Thalia Theater: Prozess gegen Deutschland

Und die KI-Zusammenfassung:

„Prozess gegen Deutschland“ ist kein klassisches Theaterstück mit Schauspielern und fiktiver Handlung, sondern ein theatrales Untersuchungs- und Diskursformat von Milo Rau, das vom 13.–15. Februar 2026 im Hamburger Thalia Theater (im Rahmen der Lessingtage) aufgeführt wurde.Grundidee & Aufbau

  • Die Bühne wird zum Gerichtssaal umgestaltet (mit Richtertisch, Zeugenstand, Videoleinwänden etc.).
  • Es gibt keine Schauspieler und keinen auswendig gelernten Text.
  • Stattdessen treten echte Personen auf: Jurist:innen, Expert:innen, Politiker:innen, Journalist:innen, Aktivist:innen und „normale“ Bürger:innen.
  • Das Ganze ist als fiktives Gerichtsverfahren strukturiert, das aber sehr nah an realen juristischen Abläufen orientiert ist.

Zentrale Anklagepunkte (Hauptthemen)Die Verhandlung dreht sich vor allem um die Frage:

Ist die AfD eine verfassungsfeindliche Partei, die „aggressiv-kämpferisch“ gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung vorgeht – und erfüllen die Voraussetzungen für ein Parteiverbot nach Art. 21 Abs. 2 GG?

Weitere diskutierte Nebenfragen (in separaten „Fällen“):

  • Verherrlicht die AfD Gewalt?
  • Sind rechtsextreme und faschistoide Positionen in der Partei systemisch?
  • Rassismus, Hass und Gewalt gegen Minderheiten
  • (Teilweise auch:) Verantwortung von Tech-Konzernen / Social-Media-Regulierung (z. B. Verbot für unter 16-Jährige)

Wichtigste Rollen (real existierende Personen)

  • Vorsitzende Richterin: Herta Däubler-Gmelin (ehem. Bundesjustizministerin)
  • Anklage / Staatsanwaltschaft: u. a. Gabriele Heinecke (bekannte linke Anwältin)
  • Verteidigung: u. a. Personen aus dem konservativen/rechten Spektrum
  • Zeug:innen / Sachverständige (Auswahl): Frauke Petry (ex-AfD), Joanna Cotar, Harald Martenstein, Carsten Brosda (Kultursenator Hamburg), Correctiv-Journalist:innen, AfD-nahe Influencer, Susan Neiman, Michel Abdollahi u.v.m.
  • Geschworenenjury: 7 normale Hamburger Bürger:innen (repräsentativ ausgelost)

Ablauf (sehr grob)

  1. Eröffnungsplädoyers (Anklage + Verteidigung)
  2. Zeugenverhöre & Befragungen (über mehrere Tage)
  3. Plädoyers / Schlussreden
  4. Beratung & Urteilsverkündung durch die Jury (am Sonntagabend, 15. Feb. 2026)

Urteil der Jury (fiktiv, aber symbolisch sehr beachtet)

  • 5:2-StimmenJa zur Prüfung eines Verbotsverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht
  • Zusätzlich: Mehrheit für Ausschluss von staatlicher Parteienfinanzierung
  • Keine Mehrheit für ein sofortiges Verbot (also differenziertes, kein klares „Verbot jetzt!“)

Charakter des AbendsViele Besucher und Kritiker beschreiben es als nüchtern-sachlich, stellenweise spröde, aber inhaltlich extrem spannend und emotional aufwühlend – weil reale politische Konflikte der Jahre 2024–2026 fast unvermittelt aufeinandertreffen.Kurz gesagt: Es war der Versuch, die hochbrisante Verbotsdebatte aus den Talkshows und Zeitungsspalten herauszuholen und sie in einem quasi-juristischen, aber künstlerisch gerahmten Setting durchzuspielen – mit echten Konsequenzen für die Argumentationskultur, aber ohne reale Rechtskraft.

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Redebeiträge (Eröffnungsreden, Plädoyers, Zeugenaussagen und Schlussplädoyers) aus dem „Prozess gegen Deutschland“ (Thalia Theater, 13.–15. Februar 2026), basierend auf Berichten, Livestream-Ausschnitten und publizierten Texten. Da es sich um ein dreitägiges Format mit Dutzenden Beiträgen handelte, beschränke ich mich auf die prominentesten und am meisten diskutierten Positionen.Eröffnung & Auftaktplädoyers (Freitagabend)

  • Milo Rau (Regisseur/Idee): Eröffnete mit der Kernfrage, ob die Demokratie „Stück für Stück zerpflückt“ werden dürfe. Er betonte, dass der Prozess nicht nur gegen die AfD, sondern gegen ein gesellschaftliches Klima richte, in dem rechter Hass, Hetze und Gewalt gedeihen. Die AfD stehe dabei an vorderster Front.
  • Gabriele Heinecke (Anklage / Staatsanwaltschaft): Plädierte klar für ein Verbot. „Ein Verbot der AfD ist geboten und möglich. Das Verfahren muss durchgeführt werden, ehe es zu spät ist.“ Sie argumentierte mit aggressiv-kämpferischem Verhalten gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung (Art. 21 GG), Verherrlichung von Gewalt und systemischem Rassismus.
  • Liane Bednarz (Verteidigung): Betonte die hohen Hürden eines Verbots und warnte vor Missbrauch des Instruments gegen politische Gegner.
  • Carsten Brosda (Hamburger Kultursenator, Eröffnungsrede): Hoffte, der Prozess helfe, die Schutzwürdigkeit der Demokratie neu zu verankern und die Gesellschaft zu sensibilisieren.

Wichtige Zeugenaussagen / Sachverständigen-Beiträge (Samstag & Sonntag)

  • Frauke Petry (ehem. AfD-Co-Vorsitzende): Verteidigte die Partei als demokratische Kraft, die Kritik an Migration und Islam äußere. Sie distanzierte sich teilweise von späteren Entwicklungen (z. B. völkisch-nationalistische Strömungen), betonte aber, die AfD sei keine Bedrohung für die Verfassung.
  • Harald Martenstein (Publizist/Kolumnist): Sein Plädoyer gegen ein Verbot ging viral. Kern: Ein AfD-Verbot wäre „das Ende der Demokratie“, da man mit der Begründung, man verteidige die Demokratie, diese gerade abschaffe. Der „Kampf gegen rechts“ sei eigentlich ein Kampf gegen die Demokratie selbst – Verbote schaffen Präzedenzfälle für Zensur und Ausschluss missliebiger Meinungen.
  • Correctiv-Journalist (z. B. Jean Peters o. Ä.): Beschreibungen von Recherchen (z. B. Potsdam-Treffen), die zeigten, dass AfD-Funktionäre „Remigration“ (Vertreibung von Millionen Menschen) planten. Betonte systemische rechtsextreme und faschistoide Positionen in der Partei.
  • Susan Neiman (Philosophin): Argumentierte philosophisch gegen Rassismus und für den Schutz von Minderheiten; sah in der AfD eine Gefahr für die Menschenwürde.
  • Joana Cotar (AfD-Politikerin): Betonte, die Partei kämpfe für Freiheit und gegen Überwachung; ein Verbot wäre undemokratisch und würde Wähler entrechten.
  • Pauline Voss (stellv. NIUS-Chefredakteurin): Verteidigte konservative/rechte Positionen als legitim; kritisierte die Anklage als einseitig und „linkslastig“.
  • Michel Abdollahi (Moderator): Sprach über mediale Dynamiken und Hass im Netz; thematisierte auch Verantwortung von Plattformen.
  • Andere Zeugen (u. a. Andreas Kemper, Jason Stanley, Gilda Sahebi): Brachten Belege für rassistische Äußerungen, Verbindungen zu Neonazis und Gewaltverherrlichung; andere (z. B. konservative Historiker) warnten vor Überreaktion und Historisierung des Verbotsinstruments.

Schlussplädoyers & Urteilsverkündung (Sonntagabend)

  • Anklage (Heinecke u. a.): Abschließende Betonung, dass die AfD die Schwelle zu verfassungsfeindlichem Handeln überschritten habe – ein Verbot sei nicht nur möglich, sondern geboten, um die Demokratie zu schützen.
  • Verteidigung: Betonte Verhältnismäßigkeit, freie Meinungsäußerung und die Gefahr, dass ein Verbot die Polarisierung weiter antreibe.
  • Jury-Urteil (7 Hamburger Bürger:innen): Differenziert und knapp:
    • 5:2 dafür, dass ein Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht geprüft werden soll.
    • Mehrheit für Ausschluss von staatlicher Parteienfinanzierung.
    • Keine Mehrheit für ein sofortiges Verbot (also kein klares „Verbot jetzt“).

Der Prozess war bewusst ausgewogen gestaltet (rechte und linke Stimmen), blieb aber nüchtern-juristisch und emotional aufwühlend. Viele Beiträge sind in Ausschnitten auf YouTube (Thalia-Kanal) oder in Artikeln (NZZ, WELT, NDR) nachlesbar/nachhörbar.

Harald Martenstein (Publizist, Kolumnist bei WELT und BILD) hielt ein vielbeachtetes, virales Plädoyer gegen ein AfD-Verbot, das in den Medien (NZZ, Cicero, WELT, Junge Freiheit u. a.) als fulminant, polemisch und intellektuell scharf beschrieben wird. Es wurde als Schlusswort/Zeugenaussage präsentiert und löste im linksliberalen Publikum teils Betroffenheit, teils Buhrufe aus.Kernargumente (stark verdichtet)

  1. Ein Verbot wäre das Ende der Demokratie
    Ein Verbot einer Partei mit signifikanten Wähleranteilen (Millionen Stimmen) entziehe dem Staat seine demokratische Legitimation. Deutschland würde sich dadurch in ein autoritäres Regime verwandeln. Historisch sei genau diese Begründung („wir retten die Demokratie“) eine der beliebtesten bei denen gewesen, die die Demokratie anschließend abgeschafft haben.
  2. Mit der Verteidigung der Demokratie kann man sie abschaffen
    Der zentrale Satz, der viral ging: „Mit der Begründung, man verteidige die Demokratie, kann man die Demokratie auch abschaffen.“ Der „Kampf gegen rechts“ sei in Wahrheit ein Kampf gegen die Demokratie selbst, weil er demokratische Mechanismen (Wahl, freie Meinungsäußerung, Opposition) außer Kraft setze.
  3. Populismus ist kein Schimpfwort
    Das abwertend gebrauchte Wort „Populismus“ suggeriere fälschlich, es sei ein Fehler, beim Regieren auf die Zustimmung der Bevölkerung zu achten. Demokratie bedeute aber gerade, dass Mehrheiten entscheiden – auch wenn einem die Mehrheit inhaltlich nicht gefalle.
  4. Begriffliche Differenzierung nötig
    Man müsse klar unterscheiden zwischen

    • „rechts“ (legitime konservative Positionen)
    • „rechtsradikal“ oder verfassungsfeindlich (z. B. Beseitigung der Meinungsfreiheit, Entzug von Grundrechten für Teile der Bevölkerung).
      Nur Letzteres rechtfertige staatliche Maßnahmen – ein pauschales Parteiverbot sei unverhältnismäßig und gefährlich.
  5. Warnung vor Präzedenz und Intoleranz
    Ein solches Verbot schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall: Wer heute die AfD verbiete, könne morgen jede andere unliebsame Kraft ausschließen. Demokratie heiße aushalten, Widerspruch zulassen – auch wenn er schmerzhaft sei. Der Schauprozess selbst zeige bereits, wie intolerant Teile der Gesellschaft mit abweichenden Positionen umgingen.

Wirkung & RezeptionDie Rede wurde in konservativen/rechten Medien als „Jahrhundert-Rede“ oder „Hammer-Rede“ gefeiert und erreichte Millionen Aufrufe (YouTube-Ausschnitte, Social Media). Kritiker warfen Martenstein vor, rechte Talking Points zu bedienen und die reale Gefahr der AfD zu verharmlosen. Im Saal herrschte teils angespannte Stille oder offene Ablehnung – was Martenstein als Beleg für seine These nutzte: Wer Toleranz predige, müsse sie auch praktizieren.Die Rede ist in voller Länge (oder langen Auszügen) bei NZZ, WELT, Cicero und auf YouTube (Thalia-Kanal oder Mitschnitte) nachzulesen/nachzuhören. Sie gilt als einer der emotionalsten und argumentativ schärfsten Beiträge des gesamten dreitägigen Formats.

Die offizielle Teilnehmerliste des „Prozess gegen Deutschland“ (Thalia Theater, 13.–15. Februar 2026) umfasst neben den bereits genannten Andreas Kemper (Rechtsextremismus-Forscher, oft als Kritiker der AfD), Jason Stanley (Philosoph, Autor von „How Fascism Works“) und Gilda Sahebi (Journalistin, Expertin für Rassismus und Rechtsextremismus) noch zahlreiche weitere Zeug:innen, Sachverständige, Auskunftspersonen und Expert:innen. Diese wurden als reale Personen geladen, um Argumente für und gegen ein AfD-Verbot, Rechtsextremismus, Rassismus und verwandte Themen beizutragen.Hier die wichtigsten weiteren prominenten Namen aus der offiziellen Thalia-Liste und Berichten (Auswahl, nicht vollständig, da es über 30 Beteiligte gab):

  • Frauke Petry (ehem. AfD-Co-Vorsitzende)
  • Joana Cotar (ehem. AfD-Bundestagsabgeordnete, jetzt parteilos)
  • Harald Martenstein (Publizist/Kolumnist)
  • Pauline Voss (stellv. NIUS-Chefredakteurin)
  • Eric Ahrens aka Andrew Y. (AfD-naher Influencer/Aktivist)
  • Susan Neiman (Philosophin, Einstein Forum)
  • Andreas Rödder (Historiker)
  • Valentin Schwarz (Regisseur/Opernregisseur)
  • Volker Weiß (Historiker/Rechtsextremismus-Forscher)
  • Jean Peters (Correctiv-Journalist)
  • Michel Abdollahi (Moderator/Journalist)
  • Carsten Brosda (Hamburger Kultursenator)
  • Peter Hoeres (Historiker)
  • Ingo Hasselbach (ehem. Neonazi, Aussteiger)
  • Robert Farle (Jurist/Rechtswissenschaftler)
  • Kathrin Groh (Juristin)
  • Feroz Khan (nicht näher spezifiziert in Berichten, mögl. Aktivist)
  • Aaron Korn / Jens Lehrich / Rainer Mülhoff (verschiedene Expertenpositionen)

Zusätzlich gab es Beiträge von Correctiv-Vertretern (z. B. zu Recherchen wie Potsdam-Treffen) und anderen Journalist:innen/Aktivist:innen. Einige vorgesehene Namen (z. B. Maximilian Krah, Benedikt Kaiser, Ellen Kositza) wurden in Berichten erwähnt, aber nicht alle traten letztlich auf oder wurden abgesagt.Die Auswahl war bewusst breit und ausbalanciert (rechts/konservativ vs. links/antifaschistisch), um echte Debatten zu provozieren. Die vollständige Liste findet sich auf der Thalia-Theater-Website (Produktionsseite zum Stück).

Schuldzuweisungen in der Eheberatung

Diesen Tweet einer Frau, die Familiencoachings durchführt, fand ich ganz interessant:

Without fail, every single time I’ve coached couples and been honest with the wife in the relationship, the first reaction isn’t change, questions, or conversation…
The immediate reaction is to villainize me.

Only women do this.

Tell a man the truth? He fixes it. Women’s world? The enemy is whoever tells them the truth.

Women want the lie, and they feed off the lie.

This is why real change won’t happen when men defer their authority to counselors, coaches, or therapists.

Because it tells a woman: “I’m deferring my authority to someone else because I’m not strong enough to set boundaries with my wife.” Guys, you cannot have someone else change a woman’s mind.

Change can only come from you. Women have to be incentivized for good behavior, and it starts with removing incentives for bad behavior. That means taking away resources and your attention for bad behavior. If she doesn’t get on board, walking away is the hard truth many men refuse to face.

Most men stay in bad marriages because they simp and pedestalize, using pastors, therapists, or doctors to defer their authority and pacify, delaying the inevitable: long-term divorce. In the end, you tolerate bad behavior by not setting limits in your own relationship.

Eine sehr generelle Aussage, was allein schon zu einer gewissen Skeptik einlädt. Es wird auch genug Männer geben, die Fehler nicht einsehen können und die ggfs auch eine erhebliche Schuld tragen.

Aber der Mechanismus, dass Kritik schnell als Schuldzuweisung und dann als Ungerecht angesehen wird da könnte ich mir schon eher vorstellen, dass er eher bei Frauen vorkommt. („Jetzt fallen die beide über mich her“ „die hat mir gar nicht zugehört und war nur auf seiner Seite“)

Ìch bin ja nach wie vor auch sehr skeptisch was so ein Ehecounseling oder eine Eheberatung bringt. Wenn beide einen guten Willen haben, dann sollten sie es auch so hinbekommen. Wenn nicht hilft auch das Counseling wahrscheinlich wenig.