Derrida, Raum einnehmen und Moralisieren

Bei Schoppe gab es anlässlich seines sehr guten Artikels über eine Rede von Nicole von Horst eine kurze Diskussion über das Konzept des „Raum einnehmens“ im Feminismus:

Schoppe schreibt:

ung aus der poststrukturalistischen Theorie problematisch ist: Es geht bei Derrida und anderen um Texte und ihre Auslegung (wenn auch der Textbegriff extrem weit ist), und er ist nach meiner Erinnerung – ich hab lang nichts mehr von Derrida gelesen – stark konzentrioert auf das Verhältnis von Zentrum und Rand, und auch von der Möglichkeit, Texte nicht über das vermeintlich Zentrale, sondern über das Marginale zu auszulegen.

Schon bei Derrida sind diese Strukturen natürlich mit dem Thema „Macht“ verbunden, aber es ist doch etwas anderes, sie schnurstracks auf Menschen zu beziehen, und dann auch noch auf Gruppen, die dann auch noch stur zwischen Männern und Frauen aufgeteilt werden (wobei diejenigen, die dazwischen stehen, eher den Frauen zugerechnet werden, weil sie anders als die Männer keinen zentralen Raum einnehmen).

Es geht dabei dann nicht mehr um Verstehen als Spiel, um Interpretieren und Um-Interpretieren – sondern um Ressentiments. Denn die nach meinem Eindruck obsessive Konzentration auf das männliche „Raumeinnehmen“, die ein leicht breitbeinges Sitzen oder ein öffentliches (Hetero-)Küssen mit der Beanspruchung politischer und wirtschaftlicher Machtpositionen umstandslos parallel schaltet, ist deutlich moralisierend grundiert: Dort sind die, die sich viel mehr nehmen, als ihnen eigentlich zusteht – und hier sind die Bescheidenen, die dabei zu kurz kommen.

In der Tat tritt die eigentlich Ursache der unterschiedlichen Raumeinnahme vollkommen in den Hintergrund bzw. steht schon von vorneherein fest: Es muss anscheinend eine Machtfrage sein.

Gut erkennt man das auch daran, dass auch bei Heterosexualität und Homosexualität davon gesprochen wird, dass Heterosexualität zuviel Raum einnimmt, was gerade wenn man den biologischen Erklärungen folgt ja auch recht einfach zu erklären ist: Die allermeisten Menschen sind heterosexuell, weil Gene eben auf Fortflanzung hin selektiert sind und Sex zwischen Mann und Frau nun einmal mehr Gene in die nächste Generation bringt als Sex zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechts. Weil aber Hetersexualität mehr Raum einnimmt, muss dieses Verhältnis an Diskriminierung liegen (nicht, dass es in diesem Bereich keine Diskriminierung gibt, aber sie erklärt sich eben nicht daraus, dass Heteroexualität mehr Raum einnimmt, es ist vielmehr aufgrund der hohen Zahl von Heterosexuellen schlicht zu erwarten, dass diese mehr Raum einnimmt).

Weil es anscheinend nicht auf eine tatsächliche Analyse ankommt bleibt letztendlich ein Mittel übrig, ein Gefühl der Ungerechtigkeit zu erzeugen – der eine nimmt Raum, der andere verliert ihn dadurch. Das in Verbindung damit, dass jeder Anspruch auf gleichen Raum haben könnte lässt ein sehr einfaches moralisieren zu.

Ich kann mir vorstellen, dass davon innerhalb des Feminismus durchaus eine gewisse Versuchung ausgeht. Bequemerweise sind auch hier die anderen, zB die Männer, die Verantwortlichen, indem sie eben zuviel Raum einnehmen. Diejenigen, die keinen Raum einnehmen sind hingegen Opfer. So fügt sich die Theorie über die Raumeinnahme gut in andere feministische Theorien ein. Sie gibt ebenfalls Gelegenheit, Schuldzuweisungen zu machen und Forderungen aufzustellen. Zu dem gibt es die Gelegenheit Kleinigkeiten wie zu breites Sitzen aufzublähen und in ein Unterdrückungssystem mit hoher Bedeutung einzubauen

87 Gedanken zu “Derrida, Raum einnehmen und Moralisieren

  1. Hier schreibst du von zuviel Raum:

    „dass auch bei Heterosexualität und Homosexualität davon gesprochen wird, dass Heterosexualität zuviel Raum einnimmt“

    Und hier von lediglich mehr Raum:

    „Weil aber Hetersexualität mehr Raum einnimmt, muss dieses Verhältnis an Diskriminierung liegen“

    Ist „zuviel” synonym zu „mehr”? Wird das im Feminismus behauptet?

    Ich habe ehrlich gesagt noch keine Beschwerde darüber gelesen, dass es mehr Heteros als Homos gibt.

      • Das tut sie ja auch, allerdings weniger im Westen, als vielmehr außerhalb davon. Aber das ist letzlich eine Frage der Betarchtungsweise und der Perpektive. So streiten Heteros ja auch regelmäßig ab, dass sie ihre sexuelle Orientierung in der Öffentlichkeit ausleben.

      • Homosexualität nimmt gemessen an seiner Verbreitung von ca. 1-2% (eingetragene Lebenspartnerschaften sogar noch sehr viel weniger) einen gigantischen Raum ein.

        (Womit ich nicht sagen will, dass sie in manchen Bereichen nicht auch marginalisiert oder tabuisiert ist)

        • Einen „gigantischen Raum“? Wäre mit noch nicht aufgefallen. Wie kommst Du darauf? Woran machst Du fas fest? Und woher die Zahl 1-2 Prozent? Die offiziellen Volkszählungen in den USA kommen auf höhere Zahlen, zumindest in den Ballungsräumen.

        • Man müsste ja erstmal definieren, was denn dieser ominöse „Raum“ eigentlich sein soll.

          Aufmerksamkeitsraum? Wahrnehmungsraum? Öffenticher Raum? Medialer Raum?

          Fakt ist, dass Erwartbares keinen Nachrichtenwert hat. „Die Sonne ist heute Aufgegangen“ oder „X ist Hetero“ erzeugt keine Aufmerksamkeit, „X ist schwul“ wohl schon eher. „Raumeinnahme“ ist in diesem Falle also eher ein Indiz für „Heteronormativität“, wenn Schwulsein normal wäre dann wäre das ja keine Nachricht.

          Gute Frage, ob es einen „Normalitätsraum“ gibt, aber wenn es so etwas gibt dann ist es eine Frage von Werten, und eher nicht von Aufmerksamkeit. Insofern ist die ganze Debatte wohl eher ein Konstukt zur Etabierung von Gruppenrechten. Man könnte meinen, es reiche manchen nicht in ruhe gelassen zu werden.

      • @Christian

        Gehört habe ich das natürlich schon. Die Frage ist, wie man das quantifziert.

        Du sagst, der Feminismus behaupte, Heterosexualität solle nicht häufiger im öffntlichen Raum vorkommen als Homosexualität. Das wiederum höre ich absolut zum Ersten mal.

        • „Die Frage ist, wie man das quantifziert.“

          Das wär ja mal was, wenn ein Feminist quantifizierbare und überprüfbare Aussagen macht.

          „zu viel“ kann aus feministischem Mund alles bedeuten zwischen „mehr als nach Bevölkerungsanteil zu erwarten“ über „mehr, rein nummerisch“ bis „mehr als ich gut finde“.

          Das macht es ziemlich wurscht, wie Christian es definiert. Es ist von vornherein ein schwurbeliger Kampfbegriff, der sich gegen die von dir geforderte Quantifizierung sträubt.

        • Das wiederum höre ich absolut zum Ersten mal.

          In der Selbstwahrnehmung sind Feministinnen natürlich immer die Avantgarde des Kampfes um gleiche Rechte für alle.

          Kritik muss die Selbstwahrnehmung nicht zur Prämisse machen, sie darf auch das kritisieren was unausgesprochen ist.

          Wenn man beklagt, dass Heteros „zuviel Raum einnehmen“, dann fordert man wohl geichzeitig, dass Homosexuelle im öffentlichen Wahrnehmungsraum die gleiche Präsenz haben sollen. Notfalls soll eben „nachgeholfen“ werden, indem man die Präsenz von Heterosexualität zurückdrängt.

          „Auch Homosexuelle sollen ihre sexuelle Orientierung ebenso offen zeigen dürfen wie Heterosexuelle“ ist ja eine ganz andere Forderung als „Hetersexuelle sollen den öffentlichen (Wahrnehmungs-) Raum nicht dominieren“

          Ersteres stellt auf das gleiche Individualrecht aller auf freie Wahl des Sexualpartners ab, letzteres auf gleiche Gruppenrechte, denen sich das Individualrecht unterzuordnen habe.

    • „Ich habe ehrlich gesagt noch keine Beschwerde darüber gelesen, dass es mehr Heteros als Homos gibt.“

      Tatsächlich? Die gesamte Theorie der „Heteronormativität“ im Genderfeminismus unterstellt doch, dass Homosexuelle absichtsvoll diskriminiert und verdrängt werden, dass Heterosexualität nicht deshalb vorherrscht, weil sie im Gegensatz zur Homosexualität zur Weitergabe der Gene führt, sondern weil die Heteros böse sind.

      • „Die gesamte Theorie der “Heteronormativität” im Genderfeminismus unterstellt doch,“

        Ja, aber wörtlich „Es ist schlecht, dass es mehr Heteros als Homos gibt“, so hat sie den Satz noch nicht gehört.

      • @El_Mocho

        Nein. Den Begriff nachzuschlagen, erübrigt die Diskussion. Du kannst dazu sogar Wikipedia heranziehen. Von bösen Heteros oder zu wenig Homosexuellen wirst du da nichts lesen.

        • „Verhalten oder Gefühle, welche dieses System destabilisieren könnten, die zu weit abweichen, wirken stigmatisierend … und werden in vielen Fällen mehr oder weniger streng sanktioniert (Heterosexismus)“

          http://de.wikipedia.org/wiki/Heteronormativit%C3%A4t

          Da ist keine Verurteilung im Spiel? Doch wohl zumindest implizit.

          Oder hier aus der englischen Fassung, noch deutlicher:

          „Critics of heteronormative attitudes, such as Cathy J. Cohen, Michael Warner, and Lauren Berlant argue that they are oppressive, stigmatizing, marginalizing of perceived deviant forms of sexuality and gender, and make self-expression more difficult when that expression does not conform to the norm. …According to cultural anthropologist Gayle Rubin, heteronormativity in mainstream society creates a „sex hierarchy“ that gradates sexual practices from morally „good sex“ to „bad sex.“ The hierarchy places reproductive, monogamous sex between committed heterosexuals as „good“ and places any sexual acts and individuals who fall short of this standard lower until they fall into „bad sex.“ ”

          http://en.wikipedia.org/wiki/Heteronormativity

          Finde ich eine recht eindeutige moralische Verurteilung.

        • Stigmatisierung, Sanktionierung, „oppressive, stigmatizing, marginalizing“, „a “sex hierarchy” that gradates sexual practices from morally “good sex” to “bad sex“

          Das sind ganz eindeutig moralische Verurteilungen. Es wird unterstellt, dass Heteronormativität moralisch zu verurteilen ist.
          Und heteronormativ ist das Verhalten von Heterosexuellen, die ihr eigenes Verhalten als normal betrachten und die Homosexualität als Abweichung.

          Hier wird einzig und allein auf moralischer Ebene argumentiert, Biologie bleibt völlig außen vor, Menschen werden als moralische Subjekte betrachtet, die zufällig auch einen Körper haben.

        • Der Begriff „Raum“ impliziert ein Nullsummenspiel: Was Heteros „Einnehmen“ nehmen sie demzufolge eben Homos „weg“.

          Selbstverständich ist das ein zuallermindest implizites moralisches Urteil.

        • @ El_Mocho
          Ich denke Du verstehst den Begriff Heternormativitaet falsch. Dieser impliziert keine Abwertung der Heterosexualitaet, sondern beschreibt die moralische Abwertung aller Nicht-Heterosexualitaeten ausgehend von der Norm der Heterosexualitaet und der Zweigeschlechtlichkeit.

        • „Es wird unterstellt, dass Heteronormativität moralisch zu verurteilen ist.“

          Das ist sie m. E. auch. Zumindest wenn aus der Norm, eine Abwertung der Nicht-Heterosexualitaet erfolgt.

        • „Dieser impliziert keine Abwertung der Heterosexualitaet, sondern beschreibt die moralische Abwertung aller Nicht-Heterosexualitaeten ausgehend von der Norm der Heterosexualitaet und der Zweigeschlechtlichkeit.“

          Oberflächlich ja.

          Die Crux liegt m.E. im Begriff der „Norm“.

          Wenn über 90% der Menschen konsequent das eine Verhalten zeigen und weniger als 10% ein anderes, dann ist das Verhalten der 90% in jedem Sinne des Wortes, vor allem auch im wertfreien Sinne, „normal“.

          Wie in „Es ist normal, dass man vorwärts geht. In manchen Situation gehen manche auch rückwärts, aber normal ist vorwärts.“

          Da ist keine Wertung drin.

          Ebenso ist es – rein zahlenmäßig – normal, hetero zu sein.

          Zitat aus der Wikipedia: “ um ein System von Verhaltensweisen und sozialen Erwartungen zu beschreiben, welches um die Vorstellung herum aufgebaut ist, dass jeder heterosexuell ist oder sein sollte“

          Wenn fast jeder Mensch heterosexuell ist (das ist der Fall, wenn nur 2-3% nicht-hetero sind), dann ist es regelrecht gesund und nicht anders denkbar, als erst einmal anzunehmen, dass der Mensch, dem du begegnest, hetero ist.
          Wenn du in Stuttgart einem Menschen auf der Straße begegnest, hast du auch die Erwartung, dass es angemessen ist, diesen auf deutsch anzusprechen.

          Es ist normal anzunehmen, dass bei einem konkreten Menschen ein Merkmal vorhanden ist, wenn knapp 100% aller Menschen dieses Merkmal haben.

          Da ist keine Wertung drin. Das ist eine Mischung aus Mathematik und gesundem Menschenverstand.

          Der Begriff der Normativität kommt aus dem „…oder sein sollte“ des WP Zitats.
          Oder auch „Heteronormativität ist ein gesellschaftliches Ordnungssystem. “ (ebd.)

          Wie wurde hier aus einer mathematisch vernünftigen Erwartung denn plötzlich ein Ordnungssystem?

          „normal“ ≠ „Norm“

          Das letzere kommt aus der „Opfergruppe“, zumindest, was die Diskussion des Raumeinnehmens angeht.

          Die Gesellschaft hat keine Norm verhängt, sie erwartet nur erst mal ein normales Verhalten.
          Das ist normal.
          Die Wertung, dass das eine (vorschreibende) Norm ist, kommt von denen, die damit eine Opferrolle begründen wollen.

        • „“Dieser impliziert keine Abwertung der Heterosexualitaet,“

          Fällt mir grad auf: Ist das Absicht, dass da „Abwertung“ steht? Denn das ist natürlich wahr. Aber bisher war ja auch die Rede davon, dass das eine „Anklage“ ist.

        • „Wie wurde hier aus einer mathematisch vernünftigen Erwartung denn plötzlich ein Ordnungssystem?“

          Tut dir doch selbst den kleinen Bildungsgefallen und schlag das Wort „Normativ“ nach. Dann wirst du feststellen, dass es hier nicht um Wahrscheinlichkeit geht.

        • Dann wirst du feststellen, dass es hier nicht um Wahrscheinlichkeit geht.

          Selbstverständich geht es nicht um Wahrscheinlichkeiten, sondern um den Versuch einer Etablierung von sozialen Normen. Sonst macht ja der Begriff „Raum“ keinen Sinn, man kann schließlich Homosexuellen Entfaltungsraum gewähren ohne eigenen Entfaltungsraum „wegzugeben“.

          „Raum lassen“ hat dabei eine andere Bedeutung als das Nullsummenspiel, das von Horst konstruiert. Wenn ich von einem Nullsummenspiel ausgehe, dann kann und will ich dem „Normalen“ keinen Entfaltungsraum lassen. Der „Raum“-Topos kaschiert das Bedürfnis, selbst einschränkende Normen zu schaffen.

          Zitat von Horst:

          „Männer können den Raum, den sie in der Gesellschaft haben, nehmen und ihn feministischer machen – und müssen dafür nicht extra einen Raum in feministischen Diskursen beanspruchen.“

          http://man-tau.blogspot.de/2013/10/wie-nicole-von-horst-einmal-erklarte.html#more

          Männer sollen also „den Raum, den sie haben“ feministisch gestalten, ohne jedoch an der Gestaltung dessen zu partizipieren, was dieser Begriff beinhaltet.

          Mithin ist die zu etablierende soziale Norm: „Feministinnen wissen per se, was für Männer (und Frauen) gut ist, also halt die Klappe und mach gefälligst die Welt so, wie wir es dir sagen! Wenn du das nicht tust, dann nimmst du uns den uns zustehenden Gestaltungsraum weg!“

          Sehnsüchte nach einer qua Geburt nicht in Frage stellbarer Macht, ein Kampf gegen die Aufklärung.

          Entweder ist das ein im Sandkasten stehengebliebener Narzissmus oder ein Rekurs auf das vermeintlich blaue Blut.

          Wahrscheinlich Beides.

          (Nein, ich gehe in der Tat nicht auf die Kinch’sche Rabulistik ein)

        • @ yacv
          „Es ist normal anzunehmen, dass bei einem konkreten Menschen ein Merkmal vorhanden ist, wenn knapp 100% aller Menschen dieses Merkmal haben.“

          Richtig. Darum geht es aber nicht bei einer Normativitaet.

          Zitat Wikipedia: „dass jeder
          heterosexuell ist oder sein sollte”

          Der Knackpunkt liegt hier beim Wort „sollte“. Heternormativitaet definiert einen gesellschaftlichen Zustand, der Heterosexualitaet nicht nur als Norm anerkennt, sondern als einzig denkbare Form von Sexualität.
          Um das näher zu erklären, müsste ich allerdings ins Detail gehen.

        • Der Knackpunkt liegt hier beim Wort “sollte”.

          Das ist schon richtig, „normativ“ bezieht sich nicht auf Normales im Sinne von „üblichem“, sondern beschreibt ein aktives Handeln zugunsten einer Norm. In dem Kontext hier ein „keinen Entfaltungsraum belassen“

          Allerdings haben Queerfeministinnen vulgär-postrukturalistischer Provenienz zumeist einen anderen Begriff von „Heteronormativität“: Da wird es beispielsweise zur einschränkenden „Raumeinnahme“, wenn Heteros öffentlich Händchen halten. In Wahrheit ist es wohl eher eine „Raumwegnahme“, wenn Homophobe darauf bestehen dass Homos sich das Händchenhalten in der Öffentlichkeit verkneifen. (Nach meiner Auffassung eine Einschränkung des Entfaltungsraumes aller, denn ich habe nur dann Entfaltungsraum wenn ich ihn auch nach eigenem Gusto gestalten kann)

          Anstatt sich also für mehr Entfaltungsraum einzusetzen wird eine Einschränkung des Entfaltungsraumes für die offenbar verhassten „Heten“ gefordert. Das könnte man wohl ohne Weiteres als „Homonormativ“ bezeichnen.

          Weil man solche Forderungen natürlich schlecht offen stellen kann, bedient man sich des Konstruktes „Raum“ als Nullsummenspiel: „Was die Heten an Raum einnehmen, das nehmen sie uns Homos an Raum weg!“

          Nur so erscheint es als „gerecht“, wenn Heteros sich vermeintlich zugunsten von Homos einschränken müssen.

          Da kann ich mir Assoziationen zu völkischen „Lebensraum“-Konzepten schwer verkneifen. Auch dabei wird „Raum“ zu einem derart knappen Gut konstruiert, dass eine Koexistenz unmöglich sein soll. Das „Raumwegnehmen“ der „Feinde“ wird zur Frage eines „Daseinskampfes“.

        • Edit: „Das bekämpen der “Raumwegnahme” durch die “Feinde” (also: schon deren bloße Existenz) wird zur Frage eines “Daseinskampfes”.

        • @ Nick
          „“normativ” bezieht sich nicht auf Normales im Sinne von “üblichem”, sondern beschreibt ein aktives Handeln zugunsten einer Norm“

          Ich würde ergänzen: aktives Handeln zugunsten einer Norm, Ignorieren von Dingen jenseits der Norm und Abwertung von Dingen jenseits der Norm

          „Da wird es beispielsweise zur einschränkenden “Raumeinnahme”, wenn Heteros öffentlich Händchen halten.“

          Das eine geht in das andere über und ist nicht so leicht zu trennen, wie man annehmen könnte. Natürlich ist es absurd, öffentliches Händchen halten von Heteros als Heteronormativität zu bezeichnen, allerdings nur dann, wenn diejenigen Heteros die Händchen halten, von Homos erwarten dies nicht zu tun.

          Individuelle Ansichten und gesellschaftliche Strukturen gehen bei der Definito von Heteronormativität ineinander über.

          „Das könnte man wohl ohne Weiteres als “Homonormativ” bezeichnen.“

          Ich würde es sehr begrüßen, wenn dieser Begriff in diesem Zusammenhang verwendet wird. Jemanden mit eigenn Waffen zu schlagen ist immer ein guter Weg.

          “Was die Heten an Raum einnehmen, das nehmen sie uns Homos an Raum weg!”

          Ich glaube allerdings, hier simplifizierst Du die Aussage ein wenig. Denn bspw. in Bezug auf Russland, könnte man das durchaus als adäquate Beschreibung der Situation verwenden.

        • Ebenfalls Edit:
          *Natürlich ist es absurd, öffentliches Händchen halten von Heteros als Heteronormativität zu bezeichnen, allerdings dann nicht, wenn diejenigen Heteros die Händchen halten, von Homos erwarten, dies nicht zu tun.

        • @Adrian:
          Ich würde ergänzen: aktives Handeln zugunsten einer Norm, Ignorieren von Dingen jenseits der Norm und Abwertung von Dingen jenseits der Norm

          Die Abwertung ist klar, allerdings ist mir „Ignorieren“ zu schwammig. Wenn ein Arbeitgeber die sexuelle Orientierung seiner Bewerber ignoriert, dann halte ich das z.B. für richtig.

          ..allerdings nur dann, wenn diejenigen Heteros die Händchen halten, von Homos erwarten dies nicht zu tun.

          Ein solches Rechte beanspruchen, obwohl man sie anderen nicht zubilligt beinhaltet natürlich sowohl eine Abwertung als auch eine soziale Norm.

          Individuelle Ansichten und gesellschaftliche Strukturen gehen bei der Definito von Heteronormativität ineinander über.

          Aus der Summe der von vielen geteilten Ansichten werden soziale Strukturen, klar. Heteronormarmativ sind in meinen Augen in erster Linie diese Ansichten, der Begriff „gesellschaftliche Strukturen“ wird in meinen Augen zu oft zu beliebig angebracht.

          Denn bspw. in Bezug auf Russland, könnte man das durchaus als adäquate Beschreibung der Situation verwenden.

          Das Problem scheint mir zu sein, dass dort die heterosexuelle Mehrheit meint, den öffentlichen Raum durchgestalten zu dürfen. Dort behaupten offenbar viele Heteros, dass Homosexuelle „Raum wegnehmen“. Dabei sind sie diejenigen, die es nicht ertragen können dass es Raum für andere Sexualitäten gibt. ALLE müssen nach ihren Vorstellungen leben, sonst meinen sie, keinen Entfaltungsraum zu haben.

          Das ist doch das Gleiche wie bei unseren lieben Genderist_innen.

        • @ Nick
          „Wenn ein Arbeitgeber die sexuelle Orientierung seiner Bewerber ignoriert, dann halte ich das z.B. für richtig.“

          Ich denke, der Begriff den ich meine ist so was wie „aktives ignorieren“.

          „der Begriff “gesellschaftliche Strukturen” wird in meinen Augen zu oft zu beliebig angebracht.“

          Geb ich Dir recht, aber in gewisser Weise passt er.

          „Das Problem scheint mir zu sein, dass dort die heterosexuelle Mehrheit meint, den öffentlichen Raum durchgestalten zu dürfen“

          Was man ja durchaus mit „Raum einnehmen“ beschreiben könnte.

        • Was man ja durchaus mit “Raum einnehmen” beschreiben könnte.

          Ich würde es eher als „keinen Raum lassen“ bezeichnen.

          Man stelle sich einen ganzen unbesiedelten Kontinent vor. Gruppe A und Gruppe B besiedeln nun diesen riesigen Kontinent, sodass er immer noch fast unbesiedelt ist.

          Nun kommt Gruppe A auf die Idee, dass Gruppe B falsch lebt und fängt an, Gruppe B ihre Lebensweise aufzuzwingen. Weil sie bessere Waffen hat, kann Gruppe B nichts anderes machen als in die Berge zu ziehen. Aber auch dort lässt Gruppe A sie nicht in Ruhe, zumindest gibt es Leute in Gruppe A, die der Meinung sind man müsse in die Berge ziehen um Gruppe B zu verfolgen.

          Diese Leute werden wohl Schwierigkeiten haben, genug Mitkämpfer zu finden: Man hat genug, warum sollte man also sein Leben riskieren, damit am Ende die eigenen Kinder verhungern?

          Man muss sich also etwas einfallen lassen. „Die nehmen uns den Raum weg!!“ ist dafür immer gut, weil der Instinkt gegen „wegnehmen“ sehr leicht auslösbar ist. Man wird also behaupten, dass Gruppe B den faschen Gott mächtig mache und dass der fasche Gott einem dann die Ernte verhagelt und das Wild vertreibt. Womit man schön ein „Raum wegnehmen“ durch Gruppe B konstruiert hätte, obwohl der Raum eigentlich gar kein knappes Gut ist.

          Solche Nullsummenspiele sind für mich Feindbildkonstuktionen: Man kann zwar Gruppe A Raum wegnehmen, aber Gruppe A nimmt Gruppe B nicht durch ihre bloße Existenz Raum weg.

          v. Horst betreibt Kriegspopaganda, damit der vehassten „hegemonialen Männichkeit“ kein Raum gelassen wird. Ihr wird genug Raum gelassen, so zu leben wie sie will, das reicht ihr aber offenbar nicht.

        • @Adrian,

          „Der Knackpunkt liegt hier beim Wort “sollte”. Heternormativitaet definiert einen gesellschaftlichen Zustand, der Heterosexualitaet nicht nur als Norm anerkennt, sondern als einzig denkbare Form von Sexualität.“

          Das hatte ich oben versucht zu sagen, anscheinend zu plump und wenig erfolgreich.
          In dem Fall ist „Heteronormativ“ aber letztlich ein anderes Wort für homophob und das Ganze ist eine andere Diskussion, bei der ich voll auf deiner Seite bin.
          Das Wort „heteronormativ“ habe ich aber zuerst (und eigentlich bisher ausschließlich) in dem Kontext gehört, dass Heteros, durch ihr öffentliches Zurschaustellen ihres Heteroseins, Homos irgendwie irgendwas wegnehme oder antue.

          Die Implikation scheint also zu sein: Ich bin hetero und verstecke das nicht -> ich erhebe Hetero-Sein zur Norm -> ich erkläre Homosexualität zum Abnormalen -> ich will Homosexualität abschaffen oder unterdrücken.

          Das ist eine ziemlich absurde Schlussfolgerung und zwar gleich beim ersten Pfeil.

          Der zweite Pfeil ist übrigens auch alles andere als logisch schlüssig, wie jeder weiß, der sowohl USB als auch Bluetooth Geräte sein eigen nennt: Es können sehr wohl sehr verschiedene Normen für den gleichen Zweck nebeneinander existieren.

          Aber in allererster Linie weigere ich mich, mir den Vorwurf anzuziehen, dass „etwas normal finden“ das gleiche sei wie „Etwas zur Norm erheben.“

        • ..ob nun in der Öffentlichkeit, durch die allgegenwärtigen sexuelle Belästigungen, oder in der virtuellen Welt, durch „Trolle“: Überall nimmt man Fräulein („Frökken“) von Horst und ihren Freundinnen den „Lebensraum“ weg.

          Da wird auch schnell ein „Hippsta-Fötzchen“ zur Raumwegnahme.

          Einzig mögiche Lösung ist natürlich das heißgeliebte Strafrecht. Ihren „Raumwegnehmer“ dürfen eben nur soviel Raum haben, wie es die Verfassung für Häftlinge vorschreibt. Erst dann ist sie zufrieden.

          Andere ignorieren Trolle und wissen, dass es in sexuellen Dingen auch mal Mißverständnisse geben kann, wissen vor allen Dingen, dass es in einem Polizeistaat keine Freiheit gibt, für niemand.

          Die Straflust ist offenbar größer als der Freiheitswille. Stupid, it’s radical feminism.

    • @ Christian Vielen Dank dafür, dass Du hier ein Zitat aus den Kommentaren zu meinem Artikel zum Thema gemacht hast! Ich kam gestern erst sehr spät von der Arbeit, daher kommentier ich jetzt erst mit.

      Mir ging es bei dem Kommentar, den Christian zitiert hat, gar nicht um Verhältnisse zwischen Hetero- und Homosexualität, um Normativität in der einen oder der anderen Richtung – sondern u.a. um den Vorwurf, dass ein sichtbares Küssen zu Lasten anderer öffentlichen Raum einnehmen würde. Und dabei vor allem darum, dass ich die Metapher des „Raumeinnehmens“ im politischen Bereich sehr problematisch finde.

      Das wird vielleicht auch an einem umgekehrten Beispiel deutlich – an einem Zitat des CSU-Generalsekretärs Dobrindt, der Homosexuelle als „schrille Minderheit“ hinstellte, während er selbst die Stimme der „stillen Mehrheit“ sei. http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-03/homo-ehe-csu-dobrindt Das ist prinzipiell der gleiche Vorwurf: Da nehmen Leute zu viel Raum ein, der ihnen gar nicht zusteht, und damit anderen was weg.

      Die mehr oder weniger impliziten Selbst- und Fremdbeschreibungen dieses Vorwurfs sind nach meinem Eindruck typisch für die Raumeinnahme-Metapher im politischen Bereich. „Die anderen, Unmoralischeren haben – gerade weil sie unmoralischer sind – weniger Skrupel, öffentlichen Raum in Beschlag zu nehmen; während wir, die Integren, gerade weil wir moralisch integer sind, uns still und bescheiden zurückdrängen lassen.“ Eine Politik des moralisierenden Ressentiments.

      Daher stimme ich Nick völlig zu, wenn er die politische Raum-Metapher mit Rechtsaußen-Konzepten assoziiert – für eine zivile, demokratische Politik ist so eine Metapher auch deutlich weniger brauchbar.

      Ein zweiter wichtiger Punkt ist der der „Normativität“. Wenn ich öffentlich eine Frau küsse, dann will ich damit doch nicht signalisieren, dass zwei Männer oder zwei Frauen sich nicht öffentlich küssen sollen. Die Unterstellung, ich würde meine Hetero-Mann-Privilegien leugnen und daher meinen normativen Machtanspruch gar nicht wahrnehmen, finde ich verfehlt. Das unterstellt meinem Verhalten bösartige Motive, obwohl es offenkundig und unkompliziert mit gutwilligen Motiven besser erklärbar ist.

      Auch das funktioniert ebenso umgekehrt: In Russland wird Homos unterstellt, sie würden sich – wenn sie sich öffentlich küssen – nicht einfach nur küssen wollen, sondern damit „Propaganda“ betreiben, die andere einschränkt. Auch hier ist die Raumeinnahme-Metapher, die mit dieser Unterstellung unschwer zu verbinden ist, mit erheblichen Ressentiments verbunden.

      Daher ist also mein Eindruck, dass sie als politische Metapher nicht vernünftig brauchbar ist.

  2. @ Christian

    *Das in Verbindung damit, dass jeder Anspruch auf gleichen Raum haben könnte lässt ein sehr einfaches moralisieren zu.*

    Die Crux der Egalitaristen: Inwieweit sind UNTERSCHIEDE unvermeidlich, daher hinzunehmen. Oder gar gerecht und dann erst recht hinzunehmen.

    Denn es ist ja tatsächlich eine Machtfrage: Wer mehr macht, nimmt dort, wo er mehr macht, mehr Raum ein – zu Recht!

    Allerdins auch hier: Die Dosis macht das Gift.

    Feminismus ist der untaugliche, toxische Versuch, ein tiefes Minderwertigkeitsgefühl zu „egalisieren“ (Borat wird nicht müde, seine Ursachen weiblicherseits sehr drastisch offenzulegen – das Problem der modernen Wohlstandsfrau, „arbeitslos“ geworden durch Technisierung des Haushaltes, Industrialisierung der Vorratshaltung, drastische Reduzierung der Kindersterblichkeit > weniger Kinder/Geburten nötig = das klassische weibliche Hauptgeschäftsfeld).
    Eine von Neid angetriebene Ideologie des Ressentiments macht das Ganze jedoch nur noch schlimmer und immer schlimmer.

    Und es gibt keine Erlösung, kein Genug, denn das Grundproblem bleibt ungelöst, ist unlösbar.

    Ein Marsch in die Wüste.

    Der vielleicht erst endet, wenn auch noch das letzte Kamel verdurstet ist.

    Dann hat die Karawane Ruh.

      • @ Neuer Peter

        Die Forderung nach Ergebnisgleichheit ist logische Folge der Prämisse, dass alle Menschen gleichartig seien.

        Somit wird jeder Unterschied im Ergebnis zum Ausdruck von Benachteiligung/Privileg.

        Gerechte Leistungsunterschiede kann es in diesem Weltbild nicht geben, denn auch wenn anerkannt wird, dass der eine u.U. weniger leistet als der andere, so ist doch der Minderleister durch gesellschaftliche Umstände gehindert worden, zu seiner vollen = gleichen Leistungsfähigkeit aufzuwachsen.

        Damit ist er OPFA der die Gesellschaft/Kultur Dominierenden (d.h. der WEISSEN, HETEROSEXUELLEN MÄNNER – dem Erzfeind der Menschheit), die ihn, wie geheimnisvoll auch immer, beschädigt haben durch soziokulturelle Miasmen, die darum, einer Sünde gegen die Hl. Gleichheit überführt – Evidenz: DIE UNGLEICHHEIT SELBST – bestraft gehören, also diskriminiert werden müssen.

        NATÜRLICHE Unterschiede in Leistung/Begabung/Motivation, für die keine Soziokultur verantwortlich ist, für die also keine schuldigen Menschen angeklagt werden können, gibt es in diesem Weltbild nicht.

        Das wäre Biologismus und diente nur der Rechtfertigung von PRIVILEGIEN.

        Wobei man natürlich fragen kann, inwieweit es ethisch gerechtfertigt ist, natürliche (Leistungsfähigkeits-)Unterschiede auch noch zu honorieren, denn dass der Leistungsfähige leistungsfähiger ist, ist schließlich auch nur sehr bedingt sein Verdienst.

        Das lässt sich wohl nur pragmatisch rechtfertigen. („Eine Gesellschaft, die Leistungsfähige von ihrer Leistungsfähigkeit profitieren lässt, ist insgesamt wohlhabender, in ihr leben auch die Leistungschwächeren daher besser, da sie mehr Sürplus generiert!“)

        Wie würdest Du denn die, die ich Egalitaristen nenne, bezeichnen?

        • Nun ja, Menschen können ja auch gleich an Rechten und Pflichten sein. Ein Postulat, dass die von dir so bezeichneten Egalitaristen aus den von dir genannten Gründen nicht akzeptieren können. Eine bessere Bezeichnung als „Proponenten flächendeckender Ergebnisgleichheit“ fällt mir da auch nicht ein. Obwohl Dummerjans Vorschläge nicht ganz von der Hand zu weisen sind.

      • „Ich glaube nicht, dass die Proponenten flächendeckender Ergebnisgleichheit mit dem Begriff “Egalitaristen” richtig bedacht sind.“
        Was würde besser passen?
        Naive? Schwachköpfe? Ignoranten?

    • „(Borat wird nicht müde, seine Ursachen weiblicherseits sehr drastisch offenzulegen – das Problem der modernen Wohlstandsfrau, “arbeitslos” geworden durch Technisierung des Haushaltes, Industrialisierung der Vorratshaltung, drastische Reduzierung der Kindersterblichkeit > weniger Kinder/Geburten nötig = das klassische weibliche Hauptgeschäftsfeld).“

      Damit ist ein wesentliches Element der
      Sinnstiftung weiblicher Lebensrealität
      weggebrochen. Das kann durch Hedonismus
      in jüngeren Jahren scheinbar kompensiert
      werden. Spätestens PW hilft auch das,
      selbst mit Karriere, nur noch beschränkt.
      Es ist geradezu amüsant zu beobachten
      mit wie viel intellektuellem Power
      komplexe philosophische Konzepte aufgebaut
      werden, um Tatsachen zu negieren die
      man mit weniger als tausend Worten
      beschreiben kann.

      • *Es ist geradezu amüsant zu beobachten
        mit wie viel intellektuellem Power
        komplexe philosophische Konzepte aufgebaut
        werden, um Tatsachen zu negieren die
        man mit weniger als tausend Worten
        beschreiben kann.*

        Es wird auch gerne mit Esoterik, NLP & co verschleiert.
        Das ist echt ein Business wo Geld umgesetzt wird.

        Jeder der den obsoleten PW-Wohlstandsfrauen etwas verkaufen kann was ihr Leid lindert oder verschleiert hat (noch) solide Gewinnaussichten.

    • Deine Beschreibung, @red pill, der feministischen Motivation

      *Es ist geradezu amüsant zu beobachten
      mit wie viel intellektuellem Power
      komplexe philosophische Konzepte aufgebaut
      werden, um Tatsachen zu negieren die
      man mit weniger als tausend Worten
      beschreiben kann.*

      finde ich sehr treffend. Ganz dem Motto verpflichtet: „Es darf nicht sein, was nicht sein soll.“ werden Unterschiede bei Geschlechtern negiert oder als „patriarchal erschaffene Benachteiligung“ interpretiert, die es selbstverständlich zu beseitigen gilt.

      Dieses unbedingte Gleichheitspostulat ist das „perpetuum mobile“ für endlose Frauen-Förderprojekte, denn Ungerechtigkeit muss beseitigt werden. Dabei lassen sich mit biologischen Unterschieden schwerer, als mit „patriarchalen Strukturen und gläsernen Dächern“ Gleichstellungsmaßnahmen begründen, aber selbst das geht: „Frauen kriegen Kinder, also dürfen sie 3 Jahre früher in Rente.“

      Es genügt Unterschiede festzustellen. Die theoretischen Erklärungen sind letztlich sekundär und dienen letztlich nur zur Beschreibung des Ausmaßes der Ungerechtigkeit und somit Lautstärke des Jammerns.

    • @roslin

      Scheinbar ist meiner Beschreibung der obsoleten Wohlstandsfrau nichts stichhaltiges entgegenzusetzen, so braucht es die pentetrante Wiederholung bevor es totgeschwiegen oder ausgesessen wird.

      Natürlich trifft es genauso Männer, die zweifeln könnten ob ihre „Investition“ in eine Wohlstandsfrau und vor allem in _deren_ Kinder sinnvoll war.

      Genauso trifft es natürlich auch Männer die Glauben dieser ungeliebten Realität, dieser signifikanten Wahrscheinlichkeit geschickt entkommen zu können und „Glück“ zu haben. „Ich doch nicht!“

      • @ Borat

        „Scheinbar ist meiner Beschreibung der obsoleten Wohlstandsfrau nichts stichhaltiges entgegenzusetzen, so braucht es die pentetrante Wiederholung bevor es totgeschwiegen oder ausgesessen wird.“

        Ein Grund warum der Feminismus
        relativ erfolgreich war ist die
        Tatsache, dass die Femis in den
        letzten 40 Jahren am lautesten
        geschrien haben.

        Es gibt Untersuchungen über die
        Einflüsse, im Sinne von permanenten
        Veränderungen im Gehirn, durch
        Schwangerschaft und Geburt bei
        Frauen.

        The only thing that women do that
        can grant them some measure of
        wisdom is raising good children.
        Not just raising children, raising
        good children – which requires
        work and discipline on the part
        of the parents to do what’s in
        the long term best interests
        of the parents and children.

        Old women who haven’t done
        those things aren’t any smarter
        (read: wiser) than young women,
        they just look worse.

    • @ Alexander „Die Crux der Egalitaristen: Inwieweit sind UNTERSCHIEDE unvermeidlich, daher hinzunehmen. Oder gar gerecht und dann erst recht hinzunehmen.“ Und ich meine, es geht gar nicht vorwiegend um egalitaristischen Furor, auch wenn der in manchen Kontexten – etwa in manchen sehr engen Gemeinschaften, wo man sich besser nicht allzu sehr von den anderen unterscheiden sollte – sicherlich auch bei dieser Gelegenheit austobt.

      Menschen nehmen nun einmal Raum ein. Gerade an autoritäre Verhältnisse angepasste Menschen können das in der Regel schwer ertragen – in der Schule ist z.B. bei Schülerbeschreibungen der Begriff „lebhaft“ für manche regelrecht eine Chiffre für den Vorwurf, dass der Schüler zu unruhig sei, nicht an seinem Platz blieben würde, einen zu großen Bewegungsdrang habe etc.

      Mein Eindruck ist also, dass es bei der obsessiven Konzentration auf das Raumeinnehmen vor allem um autoritäre, nicht um egalitäre Impulse geht. Als ich das erste Mal eine Breitmachmacker-Seite gesehen habe, war ich regelrecht baff angesichts der Selbstverständlichkeit, mit der andere aufgrund von absoluten Belanglosigkeiten fotografiert und in aller Öffentlichkeit bloßgestellt wurden. Eine völlig dumpfe „Was der macht, gehört sich nicht, der hat das also verdient“-Haltung, autoritär bis in die Knochen.

      Aber nicht egalitär – das eigene, massive Breitmachen auf Kosten anderer wird ja gar nicht wahrgenommen.

      • @schoppe

        „Aber nicht egalitär – das eigene, massive Breitmachen auf Kosten anderer wird ja gar nicht wahrgenommen.“

        Liegt vielleicht daran, dass das Denken sehr auf die Gruppe ausgerichtet ist. Die Männer machen sich nach dieser Vorstellung breit, in Vorständen, in allen wichtigen Positionen, über die finanzielle Macht in der Familie. Das Breitmachen in der Ubahn ist dann einerseits einer Verkörperung dieses Breitmachens (auch wenn es durch einen armen Mann erfolgt) und gleichzeitig ein Konstruieren des Anspruchs der Gruppe Mann sich breit machen zu können.
        Der Mann sitzt breit, weil seine Gruppenzugehörigkeit ihm erlaubt Platz einzunehmen. Mit dem Breitsitzen verdeutlicht er Frauen den Machtanspruch der Männer. Jedes breite Sitzen ist damit eine Absicherung des Patriarchats oder der hegemonialen Männlichkeit.

        Das ist aush meiner Sicht die fatale Übertreibung: Alle gesten können danach bewertet werden ob sie für eine gesellschaftliche Position der Gruppe der jeweiligen Person stehen. Jede Bewegung ist damit auch eine Performance der Geschlechterrolle und damit auch eine Stützung dieser.

        Damit ist der Kampf gegen Breitmachmacker leicht aufzuwerten zu einem Kampf gegen die Unterdrückung der Frau: Setzt sich das Denken durch, dass Männer nicht breit sitzen –> mehr Raum einnehmen können, dann führt das in dieser Vorstellung direkt dazu, dass Männern auch weniger selbstverständlich in Führungspositionen kommen. Und es führt natürlich auch dazu, dass Frauen sich mehr Raum zugestehen können und damit auch sehen, dass sie mehr Raum verdienen und bekommen und daher auch eher in Führungspositionen kommen.

        Da aber Frauen sich als Gruppe nicht breit machen (sie haben ja keine Führungspositionen und auch sonst nichts zu sagen, gegenteilige Positionen etwa in beziehungen etc werden ausgeblendet) können sie gar nicht zuviel Raum einnehmen

        Ich finde es ein merkwürdig naives Bild, aber es passt zum poststrukturalismus und dessen Vorstellung, das alles konstruiert ist.

        • @ Christian „Ich finde es ein merkwürdig naives Bild, aber es passt zum poststrukturalismus und dessen Vorstellung, das alles konstruiert ist.“ Ja, aber nur, wenn konstruktivistische Ideen mit Beliebigkeit assoziiert werden. Macht ist dann eben genau so konstruiert wie eine Sitzhaltung, und man kann auch prima Analogien dazwischen erkennen. So wird die Vorstellung der sozialen Konstruktion tatsächlich häufig verwendet.

          In meinen Augen macht das den sozialen Konstruktivismus allerdings zu schwach. Man könnte ja auch z.B. die Frage stellen, wie etwas konstruiert sein muss, damit es funktioniert – oder andersherum: Man könnte sich etwas, das offenkundig funktioniert, daraufhin anschauen, wie es konstruiert ist. Wie muss z.B. eine politische Entscheidungsfindung konstruiert sein, damit alle von der Entscheidung Betroffenen auch an ihr beteiligt sind? Das fänd ich eine durchaus vernünftige (wenn auch womöglich ins Utopische zielende) Frage.

          Worauf ich hinaus will, ist: Dass jemand konstruktivistische Ideen hat, muss nicht implizieren, dass für ihn alles beliebig ist, Realität eigentlich nicht existiert, etc.

          Auf DIESE Ideen kommt man nur in Kontexten, in denen Menschen sich der Überprüfung ihrer Ideen auf Funktionalität, Zweckdienlichkeit, Wirksamkeit u.ä. nicht unterziehen müssen. Das aber sind tendenziell sehr privilegierte Kontexte, die von der Last der materiellen Versorgung weitgehend entbunden sind, und zudem Kontexte, in denen die Interaktion weitgehend sprachlich organisiert ist – so dass das Missverständnis möglich wird, allein durch eine Manipulation der Sprache, der Signale, der Repräsentation von Welt würde auch gleich die Welt selbst verändert.

          Das Problem ist also womöglich keines des sozialkonstruktivistischen Ansatzes, sondern seiner Verarbeitung in Kontexten einer insbesondere in geistes- und Sozialwissenschaften verbreiteten akademisierten Selbstbezüglichkeit, deren Protagonisten sich außerhalb akademischer Felder gar nicht mehr bewähren müssen (die z.B., anders als etwa Ingenieure, nie den Nachweis führen müssen, dass ihre Konstruktionen auch funktionieren).

          • @Schoppe

            „Dass jemand konstruktivistische Ideen hat, muss nicht implizieren, dass für ihn alles beliebig ist, Realität eigentlich nicht existiert, etc.“

            Nein, zu untersuchen, wie und ob etwas konstruiert ist kann sehr wichtig sein. Nur muss man sich eben von dem Gedanken trennen, dass alles beliebig und sozial konstruiert ist.
            Ich hatte das mal so gefasst:

            https://allesevolution.wordpress.com/2011/07/18/poststrukturalismus/

            Der Poststrukturalismus setzt also letztendlich voraus, dass alles durch Diskurse und sprachliche Mittel konstituiert ist, diese Grundthese wird dann für die einzelnen Bereiche nicht mehr selbst hinterfragt. Das dürfte der eigentliche Fehler sein, der zu vielen Fehlinterpretationen beiträgt.

            Dabei sehe ich es durchaus so, dass eine Diskursanalyse sinnvolles an Tageslicht bringen kann, wenn man sieht, wie in dem jeweiligen Diskurs mit den Fakten umgegangen wird und was uns dies über die Macht und die Personen verrät. Was gesagt und was nicht gesagt wird, kann gerade wenn man weiß, wie es wirklich war, vieles verändern. Und natürlich kann der Diskurs und die Art, wie er geführt wird, einiges verändern und das Verhalten von Menschen steuern, den einen Macht geben und die anderen unterdrücken. Eine Welt wie in dem Roman 1984 erscheint mir zumindest den grundsätzlichen Steuermechanismen nach nicht unvorstellbar und natürlich erfolgt auch gerade in Diktaturen eine gewisse Steuerung durch Propaganda etc. Aber das bedeutet nicht, dass Gesellschaften beliebig sind. Die Propaganda beispielsweise baut üblicherweise darauf auf, bestimmte Personen aufzuwerten und mit Status zu versehen und andere Personengruppen abzuwerten. Das sind aus der Natur des Menschen gut erklärbare Leitinstrumente. Natürlich verrät uns die Darstellung des Führers über Macht. Aber es macht seine Machtinstrumente nicht beliebig.

            Genauso verrät uns der Umgang der Geschlechter untereinander etwas über Macht. Wenn die Rolle des Mannes überhöht und mit zusätzlichen Wert versehen wird, dann erfolgt dies sicherlich über sprachliche Mittel. Aber es konstruiert deswegen die Rolle des Mannes nicht zwangsläufig gleich mit.

            Um zu erfahren, was an der Rolle konstruiert ist muss man sich zunächst mit den Grundlagen der Geschlechter beschäftigen und kann die Konstruktion nicht einfach voraussetzen.
            (…)
            Das ist das Schöne am Postrukturalismus: Man kann einfach alles mit ihm begründen, weil man sich um Fakten nicht mehr kümmern muss. Weil die herrschende Ideologie und die herrschenden Machtverhältnisse die Realität nicht ausblenden kann, eine utopische Welt aber frei davon ist, wird die herrschende Ideologie und die herrschenden Machtverhältnisse meist in irgendeiner Form mit den Fakten übereinstimmen, die man dann als Konstrukt eben dieser Machtverhältnisse darstellen kann und dann seine Utopie dagegen setzen kann.

            Genau diese mangelnde Erdung macht meiner Meinung nach den Postrukturalismus so gefährlich. Er muss nicht mehr überprüfen, ob seine Grundlagen stimmen, ob die Fakten seine Theorien unterstützen, weil es keine Grundlagen und keine Fakten mehr gibt, wenn alles ein Konstrukt ist. Alles ist bezogen auf die Geschlechterdebatte ein Kampf der Geschlechter als Gruppen gegeneinander um die Konstruktion, die ihnen Macht gibt.

        • @ Schoppe

          *Auf DIESE Ideen kommt man nur in Kontexten, in denen Menschen sich der Überprüfung ihrer Ideen auf Funktionalität, Zweckdienlichkeit, Wirksamkeit u.ä. nicht unterziehen müssen. Das aber sind tendenziell sehr privilegierte Kontexte, die von der Last der materiellen Versorgung weitgehend entbunden sind, und zudem Kontexte, in denen die Interaktion weitgehend sprachlich organisiert ist – so dass das Missverständnis möglich wird, allein durch eine Manipulation der Sprache, der Signale, der Repräsentation von Welt würde auch gleich die Welt selbst verändert.*

          Sind darum Frauen, westliche Frauen dort überrepräsentiert?

          Weil sie als das eher versorgte als versorgende, als das eher geschützte als schützende Geschlecht nur eine abgepolsterte, eine durch Männer abgepolsterte Welt wahrnehmen, in der sie nicht kämpfen müssen?

          Auch scheint mir die übliche Weltveränderung durch Frauen in der Tat eine mittels Manipulation durch Sprache zu sein.

          Frau klagt Männern ihr Leid und erwartet, dass diese für sie die Welt schön machen.

          Selbst ebnet sie selten die rauhen Wege, auf denen sie zarten Fußes ausschreiten will.

          Das ist Aufgabe der groben Männer.

          Wehe, sie schaffen nicht, was frau von ihnen erwartet.

          Dann sind sie impotent, schwache Männer, BÖSE gar, die die Wege verlottern lassen, DAMIT Frau nicht schlanken Fußes auf ihnen vorankommt.

          Unsere Prinzessinnen haben gute Gründe, die Welt „sozialkonstruktivistisch“ zu deuten, privilegiert wie sie sind.

      • @ Schoppe

        Autoritär und egalitär ist ja im Falle autoritärer Egalitäristen kein Widerspruch, im Gegenteil.

        Eine freiheitliche Gesellschaft mit Gleichberechtigten wird NIEMALS Gleichheit im Sinne von Gleichstellung erreichen, weil Menschen eben nicht gleichartig sind.

        Wer Menschen GLEICH STELLEN WILL, MUSS, MUSS, MUSS autoritär sein.

        Natürlich brauche ich dann eine Machtelite, die im Dienste der Gleichstellung nicht gleichgestellt sein kann, sondern top-down die Gleichstellung forcieren muss.

        Aber das zu rechtfertigen gelingt ja mühelos („Ist ja nur vorübergehend, bis die Gleichstellung endlich erreicht ist, die „Privilegierten“ enldich entprivilegiert sind, die Marginalisierten in’s Zentrum befördert wurden, brauchen wir halt die „Diktatur des Proletariates, die Defma der OPFA usw.).

        • @ Roslin

          „Eine freiheitliche Gesellschaft mit Gleichberechtigten wird NIEMALS Gleichheit im Sinne von Gleichstellung erreichen, weil Menschen eben nicht gleichartig sind.“

          Im sogenannten Neo-Marxismus gibt es hierzu in Bezug auf geschlechtsbezogene Aspekte übrigens folgende Analyse aus dem Jahre 1951:

          Erich Fromm:

          „Im 18. und 19. Jahrhundert wurde dann das Problem der Gleichberechtigung von Männern und Frauen tatsächlich akut. Während dieser Zeit entwickelte sich ein interessantes Phänomen, dass nämlich diejenigen, die behaupteten, die Frauen sollten die gleichen Rechte wie die Männer bekommen, zugleich behaupteten, es bestehe psychologisch kein Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern. Die Franzosen formulierten das so, dass die Seele geschlechtslos sei und dass es daher überhaupt keine psychologischen Unterschiede gebe. Diejenigen, die gegen die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Frauen waren, betonten mit oft sehr gescheiten und spitzfindigen Argumenten, wie stark sich Frauen psychologisch von Männern unterschieden. Natürlich schlossen sie daraus immer wieder, dass Frauen aufgrund dieser psychologischen Unterschiede weit besser dran wären und ihrer Bestimmung besser gerecht werden könnten, wenn sie nicht als Gleichberechtigte am sozialen und politischen Leben teilnähmen.
          Wir finden bis zum heutigen Tag bei vielen Feministinnen, (…) die Ansicht, dass keine Unterschiede bestünden oder dass sie belanglos seien. Sie sagen, wenn je irgendwelche Unterschiede existierten, so seien diese auf die kulturelle Umgebung und die Erziehung zurückzuführen, aber wesentliche psychische Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern, die nicht die Folge von Umwelt- oder Erziehungsfaktoren sind, gebe es nicht.
          Dieser bei den Verfechtern der Gleichberechtigung von Männern und Frauen so beliebte Standpunkt stimmt in vieler Hinsicht nicht. (…)
          Der zweite Grund, weshalb ich diese Art zu argumentieren für unangebracht halte, ist der, dass sie falsche Prinzipien suggeriert. Sie unterstellt die Idee, Gleichheit impliziere, dass ein jeder genauso ist wie jeder andere, dass Gleichheit Identität voraussetze. Tatsächlich aber implizieren Gleichheit und die Forderung nach Gleichberechtigung genau das Gegenteil: dass trotz aller Unterschiede kein Mensch von einem anderen als Werkzeug für seine Zwecke benutzt werden soll, dass jedes menschliche Wesen Selbstzweck ist. Das heißt aber, dass ein jeder die Freiheit haben sollte, seine besondere Individualität als angehöriger seines Geschlechts (…) zu entwickeln. Gleichheit impliziert nicht die Leugnung von Unterschieden, sondern die Möglichkeit zu deren vollster Verwirklichung.
          Wenn wir unter Gleichheit verstehen, dass es keine Unterschiede zwischen den Menschen gibt, dann leisten wir eben jenen Tendenzen Vorschub, die zu einer Verarmung unserer Kultur führen – das heißt zur „Automatisierung“ des einzelnen und zur Schwächung dessen, was der wertvollste Bestandteil der menschlichen Existenz ist,: Die Entfaltung und Entwicklung der Besonderheiten eines jeden Menschen.“

          aus: Erich Fromm – Mann und Frau (1951)

        • @ Roslin „Eine freiheitliche Gesellschaft mit Gleichberechtigten wird NIEMALS Gleichheit im Sinne von Gleichstellung erreichen, weil Menschen eben nicht gleichartig sind“ Ja, auch in meinen Augen ist Gleichstellung nur möglich, wenn es entweder keine gleichen Rechte gibt oder wenn diese Rechte nur sehr wenige Freiheiten erlauben. Trotzdem ist für mich nicht die wesentliche Frage, OB Menschen als gleich betrachtet werden sollten oder nicht, sondern eher, IN WELCHER HINSICHT.

          Das Fromm-Zitat Leszeks beschreibt jedenfalls tatsächlich eine Gleichheit, die nicht zu Einförmigkeit und Autoritarismus führen muss.

          „Tatsächlich aber implizieren Gleichheit und die Forderung nach Gleichberechtigung genau das Gegenteil: dass trotz aller Unterschiede kein Mensch von einem anderen als Werkzeug für seine Zwecke benutzt werden soll, dass jedes menschliche Wesen Selbstzweck ist.“

          Gleiche Rechte, Freiheitsrechte der Menschen, die Selbstzweck sind – aber nirgendwo ein Recht, andere Menschen schrankenlos zu instrumentalisieren. Das ist eine egalitäre Haltung, die mit Autoritarismus tatsächlich nicht vereinbar ist (und mit Gleichstellung auch nicht).

      • @Schoppe:
        Mein Eindruck ist also, dass es bei der obsessiven Konzentration auf das Raumeinnehmen vor allem um autoritäre, nicht um egalitäre Impulse geht.

        Ja, offenbar legen soche Konzepte von „Raum“ zugrunde, dass „Räume“ klar abgegrenzte und begrenzte Container sind, in die jeweils nur Menschen mit bestimmten Eigenschaften gehören und innerhalb derer „jeder seinen zugewiesenen, festen Patz hat“. Es also eine strenge Ordnung geben müsse.

        vgl. Ethnopluralismus, Imperialismus

        Meines Wissens wird ein solcher Raumbegriff eigentlich gerade im Poststrukturalismus als essentialistisch kritisisiert.

        Die Idee des „Safe Space“ kommt auch eigentlich nicht vom Poststrukturalismus, sondern aus der IDPOL des Radikalfeminismus:

        The concept originated in the women’s movement, where it „implies a certain license to speak and act freely, form collective strength, and generate strategies for resistance…a means rather than an end and not only a physical space but also a space created by the coming together of women searching for community.“[3]

        http://en.wikipedia.org/wiki/Safe-space

        Das offenkundige Ziel ist es, den „Safe Space“ auf die gesamte Gesellschaft auszudehnen. Siehe Piratinnenkon, deren Ergebnis eben massive Raum-Ordungs-Kriterien sind.

        Das geht eben nur unter Zugrundelegung containerhafter Raumbegriffe.

        Es würde mich nicht wundern, wenn Leszek recht hätte und dies das völlige Gegenteil dessen ist, was den Poststrukturaisten vorschwebte. Allerdings kenne ich den poststrukturaistischen Raumbegriff kaum.

        • @Nick

          Das „Safe Space“ Konzept läßt sich schon gut in die „Raumtheorien“ nach feministisch-fälschlichderridascher Leseart einordnen. Es sind eben die Plätze, in denen das Narrativ umgedreht ist, in denen Frauen Raum haben und nicht um diesen Kämpfen müssen, in denen deren Sichtweisen vorherrschen und nicht durch andere unterdrückt werden, in denen also der Machtkampf „gegen die Frauen“ ausgeblendet werden kann

        • @Christian:
          Das “Safe Space” Konzept läßt sich schon gut in die “Raumtheorien” nach feministisch-fälschlichderridascher Leseart einordnen.

          Nur wussten die Radikalfeministinnen, als sie ihre cr-groups erfanden, noch nicht viel von Derrida. Mir scheint Derrida auch in der Hinsicht nicht so prägend gewesen zu sein, es war wohl eher Foucault, der viel zu Raum geschrieben hat.

          Es scheint mir eher so zu sein, dass sie den „spatial turn“ als hach so herrlich-intellektuelles Buzzword aufnahmen und dessen Kernideen so massiv verbogen, dass er wieder ins Gegenteil verkehrt war. Bis das gute alte radikalfeministische Weltbild verschwurbelt und verbrämt, und damit gerettet war:

          Wie besonders gut am virtuellen Raum des Internets ersichtlich, wird hier eine neue Raumauffassung nötig, die den Raum nicht mehr als einen Behälter versteht, in dem sich Menschengruppen und Kulturen befinden. Stattdessen erscheint der Raum nun als das Ergebnis sozialer Beziehungen das dem Interesse und Handeln einzelner Menschen oder Gruppen entspringt, der reale Raum wird ergänzt durch die für das Subjekt dominante, sozial und kulturell überformte Raum-Wahrnehmung bzw. -konstruktion.

          http://de.wikipedia.org/wiki/Topologische_Wende

          Wenn die Zugehörigkeit zu einem Opfer- oder Täterkollektiv das entscheidende Kriterium für die Zugehörigkeit bzw. für den Platz in einem „Raum“ ist, dann wird der Raum genau zu einem „Behälter [..] in dem sich Menschengruppen und Kulturen befinden“

          • @nick

            „Nur wussten die Radikalfeministinnen, als sie ihre cr-groups erfanden, noch nicht viel von Derrida. Mir scheint Derrida auch in der Hinsicht nicht so prägend gewesen zu sein, es war wohl eher Foucault, der viel zu Raum geschrieben hat.“

            Interessant.

            Ich hätte ihn da schon als wichtig angesehen.

            In der Wikipedia dazu:

            http://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Derrida

            Außerdem wurde Derrida in sozialwissenschaftlichen Theorien rezipiert, die sich mit Identitäten oder Identifizierungen beschäftigen, wie zum Beispiel der Queer Theory, feministischen Theorien, wie derjenigen Judith Butlers, oder in Kulturtheorien. Dabei werden beispielsweise stabile Wesenheiten und Identitäten insbesondere in machtkritischem Fokus auf ihre Ermöglichungsbedingungen zurückgeführt und politische Alternativen vorgeschlagen.

            Vielleicht kommt es aber auch über Foucault rein. Die Theorien von Derrida passen aber – wenn auch in falscher Anwendung – ganz gut zu dem, was der Feminismus zu Räumen so sagt

        • Es sind eben die Plätze, in denen das Narrativ umgedreht ist, in denen Frauen Raum haben und nicht um diesen Kämpfen müssen..

          ..so, wie ich das konstruktivistische Raumparadigma verstehe entstünde ein solcher Raum dadurch, dass Frauen als „unterdrückte Gruppe“ sich austauschen und so „neue“ Narrative – und damit: neuen Raum schaffen. (Was natürlich auch fragwürdig ist)

          Also schafft sich jeder seinen Raum, „den“ Raum gibt es demzufolge nicht. Der „politische Kampf“ besteht also, so wie ich das verstehe, darin Raum zu schaffen – und nicht darin, „Den Raum“ zu erobern.

          Wenn „Raumwegnahme“ beklagt wird, dann geht man aber offenbar davon aus, dass es nur einen begrenzten Raum gäbe und dass um diesen gekämpft werden müsse. Der „Breitmachmacker“ wird damit zum Feind, dem um der „Freiheit“ willen kein Raum gelassen werden dürfe.

          Damit überträgt man imperialistische Territoralkämpfe auf die S-Bahn, kein Wunder dass der „Breitmachmacker“ auch dann stört wenn die S-Bahn leer ist. Es geht ja darum, dass ihm kein Raum gelassen werden darf.

          Das ist eben im höchstem Maße Autoritär, als ob es um einen „Volkskörper und dessen Raum“ ginge, dem sich jeder unterzuordnen habe und in dem jeder seine Funktion zu erfüllen habe.

          Man kann die Konstruktivisten aus vielerlei Gründen sicher zurecht kritisieren, aber ich denke nicht, dass sie mit ihrem Raumkonzet so etwas im Sinne hatten.

          • @Nick

            Ich würde sagen, dass man Räume schaffen kann, in denen abweichende Regeln gelten, aber diese eben „unterräume“ des großen Raums „Gesellschaft“ sind und der ist in dieser Hinsicht eben patriarchal gestaltet. Ein Safespace ist dann in dem Patriarchischen raum quasi etwas, bei dem man die Tür zu gemacht und den den schlüssel umgedreht hat – man ändert damit nicht die Gesellschaft draussen, aber man hat kurz seine Ruhe.

        • @Christian:
          Ich hätte ihn da schon als wichtig angesehen.

          Kann sein, ich habe bei einer oberflchichen Recherche eben kaum etwas zu Derrida und Raumtheorie gefunden.

          Zu Foucault schon mehr:

          Heterotopien sind „wirkliche Orte, wirksame Orte, die in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichnet sind, sozusagen Gegenplatzierungen oder Widerlager, tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind, gewissermaßen Orte außerhalb aller Orte, wiewohl sie tatsächlich geortet werden können“

          http://de.wikipedia.org/wiki/Heterotopie_%28Geisteswissenschaft%29

          Die Idee scheint mir aber auch dort eine andere zu sein als „Raumwegnahme“ durch „Breitmachmacker“ zu beklagen..

        • @Christian:
          ..man ändert damit nicht die Gesellschaft draussen, aber man hat kurz seine Ruhe.

          Das wäre wohl so etwas, was Foucault als „Heterotopie“ bezeichnet.

          Heterotopien sind immer an ein System von Öffnungen und Schließungen gebunden, das sie nicht ohne weiteres für jeden zugänglich macht. Ihr Betreten und Verlassen ist an bestimmte Ein- und Ausgangsrituale geknüpft. Diese Rituale können in komplexen Reinigungsritualen bestehen wie bei japanischen Teehäusern, oder von relativ profaner Natur sein wie beim Entrichten eines Eintrittsgeldes im Kino. Die Beispiele zeigen, wie unterschiedlich diese Rituale sein können und wie stark der Grad der Öffnung beziehungsweise der Schließung nach außen hin variieren kann..

          Jedenfalls sollen sie sich nur solche Räume schaffen, dagegen ist nichts einzuwenden.

          Allerdings haben sie das Bestreben, ihre Heterotoie auf die ganze Gesellschaft zu übertragen, es darf niemand in der Gesellschaft der kleinste Raum gelassen werden der die Eingangsrituale nicht befolgt. Nicht einmal derenige einer leeren S-Bahn.

          Vgl. z.B. Piratinnenkon oder „Creeper-Cards“. Sie sind diejenigen, die anderen keinen Raum lassen wollen. Ihnen wird hingegen jeder Raum für ihre Heterotopie gelassen.

          Sry, ich finde das ziemlich faschistoid.

          • @Nick

            „Heterotopien“ sind Räume, in denen eigene, heterogene Regeln gelten. Insofern passt das schon zu Safespaces.

            „Allerdings haben sie das Bestreben, ihre Heterotoie auf die ganze Gesellschaft zu übertragen, es darf niemand in der Gesellschaft der kleinste Raum gelassen werden der die Eingangsrituale nicht befolgt. Nicht einmal derenige einer leeren S-Bahn.“

            Ich denke der Begriff der Heterotopie passt da nicht mehr. Da geht es ja gerade um die gesamtgesellschaftlichen Regeln.

        • Ich denke der Begriff der Heterotopie passt da nicht mehr. Da geht es ja gerade um die gesamtgesellschaftlichen Regeln.

          Natürlich wäre das keine Heterotopie mehr, allerdings versuchen sie, die in ihrer Heterotopie entwickelten Regeln auf die Gesellschaft zu übertragen.

          Die „Empfehlungen“ (wer dem nicht folgen mag, gilt dann als Frauenfeind) der Piratinnenkon lesen sich fast 1:1 wie die lange etablierten Regeln der CR-Groups:

          http://wiki.piratenpartei.de/PiratinnenKon

          Am in den CR-Groups entwickeltem „Feministische Wissen“ soll die Welt genesen, alles andere ist schließlich Frauenunterdrückend.

        • ..es sind eben zwei ganz andere paar Schuhe, ob nun eine Heterotopie Ausschlußmechanismen hat oder die ganze Gesellschaft. Oder eine politische Partei.

          Die Heterotopie hat ein Recht dazu, die Gesellschaft incl. ihrer Willensbildungsorgane nicht. _Das_ ist das faschistoide daran.

  3. Seitdem ich diese Diskussionen verfolge, nehme ich übrigens in Verhandlungs- und Flirtsituationen absichtlich mehr Raum ein. Das verfehlt seine Wirkung selten.

    Von daher kann ich den Gedanken im Ansatz durchaus nachvollziehen, Frauen steht diese Manipulationsstrategie aufgrund ihrer Körperlichkeit eher weniger offen. Dafür haben sie Zugang zu einem ganzen Arsenal von Manipulationswerkzeugen, die Männern verwehrt bleiben. Hier besteht nicht annähernd Waffengleichheit.

  4. Ich finde das manchmal amüsant, wie von PC-Spinnern Aspekte aus den Theorien der französischen Poststrukturalisten entkontextualisiert werden und in einer Art und Weise instrumentalisiert werden, bei der die französischen Poststrukturalisten selbst sich wohl im Grab umdrehen würden.

    Die pc-kritische französische poststrukturalistische Philosophin Julia Kristeva hat es in ihrer Kritik an der politisch korrekten Identitätspolitik ja schön auf den Punkt gebracht, wenn sie sagt:
    “To assume a group identity is a dead end. And if some people have interpreted French thinking to mean they should, they are totally wrong.“

  5. Ich persönlich finde ja, dass Frauen zuviel Raum einnehmen, insbesondere in Warenhäusern. In mehrstöckigen Warenhäusern fällt auch auf, dass die Kleidung für Frauen immer in den unteren Etagen angesiedelt ist, während Männern Treppen steigen müssen.

    • @ Adrian

      Insgesamt wird Frauen wesentlich mehr Verkaufsfläche gewidmet als Männern, ganz einfach Ausdruck der Tatsache, dass Frauen die Hauptkonsumenten in unserer Gesellschaft sind.

      Nicht zu beanstanden.

      Erstaunlich nur, dass das unterdrückte und ausgebeutete Geschlecht, das im Schnitt 6 Jahre länger lebt als seine Ausbeuter und Unterdrücker, 23 % weniger verdient als diese, mehr Freizeit und mehr Bildung hat, trotz all dieser lastenden, quälenden patriarchalen Unterdrückung doch noch so viel konsumieren kann.

      • Du als Kultur- und Konsumkritiker solltest doch wohl das Konzept der „falschen Bedürfnisse“ kennen. Sprich: Das Patriarchat verschleiert seine Unterdrueckung durch Konsumangebote, damit Frau ihre Unterdrückung nicht erkennt.

        • Richtig, es verschleiert, das Patriarchat, damit es ungestört und öffentlich im Obdachlosenstyle mit einem Doppelliter seine patriarchale Dividende versaufen kann, während Frauen im Konsumangebot verschmachten.

        • @ Adrian

          * Das Patriarchat verschleiert seine Unterdrueckung durch Konsumangebote, damit Frau ihre Unterdrückung nicht erkennt.*

          Ja gewiss.

          Damit kann sich der Egalitarist erklären, warum der (weibliche) Mensch nicht so will, wie er meint, dass er wollen soll.

          Aber woher kommen die Mittel, mit denen dieses Opium gegen den Schmerz der allgegenwärtigen Unterdrückung und Versklavung und Vergewaltigung doch bezahlt werden muss?

          Doch nicht etwa von den Unterdrückern?

          Sollten die so raffiniert sein, Frauen Konsumidiot.I.nnenexistenzen zu ermöglichen, um sie ungestörter unterdrücken zu können?

          Und sich dafür zu Tode zu schuften, weil sie das Unterdrücken so sehr genießen, dass demgegenüber alles andere zweitrangig wird?

          Mein, Gott, Männer sind noch viel verderbter als ich dachte!

          ABER MOMENT.

          Da wir egalitaristisch gelernt haben, dass alles ansozialisiert/inkulturiert ist, stellt sich die beunruhigende Frage, welches Geschlecht die bildsamste Phase der menschlichen (männlichen) Sozialisation dominiert.

          Sind das nicht Frauen, heute mehr denn je?

          Bilden die selbst ihre Unterdrücker aus?

          Wie blöd ist das denn?

          Oder …, oder ist das besonders raffiniert?

        • „Du als Kultur- und Konsumkritiker solltest doch wohl das Konzept der “falschen Bedürfnisse” kennen. Sprich: Das Patriarchat verschleiert seine Unterdrueckung durch Konsumangebote, damit Frau ihre Unterdrückung nicht erkennt.“

          Für die die es wissen müssen ist doch
          klar, biologisch gesehen werden Frauen
          heutzutage nicht mehr artgerecht gehalten.
          Mit ausufernden Konsumlandschaften
          versucht Mann das mit zweifelhaftem
          Erfolg zu übertünchen.

          Vergleiche das mit dem modernen Zoo, wo
          man einen Teil der Goodies versteckt
          so dass durch Suchen eine gewisse
          Ersatz-Aktivität gefördert wird.
          Auch so lassen sich Verhaltensstörungen
          nur bedingt vermeiden.

    • Aber das hat ganz einfach ökonomische Gründe, da – soweit ich mich erinnere – über 80% des Konsums von Frauen entschieden wird. Und sie kaufen eben nicht für die Männer oder die Familien, sondern – wie dir die Lage im Warenhaus zeigt – für sich selbst.

  6. Die Wahrheit hat zur Eigenschaft, sehr wenig Platz zu brauchen, um einleuchtend zu sein. Außerdem gibt es nur eine.

    Wie kompliziert sind hingegen Unwahrheiten. Und wieviel Platz braucht jede einzelne davon.

  7. Weil es anscheinend nicht auf eine tatsächliche Analyse ankommt bleibt letztendlich ein Mittel übrig, ein Gefühl der Ungerechtigkeit zu erzeugen – der eine nimmt Raum, der andere verliert ihn dadurch. Das in Verbindung damit, dass jeder Anspruch auf gleichen Raum haben könnte lässt ein sehr einfaches moralisieren zu.

    Es geht ja, wenn „Raumeinnahme“ beklagt wird, meistens darum Einschränkungen der Freiheitsrechte anderer – aufgrund von „Gruppenzugehörigkeiten“ – zu rechtferigen.

    Entweder sollen Heteros nicht knutschen dürfen, Nichtfeministen die Klappe halten müssen oder Männer nicht „breitmachmackerig“ dasitzen dürfen.

    Solche Haltungen sind also zwangsläufig mit Gruppen“rechten“ und Gruppenressentiments verbunden. Es geht eben nicht mehr um individuelles „Fehlverhalten“, die angebliche Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist Anschuldigung genug, um allgemeingültige Gleichberechtigungsmäßstäbe außer Kraft setzen zu wollen.

    Insofern ist die Assoziation zu „Volk ohne Raum“ und „Platz an der Sonne“ wohl nicht ganz fernliegend, es handelt sich hier um eine Ideologie der Ungleichheit der Menschen an Rechten und Pflichten. Um eine Ideologie der Zweitrangigkeit von Individualrechten gegenüber Gruppenrechten.

    Ich denke auch, dass das gar nicht im Sinne der Erfinder ist.

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