Eine interessante Studie:
Humans seek to spend most of their livesin long-term mating relationships, yet remain selective about whom they are willing to partner with.
We examined whether pickiness(i.e., minimum mate standards) predictshow many years individuals have spent single, in uncommitted, and in committed relationships.
We hypothesized that if individuals have unrealistic mate expectations (i.e., their adaptations for adjusting standards are mismatched), greater pickiness would predict more years spent single and in uncommitted relationships, and fewer years in committed relationships.
A representative Norwegian sample (N = 1182; ages 18–60) indicated their pickiness by rating minimum acceptable levels for 18 partner traits (e.g., intelligence, maturity, bodily attractiveness).
They also reported the total time they had spent in committed and uncommitted relationships.
Results showed that pickiness for physical attractiveness increased men’s years as single and reduced their yearsin committed relationships.
Overall pickiness increased women’s years in uncommitted relationships and their reports of being single due to attraction to partners unwilling to commit.
Effects remained after controlling for participants’ mate value, mate wanting, and mate seeking.
These findings suggest men’s standards for physical attractiveness and women’s overall standards surpass the mates they can attain
Die Studie ist hochinteressant, weil sie prüft wie sich die Anforderungen an den Partner auswirken. Und sie zeigen: wer zu hohe Anforderungen hat wird häufig schlechtere/kürzere Beziehungen haben.
Kurz zusammengefasst durch Claude:
Zentrale Fragestellung
Die Studie untersucht, ob übermäßige Wählerigkeit (hohe Mindeststandards bei der Partnerwahl) erklärt, warum Menschen länger Single bleiben, mehr Zeit in unverbindlichen Beziehungen verbringen und weniger Zeit in festen Partnerschaften sind.
Methodik
- Stichprobe: 1.136 norwegische Teilnehmer (606 Frauen, 530 Männer), Alter 18-60 Jahre
- Messung der Wählerigkeit: 16 Partnermerkmale auf 0-10-Skala (z.B. Intelligenz, Attraktivität, Körpergröße)
- Erhobene Daten: Jahre als Single, in unverbindlichen und festen Beziehungen; Anzahl der Beziehungen und Sexualpartner
- Analysemethode: Bifaktormodell zur Unterscheidung zwischen allgemeiner Wählerigkeit und spezifischen Domänen
Hauptergebnisse
Bei Frauen:
- Allgemeine Wählerigkeit führte zu:
- Mehr Jahren in unverbindlichen Beziehungen (+0,40 Jahre)
- Mehr unverbindlichen Beziehungen insgesamt (+0,78)
- Mehr Sexualpartnern (+0,70)
- Häufigerer Aussage, Single zu sein, weil interessante Partner sich nicht binden wollten
- Wählerigkeit bei Loyalität reduzierte unverbindliche Beziehungen
- Keine signifikanten Effekte bei physischer Attraktivität
Ich schrieb zur „Fuckzone“ einmal:
Häufig kann es aber genau so gut sein, dass gerade in der Konstellation Mann-Frau auch hier die Attraction nicht hinreichend hoch ist. Er kann sich vorstellen, mit ihr zu schlafen, aber er will sich nicht dauerhaft an sie binden und dafür andere Frauen aufgeben. Sie ist sozusagen schön genug für Sex, aber nicht schön genug für eine Beziehung. Eine andere Variante ist: Sie wäre zwar gut genug aussehend für eine Beziehung, aber ihre Art und Persönlichkeit sind nicht nach seinem Geschmack, so dass er zwar kurze Zeit Sex mit ihr haben kann, ansonsten aber an ihr nicht interessiert ist.
Wer zu häufig in der Fuckzone landet, der sollte gerade als Frau die Auswahl seiner Männer beachten: Es spricht dann einiges dafür, dass die jeweilige Frau zu hoch rangeht oder zu nervig ist für die Klasse der Männer, die sie auswählt. Wenn man gut aussieht, dann ist es eben ein Persönlichkeitsproblem, also quasi im Komfortbereich zu verorten.
Die „unverbindliche Beziehung“ ist eben dann nur eine Option auf Sex für einen Mann, der seinerseits davon ausgeht, dass er bessere Optionen hat oder es als bessere Option sieht sich nicht auf diese Frau festzulegen, vielleicht weil er genug Angebote hat.
Bei Männern:
- Wählerigkeit bei physischer Attraktivität führte zu:
- Mehr Jahren als Single (+0,41 Jahre)
- Weniger Jahren in festen Beziehungen (-0,41 Jahre)
- Weniger festen Beziehungen insgesamt (-0,12)
- Allgemeine Wählerigkeit führte überraschenderweise zu:
- Weniger Jahren als Single (-1,71 Jahre)
- Mehr Jahren in festen Beziehungen (+1,58 Jahre)
Wenig überraschend ist, dass hohe Anforderungen an die physische Attraktivität der Partnerin dazu führt, dass sie eher alleine sind. Der Markt ist eben stark umkämpft und hübsche Frauen haben eine große Auswahl.
Stellungnahme zu den Unterschieden
Geschlechtsspezifische Muster
1. Die „Attraktivitätsfalle“ bei Männern
Die Befunde zu männlicher Wählerigkeit bei physischer Attraktivität sind bemerkenswert konsistent und theoretisch plausibel. Männer, die hohe Standards an das Aussehen ihrer Partnerin stellen, verbringen signifikant mehr Zeit als Single und weniger in festen Beziehungen. Dies könnte mehrere Ursachen haben:
- Evolutionspsychologische Erklärung: Männer zeigen generell stärkere Präferenzen für physische Attraktivität als Indikator für Fruchtbarkeit und Gesundheit
- Medialer Einfluss: Ständige Exposition gegenüber überdurchschnittlich attraktiven Frauen in Medien und Dating-Apps könnte einen „Kontrasteffekt“ erzeugen
- Unrealistische Kalibrierung: Die Anpassungsmechanismen für realistische Standards scheinen bei physischer Attraktivität besonders anfällig für Fehlkalibrierung zu sein
Auch alles möglich. Gerade die „Fehlkalibrierung“ finde ich ganz interessant. Es ist auch glaube ich das Problem vieler der verbitterteren Incels, die sich gerade in den Kopf gesetzt haben, dass sie ein Anrecht auf die hübschen Frauen haben.
2. Das „Unverbindlichkeits-Dilemma“ bei Frauen
Die Ergebnisse bei Frauen sind komplexer und soziologisch hochinteressant:
- Hohe allgemeine Standards führen nicht zu mehr Singlezeit, sondern zu längeren Phasen in unverbindlichen Beziehungen
- Dies deutet auf eine Fehleinschätzung der Verfügbarkeit hin: Frauen verwechseln möglicherweise, welche Männer für langfristige vs. kurzfristige Beziehungen verfügbar sind
- Strukturelles Problem: Männer haben niedrigere Standards für kurzfristige sexuelle Beziehungen als für Partnerschaften. Frauen mit hohen Standards könnten Männer für Sex gewinnen, die sie aber nicht als langfristige Partnerinnen wollen
Die Studie argumentiert überzeugend, dass die zunehmende Ähnlichkeit zwischen Dating und kurzfristigen Sexualbeziehungen (früher Sex im Dating-Prozess ist normalisiert) es für Frauen erschwert, die Absichten des Partners zu erkennen.
Dadurch, dass Männer sich auch nicht mehr festlegen müssen und einer Frau nicht den Hof machen müssen, um sie zu heiraten und dann Sex zu haben, entsteht für Frauen auch eher die Illusion, dass ihr Marktwert höher ist, denn immer wieder interessieren sich ja sehr hochwertige Männer für sie und sie können eben auch häufig Sex mit Männern zB zwei Klassen über ihnen haben, vielleicht sogar kurzfristige Beziehungen oder Affairen. Das macht das „Zurückgehen“ zu den „normalen“ Männern wahrscheinlich schwieriger
Ausprägung der Werte – Kritische Betrachtung
Moderate Effektstärken mit großer Bedeutung:
Die gefundenen Effekte erscheinen numerisch moderat (z.B. +0,4 Jahre in unverbindlichen Beziehungen), aber:
- Kumulative Wirkung: Über Jahrzehnte summieren sich diese Unterschiede erheblich
- Bevölkerungsebene: Selbst kleine individuelle Effekte können auf gesellschaftlicher Ebene dramatische Verschiebungen erklären (steigende Singlequoten)
- Nach Kontrolle: Die Effekte bleiben signifikant, nachdem für Alter, Partnerwert, Partnerwunsch und Partnersuche kontrolliert wurde
Überraschende Befunde:
- Männer: Positive Effekte allgemeiner Wählerigkeit – Nach Kontrolle für Attraktivitätsstandards führt allgemeine Wählerigkeit zu mehr festen Beziehungen. Dies könnte bedeuten, dass Standards für Persönlichkeitsmerkmale (Loyalität, Intelligenz etc.) die Beziehungsstabilität fördern.
Das macht auch Sinn. Man möchte fast auf die alte Hot/Crazy Grafik verweisen. Wer bei Schönheit nicht so hoch rangeht, dass er außerhalb seines Rahmens bleibt und dann noch vernünftige Anforderungen an andere Faktoren wie Treue etc stellt, der fährt besser.
2. Frauen: Keine Effekte bei Attraktivität – Anders als erwartet beeinflusst weibliche Wählerigkeit bei Aussehen die Beziehungsergebnisse nicht. Dies widerspricht teilweise der Hypothese, dass Dating-Apps zu überhöhten Attraktivitätsstandards bei beiden Geschlechtern führen.
Wäre interessant da die Aussagen der Frauen mit konkreten Männern abzugleichen. Grade wenn man an die Datingseiten denkt und daran, dass unattraktive Männer besonders wenig angesprochen werden.
Kritische Würdigung
Stärken:
- Repräsentative Stichprobe
- Innovative Methodik (Bifaktormodell)
- Kontrolle relevanter Variablen
- Kombination objektiver (Beziehungsjahre) und subjektiver Maße
Limitationen:
- Querschnittsdesign: Keine kausalen Schlüsse möglich – vielleicht passen Menschen ihre Standards aufgrund von Beziehungserfahrungen an
- Selbstberichtete Standards: Die Validität wird diskutiert (aber hier umfassender gemessen als in früheren Studien)
- Kultureller Kontext: Norwegen ist extrem egalitär und säkular – Generalisierbarkeit?
- Fehlende Längsschnittdaten: Wir wissen nicht, ob Wählerigkeit über die Lebensspanne stabil bleibt
Gesellschaftliche Implikationen
Die Studie liefert empirische Evidenz für die These der „evolutionären Fehlanpassung“ (evolutionary mismatch):
- Unsere psychologischen Mechanismen zur Partnerwahl entwickelten sich in kleinen Gruppen (~300 Personen)
- Moderne Bedingungen (Metropolen, Dating-Apps, soziale Medien) bieten:
- Input-Überflutung: Tausende potenzielle Partner
- Verzerrte Wahrnehmung: Überrepräsentation hochattraktiver Menschen in Medien
- Fehlende soziale Kontrolle: Eltern/Gemeinschaft geben keine Rückmeldung mehr
Die Konsequenz: Menschen entwickeln Standards, die sie nicht erfüllen können – was zu steigenden Singlequoten und zunehmender Frustration führt.
Besonders beachtenswert: Die geschlechtsspezifischen Muster zeigen unterschiedliche Vulnerabilitäten – Männer bei physischen Standards, Frauen beim Unterscheiden von kurzfristigen vs. langfristigen Partnern. Dies erfordert differenzierte Interventionsansätze.
Auch noch interessant:
Erklärung des Appendix (Tabellen A1-A4)
Der Appendix enthält die detaillierten statistischen Ergebnisse des Bifaktormodells – der Kernanalysemethode dieser Studie. Ich erkläre jede Tabelle:
Tabelle A1: Bifaktormodell für Frauen
Was zeigt diese Tabelle?
Diese Tabelle zeigt, wie stark jedes der 18 bewerteten Partnermerkmale auf verschiedene Faktoren „lädt“ (korreliert). Es gibt:
1. Overall (Global): Allgemeine Wählerigkeit – die allen Präferenzen zugrundeliegende generelle Anspruchshaltung
2. Loyalty: Spezifische Präferenz für Treue/Verlässlichkeit
3. Physical Attractiveness: Spezifische Präferenz für physische Attraktivität
4. Status-Industriousness: Spezifische Präferenz für Status/Fleiß
5. R²: Wie viel Varianz des Items durch alle Faktoren erklärt wird
Interpretation der Faktorladungen:
Loyalty-Faktor (Treue): Loyal: 0.77 (sehr stark!) Kind (freundlich): 0.62 Mature (reif): 0.40
Diese drei Merkmale bilden zusammen eine „Treue-Dimension“ bei Frauen.
Physical Attractiveness (Physische Attraktivität): Attractive body: 0.77 (sehr stark!) Attractive face: 0.53 Clothing style: 0.33 Minimum height: 0.15 (schwach)
Status-Industriousness (Status/Fleiß): Ambitious: 0.37 Good finances: 0.34 Funny: -0.38 (negativ! = Bipolar-Faktor) Family oriented: 0.19
Wichtige Beobachtung: „Funny“ lädt negativ auf Status-Industriousness. Das bedeutet: Frauen, die hohe Standards bei Ehrgeiz/Finanzen haben, haben niedrigere Standards bei Humor – und umgekehrt.
Dies deutet auf zwei verschiedene Strategien hin: Typ A: Will ernsthaften, ehrgeizigen, finanziell erfolgreichen Partner Typ B: Will spaßigen, weniger karriereorientierten Partner
Also: Frauen, die insbesondere auf Status aus sind ist Humor weniger wichtig.
Model Fit (Modellgüte):
Die Tabelle zeigt drei Modellversionen:
1. Correlated factors model: χ² = 420.30, RMSEA = 0.074, CFI = 0.899 Schlechtester Fit, aber Baseline
2. Bifactor Model: χ² = 360.76, RMSEA = 0.058, CFI = 0.927 Deutliche Verbesserung!
3. Bifactor with residual correlations: χ² = 263.64, RMSEA = 0.050, CFI = 0.952 Beste Lösung – exzellenter Fit (RMSEA < 0.06, CFI > 0.95)
Tabelle A2: Bifaktormodell für Männer
Hauptunterschiede zu Frauen:
1. Nur 2 spezifische Faktoren (statt 3 bei Frauen): Loyalty Physical Attractiveness ⚠️ Kein Status-Industriousness-Faktor!
Dies bedeutet: Nach Kontrolle für allgemeine Wählerigkeit haben Männer keine eigenständige Präferenz-Dimension für Status/Ehrgeiz der Partnerin. Diese Merkmale sind bei Männern Teil der allgemeinen Wählerigkeit, aber keine spezifische Domäne.
Das allein macht die Studie schon interessant, weil es die evolutionären Unterschiede noch einmal verdeutlicht: Status und Ehrgeiz sind für Männer uninteressant bei der Partnersuche, Loyalität und Attraktivität sind die wesentlichen Faktoren.
2. Physical Attractiveness umfasst andere Items: Attractive body: 1.10 ⚠️ HEYWOOD CASE! Attractive face: 0.45 Sexually skilled: 0.17 (bei Frauen nicht in dieser Dimension) Clothing style: 0.12
Das Heywood-Case-Problem:
Die Fußnote „a“ weist auf ein statistisches Problem hin: Eine Faktorladung > 1.00 ist theoretisch unmöglich und deutet auf: Multikollinearität (Items messen fast dasselbe) Zu kleine Stichprobe für die Komplexität Modellspezifikationsprobleme
Praktische Bedeutung: „Attractive body“ ist für Männer SO zentral für physische Attraktivität, dass es fast synonym damit ist.
Clothing Style: 0.12 wird einige Frauen vielleicht auch entsetzen. Ein attraktiver Körper ist dagegen für Männer so gleichbedeutend mit Attraktivät, dass es nicht wirklich zu erfassen ist.
3. Niedrigere Faktorladungen auf Loyalty: Loyal: 0.71 (vs. 0.77 bei Frauen) Kind: 0.67 (vs. 0.62 bei Frauen) Mature: 0.37 (vs. 0.40 bei Frauen)
Männer und Frauen haben ähnliche, aber nicht identische Treue-Konzepte.
R²-Werte zeigen erklärte Varianz:
Hohe R²-Werte (gut erklärte Items): Attractive body: >1.00 (technisches Problem, aber zeigt extreme Wichtigkeit) Kind: 0.67 Loyal: 0.66
Niedrige R²-Werte (schlecht erklärte Items): Family oriented: 0.05 (nur 5% erklärt!) Maximum height: 0.03 Attractive political opinions: 0.07
Diese Items sind idiosynkratisch – sehr individuell verschieden, wenig durch gemeinsame Faktoren erklärbar.
Tabelle A3: Korrelationen zwischen Kontrollvariablen und Wählerigkeit
Was wird hier gezeigt?
Wie hängen die Faktoren der Wählerigkeit mit den Kontrollvariablen zusammen?
Wichtigste Befunde:
1. Mate value long-term (langfristiger Partnerwert): Korreliert positiv mit Overall Pickiness bei Frauen (0.22) und Männern (0.13) Interpretation: Menschen, die sich selbst als attraktive Langzeitpartner sehen, sind wählerischer Aber: Diese Korrelation ist moderat – viele wählerische Menschen überschätzen möglicherweise ihren Wert
2. Mate value short-term (kurzfristiger Partnerwert): Korreliert bei Frauen negativ mit Physical Attractiveness (-0.15) Paradox: Frauen, die sich für One-Night-Stands attraktiv halten, sind WENIGER wählerisch bei Aussehen? Mögliche Erklärung: Diese Frauen sind realistischer oder strategischer in ihren Erwartungen
3. Mate wanting (Partnerwunsch): Korreliert bei Männern mit Overall Pickiness (0.12) und Loyalty (0.29) Interpretation: Männer, die stark einen Partner wollen, werden wählerischer (nicht weniger wählerisch!) Widerspricht der Intuition, dass Verzweiflung Standards senkt
4. Alter: Bei Frauen: Negativ mit Physical Attractiveness (-0.24) und Status-Industriousness (-0.22) Bei Männern: Positiv mit Overall Pickiness (0.15), negativ mit Physical Attractiveness (-0.13)
Interpretation: Ältere Frauen werden flexibler bei Aussehen und Status Ältere Männer werden allgemein wählerischer, aber auch flexibler bei Aussehen
Tabelle A4: Effekte der Kontrollvariablen auf abhängige Variablen
Diese Tabelle ist EXTREM informativ für das Verständnis der Beziehungsdynamik
Long-term mate value (Wie attraktiv bin ich als Langzeitpartner?)
Bei Frauen: +0.84 Jahre in festen Beziehungen -0.35 Attraktionsprobleme -0.18 weniger „Interesse an Personen, die sich nicht binden wollen“
Bei Männern: +1.15 Jahre in festen Beziehungen (stärker als bei Frauen!) -0.24 Attraktionsprobleme
Interpretation: Wer sich als attraktiver Langzeitpartner sieht, IST es auch – verbringt deutlich mehr Zeit in Beziehungen.
Short-term mate value (Wie attraktiv bin ich für Sex?)
Bei Frauen: +0.56 Jahre in unverbindlichen Beziehungen +0.24 unverbindliche Beziehungen +0.74 Sexualpartner (großer Effekt!) +0.40 ungewollte Unverbindlichkeit -0.17 WENIGER Attraktionsprobleme +0.17 MEHR „nicht interessiert an denen, die interessiert sind“
Bei Männern: -0.76 Jahre in festen Beziehungen (negativ!) +0.17 unverbindliche Beziehungen +0.66 Sexualpartner +0.34 ungewollte Unverbindlichkeit
KRITISCHER BEFUND für Frauen:
Frauen mit hohem kurzfristigem Partnerwert landen in der „Unverbindlichkeits-Falle“:
- Mehr sexuelle Partner
- Mehr unverbindliche Beziehungen
- Mehr ungewollte Unverbindlichkeit
- Menschen sind an ihnen interessiert, aber sie sind an anderen interessiert
Dies ist genau das Muster, das die Studie mit hoher Wählerigkeit assoziiert! Es deutet darauf hin, dass attraktive Frauen Partner anziehen können, aber die falschen (für kurzfristig statt langfristig).
Was vielleicht auch einen Teil der Unzufriedenheit von Frauen erklärt, die meinen, dass alle Männer Schweine sind und gleichzeitig meinen, dass keine guten Männer auf dem Markt sind.
Mate wanting (Wie sehr will ich einen Partner?)
Konsistent über beide Geschlechter: Mehr Attraktionsprobleme (+0.32 / +0.38) Mehr Interesse an Personen, die sich nicht binden wollen (+0.28 / +0.15) Mehr ungewollte Unverbindlichkeit (+0.28 / +0.21)
Interpretation: Menschen, die verzweifelt einen Partner wollen, haben paradoxerweise die größten Schwierigkeiten.
Mögliche Erklärungen: Verzweiflung ist unattraktiv Sie senken Standards nicht genug Sie zielen über ihrem Level
Mate seeking (Wie aktiv suche ich?)
Überraschendes Muster: Bei Frauen: -0.65 Jahre in festen Beziehungen (!) Mehr unverbindliche Beziehungen (+0.29 / +0.41) Mehr Sexualpartner (+0.55 / +0.52) Mehr ungewollte Unverbindlichkeit
Paradox: Aktive Partnersuche führt zu WENIGER langfristigen Beziehungen, besonders bei Frauen!
Auch interessant. Vermutlich, weil sie sich dann „aktiver anbieten“ und dadurch Männer eher die Gelegenheit mitnehmen.
Mögliche Erklärungen:
- Paradox der Wahl: Zu viele Optionen führen zu Unzufriedenheit
- Dating-App-Effekt: Aktive Suche findet primär kurzfristige Kontakte
- Signaling: Aktive Suche signalisiert möglicherweise Verzweiflung oder geringeren Wert
- Kausalität umgekehrt: Menschen suchen aktiv, WEIL sie keine feste Beziehung finden
Alter (Lebenserfahrung):
Pro Jahr: +0.78 / +0.69 Jahre in festen Beziehungen (offensichtlich – je älter, desto mehr Zeit hatte man) Aber auch: +0.05 / +0.06 unverbindliche Beziehungen pro Jahr +0.05 / +0.06 Sexualpartner pro Jahr
Subtiler Befund: Die Rate an neuen Beziehungen bleibt über die Lebensspanne relativ konstant – Menschen „lernen“ nicht unbedingt, bessere Partner zu wählen oder schneller zu committen.
Gesamtinterpretation des Appendix
Was das Bifaktormodell leistet:
1. Trennt allgemeine von spezifischen Präferenzen: Manche Menschen sind generell anspruchsvoll („Global“), andere haben spezifische Präferenzen in bestimmten Bereichen
2. Identifiziert geschlechtsspezifische Strukturen: Frauen haben drei spezifische Domänen (Treue, Aussehen, Status) Männer nur zwei (Treue, Aussehen) Status ist für Männer keine eigenständige Präferenz-Dimension
3. Zeigt, was wirklich zählt: Items mit hohen R²-Werten sind die „echten“ Präferenzmarker
Methodische Qualität:
Stärken: Gute bis exzellente Model-Fit-Werte (CFI > 0.94, RMSEA < 0.05) Theoretisch plausible Faktorstruktur Geschlechtsspezifische Modellierung
Schwächen: Heywood-Case bei Männern (technisches Problem) Einige Items schlecht erklärt (R² < 0.10) Nicht-Invarianz zwischen Geschlechtern (verschiedene Faktorstrukturen)
Die vier Paradoxe des modernen Datings
Die Kontrollvariablen-Analysen zeigen mehrere Paradoxe, die die Hauptthese der Studie unterstützen:
1. Das Attraktivitäts-Paradox (Frauen) Sexuell attraktiv zu sein führt zu mehr Sex, aber nicht zu mehr Beziehungen
2. Das Such-Paradox Aktive Suche führt zu weniger langfristigen Erfolgen
3. Das Wunsch-Paradox Starker Partnerwunsch korreliert mit mehr Problemen
4. Das Wert-Paradox Selbstwahrnehmung als attraktiver Kurzzeit-Partner (bei Männern) reduziert feste Beziehungen
Fazit zur praktischen Relevanz
Diese Befunde unterstützen die Hauptthese der Studie: Moderne Mating-Bedingungen führen zu systematischen Fehlanpassungen, bei denen normale adaptive Strategien paradoxe Ergebnisse produzieren.
Die evolutionär entwickelten Mechanismen zur Partnerwahl – die in kleinen Gruppen von ~300 Menschen funktionierten – sind mit den Bedingungen des modernen Datings (Dating-Apps, Großstädte, soziale Medien) überfordert und produzieren kontraintuitive, oft selbstschädigende Ergebnisse.
Eine interessante Studie. Kann man für diverse Diskussionen brauchen.