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Manuel Hagel und die rehbraunen Augen der jungen Schülerin

Manuel Hagel, der für die CDU als Spitzenkandidat in Baden Württemberg antritt, steht in der Kritik wegen eines ca 8 Jahre alten Videos:

Der relevante Ausschnitt beginnt bei 4:15.

Hier der Text:

 

Manuel Hagel:
„Ich möchte das mal an einem Beispiel beschreiben.
Ich war vor wenigen Wochen in einer Realschule bei uns im Wahlkreis – morgens, im nördlichen Alb-Donau-Kreis. Eine Klasse, 30 Schüler, 80 Prozent Mädchen.
Also da gibt’s für einen 29-jährigen Abgeordneten schlimmere Termine als diesen.
Ich werd’s nie vergessen: Die erste Frage.
Sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen…“

Moderator (Marcel Wagner):
„Die wird jetzt rot zu Hause, wenn sie das sieht hier.“

Manuel Hagel (lachend):
„Und dann begann Eva und sagte: ‚Hagel, also kürzer hab ich’s nicht: Ich wollt’ eigentlich gar nicht kommen.‘
Wir haben gedacht, der Morgen beginnt ja schon super.
Irgendwas musste ich ja fragen, hab gesagt: ‚Ja, und trotzdem bist du heute hier?‘
Sie guckt mich so an, strahlt und sagt: ‚Hagel, das ist ja mein Problem – ist halt erst wieder eingefallen, da war ich schon im Bus und da war’s zu spät.‘

Dann haben wir zwei Stunden diskutiert – über Migration, Digitalisierung, Innere Sicherheit – echt super.

Am Ende meldet sich Eva wieder und sagt: ‚Hagel, ich wollt’ Ihnen nur sagen: So schlecht war’s jetzt nicht.
Und wenn ein Schwabe so was sagt, ist das fast schon ein Lob. Dann hab ich sie gefragt, warum sie eigentlich nicht kommen wollte.

Sie sagt: ‚Ich hab gedacht, die Politiker, die sehen alle gleich aus, die schwätzen alles das Gleiche. Und wenn wir was fragen, dann kriegen wir nur Skater-Antworten.‘
Da hab ich halt gedacht: Bleib lieber daheim, mach mit meinem Papa CB-Funk und spar mir die zwei Stunden.‘

Danach (ab ca. 6:06) erklärt er noch kurz den Punkt der Geschichte:

„Und ich glaube, das war es, was ich zum Ausdruck bringen wollte: Die Herausforderung ist ziemlich genau beschrieben – dass wir wieder lernen müssen, so zu sprechen als Politiker, dass uns die Menschen auch hören und vor allen Dingen auch verstehen.“

Die Geschichte an sich ist gut. Er denkt er wird einen leichten Termin haben, weil Schülerinnen üblicherweise nicht die aggressivsten sein werden und bekommt gleich mal eine auf dem Deckel: Die Schülerin findet ihn uninteressant. Aber dann kommt er doch ins Gespräch, lässt sich darauf ein und es gelingt ihm mit den Schülern ein gutes Gespräch zu führen und selbst die Schülerin, die das schon als verschenkte Zeit angesehen hat zu überzeugen.

Eine positive Geschichte, die deutlich macht, dass man als Politiker volksnah bleiben muss, die Leute da abholen muss, wo sie sind etc.

Aber ihm wird nun vorgeworfen, dass er da was sexuelles reinbringt.

Und das ist im wesentlichen dieser kleine Teil:

Eine Klasse, 30 Schüler, 80 Prozent Mädchen.
Also da gibt’s für einen 29-jährigen Abgeordneten schlimmere Termine als diesen.
Ich werd’s nie vergessen: Die erste Frage.
Sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen…“

Moderator (Marcel Wagner):
„Die wird jetzt rot zu Hause, wenn sie das sieht hier.“

Manuel Hagel (lachend):
„Und dann begann Eva und sagte: ‚Hagel, also kürzer hab ich’s nicht: Ich wollt’ eigentlich gar nicht kommen.‘

Man kann das vollkommen harmlos lesen: Natürlich ist ein Termin vor einer Schulklasse nur mit Mädchen erst einmal ein Termin in dem man wahrscheinlich nicht mit großen Problemen rechnet, keine großen Anfeindungen etc, jedenfalls nicht vor acht Jahren, da war man dort ja noch nicht so woke.

Aber die Schülerinnen sind eben auf einer Realschule dann wahrscheinlich unter 16, seine Angabe, dass es für einen 29jährigen schlimmere Termine gibt ist komisch betont und dann kommt noch die Beschreibung der „Körperlichkeiten“ von Eva mit braune Haare und rehbraune Augen, die eigentlich nichts zur Geschichte beitragen, die das ganze etwas merkwürdig machen.

Das wird auch durch den Einwurf des Moderators nicht besser, weil der auch so klingt, als würde Hagel sie schön finden und sie deshalb rot werden.

Es ist vielleicht auch der aufgeladenen Atmosphäre dank den Epstein-Akten zu verdanken, dass da gleich so viel reininterpretiert wird.

Im zu Gute halten könnte man, dass er es ja in einem Gespräch erzählt und nicht als vorbereitete Rede. Da hat man nicht jedes Wort genau abgewogen.
Wenn er statt
Also da gibt’s für einen 29-jährigen Abgeordneten schlimmere Termine als diesen.“

gesagt hätte:

„Das ist üblicherweise ein relativ dankbares und nicht zu kritisches Publikum, da geht man selbst als junger Abgeordneter, der noch nicht so viel Erfahrung hat, relativ entspannt rein“

Wäre es inhaltlich nicht viel anderes gewesen aber die Vorwürfe wären nicht so einfach zu platzieren gewesen.
Auch die nächste Stelle kann man mit wenig Änderung entschärfen:

„Das erste Mädchen, was etwas sagen wollte, wirkte dann auch sehr nett, ich erinnere mich an große rehbraune freundliche Augen,  und dann kam „‚Hagel, also kürzer hab ich’s nicht: Ich wollt’ eigentlich gar nicht kommen.‘“

Da wären die Augen lediglich die Vorbereitung der Pointe, das liebe Mädchen, welches dann raushaut, dass sie ihn als verschwendete Zeit ansieht.

Wenn er es so aufbauen wollte und er nur die Pointe etwas vermasselt hat, dann wäre es ärgerlich für ihn.

Wie würdet ihr die Sache einordnen? Skandal oder nicht?

 

Ergänzung: Bei Arne ist der Vorfall auch heute Thema, er stellt insbesondere dar, wie es in den Medien aufgebauscht wird