Eine Gesellschaft namens „The Female Company“, die sehr feministisch auftritt und ein von einer Frau gegründetes Start UP ist, welches Periodenunterwäsche herstellt hat anscheinend eine sehr patriarchale Unternehmenskultur:
Dem SPIEGEL hingegen schildern Ex-Mitarbeiterinnen eine Arbeitskultur zwischen Druck und Erschöpfung. Claus sei eine Gründerinnenpersönlichkeit mit Strahlkraft, die charismatisch und zugewandt auftreten könne. Aber auch launisch und manipulativ.»Ich bin da sehr gebrochen rausgegangen«, sagt eine ehemalige Angestellte. Nach ihrer Kündigung habe sie ein halbes Jahr gebraucht, ehe sie wieder arbeiten konnte. Viele werden vom Versprechen eines feministischen Unternehmens gelockt, halten aber offenbar teils kaum zwei Jahre durch. Es sei klar gewesen, dass eine hohe Arbeitsbelastung bei einem Start-up normal sei, doch das Ausmaß bei The Female Company sei gesundheitsschädigend, lautet eine häufige Schilderung. Eine Ex-Mitarbeiterin berichtet, dass sie und andere regelmäßig Phasen mit täglich 12 bis 13 Stunden Arbeit erlebten.Neben Sina Paulsen verließen weitere die Firma auf ärztlichen Rat. Von »akuten Krankheitszeichen, in Folge ihrer beruflichen Tätigkeit« und einem »hohen Leidensdruck« ist in einem Attest die Rede, das dem SPIEGEL vorliegt. Fünf Personen neben Paulsen berichten von massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen, als deren Ursache sie ihre Arbeit bei The Female Company sehen. Ihre Schilderungen reichen von Burn-out über Schlafprobleme bis hin zu Suizidgedanken. Ab Sonntagnachmittag habe sie Atemnot und Panikattacken aufgrund der anstehenden Arbeitswoche gehabt, erzählt eine Ex-Angestellte.Insbesondere Mütter hätten es mit der Unternehmensgründerin schwer gehabt, berichten mehrere Quellen. »Niemand ist für sie weniger wert als eine Mutter, die für sie arbeitet«, bemängelt eine. Claus habe familienfreundliche Teilzeit verhindert und ständige Verfügbarkeit verlangt, erzählt eine andere. »Wenn du eine Mutter gewesen bist, hattest du ganz schlechte Karten in dem Unternehmen«, beschreibt eine weitere Ex-Mitarbeiterin ohne Kinder ihre Wahrnehmung: »Die mussten wirklich am meisten kämpfen.«Claus bestreitet, diese Aussagen getätigt zu haben, will dies auch an Eides statt versichern. Das Unternehmen lässt über seine Anwälte betonen, dass es falsch sei und bestritten werde, dass Mütter benachteiligt worden seien
Wäre interessant ob da gerade der Ruf als feministisch die Lage noch verschärft hat. Bei einem „Normalen“ Startup hätte man wahrscheinlich keine Rücksichtnahme erwartet, aber bei einer guten feministischen Gesellschaft hat man wahrscheinlich ein „weibliches Betriebsklima“ erwartet, bei dem Work-Life-Balance wichtig ist und die Schwierigkeiten von Müttern akzeptiert werden.
Aber natürlich will auch diese Firma gut laufen und der Weg dahin ist nicht unbedingt seinen Arbeitnehmern alles nachzulassen. Die Chefin kann im Gegenzug anführen, dass sie ja gerade hier für den Ruf aller weiblich besetzten Firmen arbeiten und sich quasi schon aus weiblicher Solidarität besonders anstrengen sollten.
Claus habe ihr gegenüber Unverständnis geäußert, wenn auf dem Homeoffice-Bildschirm von Müttern im Hintergrund ein Kind auftauchte, sagt eine Ex-Mitarbeiterin an Eides statt. Von stillenden Mitarbeiterinnen habe Claus sich genervt gezeigt und den Wunsch geäußert, dass diese abstillten, unter Verweis auf ein angebliches Hormonchaos der Mitarbeiterinnen. Mütter habe Claus als oft zu emotional oder wenig leistungsfähig beschrieben. Trotz anderslautender Zusicherungen habe es in der Realität immer wieder verpflichtende Abendtermine gegeben, für viele Mütter ein Problem
Auch da ist es wahrscheinlich (wenn es überhaupt stimmt) aus ihrer Sicht unproblematischer, weil sie eben eine Frau ist und es damit ja nicht sexistisch ist. Und sie ist ja auch eine Frau und bekommt es hin.
Zudem hat wohl ein schwuler Angestellter in leitender Funktion sich sexuell übergriffig gegenüber einer Frau verhalten:
Im Verlauf des Abends habe sie sich irgendwann auf einer der Stufen der Schlosstreppe gesetzt, erzählt Paulsen. Sie sei im Gespräch mit Kolleginnen gewesen, als plötzlich zwei Hände ihren Kopf gegriffen hätten. Leon Reuf, der eigentlich anders heißt, habe einige Stufen unter ihr getanzt. Dann habe er unvermittelt ihr Gesicht unmittelbar vor seinen Genitalbereich gedrückt. Er habe mehrfach ihren Kopf vor und zurück bewegt, wie beim Oralsex.»Ich habe seine Hände weggeschlagen und gesagt, er soll aufhören«, sagt Paulsen. »Dann hat er gelacht. Er hat gar nicht gecheckt, dass er grenzüberschreitend war.« Für Paulsen ist das, was sie an jenem Abend erlebt haben will, ein sexualisierter Übergriff. Heute glaubt sie rückblickend: »Das hat er gemacht, weil ich machtmäßig nicht auf seiner Ebene war.«Zwei Kolleginnen schildern gegenüber dem SPIEGEL, sie hätten gesehen, wie Reuf Paulsens Kopf genommen und Bewegungen vor seinem Genitalbereich ausgeführt habe. Eine weitere Person aus Paulsens Umfeld gibt an, sie habe ihr den Vorfall in gleicher Weise geschildert. Paulsen, die heute nicht mehr für das Unternehmen arbeitet, und ihre zwei Kolleginnen haben ihre Aussage an Eides statt versichert, um ihre Schilderung zu untermauern.Reuf lässt über seine Anwälte alle Vorwürfe »ausdrücklich« zurückweisen. Alle Darstellungen seien falsch. »Ein sexualisierter Übergriff oder sonstiges unangemessenes Fehlverhalten« habe nicht stattgefunden. Auch The Female Company betont über Anwälte, dass andere Mitarbeiterinnen die Szene »nicht als auffällig« wahrgenommen haben. Die Party, so viel ist klar, ging danach weiter, und auch untereinander tanzten Frauen an dem Abend mit lasziven Hüftbewegungen, auch Paulsen.Paulsen sieht Reuf an diesem Tag zum ersten Mal. Co-Firmengründerin Ann-Sophie Claus hatte ihn der Belegschaft zuvor beim Grillen als künftige neue Führungskraft präsentiert. »Ich wusste, das ist die Person, mit der ich künftig mein Gehalt verhandeln muss«, sagt Paulsen. In einem Gespräch soll Reuf laut Paulsen später die Vorwürfe zunächst bestritten und sich dann darauf berufen haben, betrunken gewesen zu sein. Auch diese Darstellung bestreiten Reufs Anwälte.
Gründerin Claus weist dagegen den Vorwurf entschieden zurück, das Geschehen in Wartin unzureichend aufgearbeitet zu haben. Monatelang habe das Unternehmen die Anschuldigungen geprüft und mehrere konkrete Maßnahmen ergriffen, lässt sie über eine Kanzlei mitteilen. Auch sie sei bereit, alle ihre Aussagen an Eides statt zu versichern. Sie habe etwa eine Vorgesetzte Paulsens als »Safety Guard« eingesetzt, an die sie sich habe wenden können. Es habe im Unternehmen keine weiteren Beschwerden gegeben, auch nicht gegen den laut Firma »offen homosexuell« lebenden Reuf.Zudem habe die Firma nach Wartin einen Verhaltenskodex zur Prävention von sexueller Belästigung erarbeitet. Der richte sich »ausschließlich nach der Sicht der Betroffenen« und habe auch rückwirkend gegolten. Reuf sei damit geschult worden. Vor allem aber habe man Paulsen mehrfach gefragt, ob sie eine Entlassung Reufs wünsche. Das habe sie verneint. Und in der Tat: »Ich bin auf jeden Fall erst mal fine damit«, hat Paulsen während der Aufarbeitung geschrieben und angegeben, sich sicher in der Firma zu fühlen.In einem Gespräch mit der Gründerin über den mutmaßlichen Vorfall hat Paulsen im Büro geweint. Nicht wegen der Erlebnisse in Wartin selbst, sondern wegen eines »schweren sexuellen Übergriffs« in ihrer Vergangenheit, lässt Claus über ihre Anwälte mitteilen. Deswegen habe der Vorfall mit Reuf sie »getriggert«, soll Paulsen gesagt haben.