Wer wird Familienministerin?

Arne hat gestern schon auf einen Artikel im Stern verwiesen, der eine Reihe von Kandidaten für den Ministerposten im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend darstellte. Ich finde da eine Besprechung interessant:

Zunächst zu den Auswahlkriterien:

Dass es wieder eine Frau wird, gilt als sicher. Seit 1985 stand kein Mann mehr an der Spitze des Bundesfamilienministeriums. Hinzu kommt: Nach der Ampel-Binnenlogik muss für die zurückgetretene Anne Spiegel erneut eine Frau an der Spitze des Hauses stehen. Denn Bundeskanzler Olaf Scholz möchte sein Kabinett paritätisch besetzen, was ihm (sich selbst außen vor gelassen) bei der Regierungsbildung auch gelang. Ohne eine größere Personalrochade wird ein Mann daher nicht das Familienressort übernehmen. Und an einer solchen wiederum hat Olaf Scholz zurzeit mit Sicherheit kein Interesse. Grünen-Politiker Anton Hofreiter fällt damit als Spiegel-Nachfolger aus.

(…)
Doch bei den Grünen ist noch etwas anderes wichtig. Traditionell sollen die Ämter gerecht zwischen den sogenannten Realos und den Fundis aufgeteilt werden, auch wenn die Grenzen immer mehr verwischen. Da jedoch mit Wirtschaftsminister und Vizekanzler Robert Habeck, Landwirtschaftsminister Cem Özdemir und Außenministerin Annalena Baerbock dem Kabinett bereits drei dem Realo-Flügel Zuzurechnenden angehören, müsste die Partei jemanden aus dem linken Flügel ins Rennen schicken – wenn sich denn dort eine geeignete Kandidatin findet.

Daraus ergeben sich wohl die folgenden Frauen:

Katharina Dröge: Die Grünen-Fraktionschefin im Deutschen Bundestag steht laut „Bild“-Zeitung besonders hoch im Kurs. Denn: Sie wird dem linken Parteiflügel zugerechnet. Doch will die 37-Jährige auch ins Familienministerium? Unklar. Vor einigen Tagen, als Spiegels Rücktritt bereits im Raum stand, hat sie nach Informationen des Blatts noch abgelehnt.

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Auf den ersten Blick ist außer eine Mitgliedschafts bei „terre de femme“ jetzt erst einmal keine große Nähe zu familienrechtlichen Themen besteht

Katrin Göring-Eckardt: Die 55-jährige Bundestagsvizepräsidentin kennt sich in der Familien- und Jugendpolitik aus. Auch im Bereich Ehrenamt, der in die Zuständigkeit des Familienministeriums fällt, ist sie zu Hause. Darüber hinaus ist sie eine erfahrene Politikerin – dies wäre ein Pluspunkt. Ihr Nachteil: Sie wird dem Realo-Flügel zugerechnet.

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Zudem fällt mir ihre Wahl 2017 zur „weiblichen Vorsitzenden“ ein, bei der sie quasi gewählt werden musste, weil nur eine weibliche Kandidatin aufgestellt worden war und eine Frau gewählt werden musste

Sie hat einen starken kirchlichen Hintergrund und immerhin zwei Söhne. Als „Ossi“ hat sie vielleicht auch eher die Vorstellung, dass Frauen auch was selbst machen müssen (was aber natürlich eine starke Verallgemeinerung ist).

Katharina Fegebank: Sie ist seit 2015 Zweite Bürgermeisterin von Hamburg und Wissenschaftssenatorin, also regierungserfahren. Doch Familienpolitik gehörte bislang nicht zu den Steckenpferden der 45-Jährigen. Zudem fühlt sie sich in ihrer Position in der Hansestadt augenscheinlich wohl. Ob ein Wechsel nach Berlin für die Realo-Vertreterin in Frage kommt, ist ungewiss.

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Zwei Töchter und einen Unternehmer als Lebenspartner. Bisher wohl eher im Bereich Migration aktiv

Ursula Nonnemacher: Regierungserfahrung hat auch die umtriebige Sozialministerin Ursula Nonnemacher aus Brandenburg, die die „Frankfurter Rundschau“ in Spiel bringt. Die 64-jährige hat sich dort auch in der Familienpolitik engagiert und zum Beispiel das erste (inzwischen gerichtlich gekippte) Paritätsgesetz für eine Landtagswahl in Deutschland auf den Weg gebracht.

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Ärztin, Sie hat deutschlandweit das erste Paritätsgesetz für eine Landtagswahl initiiert, 3 Kinder.

Britta Haßelmann: Sie teilt sich mit Katharina Dröge den Fraktionsvorsitz im Bundestag und wird vom „Focus“ als mögliche Spiegel-Nachfolgerin genannt. Die 60-Jährige gilt als erfahren – aber auch als Realo-Vertreterin.

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Diplom-Sozialarbeiterin, verheiratet, 1 Sohn

Ekin Deligöz: Die „Augsburger Allgemeine“ spekuliert, die Parlamentarische Staatssekretärin unter Anne Spiegel könnte an die Spitze des Ministeriums aufrücken. Fachkenntnis hätte die Vizepräsidentin des Kinderschutzbundes. Allerdings gilt auch die 50-Jährige Neu-Ulmerin als Realpolitikerin.

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Die ersten 8 Lebenjahre in der Türkei gelebt, Diplom-Verwaltungswissenschaftlerin, verheiratet, zwei Kinder, mit 26 die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen.

Von 1998 bis 2009 war sie Mitglied der Kinderkommission des Deutschen Bundestages. Von 2005 bis 2009 war sie stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen.

Im 16. Deutschen Bundestag war sie eine von fünf Muslimen. In der 17. Wahlperiode war Deligöz eine der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Sie war ordentliches Mitglied des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen sowie Mitglied des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Des Weiteren war sie stellvertretendes Mitglied des Finanzausschusses und stellvertretendes Mitglied der Kinderkommission des Deutschen Bundestages.

Seit dem 8. Dezember 2021 ist sie Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Anne Spiegel.

Ricarda Lang: Oder macht’s die Parteichefin selbst? Die 28-Jährige wird dem linken Parteiflügel zugerechnet und würde mit ihren 28 Jahren für einen echten Generationenwechsel stehen – allerdings hat sie keinerlei Regierungserfahrung. Und die Familienpolitik gehörte bisher nicht zu Langs politischen Schwerpunkten. Ihr möglicher Wechsel ins Familienministerium würde bedeuten, dass die Grünen ihre Parteispitze umbauen müssten.

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Im Jahr 2012 trat Lang im Alter von 18 Jahren der Grünen Jugend bei. Im Oktober 2015 wurde sie Beisitzerin im Bundesvorstand der Grünen Jugend, bereits auf dem 49. Bundeskongress der Grünen Jugend im Oktober 2017 wurde sie zu deren Sprecherin.[6] Von 2014 bis 2015 arbeitete Lang als Sprecherin des Bundesverbands von Campusgrün. 2015 bis 2016 gehörte sie dem Geschäftsführenden Ausschuss des Berliner Kreisverbands Friedrichshain-Kreuzberg an.[7] Seit November 2019 war sie stellvertretende Bundesvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin im Bundesvorstand der Grünen.

Lang kandidierte bei der Europawahl 2019 auf Listenplatz 25 der Grünen,[8] verpasste jedoch den Einzug in das Europäische Parlament. Bei der Bundestagswahl 2021 war sie Kandidatin der Grünen im Wahlkreis Backnang – Schwäbisch Gmünd und kandidierte ebenfalls auf dem Listenplatz 10 der baden-württembergischen Grünen.[9] Sie verpasste das Direktmandat, zog jedoch über die Landesliste in den 20. Deutschen Bundestag ein.[10] Sie ist die erste offen bisexuelle Abgeordnete.[11]

Im Deutschen Bundestag ist Lang ordentliches Mitglied im Familienausschuss und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales.[12]

Im Januar 2022 wurde sie auf dem Bundesparteitag der Grünen zusammen mit Omid Nouripour ohne Gegenkandidatin zur Bundesvorsitzenden ihrer Partei gewählt.

Langs politische Schwerpunkte sind soziale Gerechtigkeit und Klimapolitik; sie wird dem linken Parteiflügel zugeordnet.[15][16] Ferner steht sie für Feminismus und Body Positivity.[17]

19 Gedanken zu “Wer wird Familienministerin?

  1. Schon erstaunlich was für Karrieren diese Frauen da hinlegen. Auch Spiegel, nach 10 Jahren in der Politiker zur Bundesministerin aufgestiegen. Gibt es sowas auch bei Männer?

    Die nächste Familienministerin wird auf jeden Fall eine Feministin und nichts an der Familiensituation ändern, was Männer mehr in Richtung gleichwertiges Elternteil bringt. Eigentlich bezeichnend das Feministinnen sich ständig beschweren das Frauen Verpflichtungen in der Familie haben, aber darauf bestehen dass das Familienministerium immer von einer Frau geleitet wird. Sie selbst sehen Frauen in der Pflicht und leben es genau so vor… aber geben am Ende allein Männern die Schuld dafür.

  2. Stilvoll wäre es, wenn die Grünen das heute am Gründonnerstag verkünden würden.

    Gestern hatte ich irgendwo auf Twitter gelesen, dass Christine Lambrecht wieder Nicht-Männerministerin werde, und dafür das Verteidigungsministerium an Ricarda Lang ginge.
    Das waren wohl Fake-News. Es erschien mir allerdings plausibel, aber ich hatte keine Zeit, dem weiter nachzugehen.
    Unwillkürlich kam mir nur der Gedanke, dass es Frau Lang mit ihrer Körperfülle sicherlich gut täte, wenn sie dafür erst einmal eine militärische Grundausbildung absolvieren müsste.

  3. Den ganzen Prozess verfolgen und dokumentieren.

    Wenn die nächste Diskussion um Quoten in Führungsetagen anfängt, werden unter anderem die Grünen wieder tönen, dass es genug geeignete Kandidatinnen gebe.
    Dann kann man denen an den Kopf werfen: ihr habt doch selbst nicht genug geeignete Frauen für die Spitze …

  4. Ein erschreckendes Personaltableau. Am Schlimmsten fände ich Frau Lang. Egal, welche dieser Frauen es auch wird, die radikalfeministische, männer- und väterfeindliche Politik kann kaum schlimmer werden.

    • Da der Markus offiziell ein Mann ist, und auch als Markus Ganserer auf dem Wahlzettel zu erscheinen hat, wird selbst der grünste Grünenwählende vermutlich Schluckauf bekommen. Nehmt lieber den Hofreiter, da fällt es nicht auf wenn der als Frauenministerin Karriere macht.

  5. Also, da die Kritierien „Frau“ und „ganz weit links“ sind und „Qualifikation“ entsprechend nicht vorkommt, bleiben eigentlich nur die beiden Fetten. Der Rest hat ja selbst eine Familie; die wissen am Ende noch, was das ist.

  6. Pingback: Lisa Paus wird neue Familienministerin | Alles Evolution

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