Eine interessante Studie zu einem Geschlechterunterschied im Bezug auf Wohnen:
The way people describe their homes may reflect whether their time at home feels restorative or stressful. This article uses linguistic analysis software (Linguistic Inquiry and Word Count) to analyze 60 dual-income spouses’ self-guided home tours by calculating the frequency of words describing clutter, a sense of the home as unfinished, restful words, and nature words. Based on a principal components analysis, the former two categories were combined into the variable stressful home and the latter two into restorative home. Over 3 weekdays following the home tours, wives with higher stressful home scores had flatter diurnal slopes of cortisol, a profile associated with adverse health outcomes, whereas women with higher restorative home scores had steeper cortisol slopes. These results held after controlling for marital satisfaction and neuroticism. Women with higher stressful home scores had increased depressed mood over the course of the day, whereas women with higher restorative home scores had decreased depressed mood over the day.
Quelle: No Place Like Home: Home Tours Correlate With Daily Patterns of Mood and Cortisol
Die Zusammenfassung:
Studiendesign und Methodik
Die Studie untersuchte 30 Doppelverdiener-Familien aus der Mittelschicht über eine Woche. Die 60 Elternteile führten Videoführungen durch ihre Häuser durch, die mit der Software LIWC (Linguistic Inquiry and Word Count) analysiert wurden. Parallel dazu wurden über drei Werktage hinweg viermal täglich Cortisolproben gesammelt und Stimmungsberichte ausgefüllt.
Hauptergebnisse
Sprachkategorien: Die Forscher identifizierten zwei Hauptdimensionen:
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- „Stressful home“ (durchschnittlich 0,40% der Wörter): Begriffe zu Unordnung und unerledigten Renovierungen
- „Restorative home“ (durchschnittlich 0,76% der Wörter): Begriffe zu Entspannung und Naturbezug
Zentrale Befunde bei Frauen:
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- Cortisol-Muster: Frauen mit höheren „stressful home“-Werten zeigten einen flacheren Tagesverlauf des Cortisolspiegels – ein Muster, das mit erhöhtem chronischem Stress und negativen Gesundheitsfolgen verbunden ist
- Depressive Stimmung: Bei diesen Frauen nahm die depressive Stimmung im Tagesverlauf zu
- Umgekehrt: Frauen mit höheren „restorative home“-Werten hatten einen steileren (gesünderen) Cortisolabfall und abnehmende depressive Verstimmung über den Tag
Bei Männern zeigten sich kaum signifikante Zusammenhänge – nur ein höherer morgendlicher Cortisolwert bei höheren „stressful home“-Werten.
Die Studie berichtet keine absoluten Cortisolwerte in µg/dl oder nmol/L, sondern analysiert die Form des Tagesverlaufs (die „Steigung“ oder „Slope“).
Was wurde gemessen?
Die Forscher untersuchten den diurnalen Cortisolabfall über den Tag hinweg:
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- Normale/gesunde Muster: Steiler Abfall vom Morgen (Peak nach dem Aufwachen) bis zum Abend
- Problematische Muster: Flacher Verlauf (niedriger am Morgen und/oder zu hoch am Abend)
Die statistischen Werte
Aus den HLM-Analysen (Tabellen 3 & 4):
Für „Stressful home“:
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- Intercept (Morgenwert): Koeffizient -0.26 (p < .01) – Frauen mit höheren Stresswerten hatten niedrigere Morgencortisolwerte
- Time slope: Koeffizient +0.08 (p < .001) – Der Abfall über den Tag war flacher (positiver Wert = weniger Abfall)
- Time² slope: Koeffizient -0.01 (p < .001) – Weniger kurvenförmiger Verlauf
Für „Restorative home“:
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- Time slope: Koeffizient -0.06 (p < .01) – Steilerer Abfall (negativer Wert = mehr Abfall)
- Time² slope: Koeffizient +0.01 (p < .05) – Stärkerer kurvenförmiger Verlauf
Was bedeutet das praktisch?
Die Studie gibt keine prozentuale Differenz an, aber sie zeigt, dass Frauen mit stressiger Heimwahrnehmung ein chronisches Stressmuster aufwiesen – ähnlich dem, was bei Menschen mit Depression, PTSD oder fortgeschrittenen Krebserkrankungen beobachtet wird.
Die Effekte waren statistisch hochsignifikant und blieben bestehen, selbst wenn für Ehezufriedenheit und Neurotizismus kontrolliert wurde – was auf einen robusten, unabhängigen Effekt hindeutet.
Und einige Beispiele für die Punkte, die störten:
Die vier Wortkategorien
1. Clutter (Unordnung)
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- mess(y), clutter(ed), junk
- disarray, unorganized, disorganized, disorder(ly/ed)
- overflow(ing), disaster
- haphazard, trash(y/ed), sloppy, chao(s/tic)
2. House Unfinished (Unvollendetes Zuhause)
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- unfinished, half-finished
- repair, fix, redo, remodel
- expansion, addition, project
- (re)build, redesign, redecorate, revamp
Das dürfte auch die Unterschiede in Sauberkeit oder „fertigen Einrichten“ erklären. Männer juckt es nicht weiter, sie mögen es wahrnehmen, aber sie kommen damit zurecht. Für Frauen ist es Stress.