Eine interessante Studie untersucht die „den Partner beschützen“ sich auf dessen Einstellung zu einem auswirkt:
Ancestrally, physical violence from conspecifics was a recurrent adaptive problem. Did selection favor preferences for partners who are both strong (highly able) and willing to protect us from violence? Strength and willingness are interrelated, so dissociating their effects is necessary. Here we assessed both inferences and preferences. In 7 experiments (N = 4,508 U.S. adults recruited via MTurk), we systematically varied the willingness of a date or friend to physically protect you from an attack, compared to scenarios where you do not have this information. We also varied that person’s strength. Discovering that a person is willing to protect greatly increased their attractiveness as a romantic partner or friend, regardless of their strength. This held for both women and men raters, and when evaluating both opposite- and same-sex dates and friends. In fact, partners who were willing to protect were attractive even if they tried to do so but failed, and even if you were harmed because of their failure. Discovering that a partner is unwilling to protect decreased their attractiveness, and was a deal-breaker for women evaluating a male date. Unwillingness decreased attractiveness more when the rater was a woman, when the target was a man, and when the target was being evaluated as a date versus friend. Women placed some importance on a male date’s strength, but this was mostly due to inferences about his willingness to protect them. Surprisingly, we found only weak evidence that differences in strength, independent of willingness, increased the attractiveness of a partner.
Und noch einmal der Abstract übersetzt:
Aus evolutionsgeschichtlicher Perspektive war körperliche Gewalt durch Artgenossen ein wiederkehrendes adaptives Problem. Hat die Selektion daher Vorlieben für Partner begünstigt, die sowohl stark (also sehr fähig) als auch bereit sind, uns vor Gewalt zu schützen? Stärke und Bereitschaft stehen miteinander in Beziehung, weshalb es notwendig ist, ihre Effekte voneinander zu trennen. In dieser Arbeit untersuchten wir sowohl entsprechende Schlussfolgerungen als auch Präferenzen.
In sieben Experimenten (N = 4.508 US-Erwachsene, rekrutiert über MTurk) variierten wir systematisch die Bereitschaft eines potenziellen Dates oder Freundes, dich im Falle eines Angriffs körperlich zu schützen – und verglichen dies mit Szenarien, in denen man diese Information nicht hat. Außerdem variierten wir die physische Stärke dieser Person.
Es zeigte sich: Die Entdeckung, dass eine Person bereit ist, zu schützen, erhöhte ihre Attraktivität als romantischer Partner oder als Freund deutlich – unabhängig von ihrer Stärke. Dies galt sowohl für weibliche als auch männliche Beurteilende sowie für die Bewertung sowohl anders- als auch gleichgeschlechtlicher Dates und Freunde. Partner, die bereit waren zu schützen, wurden sogar dann attraktiv, wenn sie zwar versuchten zu helfen, aber scheiterten – und selbst dann, wenn man aufgrund ihres Scheiterns verletzt wurde.
Die Entdeckung, dass ein Partner nicht bereit ist, zu schützen, verringerte seine Attraktivität. Für Frauen war dies bei der Bewertung eines männlichen Dates sogar ein Ausschlusskriterium. Unwilligkeit reduzierte die Attraktivität stärker, wenn die bewertende Person eine Frau war, wenn die Zielperson ein Mann war, und wenn die Bewertung als Date statt als Freund erfolgte.
Frauen maßen der Stärke eines männlichen Dates eine gewisse Bedeutung bei, doch dies beruhte größtenteils auf den Rückschlüssen auf seine Bereitschaft, sie zu schützen. Überraschenderweise fanden wir nur schwache Hinweise darauf, dass Unterschiede in Stärke – unabhängig von der Bereitschaft – die Attraktivität eines Partners erhöhten.
Das Beschützereigenschaften attraktiv sein können wird ja häufig gerade in Bezug darauf diskutiert, dass Frauen es bei Männern attraktiv finden. Es findet sich zB im Pickup in den „Attraction Switches“:
- Pre-selected by women („Von anderen Frauen für gut befunden)
- Leader of men. (Anführer anderer Menschen)
- Protector of loved ones (Beschützer von ihm Nahestehenden)
- Willing to emote (In der Lage gesunde Gefühlsbindungen einzugehen)
Da aber nicht nur auf die jeweilige Frau bezogen, sondern die Eigenschaft als Beschützer einem Nahestehender Personen (was für die Frau ja dann bedeuten würde, dass sie auch beschützt wird, wenn sie ihm nahesteht.)
Hier eine Grafik aus der Studie, die das Ergebnis darstellt:

Beschützer attraktiv
Die linke Seite zeigt wie die Frauen die Männer bewerten, die Rechte dann wie die Männer die Frauen bewerten.
Interessant ist, dass beide Partner attraktiver finden, die bereit sind sie zu verteidigen oder dieses zumindest zu versuchen. Das ist ja auch verständlich: Man möchte eine Verbundenheit aus der heraus der andere versucht einem zu helfen, wo er kann.
Man sieht aber auch, dass der Unterschied zur Kontrollgruppe bei der Bewertung der Männer durch die Frauen (links) deutlich größer ist als bei der Bewertung der Frauen durch die Männer.
Interessant ist auch der Unterschied bei „unwilling“, also nicht bereit sie zu beschützen. Bei Frauen ein sehr starker Abfall, bei Männern ein sehr kleiner Abfall: Männer erwarten weniger, dass die Frau sie beschützt. Der Unterschied, zwischen einem erfolgreich beschützenden Mann und einem unwilligen Mann ist immerhin ein Fall von einer 8 auf ca. eine 2 auf der Attraktivitätsskala. Ein gewaltiger Unterschied.
Interessant ist auch, dass sich der Erfolg nur schwach auswirkt. Bei Geschlechter belohnen den Versuch.
Nachteil natürlich wie bei vielen Studien, dass das ganze auf einer Befragung aufbaut und nicht auf tatsächlichen (aber hier auch schwer durchzuführenden) Experimenten. Ich könnte mir vorstellen, dass das gerade auch beim Versuch einiges verändert. Hier wird er von dem Betrunkenen, der die Gefahr verkörpert, zur Seite gestoßen. Weitere Anzeichen für Unfähigkeit, Inkompetenz oder im Gegenteil besonderen Einsatz sind allerdings nicht vorhanden. Da klingt es nobel den Versuch zu belohnen, im tatsächlichen Leben könnten aber noch viele andere Faktoren hinzukommen („warum bist du nicht wieder aufgestanden und hast mir geholfen??“)
Dennoch ist die Tendenz in der Bewertung sehr interssant.
Es passt zu einem anderen Artikel, in dem es um „Vanilla Boys“ ging:
Und doch hatten wir, wie die meisten Paare, unsere Schwierigkeiten. Beispielsweise wurde einmal im Urlaub mein Auto direkt vor unseren Augen abgeschleppt, weil wir falsch geparkt hatten. Nick rief dem Abschleppwagen zweimal hinterher und resignierte gefühlt im selben Augenblick, notierte sich jedoch, deutsch wie er war, akribisch die Abschleppfirma, Uhrzeit, Kennzeichen und Fahrerbeschreibung.
Ich hingegen, als wirklich schnelle Läuferin, rannte dem Abschleppwagen hinterher. Mensch gegen Maschine. Für einen Moment schaffte ich es sogar, den Abschleppwagen einzuholen und brüllte mit der Luft, die mir noch übrig blieb, so laut ich konnte ins Beifahrerfenster, dass sie doch anhalten sollten. Doch ich hatte keine Chance. Keuchend, aber vor allem wütend, gab ich auf und machte mir letztlich Balkan-Style-mäßig Luft, indem ich meinen Turnschuh nach dem Wagen warf. Weitwurf war zudem bei den Bundesjugendspielen schon meine Königsdisziplin. Zum glorreichen Abschluss der Misere blieb mein Sneaker auf dem Laster hängen und ich humpelte auf Socken zu meinem „ach Mensch, menno“ murmelnden Mann zurück.
Die Stimmung war im Keller. Nicht nur, weil wir unser Auto falsch geparkt hatten, sondern auch wegen Nick, der die Situation einfach so tatenlos hinnahm. Alles, was von ihm kam, war: „Super, Volltreffer!“ Innerlich platzte ich vor Wut, aber ich wusste, er hatte recht. Es war in der Tat ein astreiner Wurf!
Abgesehen von meiner sportlichen Glanzleistung, hätte ich mir gewünscht, dass ER hinterherrennt. Dass ER seinen Turnschuh wirft. Dass ER vor Wut tobt. Dass ER dem Fahrer den Mittelfinger zeigt. Aber davon träumte ich bei diesem Kerl vergebens. Er war eben kein Alpha, kein „Ich-regel-das-für-dich!“-Typ.
Der ganze Spaß kostete uns 350 Euro plus ein paar neue Jordans. Ätzend! Nichts regelte Nick für uns. Weder das Zurückholen des abgeschleppten Fahrzeugs noch gemeinsame Termine. Ich vereinbarte Treffen und machte auch sonst gefühlt einfach alles. Ich sagte ihm, wann er den Müll herunterbringen soll, welche Kleidung ihm steht, und wie und wann wir mit Familie und Freunden verfahren. Nur seinen Job erledigte er eigenständig und das sogar ziemlich erfolgreich. Es gab unzählige Erlebnisse mit Nick, bei denen er sich mit seinem Vanilla-Verhalten schlichtweg als Spaßbremse für unseren gemeinsamen Alltag entpuppte.
Da ist keine wirklich Gefahr vorhanden, aber sie dehnt es auf alle möglichen anderen Bereiche aus und seine „Vanilla-Art“ lässt ihn eben unattraktiver erscheinen.
Und „Beschützen“ könnte daher ein weites Feld sein, in das so ziemlich alles fällt, wo er Verantwortung übernimmt und sie vor Folgen bewahrt.
Man darf auch einen gewissen Zusammenhang mit dieser Studie zur Attraktivität von Aggression annehmen:
Nach Kontrolle der körperlichen Attraktivität, des allgemeinen Gesundheitszustands und anderer Faktoren fanden die Forscher heraus, dass gewalttätiges Verhalten bei Männern, nicht aber bei Frauen, signifikant und positiv mit der Anzahl der Sexualpartner verbunden war. „Die Ergebnisse für Männer zeigten, dass es für eine Einheit an Anstieg der Gewalttätigkeit zwischen den Wellen einen 8%igen Anstieg in der Anzahl der Sexualpartner gab, die von den vorherigen Wellen berichtet wurden“, schrieben die Forscher.
Steigende Bildungsniveaus waren im Längsschnitt auch mit einem Anstieg der Anzahl der Sexualpartner von Männern verbunden. Dies galt jedoch nicht für verbale Intelligenz und gute Noten in der High School.
Die „Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen körperlich aggressives Verhalten immer noch sexuell anziehend finden und dass der Sexappeal von Intelligenz von der körperlichen Aggressivität von Männern abzuhängen scheint“, sagte Seffrin.
„Trotz der Statusbelohnungen, die mit hoher Intelligenz in einer modernen Industriegesellschaft einhergehen, werden aggressive Männer also weiterhin mit größerem Paarungserfolg belohnt, verglichen mit ihren weniger aggressiven männlichen Kollegen, die ein vergleichbares Niveau an Intelligenz und körperlicher Schönheit haben.“
Und dazu noch dieser Abschnitt von Jordan Peterson aus dem gleichen Artikel:
you know there’s an aggressiveness about hip-hop it’s really attractive to young Caucasian males and there’s something absurd about about that. They’re the spectacle of the young Caucasian males taking on the persona of inner-city black gang members you know it but but I’m sympathetic to it because there’s an aggressiveness to that to that art form that the necessary corrective to the insistence that the highest moral virtue for a modern man is harmlessness. Which is absurd. Women don’t even like harmless men they hate them they like to blow them apart you know. What women want are dangerous men who are civilized and they want to help civilize them that’s beauty and the beast so you know
Das (in Hinblick auf sie) gezähmte Biest kann eben Verteidigen und steht gut in der intrasexuellen Konkurrenz unter Männern dar, tut aber ihr nichts, weil er sie liebt.
Verteidigt es aber nicht, dann ist es entweder kein wirkliches Biest oder nicht hinreichend auf sie ausgerichtet.
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