Und weiter mit Nummer 2 von Gestern
„Ich merkte in den ersten Jahren meiner Ehe schnell, dass ich mir mehr Unterstützung bei der Care-Arbeit wünsche“
Foto: Privat Elisabeth, 32, ist geschieden, hat zwei Kinder und lebt in einem WG-Modell weiterhin mit ihrem Ex-Mann in Bonn. „Ich bin früh Mutter geworden. Mit Anfang zwanzig, noch im Studium, lebte ich damals mit meinem Mann in Berlin. Die Anfangszeit war furchtbar und ich fühlte mich überlastet. Allerdings bekam ich von außen den Anspruch vermittelt, dass ich das alles unter einen Hut bringen muss. Zuhause bei meinen Eltern habe ich das klassische Familienbild vorgelebt bekommen. Meine Mama war neben ihrem Job für die vier Kinder allein verantwortlich, mein Vater hat das Geld verdient und wenig mit Care-Arbeit zu tun gehabt. Ich habe diese Rollenaufteilung internalisiert und lange geglaubt, dass es als Frau meine Aufgabe ist, mich voll und ganz um meine Familie zu kümmern. Meine Bedürfnisse zurückzustellen und dabei auch bitte rund um die Uhr glücklich und bescheiden zu sein.
Und erneut scheint ihr das ihre Mutter genauso vorgelebt zu haben wie der Vater. Wobei es bei vier Kindern auch schwierig werden dürfte, dass beide arbeiten. Und die vier Kinder brauchen natürlich auch das passende Einkommen.
Mein Wunsch war es, eine eigene kleine perfekte Familie zu haben. Allerdings merkte ich in den ersten Jahren unserer Ehe schnell, dass ich mir mehr Unterstützung bei der Care-Arbeit wünsche. Dazu gehörte, dass auch mein Ex-Mann sich Elternzeit nimmt. Aber das passierte nicht.
Auch hier wäre interessant: Welchen Mann haben sie sich denn ausgesucht? War ihr damals etwas anderes wichtig als die Unterstützung bei der Care Arbeit?
Als ich begriff, dass ich dabei war, das Vorbild meiner Eltern zu kopieren, fing ich an, meine erlernten Glaubenssätze zu hinterfragen. Für mich ist es wichtig, dass auch Männer das tun. Mittlerweile glaube ich, dass die Mutter-Sohn-Beziehung dafür verantwortlich ist, dass viele Männer in ihrer Partnerin einen wohlwollenden, kümmernden, fürsorglichen „Mama-Ersatz“ sehen.
Das mit dem Mama Ersatz ist eine beliebte Theorie ich glaube gerade bei Frauen. Aber einen wohlwollenden, kümmernden, fürsorglichen Partner zu haben ist ja aus nachvollziehbaren Gründen attraktiv. Man braucht keine Umwege über die Mutter.
Es ist um so merkwürdiger, weil sie ja erkennbar auch einen wohlwollenden, kümmernden und fürsorglichen Partner will. Eben einen der die Carearbeit für sie übernimmt.
Das beobachte ich auch bei meinen Freundinnen, bei denen fast ausnahmslos die Frau neben der Care-Arbeit auch noch die Beziehungspflege übernimmt.
Beziehungspflege müsste man da etwas aufschlüsseln. Ich vermute sie meint die Beziehungspflege zu anderen Leuten (also wahrscheinlich ihren Freundinnen?) Das wird ja gerne angeführt, dass es eher Frauen sind, die gesellige Abende planen. Wenn ich da richtig liege wäre es auch mal wieder eine interessante Umformung von etwas, was sie schon im Eigeninteresse sowieso machen und was üblicherweise Spass macht zu einer Arbeit.
Es stimmt schon, für viele ist die klassische Rollenverteilung ein angenehmes Familienmodell, das sie von zuhause kennen und mit dem sie sich wohlfühlen.
Das bezieht sich wahrscheinlich auf die Männer. Über die Annehmlichkeiten von Frauen in dem Modell wird dann wieder selten geredet. Etwa das sie mehr Zeit mit Kindern haben, dass sie üblicherweise weniger arbeiten und in den Jobs auch noch weniger verdienen und dennoch auf dem gleichen Niveau leben wie er, der mehr arbeitet und sich einen Job ausgesucht hat, der besser bezahlt wird.
Mein Ex-Mann und ich versuchten, unsere Probleme zu lösen und machten eine Paartherapie – auf meinen Wunsch hin. Die Beziehung endete, als ich aufhörte, neben der klassischen Care-Arbeit rund um Kinder und Haus als Einzige die emotionale Arbeit der Beziehung zu leisten. Mittlerweile leben wir getrennt, allerdings nicht räumlich. Der Kinder wegen leben wir in einem WG-Modell. Das klappt erstaunlich gut, vielleicht weil seitdem eine klarere Aufteilung stattfindet und mir die Last der emotionalen Care-Arbeit genommen wurde.
Ihr wurde in dem WG-Modell die Last der emotionalen Care-Arbeit abgenommen? Ist interessant, dass sie dazu nichts weiter schreibt. Theoretisch hat sich ja nichts geändert, außer das sie kein Paar mehr sind und keinen Sex mehr haben (was gegebenfalls auch vorher schon der Fall war).
Vermutlich haben sie jetzt schlicht klarere Regeln bzw sie trifft sich nach wie vor mit ihren Freundinnen und er nimmt halt einfach nicht mehr Teil?
Aber das macht das Dating für mich nicht unbedingt leichter. Selbst wenn ich Männer treffe, die sich selbst als feministisch und progressiv bezeichnen, wird oft nicht mehr daraus, weil ich bereits Kinder habe und mit meinem Ex Partner ein Heim teile. Die Männer wünschen sich mehr Aufmerksamkeit, die ich nicht bieten kann.“
Das sind natürlich auch erhebliche Hürden für eine Beziehung: Eine Frau, die anscheinend wenig Kompromisse macht, mit ihrem EX in einer WG wohnt und auch noch Kinder hat.
Was zum einen die Gefahr erhöht, dass sie mit dem Ex noch mal zusammenkommt, zum anderen hat man immer einen Ex im Haus, bei dem man nicht weiß, wie er zu der Sache steht.
