Marc Röhlig schreibt im Spiegel:
Die Epstein-Files machen mich wütend. Nicht nur das, was dort zu lesen ist. Die Mailwechsel und vielfach dokumentierten Hinweise auf Missbrauch sind abscheulich, ohne Frage. Aber der Umgang mit den Files – gerade von uns Männern – macht mich genauso fassungslos.
Seit bald zwei Wochen sind diese Dokumente einsehbar , für jedermann. Sie werden durchforstet, analysiert, kommentiert, mit einer sensationsgierigen Akribie, mit ehrlichem Schauer. Fast niemand, der keine Meinung hat. Fast niemand, der sich nicht schockiert zeigt. Fast niemand, der das »System Epstein« nicht verurteilt.
Das »System Epstein« ist das »System Mann«
Aber genügt das? Ist es nur das »System Epstein«, um das es hier geht – oder nicht eher ein »System Mann«?
Vielleicht sollte Mann nicht nur über Epstein reden – sondern auch über den Epstein in uns!
Wer meint, dass er einen Epstein in sich hat, der sollte in der Tat darüber reden. Aber die allermeisten Männer finden präpubertäre Mädchen sexuell vollkommen uninteressant und stehen auf volljährige Frauen. Sie wollen keine Frauen umbringen oder vergewaltigen
Und warum überhaupt nur die Männer? Steckt nicht auch eine kleine Ghislaine Maxwell in vielen Frauen? Oder eine Sarah Kellen (Früher als Assistentin Epsteins tätig
Von mehreren Opfern beschuldigt, Mädchen angeworben und Termine koordiniert zu haben), Lesley Groff oder Adriana Ross. Und wie viele Frauen hatten Ahnung davon, was da passiert ist und haben ebenfalls nichts gesagt?
(…)
Klar, diesen Epstein tragen wir nicht automatisch in uns. Die wenigsten Männer vergewaltigen Minderjährige, reichen Mädchen an ihre Kumpel weiter, betätigen sich als Zuhälter. Not all men , dieser Satz hat eine Richtigkeit.
„Die wenigsten … not all men“. Beides in der Tat fast das gleiche.
Aber bei Epsteins System geht es weiter. Wer die Mails liest, mit denen sich Epstein und seine Freunde aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über Mädchen, Models und mögliche Sexpartys austauschten, liest Abwertungen von Frauen in fast jeder Zeile. Es sind Sprüche aus einer Überlegenheit, die kein Gefühl und kein Gespür für das Gegenüber erahnen lassen.
(…)
Wenn man den Spiegel liest, dann liest man Abwertungen von Männern in sehr vielen Zeilen.
- Im Spiegel fragt man sich „Wie kann man angesichts solcher Abgründe noch mit Männern leben?“ (der tägliche Männerhass im Spiegel)
- „Männer: Die Welt könnte so schön sein ohne euch“ Der Spiegel macht Hetze gegen Männer salonfähig.
Und das trägst du mit lieber Marc. Du findest es sogar gut. Du möchtest selbst solche Artikel schreiben und dich in die Reihe der Männerhasser einreihen (mit dem Unterschied, dass du einer von den Guten Männern bist, und nicht einer von den schlechten normalen Männern über die du dich erhebst)
In vielen Betrachtungen zum Fall Epstein geht es bisher um Macht : Mächtige Männer hätten da agiert, die sich mit Geld und Einfluss gegenseitig stärken und schützen. Diese Freakshow nun offenzulegen, ist wichtig, aber nur ein Teil der Wahrheit.
Denn man muss nicht reich sein, um ein Arschloch zu sein.
Misogynie braucht keine Macht. Oder zumindest kein Geld. Macht kommt auch ohne Privatjet oder Luxusinsel aus. Männer würdigen Frauen herab, wenn sie sie unterbrechen, wenn sie ihnen gleiche Löhne vorenthalten, wenn sie ihre eigenen Karrieren darauf gründen, dass sich schon eine Frau um Haushalt, Kinder oder zu pflegende Eltern kümmern wird. Oder wenn sie Missbrauchsopfern eine Teilschuld geben. Und sei es durch nicht ausgesprochene Gedanken wie: Wer sich so aufreizend anzieht, darf sich nicht über ungewollte Berührungen wundern.
Der übliche feministische Umschwung: Du vergewaltigst zwar keine Frauen, aber du würdigst ja auch irgendwie Frauen herab und damit bist du schon ein kleiner Epstein.
Eigentlich ja eine widerliche Gleichsetzung.
Dazu noch mit dem Gender Pay Gap begründet, der quasi fast vollständig zu bereinigen ist und dessen evtl verbleibende Differenz keine Diskriminierung belegt
Und wiederum lässt er auch die Frauen außen vor: Es ist ja nicht so, dass sie ihre Zielvorstellungen einer Ehe nicht umsetzen, die meist so aussieht, dass der Mann Vollzeit arbeitet und sie nur Teilzeit und sie sich dann um die Kinder kümmern dürfen.
„Mißbrauchsopfern eine Teilschuld geben“ ist auch wunderbar vage. Aber auch das ist keine rein männliche Sache. Frauen hassen „Schlampen“ (wenn sie nicht selbst welche sind) und würden ihnen natürlich auch Schuld geben, wenn etwas passiert. Und sie würden ebenso anderen Frauen Leichsinnigkeit vorhalten etc.
Aber warum an sich selbst arbeiten, warum ein besserer Mann werden, wenn es doch so bequem ist, lieber auf die noch schlimmeren Männer zu zeigen?
Weil sie eben deutlich, deutlich, deutlich schlimmer sind und in keiner Weise damit zu vergleichen. Und weil Gruppenschuld eine miese Sache ist.
Epstein kommt da wie gerufen. Ein »Monster« halt, es fällt leicht, sich als »guter Mann« von Typen wie Woody Allen, Donald Trump oder Bill Clinton zu distanzieren. Aber dann in der Umkleide vor den Jungs mit einem Blondinenwitz Lacher einheimsen?
Ein Blondinenwitz kann großartig sein. Wie auch ein Witz über Männer. Aus dem einem folgt das andere nicht.