Ich greife mal diesen Thread der ohnehin gerade umstrittenen Bahar Aslan auf:
vgl auch:
Ich greife mal diesen Thread der ohnehin gerade umstrittenen Bahar Aslan auf:
vgl auch:
Ein interessanter Artikel nimmt zu der Figur des „alten weißen Mannes“ Stellung:
Ein Label, das in den letzten Jahren sehr populär geworden ist, ist der „alte weiße Mann“. Gerade diejenigen, die sich eigentlich für eine diskriminierungsfreie, inklusive Veränderung von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft einsetzen, scheinen in ihm ihren Antagonisten gefunden zu haben. Der „alte weiße Mann“ ist das Feindbild in Reinkultur. Er genießt alle Privilegien, erfährt selbst keine Diskriminierung und regiert die Welt. Er ist unangreifbar, und es scheint, als könnte gerade dieser Glaube den unerbittlichen Angriff auf ihn relativieren. Doch während er viel zitiert und viel durch den Kakao gezogen wird, drängt sich die Frage auf, wem damit geholfen ist
Die Herausforderungen unserer Zeit sind gewaltig. Corona, Krieg, Naturkatastrophen. Wir können es uns überhaupt nicht leisten, noch länger nicht zusammenzustehen. Ich sage nicht, dass kleinere Themen nicht wichtig sind. Aber mit Grabenkämpfen wie Genderdiskussionen und Frauenquoten verlieren wir wichtige Zeit und Energie und entfernen uns gleichzeitig immer mehr voneinander.
Die Wahrheit ist: Wir brauchen alle Perspektiven. Denn wenn wir bestimmte Gruppen weiter ausgrenzen, verlieren wir Qualitäten, die wir dringend brauchen. Vielfalt ist keine Insel der Glückseligkeit, die einer verträumten Fantasie entspringt. Sie ist ein unglaublich mächtiges Instrument zur Lösung unserer größten Krisen. Und: Der alte weiße Mann ist genauso viel wert wie die junge, lesbische Migrantin.
Dagegen würde man in den intersektionalen Theorien vermutlich sagen: Als ob die Perspektive der alten weißen Männer ausgeblendet wird! Sie ist ja die einzige, die wahrgenommen wird und wir wollen genau das aufzeigen und endlich eine Ideenvielfalt erreichen!
Die schweigende Mehrheit ist überfordert, weil unsere Welt und ihre Probleme immer komplexer werden. Folgerichtig müssten auch die Lösungen komplexer werden. Stattdessen reagiert die kreischende Minderheit mit einer groben Reduktion von Zusammenhängen. Ich will nicht glauben, dass es Vereinfachungsmodelle, Schwarz-Weiß-Zeichnen und immer die passende Schublade braucht, um unsere Gegenwart und Zukunft diskutierbar zu machen
Und damit hat sie recht: Die intersektionalen Theorien wirken zwar kompliziert, aber sie sind im Grunde sehr einfach: Die eine Gruppe ist gut, die andere Gruppe ist schlecht. Dann gibt es noch bestimmte Hierarchien und man muss es erreichen möglichst viele Probleme der „Guten Gruppe“ (möglichst der „doppelplus Gutengruppe“) aufzuzeigen und „Dagegen“ zu sein ohne in die Falle zu tappen, dass man damit Probleme einer guten Gruppe zulasten einer anderen (doppelplus) guten Gruppe lösen will und sie nicht wie es sich gehört alleine der „Bösen Gruppe“ zuzuordnen.
Es ist eine Ideologie, die in der Tat schlicht mit schwarz-weiß Schemata arbeitet
Und gerade deshalb dürfen wir nicht auf die Problemverkürzung „alter weißer Mann“ hereinfallen. Denn das ist genau das, wogegen wir uns in der Diversity- und Inklusionsbewegung so sehr wehren: eine (noch dazu abwertende) Klassifizierung von Menschen.
Ja, es stimmt, dass die allermeisten Machtpositionen auf dieser Welt von Männern besetzt sind. Und ja, genau diese Positionen sind eigentlich in der Verantwortung, endlich Lösungen umzusetzen. Aber ich glaube, wir haben unsere Probleme oft genug benannt. Weder die Rolle des Anklägers noch die des Beschuldigten bringt Veränderung. Sie schieben sich nur die Schuld zu.
Das ist sehr an der Oberfläche des Problems. Denn das Männer in oberen Positionen sind bringt den Männern die nicht in den oberen Positionen sind wenig. Und die Männer, die in die oberen Positionen gekommen sind haben sich dies häufig damit erkauft, dass sie den Beruf zugunsten des privaten stark priorisiert haben.
Statt in diesem Stillstand zu verharren, könnten wir uns gegenseitig die eine oder andere Weltanschauung oder Lebensentscheidung verzeihen, um den Blick wieder nach vorne zu öffnen. Denn für eine gemeinsame Lösung müssen wir nicht einer Meinung sein – wir müssen uns nur auf ein Ziel einigen.
Wir alle sind für mehr verantwortlich als für uns selbst, denn als System sind wir alle voneinander abhängig. Und je mehr Macht wir haben, desto größer ist diese Verantwortung. Deshalb tragen Politik und Wirtschaft eine große Verantwortung. Aber gerade sie sind es, die mit dem Tempo der Transformation nicht mehr mithalten können.
Eigenverantwortung statt Gruppenverantwortung ist schon einmal ein deutlich besseres Konzept. Allerdings kann die Politik oder die oben auch wenig ändern, wenn zB Frauen im Schnitt eine ganz andere Work-Life Balance wollen als Männer und andere Prioritäten setzen. Was auch ein deutlicher Unterschied zwischen Eigenverantwortung und Gruppenverantwortung ist: Es mag ein interessantes Ziel für das Wohl der Gruppe sein, wenn mehr aus ihren Reihen hohe Positionen haben. Aber einer aus der Gruppe muss es dann eben auch tatsächlich machen. Die Arbeit und Energie dort reinstecken. Sein Privatleben hinten anstellen. Seine Kinder deutlich weniger sehen. Und dann ist ihm sein Privatleben vielleicht wichtiger als das abstrakte Ziel der Gruppe. Soll es doch eine andere machen. Was aber wenn es dann keine (oder zumindest deutlich weniger) aus der Gruppe machen?
Die globalen Rahmenbedingungen sind überfordernd und drängen uns immer mehr in die Ecke. Kämpfen, Fliehen oder Erstarren – das sind die natürlichen Reaktionen auf Gefahr. Fliehen oder Erstarren sind in unseren globalen Polykrisen keine lebenssichernden Optionen mehr.
Also bleibt uns der Kampf. Kampf im Sinne von aktiv werden, sich den Problemen stellen. Und dazu braucht es nicht nur Mutige und Macher:innen, die die Führung übernehmen. Wir brauchen Vermittler:innen, Erfinder:innen, Unterstützer:innen, Laute, Leise, … und vor allem brauchen wir alle Perspektiven und Eigenschaften. Wie wäre es also, wenn wir einander unvoreingenommen zuhören? Egal, wer vor uns steht – und wenn wir das „egal“ wirklich so meinen.