutet auch: Wenn ein Hase darauf angewiesen ist, dass er stets dem Fuchs entkommt und man das System, wenn der Hase 100 werden sollte, deswegen so auslegen muss, dass er 100 Jahre dem Fuchs entkommt, dann hat das extra kosten. Und wenn ein Hase sagen wir mal jedes Jahr nur eine Chance selbst wenn alles gut läuft von 20% hat nicht von einem Raubtier gefressen zu werden, dann ist die Investition in Gene, die es für 20 Jahre leben lassen, schon riskant, da es wahrscheinlich bereits vorher stirbt. Auch hier können Ressourcen also besser in den Fortpflanzungserfolg in jungen Jahren (mit der höheren Wahrscheinlichkeit sich auszuwirken) investiert werden (=die Gene, die das machen reichern sich eher im Erbgut an als die Gene, die Ressourcen darauf verwenden, dass der Körper 20 Jahre lebt).

Das bedeutet auch:

  • In Umgebungen mit vielen Räubern oder extremen klimatischen Bedingungen ist es evolutionär vorteilhaft, schnell zu reifen und sich zu vermehren, bevor man stirbt. Dies reduziert die Selektion für Langlebigkeit.
  • In stabilen, ressourcenreichen Umgebungen kann die Evolution zu längeren Lebensspannen führen, da die Wahrscheinlichkeit, dass ein Individuum bis ins hohe Alter überlebt, höher ist.

Auch anderer Effekt der Selektion auf Nachkommen können das Lebensalter beeinflussen:

Gene, die nach der Fortpflanzung schädlich sind, werden weniger stark selektioniert, da ihre Träger schon Nachkommen produziert haben. Wenn viele Menschen nicht alt werden oder dann jedenfalls keine Nachkommen mehr haben oder der Vorteil etwa durch Enkelbetreuung oder sonstige Unterstützung der eigenen Nachkommen nicht so groß ist dann ist die Selektion für das Gen, welches etwas repariert eben schwächer und es verschwindet eher aus dem Genpool. 
Dies führt dazu, dass schädliche Mutationen, die das Altern beschleunigen, in der Population erhalten bleiben können.
Zudem gibt es die „Antagonistische Pleiotropie“: Einige Gene können vorteilhaft sein, wenn sie jung exprimiert werden (z.B. erhöhte Fruchtbarkeit), aber im Alter nachteilig (z.B. erhöhte Krankheitsanfälligkeit). Die erhöhte Fruchtbarkeit in der Jugend wird, da sie sich eher auswirkt, weil man da eher noch lebt, eher positiv selektiert als die Vermeidung der Nachteile, weil man da vielleicht schon tot ist oder ohnehin keine Nachkommen mehr produziert . 
Auf uns Menschen bezogen könnte man sagen: Ein Reparatursystem, welches unseren Körper für 200 Jahre fit hält hat sich anscheinend nie gelohnt.
Aber wir werden dennoch für eine Spezies sehr alt. Ein begünstigender Faktor ist sicherlich auch unsere Fähigkeit Erfahrung und Wissen weiterzugeben. Denn das erhöht den „Wert“ alter Leute für das Überleben ihrer Nachkommen.
Lebewesen, die Wissen ansammeln, dass der Gruppe hilft, könnten insofern eher älter werden. Das gilt auch für Lebewesen, die einen gewissen (reziproken) Altruismus leben bzw kooperieren. Denn das dürfte die Kosten für das Altern geringer machen, weil einem geholfen wird und die Alten gleichzeitig auch nach wie vor helfen und unterstützen (sei es über Wissen oder andere Unterstützung, Großeltern als Babysitter sind biologisch auch deswegen ideal, weil sie ein eigenes Interesse evolutionäres Interesse an dem Überleben der Enkelkinder haben).

Ein alter Gepard wird keine Beute mehr fangen, ein alter Mensch wird aber evtl versorgt und übernimmt dafür andere Tätigkeiten.

In die Richtung des hier gesagten geht auch die Disposable soma Theory: (übersetzt)

In der Biogerontologie besagt die Disposable-Soma-Theorie des Alterns, dass Organismen altern, weil ein evolutionärer Kompromiss zwischen Wachstum, Reproduktion und der Erhaltung der DNA-Reparatur besteht.

Formuliert vom britischen Biologen Thomas Kirkwood erklärt die Theorie, dass ein Organismus nur über begrenzte Ressourcen verfügt, die er auf verschiedene zelluläre Prozesse verteilen kann. Ein höherer Einsatz in Wachstum und Reproduktion führt daher zu einer geringeren Investition in die DNA-Reparatur, was zu erhöhten Zellschäden, verkürzten Telomeren, der Ansammlung von Mutationen, beeinträchtigten Stammzellen und letztendlich zu Seneszenz führt.

Obwohl viele Modelle – sowohl tierische als auch menschliche – diese Theorie zu stützen scheinen, sind Teile davon weiterhin umstritten. Insbesondere ist der evolutionäre Zusammenhang zwischen Wachstum und Altern gut belegt, während die Beziehung zwischen Reproduktion und Altern wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt ist, und die zugrunde liegenden zellulären Mechanismen sind größtenteils unerforscht.

Die Disposable-Soma-Theorie des Alterns postuliert, dass ein Kompromiss in der Ressourcenzuteilung zwischen der Erhaltung des Körpers und der Investition in die Fortpflanzung besteht.

Eine zu geringe Investition in die Selbstreparatur wäre evolutionär unvorteilhaft, da der Organismus wahrscheinlich vor dem Fortpflanzungsalter sterben würde.

Eine zu hohe Investition in die Selbstreparatur wäre jedoch ebenfalls evolutionär nachteilig, da dadurch die Nachkommen wahrscheinlich vor dem Fortpflanzungsalter sterben würden.

Daher gibt es einen Kompromiss, und die Ressourcen werden entsprechend aufgeteilt.
Dieser Kompromiss wird jedoch als schädlich für die Reparatursysteme des Körpers angesehen, was zu fortschreitenden Zellschäden und Seneszenz führen kann. Reparaturkosten lassen sich in drei Kategorien einteilen:
(1) Kosten für die erhöhte Haltbarkeit nicht erneuerbarer Bestandteile,
(2) Kosten für die Erhaltung durch Zellerneuerung und
(3) Kosten für die intrazelluläre Erhaltung.

Zusammengefasst ist Altern und Verfall im Wesentlichen ein Kompromiss für eine erhöhte Fortpflanzungsfähigkeit in der Jugend.

Wachstum und somatische Erhaltung

Viel Forschung wurde zu den antagonistischen Effekten eines erhöhten Wachstums auf die Lebensspanne durchgeführt.

Insbesondere bindet das Hormon insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1 (IGF-1) an einen Zellrezeptor, was eine Phosphorylierungskaskade auslöst. Diese Kaskade führt dazu, dass Kinasen den Forkhead-Transkriptionsfaktor (FOXO) phosphorylieren und deaktivieren. Die Deaktivierung von FOXO verhindert die Expression von Genen, die an der Reaktion auf oxidativen Stress beteiligt sind, wie Antioxidantien, Chaperone und Hitzeschockproteine. Zusätzlich stimuliert die Aufnahme von IGF-1 den mTOR-Signalweg, der durch die Hochregulierung des translationsfördernden Proteins S6K1 die Proteinsynthese (und somit das Wachstum) aktiviert und die Autophagie hemmt, einen Prozess, der für das Recycling beschädigter Zellprodukte notwendig ist.

Der Rückgang der Autophagie führt zu neurodegenerativen Erkrankungen, Proteinaggregation und vorzeitigem Altern. Studien haben außerdem gezeigt, dass der mTOR-Signalweg auch Immunreaktionen verändert und cyclinabhängige Kinase-Inhibitoren wie p16 und p21 stimuliert. Dies verändert die Stammzellnische und führt zu einer Erschöpfung der Stammzellen, einem weiteren vermuteten Mechanismus des Alterns.

Reproduktion und Erhaltung des Körpers
Während die Fortpflanzung die Lebensspanne von Vielzellern verringert, bleibt der genaue Mechanismus für diesen Effekt unklar. Obwohl viele Modelle eine umgekehrte Beziehung darstellen und die Theorie aus evolutionärer Sicht Sinn ergibt, wurden die zellulären Mechanismen bisher nicht ausreichend untersucht. Bei der zellulären Replikation ist jedoch die fortschreitende Verkürzung der Telomere ein Mechanismus, der die Anzahl der möglichen Zellteilungen begrenzt. Bei einzelligen Organismen wie Saccharomyces cerevisiae ist die Bildung extrachromosomaler rDNA-Kreise (ERCs) in Mutterzellen (aber nicht in Tochterzellen) bei jeder Teilung eine identifizierbare Art von DNA-Schaden, die mit der Replikation verbunden ist. Diese ERCs sammeln sich im Laufe der Zeit an und führen schließlich zu replikativer Seneszenz und dem Tod der Mutterzelle.

 

 

 

Lagerdenken als Teil unserer Biologie

In einem Podcast ging es um die US-Wahl und darüber wie sehr sich die Leute in Lager einordnen und wollen, dass der eigene Kandidat gewinnt.

Der Interviewte führte an, dass er das für etwas ganz menschlich-evolutionäres hält, wir wollen einer Gruppe zugehörig sein und wenn wir in diese investiert haben, dann wollen wir auch das diese Gruppe die Gewinnergruppe ist.

Und das würde ja auch durchaus passen. Die wesentliche Gruppe der Steinzeit dürfte die Sippe oder der Stamm gewesen sein und es ist natürlich vorteilhaft zum einen eine Solidarität zu dieser eigenen Gruppe zu haben und sie gewinnen sehen zu wollen.
Solidarität zur Gruppe bedeutet eben auch, dass die Gruppe einem eher Solidarität zurück gibt aber natürlich ist es auch ärgerlich, wenn andere Gruppen besser sind und einen zu überflügeln drohen.

Die Konflikte kann man verschieden auflösen, etwa auch durch einen Gruppenwechsel, aber das dürfte damals schwieriger gewesen sein, wenn in der Gruppe viele Verwandte von einem waren. Aber man konnte natürlich die Jagdgruppe wechseln, wenn man das Gefühl hatte, dass die eigene Gruppe einen zurückhält oder daran arbeiten, dass die eigene Gruppe besser wird.

Wahrscheinlich auch der Grund, warum viele nicht so Fußballinteressierte eher eine der großen Mannschaften gut finden, da gewinnt man wenigstens, während die Fans der kleineren Gruppe dafür vielleicht mehr auf Solidarität und gute Gruppendynamiken setzen und das Gemeinschaftsgefühl betonen.

Es passiert aber auch wirklich schnell, dass sich Lager bilden, ich vermute schon so etwas wie Appel vs Android reicht aus das man hofft, dass das nächste Handy der eigenen Wahl etwas hat, was besser ist als die andere Marke.

Mir geht es zB bei Kameras so. Ich hatte immer Canon und freue mich, wenn sie eine tolle Kamera rausbringen, auch wenn die mir viel zu teuer für meine Zwecke wäre. Bringen hingegen Sony oder Nikon eine gute Kamera heraus ärgert es mich etwas, obwohl es ja den Markt eher antreibt und es mir vollkommen egal sein kann.

Was sind eure Lager?

Die Evolution der Wale