Über die Vorfälle bezüglich Luise Vollbrecht (@Frollein_VogelV), die als Biologin einen Vortrag über zwei Geschlechter an einer Uni halten wollte, hatte ich hier schon mal berichtet.
- RadFems vs intersektionale Feministen
- Der Krieg zwischen Intersektionalen/Transaktivisten und Radfems nimmt immer mehr Fahrt auf
Jetzt berichtet sie über die erheblichen Folgen dieses ja eigentlich recht kurzen Vorfalls:
Lag die soziale Isolierung an Ihrem Rückzug oder haben sich Menschen von Ihnen abgewendet?
Beides. Ich verlor einen großen Teil meines Umfeldes. Manche brachen aus Überzeugung mit mir, das zog sich bis in die Familie. Ich musste gegen Leute vorgehen, die ich aus der Schulzeit kenne. Menschen haben versucht, private Geschichten über mich an die Presse zu verkaufen. Es gab Bekannte und Freunde, die zwar nicht glaubten, dass ich ein schlechter Mensch bin, sich aber wegen des sozialen Drucks trotzdem distanzierten. Es gibt auch Menschen, die zu einem stehen, aber nicht verstehen, warum man weiterkämpft. Die mitkriegen, wie schlecht es einem geht, und fragen: „Warum entschuldigst du dich nicht? Lösch einfach all deine sozialen Medien und tauch unter!“ Aus diesem Grund hat sich mein damaliger Partner von mir getrennt.
Ich weiß schon, warum ich hier anonym blogge. Ich hatte auch keine Lust auf solche Angriffe.
Gerade wenn man in einem universitären Umfeld unterwegs ist kann ich mir auch gut vorstellen, dass es sehr erhebliche Auswirkungen hat. Gerade weil jeder, der zu ihr steht dann eben auch in das Visier zu geraten droht. Entweder man ist gegen sie oder man ist auch der Feind.
Die Anhänger der Intersektionalen Theorien können da nicht differenzieren, bei ihnen gilt ja, dass jedes Zugeständnis gleich einen Minuspunkt bringt. Es ist eben eine Sekte, die klare Glaubensbekenntnisse einfordert und gerade bei einem Thema wie Transsexualität keinerlei Abweichungen zulässt. Hat man dort einmal einen Feind ausgemacht wird dieser das Label auch nicht mehr los.
Es hat aus meiner Sicht diese Theorien zum einen so erfolgreich gemacht (weil sie sehr aggressiv sind und es daher gefährlich ist sich gegen sie zu stellen) aber auch zum anderen sehr unbeliebt.
Ich kann auch verstehen, dass ein Partner das nicht mitmachen will, gerade wenn es nicht sein Kampf ist, den man da führt. Es ist dann einfach zu viel Stress
Und Sie zogen sich zurück?
Ich möchte Menschen nicht in Gefahr bringen. Ich möchte nicht, dass der Verein, in dem ich bin, dem ausgesetzt ist. Selbst wenn Freunde hinter einem stehen und einen öffentlich verteidigen: Es war für mich sehr schlimm zu sehen, wie sie deswegen attackiert wurden. Selbst Freunde, die das Thema nicht interessiert, gingen verloren, weil ich mich zurückzog von der Welt. Ich bin nicht mehr dieselbe Person wie vorher. Viele Freundschaften und Beziehungen haben sich deshalb stark verändert.
Interessanterweise sind hier ja auch verschiedene radikale Personen zusammengestoßen. Vollbrecht ist eher im Radfembereich unterwegs und dort sieht man das Transthema besonders kritisch, weil dort „der Schutz von Frauenräumen“ im Vordergrund steht und Transsexuelle, die in Umkleiden wollen, ja auch nur Männerrechtler sind, die Frauen die Rechte wegnehmen wollen. Wobei ich nicht genau weiß, wie tief sind in der Szene drin ist. Das dürfte aber auch dazu beigetragen haben, dass man aus ihr eine bessere Zielscheibe machen konnte, sie stand dann eben für Rowling und andere TERFs aus der Richtung.
Warum fällt es Ihnen schwer, das Haus zu verlassen?
Ich war mal mit meiner Familie in einem Café, dann sind Leute aufgestanden und haben sich beschwert, dass wir dort sind. Ich bin aus Kneipen geschmissen worden. Leute haben auf der Straße vor mir ausgespuckt. Meine Meldeadresse ist gesperrt. Es gab von Aktivisten mehrere Versuche, meine Adresse auszuforschen – auch die meiner Familie, die gar nicht in Berlin wohnt.
Im linken Berlin wahrscheinlich besonders problematisch, zumal die Vorkommnisse ja auch auf dem Höhepunkt der intersektionalen Welle stattgefunden haben.
Ich würde das auch sehr bedrohlich finden.
Wie war das vor 2022?
Ich war mal ein sehr mutiger Mensch, der ein sehr freies Leben geführt hat. 2019 habe ich mehrere Wochen in Uganda im Dschungel gelebt. Ich hatte immer das Gefühl, ich komme mit allen Menschen sehr gut klar, lerne schnell Leute kennen, bin ein Mensch, der in die Welt geht und macht, was er will, in die Länder reist, in die er will. Nun bin ich jemand, der sich auf dem Nachhauseweg fünfmal umguckt und manchmal so starke Angstzustände hat, dass er das Haus nicht verlassen kann. Ich möchte keine neuen Menschen mehr kennenlernen. Das ist das, was mich am traurigsten macht.
Auch das ist durchaus verständlich. Es gibt ja genug Gewaltaufrufe gegen andere aus der militanten linken Szene und um so prominenter man da als Gegner ist um so eher könnte auch jemand auf die Idee kommen einem da aufzulauern.
Garantiert kein schönes Gefühl.