Typische Gegenpositionen, wenn ein Mann, der der Vergewaltigung beschuldigt wird, sagt, dass er unschuldig ist

In der Taz bespricht, auch schon von Arne verlinkt, Fatma Aydemir den Fall Luke Mockridge.

Einige Passagen finde ich besprechenswert, weil sie so typisch sind:

1. Ich bin hier das Opfer

Das Video beginnt mit der Ankündigung, dass Luke Mockridge dieses Jahr nicht mehr auftreten werde. Der Comedian erzählt von einer „Welle von Hass“, die ihm seit Monaten im Netz entgegenschlägt und unter der er sehr leide: „Ich bin Comedian, ich kenne das nicht. Ich stehe für ’ne gute Zeit.“ Natürlich ist es unschön, wenn Mockridge und seine Familie anonyme Drohungen bekommen.

Jedoch bleibt das bis zum Ende der generelle Tenor seines Statements. Anstatt seine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema sexualisierte Gewalt zu teilen, entscheidet sich Mockridge dazu, den Vorwurf lediglich als „schreckliche Nummer“ abzutun und sich voll und ganz auf sein eigenes Leiden zu konzentrieren: Ich bekomme Hassnachrichten. Mir geht es nicht gut. Will heißen: Ich bin nicht Täter, sondern das eigentliche Opfer.

Wie kann es ein Beschuldigter wagen sich einfach selbst als Opfer zu sehen? Das ist vermutlich für eine Feministin unvorstellbar. Statt dessen hätte er „eine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema sexualisierte Gewalt“ machen sollen, also vermutlich etwas in der Art von „Sexualisierte Gewalt ist etwas fürchterliches und wir Männer müssen an uns arbeiten, damit Frauen das nicht mehr passiert. Auch wenn ich hier nicht Täter war habe ich es als Mann auch irgendwie verdient und bin immerhin als Mitglied der Gruppe Mann ja auch irgendwie Täter“.

Aber für ihn ist es natürlich ganz wesentlich, dass er hier kein Täter ist. Und das er angegriffen wird.

2. Ermittlungen eingestellt

Luke Mockridge wurde von der Betroffenen angezeigt und beschreibt seinen Schock über das, was er in der Anzeige zu lesen bekam. In einer Nacht während der gemeinsamen Beziehung habe er versucht, seine Ex-Freundin zu vergewaltigen. Die Staatsanwältin sowie der Generalstaatsanwalt hätten aber keinen Tatverdacht gefunden, damit sei die Sache juristisch erledigt, sagt Mockridge.

Was der Entertainer natürlich nicht sagt oder was ihn möglicherweise auch nicht interessiert, ist, dass in den meisten Vergewaltigungsfällen, und vor allem bei solchen innerhalb einer Beziehung, genau das passiert: Die Ermittlungen bzw. Verfahren werden oft wegen mangelnder Beweislage eingestellt. Feminist_innen kritisieren diese Schwachstelle im Justizsystem seit Jahrzehnten.

Sie spart es sich einfach einmal darzustellen, warum genau er schuldig ist, etwa eine Darstellung des Sachverhaltes und eine juristische Würdigung.
Statt dessen eher eine Art Verschwörungstheorie: Die Staatsanwaltschaft und die Generalstaatsanwaltschaft (Ines Anioli muss also in die Beschwerde gegen die Einstellung gegangen sein) haben die Sache unter den Tisch gekehrt. Argument: Machen sie ja sonst auch. Patriarchat eben.

Dabei gibt der Sachverhalt selbst nach ihrer Version, seine kennen wir nicht, erst einmal wenig für eine Strafbarkeit her:

Als sie beide gemeinsam im Bett lagen, habe sie mit ihm darüber gesprochen, wie verletzt sie sei und distanzierte sich von ihm. Genervt davon, habe er zunächst angefangen, sie zu schütteln und kitzeln. Er habe ihren Oberkörper auf das Bett gedrückt, ihr die Hose ausgezogen und angefangen, an ihr “herumzuspielen”, wie sie sagt. “Ich war gerade kurz davor, dich zu vergewaltigen”, habe er demnach zu ihr gesagt und dann von ihr abgelassen. Das sei nur eine von vielen Geschichten, die sie selbst zunächst verdrängt habe.

Einer Frau gegen ihren Willen die Hose auszuziehen ist schon schwer genug und jeder Sachverhalt dazu, dass sie das nicht wollte, dass sie das verhindert hat, dass sie sich gedreht und gewunden hat oder auch nur Nein gesagt hat fehlt in der Schilderung. Wenn seine Version ist, dass er sie gekitzelt hat, sie darauf positiv reagiert hat und er dann zu Sex übergeleitet, weil er dachte, dass wäre eine gute Versöhnung und davon ausging, dass sie das gut findet, dann sagt sie ihm, dass er es lassen soll und er lässt es, dann ist eben ein Vorsatz, der für eine Vergewaltigung erforderlich ist, nicht nachzuweisen.

Es wird nicht besser, wenn sie angibt, dass sie es verdrängt hat.

3. Disneyland

Mockridge erklärt, dass sich die Anschuldigungen nicht mit dem decken, was er und seine Ex-Freundin erlebt hätten. Das Paar sei nach der besagten Nacht noch zusammen gewesen und hätte in Disneyland Urlaub gemacht. Was Mockridges Erzählung suggeriert, ist etwas, was sehr häufig gegen Betroffene verwendet wird: Wenn man wirklich versucht hat, dich zu vergewaltigen, warum hast du dich nicht sofort getrennt und bist zur Polizei gerannt? Warum haben wir mit Mickey-Mouse-Ohren Selfies geschossen?

Bei dieser Argumentation werden nicht nur die widersprüchlichen Dynamiken in toxischen Beziehungen völlig außer Acht gelassen, sondern auch der Umstand, dass Betroffene meist über Monate oder gar Jahre hinweg das Erlebte verdrängen können oder müssen, um schlicht zu überleben.

Es ist ja auch verständlich, dass es als Argument verwendet wird. Gerade bei einer Prominenten, die noch nicht einmal – wenn ich es richtig verstehe – mit ihm zusammen gewohnt hat, also einfach die Sache hätte beenden können. Sie war in keiner Abhängigkeitssituation von ihm.

Und natürlich gibt es genauso die Fälle, bei denen Leute sich zur Verarbeitung einer Trennung bestimmte Erinnerungen so zurecht denken, dass sie zu ihrer Wut oder ihrer Vorstellung davon wer schuld ist passen.
Es kann auch durchaus sein, dass sie es so gesehen hat, aber selbst dann war es keine Vergewaltigung, wenn er keinen Vorsatz hatte.

4. Der anonyme Mob

Mockridge behauptet, hinter seinen Kritiker_innen steckten vor allem anonyme Twitter-Accounts. Er versucht somit das Bild eines hysterischen, ungerechten Mobs zu erzeugen. ­Dabei haben sich etliche Feminist_innen auch unter Klarnamen und mit Foto zu diesem Thema geäußert, etwa im Rahmen der von Aktivist_in Jorinde Wiese gestarteten „Luke-Challenge“ auf Instagram, bei der sich User_in­nen mit vorgegebenen Handzeichen mit der Betroffenen solidarisierten und kritische Stellungsnahmen von Mockridges Auftraggebern Sat.1, WDR und 1 Live forderten.

Auch geil. Da haben sich AUCH etliche Feministinnen mit Klarnamen beteiligt. Das schließt natürlich einen im übrigen anonymen Twittermob aus.
Eine kurze Suche nach „Mockridge“ auf Twitter zeigt auch deutlich, dass da viele Stimmen dabei waren, die nicht identifizierbar sind.

Und auch unter seinem Statement finden sich genug anonyme Accounts, die ihren Unmut äußern.

5. Echte Betroffene

Es habe aber auch „echte Menschen“ gegeben, die unter dem Hashtag #KonsequenzenfürLuke ihr Leid geteilt und Solidarität erfahren hätten, auch von ihm, betont Mockridge, selbst wenn all das auf seinem Rücken ausgetragen worden sei. „Das ist mein Wertesystem“, sagt Mockridge und erläutert nicht weiter, was damit genau gemeint ist.

Vermutlich möchte Mockridge damit sagen, dass er natürlich gegen Vergewaltigungen ist, doch er erklärt nicht, was für ihn eine „echte“ Vergewaltigung ist, was eine „echte“ Betroffene ausmacht, ob er sich über die Grauzonen Gedanken gemacht hat, die Tätern oft nicht bewusst sind, gerade wenn es um Gewalt innerhalb einvernehmlicher Beziehungen geht. Solange Mockridges Position zu all diesen Punkten unklar ist, hört sich diese Solidarisierung eher nach einem Versuch an, die Betroffenen gegeneinander auszuspielen.

Auch ein interessanter Vorwurf. Er sagt: Ich habe sie nicht vergewaltigt. Eine echte Betroffene ist dann wohl jemand, der tatsächlich vergewaltigt worden ist.

Sie kritisiert ihn und fordert, dass er sich damit auseinandersetzt und meint anscheinend, dass er ja schon irgendwie in einer Grauzone war. Er müsse da ganz klar sein.

Sie selbst macht aber nichts klar. Sie wechselt zwischen „er ist ein Vergewaltiger“ und „er war zumindest in einer Grauzone“ hin und her als wäre es das Gleiche. Dabei liegen dazwischen Welten.

Sie führt nicht an, was er nun eigentlich gemacht hat. Sie bleibt selbst in ihren Vorwürfen vollkommen vage. Er ist anscheinend schuldig. Irgendwie. Unhinterfragbar. Einfach weil es eine Frau gesagt hat.

6. Schwierige Trennung

Mockridge beschreibt die Trennung von seiner Ex-Freundin als sehr emotional und erzählt, die Betroffene habe noch Monate danach seine Brüder und Kollegen kontaktiert. Diese Information wird nicht weiter kommentiert, aber darauf folgt die angeblich überraschende Anzeige. Die Erzählung von der verletzten Ex, die sich mit Vergewaltigungsvorwürfen rächen will, ist eine klassische Strategie zur Täter-Opfer-Umkehr.

Die Erzählung von der verletzten Ex ist aber schlicht auch immer wieder mal wahr. (siehe auch). Da einfach davon auszugehen, dass das nicht sein kann ist eine sehr simple Sache.

7. Ruhm

Die Betroffene, ebenfalls Comedienne und Podcasterin, sprach in der Vergangenheit immer wieder öffentlich von ihren Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt, allerdings ohne ihren Ex-Partner namentlich zu nennen. Auch Mockridge nennt ihren Namen nicht. Deshalb wird er auch an dieser Stelle nicht genannt. Dennoch spricht Mockridge im Video sein Unbehagen darüber aus, persönliche Erfahrungen medial auszuschlachten, etwa in Podcasts und auf der Bühne.

Er wirft seiner Ex-Freundin damit unterschwellig vor, sich an diesem Vorwurf bereichern zu wollen. Abgesehen davon, dass diese These nicht aufgeht, da die Betroffene Mockridges Namen nicht einmal in den Mund genommen hat – Social-Media-User_innen haben Mockridge über eigene Recherchen als mutmaßlichen Täter identifiziert: Auch diese Argumentation ist eine häufig genutzte Methode des Victim Blamings, um der Betroffenen ihre Glaubwürdigkeit zu entziehen.

Sie kann auch Mitleid und Aufsehen abgreifen ohne seinen Namen zu nennen, gerade wenn er dann auch noch sehr leicht zu ermitteln ist.

Und natürlich kann man auch vertreten, dass ein Promi nicht identifizierbar über einen Expartner reden sollte und dort intime Details ausplaudern sollte, die nur die beiden betreffen. Das ist sicherlich kein guter Stil. Das gilt aus meiner Sicht um so mehr, wenn anscheinend beide ihren Teil zu Streitigkeiten beigetragen haben.

Natürlich kann man ihr andererseits nicht absprechen, dass sie über eine Vergewaltigung erzählt. Aber sie macht damit eben gerade in einem Fall, wo dies durchaus nicht so klar ist ein Fass auf, bei dem er, wenn er sich rechtfertigen will, gleichzeitig über sie reden müßte und weitere Details aus seinem Privatleben und ihrem in einem sehr intimen Bereich verraten müsste.

Das sollte man sich eben gut überlegen.

91 Gedanken zu “Typische Gegenpositionen, wenn ein Mann, der der Vergewaltigung beschuldigt wird, sagt, dass er unschuldig ist

  1. „Die Ermittlungen bzw. Verfahren werden oft wegen mangelnder Beweislage eingestellt. Feminist_innen kritisieren diese Schwachstelle im Justizsystem seit Jahrzehnten.“

    Dass Verfahren mangels Beweisen eingestellt werden, könnte genau so gut daran liegen, dass Vergewaltigsvorwürfe zumeist nicht stimmen.

      • „Oder daran, dass das nur zwei Leute im Raum sind und damit keine unabhängigen Zeugen.“

        Und dennoch wird zumeist davon ausgegangen, dass an den Vorwürfen der Frau schon was dran sein wird.

        „Und nach einer anderen Studie weil die Frauen sich häufig umentscheiden und nicht mehr kooperieren“

        Das könnte man ebenfalls so interpretieren, dass die entsprechenden Frauen kalte Füße bekommen, ihre nicht stimmigen Vorwürfe aufrechtzuerhalten.

      • https://web.archive.org/web/20210713171808/https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Rostock/Acht-von-zehn-Vergewaltigungen-sind-vorgetaeuscht

        Acht von zehn Vergewaltigungen sind vorgetäuscht

        2 Minuten

        Ob Vergewaltigung, Missbrauch von Kindern, Exhibitionismus, Kinderpornographie – 173 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung hat die Kriminalpolizei-Inspektion (KPI) Rostock in diesem Jahr bereits erfasst. 2014 waren es 262 Fälle. Mehr als 80 Prozent davon wurden laut Polizei auch aufgeklärt.
        Seit 2007 befasst sich Kriminaloberkommissarin Britta Rabe mit Sexualdelikten in Rostock und im Landkreis, gemeinsam mit drei Kolleginnen. Immer häufiger haben es die Ermittler aber mit falschen Fällen zu tun: Acht von zehn Sexualdelikten werden nur vorgetäuscht. „Wir nehmen diese Anzeigen sehr ernst“, betont KPI-Chef Peter Mainka.
        Es würde mit großem Polizeiaufgebot nach möglichen Tätern gesucht, aufwändige Spurensicherung an Tatorten betrieben, viele Zeugen vernommen. Und doch müssen die Ermittler am Ende oft feststellen, dass es in Wirklichkeit gar kein Verbrechen gegeben hat. „Häufig sind es Schutzbehauptungen der Frauen, um einen Ausrutscher, ein Fehlverhalten gegenüber Ehemann, Freund oder Eltern zu rechtfertigen“, sagt Britta Rabe.
        Doris Kesselring

        Hatte ich hier schon mal geposted.

      • Es spielt keine Rolle, ob Zeugen dabei anwesend gewesen sind. Es gibt auch kein Aussage gegen Aussage = automatische Pattsituation.
        Entscheidend ist ja einzig und allein, wem das Gericht glaubt und wer seine Geschichte glaubwürdiger rüberbringen kann. Wenn dann ohnehin das Opfernarrativ befriedigt wird, ist in der Regel der Mann als mutmaßlicher Täter der Verlierer. Ist dann halt ein entschuldbares Fehlurteil.

        Für den Mann bleibt eigentlich nur, (heimlich) eine Videoaufnahme anzufertigen.
        Siehe Team Gina-Lisa. Die ist sehr wahrscheinlich nur deshalb zu ihrer (relativ harmlosen Geld-) Strafe verurteilt worden, weil die beiden Stecher mittels Video nachweisen konnten, dass die Olle lügt.

    • Das Absurde an der Äußerung ist, daß diese kulturbereichernde, empowerte Powerfrau eine essentielle Bedingung von Rechtsstaatlichkeit als „Schwachstelle“ bezeichnet.

      Besser kann diese Frau nicht zeigen, daß es heutzutage eine Menge Stümperinnen in die Medienwelt geschafft haben.

      Man stelle sich mal vor, ich würde die Dame des Einbruchs und Diebstahls beschuldigen und würde mich dann darüber beschweren, daß die Frau aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde.

      Da muß man schon die Taliban oder Lukaschenko ranlassen, wenn man Leute trotz fehlender Beweise im Knast sehen will.

      Ist ja immer wieder schockierend, wie strunzdumm Feministinnen sind. Aber wie gesagt. Es gibt Erklärungen für solche Irrationalitäten und Verstandes-Lockdowns. Und die liegen im emotionalen, unbewußten Bereich. Der Zwang zur Opferinszenierung ist stärker als die Vernunft.

      Gibt ja auch Leute, die sich freiwillig und für Geld bei symbolischen Müttern Dominas erniedrigen lassen, obwohl das verstandesmäßig der größte Unfug ist. Die Erklärung für solche Irrationalitäten findet man in der Kindheit.

      • Und wieder kann er irgendwelche themenfremden Seitenhiebe nicht lassen. Anstatt als bekennender Religiot mal lieber fein die Klappe zu halten, wenn es darum geht anderen Leuten „Irrationalität“ vorzuwerfen. Das allein wäre, wenn die Platte nicht langsam ganz schön leiern würde, auf (natürlich ungewollte Weise) zum Brüllen komisch.

        Und, natürlich:

        Schweigen Sie doch bitte still, Sie extremst übersichtlich begabtes Beispiel für Schlichtheit im Gemüt.

        • Ja, regelrecht traurig. Bis zum letzten Absatz ging ich mit seinem Kommentar voll d’accord und wollte ihn schon einer Antwort würdigen. Und dann vermasselt er es mit seiner Alice Miller-Scheiße.

          Er ist halt nicht nur geistig, sondern auch sozial, ähm, herausgefordert.

        • Also ich finde meine Ausführungen, gerade die tiefenpsychologischen sehr zutreffend. Was genau ist denn daran kritikwürdig?

          Leider kommt von dir nur Haß und Hetze, nichts Substantielles.

          Für Renton gilt leider dasselbe.

          Es steht natürlich jedem frei, es für normal zu halten, sich für Geld von einer Domina erniedrigen zu lassen. Und sämtliche tiefenpsychologischen Erkenntnisse diesbezüglich zu ignorieren.

          Vielleicht kommt von Euch ja auch mal sachliche Kritik. Und nicht nur Gehässigkeit. Ich habe bisher nicht das geringste Ernstzunehmende von Euch zu diesem Thema gehört. Nicht das geringste Bemühen, mal sachlich und respektvoll etwas zu kritisieren.

          Mich wundert das allerdings auch nicht besonders.

          Wer die Bücher von Alice Miller gelesen und verstanden hat, wird wissen, warum das so ist.

          • Fang du mal an, selber etwas ernstzunehmendes vorzubringen. Ich meine das wirklich so. Stelle eine These auf, begründe sie, und wir diskutieren sie dann. Ich kann mich nämlich nicht entsinnen, jemals eine anständige Begründung für deine Lieblingsthesen von dir gelesen zu haben.

            Aber bitte, wegen mir – es sei tabula rasa. Fang noch mal an.

          • ^^ Ich finde es interessant, wie du es schaffst, dir vorzumachen, du würdest dich ernsthaft mit meinen oder Alice Millers Ansichten auseiandersetzen.

            „Lügner“ und „Feigling“ scheinen wohl eher projektiven Charakter zu haben.

            Dazu paßt auch, daß du dir vormachst, Sadomasochismus sei eine natürliche Veranlagung. Ich bin mir sicher, daß man in deiner Kindheit die Ursachen für diese „Veranlagung“ findet. Und ich kann mir da so sicher sein, weil diese Zusammenhänge schon hundertfach nachgewiesen wurden. An konkreten Fallbeispielen.

          • Brauchst du immer Beleidigungen, bevor du mal ein Argument bringst? Da könnte man glatt spekulieren, ob du es darauf anlegst. Hast du da etwa gewisse Neigungen…?

            Nun zu deinem Argument:
            „…weil diese Zusammenhänge schon hundertfach nachgewiesen wurden. An konkreten Fallbeispielen.“

            Jemand anders hat meine Antwort bereits formuliert:

            „Sadomasochismus ist laut vorherrschender, meist psychoanalytisch orientierter Theorien, eine Störung, die sich ätiologisch auf strafende, wenig einfühlsame Eltern oder kindliche Traumata zurückführen lässt und mit mangelnder Bindungsfähigkeit im Erwachsenenalter einhergeht. Die Theorien haben jedoch den Schwachpunkt, fast ausschließlich auf klinischen Stichproben zu beruhen. Da Psychotherapiepatienten im Allgemeinen eine schlechtere Bindung zum Partner haben und seltener eine positive Erziehungspraxis ihrer Eltern schildern, soll die vorliegende Studie die Aussagekraft psychoanalytischer Modelle für die
            Mehrheit der klinisch unauffälligen, konsensuell in einer Paarbeziehung praktizierenden Sadomasochisten überprüfen. Dabei wurden bei einer nicht-klinischen Stichprobe von
            Sadomasochisten und einer Kontrollstichprobe zum einen die Merkmale „elterlicher Erziehungsstil“, „traumatische Erfahrungen“, „Bindungsstil“ und „Beziehungszufriedenheit“, zum anderen als alternativer Erklärungsansatz das „Reizsucheverhalten“ („Sensation Seeking“) auf Unterschiede getestet. Die Ergebnisse stützen die Hypothese, dass sich klinisch unauffällige, konsensuelle Sadomasochisten von Nicht-Sadomasochisten in den theoretisch hergeleiteten Bereichen nicht unterscheiden. Geringe Unterschiede konnten im Bereich des „Sensation Seeking“ gefunden werden.“

            Klicke, um auf HAFOS_76.pdf zuzugreifen

            Übrigens ist es mir persönlich herzlich egal, ob meine Neigung angeboren oder erworben ist. Ich mag sie so oder so.

        • Gibt ja auch Leute, die sich freiwillig und für Geld bei symbolischen Müttern Dominas erniedrigen lassen, obwohl das verstandesmäßig der größte Unfug ist. Die Erklärung für solche Irrationalitäten findet man in der Kindheit.

          Daß Ihr beiden übrigens bereits bei solch einer harmlosen, aber sehr treffenden Analyse im Strahl kotzt, finde ich recht amüsant. Ihr geriert Euch hier als Aufklärer, wollt aber die einfachsten psychologischen Zusammenhänge nicht verstehen.

          Ich finde das auch für mein Geschlecht peinlich. Wir leben jetzt im Jahr 2021. Man(n) könnte da schon etwas mehr psychologischen Sachverstand haben.

          Wenn wir hier über feministische Opferirrationalitäten reden, sollten wir über andere Opferinszenierungen nicht schweigen.

          • Dass Sexualität eine ganze Menge natürlicher Überschneidungsfelder mit Fantasie haben kann, ohne gleich zu einer psychiatrischen ICD-10-Diagnose führen zu müssen, ist dir aber schon bewusst? Und dass Dominas eben diese sexuellen Fantasien erfüllen, genau wie Prostituierte, die beim Sex Polizeiuniformen oder typische Schulmädchenoutfits tragen?

          • ^^ Gegen emotionale Begriffsstutzigkeit ist offenbar kein Kraut gewachsen.

            Zumal diese Dinge alle schon x-fach analysiert wurden. Wenn man aber kein Interesse an Arbeiten hat, die den symbolischen Bezug zur Kindheit eindeutig nachweisen, dann bleibt man halt dumm.

            Ich habe hier schon mehrfach Texte verlinkt, die den Zusammenhang von Sadomasochismus und traumatischen Kindheitserfahrungen aufzeigen.

            Wer sich aber zwanghaft dummstellt, nur prollt, nichts liest, der kann auch keinen Erkenntniszuwachs haben.

            http://www.alice-miller.com/de/frenzy/

            Der psychologische Analphabetismus hier ist wirklich erschreckend. Und solche Leute wollen progressive Kräfte sein und etwas in der Gesellschaft verändern.

          • Ich kotze ganz grundsätzlich wegen deines Geschwafels, nicht weil es in dem konkreten Fall gegen Masochisten geht. Nichts liegt mir ferner, als mir zum Lustgewinn von einer Frau den Arsch versohlen oder mich sonst wie erniedrigen zu lassen oder dergleichen umgekehrt zu betreiben. Es ist mir aber auch schnurzpiepegal, wenn jemand anders drauf abfährt.

            Was in anderer Leute Unterhosen und Betten vor sich geht, ist eben hauptsächlich eine Obsession von Feministen und Religioten wie dir.

            Ich empfehle mich mit einem herzlichen „Schweigen Sie doch bitte still, Sie extremst übersichtlich begabtes Beispiel für Schlichtheit im Gemüt“.

      • Nein.
        Eine schuldige Person wird das öffentliche Verhalten einer unschuldigen Person imitieren, um Unschuld vorzutäuschen, nie umgekehrt. Schuldige und Unschuldige verhalten sich also theoretisch in der Öffentlichkeit gleich.
        Praktisch würde eine schuldige Person z.B. versuchen, heimlich Beweise zu vernichten, aber das betrifft genau Handlungen, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht sind.
        Anhand eines öffentlichen Auftritts, Insta-Meldung oder dergleichen auf die Schuld oder Unschuld zurückzuschließen, ist daher sinnlos.

  2. Ach ja Fatma Aydemir. Da wünscht man sich doch gleich mehr Buntheit her. Kann man am 26. eigentlich auch die Taliban wählen? Bin gespannt, was die Dame vor einem Scharia-Gericht dazu sagen würde.

  3. „Die Ermittlungen bzw. Verfahren werden oft wegen mangelnder Beweislage eingestellt. Feminist_innen kritisieren diese Schwachstelle im Justizsystem seit Jahrzehnten.“

    Feministen hätten es gerne, wenn sie das Justizsystem für ihre Zwecke manipulieren und nach belieben benutzen könnten. Solche Leute dürfen nie Macht erlangen, unter keinen Umständen. Die würden den Rechtsstaat zertrümmern.
    Übrigens liegt die Beweislast immer beim Kläger. Die Straftatbestände Vergewaltigung / sexuelle Nötigung bilden in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Das Geplärre von wegen patriarchaler Rechtssprechung ist also unnötig.

    • Nicht ganz. Es gibt einige Dinge mit Beweislastumkehr. Zum Beispiel muss ein geschädigter bei einem KfZ Unfall nicht beweisen, dass er diesen nicht verursacht hat. Weiterhin gibt es bei Hartz IV Empfängern einige Fälle von absurder Beweislastumkehr. So müssen diese zum Beispiel beweisen keine eheähnliche Gemeinschaft mit ihren Mitbewohnern zu haben, so es diesen vorgeworfen wird. Die Beweisführung hierzu ist bei genauerer Betrachtung unmöglich. Wie soll man beweisen, dass keine Beziehung besteht?

      • Das liegt daran, dass nicht zwischen Zivil- und Strafrecht unterschieden wird.

        Vergewaltigung gehört ins Strafrecht, wo die Unschuldsvermutung gelten sollte.
        Der Verkehrsunfall betrifft im Regelfall zivilrechtliche Angelegenheiten.
        Dort gibt es keine Unschuldsvermutung.

  4. Evolutionär gesehen ist das wirklich faszinierend: Frauen unterhalten kein solides Verhältnis zur Wahrheit, haben sie noch nie getan. Da würde ich nun erwarten, dass die Menschheit im Laufe der letzten zwei Millionen Jahre gelernt hat, sich auf diese Fragwürdigkeit einzustellen und die Aussagen von Frauen zu prüfen, bevor man daraus effektive Konsequenzen ableitet.

    Passiert aber nicht. Frauen können behaupten – oder andeuten -, was sie wollen: sie sagen immer die Wahrheit. So urteilt der gesunde Menschenverstand – nach zwei Millionen Jahren gegenteiliger Erfahrung. Evolution ist, wenn immer wieder die falsche Spezies überlebt.

    • Hier muss ich Gendern… zustimmen, Jochen.

      Deine Aussagen zu Frauen sind sehr pauschal und decken sich nicht mit meinen Lebenserfahrungen. Ich habe nicht den Eindruck, dass es unter Frauen mehr Lügner gibt als unter Männern. Ich glaube, das Problem ist eher – und da kommt unter Umständen evolutionär Gewachsenes zum Tragen – dass die Gesellschaft mehrheitlich sehr bereit ist, Frauen selbst noch die abwegigsten Geschichten zu glauben und sofort auf Mitgefühl und bedingungslose Unterstützung zu schalten, während Männern entweder mit nüchterner jedoch rechtsstaatskonformer Attitüde der Art „OK, das sagst du, aber wir wollen das erst noch einmal prüfen“ begegnet oder ihnen allzu oft einfach nur ein rotziges „stell dich nicht an“ entgegengeworfen wird oder, gerade wenn ein Mann eine Frau (sexueller) Übergriffigkeit beschuldigt, die Sache direkt in eine Schublade gesteckt wird, die ganz fett mit „LOL“ beschriftet ist.

      • „Ich habe nicht den Eindruck, dass es unter Frauen mehr Lügner gibt als unter Männern.“

        Ich auch nicht, zumindest wenn es um bewusstes Lügen geht.
        Bei „gefühlten Wahrheiten“ und dem Verdrängen aller objektiven Fakten, die diesen gefühlten Wahrheiten entgegenstehen, sind Frauen aber wohl deutlich vorn. Insoweit würde ich im Schnitt ein fehlendes „solides Verhältnis zur Wahrheit“ in gewisser Weise durchaus sehen.

      • „… dass die Gesellschaft mehrheitlich sehr bereit ist …“

        Ja, OK. Es liegt nicht so sehr im Verhalten der Frauen als in der jeweiligen Reaktion der Gesellschaft. Letzteres gibt den Ausschlag.

        • Ich glaube, das ist eine wirklich durchaus interessante Dynamik, die ganz wesentlich in unserem frauenbevorzugenden Bias verwurzelt ist. Würde man es Männern ebenso leicht machen wie Frauen, mit allem davonzukommen, würde sich das Verhalten der Geschlechter wohl kaum unterscheiden. Aber so ist es nun mal nicht. Männer werden mit wesentlich mehr Nachfragen konfrontiert, müssen ihre Aussagen belegen und ihre Standpunkte verteidigen. Und selbst, wenn sie legitime Anliegen noch so rational und faktenreich begründen, ist ihnen soziales Verständnis dennoch noch lange nicht garantiert. Man beachte nur mal wie sehr die akribische Arbeit von Arne Hoffmann öffentlich ignoriert wird von denselben Leuten, die noch die faschistoideste Scheiße wie etwa von dieser Pauline Harmange als großartigen Debattenbeitrag abfeiern.

          Wer stets erfährt, dass seine gefühlten Wahrheiten, wie es Morris ganz gut beschreibt, immer wieder auch als Wahrheiten von anderen gekauft werden, wird sich und seine Weltsicht nicht hinterfragen. Der beginnt in seinen gefühlten Wahrheiten zu leben. Im Prinzip sind damit sowohl der soziale Erfolg des Feminismus‘, trotz all seiner Verstiegenheiten und Faktenwidrigkeiten, wie auch die zu eben jenen Eigenheiten dieser Ideologie führenden kognitiven Konstitutionen der Frauen dahinter zu erklären.

          Ein Mann, der berichtet, von Frauen gemeinschaftlich vergewaltigt worden zu sein, kriegt die Frage: „Und, hat’s dir gefallen?“, eine Frau, die eine noch nicht mal ganz frische Story einer Journalistin über ihre an Banalität kaum zu überbietenden Erlebnisse mit einem gealterten FDP-Politiker als Aufhänger für eine radikale Pauschalanklage gegen Männer nutzt, kriegt dafür monatelange, beinahe ausschließlich distanzlos wohlwollende, unreflektierte mediale Aufmerksamkeit und noch den Grimmepreis obendrauf. Und es stellt sich die Frage, wie viele Indizien oder gar handfeste Beweise es braucht, bis der Öffentlichkeit schimmert, dass nicht nur Johnny Depp kein Frauenschläger ist, sondern viel eher sehr wahrscheinlich sogar selbst das Opfer von Gewalt durch die Person, die ihn dreisterweise eben dieser Sache beschuldigt. Meine Vermutung: es ist völlig egal, denn das Urteil stand fest, in dem Moment, als Amber Heard erstmals das Maul zu der Sache aufgemacht hat.

          Deshalb meine Meinung: Frauen und Männer unterscheiden sich wahrscheinlich nicht von sich selbst heraus in ihrer Wahrheitsneigung, wesentlich ist für ihre lebenslange Entwicklung viel eher, wie viel Erfolg sie damit haben, sehr subjektive Empfindungen öffentlich als objektive Wahrheiten manifestiert zu bekommen. Und da scheint mir die Rollenverteilung unter den Geschlechtern sehr klar und ungleich.

          Und natürlich, wie bei so ziemlich allem, behaupten irrwitzigerweise Feministinnen sogar dabei, dass es ausgerechnet Frauen seien, denen immer viel weniger geglaubt würde als Männern, einfach nur, weil es sie jedes Mal wieder bis zum Anschlag triggert, wenn irgendeiner Frau irgendeine vollkommen abgedrehte Nummer zur Abwechslung mal nicht geglaubt wird.

      • Wahrscheinlich ist es eher so, Frauen lügen nicht direkt, sondern biegen sich die Wahrheit zu ihren Gunsten hin. Und glauben das dann auch noch. Sehr schön zu sehen am sogenannten mental load. Kein Mensch muss sich den Geburtstag seiner Friseuse merken oder Blumen da hinstellen, wo sie keiner sieht. Frauen halsen sich gern einen Haufen sinnlose Nichtarbeiten auf, um dann dem Mann, wenn er geschafft von der Arbeit kommt, Vorwürfe zu machen und ihn ordentlich auf Trab zu halten.

  5. Kurzzusammenfassung:

    Ein Unschuldsvermutung für Männer gibt es nicht.
    Eine Grenze der Selbstinfantilisierung von Feministinnen auch nicht.
    Das Narrativ der irrationalen, hysterischen Frau, für die Verstand und Vernunft Fremdwörter sind, verdankt sich maßgeblich den Äußerungen von Feministinnen.

    Wer verstehen will, warum es solche peinlichen Opferinszenierungen gibt, sollte die Bücher und Texte von Alice Miller lesen. Solchen Inszenierungen, die hier sowohl auf die Taz-Tante als auch auf die Luke-Ex zutreffen, verdanken sich einem realen Opfersein in der Kindheit, das aber verdrängt oder bagatellisiert wird.

    Man sollte jedenfalls nicht so naiv sein und glauben, Menschen erfinden solche Dinge freiwillig ohne biografischen Konnex. Oder verhalten sich freiwillig wie die Ex. Sie hätte ja auch viel souveräner mit der Sache umgehen können.

    Man sieht an den Äußerungen der Taz-Tante schön, daß sich diese Solidaritätsfeministinnen in einer Blase befinden und bestimmte Teile der Realität gar nicht mehr wahrnehmen können.

  6. Im Mittelalter gab es ja Gottesurteile gegen Frauen die der Hexerei verdächtigt wurden. Man warf sie mit verbundenen Armen und Beinen ins Wasser. Ertrank sie, war sie eine Hexe. Ertrank sie nicht, war sie auch eine Hexe, denn nur der Teufel kann ihr geholfen haben.

    Da hin will man offenbar zurück, die Beschuldigung enthält bereits das Urteil.

    • Wenn ich mich recht erinnere, war ihr Ertrinken Beweis ihrer Unschuld, weil man glaubte, dass Hexen nicht ertrinken könnten, weil sie im Wasser immer oben treiben. Im Endeffekt lief es aber natürlich darauf hinaus, dass man in dem Moment, in dem man als Hexer oder Hexe beschuldigt wurde, recht sicher so gut wie tot war. In der Regel ertrank man bei dem „Test“, wenn man den, wie durch ein Wunder, überlebte, war auch schon der Scheiterhaufen vorbereitet, auf dem standesgemäß ein Hexenleben sein Ende finden sollte.

      Tatsächlich hatte ich exakt dieses Vorgehen der Beweisfindung auch im Hinterkopf als Gleichnis, aber ganz passt es ja nicht. Denn die Ertrunkenen galten zumindest wieder als rehabilitiert, wenngleich sie selbst davon nichts mehr hatten. Hier ist es ja eher so eine Kafkanummer. Wird ein Mann von einer Frau beschuldigt, gibt es für den menschenfeindlichen SJW-Mob nur noch zwei Möglichkeiten von Schuld: er bekennt sich zu den ihm vorgeworfenen Taten und ist somit schuldig oder er weist sie von sich und ist somit schuldig und obendrein noch ein Lügner. Es gibt in deren Weltsicht für von Frauen beschuldigte Männer faktisch keinen Rückweg zu sozialer Rehabilitation. Dieses Pack ist somit zivilisatorisch noch erheblich degenerierter als die damals von der Existenz von Hexen Überzeugten, die zumindest bereit waren, einem Menschen Unschuld zuzugestehen, nachdem man ihn zum Zwecke der Beweisfindung umgebracht hat. Wie ironisch, dass sich diese Kretins selbst dabei als progressive Avantgarde betrachten…

      • Ich vermute übrigens, dass es diese konkrete Form von (Un-)Schuldbeweis während der Hexenverfolgung nie gegeben hat, sondern dass es sich um eine urban legend handelt. Möglicherweise stammt die Legende aus besagter Zeit, weil ein damaliger Autor sie als Vergleich ersonnen hat, um auf die Problematik der Befragung unter Folter hinzuweisen.

        Ich meine, ernsthaft: Die Leute in der frühen Neuzeit waren komisch drauf, aber für SO doof halte ich sie nicht, in quasi stalinistischer Manier einfach alles abzuräumen, was unter Verdacht steht.

        • Ehrlich gesagt hege ich auch Zweifel an der Wahrheit dieser Form von Justiz, aber nicht, weil ich Menschen zu irgendeiner Zeit derlei Schwachsinn nicht zutraue. Zu diesen Zeiten kam eben noch eine enorme religiöse Verblendung hinzu. Dass ein solcher Prozess im Endeffekt nur dazu führt, dass der Beschuldigte, egal ob schuldig oder nicht, auf jeden Fall am Ende tot ist, spielte da eine untergeordnete Rolle, weil man es dann eben als ausreichende Entschädigung sah, dass der durch sein Ertrinken Entlastete ja dann eben instant aufstieg und den Rest aller Tage harfespielend auf einer Wolke verbrachte.

          Letztlich liefen die durch den Hexenhammer niedergelegten Praktiken auch auf nichts anderes hinaus. Wenn ein peinliches Verhör – wobei peinlich von Pein kommt und nichts damit zu tun hat, dass man Beschuldigte zur Auskunft über intime Details zwang 😉 – tagelang für viele Stunden täglich durchgeführt wurde, immer mit dem klaren „Ausweg“ aus dieser Situation vor Augen: „Gestehe und dein Leiden wird ein Ende haben“, wird sicher auch zu einer sehr hohen Quote von Menschen geführt haben, die einfach nur irgendwann gestanden haben, wissend, dass ihr Geständnis auch ihr Todesurteil darstellt.

          Das waren schon echt üble Zeiten, aber, wie man gerade durch den sozialen Schmelztigel der Onlinemedien sehen kann, im individuellen Denken hat sich die Zivilisierung noch lange nicht durchgesetzt. Bildet sich irgendwo zu irgendwas ein Mob, haben auch ähnlich viele Menschen wie schon im finsteren Mittelalter ihre Fackeln und Mistgabeln in auffälliger Griffweite.

          • Ja, die Menschen, also, WIR, sind noch die gleichen wie damals. Jeder einzelne sollte sich davor hüten, zu meinen, er selbst würde ja nie, unter keinen Umständen Gefahr laufen, selbet einmal im Mob mit dabei zu sein. DOCH. Unter den richtigen Umständen zieht es auch uns schneller hinein, als wir meinen.

            Nochmal zur Hexenverfolgung: Klar hat der tröstende Gedanke an jenseitige Gerechtigkeit einen Einfluss gehabt, aber wenn es um konkret bekannte Menschen geht, verhalten sich Menschen doch so, als glaubten sie nicht ans Jenseits. Auch aus dem Mittelalter kenne ich jedenfalls keine Überlieferung, dass ein Christ mal beispielsweise zu einem todkranken Bekannten gesagt hätte: „Du bist bald tot? Glückwunsch! Das ist ja herrlich! Ich freue mich so für dich! Grüß meine Mutter im Himmel, ich komme bestimmt auch bald in ein paar Jahren!“ (Sinngemäß von Richard Dawkins übernommen.) Denen war schon klar, dass ein Verfahren, bei dem ein Beschuldigter auf jeden Fall zu Tode kommt, ungerecht bzw. einfach Verarsche ist.

            Den Leuten war früher auch schon klar, dass Folter als Mittel zur Wahrheitsfindung *hüstel* problematisch ist. So ziemlich sämtliche Vorschriften zur Folter waren deshalb auch unter dem Gesichtspunkt entworfen, die Folter zu begrenzen, um die Leute eben nicht zu falschen Geständnissen zu zwingen. In der Praxis war die Einhaltung solcher Vorschriften aber natürlich ganz von den ausführenden Folterern abhängig. Wenn die sich über die Begrenzungen hinwegsetzten, dürften damalige Opfer noch schlechtere Karten auf Gerechtigkeit gehabt haben als heutige Opfer von Polizeigewalt. (Ich habe in einem Museum mal von einem Fall gelesen, wo ein im 17.(?) Jahrhundert übelst zugerichteter Gefolterter jahrelang um Entschädigung gekämpft hat.)

          • @Andreas, ich muss Dich rüffeln: Deine kurze Recherche war zu kurz. Ich zitiere:

            „Wenn die Angeklagten nicht schwammen, wurden sie wieder aus dem Wasser gezogen – wobei es hier auch zu ungewollten Todesfällen kommen konnte.“

            Der Tod als zwingender Ausgang des Verfahrens war nicht vorgesehen. Dass das passieren konnte – naja, es hat sicherlich auch nicht jeder die Folter überlebt.

    • Kleine Korrektur, die Hochzeit der Hexenprozesse wahr nicht das Mittelalter an sich, sondern eher das ausgehende Spätmittelalter und die frühe Neuzeit. ansonsten gute treffende Diskussion.

      Und zu Coen weiter unten: Es gibt in deren Weltsicht für von Frauen beschuldigte Männer faktisch keinen Rückweg zu sozialer Rehabilitation.
      Man muss immer wieder darauf hinweisen, daß das nur so lange funktioniert, solange Männer sich von Frauen gegeneinander instrumentalisieren lassen und das mitmachen.
      Ich gebe aber zu, daß es im gegenwärtigen gesellschaftlichen Klima, sich kaum ein normaler Mann leisten kann offen Widerspruch einzulegen, wenn er seine wirtschaftliche Existenz nicht gefährden will, es wird also eine hohe Dunkelziffer schweigender Ablehnung geben. Aber man darf auch nicht vergessen wie sehr Frauen Männer im Verlauf der Jahrtausende durch evolutionäre Auslese und soziale Kondition auf eigene Bedürfnisse optimiert haben.

    • Ach, ich hätte weiterlesen sollen, dann hätte ich gesehen, dass bereits erwidert wurde. Aber gut, dass ich nicht der einzige bin, der die Sache so in Erinnerung hat…

  7. Die taz ist feministisches Hetzblatt.
    Die taz ist bei einer solchen Berichterstattung kein seriöses Medium.
    Die taz gehört zu den Unverbesserlichen oder anders ausgedrück: zu den Ewiggestrigen. Als Ewiggestriger oder, als Adjektiv, ewiggestrig wird ein Mensch bezeichnet, der an seinen alten politischen Meinungen festhält und keinen Fortschritt erkennt bzw. anerkennt.

    Ebnso wie Spiegel und Zeit, fällt die taz schon seit langem bei mir zu den Medien, die für mich unseriös sind. D.h. nicht, dass ich sie nicht lese (ok, spiegel.de meide ich mittlerweile ganz), aber in der Wahrnehmung sind die nicht besser als breitbart oder PI news oder Bild. Ich kann auf solche Beiträge einfach verzichten.

    Auch zeit.de hat in ihrem Kindergartenteil ein entsprechendes Meinungsstück https://www.zeit.de/campus/2021-08/metoo-konsequenzen-fuer-luke-sexualisierte-gewalt-deutschrap-aktivismus/komplettansicht , zum Glück jetzt nicht mehr für alle lesbar. Ich reiche das heute noch nach.

    • „…oder Bild.“

      Man muss anerkennen, dass, zumindest bei einigen Themen, die Bild inzwischen fast ein Leuchtturm investigativen Journalismus‘ geworden ist. Das überaus Traurige hinter dieser Aussage ist allerdings, dass die Bildzeitung selbst dabei keineswegs ihr schon immer eher beklagenswertes Niveau gesteigert hat…

      Das ist halt irgendwie so, als würde ein Einbeiniger einen Hundertmeterlauf machen gegen Konkurrenten die bar jeglicher Extremitäten hilflos vor der der Startlinie liegen.

    • Ja, wobei ich bemerkenswert finde, wieviel Kritik im Kommentarbereich des Artikels zu finden ist. Selbst bei der TAZ scheint die Meinungshoheit nicht mehr fest in (radikal-)feministischer Hand zu sein.

  8. Hier das zeit.de Hassstück

    https://www.zeit.de/campus/2021-08/metoo-konsequenzen-fuer-luke-sexualisierte-gewalt-deutschrap-aktivismus/komplettansicht

    Das neue MeToo
    Metoo
    Von Katharina Meyer zu Eppendorf

    Vier Jahre nach MeToo hat sich für viele Frauen nichts geändert. Wie #KonsequenzenFuerLuke und #DeutschrapMeToo soziale Medien nutzen, um Frauen eine Stimme zu geben.

    Jorinde Wiese wollte nicht, dass ein einflussreicher Mann einfach so davonkommen würde. Also nahm die Aktivistin ein Video auf und fragte: „Was sagt Luke denn zu sexualisierter Gewalt?“ Dann teilte sie das Video auf Instagram. Das war Ende März dieses Jahres.

    Mehr musste sie nicht tun, weil die meisten ihrer Followerinnen und Follower ahnen konnten, worum es ging: Die Journalistin Ines Anioli hatte in einer eigentlich alten, durch einen Tweet aber wieder aufgetauchten Podcastfolge von ihrem Ex-Freund erzählt. Er habe sie einmal aufs Bett gedrückt, ihr die Hose heruntergezogen und dann an ihr rumgespielt. Obwohl sie vorher mehrmals gesagt habe, dass sie das nicht wollte. Als er von ihr abgelassen habe, soll er gesagt haben: „Ich wollte dich jetzt einfach vergewaltigen, aber ich hab es dann doch nicht gemacht.“ Den Namen des Ex-Freundes nannte sie nicht. Die Follower wiederum wussten: Anioli war mal mit Luke Mockridge zusammen.

    Eine Woche später teilte Jorinde das nächste Video, diesmal mit dem Hashtag KonsequenzenFuerLuke. Dazu formulierte die 26-Jährige einen Aufruf, sich mit Ines Anioli zu solidarisieren. Dann ging es schnell. Mitte April trendete das Hashtag auf Twitter. Und die Vorwürfe wurden deutschlandweit diskutiert.

    Die einen, darunter vor allem Jorindes Follower, forderten Konsequenzen für Luke. Die anderen, darunter viele Fans von Luke, auf Instagram knapp eine Million, warfen Jorinde vor, dass sie die Unschuldsvermutung missachten würde. Da würde einem Mann eine schreckliche Tat unterstellt, ohne das ein Gericht ein Urteil gesprochen habe.

    Im Juni, drei Monate nach Jorindes Video, konnte man in den sozialen Netzwerken dann wieder ähnliche Sätze lesen, diesmal in einem anderen Zusammenhang: Als eine Influencerin in ihrer Instastory einen Deutschrapper mit 1,7 Millionen Instagram-Followern beschuldigte, sie vergewaltigt zu haben.
    Ein weiterer Einzelfall, hätte man meinen können. Bis zwei Frauen das zum Anlass nahmen, den Instagram-Kanal @deutschrapmetoo zu gründen und andere Frauen dazu aufzurufen, ihre Erlebnisse aus der Deutschrap-Szene zu teilen. In wenigen Tagen melden sich bei ihnen Hunderte.

    Und so bildete sich in Deutschland, vier Jahre, nachdem das Hashtag MeToo in den USA viral gegangen war, und drei Jahre, nachdem mehrere Schauspielerinnen einem deutschen Regisseur sexualisierte Gewalt vorgeworfen hatten, eine neue Bewegung.

    Jorinde Wiese und die Frauen hinter @deutschrapmetoo verbindet viel: Sie nutzen die sozialen Medien, um Betroffenen von sexualisierter Gewalt eine Stimme zu geben. Und sie wollen eine gesellschaftliche Debatte anstoßen, was Konsens, also einvernehmlicher Sex, ist und was nicht.

    Wer verstehen will, warum Jorinde zur Aktivistin wurde, die sich für eine Frau einsetzt, die sie nur aus einem Podcast kannte, der muss mit ihr über einen Abend im Herbst 2018 sprechen.

    Auf dem Kleinkunstpreis in Freiburg hatte sie, damals 24 Jahre alt und Studentin der Sinologie, einen Text über die Klitoris vorgetragen. Sie gewann damit den zweiten Preis, den ersten bekam der Kabarettist Florian Wagner, der ein Lied über eine versuchte Vergewaltigung gesungen habe. Das zu hören, habe ihr weh getan. Es habe sie an eine der schlimmsten Erfahrungen ihres Lebens erinnert. In einem ihrer Texte, Waldspaziergang heißt er, hat sie sie verarbeitet:

    „Ich bin 19, du weit über 20 und ich verliere gerade den Glauben an Romantik, ich fühle mich, dass ich funktionieren müsse. Rein raus, rein raus, wann ist es endlich fertig?“

    „Fremde Männer, die ihre Opfer nachts in den Park zerren. Das war das Bild, das ich von Vergewaltigern hatte. Bis ich verstand, dass auch Männer, denen ich vertraue, meinen Konsens brechen können, dauerte es“, sagt Jorinde.

    Als im Jahr darauf der Kleinkünstler Alex Döring eingeladen wurde, der ein Lied (Freundin in der Tiefkühltruhe) über den Mord an einer Frau getextet hatte, startete sie die Petition #KeineBühnefürGewalt. Mehr als 30.000 Menschen unterzeichneten sie. Danach drehte sie für den Uni-Sender ein Video, in dem Frauen von ihren Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt erzählten, sprach sie im Fernsehen über ihren Waldspaziergang und trat der Initiative MetooGermany bei, die die Erlebnisse von Betroffenen sexualisierter Gewalt aufschreibt, sammelt und veröffentlicht. Und dann passierte auch schon die Sache mit dem Hashtag.

    Als der trendete, stand Jorinde auf einmal im Zentrum der Vorwürfe gegen Luke Mockridge. Journalisten schrieben ihr und fragten, ob sie Informationen mit ihnen teilen könne. Und Followerinnen wollten wissen, ob das alles überhaupt im Interesse von Ines sei? Ines Anioli äußerte sich nicht. Auch eine Anfrage von ZEIT Campus ließ sie unbeantwortet. Jorinde sagt heute: „Ich würde nie etwas tun, das gegen den Willen von Betroffenen ist.“

    Was Ines Anioli allerdings getan hatte: Sie hatte ihren Ex-Freund bei der Staatsanwaltschaft in Köln angezeigt. Die aber stellte das Verfahren „mangels hinreichenden Tatverdachts“ ein, wie sein Anwalt mitteilte. Und auch die Generalstaatsanwaltschaft wies die dagegen eingelegte Beschwerde zurück. Der Fall wurde also nie vor Gericht verhandelt.

    Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall damit erledigt. Luke Mockridge schwieg lange. Am vergangenen Sonntag teilte er dann ein Instagram-Video: „Mir werden Sachen vorgeworfen, die ich einfach nicht gemacht hab, die nicht stimmen.“ Er erreichte damit mehr als eine Millionen Menschen, darunter auch Ines Anioli. Die schrieb danach in ihrer Story: „Ich bin ungläubig und fassungslos, aber was ich bestimmt nicht mehr bin, ist still.“ Ähnlich wie vor Gericht steht es damit nun auch auf Instagram Aussage gegen Aussage.

    In der Kriminologie ist sexualisierte Gewalt ein viel beforschtes Feld. So fand der Kriminologie Christian Pfeiffer heraus: Von 100 Frauen, die vergewaltigt wurden, erlebte nur eine die Verurteilung ihres Täters. Das liege daran, dass 85 Prozent keine Anzeige erstatten, weshalb es folglich zu keiner Verurteilung käme. Von den übrigen 15 Prozent würden letztlich nur 7,5 Prozent der Täter verurteilt. Dabei würde die große Mehrheit der Frauen, rund 80 Prozent, wahre Angaben machen.

    Ein Grund dafür, dass viele Fälle nie vor Gericht landen, liegt auch am sogenannten victim blaming: daran, dass Frauen oft selbst die Schuld an sexualisierter Gewalt gegeben wird. Ihr Rock sei zu kurz gewesen, sie hätten nachts nicht allein durch den Park gehen sollen, sie hätten es doch auch gewollt. Erst Anfang August hat ein Gericht in Basel das Strafmaß eines verurteilten Vergewaltigers von über vier auf drei Jahre reduziert, weil das Opfer „Signale ausgesandt habe“, wie es in der Urteilsverkündung hieß.

    Sexualisierte Gewalt tritt verhältnismäßig oft auf, wenn es ein Machtgefälle gibt. Zwischen Männern und Frauen. Zwischen Angestellten und Vorgesetzten. Zwischen Fans und Promis.
    Eine Influencerin veröffentlichte im Juni eine Instastory, in der sie einen Deutschrapper beschuldigte, sie in seinem Tonstudio aufs Bett geworfen und gewürgt zu haben. Obwohl sie, so die Influencerin „über 20-mal Nein gesagt hatte“. Der Deutschrapper bestreitet das bis heute.

    Dass das Hashtag DeutschrapMeToo nach dieser Story trendete, liegt wiederum auch an zwei Frauen, die diesen Moment für ihren Aktivismus nutzten. Die Frauen, deren echte Namen der Redaktion bekannt sind, sollen in diesem Text zu ihrem Schutz Romina und Mira heißen. Romina sagt: „Was wir machen, ist nicht ungefährlich. Wir haben eine ganze Liste mit Namen auf unserem Laptop und diese Typen haben echt krasse Connections.“
    Romina und Mira sind beide Mitte zwanzig, leben in einer großen deutschen Stadt und kennen sich schon seit der Grundschule. Nach der Instastory der Influencerin sagte Mira zu ihrer Freundin: „Ich glaube, jetzt ist der beste Zeitpunkt, um das zu droppen, worüber wir schon die ganze Zeit reden.“

    Die beiden hatten sich schon vorher viel mit sexualisierter Gewalt auseinandergesetzt. In Gesprächen hatten sie immer wieder auch über ihre eigenen Erlebnisse – übergriffige Typen auf Partys, Rapper im Backstage – gesprochen. In wissenschaftlichen Texten hatten sie dann gelernt, dass oft Sexismus dahinterstecke. Und Machtstrukturen.

    Romina sagt: „Diese ganzen Emotionen richten sich ja immer nach innen, gegen sich selbst. Man stellt sich selbst infrage. Was man aber nicht infrage stellt: Was hat dieser Mensch mir angetan? Warum passiert das immer wieder mir?“ Sie überlegten also, was sie machen konnten. Im Februar riefen sie auf ihrem Twitter-Account Betroffene von sexualisierter Gewalt dazu auf, sich bei ihnen zu melden. Damals schrieben ihnen sofort rund zwanzig Frauen. Als sie @deutschrapmetoo dann im Juni auf Instagram starteten, waren es in einer Woche rund 200. In privaten Nachrichten berichteten ihnen die Frauen von ihren Erfahrungen mit Männern aus der Deutschrapszene.

 Eine davon geht so:
    „Ich habe ihn bei einer Autogrammstunde kennengelernt. Er hat mich ins Hotel mitgenommen und als wir auf dem Zimmer waren, hat er mich gepackt und auf das Bett geworfen. Ich habe ihm gesagt, dass ich das nicht möchte, weil ich Jungfrau bin. Er meinte, es wäre nicht schlimm, und dass er ‚der Erste und der Letzte sein wird‘. Er hat meine Klamotten ausgezogen und mich aufs Bett gepackt. Er ist deutlich größer als ich. Als er auf mir lag und versuchte einzudringen habe ich mehrere Male gesagt, dass es mir weh tut und er aufhören soll. Er hat nicht aufgehört. Ich habe angefangen zu weinen und ihn angefleht aufzuhören, aber er hat permanent meine Hände weggedrückt und mich angeschrien. Ich habe dann die ganze Zeit geweint, bis es irgendwann vorbei war. Auf dem Bett war ein großer Blutfleck und er meinte nur ‚Geh dich waschen, das ist ja ekelhaft‘. Als ich aus der Dusche kam, meinte er dann ‚Sorry hab jetzt was zu tun, wäre besser, wenn du jetzt gehst‘. Das ist meine Geschichte.“

    Romina und Mira veröffentlichen so einen Text nicht einfach so. Sie fangen die Frauen, die sich bei ihnen melden, erst einmal auf, wie sie sagen, und leiten sie, falls sie das möchten, an Psychologinnen und Rechtsanwältinnen weiter. Um diese bezahlen zu können, sammeln sie Spenden. Erst danach bitten sie um das Einverständnis der Frauen, die Geschichte zu veröffentlichen, und verändern Namen, Wohnorte oder Details. Nur am Tathergang verändern sie nichts. Vor der Veröffentlichung schicken sie den fertigen Text noch mal der Einsenderin, erst dann teilen sie ihn auf Instagram. Die Kommentarfunktion stellen sie aus. Romina sagt: „Die Öffentlichkeit fängt Betroffene fast nie sensibel auf. Sie diffamiert, bedroht, beleidigt sie, weil sie ihnen unterstellt, das zum Beispiel nur für Reichweite zu machen.“

    Das berichtete auch die Influencerin, die den Deutschrapper beschuldigte, sie vergewaltigt zu haben, in einem Spiegel-Interview: „Wenn ich durch die Straßen laufe, rufen mir aber auch fremde Leute nach: ‚Wie war’s, als man dich vergewaltigt hat? War geil?'“ Zwei Tage nach dem Interview veröffentlichte der Anwalt des Deutschrappers auf Twitter in weißer Schrift auf gelbem Hintergrund: „Das Landgericht Köln hat ihr in einer einstweiligen Verfügung verboten“, den Deutschrapper, „der Vergewaltigung zu bezichtigen.“ Viele Fans deuteten das als Sieg für die Unschuldsvermutung. Dabei war es das Ergebnis eines Zivilprozesses, in dem der Deutschrapper erwirken konnte, dass sich die Influencerin heute so nicht mehr äußern dürfe.

    Das Recht besagt, dass wer etwas „Ehrenrühriges“ über jemand anderen sagt, beweisen muss, dass das der Wahrheit entspricht. Wer beschuldigt, trägt die Beweislast, das Prinzip nennt sich Beweislastverteilung. Die Influencerin müsste also mehr vorweisen als ihre eidesstattliche Versicherung und das konnte sie anscheinend nicht. So stand auch hier Aussage gegen Aussage.

    Gerecht sei das nicht, finden die Aktivistinnen Jorinde, Romina und Mira. Aber was ist, wenn der beschuldigte Mann doch unschuldig ist? Die drei Frauen sehen das so: Ja, die Unschuldsvermutung gilt, ohne sie funktioniert kein demokratischer Rechtsstaat. Sie wollen aber, dass sie auch für die betroffenen Frauen gilt.

    Romina sagt: „Man darf Frauen das, was sie erlebt haben, nicht von vornherein absprechen, weil es keine Anzeige oder kein Urteil gibt.“ Und Mira sagt: „Viele schreiben auch, dass ihnen abgeraten wurde, eine Anzeige zu erstatten. Frauen, die beim Arzt oder bei der Polizei waren, wurde gesagt: Benutze deine Ressourcen, um dich davon zu erholen.“

    In den sozialen Medien können Jorinde, Mira und Romina über sexualisierte Gewalt sprechen. Dabei drücken sie sich vorsichtig aus. Zu schreiben: „X hat Y vergewaltigt“ oder „X ist ein Vergewaltiger“ geht nicht, das wären Tatsachenbehauptungen, oder „X ist ein Arschloch“ geht auch nicht, das wäre eine Beleidigung. Zu fragen: „Was sagt X zu den Vorwürfen sexualisierter Gewalt?“, ähnlich wie es Jorinde getan hat, das hingegen geht schon. Weil so könnte es ja auch um einen ganz anderen Fall gehen.

    Auch Jorinde sagt: „Von Kritikern heißt es immer: Es gibt zwei Seiten. Und ja, das stimmt. Du kannst entweder den Betroffenen glauben oder du kannst Täter schützen, das sind die zwei Seiten. Außer du bist Richterin und musst vorurteilsfrei richten. Ich aber bin keine Richterin und die Gesellschaft ist kein Gerichtssaal.“

    Fünf Monate nachdem Jorinde das erste Video teilte, retweetete sie sich selbst und schrieb: „Wenn du ganz bewusst so schreibst, dass kein Scherzkeks der Welt das abmahnen kann … Schlaukeks! Es ist jetzt bald August. Kommt noch was? #KonsequenzenFuerLuke“.

    Bei #DeutschrapMeToo kam noch was: Der Rapper MC Bogy teilte am 1. August auf Instagram ein Foto mit der Caption: „Make HipHop great again!!!! Zur Hölle mit @deutschrapmetoo und jeder anderen dreckigen Agenda“.

    Danach schrieben Romina und Mira in einem Statement auf Instagram: „Dagegen zu sein bringt mit sich, Frauen bzw. FLINTA-Personen* (Das Akronym „FLINTA“ steht für „Frauen, Lesben, inter-, nicht-binäre, trans- und agender“-Personen, Anmerkung der Redaktion) weiterhin unterdrückt und sexualisierter Gewalt ausgesetzt zu sehen. Wir erwarten volle Solidarität mit uns und allen Betroffenen von sexualisierter Gewalt.“

    Die Solidarität bekamen sie, tausendfach. Von Politikerinnen wie Julia Schramm, von Journalisten wie Marcus Staiger und Hubertus Koch, von jungen Rappern wie Sookee, 3Plusss und LGoony. Und auch Ines Anioli erfährt gerade viel Solidarität. Von Stefanie Giesinger, Thomas Spitzer, Sophie Passmann. Von ihren Fans und deren Fans. Sie alle sind das neue MeToo.

    Das neue Metoo. Das hätte die Zeit gerne, dass es eine neue Welle Männerhass über Deutschland gäbe. Ich will diesen klebrigen Artikel gar nicht weiter kommentieren, weil ich einfach nur kotzen muss über die Verdrehung der Tatsachen und das feministische Opfertum.

  9. Wahrscheinlich müsste man dann alle Männer einsperren, die mal mit ihrer Freundin/ Frau Sex wollten, diese nicht so wirklich Lust hatte und man es trotzdem noch weiter versucht hat.

    Frei wären dann nur noch Incels. Was ja auch irgendwie ironisch wäre.

    PS: Wer hatte denn schon mal keine Lust, wenn die Freundin wollte und was waren deren Reaktionen?

    • „Frei wären dann nur noch Incels. Was ja auch irgendwie ironisch wäre.“

      Das ist bei aller Ironie das tragische an der Entwicklung: als Mann frei sein, heißt ohne toxische Weiblichkeit leben zu müssen.

      Wir haben es mit dem Feminismus, in allen seinen Schattierungen, nicht weit gebracht. Vieles, was sich heute mit Feminismus in Verbindung bringen lässt, mutet eher mittelalterlich an, von der „Freiheit“ Kopftuch zu tragen bis zur Hexerjagd a la #metoo.

  10. Die Ermittlungen bzw. Verfahren werden oft wegen mangelnder Beweislage eingestellt.

    Die Ermittlungen gegen Falschbeschuldigerinnen? Die werden gar nicht erst aufgenommen.

    • Das ist auch eine der Formulierungen im Artikel, die ein besorgniserregendes Schlaglicht auf das Mindset der Autorin werfen. Eine Justiz, die verurteilt trotz mangelnder Beweise und fragwürdiger Indizienlage, hat die Transformation zu einer Willkürjustiz ganz nach dem Gusto blutlüsterner Lynchmobs abgeschlossen. Die ohnehin wohl schon recht hohe Falschbeschuldigungsquote im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung würde gewiss binnen weniger Jahre die 90 %-Marke locker knacken. Aber dass dann eben auch am Ende mehr als 90 % der aufgrund solcher Anklagen inhaftierten Männer unschuldig hinter Gittern sitzen, ist Feministinnen natürlich absolut egal oder wird von ihnen gar noch als Feature wahrgenommen.

      Bezeichnete nicht schon vor vielen Jahren Alice Schwarzer die Bestrafung unschuldiger Männer, so voller weiblicher Empathie, als „dann immerhin lehrreiche Erfahrung“? Lehrreich für was? Dass eine feministische Gesellschaft auf die Leben von Männer scheißt? Das weiß jeder mit ein Bisschen Verstand auch so. Da braucht es nicht erst derlei Erfahrungen.

      Feministinnen sperren lieber 100 unschuldige Männer ein, als Gefahr zu laufen, dass ein rechtsstaatlich sauber laufender Prozess zu auch nur einem Freispruch eines eigentlich schuldigen Mannes führt. Dieses Denken ist durch und durch faschistoid. Und nie vergessen: die Ideologie, die derlei Standpunkte ganz unverblümt vertritt, ist genau die Ideologie, vor der Heerscharen unserer Politiker und Medienschaffenden mit dem Gesicht im Staub liegend um Erleuchtung beten. Wie irre kann es noch zugehen?

        • Ich hatte im Frühjahr einen ziemlich heftigen Herzinfarkt, an dem die völlig überzogenen finanziellen Forderungen meiner Exfrau (trotz vorheriger Einigung, sie hat ihre Forderungen dann einfach mal verzehnfacht) nicht ganz schuldlos sind. Erstaunt haben mich aber die Reaktionen und die Unterschiede bei männlichen und weiblichen Freunden. Der erste Schock war bei allen ähnlich groß, danach habe ich von den meisten weiblichen „Freunden“ nicht mehr viel gehört. Eine hat sich nach 30 Jahren komplett verabschiedet. Aber was auffiel, ich bin persönlich mit meinem Lebenswandel daran Schuld. Dabei nie geraucht, eher wenig getrunken, mich durchaus bewegt und auch die Ernährung war nicht vollkommen daneben. Ist egal.
          Bei den Männern kommt auch mal eine Nachfrage wie es geht, einer hat bald geheult letztens. Und freuen sich, dass es mir besser geht.
          Ich erwarte jetzt keine Betreuung und will auch nicht jeden Tag gefragt werden, wie es mir geht, aber die Tendenz ist schon sehr auffällig.
          PS: Meine Ex hat in 4 Monaten nicht einmal gefragt, wie es mir geht. Trotz friedlicher Trennung und reibungsloser Scheidung. Die Geldwünsche kamen erst später.

          • Ich wünsche dir erst einmal eine gute Genesung und alles Gute (auch bei deiner Auseinandersetzung mit der Ex)! 🙂

            Deine Beobachtung deckt sich mit meiner und liegt ganz auf der Welle von: „Wenn Männer Probleme haben, liegt es an ihrem individuellen Verhalten (bzw. an ihrer Männlichkeit), wenn Frauen Probleme haben, dann an den gesellschaftlichen Verhältnissen.“
            Da der feministische Kurzschluss Männer = Gesellschaft ist, kann es einerseits kein Frauenproblem geben, an dem Männer nicht beteiligt sind und kein Männerproblem, an dem Frauen beteiligt sind.

          • Hast du deine Ex mal gefragt ob sie dich für ihren Arbeitssklaven hält oder warum du ihr etwas schuldes sollst?

            Ich kriege es nicht auf die Reihe, wie man mit so einem Selbstverständnis leben kann, in dem man glaubt das andere für einen arbeiten müssen, ohne das diese dafür irgendeine Gegenleistung erhalten.

          • @Matze

            Ich finde es auch immer bemerkenswert, dass nach einer Scheidung der eine Partner dem anderen weiter Geld geben soll, aber der andere dem einen nicht weiter den Haushalt führen.

          • @Renton
            „Ich finde es auch immer bemerkenswert, dass nach einer Scheidung der eine Partner dem anderen weiter Geld geben soll, aber der andere dem einen nicht weiter den Haushalt führen.“

            Guter Punkt. Und eine Antwort steht bei den Befürwortern dieser Regelung immer noch aus…

      • „Bezeichnete nicht schon vor vielen Jahren Alice Schwarzer die Bestrafung unschuldiger Männer, so voller weiblicher Empathie, als „dann immerhin lehrreiche Erfahrung“?“

        Meiner Erinnerung nach forderte sie während des Kachelmann- Prozesses ausdrücklich, daß er völlig unabhängig von seiner Schuld (an die sie angeblich glaubte) bestraft werden müsse. Wegen des „Signals“, oder der „Botschaft“, das/die das an die Frauen aussende.
        Ich war platt. Seitdem ist mein Respekt vor ihr weg.

      • @Billy:
        Aber dass dann eben auch am Ende mehr als 90 % der aufgrund solcher Anklagen inhaftierten Männer unschuldig hinter Gittern sitzen, ist Feministinnen natürlich absolut egal oder wird von ihnen gar noch als Feature wahrgenommen.

        In einen meiner kommenden Texte schreibe ich:

        Sollte die Göttin ihn bezichtigen, dann hat er es auf jeden Fall verdient, was schon allein dadurch bewiesen wird, dass sie ihn falschbeschuldigt, denn das heißt, dass er irgendwie den heiligen Zorn der Göttin auf sich gezogen hat, also wird er zu Recht vernichtet

    • ²Die ohnehin wohl schon recht hohe Falschbeschuldigungsquote im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung würde gewiss binnen weniger Jahre die 90 %-Marke locker knacken. “

      Jepp und das sicher auch dann, wenn die Falschbeschuldigungsquote derzeit tatsächlich nur bei 3% läge. Was bedeutet, dass der Verweis der Feministinnen auf letzteres irrelevant ist, egal ob es richtig ist oder falsch.

  11. Person A: „Gib mir Geld“
    B: „Nein“
    A: „Los, gib Geld“
    B: „Nein“

    A greift in die Gesäßtasche und holts Portemonnaie raus, B entwendet es ihr sofort wieder. Der Wasserkocher geht aus. Person A holt den Wasserkocher und steuert damit überraschend auf Person B zu. Dreht sich dann aber wieder weg, stellt den Wasserkocher ab, kommt zurück und sagt: „Ey, ich war gerade kurz davor, Dich zu verbrühen… Jetzt gibs endlich her“

    Person B ist perplex und lässt sich das Portemonnaie aus der Hand nehmen. A nimmt alle Scheine raus und bedankt sich lächelnd.

    Monate später erinnert sich B, dass das einer der Wendepunkte in ihrer Beziehung war.
    War das nicht (wenigstens indirekt) Bedrohung bzw. (versuchte) Nötigung?

    • Die Frage ist belanglos, weil sie genau das macht, was hier von den anderen kritisiert wird: sie geht einfach davon aus, dass die von der Frau behaupteten Geschehnisse auch zu 100 % so, wie sie sie wiedergibt, abgelaufen sind. Damit hängst du dich, als immer noch Mitglied von Team Gina-Lisa nicht überraschend, einfach mal so an den Lynchmob, der Mockridge das Leben zur Hölle macht.

      Nicht frei von Realsatire ist es, dass du ihre Geschichte fraglos kaufst und ihn als Lügner betrachtest und dabei immer sehr schnell „uns hier“ genau die gegenteilige Denke vorwirfst, wir also ihm glauben und sie automatisch als Lügnerin betrachten. Das ist aber aus den hiesigen Diskusssionen nicht zu entnehmen.

      Der Grund dafür ist einfach: hier glaubt keiner irgendwem einfach so irgendwas. Glauben ist was für die Kirche. Keiner von uns weiß, was sich wo und wie oder überhaupt zwischen denen abgespielt hat. Das ist etwas, was du tatsächlich mit „uns hier“ gemeinsam hast, ohne dass du dir dessen bewusst werden möchtest. Wir waren nicht dabei. Wir haben sie, die ihn beschuldigt und ihn, der es abstreitet. „Wir hier“ finden nur, dass es nicht sein kann, dass er nur aufgrund ihrer Aussagen derartige Hetze erfährt. Du hingegen glaubst ihr, nur weil sie mit dir das Geschlecht gemeinsam hat und ihn einer Sache bezichtigt, mit der sie Leute, die, wie du, einer faschistoiden Ideologie anheim gefallen sind, automatisch sofort auf ihrer Seite hat.

      Es war keine Polemik sondern analytisch treffend, dass sich die Online-Opposition zu Team Gina-Lisa Team Rechtsstaat nannte. Wirst auch du irgendwann mal wieder zu der Rationalität finden, die Teams zu wechseln?

      • Ich beziehe mich auf den alten Beitrag, wo Christian ergänzend ausführte:
        „Und sie sagte „ich lag dann einfach so da und dachte ja komm, lass es jetzt über dich ergehen“.“

        Drauf dann seine Bewertung:
        „Klar ist das nicht „Enthusiastischer Consent“ aber dennoch wird für mich aus dem beschriebenen nicht deutlich, warum eine so vergleichsweise banale Szene so fürchterlich gewesen sein soll.“

        Da würd mich natürlich interessieren, ob er meine plumpe Analogie ebenso harmlos findet, bzw. wie eine solche „Schenkungs(gesamt)situation“ s.A.n. (theoretisch) juristisch auszulegen wäre.

        • Die eigentliche Schieflage meiner plumpen Analogie besteht natürlich darin, dass das womit er mutmaßlich drohte (Sex gegen ihren Willen) auch genau die Handlung wäre, die er dadurch erzwungen hätte (evtl. mit weniger Gegenwehr).

          Ich finde es nur so unglaublich, dass das m.E.n. Einzige Konkrete, was an diesem Beispiel überhaupt diskutiert werden könnte (nämlich genau der Satz, so er gefallen ist), bislang nahezu komplett ignoriert wurde.

    • @semikolon

      Der Unterschied ist doch, dass er hier etwas machte, bei dem er keineswegs davon ausgehen musste, dass sie es nicht will. Er hat sie erst gekitzelt, wir kennen ihre Reaktion nicht, aber vieles spricht dafür, dass sie nicht negativ war. dann wurde er sexueller. auch da wird uns keine Gegenwehr geschildert.

      Eher wird geschildert:
      „Und sie sagte „ich lag dann einfach so da und dachte ja komm, lass es jetzt über dich ergehen“.“

      Was ja aus seiner Sicht auch gewesen sein kann: Sie hat nichts dagegen.

      In deiner Version:
      Sie hat ihm sonst auch immer Geld geliehen.
      Er: Nimmt sich ihre Brieftasche und schaut interessier rein.
      Sie: keine Reaktion
      Er: „oh da ist ja ein 20er drin, den könnte ich gut gebrauchen“
      Sie: keine reaktion
      Er: Zieht an dem 20er und nimmt ihn aus der Brieftasche
      Sie: keine reaktion
      Er: Nimmt seine Brieftasche raus
      Sie: keine reaktion
      Er: bewegt den 20er in Richtung seiner Brieftasche und schaut sie direkt an, auf zustimmung wartend
      Sie: kein positives Signal
      Er: steckt den 20er in ihre Breiftasche zurück und versucht die Anspannung etwas abzubauen „Oh, da hätte ich dich ja beinahe beklaut ha ha“
      Sie: Drei Monate später: Strafanzeige (nachdem man dazwischen noch im Disneyland war)

      Hier hätte er auch keinen Vorsatz gehabt, sie zu bestehlen. Es wäre auch nicht strafbar

      Und selbst da wäre das Bild natürlich noch schief. Denn Versöhungssex ist ja nun nichts ungewöhnliches. Und auch das eine Frau ihn dabei im ungewissen lässt, damit er noch einmal vor Augen geführt bekommt, dass sie sauer ist/war kommt durchaus vor. und es wird auch eher gewollt und eher als für beide positiv gesehen als die wegnahme von Geld

      • Du gehst aber schon davon aus, dass sie (in ihrer Version freilich; seine gibts ja nicht) Sex hatten, nachdem er sagte, er hätte sie jetzt fast vergewaltigt?

        • Ich hab jetzt mal ein paar wenige Beiträge durchsucht, das Bild scheint einhellig so zu sein, wie auch GOI es darstellte: dass er die mutmaßlich versuchte Vergewaltigung aus eigenem Antrieb abbrach. Nein, dann liegt natürlich kein strafbares Verhalten vor und ich saß einem Irrtum auf.

          • Korrigiere: Man könnte höchstens das vorangegangene „Rumspielen“ als sexuelle Belästigung/Nötigung auslegen…

          • (und über Vorsatz bräuchte man gar nicht streiten; wenn man den Satz als wahrhaftig gefallen annimmt, wäre er ja ein Eingeständnis darüber, dass ihm ihre sexuellen Handlungen entgegenstehende innere Willensrichtung durchaus bewusst war)

          • „wäre er ja ein Eingeständnis darüber, dass ihm ihre sexuellen Handlungen entgegenstehende innere Willensrichtung durchaus bewusst war“

            Nein, siehe mein Beispiel mit dem Geldschein. Er kann es so gemeint haben, dass er sie bisher falsch eingeschätzt hat und nunmehr feststellt, dass sie nicht will und es ab dieser erkenntnis natürlich lässt.

          • „Er kann es so gemeint haben, dass er sie bisher falsch eingeschätzt hat und nunmehr feststellt, dass sie nicht will und es ab dieser erkenntnis natürlich lässt.“

            Dann wäre die Aussage im Grunde eine Art Vorwurf, dass sie ihre Ablehnung früher deutlicher hätte machen müssen?

          • Ich hab derweil noch die passenden Sekunden ihrer podcast-Aussage angehört und ehrlich gesagt dezente Schnappatmung gekriegt, wo sie meinte: „er hat dann zum Glück aufgehört – wenn man da noch von Glück reden kann“, oder jedenfalls so ähnlich.

            Also… das bei mir vorherrschende Gefühl in Bedrängnis-Situationen, wenn der jeweilige er von mir abließ, war aber SOWAS von unzweifelhaft Erleichterung… und der einzige Gedanke: „Gott sei Dank, Glück gehabt“ (und das waren keine Männer, mit denen ich eine Beziehung führte, sprich die ich näher kannte&mochte)

            Es mag überraschen jetzte, aber falls da echt nicht mehr hintersteckt, bin ich doch sehr viel eher #TeamLuke als Alles andere

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