Mansplaining und unterschiedliche Kommunikationsstile

Diesen Tweet zu Mansplaining und Geschlechterunterschieden fand ich interessant: (Übersetzt)

Bei dem erwähnten Buch geht es im Deborah Tannen: Du kannst mich einfach nicht verstehen

Eines der interessantesten Dinge, die ich bisher aus diesem Buch gelernt habe, ist das Thema Mansplaining – und wie das, was Frauen als Misogynie wahrnehmen, in Wirklichkeit der Mann ist, der sich als Egalitarier verhält.

Ich versuche es zusammenzufassen.

Auf einer hohen Ebene: Das Feminine vertraut den Expertinnen und Experten, während das Maskuline sie überprüft.

Das bedeutet, dass Frauen untereinander, wenn es darum geht, wer eine Entscheidung treffen oder über ein Thema sprechen darf, versuchen herauszufinden, wer am meisten darüber weiß – und dann hören sie leise zu und folgen ihrem Rat.

Unter Männern hingegen wird jemand, der sich als Experte präsentiert, als jemand wahrgenommen, der nach Macht greift. Also fordern die anderen Männer ihn heraus, um sicherzugehen, dass er tatsächlich Experte ist und ihre Unterordnung zu diesem Thema verdient.

Was dann passiert, ist Folgendes: Frauen erwarten, dass andere sie nicht infrage stellen, wenn sie sich selbst als Expertin betrachten. Wenn sie zum Beispiel die Projektmanagerin ist, sollten alle, die nicht Projektmanager*innen sind, sich ihrem Urteil fügen.

Doch im Umgang mit einem Mann kommt es dazu, dass er sie herausfordert – und je mehr sie versucht zu sagen: „Ähm, Schatz, ich bin hier die Expertin“, desto stärker verspürt er den Drang, sie herauszufordern.

Was er will und erwartet, ist, dass sie – wenn sie wirklich die Expertin ist – ihm zeigen kann, warum er falschliegt und seine Idee unsinnig ist, und beweist, dass sie den Titel der Fachexpertin verdient, damit er ihr Urteil respektieren und ihr vertrauen kann.

Für sie wirkt das jedoch beleidigend und unhöflich. Und außerdem sieht sie nicht, dass er das auch mit den Männern macht – also muss er sie ja wohl anzweifeln oder herumdozieren, obwohl er weniger weiß, weil sie eine Frau ist. Tatsächlich ist es jedoch so, dass er das mit den Männern ebenfalls gemacht hat; sie haben ihm nur bewiesen, dass sie den Titel verdienen, also hat er aufgehört. Es gibt diese Einführungsphase des „Shit-Testing“, die die anderen bestanden haben.

Aber weil sie zuvor noch nie herausgefordert wurde – die Mädels sagen immer nur „Oh, du bist so klug, Frau Expertin“ – hat sie keine Übung darin, zurückzuschlagen. Und selbst wenn sie wirklich mehr weiß, vergeigt sie den „Shit-Test“ und verliert seinen Respekt, was ihn künftig eher dazu bringt, sie noch öfter herauszufordern.

Der ironischste Punkt ist, dass das, was sie als Misogynie wahrnimmt, in Wirklichkeit sein radikaler Egalitarismus ist. Die meisten Männer wurden erzogen, Frauen mit Samthandschuhen anzufassen und solche Tests nicht so hart durchzuführen wie bei Männern. Aber da diese Praktiken immer weiter verschwinden, sehen immer mehr Männer Geschlecht nicht mehr – und behandeln Frauen wie Männer. Und dafür werden sie dann als sexistisch bezeichnet.

Dabei ist ja erst einmal anzumerken, dass vieles, was heute als Mansplaining bezeichnet wird, gar nicht mehr der alten Definition entspricht. Die sah vor, dass ein Mann der kein Experte auf einem Gebiet ist, einer Frau die eine Expertin auf dem Gebiet ist meint etwas aus dem Gebiet erklären zu können und meint, dass seine falsche Meinung richtig ist, weil er ein Mann ist und sie eine Frau.

Heute ist es bereits Mansplaining, wenn ein Mann einer Frau widerspricht, unabhängig davon wer recht hat oder wer mehr Erfahrung auf dem Gebiet hat.

Der Ansatz, dass Männer eher herausfordern oder eher eine eigene Meinung präsentieren als Frauen und eher auch kritisch nachhaken dürfte zu dem Eindruck des Mansplaining beitragen. Schon weil Frauen weniger konfrontativ in solchen Situationen sind und auch über solche Sachfragen seltener diskutieren wollen.

Ob es immer ein Test der Autorität ist ist aus meiner Sicht schwer zu sagen. Es ist ja auch durchaus eine gute Form es besser zu verstehen, wenn man nachfragt und die Position mit eigenen Wissen abgleicht. Aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es häufig eine gewisse Form des Tests ist. Oder jedenfalls der Versuch eines fairen Kampfes, bei dem keiner was verlieren muss.

Dazu hatte ich in einem anderen Artikel auch mal das zitiert:

Männer lernen, den Unterschied zwischen einem Konkurrenten und einem Feind zu verstehen.

Das gehört zu Sport, Spielen, Business, Handel, Rivalität um Partner.

Ein Konkurrent ist ein Spieler in einem Nicht-Nullsummenspiel. Er ist eigentlich gut für das Umfeld. Es ähnelt Spiel.

Ein Feind ist eine ernste Angelegenheit. Man ist bereit, Teile von sich selbst (und anderen) zu opfern, um ihn zu besiegen. Es wird zum Nullsummenspiel.

Frauen trennen diese Kategorien oft nicht. Die Unterscheidung bricht zusammen. Konkurrenz wird persönlich. Feind und Konkurrent werden zum selben

Ein Mann, der einen anderen über „Mansplaining“ herausfordert ist eben kein Feind. Um so weniger, wenn der andere ein Experte ist und es ihm erklären kann.

Die Frau mag es wiederum eher als Angriff auf ihren Status sehen.

Beim Schreiben des Artikels sehe ich gerade, dass ich Frau Tannen dazu schon mal zitiert habe:

But another (complementary) explanation is at hand. “Mansplaining”, before it was so named, was identified by Deborah Tannen in her 1990 book “You Just Don’t Understand”. Ms Tannen, a linguist at Georgetown University, described a dinner at which the female scholar to her left shared her research agenda, and the two happily discussed their work and their overlap. But when Ms Tannen turned to a male colleague and briefly mentioned her research he, not a linguist, began going on and on about his own work that touched on neurolinguistics. Leaving the conversation she realised that she had just played the embarrassing subordinate role in the scenarios where she was the expert.

But Ms Tannen says “the reason is not—as it seems to many women—that men are bums who seek to deny women authority.” Instead, she says, “the inequality of the treatment results not simply from the men’s behavior alone but from the differences in men’s and women’s styles.” (In everything that follows, “men do X” and “women do Y” should be read as on average, men tend somewhat more towards X and women towards Y, with great variation within both sexes.) In Ms Tannen’s schema, men talk to determine and achieve status. Women talk to determine and achieve connection. To use metaphors, for men life is a ladder and the better spots are up high. For women, life is a network, and the better spots have greater connections.

What evidence shows that male and female styles differ? Among the most compelling is a crucial piece left out of the “simple sexism” explanation: men mansplain to each other. Elizabeth Aries, another researcher, analysed 45 hours of conversation and found that men dominated mixed groups—but she also found competition and dominance in male-only groups. Men begin discussing fact-based topics, sizing each other up. Before long, a hierarchy is established: either those who have the most to contribute, or those who are simply better at dominating the conversation, are taking most of the turns. The men who dominate one group go on to dominate others, while women show more flexibility in their dominance patterns. The upshot is that a shy, retiring man can find himself endlessly on the receiving end of the same kinds of lectures that Ms Tannen, Ms Chemaly and Ms Solnit describe.

When men and women get together, the problem gets more systematic. Women may be competitive too, but some researchers (like Joyce Benenson) argue that women’s strategies favour disguising their tactics. And if Ms Tannen’s differing goals play even a partial role in the outcome, we would expect exactly the outcome we see. A man lays down a marker by mentioning something he knows, an opening bid in establishing his status. A woman acknowledges the man’s point, hoping that she will in turn be expected to share and a connection will be made. The man takes this as if it were offered by someone who thinks like him: a sign of submission to his higher status. And so on goes the mansplaining. This is not every man, every woman, every conversation, but it clearly happens a lot.

Das mag verkürzt sein, aber die Darstellung in dem Tweet fand ich da besser. Sie mag aber auf einem längeren Text von Tannen aufbauen.