„Warum spricht niemand mit Männern über die Perimenopause?“

Ein interessanter Beitrag bei Reddit über die Perimenopause, also eine Phase vor der Menopause in der viele Hormonumstellungen erfolgen:

„Ich (58, männlich) bin hier, und meine Frau kommt zum Glück jetzt langsam durch diese Phase hindurch. Aber inzwischen machen fast alle meine verheirateten männlichen Freunde dieselben Erfahrungen, die ich gemacht habe. Irgendwann habe ich schließlich verstanden, was da passierte, aber ganz ehrlich: Gespräche mit meiner Frau waren völlig nutzlos.

Wir stritten über Dinge, die keinen Sinn ergaben, Sex verschwand komplett, und emotionale Zustände schienen völlig unvorhersehbar. Jeder Vorschlag, dass es hormonell bedingt sein könnte, wurde mit kochender Feindseligkeit aufgenommen. Was ist mit meiner Frau passiert? Ich wusste, dass sie in der Perimenopause war, aber ich war völlig unvorbereitet darauf, wie weitreichend die Auswirkungen sein würden.

Ich fand jede Menge Material, das sich an Frauen richtete (verständlicherweise), aber fast alles, was sich an Männer richtete, lief im Grunde auf Folgendes hinaus: ‚Sie macht gerade „die Veränderung“ durch – anschnallen und durchhalten.‘ Ehrlich gesagt überrascht es nicht, dass daran Ehen zerbrechen.

Es ist, als würde der Mensch, den man liebt und mit dem man seit Jahren verheiratet ist, verschwinden und nur noch gelegentlich zu Besuch kommen. Es gibt nirgendwo eine Anleitung, wie man mit dieser Veränderung in der Ehe umgehen soll. Es gibt auch nirgendwo die Bestätigung, dass man mit dieser Erfahrung nicht allein ist. Wenn man Glück hat, gibt es einen älteren männlichen Freund, der einem erklären kann, was man selbst gerade durchmacht – und was die eigene Frau durchmacht.

Ich wette, wenn es mehr darüber zu reden gäbe, könnten eine Menge Scheidungen vielleicht nie passieren.“

Die hormonellen Umstellungen in der Perimenopause sind in der Tat erheblich und haben natürlich Folgen. Hier kurz etwas dazu (von ChatGPT):

Aus medizinischer Perspektive sind die im Beitrag geschilderten Erfahrungen leider sehr typisch für die Perimenopause, also die mehrjährige Übergangsphase vor der Menopause. Biologisch handelt es sich dabei um eine Phase tiefgreifender hormoneller Umstellungen, deren Auswirkungen häufig unterschätzt werden – sowohl von Betroffenen selbst als auch von ihrem Umfeld.

1. Hormonelle Grundlagen

In der Perimenopause beginnt die Funktion der Eierstöcke unregelmäßig zu werden. Entscheidend ist dabei nicht nur der allmähliche Abfall von Östrogen und Progesteron, sondern vor allem deren starke Schwankungen. Diese Schwankungen können von Monat zu Monat – manchmal sogar von Woche zu Woche – sehr ausgeprägt sein.

Östrogen wirkt nicht nur auf Fortpflanzungsorgane, sondern auch auf:

  • das zentrale Nervensystem
  • Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin
  • Stress- und Emotionsregulation
  • Schlaf, Schmerzverarbeitung und Impulskontrolle

Deshalb betreffen die Veränderungen nicht nur den Körper, sondern in hohem Maße auch Stimmung, Verhalten und Wahrnehmung.

2. Emotionale und psychische Veränderungen

Die beschriebenen scheinbar grundlosen Stimmungswechsel, Reizbarkeit oder emotionale Unvorhersehbarkeit sind medizinisch gut erklärbar. Viele Frauen erleben in der Perimenopause:

  • erhöhte Reizbarkeit oder Wut
  • depressive Verstimmungen oder Angst
  • verminderte Stressresistenz
  • das Gefühl, sich selbst fremd zu sein

Wichtig: Diese Reaktionen sind keine bewusste Entscheidung und auch kein Charakterproblem. Das Gehirn reagiert messbar auf die veränderte hormonelle Situation.

3. Sexualität und Beziehung

Der Rückgang von Libido, verändertes sexuelles Empfinden oder vollständiges Desinteresse an Sexualität sind häufige Begleiterscheinungen. Ursachen sind unter anderem:

  • hormonelle Veränderungen
  • Schlafmangel
  • emotionale Überforderung
  • veränderte Körperwahrnehmung

Für den Partner kann das wie persönliche Zurückweisung wirken, medizinisch ist es jedoch meist kein Beziehungs-, sondern ein neuroendokrines Problem.

4. Warum Gespräche oft „nicht funktionieren“

Ein zentraler Punkt im Beitrag ist, dass Gespräche mit der Partnerin als „nutzlos“ erlebt wurden. Auch das ist erklärbar:

  • In Phasen hormoneller Dysregulation ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Emotionsregulation eingeschränkt.
  • Hinweise auf „Hormone“ werden häufig als Abwertung oder Infragestellung der eigenen Wahrnehmung erlebt.
  • Viele Frauen fühlen sich ohnehin nicht ernst genommen oder als „schwierig abgestempelt“.

Das führt zu Abwehr, nicht zu Einsicht – selbst wenn der Hinweis sachlich korrekt ist.

5. Mangelnde Aufklärung für Männer

Medizinisch ist dem Autor ausdrücklich zuzustimmen: Die Aufklärung richtet sich fast ausschließlich an Frauen. Männer bleiben mit ihren Beobachtungen, Sorgen und auch Verletzungen weitgehend allein. Der lapidare Rat, man müsse „da halt durch“, ignoriert:

  • die emotionale Belastung beider Partner
  • das reale Risiko für Partnerschaften
  • die Möglichkeit präventiver Aufklärung und Begleitung

6. Warum Beziehungen scheitern können

Aus biologischer Sicht verändert die Perimenopause zeitweise:

  • Kommunikation
  • Nähe
  • Konfliktdynamiken
  • Bindungsverhalten

Ohne Einordnung wird das oft als dauerhafte Persönlichkeitsveränderung missverstanden. Das Gefühl, den vertrauten Menschen „zu verlieren“, ist daher psychologisch nachvollziehbar – auch wenn es medizinisch meist eine vorübergehende Phase ist.

7. Medizinisches Fazit

Die Beobachtungen des Autors sind medizinisch plausibel und gut erklärbar. Perimenopause ist keine Randerscheinung, sondern eine neurohormonelle Umbruchphase mit erheblichen Auswirkungen auf Individuum und Beziehung. Mehr Aufklärung – ausdrücklich auch für Männer – könnte:

  • Schuldzuweisungen reduzieren
  • Eskalationen verhindern
  • Partnerschaften stabilisieren

Nicht jedes Verhalten ist durch Hormone erklärbar, aber die Perimenopause ist ein mächtiger biologischer Faktor, der in der gesellschaftlichen und medizinischen Kommunikation noch immer massiv unterschätzt wird.

Aus den Kommentaren dort:

A1
We’re going through this now and you’re absolutely right. I love her, she says the same, but it still feels like she doesn’t like me for whatever reason.

A2

Same here. The constant fighting and I never do anything right. She won’t see the doctor so I’m about to leave.

A3

Happened to me, together 20yrs. I saw the changes, the attitude, asked about her Dr? Next month will be 4yrs divorced. She broke us apart.

A4:

It’s like they lose the ability to regulate emotions but they don’t believe you.

und:

Wenn du sie liebst, versuche, nicht auf ihren irrationalen Zorn zu reagieren. Ich weiß, wie schwer das ist. Meine Frau stand ihrer Mutter sehr nahe, und sie ist genau zu dem Zeitpunkt gestorben, als meine Frau in die Perimenopause kam. Das war eines der schwierigsten Dinge, mit denen ich je umgehen musste – und es ist ein Prozess, der sich über Jahre hinzieht. Ich habe meinen Alkoholkonsum reduziert, weil ich meine eigenen Emotionen besser im Griff haben musste, um nicht auf ihr Überreagieren selbst überzureagieren. Das hat geholfen.

Der beste Rat, den ich einem anderen verheirateten Mann geben kann, ist: Lass ihren Zorn an dir abperlen wie Wasser vom Rücken einer Ente. Er richtet sich vielleicht gegen dich, weil du gerade da bist, aber er gilt nicht wirklich dir – und in gewisser Weise ist es auch nicht wirklich sie. Es gibt hier eine direkte Parallele zur Pubertät, wenn Hormone in Geist und Körper Chaos anrichten.

Meine Frau hat mit einer Hormontherapie begonnen, und das war ein echter Wendepunkt. Wenn man sich darüber informiert, stößt man auf Angaben, dass sie das Krebsrisiko um ein Vielfaches erhöhen soll, aber diese Seiten erwähnen nicht, dass es sich dabei trotzdem nur um ein sehr geringes zusätzliches Risiko handelt. Wahrscheinlich hat das unsere Ehe gerettet. Das Leben ist ohnehin schon frustrierend genug, aber Selbstkontrolle zu lernen und besonders geduldig zu sein, hat viele positive Nebeneffekte. Ich merke, dass ich heute zu diesen älteren, sehr gelassenen Männern gehöre – und das war früher ganz und gar nicht so. Ich führe das direkt darauf zurück, dass ich meine Ehe zum Funktionieren bringen wollte und selbstreflektiert geworden bin.

Natürlich machen wir alle Fehler und reagieren manchmal über, aber Wut zu entschärfen oder sie gelegentlich einfach zu ignorieren, wenn man erkennt, dass sie aus etwas kommt, das außerhalb ihrer und deiner Kontrolle liegt, ist ein guter Anfang. Viel Glück allen Männern und Frauen, die durch diesen Abschnitt des mittleren Lebens gehen. Und ja: Es wird wirklich besser.