Die Zeit bittet um Zusendungen zu folgenden Thema:
Heutzutage können Jugendliche, sogar Kinder, mit wenigen Klicks im Internet auf Pornos zugreifen, die ihr Bild von Sexualität prägen und verzerren können. Der Präsident der Vereinigten Staaten sagt öffentlich Sätze wie „Grab them by the pussy“, und Männer wie Andrew Tate sind mit frauenfeindlichen Ideologien und sexistischen Witzen in den sozialen Medien maximal erfolgreich.
Trotz all dieser Einflüsse wünschen sich vermutlich viele Eltern, dass der eigene Sohn Mädchen und Frauen respektiert und gut behandelt. Und wenn er Sex hat, sollte dieser einvernehmlich und sicher sein. Sie versuchen, ihren Jungen zu einem nicht toxischen Mann zu erziehen. Mit ihm über Geschlechterbilder zu sprechen und ihm beizubringen: Nein heißt Nein. Kurzum: ihn aufzuklären.
Da ist ja bereits der ganze Ansatz schwierig.
Als ob nur der Mann toxisch sein kann. Als ob Nein wirklich immer Nein heißen würde.
Der beste Rat an junge Männer ist wahrscheinlich: Pass auf dich auf. Gehe kein Risiko ein. Wenn du das Gefühl hast, dass sie nicht will, dann mach einen Schritt zurück zu etwas, was sie will. Und bereite allgemein die Sache besser vor, sorge dafür, dass sie das Vertrauen hat, sich auf dich ein zulassen und sein fair. Schau aber auch nach einer fairen Frau, die eben keine Spiele mit dir spielt.
Aufklärung ist für alle Geschlechter wichtig, aber bei Söhnen kann sie besonders herausfordernd sein. Dabei geht es ja nicht nur darum, dass der eigene Nachwuchs charakterlich nicht zum großen Arschloch verkommt. Man möchte ihn vielleicht auch vor möglichen Folgen seiner eigenen Taten schützen. Denn in Deutschland muss jede sexuelle Handlung freiwillig erfolgen, ohne Zustimmung ist sie juristisch strafbar. Wer keine Einvernehmlichkeit hat, kann sich also strafbar machen.
Eigentlich sollte man seinem Sohn ja vertrauen. Ihn ohnehin so erzogen haben, dass er allgemein Leuten nichts schlechtes antut, alle Leute mit Respekt behandelt und das nicht besonders auf Frauen beziehen.
Wir wollen von Leserinnen und Lesern mit Söhnen im Teenageralter wissen, wie sie damit umgehen: Wie ist das Frauen- und Männerbild Ihres Sohnes, und wodurch wurde es beeinflusst? Wann und wie sprechen Sie mit Ihrem Sohn über Sexualität, welche Ratschläge geben Sie ihm? Was bringen Sie ihm über sicheren Sex und Einvernehmlichkeit bei?
Hätte ich mit meinem Vater über das Flirten reden wollen? Wahrscheinlich nicht, zumal es ja auch eine ganz andere Zeit war. Man hat damals ja jung geheiratet. Und ich glaube ich hätte es auch ein sehr merkwürdiges Gespräch gefunden.
Ich bin mal gespannt was in der Serie erscheint. Ich bin fast versucht etwas zu schreiben, aber würde es dort veröffentlicht werden? Wahrscheinlich wäre es nicht auf der Linie des Artikels
Kam es dabei zu Konflikten, oder haben die Gespräche Sie als Familie vielleicht sogar näher zusammengebracht? Wer oder was hat Ihnen beim Diskurs mit Ihrem Sohn geholfen – Literatur, Filme oder andere Menschen? Wie nehmen Sie die Aufklärungsarbeit an der Schule Ihres Kindes wahr?
Habt ihr Gespräche mit euren Eltern darüber gehabt? Die waren ja bei meinen „Flirts“ (in Anführungszeichen, weil sie eher bescheiden waren) nicht dabei. Ein objektiver Beobachter in jungen Jahren hätte mir vielleicht eher sagen sollen, dass ich alle möglichen Zeichen übersehe. Aber das ist eine andere Sache.
Aufklärungsarbeit an der Schule? Gibt es da so etwas?
Hier noch in paar Leserkommentare unter dem Artikel:
Ich rede mit meinem Sohn ziemlich genauso wie mit meiner Tochter. Warum auch nicht?
oder
Heißt also, ohne korrekte sexuelle Aufklärung werden alle Söhne zu übergriffigen Vergewaltigern? Das halte ich für eine steile These.
oder
Sind die Eltern Ar…lö, so sind es auch die Kinder und umgekehrt. Alle Jung im Teeny-Alter um mich herum sind anständige Burschen, die sich superkorrekt meinen Töchtern gegenüber verhalten. Ich weiß ja nicht, wo die Redaktion ihre Informationen herholt, wenn sie meint Jungs wären irgendwie den Mädels überlegen?? Ich wundere mich eher wie viel sie sich von meinen Töchtern gefallen lassen. Aber wir könnten ja auch andere Klischees bedienen und fragen ob es nicht sinnvoll wäre und schauen in welcher Ethnie toxische Männlichkeit denn so vermehrt vorkommt. Dann bewegen wir uns auf einem ähnlich doofen Level. Kurz: Toxizität hat nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit dem Weltbild, dass man vermittelt bekommen hat.
und
Das in diesem Artikel per se davon ausgegangen wird, dass Jungen frauenverachtende Arschlöcher sind, die „richtig erzogen“ werden müssen, halte ich für ziemlich verdreht. Eventuell sollte der Schreiber des Artilels mal sein Weltbild überdenken.
und_
Kinder/Jugendliche wie alle Menschen lernen „am Modell“. Insofern machen Sie es am Ende in etwa so wie sie es bei Mutter und Vater gesehen haben.
Da wird eine ganz besondere Aufklärung/Anleitung wie man Frauen behandelt im Grunde nicht gebraucht.
Alle vorhandenen (und vorgelebten) Werte finden sich auch in Fragen der Sexualität wieder. In jedem Bereich.
“ Aufklärung ist für alle Geschlechter wichtig, aber bei Söhnen kann sie besonders herausfordernd sein. “
Gehe ich nicht mit. Sie KANN bei Söhnen herausfordernd sein, ebenso wie bei Mädchen, und zwar gleichermaßen. Überdies für Väter ebenso „herausfordernd“ wie Mütter. Beide haben da eigene Schwachstellen/Besonderheiten/Aufgaben. Aber BEIDE haben sie.
Unabhängig von der Aufklärungsfrage für Jungs, fällt mir ganz grundsätzlich auf, das MaNN scheinbar heute nicht selten auch Frauen erklären muß, dass „Nein“ auch wirklich „nein“ heisst. Da ist es mit dem Verständnis auch nicht immer so ganz weit her. Zumindest ist das meine Erfahrung soweit ich das zurückverfolgen kann.
und:
Das Ziel, dass der Nachwuchs nicht zum „großen Arschloch verkommt“ habe ich auch bei meinen Töchtern verfolgt, das weibliche Geschlecht soll ja dagegen auch nicht immun sein.
Nur einmal sah ich mich veranlasst, meinen noch nicht mal 15jährigen Sohn vor möglichen Folgen seiner Taten zu schützen, als eine 28jährige Betreuerin seiner Jugendgruppe ein Verhältnis mit ihm anfing, für die Vaterrolle, welche ihm die Betreuerin unserer Vermutung nach verschaffen wollte, war er mir doch noch zu jung.
Dass nicht nur das männliche Geschlecht gelegentlich toxisches Verhalten zeigt, hat mir die ältere Tochter dreizehnjährig mit nächtlichem Ausbüxen gezeigt, Ziel waren Treffen mit einem 17jährigen Jungen aus der Nachbarschaft, dem sie offensichtlich erfolgreich vorgeflunkerte sie sei bereits 15 …
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