Wenn man die Argumentationsstruktur zum „alten weißen Mannes“ auch in anderen Bereichen verwenden würde

In den intersektionalen Theorien liebt man die Bezeichnung „alter weißer Mann“ weil sie ein schönes Feindbild abgibt. Mann und weiß deckt große Gruppen innerhalb der Privilegierung ab und bleibt noch einigermaßen kurz, auch wenn es andere gerne noch um heterosexuell oder Cis ergänzen, aber das kostet dann wieder zu viel Zeit. „Alt“ hat den Vorteil, dass es die Verantwortung aus der Gruppe junger Aktivisten etwas verlagert und es betont, dass sie „von gestern“ sind und man selbst die Zukunft. 

Dazu führt die Begrenzung auf weiße Männer dazu, dass man nicht versehentlich rassistisch gegenüber schwarzen Männern ist, die ja für die Gesellschaft weit weniger können, was man einem weißen intersektionalen Feministen vorwerfen könnte. 

Der Nachteil ist aber, dass man Hautfarbe und Geschlecht als negative Abgrenzung verwendet, was klassischer Rassismus und Sexismus ist. Um diesen Vorwurf zu vermeiden erfand man die Entschuldigung, dass es natürlich nicht wirklich um Hautfarbe und Geschlecht geht, sondern das nur eine sprachliche Figur ist, die nach dem „Hauptvertreter“ eines bestimmten Verhaltens benannt ist. Es sei nicht der tatsächlich weiße Mann gemeint, ein „alter weißer Mann“ könnte demnach auch eine Frau sein, ein junger Mensch oder gar ein Schwarzer. 

Dennoch wird im praktischen natürlich alles am Geschlecht und der Hautfarbe fest gemacht, ein Aktivist kann auf ein Foto schauen und anführen, dass da wieder nur alte weiße Männer sind, ganz typische, ohne das man einwenden kann, dass sie das nicht sind, jedenfalls nicht in der Verwendung, weil sie sich vollkommen anders verhalten.

Das es eine Ausflucht ist wird auch daran deutlich, dass man den Begriff beibehält, obwohl es immer wieder zu entsprechenden Bezügen zur Hautfarbe und Geschlecht kommt und es fehlverstanden wird. 

Um die Absurdität zu zeigen biete sich an diese Figur auf andere Situationen oder Gruppen zu übertragen und zu schauen, ob die Leute es dann immer noch akzeptieren würden:

1. Der junge schwarze Mann

A: die Frau wurde von einem schwarzen jungen Mann vergewaltigt.

B: Nein, der Täter war weiß.

A: Aber ich bitte Sie, ich meine doch nicht tatsächlich einen schwarzen jungen Mann, das ist nur metaphorisch, weil solche Taten typischerweise von jungen schwarzen Männern verübt werden. Es steht für die Geisteshaltung, die dahinter steht. Der Täter könnte auch weiß sein. 

2. Der Muslim

A: Hinter dem Attentat stehen Muslime.

B: Es ist noch vollkommen unbekannt, wer die Tat verübt hat.

A: Aber ich bitte Sie, es geht hier doch nicht um konkrete Muslime, es geht um die Geisteshaltung die dahinter steht und die ist nun einmal bei Muslimen am häufigsten vor zu finden und diese verüben auch die meisten Attentate

3. Der Jude

A: Dieser Darlehensvertrag sollten Sie nicht unterschreiben, er stammt von einer jüdischen Bank.

B: Die Sparkasse-Köln ist jüdisch?

A: Aber ich bitte Sie, das steht doch nur für eine Bank, die ganz ungünstige Bedingungen gibt, und dafür sind Juden ja nun einmal bekannt, deswegen stehen sie stellvertretend für alle, die solche schlechten Kredite geben. Eine Bank kann eh nicht jüdisch sein. 

4. Die junge überforderte Quotenfrau

A: Das Unternehmen wurde durch eine junge überforderte Quotenfrau zugrunde gerichtet.

B: war da nicht ein Mann an der Spitze?

A: Aber ich bitte Sie, junge überforderte Quotenfrau steht hier nur für die typische überforderte Person an der Spitze eines Unternehmens, die nicht aufgrund ihrer Leistung an die Spitze gekommen ist . Mit dem tatsächlichen Geschlecht hat das doch gar nicht zu tun und wie sie tatsächlich nach oben gekommen ist spielt auch keine Rolle. Sie steht eben nur für eine Gruppe , bei der das besonders häufig auftritt.

5. Die Feministin

A: Man musste sie entlassen, weil sie eine Feministin war.

B: Wie können Sie so etwas sagen? Sich für frauenrechte einzusetzen ist doch etwas Gutes?

A: Wie kommen Sie darauf, dass ich mich gegen Frauenrechte ausspreche? Feministin wird hier nur stellvertretend für eine Gruppe benutzt, die unfähig ist auf Kritik einzugehen und ihren fehlerhaften Ansichten durch schlechte Verschleierung tarnt, die kein Mensch glauben kann. Es ist natürlich nicht in der tatsächliche Feministin gemein, das kann auch ein konservativer Mann gewesen sein, aber bei Feministin zu dieses Verhalten eben am häufigsten auf.

6. der positive alte weiße Mann

A: Wir brauchen mehr alte weiße Männer in unserem Betrieb!

B: Wir können Sie so etwas sagen, sie sollten eher auf Diversität achten! Und sexistisch ist das auch

A: Aber aber, mit alten weißen Männern sind doch nicht tatsächlich alte weiße Männer gemeint, sollen lediglich hochqualifizierte Mitarbeiter mit viel Erfahrung, die sich besonders ins Zeug legen. Das ist eben stellvertretend für eine bestimmte Gruppe, das hat mit der Hautfarbe oder dem Geschlecht gar nichts zu tun.

vgl auch:

25 Gedanken zu “Wenn man die Argumentationsstruktur zum „alten weißen Mannes“ auch in anderen Bereichen verwenden würde

  1. Die anderen Beispiele sind dermaßen offensichtlich exakt das selbe Muster, dass ich nicht den geringsten Zweifel habe, dass jeder Woko Haram sofort mit „Das ist etwas GANZ ANDERES! Das kann man NICHT vergleichen!!“ antworten wird

  2. Linke sind nicht klug genug, um derartig zu reflektieren. Ihr Horizont reicht von der Brieftasche anderer Menschen zum nächsten Verbot um die Welt zu retten. Und wer nicht „solidarisch“ ist, auf den wartet der Gulag.

  3. Die Grenze zum Faschistischen wird meiner Ansicht nach an der Stelle überschritten, an denen die Kriterien durch den Betroffenen nicht änderbar sind.
    Als Moslem, Christ oder Feminist kann ich dem Glauben abschwören und aus der Glaubensgemeinschaft austreten. Wenn ich alt bin, Mann oder eine bestimmte Hautfarbe habe, kann ich das nicht ablegen.
    An der Stelle hat eine solche negative Etikettierung einen ganz anderen Stellenwert und ist permanent. Der Ausgrenzung aus der Gesellschaft der „Guten“ kann nicht mehr entgegnet werden, außer indem sich die Gesellschaft ändert.

      • Ich sehe da einen entscheidenden Unterschied. Bei deiner Kultur, deinem Glauben kannst du abschwören, daher sehe ich das als repressiv-totalitär. Wenn alle Druck machen, du sollst dich impfen lassen, dann kannst du das machen – und somit gesellschaftlich weiterleben.
        Bei unveränderbaren Attributen wie Mannsein, Alter oder Hautfarbe kannst du nur verschwinden oder dich umbringen. Es gibt garantiert keinen Weg mehr für dich zurück in die Gesellschaft.
        Das ist vielleicht nur meine Definition von Faschismus, aber wie sollte man diesen doch wichtigen Unterschied sonst ausdrücken?

        • Ich glaube, ich weiß was du meinst, für mich ist aber beides Faschismus. Unterscheiden lässt sich das ggf. noch durch zusätzliche Attribute, bspw. absoluter oder ultimativer Faschismus.

  4. Es gibt eine Löschung Lösung für das „alter weißer Mann“ Problem. Endlich!

    SEI KEIN MANN

    https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/342384/sei-kein-mann

    <b<Sei kein Mann
    Warum Männlichkeit ein Albtraum für Jungs ist

    Was bedeutet Männlichkeit? Warum verbinden viele den Begriff (immer noch) mit Führungsansprüchen, Aggression oder Gewalt? Welche Rolle spielen Biografie und Sozialisation im Selbstverständnis von Männern? J J Bola zeigt, dass nicht erst #MeToo den Diskurs über Männlichkeit befeuert hat.

    Inhalt:
    Inhalt
    Der Begriff Männlichkeit polarisiert. Steht er für physische Kraft, Durchsetzungsvermögen und Führungsanspruch? Oder – zunehmend und nicht nur für Frauen – für Aggression, Gewalt, Machtmissbrauch? Und welchen (unterschwelligen) Einfluss auf das, was unter Männlichkeit verstanden wird, haben Faktoren wie Biografie und Geschlecht, Sozialisation und Lebenssituation? JJ Bola, als Kind aus Kinshasa in der DR Kongo nach London geflohen, stellt ein verkrustetes Verständnis von Männlichkeit mit seinen zahlreichen ungeschriebenen Gesetzen infrage. Er beschreibt, warum ein solches Verständnis vielen Männern als Orientierung für die Akzeptanz unter Peers, in sexueller Hinsicht, beim Sport oder für ihr Selbstbild ebenso naheliegend wie unverzichtbar scheint, sie gleichzeitig aber auch unter Druck setzt. Im Kontrast dazu seziert Bola die toxischen Komponenten einer Männlichkeit, die sich – zumal gegenüber Frauen – über Macht, Anspruch oder Gewalt definiere und sich in der Kriminalstatistik ebenso negativ niederschlage wie in der Selbstmordrate junger Männer. Bola nimmt eine weite Perspektive ein und wirbt für eine Vielfalt von Männlichkeiten: Sie ließen, so sein einladendes Plädoyer, Jungs in Erziehung und Sprache mehr Raum für die eigene Identität und minderten – zum Besten aller – die Last eigener oder gesellschaftlicher Rollenerwartungen.

    Die Männer der Republik können froh sein, von offiziellen Stellen wird hart daran gearbeitet, dass sie abgeschafft werden. Der alte weiße Mann wird in den nächsten Generationen verschwinden, abgeschafft, ausradiert, geläutert, arisiert (uhhh, sorry, falscher Zusammenhang) …naja, kurz: Frau sind das bessere Geschlecht, Männer sind Müll.

  5. „Der Bayerische Rundfunk sehnt sich angesichts der Reichelt-Affäre nach dem «Tag, an dem einer, der seine Macht für sexuelle Beziehungen missbraucht, einen sozialen Tod stirbt». Manchmal verdeckt der moralische Vorwand die niederen Beweggründe halt nicht wirklich gut.“

    https://www.nzz.ch/meinung/alltaegliche-sexismus-was-die-debatte-um-gefallenen-bild-chef-reichelt-ausblendet-ld.1652298

    Die Affäre Reichelt als Stellvertreterprozess um den „alten weißen Mann“ und seinen Missbrauchsstrukturen.

    „Zumindest in Deutschland scheinen nicht wenige ganz begeistert zu sein von dieser Idee, wie sich in der Talkshow von Markus Lanz zeigte. Die versammelte Runde hielt einhellig die amerikanische Art der Problemlösung hoch, die in solchen Fällen darin bestehe, einen Part einfach irgendwo in eine ganz andere Abteilung zu versetzen. Man darf drei Mal raten, wer da gehen müsste. Ich tippe mal ganz schnell drauf, dass es nicht der männliche Vorgesetzte wäre.“

    https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-21-oktober-2021-102.html

    Sendung vom 21.10.2021 – Springer, BILD, Reichelt und struktureller Sexismus. ÖRR, Lanz und entsprechende Gäste auf Empörungshöchstform.

    @Christian, dein Beitrag heute ist existenziell, weil „Um die Absurdität zu zeigen biete sich an diese Figur auf andere Situationen oder Gruppen zu übertragen und zu schauen, ob die Leute es dann immer noch akzeptieren würden…“ – was feministischen Aktivistinnen angestoßen und eine willfährige Medienlandschaft übernimmt, hat eine allvernichtende Eigendynamik angenommen. Der point of no return wurde längst überschritten. Feminismus = Faschismus.

    • @Christian, dein Beitrag heute ist existenziell, weil „Um die Absurdität zu zeigen biete sich an diese Figur auf andere Situationen oder Gruppen zu übertragen und zu schauen, ob die Leute es dann immer noch akzeptieren würden…

      Nein, eigentlich ist der Beitrag überholt und gleichzeitig überfällig.
      Vor 1-2 Jahren war als Entgegnung auf den Femifaschismus schon – u.a. auch hier – zu lesen, ob die Leute immer noch ihre männerfeindlichen Ansichten vertreten und herausposaunen würden, wenn es dabei um Ausländer, Flüchtlinge, Juden etc. ginge.
      An Aktualität hat der Beitrag aber leider nichts verloren.

      PS: Immer wieder erstaunlich, wie sexistisch Software (mitfinanziert von Google) sein kann. Die interne Rechtschreibprüfung von Firefox markiert „männerfeindlich“ als falsch, „frauenfeindlich“ natürlich nicht. 😉

  6. Anderes Thema: wie steht ihr zu der möglicherweise kommenden Rechtänderung auf freie Wählbarkeit des Geschlechts jedes Jahr?

    Ich halte das zwar grundsätzlich für ausgemachten Blödsinn, aber andererseits gäbe es ja das Mittel an die Hand, jegliche Quotenregeln zu unterlaufen. Nachdem Diskiminierungsquoten ja nur für ganz bestimmte Werte ganz bestimmter Kategorien erlaubt sind (Frau, Hautfarbe nicht-weiss, nicht heteo) kann man ja nicht gut nachregulieren.
    Ich freue mich unter diesen Bedingungen auf 100% Frauenquote…

    Jetzt muss man nur noch seine Hautfarbe umdefinieren können – dann ist der ganze Spuk vorbei.

    Was meint ihr? Muss man das nicht unterstützen?

      • Für „Frauenanliegen“ bilden die Damen des Bundestags doch immer wieder gerne eine Querfront. Vielleicht könnte man für dieses Vorhaben mal die Männer der verschiedenen Fraktionen gewinnen?

        Es kann ja aus dem woken Lager keiner was sagen – d.h. die anderen müssen diesmal nur laufen lassen.

        Vielleicht wäre es gut wenn die Afd trotzdem laut dagegen ist, und dann aber doch dafür stimmt.

    • Ich freu mich schon drauf,

      Da ist für jeden was Drinn,

      Pubertäre Jungs können dann die Frauenumkleide nutzen und in die Frauensauna gehen.
      Dazu noch Kostenloser eintrittt in Diskos am Frauentag + kostenloses Frauengetränk.

      Für Berufstätige
      Frauenquote und Frauenförderprogramm im Unternehmen
      Frauenparkplätze
      NIedrigere Körperliche anforderungen z.B. auf dem Bau oder bei Polzei und Bundeswehr

      Alte/Rentner:
      in Österreich könnten sie bei vollen Bezügen früher in Rente gehen,
      wenn sie strategisch ihr Geschlecht von Männich zu Weiblich ändern

  7. Du hast die Zauberformel „sozial konstruiert“ vergessen. Dann geht der Trick natürlich nicht. Da fehlt das Element „Isso, weil willkürliche Machtausübung. Sonst wäre alles ganz anders!“

    PS: „isso “ ist die Abkürzung für „Ich schrei sonst“. 😉

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