Nachdem sich vorherige Vorwürfe gegen Stefan Gelbhaar (Grüne) als falsch herausstellten veröffentlicht der Tagesspiegel nun neues Material:
Faust lernt Gelbhaar im Jahr 2011 kennen. Da ist sie 15 Jahre alt. Gelbhaar nimmt an einem Wahlkampf-Podium an ihrem Gymnasium teil, dann trifft sie ihn an einem Wahlkampfstand wieder. Sie ist beeindruckt von dem Politiker, der damals Landeschef der Grünen ist und ins Abgeordnetenhaus gewählt wird. Sie schreibt ihm auf seinem offiziellen Facebook-Account eine Direktnachricht, denn sie möchte sich bei den Grünen engagieren.
Das schreibt sie ihm am 15. September 2011 und siezt ihn. Keine 24 Stunden später antwortet Gelbhaar, dass ihn das freue und dass er sich „natürlich und sehr gerne“ an sie von der Begegnung am Wahlkampfstand erinnere. „Und ich“, schreibt er der 15-Jährigen, „schlage mal ganz spontan das Du vor“. Gelbhaar ist damals 35 Jahre alt.
Das Mädchen antwortet, es sei ja sympathisch, wenn Politiker bürgernah seien. Sie wünschte ihm viel Erfolg bei der Abgeordnetenhauswahl. Sie finde es „sehr schön“, dass Gelbhaar sich an sie erinnere. Der antwortet: „Du findest das sogar sehr schön?“ Dazu ein Freu-Smiley.
Dass sich die 15-Jährige bei den Grünen engagieren will, dass Gelbhaar ihr Wege eröffnen, Hilfe bieten könnte – all das findet sich nicht im Chat. Aber auch keine Übergriffigkeit gegenüber einer Minderjährigen. Doch sein Verhalten einordnen will Gelbhaar heute nicht. Sein Anwalt erklärt dazu: „Unser Mandant verwahrt sich gegen den Vorwurf, er habe sich einer Minderjährigen genähert. Der Vorwurf ist abwegig und nicht im Ansatz von dem vorliegenden Sachverhalt gedeckt.“
Bei den Grünen dürfte Duzen ja normal sein. Auch sonst macht er nichts, was sich nicht gehört. Sie schreibt ihm an, dass sie sich bei den Grünen engagieren soll, was soll er da auch groß antworten? Wird wahrscheinlich häufiger passieren.
Interessant auch die Darstellung. Es findet sich nichts unangebrachtes in dem Chat. Und er will das nicht einordnen.
In der Tat ist ja der Vorwurf abwegig, dass er sich ihr genährt hatte. Es wäre aus meiner Sicht noch im Rahmen der normalen Rekrutierung dann wohl für die Grüne Jugend. Er gibt eben den volksnahen Politiker. Hätte er das gleiche bei einem Jungen geschrieben wäre es vollkommen unverdächtig.
Sieben Jahre nach dem ersten Chat, Faust ist 22 Jahre alt, geht es weiter. Von 2018 bis 2021 haben beide nachweisbar Chatkontakt. Faust reagiert auf seine politischen Posts bei Instagram mit Klatschen-Emojis, er sendet Herzaugen- oder Flammen-Emojis, die „hot“ bedeuten, also „heiß“, zu Fotos und Stories auf ihrem Instagram-Account. Auf denen zeigtsich die Frau: jung, attraktiv, auch freizügig und spielerisch. Er fragt sie, was sie vorhabe, was sie werden wolle, was sie studiere.
Am 2. Dezember 2018 schreibt Gelbhaar ihr: „Ich kiek mir deine Bilder zu gern an.“ Faust antwortet: „Dankeschön :)“. Am 14. Februar 2019 schreibt er ihr zu einem Foto, bei dem ein Filter ihre Augen verändert hat: „Hast du doch gar nicht nötig.“
Was Faust erlebte, ist zunächst ein Einzelfall. Doch spiegelt sich darin ein Verhalten, das Gelbhaar auch anderen Frauen gegenüber gezeigt haben soll – grenzverletzend, distanzlos. Der Chat ist nicht immer eindeutig, wirkt oft einvernehmlich. Aber es bleibt der Eindruck: Da schreibt ein Mittvierziger über seinen offiziellen, mit blauem Haken verifizierten Account als Abgeordneter, als Politiker sehr locker mit einer jungen Frau hin und her. Zu locker?
Sie schreiben also 3 Jahre, beginnend ab ihrem Alter von 22. Und? Er kann sie über Instagram kaum unter Druck setzen und sie kann ihn jederzeit blockieren.
„Der Chat wirkt einvernehmlich“ war er ja anscheinend auch
„Er schreibt zu locker“ Sie ist volljährig und er auch. Wo ist das Problem? Auch ein Politiker kann einvernehmlichen Sex mit einer 22jährigen oder später 25jährigen haben.
Und wie hält man es als Bundestagabgeordneter mit der Kommunikation mit Frauen, die 20 Jahre jünger sind? Was ist angemessen? Und was ist privat? Sollte ein Mandatsträger per Direktnachricht den Eindruck vermeiden, dass er flirtet? Oder Fotos einer leicht bekleideten Frau liken? Und wie wäre das bei dem CEO eines namhaften Konzerns oder einem Bürgermeister?
Das ist jeweils deren Sache. Warum soll er übrigens nicht die Fotos einer Frau liken, auch leicht bekleidet, die mit ihm seit drei Jahren schreibt?
Am 17. Juni schreibt Faust ihm einen Glückwunsch, weil er bei Instagram einen blauen Haken im Profil nach einer Integritätsprüfung bekam. Gelbhaar antwortet mit Fragezeichen, Smiley und: „Dein Profil ist toll. Wollte ich dir schon lange mal sagen.“
Herzaugen-Smiley für ein Bikini-Foto bei Instagram
Wieder fragt er sie, was sie macht. Sie schreibt über ihr Studium, wo sie sich engagiert, nennt ihre Hobbys, darunter Hypnose. Das „fasziniert mich“, antwortet Gelbhaar. Faust schreibt: „Warum interessiert dich das so sehr, wenn ich fragen darf?“ „Hab darauf keine schlaue Antwort“, antwortet Gelbhaar. „Wahrscheinlich bin ich einfach unangemessen neugierig.“
Es folgen Herzaugen-Smileys, als sich Faust im Bikini zeigt. Ein „Daumen hoch“ zu einem Outfit mit Minirock. Zu einem Foto mit knapper Kleidung beim Christopher Street Day 2019 kommentiert er: „Sehr cool.“ Und: „Selbst geschneidert?“ Es war nur gekauft, Gelbhaar findet: „Trotzdem wie angegossen ;).“ Sie antwortet: „Vielen Dank.“
Das scheinen ja alles sehr harmlose Nachrichten zu sein, wenn sie nicht mehr haben ist das weit weg von einem Skandal. Anscheinend nur kurze, harmlose Kommentare, die sie anscheinend auch noch gut findet (und von denen sie wahrscheinlich auch noch viele weitere bekommen hat)
Julia Faust meldet sich beim Tagesspiegel
Als Gelbhaar im September ein Video in seiner Story postet, meldet sich Faust. Sie merkt an, dass der Ton schlecht sei. Daran werde gearbeitet, schreibt er zurück. Und irgendwann „machen wir mal was zusammen?“ Faust antwortet: „Gern.“ Wochenlang bleibt es dann ruhig. Im November fragt Gelbhaar, wie es Faust geht. Sie antwortet mit Emojis, die bedeuten: lernen, Schulternzucken.
Der Chatverlauf offenbart einen Eindruck, gegen den sich Gelbhaar bisher vor Gericht teilweise erfolgreich wehren konnte. Dazu muss man wissen, dass bisher an den Vorwürfen mehrerer Frauen in der „Süddeutschen Zeitung“ gegen ihn offiziell nichts geklärt ist, geschweige denn rechtskräftig.
Und auch hier wird man nichts vorwerfbares draus ableiten können. Klar kann man es einen schlechten Stil finden wenn ein 40jähriger mit einer 25jährigen schreibt. Aber es ist gleichzeitig auch nichts verbotenes. Man kann daraus nur etwas herleiten, wenn man ihn ohnehin absägen will und einen Vorwand braucht.
Es erstaunt gerade von den Grünen, die sich ja sonst in dem Bereich sehr sexpositiv aufstellen.
Die Vorwürfe gegen Gelbhaar bewegen die Partei immer noch.Im November überschattete das Thema die Wahlversammlung der Pankower Grünen, als Gelbhaar bei seinem Comebackversuch damit scheiterte, sich als Direktkandidat zur Abgeordnetenhauswahl aufstellen zu lassen. Im April 2026 wird die Landesliste für das Abgeordnetenhaus beschlossen.
Was Faust erlebte, hat sie bereits im Februar in einer eidesstattlichen Versicherung zur Vorlage bei Gericht niedergeschrieben. Diese lag dem Landgericht Hamburg und Gelbhaars Anwälten spätestens seit Mai vor. Monate später gab es für Julia Faust einen konkreten Anlass, mit dem Tagesspiegel zu sprechen und einen Einblick in die Chats mit Gelbhaar zu gewähren. Sie fand es zweifelhaft, dass Gelbhaar vor seinem Comebackversuch im November erklärt hatte, dass alle Vorwürfe gegen ihn aufgeklärt seien und die Gerichte eindeutig entschieden hätten.
Und was will sie dazu sagen? Sie hat ja anscheinend ganz einvernehmlich mit ihm geschrieben?
Im Janur 2020 schreibt Faust zu einem Video des Politikers: „Super Film!“ Er antwortet mit einem Lächel-Smiley und fragt: „Kaffee demnächst?“ Sie antwortet: „Iced Coffee“ und Herzaugen-Smiley.
Oh Nein! Das Grauen!
Tage später kommentiert Gelbhaar wieder Fotos, auf denen Fausts Gesicht mit einem Filter bearbeitet wurde: „Sehr nice der Gesichtsausdruck“ und Herzaugen-Smiley. Faust bedankt sich und beglückwünscht Gelbhaar zu einer Gesetzesänderung.
Wieder wechselt Gelbhaar ins Persönliche: „Wann machen wir mal unseren Kaffee?“ Faust schreibt, es komme auf den Wochentag an, sie habe gerade viel mit dem Studium zu tun, montags und freitags gingen, aber das „müssen wir leider noch etwas verschieben“, sie schreibe gerade Klausuren.
Auch wieder Grauenhaft.
Heute liest sie aus dem Chat Flirtversuche
„Wenn ich das alles lese, wird mir ganz anders“, sagt Julia Faust heute. Damals habe sie sich nichts dabei gedacht, auch wenn sie es so wahrgenommen habe, dass Gelbhaar auf sie steht, dass er sie anmache. „Diese Flirtversuche. Das alles ist strafrechtlich nicht relevant, doch ich finde es moralisch verwerflich.“
Und damals fand sie es interessant, dass ein Mann mit hoher Position ihr Aufmerksamkeit schenkt und dachte daran, dass sie das vielleicht ja auch irgendwie mal nutzen kann und ihn sich warmhält.
Rückblickend komme ihr das vor wie ein Versuch eines älteren Mannes, sich bei einer jungen Frau das Vertrauen zu erschleichen für einen privaten Kontakt. Eines einflussreichen Grünen-Politikers, eines Abgeordneten, der gemäß dem Grundgesetz Vertreter des „ganzen Volkes“ ist.
Ruft die Sittenpolizei!
Auch klassisches warmhalten.
Faust kontaktierte Gelbhaar als Mandatsträger, nicht als Privatmann
Gelbhaar will wissen, wohin sie reist. Faust antwortet und fragt dann: „Hast Du eigentlich Praktikant*innen? Wenn nicht, wo und für wann kann ich mich bewerben?“ Gelbhaar: „Besprechen wir dann? Weiß manchmal nicht, was du wie ernst meinst.“
Wieder richtet er den Fokus weg vom Praktikum. Sie schreibt, dass sie es ernst damit meine, schickt sogar ein Thema nach, dass sie interessiert: ein Gesetzentwurf zur Grundrente für Künstler.
Gelbhaar wechselt im Chat immer wieder auf eine vertraute Ebene, dreht Fragen über ein Praktikum ins Persönliche. Statt eines Gesprächs im Büro, das Faust im beruflichen Rahmen vorschlägt, will er sich lieber privat treffen. Er, der 20 Jahre ältere Abgeordnete, zeigte wenig Distanz gegenüber einer Frau, die einen Weg in die Politik suchte, die ihn deshalb als Politiker, als Mandatsträger kontaktierte – nicht als Privatmann.
Echt faszinierend. Klar, er will sie persönlich kennen lernen, ist vielleicht auch auf Sex aus oder auch nicht. Sie nutzt den Kontakt, ködert ihn ganz bewußt mit möglichen Treffen und will sich dann über die Beziehung zu ihm einen Praktikumsplatz sichern.
Klar hätte sie auch sagen können „das mit ihm ist mir zu persönlich, ich frage mal ganz formell und ohne den Kontakt über ihn bei den Grünen an“. Aber die inzwischen 24jährige (wenn ich richtig gerechnet habe) nutzt lieber den Kontakt von dem Mann, der ihre Bikinifotos mag und bei dem sie das Gefühl hat er will was von ihr und bei dem sie immer offen lässt, ob man sich mal privat trifft oder nicht.
Manches schmeichelt ihr auch
Im März 2020 antwortet Faust auf eine Story von Gelbhaar, dass sie eine „Location“, in der Gelbhaar war, auch möge. Gelbhaar: „Guck an, mit Dir wär es natürlich mehr Highlight gewesen. Also noch mehr :)“. Sie antwortet: „Aww.“ Sie fühlt sich geschmeichelt. Am 26. Juni antwortet Gelbhaar mit einer Flamme auf ein Foto: Faust trägt einlanges T-Shirt, es ist zu erkennen, dass sie darunter nur einen Slip trägt.
Anfang Juli 2020: Faust schreibt, dass sie sich im Maklergeschäft umschaue, Objekte suche, und fragt, ob Gelbhaar sich umhören könne. „Musste mir mal bei nem Date erklären, was Du da genau brauchst“, schreibt Gelbhaar. Faust antwortet, sie wollten sowieso mal miteinander wegen eines Praktikums sprechen.
Sie fragt auch, ob sein Büro – mitten in der Corona-Pandemie – wieder geöffnet sei. Er solle gern Bescheid sagen, wann er da sei, dann komme sie mal vorbei. Gelbhaar fragt: „Nice. Wie bist Du denn da im Sommer?“ Faust berichtet, sie habe noch keine Pläne, Ende Juli aber noch Klausuren. Das heiße, „Ende Juli treffen wir uns? Nice“, schreibt Gelbhaar. Faust liked das mit einem Herz und antwortet: „Ja genau.“
Sie will sich also ein Praktikum im Bundestag ergattern und flirtet deswegen mit ihm.
Wir gewährleisten einen verantwortungsvollen Umgang mit Nähe und Distanz.
Aus dem Verhaltenskodex der Partei Bündnis 90/Die Grünen
Das sagt ja wenig aus.
Der Chatverlauf mit Faust wiegt nicht so schwer, wie die falsch erhobenen Vorwürfe des RBB vor einem Jahr. Aber es rührt an das Selbstverständnis der Grünen als feministische Partei. Denn die Grünen haben einen Kodex. Der gibt „Verhaltensregeln zwischen allen Parteimitgliedern“ vor, dazu zählt: „keine Grenzverletzungen“. Und: „Wir gewährleisten einen verantwortungsvollen Umgang mit Nähe und Distanz.“
Längst geben sich auch große Unternehmen für ihre Compliance strenge Regeln. Damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gar nicht erst in Gefahr geraten, die Last der Entscheidung zu tragen: Kann ich zu Vorgesetzten nein sagen, ohne Konsequenzen zu befürchten?
Sie war allerdings keine Mitarbeiterin. Sie war eine Bekannte von ihm seit zumindest 3 Jahren die über diesen Zeitraum immer wieder mit ihm kommunizierte.
20. Juli 2020: Wieder ein „hot“-Kommentar von Gelbhaar, diesmal zu einem Foto mit Faust im Badeanzug. Im August antwortet sie auf eine Story von ihm. Er versteht aber nicht, was sie sagen will: „Na, nun musste erläutern … oder auf unserem Treffen Ende Juli, Zwinker-Smiley.“ Faust stimmt zu, fragt aber: „Von wann bis wann bist Du im Büro?“ Gelbhaar antwortet nicht.
Gelbhaar fordert Kompensation, weil Faust weniger postet
Sie tauschen sich über ein Kinderfoto von ihr aus, über Rodelberge. Die Kommunikation wird einseitiger, Gelbhaar schickt Flammen, Herzaugen-Emojis, schreibt zu einem Foto zu Fausts gestorbenen Haustier: „Sei gedrückt.“ Faust hinterlässt ein Herz dafür.
Am 30. Juni 2021 meldet sich Gelbhaar wieder mit zwei Emojis. Faust schreibt, sie sei nur noch selten bei Instagram. „Das prangere ich an und wünsche mir Kompensation“, antwortet Gelbhaar. Faust schickt ihm ein Foto vom Zeughauskino, wo sie zu dieser Zeit arbeitet und weil sie dort nicht allein ist.
Das ist ja auch eine relativ normale Konversation, gerade weil zwischen ihnen ja auch eine gewisse Nähe ist und sie auch auf ihn eingeht und man bereits einen Termin für ein Treffen sucht.
Gelbhaar: „Schmunzel. Das bedeutet? Ist das ne Einladung?“ Faust: „Ist eine Kompensation. Und eine Empfehlung.“ Gelbhaar: „Deine Kompensation 😉 und für mich?“ Faust: „Für dich eine Empfehlung. Tickets kosten nur 0-5 Euro, je nach Vorstellung etc.“ Gelbhaar bedankt sich und schreibt: „Wahrscheinlich hast du mich bewusst so verstanden, he? ;)“ Faust: „Was meinst du?“ Gelbhaar: „Kompensation für mich wegen Deiner Insta-Abwesenheit … Da reicht ja kein Museum.“ Faust: „Achsoo. Keine Sorge ich bin bald wieder häufiger auf dieser Plattform.“ Gelbhaar: „Die Lücke bleibt natürlich für immer.“ (Schulterzucken-Emoji). Faust: zwei Lach-Tränen-Smileys. Gelbhaar: „Du darfst die ewige Lücke aber gern kompensieren ;))“
Heute sagt Faust, sie habe das Gefühl, Gelbhaar habe sich manipulativ verhalten, habe den Eindruck erwecken wollen, sie sei ihm etwas schuldig, nämlich ein privates Treffen. Sie sei lange naiv gewesen, bis sie gemerkt habe, dass sich Gelbhaar als Abgeordneter ihr als junge Frau gegenüber unangemessen verhalten habe.
Sie hat ihm ja auch lange genug die Karotte vor der Nase baumeln lassen und nun hat er eben (scherzhaft) eingefordert, dass sie auch mal was liefert. Aber es ist ja keine Erpressung oder etwas ähnliches.
Der Chat sei rein privat, erklärt Gelbhaars Anwalt
Der Tagesspiegel hat Gelbhaar und seine Anwälte zu den konkreten Chatabschnitten genau befragt. Sie dementierten ihn nicht, im Gegenteil. Gelbhaars Anwalt erklärt auf die Frage, ob sein Mandant die Komplimente, die Emojis für Bikini-Bilder, die lodernde Flamme für Fotos mit knapper Bekleidung oder Badeanzug, die Forderung nach einer Kompensation nicht übergriffig findet: „Im Kern interessieren Sie sich dafür, wie Frau ,Faust’ und unser Mandant privat kommuniziert haben“.
Die konkreten Fragen zu den einzelnen Teilen des Chats beantwortet der Anwalt aber nicht. Stattdessen erklärt er allgemein: „Zu privaten Angelegenheiten äußert sich unser Mandant nicht.“
Es handelt sich um eine unverfängliche, wechselseitige und gleichberechtigte Kommunikation.
Der Anwalt von Stefan Gelbhaar
Demnach unterliege sämtliche Kommunikation zwischen Gelbhaar und Faust der Vertraulichkeit. „Es handelt sich um einen beidseitig vertrauten Austausch, der eben nicht einseitig ist und erst recht nicht so zu lesen ist, dass unser Mandant Frau Faust zu etwas drängte“, teilt der Anwalt weiter mit.
Die zahlreichen Lachsmileys und Herz-Emojis, die Julia Faust sandte, „dokumentieren einen vertrauten, privaten Austausch“. Faust habe zu keiner Zeit signalisiert, mit Inhalten der Kommunikation nicht einverstanden zu sein. „Sie selbst hat unseren Mandanten nach einem Treffen gefragt, nach persönlichen Dingen gefragt, Storys von unserem Mandanten kommentiert und durchgehend zugewandt kommuniziert.“
Und da hat der Anwalt recht und Frau Faust wusste das auch.
Die Kommunikation dokumentiere kein Fehlverhalten des Grünen-Politikers. Es sei abwegig, zu meinen, die Kommunikation dokumentiere in Teilen ein „Bedrängen“ durch Gelbhaar. „Es handelt sich um eine unverfängliche, wechselseitige und gleichberechtigte Kommunikation.“ Die Weitergabe der Chats erfolge nur, um Gelbhaar erneut vorzuführen und gezielt zu schädigen. Es sei sittlich verwerflich, die „damalige private und völlig unverfängliche Kommunikation in den Kontext eines wie auch immer gearteten Fehlverhaltens einzustellen“.
Im Herbst 2021 schickte Gelbhaar nur noch wenige Nachrichten an Faust. Eine Flamme zu einer Story, Komplimente zu ihren Outfits für den Christopher Street Day oder für Halloween. Dann bricht der Kontakt ab. Faust wird privat gewarnt, bei Gelbhaar besser kein Praktikum zu machen.
„Ich fand die politische Arbeit von Stefan Gelbhaar spannend, ich konnte mich mit den Grünen identifizieren“, sagt Julia Faust. „Aber ich wollte ein Praktikum, kein privates Date.“ Sie lese heute die Chats von damals; sie sehe, wie Gelbhaar mit den Vorwürfen umging; aber sie finde: „Fast ist es so, als versteht er das Problem gar nicht.“ Faust fragt sich, ob Gelbhaar im Chat auf dieselbe Art und mit demselben Aufwand mit einem jungen Mann, der ein Praktikum bei ihm suchte, geschrieben hätte.
Ach komm Julia. Du wolltest ein Praktikum über die Beziehung zu einem Mann den du dir deswegen warmgehalten hast und den du angefüttert hast. Du wusstest das er auf dich steht und hast gehofft daraus Kapital schlagen zu können. Das ist wirklich einfach zu verstehen.
Er hat auch nicht mit dir geschrieben, weil du ein Praktikum wolltest. Das kam erst später. Du hast vorher positiv auf ihn reagiert, selbst angedeutet, dass du dich mit ihm treffen willst und leicht geflirtet.
Und natürlich kann man darüber streiten, ob ein 40jähriger das machen sollte. Aber sie war eben zu dem Zeitpunkt als wesentliche Teile der Gespräche stattgefunden haben über 20 und volljährig. Sie wusste was sie machte. Sie wusste auch wie sie Leute loswerden kann mit denen sie nicht reden will.