„The Wall“ und zu hohe Ansprüche

Sebastian schrieb in einem Kommentar:

Ich habe eine Freundin die genau das beklagt. Die Kerle mit denen sie etwas anfängt sind alle nur an lockeren Geschichten interessiert.

Einer der Gründe, den ich ihr allerdings nicht sagen kann, sehe ich darin, dass sie weit über die „Wall“ hinaus ist. Sie ist herber im Gesicht geworden und gleichzeitig deutlich kräftiger. Trotzdem versucht sie es mit jetzt über 50 regelmäßig mit Männern die sich gut gehalten haben. Abgesehen davon, dass sie etwas kompliziert ist und auch wenig kompromissbereit ist.

Nun haben Single Männer in passabler Kondition wenig Gründe sich so zu binden. Entweder korrigiert sie ihre Ansprüche deutlich nach unten oder sie wird Single bleiben müssen.

Dass die Ansprüche nicht einfach so reduziert werden können verstehe ich auch.

Und sie ahnt auch glaube ich das Problem oder zumindest die Konsequenzen.

Dazu kurz etwas:

1.  The Wall

Erst einmal zur Idee der „Wall“. Ich habe des Grok mal zusammenfassen lassen:

„The Wall“ (wörtlich „die Wand“ oder „die Mauer“) ist ein Begriff, der vor allem aus der Manosphere, Red-Pill- und MGTOW-Szene kommt. Er beschreibt den (angeblichen) Punkt im Leben einer Frau, an dem ihre physische Attraktivität und ihr sexueller Marktwert (Sexual Market Value = SMV) rapide und dauerhaft einbrechen – meistens weil sie altert.

Was genau wird damit vertreten?

Die Kernbehauptung lautet fast immer so:

– Frauen haben einen sehr steilen Attraktivitäts-Peak → meist zwischen ca. 18–25 (manchmal 22–24 als Maximum genannt)
– Danach geht es bergab, oft rapide ab ~27–30
– Mit ~30–35 „trifft sie die Wand“ („hits the wall“) → Falten, nachlassende Hautelastizität, weniger jugendliche Frische, evtl. erste graue Haare, veränderte Körperformen etc.
– Ab diesem Punkt sinkt ihre Fähigkeit, hochwertige Männer (vor allem finanziell/emotionale starke, statushohe Männer) anzuziehen dramatisch
– Viele Autoren behaupten: Ab da müssen Frauen stark „settlen“ (sich mit deutlich schlechteren Männern zufriedengeben), werden verzweifelter, manchmal bitter, und versuchen plötzlich commitment, das sie vorher abgelehnt haben

Typische Formulierungen aus der Szene lauten:

– „Women hit the wall around 30“
– „The wall is undefeated“
– „Post-wall women“
– „She’s hit the wall and now she’s desperate“

Wichtige Nuancen / Variationen

Quelle / Szene Typisches Alter für „The Wall“ Zusätzliche Begründung Tonfall
Frühe Red-Pill-Blogs (z. B. Rollo Tomassi ~2012) ~30 Kombination aus nachlassender Schönheit + Männer werden sich ihrer eigenen steigenden SMV bewusst analytisch-zynisch
Hartgesottene Black-Pill / Incels 23–27 „Schon ab 25 ist sie cooked“ extrem pessimistisch / hasserfüllt
Mainstream-Manosphere / YouTube heute 28–35 Fruchtbarkeit + Optik + „Party-Phase vorbei“ oft mit Häme oder Warnung
Kritikerinnen / Gegen-Narrative (z. B. FDS) Gibt’s bei Männern viel früher / härter Glatze, Bauch, weniger Testosteron ab ~30–35 Umkehrung als Gegenangriff

Realität vs. Ideologie

Der Ausdruck ist stark ideologisch aufgeladen und dient meist zwei Zwecken:

1. Als Schadenfreude-Waffe gegen Frauen, die in den 20ern „zu wählerisch“ waren („Jetzt kriegst du nur noch Betas“)
2. Als Warnung an junge Frauen („Nutze deine Zeit, sonst endest du allein“)

Biologisch gibt es tatsächlich einen reproduktiven Peak bei Frauen in den frühen 20ern und einen deutlichen Abfall der Fruchtbarkeit ab Mitte/Ende 30 – aber der Sprung von „attraktiv“ → „unsichtbar“ oder „wertlos“ mit 30 ist massiv übertrieben und wird von fast niemandem außerhalb dieser Filterblase so erlebt.

Kurz gesagt:
„The Wall“ steht für die Überzeugung, dass weibliche Schönheit und dating power extrem zeitlich begrenzt sind und danach ein harter Absturz kommt – während Männer angeblich viel länger (oder sogar aufsteigend) attraktiv bleiben.

Das ist die zentrale These, die der Ausdruck transportiert.

Ich sage nicht, dass Sebastian, der ja auch nur das Wort benutzt hat, das in dieser Hinsicht vertreten hat, aber es ist ja dennoch ein guter Anlass das Thema mal zu besprechen:

Ich würde Groks Zusammenfassung zustimmen, dass da eine starke Übertreibung drin ist. Natürlich hat Jugendlichkeit bei der weiblichen Schönheit einen höheren Wert als bei Männern, aber der Abfall ist keineswegs so steil, wie es da gerne dargestellt wird. Vielleicht ist das für eine Frau der Fall, die absolut auf Schönheit gesetzt hat und dann erkennt, dass sie mit jungen Frauen nicht mehr mithalten kann. Aber die meisten 22 Jährigen sind auf dem Partnermarkt für 35jährige keine Konkurrenz (vielleicht sind es die 30jährigen, aber die meisten Männer werden auch keinen zu großen Alterunterschied anstreben (die meisten werden so 5 Jahre runter gehen, wenn sie es können) und natürlich halten sich viele Männer auch nicht so gut, selbst wenn sie sich vielleicht besser halten könnten. Sie haben nicht die Zeit für Sport, sie werden bequemer, sie setzen etwas an, die Haare werden dünner etc. Und viele können das natürlich auch nicht durch Status oder ähnliches ausgleichen, weil sie ganz normale Leben führen.

2. Zu wählerisch

Ich hatte hier schon einmal über eine wählerische Freundin geschrieben:

Wir raten ihr, ihre Ansprechbarkeit zu erhöhen, indem sie Blicke zuwirft, allerdings ist sie recht wählerisch, was ihre Männer angeht. Sie sieht nicht schlecht aus, aber sie steht – wer kann es ihr verübeln – auf Männer 2 Punkte über ihrem Skalenwert. Eben die, die wohl jede Frau mit einem typischen Geschmack gut finden würde: Sportlich, aber nicht zu sportlich, groß, markantes Gesicht. Die meisten beachten sie nicht sonderlich. Meiner Meinung nach nicht die schlauste Strategie, wenn sie – wie gesagt eher der konservativere Typ – eine Beziehung und keinen One-Night-Stand will.

Sebastian schrieb:

Einer der Gründe, den ich ihr allerdings nicht sagen kann, sehe ich darin, dass sie weit über die „Wall“ hinaus ist.

Südländerin und ich hatten damals ein Gespräch:

SL: „Sie ist doch eigentlich ganz nett, aber sie hat so viel Pech mit den Männern! Die Arme! Warum verliebt sich nur keiner in sie??“
Ich: Sie ist eine 7 und sie will eine 10. Klappt halt nicht.
SL: „!!!!CHRISTIAN!!! wie kannst du nur so etwas sagen? Jede Frau ist doch schön und du kannst sie nicht einfach auf eine Zahl reduzieren und überhaupt *empörterBlick*
Ich: Man es kann es vielleicht romantischer ausdrücken, aber letztendlich ist es so. Entweder sie muss ihre Ansprüche runterschrauben oder sie muss sich im Fitnessstudio anmelden.
SL: *empörteBlicke*
Ich: *in einem fast nicht sarkastischen Ton voller Überzeugung* Oder sie müsste deine wunderschönen Augen und deine Seele haben, dann wäre es auch kein Problem“
SL: Idiot! *küsst mich*

Und dann hat Südländerin, die mitunter etwas zu ehrlich ist,  ihr das in einem Gespräch wohl auch so etwas blumiger  und schonender und wahrscheinlich ohne Zahlen gesagt und was war die Folge:

  • Die Freundin hat mehr oder weniger den Kontakt abgebrochen, wenn auch soft indem man sich einfach immer seltener  getroffen hat und es sich ausgeschlichen hat
  • Sie hat sich aber dennoch im Fitnessstudio angemeldet und sehr viel Sport gemacht.
  • Wir haben sie ca. ein Jahr später sportlicher und schlanker mit einem Freund getroffen, der war zwar keine 10, aber durchaus ein hübscher Mann