Laci Green und die „Red Pill“

Laci Green hat ein bemerkenswertes Video veröffentlicht, in dem sie anführt, dass sie viele Positionen auch von Antifeministen interessant und durchaus nachvollziehbar findet und meint, dass man mehr miteinander reden sollte. Sie führt an, dass sie sich in einer skeptischen Tradition sieht, in der man immer alles hinterfragen kann und will. Sie wolle daher nunmehr auch Gespräche mit Feministen und Antifeministen führen und sich sachlich mit diesen Positionen auseinandersetzen.

Am Ende des Videos lässt sie offen, ob sie nicht doch vielleicht die „rote Pille“ nehmen will. Das Echo ist durchaus interessant:

 

 

Der Wandel kündigte sich an als sie ein Interview mit Blaire White machte. Ob sie da einfach mal vorgefühlt hat, wie die Reaktionen sind, weil eine Transsexuelle da ja noch vergleichsweise unverdächtig ist, wäre interessant.

Hier noch ein paar Videos mit Reaktionen:

Der Feminismus kennt keinen sachlichen Umgang mit Kritik

Elitemedium twitterte etwas sehr wahres:

Da der Feminismus Instrumente zum sachlichen Umgang mit Kritik nicht kennt, ist er auch nicht in der Lage Streit im eigenen Lager zu regeln.

Einer der Gründe, warum sich der Feminismus so sehr durchgesetzt hat, ist aus meiner Sicht die  starke Ideologisierung, die dazu führt, dass man auf alles losgeht, was irgendwie nicht „Richtig“ ist. Wobei „richtig sein“ bedeutet „Genau richtig sein“, in die richtige Richtung oder fast richtig ist genau so falsch (der „Nicht gut genug Aktivismus„). Feminismus ist ein Wettstreit, wer mehr der richtigen „Opfer“ als solche bewertet und die damit verbundene „Diskriminierung“ bekämpft.

Im IDPOL zählt nur das Opfer und im Intersektionalismus wird das noch einmal erweitert um die „Münchhausen per proxy“ Haltung, dass man andere Opfer erkennen und für sie einspringen muss.

Weil man mit dem Interesektionalismus beliebig viele unterdrückte Gruppen schaffen kann, von denen immer eine von dem anderen nicht nach Gebühr beachtet werden wird, muss es hier immer wieder interne Streitigkeiten geben.

Vernünftige Instrumente eine solche Streitigkeit zu lösen kann es nicht geben, da der moderne (intersektionale) Genderfeminismus denjenigen, der eine erkannte Opferstellung nicht verteidigt und Abweichler angreift, eben als Täter sieht, der selbst Opfer angreift.

Diese aggressive Haltung macht Widerstand gegen den Feminismus so gefährlich, weil ein klarer Feind interne Streitigkeiten am besten blockiert. Solange zB ein MANN ein Hemd mit NACKTEN FRAUEN trägt ist der Feind klar, auch wenn die gleichen Feministinnen sich unter sich vielleicht die Augen auskratzen würden, wenn man sie fragt, ob die nackten Frauen oder weiße nackte Frauen auf einem Hemd das größere Problem sind. Auch das könnte ein guter Grund dafür sein, dass der Streit nach außen, das Anschließen an den Shitstorm so beliebt ist, denn es ermöglicht einfach mal den Kopf auszuschalten und sich auf den Feind zu konzentrieren. Natürlich wird in jeder feministischen Aktion auch eine Feministin was zu meckern haben, aber wenn man Glück hat, dann kann man erst einmal über die Gegenseite herziehen und der In-Group frönen.

„Die Vorstellung von Unabhängigkeit in feministischer Totalität ist so weltfremd wie die Idee vom Einhorn“

Die NZZ stellt das „Problem des Feminismus mit dem Erfolg der Frauen“ dar.

Die Ausgangslage sieht man wie folgt:

Weit bis in das 20. Jahrhundert hinein stand sie nur am Herd, die Frau. Von dem Standpunkt aus sieht und versteht man wenig. In der Schweiz darf sie seit 1971 wählen, in Appenzell Innerrhoden seit 1991. Es ist noch kein ganzes Menschenleben her, dass der Frau die Haustür aufgegangen ist. Unter der Last klischeebehafteter Prägungen hinkt sie nun durch die Welt und hat es schwer. Hilfe!

Als Retter der Frau für viele fragwürdig geworden ist der Mann. An seine Stelle ist der Feminismus getreten. Dieser schenkt zuverlässig die Aufmerksamkeit, die Frauen brauchen. Nur geht der Feminismus dabei mitunter weiter, als manche Frau das möchte. Weist sie ihn dann zurück, wird er aggressiv wie ein in der Eitelkeit gekränkter Macho.

Also das Bild der Frau, die alleine zurecht kommen muss und Hilfe braucht. Der Mann an sich ist da nach dieser Auffassung keine Hilfe, wohl aber der Feminismus mit dem Feindbild Mann, das einem hilft, Scheitern zu dürfen, weil man eben unterdrückt wird.

Gerade hat der Feminismus in der multimedialen Debatte zwei Vertreterinnen der modernen Frau angegriffen, die ihn nicht wollen: die Einzelkämpferin und die Neo-Hausfrau. Das eine geschah in Berlin: Ronja von Rönne, bekennende Egoistin, schreibt seit kurzem für die Tageszeitung «Die Welt». Dort wurde ein Essay von ihr veröffentlicht, der den Titel trug: «Warum mich der Feminismus anekelt». In der Folge wurde sie von einem Shitstorm überzogen bis hin zur Morddrohung.

Der andere Schauplatz, an dem der Feminismus gerade Frauen attackiert, die ihm nicht hörig sind, ist New York: Junge, wohlhabende Mütter und Hausfrauen wurden als «Primaten» beschimpft, weil sie von ihren Ehemännern einen «Hausfrauenbonus» bezahlt bekämen. Schon allein, dass sie zu Hause bleiben, alarmiert Feministinnen. Dass die Damen aber aufgrund ihres Studiums und der Sozialisierung im New York des 21. Jahrhunderts mündig genug sind, um selbst zu entscheiden, geht Feministinnen offenbar nicht in den Kopf.

Man muss eben Feministin sein oder man ist der Fall. Eine andere Positionierung gibt es nicht. Allenfalls darf man noch unwissend sein und zu dumm seine Unterdrückung zu erkennen, denn eine abweichend Lebenswahl ist eben ein Leben, welches nicht sein darf: „Choice Feminism“ ist kein echter Feminismus, weil man in diesem nicht hinreichend Opfer ist, wenn man sich für den falschen Lebenstil entscheidet.

Mit von der Partie sind: Frauen, die nicht mit Männern verglichen werden wollen, Frauen, die nicht immer die gleiche triste Leier vom Frauenleid hören wollen, Frauen ohne Geschichtsbewusstsein und Frauen am politisch rechten Rand. Feminismusverweigerung ist teilweise gekennzeichnet durch Inkompetenz und rückschrittliches Gedankengut. Das gilt aber weder für Ronja von Rönne noch für die reichen Gattinnen von New York. In beiden Fällen handelt es sich um junge und gebildete Frauen, die auf ihre jeweilige Art etwas erreicht haben, mit dem der Feminismus erstaunlich schlecht umgeht: Erfolg.

Einer der Gründe, warum der Feminismus so toxisch ist, dass der einzige Erfolg, der dort akzeptiert ist, der Kampf gegen die Unterdrückung ist. Man darf erfolgreich sein, wenn man es als Kampf gegen das Patriarchat darstellt und darstellen kann. Es einfach als eigene Leistung darzustellen wird aber dem Opfergedanken nicht gerecht.

Erfolg entscheide sich heute daran, ob man eine eigene Vision und Selbstbewusstsein mitbringe. Wenn Frauen keinen Erfolg hätten, liege das oft nicht daran, dass sie benachteiligt würden, sondern dass sie sich den Geschlechterklischees entsprechend verhielten. Damit lenkt von Rönne die Frauenproblematik weg vom Kampf um Quoten und andere Vorteile hin zu einer Verhaltensfrage. Wenn Frauen alle Möglichkeiten haben, aber selber althergebrachten Vorstellungen von Weiblichkeit anhaften, die sie blockieren, dann hilft auch das Gendern nicht weiter. «Eine Frau, die ihren Puppenhaus-Traum vom eigenen Café wahr machen möchte und dabei an selbstgebackenen Karottenkuchen denkt, wird weniger verdienen als ein Mann, der sich vornimmt, in der Gastronomie Karriere zu machen. Wirtschaft ist nicht niedlich», so von Rönne.

 

„Sich den Geschlechterklischees entsprechend verhalten“ IST im Feminismus eben eine Folge der Unterdrückung. Und das man das nicht abschüttelt darf einer Frau nicht vorgeworfen werden und darf auch nicht als einfach dargestellt werden.

Natürlich wäre der Feminismus wesentlich weiter, wenn alle Gender Studies Absolventen statt dessen Maschinenbau studiert hätten. Aber das hätte eben keinen Spass gemacht.

In der Zeit, in der der Feminismus Frauen fertigmacht, die ihn ablehnen, könnte er einmal seine Prämissen überdenken. Überall sieht er die Frauen in der Unabhängigkeit bedroht, notfalls auch im Zerrspiegel: Von Rönne ist das Püppchen der Vorgesetzten, Hausfrauen sind abhängige Wesen ohne Würde. Dabei ist die Vorstellung von Unabhängigkeit in feministischer Totalität bereits weltfremd wie die Idee vom Einhorn. Alle Menschen müssen sich in ein Abhängigkeitsverhältnis begeben, wenn sie vom Leben etwas wollen. Auch Männer sind abhängig vom Geld ihrer Arbeitgeber oder vom Staat. Wollen sie ein Baby, brauchen sie eine Frau. Keine soziale Bewegung wird etwas daran ändern.

Ein Feminismus, der den Menschen nicht als soziales und abhängiges Wesen anerkennt, ist ziemlich dumm. Ein Feminismus, der glückliche oder sogar erfolgreiche Frauen auf Teufel komm raus als Opfer entlarven will, ist ein soziales Problem.

Da ist viele wahres drin.

„Warum mich der Feminismus anekelt“

Bei der Welt geht es gegenwärtig rebellisch zu. Man will nach eigener Aussage die Debatte beleben:

Die Feminismusdebatte ist langweilig geworden. Wir wollen das mit Radikalpositionen verändern. In Teil 2 unserer Serie sagt Ronja von Rönne, warum Feminismus etwas für Unterprivilegierte ist.

Der Text besagter Ronja (Blog/Twitter) legt dann auch gut los:

Ich bin keine Feministin, ich bin Egoistin. Ich weiß nicht, ob „man“ im Jahr 2015 in Deutschland den Feminismus braucht, ich brauche ihn nicht. Er ekelt mich eher an. Feminismus klingt für mich ähnlich antiquiert wie das Wort Bandsalat.

Ich habe einfach selbst noch nie erlebt, dass Frausein ein Nachteil ist. In einem Land, in dem der mächtigste Mensch eine Vagina hat, wird „Frauenquote“ für mich immer ein bisschen nach Vorteilsbeschaffung riechen. Das Gendern der Sprache finde ich ausgesprochen hässlich. Wenn Firmen ihre Produkte mit nackten Frauen bewerben, halte ich das für gerechtfertigt, offensichtlich gibt es ja den Markt dazu. Ich finde den Hashtag #aufschrei albern. „Ein Mann sagte mir, ich könnte gut ein Dirndl ausfüllen“ halte ich für einen etwas mageren Plot für ein ganzes Buch. Ich möchte lieber keine Feministin sein.

Also letztendlich der Vorwurf, dass hier Kleinigkeiten unnötig zu Skandalen aufgebauscht werden. Der Feminismus würde wohl erwidern, dass hinter den Einzelfällen eben eine Struktur steckt, eben eine sexistische Struktur, die Frauen abwertet.

Ich denke aber, dass sie mit der Meinung nicht wirklich alleine ist, viele Frauen sehen Feminismus zumindest in der gegenwärtigen radikalen Form als reichlich unnötig an und halten nicht viel von diesen Theorien.

„Aber du musst doch mal an die anderen denken!“, flötet mir der Feminismus zu. „All die alleinerziehenden Mütter, all die Frauen, die immer noch unterbezahlt werden.“ Das irritiert mich. Früher hat sich der Feminismus doch durchgesetzt, weil die Frauen, die mürrisch auf die Straße gingen, selbst betroffen waren. Sie kämpften nicht für eine obskure dritte Instanz, sondern für sich selbst. Mittlerweile ist der Feminismus eine Charityaktion für unterprivilegierte Frauen geworden, nur noch Symptom einer Empörungskultur, die sich fester an die Idee der Gleichheit klammert als jedes kommunistische Regime.

Auch ein interessanter Ansatz: Während man früher für sich selbst kämpfte, kämpft man heute für das Prinzip, irgendwie gegen etwas oskures, unbestimmtes, das Patriarchat eben oder die Geschlechternormen oder eben gegen die Struktur. Konkrete Forderungen über den Einzelfall hinaus werden seltener oder nebelhaft („das Patriarchat abschaffen“). Die konkrete Benachteiligung ist schwer zu packen. Die jeweilige Feministin möchte irgendwie, dass die Welt für Frauen besser wird. Aber sie möchte den Job im Vorstand auch nicht, jedenfalls nicht, wenn sie dafür Ingeneurwissenschaften statt Gender Studies studieren müsste.

Gleichheit und Gerechtigkeit ist für den Feminismus ein Fünfzig-Prozent-Frauenanteil, außer bei Scheißjobs. Wenn insgesamt mehr Männer als Frauen mit Buchpreisen ausgezeichnet werden, ist mir das völlig egal. Mir ist mein Glück wichtig. Dafür kämpfe ich. Nicht für die Planwirtschaft einer Fünfzig-Prozent-Ideologie.

Das klingt nach einem egoistischen Hedonismus. Hat aber auch was wahres: Das Leben der einzelnen Frau wird nicht wirklich besser, wenn eine Frau einen Buchpreis bekommt. Das Interesse mag allenfalls sein, über einen Buchpreis auf ein gutes Buch aufmerksam zu werden, aber abseits dessen? Allenfalls trägt es eben zu einer gewissen Identitätspolitik bei „ich bin Teil einer Gruppe und diese Gruppe bekommt genau so viele Buchpreise wie andere Gruppen“. Was auch erklärt, warum „Scheißjobs“ in der Betrachtung uninteressanter sind: Sie taugen nicht für die Identitätspolitik, sie bieten keinen Mehrwert für die Gruppe.

Ich kenne viele erfolgreiche Frauen. Keine von ihnen ist Feministin, weil sich keine von ihnen je in einer Opferposition gesehen hat. Die Feministinnen, die ich kenne, sind hingegen Studentinnen oder schreiben in der Zeitungen darüber, dass sie trotz Studium keinen Job finden.

 

Das passt zu der These aus diesem Artikel. Ich glaube auch, dass der Feminismus in der radikalen Form des Genderfeminismus zuviel Opferrolle enthält um abseits eines Geschlechterthemas damit wirklich erfolgreich sein zu können. Wer sich beständig als Opfer wahrnimmt und meint, dass er per Geschlecht stets diskriminiert und abgewertet wird, der sieht überall Hindernisse, es ist ein limitierendes Denken, dass die Verantwortung nur im externen sucht.

Der Feminismus hat das Los eines engagierten Nachhilfelehrers gezogen, der seine Arbeit so gut erledigt, dass er seine Notwendigkeit abschafft. Jetzt windet sich der Feminismus und sucht sich panisch die Probleme, für die er doch so hübsche Lösungen hätte. Die Alternative zum senilen Birkenstock-Feminismus findet sich im Internet, der sogenannte Netzfeminismus, die etwas gestörte Tochter des traditionellen Feminismus. Sie leidet unter der Übermutter und kämpft verstörend inhaltsleer um Klicks und Unterstriche in der deutschen Sprache

Auch nett gesagt. Der „Birkenstock-Feminismus“ wäre dann wohl eher die Emma, der Netzfeminismus der intersektionale Genderfeminismus neuerer Prägung. Allerdings hat man sich dort denke ich schon von Alice Schwarzer distanziert und nimmt sie nicht als wesentlich wahr.

Inhalte hat der neue Feminismus abgeschüttelt, die Latzhosen in den Altkleidercontainer geworfen, sich einen Twitteraccount angeschafft. Frauenrechte sind zur Performance geworden, Entrüstung zu Hashtags. Deutsche Ableger der Femen zeigen Brüste, der Kampf um Aufmerksamkeit ist hart, wenn die Dringlichkeit nicht für sich spricht. Der Feminismus kämpft an allen Fronten, aber nicht mehr für Gerechtigkeit, sondern um Aufmerksamkeit.

Da werden viele Feministinnen schon die Augen rollen: Femen und den Netzfeminismus in einen Topf zu werfen ist eher ein Zeichen, dass man die Differenzen der Szene nicht wirklich versteht. Femen ist sicherlich Aufmerksamkeit, der Netzfeminismus mag es auch, sich schön in seine Filterbubble zurückzuziehen und sich zu beschweren, wie schlecht die Welt ist. Aufmerksamkeit ist eher im Sinne der „Raumnahme“ interessant, weil eben Ideen, die dem Feminismus nicht gefallen kein Raum gegeben werden darf und daher der Shitstorm schnell zur Hand ist.

In der Zwischenzeit machen die Frauen, die sich um den Feminismus nicht scheren, Karriere. Das ist über einen Kamm geschoren, das ist subjektiv, das ist mein Eindruck. Das Bild vom bösen Chef, der seine Sekretärin lieber ein bisschen angrabbelt als befördert, erscheint mir fremd wie eine Welt, die ich nur aus Loriot-Sketchen kenne.

Wäre eine interessante Frage, inwieweit das noch vorkommt. Ich denke die meisten Chefs heutzutage können da ganz gut unterscheiden und werden im Betrieb nur auf entsprechende Signale hin etwas machen, denn sie haben in der Regel ja auch ein Interesse daran, dass die Firma läuft und wissen, wie angreifbar man in solchen Situationen ist. Das ein Mann mit Macht allerdings meint, dass er da was riskieren kann, will ich auch nicht vollkommen ausschließen.

„Aber guck mal, ich will doch nur, dass Männer und Frauen gleich viel verdienen“, quengelt der Feminismus und schiebt die Oberlippe vor, „das ist doch voll wichtig!“

Mir ist das nicht wichtig. Mir ist wichtig, dass ich so viel verdiene, wie ich für angemessen halte. Wenn ich mich benachteiligt fühle, stelle ich direkte Forderungen und keinen Antrag auf eine_n Gleichstellungsbeauftragte_n. An die Stelle des Kampfes um Frauenrechte ist schon lange der Kampf des Individuums um sein Glück getreten, aber das wird nicht gerne gehört, das ist egoistisch und unromantisch, das Feindbild nicht klar und die Fronten diffus. Für sich selbst kämpfen macht keinen Spaß, man malt nicht gemeinsam Plakate, man retweetet sich nicht. Man kann dann keine „angry, white men“ mehr für sein Versagen verantwortlich machen. „Laaangweilig!“, ruft der Feminismus dazwischen.

Ich glaube, dass das Einkommen keine Frage des Geschlechts ist, sondern ob man sich Geschlechterklischees entsprechend verhält. Eine Frau, die ihren Puppenhaus-Traum vom eigenen Café wahr machen möchte und dabei an selbst gebackenen Karottenkuchen denkt, wird weniger verdienen als ein Mann, der sich vornimmt in der Gastronomie Karriere zu machen. Wirtschaft ist nicht niedlich.

Auch ein interessanter Ansatz: Einfach mal zum Chef gehen, wenn man meint, dass das eigene Gehalt zu niedrig ist. Was natürlich deutlich schwieriger ist, ich vermute, dass die meisten Frauen ihr eigenes Gehalt nicht als 23% zu niedrig bewerten würden, sondern es als gerecht ansehen, jedenfalls in dem Sinne, dass es der Wert ist, den man auf dem Markt erzielen kann. Den der Gender Pay Gap entsteht ja nicht durch fiese sexistische Bosse, sondern durch unterschiedliche Berufswahl, durch Überstunden, dadurch, dass man auch befördert werden will, dass man sich mehr fortbildet, dass man nicht aussetzt.

In der Tat ist es, wenn es einem um Identitätspolitik geht, viel anregender die Probleme abstrakt zu halten.

Dann muss man sich, die richtige Abstraktheit vorausgesetzt eben auch nicht damit beschäftigen, dass es in dem Verhalten der Geschlechter gute Gründe dafür geben kann, dass sie andere Einkommen haben. „Wirtschaft ist nicht niedlich“, das finde ich einen guten und niedlichen Satz. Schön wäre es, wenn es nicht so wäre. Aber das Leben ist eben kein Puppenhaus mit selbst gebackenen Karottenkuchen, sondern meist harte Arbeit.

Aber es macht so Spaß, für etwas zu kämpfen!“, ereifert sich der Netzfeminismus und verheddert sich in einer Onlinepetition mit dem Titel: „Einhorn-Gifs und Equal Pay!“ Vielleicht gebärdet sich der deutsche Feminismus, ob kruder Emma-Text oder online, deswegen so seltsam, weil er weiß, dass er im Sterben liegt. Dass er nicht mehr richtig gebraucht wird. Dass es immer mehr eine Frage des Selbstbewusstseins und nicht des Geschlechts ist, eine Gehaltserhöhung zu fordern. Wir leben in einem Land, in dem der Einzelne für sich kämpft. Aufrechte Haltung hilft. Gendern nicht.

Der Feminismus bleibt im Flur stehen und beschwert sich, dass Frauen keine Türen offen stehen. Bis irgendwann eine Frau kommt, über den zeternden Flurfeminismus steigt und die Tür selbst aufmacht.

Auch wieder der Gedanke, dass der Feminismus sich überlebt hat. Ich glaube ja auch, dass er nur noch eine bestimmte Nische hat, in der Bevölkerung aber der Rückhalt oft sehr gering ist. Leider ist diese Nische aber im wesentlichen die Geschlechterpolitik, weil viele, die dort tätig sind, genau aus diesem Bereich kommen.

Der Versuch, mit dem „Antifeminismus“ einen Straftatbestand des Denkens zu etablieren zeigt, wie rasch dem Feminismus die Felle davon geschwommen sind“

In der Cicero wird der Emma-Artikel von Luise Pusch kommentiert. Der wesentliche Rant-Teil:

Feministinnen: Das waren einmal Frauen, die sich sehr für die Sache ihres Geschlechts einsetzten, Frauen, die hartnäckig und mitunter gewitzt und manchmal gelehrt dafür warben, die Hälfte von allem zu bekommen, weil sie nun einmal die Hälfte der Weltbevölkerung stellten. Ich gestehe, dass ich mir bis zuletzt Sympathien für diesen Menschenschlag bewahrt habe. Warum, dachte ich bis zuletzt, sollen kämpferische Frauen sich nicht über alles beschweren, was ihnen der Beschwerde wert erscheint? Feministinnen haben gerade so ein Recht, mir auf die Nerven zu gehen, wie es Veganer, Castingshow-Moderatoren oder Topmodels haben.

Das viele mit einer gewissen Sympathie zum Feminismus starten, die dann bei näherer Beschäftigung verfliegt, ist ja nichts neues. Es ist aus meiner Sicht auch ein gutes Argument dafür, warum man auf konkrete feministische Theorie eingehen sollte und sie entsprechend darstellen sollte: Sie ist leider viel zu unbekannt und das kommt ihr zugute, weil viele eben mit dem gegenwärtig betriebenen Feminismus immer noch ein berechtigtes Einsetzen für Frauenrechte verbinden.

Seit der vergangenen Woche aber ist der Feminismus in seine historische Phase eingetreten. Nur im Museum (und an manchen Universitäten, was manchmal dasselbe ist) können wir ihm künftig begegnen. Er hat sich aus der Gegenwart ebenso entschlossen verabschiedet wie aus dem Raum des Argumentierens und Räsonierens. Er hat nur Ressentiments und Rückzugsgefechte zu bieten. Der mittlerweile berüchtigte, bei der „Emma“ veröffentlichte, Kommentar zur „Germanwings“-Katastrophe und eine Notiz aus der akademischen Welt der Berliner Freien Universität lassen kaum einen Zweifel: Feminismus, das war einmal. Ihn heute noch ernstnehmen, hieße bei den Kelten anfragen, wie man zum Mars gelangt.

 Das ist ja mal eine durchaus positive Sicht der Dinge, wobei das „Rückzugsgefecht“ mir da nicht so klar erscheint. Der Genderfeminismus ist eben auch zu einem gewissen Teil etabliert, mit Gender Studies existiert ein eigener Studiengang, an dem entsprechendes gelehrt wird. Und der Genderfeminismus kann sich auch relativ leicht von dem EMMA-Artikel distanzieren, den die EMMA wird als Vertreterin eines alten Feminismus gesehen, der noch nicht hinreichend Intersektionalismus und Privilegientheorie etc berücksichtigt, der bei Beauvoir stehengeblieben ist, die einen unmittelbareren Kampf der Männer gegen die Frauen sieht, wo der moderne Genderfeminismus einen Kampf gegen gesellschaftliche Regeln sieht, der weiter gefasst ist.

Dass ein solcher Setzkasten-Feminismus, der selbst tragischste Phänomene durch die Brille des Geschlechtermachtkampfes betrachtet, der die Gegenwart also einteilt in Geländegewinne und Geländeverluste, dieser Gegenwart keine Fingerzeige geben kann, liegt auf der Hand. So ist es vielleicht logisch, dass die Freie Universität Berlin zum feministischen Rückzug auf Raten bläst. Eine 1981 gegründete „Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung“ (ZEFG) hat ein neues, ein letztes Arbeitsfeld entdeckt: den Kampf gegen den „Antifeminismus“.

Das ist ein interessanter Schwenk hin zu neuen Beschäftigungsfeldern. In der Tat braucht der Feminismus neue Feinde, an denen er sich abarbeiten kann, denn der Feminismus braucht ein Bedrohungsszenario. Es ist insofern kein Wunder, dass sich viele Shitstorms an immer neuen Kleinigkeiten entzünden, an Hemden, an Smoothies, aber auch eben an Gruppen wie „Gamern“ oder noch besser an direkt kritischen Gruppen wie Antifeministen. Wer einen Feind hat, der hat Bedeutung, der kann zudem über eine Darstellung der Schlechtigkeit des Feindes deutlich machen, dass man dann wohl im Umkehrschluss der Gute sein muss, was eben, wenn man kaum andere Inhalte hat, die für Frauen ansonsten relevant sind, wichtig ist.

Nicht mehr also soll konstruktiv und staatlich alimentiert eine „gerechtere Partizipation von Wissenschaftlerinnen“ – ohne Binnen-I, versteht sich – an der Universität erreicht werden. So steht es als Reminiszenz im Selbstbild des ZEFG. Defensive ist jetzt angesagt und Destruktion. Die „Antifeministen“ werden als der neue Feind ausgemacht. Ihnen, den Kritikern von Gender und Gleichstellung,widmet das ZEFG ein „Werkstattgespräch“ mit klarer Zielsetzung: Feministische „Gegenstrategien“ sollen gefunden werden, denn „Antifeministen“ tun schlimme Dinge.

Mit dem „Antifeminismus“ hat der akademische Feminismus, noch immer staatlich alimentiert, eine finale Spielwiese gefunden. Er definiert sich nun im Gegenüber, im Kontra, im Ablehnen, nicht länger im Aufbauen und Fordern. Er kapituliert vor seinen eigenen Ansprüchen. Der Versuch, mit dem „Antifeminismus“ einen Straftatbestand des Denkens zu etablieren, ein künftiges hate crime, zeigt, wie rasch und endgültig dem Feminismus die Felle davon geschwommen sind. Er will drohen statt argumentieren, netzwerken statt aufklären. Die Rückverwandlung feministischer Wissenschaft ins Parolen- und Radaumachen, in den kommunardenhaften Agitprop also, ist der eine Knall zu viel, mit dem nun der ganze Luftballon zerstiebt. Friede seinen Fetzinnen.

Feministisch würde man wohl sagen, dass es eben ganz nach der feministisch-poststrukturalistischen Interpretation nach Derrida um Raumeinnahme geht. Es ist nicht wichtig, was man sagt, es geht darum, Positionen zu beziehen und die andere Position auszugrenzen. In einem theoretischen Gerüst, welches Inhalte egal sein lässt, solange sie mehr Raum einnehmen, in dem die Annahme besteht, dass Menschen reine soziale Schwämme sind, die aufsaugen, was immer ihnen die Gesellschaft vorgibt, ist es logisch, dass man, wenn man erst einmal die Deutungshoheit hat, alles daran setzt, dass der andere nicht zu Wort kommt, ihn gar nicht erst hochkommen lassen will.

Um so mehr der Feminismus so agiert, um so mehr ist es angezeigt ihn entsprechend darzustellen. Irgendwann werden die Tabus den Leuten zu albern.

„Nicht über meine Filterblase hinaus“ vs. „Das Thema verstehen und deswegen von allen Seiten betrachten“

„Der Jüngling“ hat mal wieder einen interessanten Artikel geschrieben, in dem es darum geht, wie man ein Thema angeht. Ich finde das vieles von meiner eigenen Position wieder:

Wirklich interessant aber wird es, wenn eine der seltenen Gelegenheiten eintritt, tatsächlich auf eine Feministin zu treffen.

Meine Erfahrung hierbei ist: Sie sind mir nicht gewachsen – argumentativ. Woran liegt das? Bin ich superintelligent oder im Besitz der letzten Wahrheit? Das behaupte ich nicht; ich habe eine andere Ursache ausgemacht, nämlich dass die feministischen Führerinnen und Informationsquellen ihre Leserinnen schlicht falsch informieren. Eine Antje Schrupp rät ihren Anhängerinnen, sich in eine Filter-Bubble einzuschließen; das Dossier der Emma über die pöhsen Maskulisten gibt kaum ihre inhaltlichen Positionen wieder sondern arbeitet fast ausschließlich mit Ad-Hominem-Argumenten und Diffamierungen; und eine Magda rät auf Freitag.de dazu, nicht die originalen Quellen des Maskulismus zu studieren, da dies unnötig sei und es reiche, die feministische Sekundärlektüre zu lesen, um sich ein Urteil zu bilden. Da aber Antimaskulistinnen nur Strohpuppen abbrennen, wie zum Beispiel, dass Maskulisten nur verlorenen, männlichen Privilegien hinterhertrauern oder einen solchen Verlust befürchten würden; dass sie rechts seien und in ideologischer Nähe zu einem Massenmörder wie Breivik; dass es sich um Frauenhasser handeln würde; führt diese Fehlinformation dazu, dass eine Feministin chancenlos ist, wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt mit einem Maskulisten, der sich gut auskennt – besonders wenn er links-liberal ausgerichtet ist.

Das ist auch meine Erfahrung: Die meisten Feministinnen machen sich nicht die Mühe, sich wirklich mit dem Thema zu beschäftigen. Sie wollen nicht das Thema an sich verstehen, sie wollen häufig genug noch nicht einmal die feministische Theorie selbst verstehen, häufig reicht es ihnen die Position zu kennen ohne die Begründung dafür nachvollziehen zu wollen. Es geht in dem Bereich eben eher um IDPOL, also den Aufbau einer Identität, um eine moralische Wertung.

Das ist auf der Stufe der „MeinFeminismu-Feministinnen“ besonders ausgeprägt, weil sie sich häufig einem theoretischen Überbau komplett verweigern und lediglich einzelne Positionen beziehen, was fast zwangsläufig dazu führt, dass sie noch anfälliger dafür sind, sich in interne Widersprüche zu verstricken. Aber auch im theoretischen Feminismus erfolgt keine ernsthafte Hinterfragung der eigenen Position und es besteht kein Wunsch, diese tatsächlich zu hinterfragen bzw. sich mit Gegenargumenten auseinanderzusetzen.

Der Jüngling schreibt weiter:

Auf meiner Seite hingegen besteht nicht die Gefahr, dass mir derselbe Fehler unterläuft. Ich informiere mich über Feminismus nicht nur bei Antifeministen, sondern auch bei den Originalquellen. In meinem Regal steht nicht nur „Wir Alphamädchen“, sondern auch „SCUM“, „Hilfe, mein Sohn wird ein Macker“, „Nur ein toter Mann ist ein guter Mann“, „Die neue F-Klasse“ und weitere; ich leihe mir auch einschlägige Titel (Schwarzer, de Beauvoir) in der Bibliothek aus; ich surfe tagtäglich die wichtigsten feministischen Seiten an, wie z.B. EMMA,Mädchenmannschaft oder KleinerDrei (mehr als 3.000 Fans bei Facebook), um nur wenige zu nennen. Ich bin rundum informiert, ich kenne jede feministische These, und habe auf nahezu alles sofort eine Antwort parat. Feminist-Splaining funktioniert bei mir nicht.

Das ist der entscheidende Unterschied: Ich kenne den Feminismus tatsächlich; die meisten Feministinnen kennen zum Maskulismus nur Diffamierungen, Lügenmärchen und die Nazi-Keule. Das führt dazu, dass eine Feministin aufläuft, wenn sie außerhalb ihrer Filter-Bubble mal auf einen Maskulisten trifft und sich auf eine Diskussion einlässt.

Das ist bei mir ebenso, man könnte mich – wenn man die Reihe biologischer Bücher ausblendet und in das richtige Bücherregal schaut – problemlos für einen Feministen halten. Auch die Reihe von biologiekritischen Büchern wie etwa das Buch von Cordelia Fine ist recht lang. Ich kann problemlos bei feministischer Theorie mitreden und bei den paar Malen, bei denen das im „realen Leben“ erfolgte war es auch so, dass ich in der Regel wesentlich mehr über Feminstische Theorie wusste als die betreffende Feministin. Im Netz macht man immer wieder die Erfahrung, dass viele Feministinnen entweder keine Ahnung haben oder die Diskussion vorher noch nicht geführt haben. Im letzteren Fall zeigt sich dies daran, dass sie voller Überheblichkeit ein altbekanntes Argument vorbrachten und anscheinend nicht darauf vorbereitet waren, dass man das recht leicht aushebeln kann. Leider erschlägt man die Gegenseite dann auch schnell: Wenn man auf diverse Sonderfälle oder Studien verweist, die deutlich machen, dass die Geschlechterrollen nicht rein sozial konstruiert sind oder diverse Fälle anführen kann, bei denen der radikale Feminismus einfach recht erkennbar im negativen Sinne radikal ist, dann wird man gerade bei jemanden, der aus seiner Blase noch nicht herausgekommen ist, auch kaum eine Erwiderung erwarten können.

Warum lese ich feministische Theorie im Original bzw. versuche die diesbezüglichen Theorien nachzuvollziehen? Weil es aus meiner Sicht der beste Weg ist, ein Thema zu verstehen. Man muss sich nicht nur mit der Theorie beschäftigen, die die eigene Position bestätigt, sondern auch mit den Gegenargumenten und überlegen, warum sie nicht zutreffen. Erst wenn man man auch das verstanden hat, hat man das Thema wirklich durchdrungen. Das ist mein Anspruch an mich bei einem solchen Thema und dafür ist das Lesen der Originalschriften zwingend erforderlich, weil man dann dort die tatsächlichen Gedankengänge, auf die sich die Vertreter stützen, abgleichen kann und in voller Länge aufnehmen kann. Liest man nur die kurze Abhandlung, mit der jemand die gegnerische Position zusammenfasst, dann ist das nicht das gleiche, weil man dabei zwangsläufig bestimmte Teile weglassen muss.

Es hilft einem auch ansonsten, viel zu dem Thema gelesen zu haben: Einmal fällt ein wichtiges Autoritätsargument weg. Mir wird in Diskussionen oft entgegen gehalten, dass ich doch einfach mal Butler, Fine, Voss und wen nicht noch alles lesen sollte, da stehe doch drin, dass ich unrecht habe. Ich kann recht einfach darauf verweisen, dass ich es habe. Und, das wäre ein zweiter Vorteil, ich kann häufig sagen, dass es da eben nicht drin steht und das dort sogar etwas anderes drin steht, als viele Feministinnen glauben und auch etwas zu den dort verwendeten Argumenten sagen. Ich kann zB darauf verweisen, dass Butler in ihren Büchern selbst zugibt, dass sie keine Ahnung von Biologie hat und ich kann darauf verweisen, dass sie sich mit David Reimers nur sehr unzureichend auseinandergesetzt hat und das sie sich auf keinerlei Studien stützt, sondern strikt philosophisch-abstrakte Überlegungen anstellt. Ich kann anführen, dass Voss auf die modernen biologischen Theorien quasi nicht eingeht, in dem kurzen Abschnitt, in dem er das macht, allerdings darauf hinweist, dass diese den Diskurs dominieren, also in der Wissenschaft überwiegend vertreten werden. Ich kann darauf verweisen, dass Fine gar nicht die biologischen Theorien widerlegt, wie viele Feministinnen meinen, sondern vielmehr in dem Buch wiederholt anführt, dass diese stimmen könnten, es aber noch nicht bewiesen ist (und ob die Feministin sich da anschließen oder Fine widersprechen will). Was einem gleich zum dritten Grund bringt, warum man solche Bücher lesen sollte: Sie bringen einem in der Regel sehr gute Gegenargumente, bei dem der andere entweder die Quelle, auf die sie sich bisher berufen hat, abwerten muss oder dies dann zugestehen muss.

Ebenso wie „Der Jüngling“ habe ich daher das Gefühl, dass ich mich ohne Probleme auf jede Diskussion mit einer Feministin einlassen kann, ich habe theoretische Diskussionen schon diverse Male durchgespielt und mir überlegt, wie ich eine solche Diskussion aufbauen könnte, welche Argumente man wie entkräftet, wie man ein paar schöne Fallen aufstellen könnte, die klassische feministische Positionen aushebeln etc. Ich würde gerne mal mit Alice Schwarzer oder zumindest Marthadear oder einer anderen der theoretischeren Feministinnen diskutierten. Ich vermute, dass Alice Schwarzer dabei noch am besten wegkommt, weil sie ein Profi ist, der diverse Debatten dieser Art schon geführt hat, sie ihre Schäfchen im trockenen hat und sie nicht mehr so moralisch entrüstet wäre, wie Laura Dornheim oder Marthadear in solchen Diskussionen. Sie würde vermeintlich wesentlich mehr ausweichen und die Sache herunterspielen, wohingegen jemand, der solche Sätze wie „Für ganz viele Frauen ist es extrem schlimm einfach schon auf die Straße zu gehen“ sagt und glaubt eigentlich recht einfach in die Enge zu treiben sein sollte. Bei Alice wäre es interessant, ob man sie dazu bringen könnte, sich von ihren älteren, sehr radikalen Aussagen, etwa der Zwangsheterosexualität, zu distanzieren oder nicht.

Aber natürlich ist es leicht, in seinem Kopf der Sieger einer solchen Diskussion zu sein: Man muss ja gar nicht so theoriefest sein, wenn die Gegenseite es schafft, einen damit zu beschäftigen, dass man sich von Strohmännern distanziert, dann kann sie eine Diskussion bezüglich moralischer Positionen ebenso an sich ziehen und das Gespräch für sich gewinnen. Je nach Moderation läßt sich mit „Frauen verdienen weniger und das muss geändert werden“ und „Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist schlecht, da muss man was ändern“ und „Als Mann kann man sich das eben nicht vorstellen, als Frau ist es Alltag“ recht weit kommen, als Gegenargument gegen Erwiderungen reichen dann Variationen von „Damit werden die Probleme nur heruntergespielt“ und „Machtwahrung“ wahrscheinlich erstaunlich weit. In einer Talkshow lassen sich Argumente wie „Frauen verdienen weniger“ und „jede dritte Frau wird vergewaltigt“ letztendlich nicht wirklich widerlegen, da man dort nicht die Zeit und auch nicht die Möglichkeit hat, die Fakten und die Studien darzustellen, man kann allenfalls die Hauptargumente anführen und der Zuschauer kann entscheiden, wem er glaubt oder ob er interessiert genug ist, mehr zu lesen.

Ich finde es dennoch immer schade, wenn jemand es ablehnt, sich mal mit den Argumenten der Gegenseite zu beschäftigen. Ich glaube, dass man daran sehr viel lernen kann und finde daher den Ansatz, den „der Jüngling“ verfolgt, sehr empfehlenswert. 

Ich würde jedem, der über ein Thema diskutieren will, 2-3 Bücher von beiden Seiten zu lesen, erst dann versteht man das Thema wirklich. Ich würde also Feministinnen etwa diese Bücher empfehlen, aber auch zB Warren Farrell “Myth of Male Power“ . Ich würde jedem, der Pickup kritisieren will, raten tatsächlich einmal David De Angelo und Mystery oder Neil Strauss im Original zu lesen, aber eben auch jedem Maskulisten Judith Butler und Simon de Beauvoir uä, jedem der biologischen Theorien anhängt Fine oder Fausto-Sterling. Es erweitert den Horizont und regt zu kritischen Denken an.

 

Abgrenzung im Intersektionalismus: Wer darf sich wo einmischen?

Da Verhältnis im intersektionalen Feminismus zu bestimmten kulturellen Praktiken ist, wenn ich es richtig verstehe, dass jeweils die davon Betroffenen entscheiden müssen, ob sie diese gut finden oder nicht.

Deswegen ist es nicht an „westlichen Feministinnen“ beispielsweise kulturelle Praktiken wie ein Kopftuch oder eine Vollverschleierung zu kritisieren, sie können da allenfalls „Ally“ sein, also Frauen aus diesem Kulturkreis unterstützen, wenn diese damit nicht einverstanden sind.

Da würde mich interessieren, wo die Grenzen verlaufen: Darf eine amerikanische Feministin die deutsche oder französische Gesellschaft kritisieren oder könnte man hier sagen, dass die Frauen eben in einer Demokratie leben und die Regeln auch dort mitgestalten und anscheinend diese Ausprägungen der „Rape Culture“ so mittragen?

Und ab welchem Grad der Kritik überhaupt? Auch im arabischen Raum werden ja genug Frauen gegen Kopfbedeckungen oder Vollverschleierung sein.

Wenn man anführen würden, dass nur eine Frau aus dem jeweiligen Raum überhaupt dies kritisieren dürfte, dürfen dann PoCs oder Frauen aus einer anderen Kultur entscheiden, wie Frauen in Deutschland leben wollen?

Oder gibt es dann wieder Praktiken, die einen gewissen Spielraum lassen, bei denen man also die jeweiligen Frauen entscheiden lassen kann? Das würde aber nicht erklären, warum diese Zustimmung dann nicht nachgehalten wird sondern der Anteil der Frauen üblicherweise als „internalisierter Sexismus“ oder „wohlwollender Sexismus gegen Frauen“ abgetan wird.

Gibt es hier im Feminismus ein logisches Konzept, welches abgrenzt, wann man wie die Intersektionalität hereinspielen lässt, also eine Praxis, die man als sexistische Praxis auslegen würde, nicht kritisiert werden darf?

Oder geht es dabei nur um die Entscheidung der Einzelnen, also den Umstand, dass die einzelne Frau stets ein Kopftuch tragen darf, ihr aber nicht vorgehalten werden darf, wenn sie stattdessen sehr viel Haut zeigt? Aber auch hier scheint der Feminismus ja in seine Kritik nicht einzubeziehen, dass viele Frauen eben hier schlicht den gesellschaftlichen Regeln folgen und nicht aus eigenen Antrieb handeln.

Vielleicht ist die Lösung einfach nur ein schlichtes „privilegierte dürfen unprivilegierten nicht reinreden“. Also Weiße nicht Farbige. Allerdings würde dann eine Erkärung fehlen, warum man davon ausgeht, dass Privilegierte in der Hinsicht unfreier und beeinflusster sind und daher bei ihnen klar erkannt werden kann, dass ihr Verhalten auf gesellschaftlichen Regeln beruht und überall das Patriarchat nachgewiesen werden kann, dies allerdings bei den anderen Kulturen nicht der Fall ist. Letztendlich erklärt man damit man ja indirekt – insoweit ja auch zum Poststrukturalismus passend – dass es keine Kriterien für Sexismus und Diskriminierung gibt, weil man diese ja sonst in gleicher Weise bei den PoCs anwenden könnte und über ein subjektives Element und ein einmischen nicht geredet werden müsste. Es würde reichen, die Machtstrukturen in dieser Gesellschaft zu bestimmen.