Im Rahmen des Israel vs Palästina-Konflikts hat man verschiedene linke Gruppen gesehen, die Position für Palästina bezogen hatten. Ich hatte schon „Vermehrungsgerechtigkeit bedeutet freies Palästina“ besprochen, aber gerade das eher, weil es eine Aussage war die für mich absolut keinen Sinn machte.
„Queers for Palestine“ ist erst einmal verständlich, bestimmte Queers sind eben für Palästina. Es macht nur insofern keinen Sinn, weil die dortige Hamas radikale Islamisten sind und diese die dortige Bevölkerung vollkommen dementsprechend indoktriniert haben und daher wie bei radikalen Islamisten nicht anders zu erwarten, nichts übrig haben für „Queers“ sondern sie üblicherweise töten würden.
Aus einem Beitrag:
According to Pew Research, 93% of the Palestinian population is completely opposed to homosexuality, a percentage among the highest in the world. Palestine has also been named by Forbes as one of the worst countries in the world for LGBTQ+ travelers.
In recent years, Palestinian authors have been targeted for writing about LGBTQ+ issues, LGBTQ+ NGOs like alQaws have been banned for not being aligned with “traditional Palestinian values” (though this was reversed after international outcry), and individuals continue to be harassed and assaulted for their identity.
According to Palestinian law, being gay is punishable by up to 10 years in prison and in Gaza, it’s punishable by death. In 2016, Hamas executed a senior commander by firing squad in Gaza for homosexual activity. LGBTQ+ Palestinians have no legal protections against discrimination, are forbidden from adopting and gay marriage is not recognized in any capacity.
Das Bild hier fasst das Unverständnis für die Unterstützung gut mit einem Meme zusammen:

Auf Twitter las ich eine Verteidigung eines „Queers“ dazu, die eigentlich ziemlich simple ist. Seine Begründung ist im Endeffekt gewesen:
Wir sind für Palästina, weil es eben die aus unserer Sicht gerechte Sache ist. Sie sind die Unterdrückten und die Israelis die Unterdrückten. Das sie gegen meine Gruppe sind macht einen Genozid nicht gerecht.
Wir sind für sie, weil sie in diesem Konflikt ungerecht behandelt werden.
Und das macht ja durchaus Sinn und lässt sich moraltheoretisch einordnen. Man könnte sagen:
„Wenn selbst die Leute für sie sind, die die Palästinenser eigentlich umbringen würden, dann muss ihnen wirklich unrecht passieren“
Es wäre also eine Aussage vergleichbar mit (auf einer natürlich ganz anderen Ebene):
Irgendjemand bringt Bayernspieler um und jemand hält ein Plakat hoch „BVB-Fans für Bayern München“ in dem Sinne, dass sie ihnen bei dieser Ungerechtigkeit beistehen.
Es wäre also in gewisser Weise ein Verständnis abstrakter Gerechtigkeit, die losgelöst ist von einem Selbst.
(Wobei ich die Sache genau andersherum sehen würde: Israel hat je jede Gelegenheit gegeben für ein friedliches Zusammenleben, diverse Zwei Staaten Lösungen sind an der palästinensischen Seite gescheitert und die Hamas hat gerade erklärt, dass das Endziel die Tötung aller Juden ist und sie niemals aufhören würden und jede Gelegenheit zur Wiederholung des Massakers nutzen würden, aber das betrifft dann eine andere Komponente der Gleichung)
Ich halte die Erklärung dennoch eher für vorgeschoben und vermute, dass hier einfach den linken Theorien gefolgt wird, in denen man eben gegenwärtig auf der Seite des Islams stehen muss und alles ausblenden muss, was dieser negatives mit sich bringt.
Ich schrieb an anderer Stelle dazu:
Wenn der weiße, heterosexuelle, christliche Mann nicht mehr der oberste Schurke ist, dann stimmt einfach die dortige Hierarchie nicht mehr und man müsste, wie es der Text auch erwähnt, den weißen Mann „aufwerten“ und gleichzeitigt PoCs angreifen. Während man bestimmte Umstände in anderen Ländern noch auf die Kolonialzeit zurückführen kann und so wieder dem „weißen Mann“ zuordnen kann, wird dies beim Islam, der nie wirklich einen weißen Hintergrund hatte, schwierig.
Damit wäre Kritik am Islam nahe am Rassismus, da er das Dogma der Schuld des weißen Mannes in Frage stellt. Es wäre auch problematisch, weil der Islam nicht in die klassischen Schemata einzuordnen ist, die eben vorgeben, dass die, die gesellschaftlich die meiste Macht haben, die sein müssen, die die Regeln vorgeben und die anderen unterdrücken.
Die verschiedenen Ebenen des intersektionalen Feminsmus erfordern hier also, dass man zu solchen Thema am besten schweigt. Allenfalls darf man darauf hinweisen, dass Frauen aus diesen Kulturkreisen damit nicht einverstanden sind und man sie darin unterstützt (aber ihnen gleichzeitig nicht die westlichen Regeln aufdrückt oder sich ihre Symbole aneignet und sie natürlich machen können, was sie wollen).
Vermutlich hat hierzu zudem auch die Entstehungsgeschichte der intersektionalen Theorien beigetragen, die eben aus den Reibereien zB des Feminismus mit den schwarzen Bürgerrechtsbewegungen entstanden sind, in denen der Islam auch einen gewissen Einfluss hatte, siehe etwa Nation of Islam, Malcom X etc
Es bleibt also gar nichts anderes über als für Palästina zu sein für einen intersektionalen Linken. Und dann kann man es auch gleich richtig machen und damit Virtue Signaling Punkte verdienen.
Natürlich muss man dazu darstellen, dass man selbst einer unterdrückten Gruppe angehört und das man natürlich an der Seite der nach den intersektionalen Theorien unterdrückten Gruppe steht. Alles andere ist undenkbar.
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