Selbermach Mittwoch

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„Dass sich Frauen heute dennoch verstärkt als Opfer identifizieren, ist aus meiner Sicht teilweise antizyklisch“, sagt er. Ein Grund hierfür könne eine oft aus dem Opfer-Status heraus empfundene moralische Superiorität sein – den „Guten“ anzugehören.“

Ein Bericht in der Welt mal wieder zum Heterofatalismus:

Ich bin heterosexuell und mag Männer. Aber ich erlebe, dass Beziehungen mit ihnen nur zu Enttäuschung führen“ – dieses Gefühl wird aktuell online vielfach als „Hetero-Fatalismus“ thematisiert. So neu der Begriff sei, das Thema selbst sei es nicht, erklärt Laura Fröhlich. Sie hat mehrere Bücher über „Mental Load“ geschrieben, die Belastung durch ständige Alltagsorganisation. Außerdem hält sie Vorträge über das Thema.
Der Fatalismus sei Ergebnis eines Gefühls, sich bei bestimmten Fragen seit Langem im Kreis zu drehen, immer wieder darüber zu sprechen, ohne dass sich etwas verändere. „Das ist kein pauschaler Männerhass“, betont Fröhlich, „sondern eine tiefe Frustration. Die Männer sind an der Reihe, etwas zu verändern – zeigen oft aber keinen besonders starken Willen dazu.“
Vielleicht ist das Angebot der Frauen zur Änderung auch einfach nicht so interessant oder man sucht sich eben Frauen, die einem nicht dauernd etwas in dieser Art vorhalten, während man Vollzeit arbeitet.
Statistisch lässt sich zumindest eine Annäherung an das Thema wagen: So lebte im Jahr 2024 laut Statistischem Bundesamt etwa ein Fünftel der deutschen Bevölkerung allein. In fast allen EU-Ländern stieg der entsprechende Anteil zwischen 2014 und 2024. Frauen lebten häufiger allein als Männer – und für viele Single-Frauen scheint das auch eine wichtige Rolle zu spielen: Bei einer repräsentativen Studie des Dating-Portals „Elite Partner“ aus dem Jahr 2025 gaben 63 Prozent der befragten Frauen an, sie seien mit ihrem Single-Dasein zufrieden, weil sie so ihr Zuhause für sich hätten (Männer 55 Prozent). Allgemein zeigten sich Frauen mit 30,3 Prozent häufiger „sehr zufrieden“ mit ihrem Leben ohne Partner (Männer 21,9 Prozent).
Auch eine interessante Studie: Mit ihrem Single Dasein sind zufrieden:
Frauen: 63%
Männer: 55%
Kein so großer Unterschied.
Über die Änderungswünsche der Männer findet sich allerdings nichts. Gleichzeitig ist die Quote bei den Frauen aber ein Beleg dafür das die Männer was falsch machen
„Konflikte fangen in vielen heterosexuellen Beziehungen weit vor der Familiengründung an. Viele Frauen erleben schon früh, dass ihnen die emotionale Arbeit überlassen wird. Sie agieren dann oft als Psychologin und setzen sich mit den Gefühlen ihres Partners auseinander. Die Männer auf der anderen Seite halten es aber oft nicht für notwendig, das Gleiche zu tun“, sagt Autorin Fröhlich.
Ich würde sogar einen draufsetzen: Die meisten Männer wären froh, wenn ihre Partnerin auch nicht die Psychologin spielen würde. Es ist aus ihrer Sicht kein Service, sondern eher anstrengend.
Das sei ein ansozialisiertes und somit strukturelles Problem, das schon bei Jugendlektüre à la „Zehn Tricks: Wie du Ihn bei dir hältst“ beginne. Männer hingegen würden selten nur dazu angeregt, die weibliche Perspektive einzunehmen und über deren Bedürfnisse nachzudenken.
„Zehn Tricks wie du ihn bei dir behältst“ ist ja im Prinzip Beziehungspickup für Frauen. Natürlich wird so etwas gerne gelesen.
Und natürlich werden Männern angeregt die weibliche Perspektive einzunehmen, sie wollen ja gerade wissen, wie man bei Frauen landet. Das interessiert beide Geschlechter (sofern Heterosexuell). Allerdings ist in jungen Jahren „Mach 50% des Haushalts“ eben vollkommen unwichtig. Weil beide keinen Haushalt haben. Das kommt erst später.
Ich hoffe aber in den Frauentipps kommt nicht vor „Beklage dich möglichst viel über die Last an Kindergeburtstage zu denken“ und mehr „Viel Sex und unkompliziert sein“.
Hinzu kämen Themen wie Haus- und Care-Arbeit. Westliche Gesellschaften bewegten sich zwar in der Tendenz immer mehr in Richtung Gleichberechtigung – damit sei es aber häufig spätestens vorbei, wenn Kinder hinzukämen. Diverse Studien bestätigen das. So schreibt das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf seiner Website, Frauen wendeten täglich 43,4 Prozent – oder 76 Minuten – mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer. Die dadurch entstehenden Nachteile beträfen unter anderem Entlohnung, berufliche Chancen, ökonomische Eigenständigkeit und Alterssicherung.
76 Minuten ist nichts. Gerade wenn man bedenkt, dass die meisten Frauen mit Kindern Teilzeit arbeiten.
Auch die „Vermächtnisstudie 2023“ stellt fest: Von 21 im Alltag zu planenden Dingen lägen drei überwiegend oder ausschließlich in der Hand der Männer – Reparaturen, Handwerker und Finanzen, alles Aufgaben also, die nicht jeden Tag erledigt werden müssten.
Allerdings sind es eben auch Arbeiten, die die Frauen ungern machen. Und man könnte daraus natürlich auch eine unglaubliche Mental Load generieren.
Bei einer nach Geschlecht getrennten Befragung fällt außerdem auf, dass Männer häufiger davon ausgehen, die anfallenden Arbeiten seien gleich verteilt. Frauen hingegen geben häufiger an, durch die Aufgaben weniger Zeit für sich selbst und zu wenig Energie für Freizeit zu haben sowie sich gestresst zu fühlen.

„Frauen sind perfektionistisch, weil…“

Das Phänomen „Hetero-Fatalismus“ betrachte er als eine unter anderem durch Social Media begünstigte Modeerscheinung, sagt hingegen Paartherapeut Clemens von Saldern. „Frauen waren früher eigentlich viel benachteiligter, als sie es heute sind. Politisch und familiendynamisch hat sich erfreulicherweise wahnsinnig viel angeglichen. Dass sich Frauen heute dennoch verstärkt als Opfer identifizieren, ist aus meiner Sicht teilweise antizyklisch“, sagt er. Ein Grund hierfür könne eine oft aus dem Opfer-Status heraus empfundene moralische Superiorität sein – den „Guten“ anzugehören. Von Saldern nennt dies das „Opfer-Paradoxon“: eine Gleichzeitigkeit von Unter- und Überlegenheit.
Das ist ja mal eine Aussage in einem Artikel über Heterofatalität. Ein negativer Vorhalt gegen Frauen. Sie suchen einen Opferstatus, damit sie eine moralische Superiorität einnehmen können und damit zu den Guten gehören

Er verwahre sich gegen eine Pauschalisierung wie den Begriff „Hetero-Fatalismus“ im Sinne einer vermeintlich fatalistischen Unveränderbarkeit des Verhaltens anderer Menschen. Eine steigende Unzufriedenheit und geringere Adaptationsbereitschaft erlebe er allerdings bei beiden Geschlechtern gleichermaßen, sagt von Saldern. Online-Dating sei hierfür ein ausschlaggebender Faktor: „Dating-Apps lassen Menschen in der Annahme verfangen, dass es immer noch jemand Besseren gibt“, sagt der Therapeut. Er nenne das die „Voltaire-Falle“ – frei nach einem dem Philosophen zugeschriebenen Zitat: „Das Bessere ist der Feind des Guten.“

Gerade für Frauen verführerisch, weil sie schnell viele Angebote bekommen.

Begriffe wie „Care-Arbeit“ oder „Mental Load“ kritisiert von Saldern als nicht differenziert genug: „Männer und Frauen haben oft verschiedene Konzepte davon, wie viel Arbeit man sich machen sollte. Das liegt auch daran, dass Frauen, besonders Mütter, sich oft unter einem viel größeren sozialen Druck stehend fühlen als Männer – zum Beispiel, wenn es darum geht, was bei Kindergeburtstagen erwartet wird.“ Klar sei allerdings: „In dem Moment, in dem eine Seite der Beziehung eine Ungerechtigkeit empfindet, wird ein inneres Schuldenkonto eröffnet und bewusst oder unbewusst Vergeltung geübt“, so der Paartherapeut.
Das ist glaube ich etwas, was man häufiger feststellt. Frauen setzen sich selbst unter Druck, weil sie meinen, dass sie sonst schlecht darstehen, gerade vor anderen Frauen. Deswegen muss der Kindergeburtstag etwas besonderes sein, das Leben gerade besonders anstrengend, die Wohnung vor einem Besuch ganz besonders gut geputzt werden etc.
Diese Argumentation weist Autorin Fröhlich zurück: Frauen sind oft perfektionistisch, weil sie sich auf ihre Männer beziehungsweise ihr Umfeld nicht verlassen können. Diese Erfahrung überkompensieren sie. Ihnen das in die eigenen Schuhe zu schieben, halte ich für eine bequeme Männerperspektive.“ Häufig, wenn Frauen versuchten, diesen strukturellen Problemen entgegenzuwirken, würden sie dafür scharf kritisiert. „Dann heißt es: ‚Sie können einfach nichts abgeben. Schreiben Sie ihrem Mann doch einfach eine Liste‘“, so Fröhlich. Vielleicht müssten Männer erst überperformen, damit Frauen ihnen vertrauen könnten. Danach könnten beide ihre Anforderungen gemeinsam herunterschrauben.
Warum muss man perfektionistisch sein, wenn man sich auf den Partner nicht verlassen kann? Reicht es dann nicht einfach normal zu sein?
Aber auch hier werden die Erwartungen der Frauen nicht hinterfragt sondern als der richtige Standard gesetzt. Männer müssen schauen, dass sie sich nach diesem qualifizieren.
Auch Martin Bujard, Soziologe und Forschungsdirektor am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, sieht in dessen großer familiendemografischer Datenerhebung eine Diskrepanz zwischen Frauen und Männern bei Fragen zu Mental Load und Hausarbeit, vor allem nach der Geburt von Kindern. „Diese Aushandlungsprozesse sind aber nicht ausschließlich wegen der betroffenen Frauen oder Männern kompliziert – sondern wegen der Strukturen, die dahinterstehen“, so Bujard.
Eine temporäre Reduzierung der Arbeitszeit für Väter wünschten sich beispielsweise viele Paare – befürchteten aber Nachteile. Frauen stünden oft vor der Wahl zwischen Vollzeit plus Care-Arbeit oder einer halben Stelle plus finanzielle Abhängigkeit. Besonders Akademikerinnen, die viel in ihre Bildung investiert hätten, seien mit diesen Optionen sehr unzufrieden. „Der Arbeitsmarkt müsste stärker nach den Arbeits- und Familienvorstellungen junger Menschen ausgerichtet werden – auch, weil sich sonst immer mehr Menschen gegen Kinder entscheiden“, fordert Bujard.
„Finanzielle Abhängigkeit“ ist auch so ein großes Wort, gerade wenn viele Frauen vollen Zugriff auf seinen Verdienst haben. Er ist dann genauso von Ihnen abhängig wie sie von ihm.

Der Soziologe sieht einen weiteren potenziellen Konfliktpunkt in heterosexuellen Beziehungen: „In unseren Erhebungen lässt sich beobachten, dass Frauen im jüngeren und mittleren Alter im Schnitt progressiver sind als Männer. Es gibt also ein gewisses Mismatch bei ganz grundlegenden Einstellungen.“ Dennoch halte auch er das Phänomen „Hetero-Fatalismus“ für eine auf Social Media überrepräsentierte Außenseiterposition. „Empirisch deckt sich das nicht mit der Lebensrealität des überwiegenden Teils der jungen Bevölkerung“, so Bujard.

Das ist ja auch ein wichtiger Satz. Aber es sollte zu denken geben, dass es dennoch so viele Artikel dazu gibt.

Aber Männern die Schuld geben ist eben für viele attraktiv. Und eine solide Partnerschaft schlecht zu reden ebenso

„Ich habe die Hoffnung, dass durch dieses neue Schlagwort auf Social Media neue Debatten entstehen, weil wir endlich in Worte fassen und darüber reden, was Frauen schon immer erlebt haben“, sagt Autorin Fröhlich. Besonders Männer stünden dem leider oft sehr skeptisch gegenüber. „In meinen Vorträgen sitzen im Publikum meist 80 Prozent Frauen“, erklärt Fröhlich, „die interessieren sich für diese Themen – sagen aber auch immer wieder, dass ich ihnen erzähle, was sie schon wissen. Eigentlich müsste ich das ihren Partnern erzählen. Die sitzen aber nicht im Publikum.“
Warum sollten sie auch. Es wäre ja eher Masochismus. Aber wenn Frau Fröhlich mal in meine Stadt kommt wäre ich in Versuchung.
Dabei könnte die ganze Diskussion auch viele Vorteile für Männer mit sich bringen, sagt Fröhlich. So spiele Einsamkeit bei vielen eine große Rolle, ganz besonders nach Beginn der Rente. „Diese Männer vergraben sich dann. Früher war es der Eisenbahnkeller, heute sind es oft das Smartphone, Sportwetten oder Alkohol.“ Es entstehe oft eine emotionale Abhängigkeit von der Partnerin, weil die Männer nie gelernt hätten, sich jemand anderem gegenüber zu öffnen. Das stelle für beide Seiten eine enorme Belastung dar.
Auch sehr generell. Sportwetten und Alkohol als Standard für Männer?
„Frauen sind heute unabhängiger und freier denn je. Wenn sich weiterhin nichts ändert, werden immer mehr Frauen das Interesse an Familie und vielleicht nicht sexuellen, aber monogamen Liebesbeziehungen mit Männern verlieren“, befürchtet Fröhlich. In ihrem privaten Umfeld beobachte sie jetzt schon immer mehr Frauen, die lieber Single blieben – ganz nach dem Motto: „Wenn ich mir anschaue, was für Probleme meine Freundinnen mit ihren Männern haben, bleibe ich lieber allein.“
Fröhlich verdient halt gut an diesem Szenario

Gewalt und Umgangsrecht

Aus einem Bericht des MDRs – neutral wie es sich für den ÖRR gehört:

Gewalt gegen Frauen ist 2025 deutlich gestiegen – vor allem auch die Zahlen zur häuslichen Gewalt. Wenn Frauen von ihrem Partner geschlagen und bedroht werden, macht das auch immer etwas mit den Kindern. Und trotzdem ist es für Mütter schwierig, nach der Trennung von einem gewalttätigen Mann das Umgangsrecht einschränken zu lassen. Denn im Kindschaftsrecht gilt das gemeinsame Sorgerecht als Regelfall.

In dem kurzen Absatz sieht man schon, dass die Autorin keine Ahnung vom Familienrecht hat. Denn Sorgerecht und Umgangsrecht haben erst einmal nichts miteinander zu tun. Das Sorgerecht regelt, wer Entscheidung für das Kind treffen darf. Das Umgangsrecht regelt wie das Kind und der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, Zeit miteinander haben.

Gerichte entziehen selbst bei dokumentierter psychischer und physischer Gewalt von Vätern gegenüber Müttern und Kindern nur selten das Umgangsrecht.
Frauen werden oftmals schlechte Absichten unterstellt, die Beweislast liegt bei ihnen. Studien zeigen, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden.

Auch großartig. Selbst bei „dokumentierter psychischer und physischer Gewalt … Beweislast liegt bei ihnen“

Das macht bereits deutlich, dass die dokumentierten Gewaltfälle eben erst einmal nur eine Auflistung sind. Sonst würde die Beweislast ja keine Rolle spielen.

Jährlich werden rund 149.000 Sorge- und Umgangsrechtverfahren an deutschen Gerichten verhandelt. Nur selten wird Vätern das Umgangsrecht entzogen.

Wieder eine falsche Kombination. In einem Sorgerechtsverfahren kann das Umgangsrecht nicht entzogen werden.

Und warum sollte auch in vielen davon das Umgangsrecht entzogen werden? Üblicherweise wird es ja der Vater nach einer Trennung einfordern, weil er mehr Zeit mit seinem Kind will.

Doch im Jahr 2023 hat das Thüringer Oberlandesgericht genau das getan. Der Grund: psychische und physische Gewalt, Todesdrohungen und die Selbstaussagen der jugendlichen Kinder, sie hätten Angst vor ihm. Der Vater geht in Revision.
Im Juni dieses Jahres erklärte das Bundesverfassungsgericht das Urteil für unzulässig. Gewalt sei nicht automatisch kindeswohlgefährdend, dem Vater würde das Grundrecht auf Umgang verwehrt.

Müserref Tanriverdi vom Deutschen Institut für Menschenrechte sagt: „Leider ist das sehr repräsentativ. Das wissen wir aus Studien aber auch aus Praxisberichten, dass die Gewaltschutzinteressen des betroffenen Elternteils nicht ausreichend berücksichtigt werden. Wir können sogar sagen, dass die Entscheidungen oft geprägt sind von schädlichen Stereotypen, wenn nicht gar von frauenfeindlichen Narrativen.“ Das läge zum einen an den gesetzlichen Regelungen. So zum Beispiel an der Regelvermutung, die sagt, dass der Umgang mit beiden Eltern „in der Regel“ dem Kindeswohl dienlich ist. Auch dann, wenn ein Elternteil gegenüber dem anderen gewalttätig ist.

Finde ich auch genial. Das Bundesverfassungsgericht macht eine Entscheidung. Und es werden noch nicht einmal die Gründe des Gerichtes erwähnt. Das zumindest kann man doch wohl erwarten.

Statt dessen die Wertung, dass das Bundesverfassungsgericht leider alles falsch macht

Hier findet sich das Urteil:

Was es aussagt ist noch nicht einmal, dass der Vater Umgang haben soll. Es hat den Rechtstreit an das OLG zurücküberwiesen, weil es wesentliche Fehler in der Begründung sieht, insbesondere das die Nachteile für die Kinder gar nicht geprüft worden seien.

So führt das Gericht aus, dass bei Kindern eine Traumatisierung durch Gewalterfahrungen stattgefunden haben soll, die zum Zeitpunkt der Gewalt noch zu klein waren um diese überhaupt erlebt zu haben.

Anzumerken ist, dass der Beschluss des Amtsgericht aus 2022 ist, also der Umgang hier ohnehin seit ca. 4 Jahren nicht stattfindet.

Ob er jemals stattfinden wird ist eine andere Frage,

Juliane Kremberg von der Frauenkoordinierungsstelle sagt, die Studienlage sei klar. Man könne da nicht differenzieren. Für die Kinder seien „Angriffe, Demütigungen, Gewalt gegenüber der primären Bezugsperson, eben häufig der Mutter, als Gewalt am Kind“ selbst zu bewerten.

Auch wieder so eine weiche Auflistung verschiedener Punkte: „Angriffe, Demütigungen, Gewalt“. Die werden häufig gegenseitig sein aber selbst wenn einer mehr macht wird man das ja nicht generell sagen können und ohne Bezug zur Schwere der Vorfälle.

Und natürlich kann ein Kind auch verstehen, dass Mama und Papa sich streiten, dass sie aber trotzdem in Bezug auf das Kind jeweils die Eltern bleiben können.

Mütter geraten vor Familiengerichten unter Verdacht
Auch die Wohlverhaltensklausel wird meist gegen die Mütter interpretiert. Sie besagt: Beide Elternteile müssen sich kooperativ zeigen. Die Bedenken und Berichte der Mütter würden dabei bagatellisiert oder ignoriert, sagt Tanriverdi vom Deutschen Institut für Menschenrechte: „Was oft berichtet wird aus der Praxis, aber Studien belegen das auch, dass erst einmal davon ausgegangen wird, es geht hier in erster Linie darum, dem Vater zu schaden, es geht darum, dass der Umgang des Vaters mit dem Kind nicht stattfinden soll.“ Es werde oft sehr negativ im Sinne der Mutter ausgelegt.

Das viele Mütter die Kinder gerade nicht herausgeben wollen ist ja auch tägliche Praxis in Gerichtssälen. Der Klassiker ist etwa das Umgangsverfahren, wenn der Vater eine neue Freundin hat und „die ihre Kinder nicht betreuen soll“. Aber auch die unverheiratete Mutter, die das Sorgerecht nicht rausgeben will und den Umgang stark erschwert, weil es eben ihr Kind ist. Ihrs. Und er hat sich nach ihr zu richten und wie ihr es passt.

(es gibt auch fürchterliche Väter, die vollkommen überzogene Forderungen geltend machen und es eher als Kampf gegen die Mutter sehen, aber das ist eine andere Sache)

Im Moment sind die Frauen in der Situation, dass sie in der Bringschuld sind.

Wie sich die Väter vor der Trennung um ihre Kinder gekümmert haben, interessiere wenig, sagt Kremberg von der Frauenkoordinierungsstelle. Auch nicht, wie der Umgang dann tatsächlich umgesetzt wird. Und auch nicht, ob sie Verantwortung für ihr gewaltvolles Verhalten übernehmen, etwa durch eine Täterberatung. „Es ist so, dass wir halt unterschiedliche Anforderungen, was die Verantwortungsübernahme angeht, sehen. Im Moment sind die Frauen in der Situation, dass sie in der Bringschuld sind, nachzuweisen, dass sie nicht das Kindeswohl gefährden.“

Was soll das auch ändern? Selbst wenn sie vorher sich weniger um die Kinder gekümmert haben, weil sie Vollzeit gearbeitet haben, haben sie nach der Trennung natürlich ein Recht Umgang mit ihren Kindern zu haben.

Und auch die Mutter kann den Vater auf Umgang verklagen, wenn sie mehr will.

Wie der Umgang umgesetzt wird ist natürlich auch relevant, aber in Grenzen: Solange er die Kinder versorgt und es ihnen gefällt muss er den Umgang natürlich nicht so machen, wie die Mutter es unbedingt will.

Und natürlich kann die Mutter sich gegen Umgang aussprechen, wenn es den Kindern dort schlecht geht. Aber er muss nicht ihr gefallen um Umgang mit den Kindern zu haben (wobei ich jedem Vater in Trennung raten würde sich gut mit der Mutter zu stellen und auf ein gutes Verhältnis hin zu arbeiten).

Es geht beim Umgang nicht um die Mutter. Beide Eltern sollten lernen, dass die Beziehungsebene zwischen ihnen weg ist und sie jetzt eben auf die Elterneben wechseln müssen. Damit ihre Kinder beide Eltern haben können.

Denn nicht wer Gewalt ausübt, gefährdet das Kindeswohl, sondern wer den Umgang anfechtet. Das Signal an die Gesellschaft, aber auch an die Kinder sei, sagt Kremberg: Gewalt hat keine Konsequenzen. Was geahndet wird, sei der Versuch, sich zu schützen.

Das Kindeswohl wird üblicherweise gefährdet, wenn man das Kind zwingt eine Beziehung zu einer der wichtigsten Kontaktpersonen, einem Elternteil zu beenden, weil der andere Elternteil Probleme mit diesem hat.

Bei der Frage des Umgangs geht es erst einmal darum, was für die Kinder gut ist. Und das kann man nicht einfach darauf verlagern, dass der andere den Vater nicht mag und deswegen der Ausschluss gut für das Kind ist.

Zahlreiche Studien belegen: die Rechtslage und Auslegung bei Umgangsregelungen im Falle häuslicher Gewalt hat eine diskriminierende geschlechtsspezifische Dimension. Auch die neuesten Zahlen des Bundeskriminialamtes zeigen die Gefahrenlage. Immer wieder werden die gleichen Handlungsempfehlungen formuliert und Reformen angesetzt.

Wie sollte es auch anders sein, wenn die Kinder meistens bei der Mutter sind und man auf Menge abstellt. Aber auch Mütter, die fürchterliche Partner waren und ihren Partner gequält haben und immer wieder etwa vor den Kindern Streit angefangen haben bekommen häufig die Kinder. Und wenn nicht bekommen sie Umgang.

Und doch sagt Müserref Tanriverdi vom Deutschen Institut für Menschenrechte: „Trotz dieses erschreckenden Ausmaßes der Gewalt, fehlt meines Erachtens sowohl in Politik, Verwaltung und Justiz ein Verständnis dafür, dass geschlechtsspezifische Gewalt Ausdruck eines gesellschaftlich verankerten Machtverhältnisses ist.“ So lange dieses Verständnis fehle, werde es schwierig, Frauen und Kinder besser vor Gewalt zu schützen

Einen Umgang auszusetzen, wenn es zu Gewalt gegen die Kinder kommt ist einfach. Zumindest wird man eine Reduzierung auf begleiteten Umgang hinbekommen.

Frauen dürfen schlecht über Männer reden, aber Männer nicht schlecht über Frauen

Aus einem Tweet:

Its fascinating how many ppl genuinely seem to believe “women can vent about men, but men can never ever vent about women” is a reasonable and sustainable standard for gender relations Its like a woke version of chivalry, ppl just accept the double standard as a reality

Und auf Deutsch:

Es ist faszinierend, wie viele Menschen ernsthaft zu glauben scheinen, dass „Frauen über Männer Dampf ablassen dürfen, aber Männer niemals über Frauen Dampf ablassen dürfen“ ein vernünftiger und nachhaltiger Maßstab für Geschlechterbeziehungen sei.

Es ist wie eine woke Version von Ritterlichkeit – die Leute akzeptieren diesen Doppelstandard einfach als Realität.

Und in der Tat ist das ja ein Punkt, der auch hier schon häufiger besprochen ist. Würde der Spiegel solche Texte die er über Männer veröffentlicht auch über Frauen veröffentlichen, dann wäre es sofort Frauenfeindlichkeit etc.

Die Rechtfertigung dürfte sein:

  • Frauen sind die Unterdrückten, sie dürfen „Nach oben“ treten, Männer aber die Unterdrücker, sie dürfen nicht nach unten treten
  • Die Frauen haben ja nicht, Männer sind viel schlimmer

und etwas weniger deutlich schwingt da vielleicht auch mit:

  • Männer halten das aus, aber man darf doch keine Frau angreifen

Wo der Geschlechterkampf inzwischen geführt wird

Ich habe ja schon mal hier gesagt, dass Blogs inzwischen wahrscheinlich ein veraltetes Medium sind und der Videobereich der ist, in dem die Musik spielt.

Das ist einfacher konsumierbar und man kann durch kurze Videos doomscrollen bis der Algorithmus gelernt hat auf welcher Seite man steht und was man sehen möchte.

Hier ein paar Videos als Beispiel, in dem Fall von Instagram. Längeres gibt es dann eher auf Youtube oder sicherlich auch auf anderen Kanälen, wobei man diese Videos wahrscheinlich auch auf anderen Plattformen findet, es lohnt sich ja diese auf mehreren hochzuladen.

Es ist das lebendigere Format und auch dort gibt es ja Kommentarmöglichkeiten, in denen Diskussionen stattfinden.

 

Selbermach Samstag

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wilde Jungs

Fräulein Schmidt hatte schon häufiger Freundinnen da, Schmidt Junior bisher auch nur seine beste Freundin (auch scherzhaft seine Verlobte genannt, weil die beiden so gern miteinander spielen). Jetzt war der erste Junge für einen Nachmittag da.

Ich frage Südländerin wie es war.

Ihre Antwort: WILD!Sie sind rumgelaufen wie die Irren, die waren gar nicht zu stoppen! Und laut! Was für eine Energie.  Dagegen ist so ein Mädchenbesuch richtig ruhig! Gar nicht damit zu vergleichen als seine Verlobte da war! 

Natürlich war auch erst ein Freund da, insofern eine zu kleine Stichprobe. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Jungs im Schnitt wilder miteinander spielen

 

Love is blind Germany: Gunnar und Josy (und: Selbstsicherheit und Costly Signals)

Auf Netflix gibt es anscheinend eine Serie Namens „Love is Blind“ und dort eine Staffel mit Teilnehmern aus Deutschland. Ich habe sie nicht gesehen, bin aber wiederholt auf Gunnar gestoßen bei dem angeführt worden ist, dass er einfach eine „Green Flag“ ist, also ein Mann, bei dem alles positiv ist.

Das hat mich natürlich interessiert.

Etwas ungünstig für eine Besprechung ist, dass ich die Serie nicht gesehen habe und es anscheinend auch keinen guten „Gunnar Zusammenschnitt“ gibt.

In einer ersten Zusammenstellung beschreibt er sich als „Berliner Hipster“, vegan, ohne Kinderwunsch.

Ich frage mal ChatGPT:

Wer ist Gunnar?
Gunnar ist Teilnehmer der zweiten Staffel von Love Is Blind: Germany auf Netflix. Er ist Anfang 30, arbeitet als IT-Berater und stammt aus Berlin. In der Show lernte er Josy kennen, mit der er schließlich auch vor der Kamera heiratete.

Persönlichkeit und Auftreten
Gunnar wird von Zuschauern und Medien überwiegend als ruhig, reflektiert und emotional intelligent beschrieben. Er spricht offen über Gefühle, hört aufmerksam zu und bleibt auch in konfliktreichen Situationen sachlich und respektvoll. Viele empfanden ihn als „Ruhepol“ innerhalb der Staffel.

In den Pods, als mehrere Frauen parallel Interesse an ihm zeigten, blieb Gunnar auffallend ruhig. Während andere Kandidaten nervös oder ausweichend reagierten, nahm er sich Zeit, hörte zu und traf seine Entscheidung ohne Drama oder Konkurrenzgehabe. Viele Zuschauer beschrieben ihn deshalb als „zentriert“ oder „nicht getrieben“.

Nach dem ersten Treffen außerhalb der Pods, als Unsicherheiten zwischen ihm und Josy aufkamen, sprach er Gefühle direkt an („Ich merke, dass dich etwas beschäftigt“) statt Vorwürfe zu machen. Er benannte Emotionen, ohne sie dem anderen zuzuschieben. Genau dieses „Gefühle benennen ohne Schuldzuweisung“ ist klassische emotionale Intelligen

Ehrlichkeit und Klarheit in Beziehungen
Auffällig war seine direkte Kommunikation über zentrale Lebensfragen. Besonders das Thema Kinder sprach er früh offen an und formulierte klar, dass er zunächst keine eigenen Kinder möchte. Diese Offenheit wurde von vielen als Zeichen von Reife und Authentizität gewertet.

Er sagte sinngemäß, dass er aktuell keine eigenen Kinder möchte, aber wisse, dass dies für viele ein sensibles Thema sei. Er erklärte seine Position ruhig, begründete sie nachvollziehbar und fragte gleichzeitig offen nach den Bedürfnissen seines Gegenübers.
Wichtig: Er formulierte es nicht als starre Forderung, sondern als ehrliche Standortbestimmung – das wurde als reflektiert wahrgenommen.

Beziehungsdynamik mit Josy
Mit Josy entwickelte Gunnar eine tiefe emotionale Verbindung – trotz unterschiedlicher Lebensstile und Interessen. Ihre Beziehung zeichnete sich durch viel Gesprächsbereitschaft und gegenseitige Akzeptanz aus. Am Ende der Staffel gaben sich beide das Ja-Wort.

Entwicklung nach der Show
In späteren Interviews und Reunion-Folgen zeigte sich Gunnar offen für persönliche Weiterentwicklung, auch in Fragen, bei denen er anfangs sehr feste Positionen hatte. Das wurde von Fans als Zeichen von Anpassungsfähigkeit und echter Bindungsbereitschaft interpretiert.

Wahrnehmung durch das Publikum
In sozialen Medien wird Gunnar häufig als einer der sympathischsten und authentischsten Männer der Staffel bezeichnet. Viele Zuschauer lobten seine emotionale Reife, respektvolle Kommunikation und sein ernsthaftes Interesse an einer stabilen Partnerschaft.

Kurzfazit
Gunnar erscheint als reflektierter, ehrlicher und emotional stabiler Mann, der in Love Is Blind: Germany vor allem durch Authentizität, Kommunikationsstärke und Beziehungsfähigkeit positiv auffiel.

Hier noch ein Beitrag, in der er anführt, dass er Socken mit Anti-Rutsch-Noben anhat, was er ganz selbstbewußt zugibt und was in Hinblick auf „Costly Signalling“ ganz interessant ist. Es wäre uncool, aber durch Selbstbwußtsein kann es ein interessantes Signal sein. Das gleiche kann die Ansage sein, dass man keine Kinder will. Weil sie ehrlich und selbstbewußt vorgetragen wird. Zumal selbst dann viele vielleicht noch denken, dass das Selbstbewußtsein sexy ist und er sich es ja vielleicht noch anders überlegt. Er macht damit auch deutlich, dass er bewußt Punkte bringt, die für viele Frauen ein Ausschlusskriterium sind, gerade bei einer Ehe. Was eben auch nur jemand machen würde, der einen hohen Wert hat, zumindest auf diese Art.

@millio9o1

Hahahahaha würd 24/7 nur lachen bei dem absolute Green Flag 😂#gunnar#loveisblind#loveisblindstaffel2#foryou#fürdich

♬ Originalton – milena

 

 

Hier noch zwei Frauen, die das bei ihm cool finden.

Auf Nachfrage, was sie an ihm mag sagt sie seine Selbstsicherheit und bestärkt sie anscheinend auch in seinem Selbstwert:

@netflixde

Wie cute wollt ihr sein? Josy und Gunnar: Ja. #LoveIsBlindGermany #WhatToWatch @_yoursjosy @steffibrungsundchris

♬ original sound – NetflixDE – NetflixDE

Gunnar selbst hat etwas dazu gesagt, dass er so viel Lob bekommen hat, was ich auch ganz interessant finde:

Der Text:

Um ehrlich zu sein, habe ich gerade mega  das Imposter Syndrom oder um korrekt zu sein. Ich bin grad ein Stück weit ein  Imposter. Nicht wundern, ich werde ein paar Mal hier auf mein Bildschirm schielen, weil ich mir ja nur die Zitzen gemacht habe, weil ich die folgende Worte weise wählen muss, glaube ich. Erst mal vorweg, dass das ganze Feedback, was ich bekomme, gerade das schöne Feedback, das freut mich wirklich. Das kann ich auch ein Stück weit annehmen, aber wir dürfen nicht vergessen, wir alle sehen nur Netflix-Gunner. Und das ist ein ganz kleiner Ausschnitt meiner Person, Sachen, die gezeigt werden, sind Teil meiner Person. Es werden Sachen gezeigt auf ich auch stolz bin, wo ich froh bin, dass sie gezeigt werden, bitte nicht falsch verstehen. Aber vergesst nicht, ich bin noch viel mehr als das, was man sieht, gerade meine negativen Eigenschaften werden, nicht gezeigt.

Um mal Beispiele zu nennen, um mich mal ein bisschen selber zu entzaubern, gerade mein Empathie wird häufig gelobt, wobei gerade die oft an eine Grenzen stößt.

Ich bin gut darin empathisch zu sein in Situationen, die ich mich wohl fühle, in Situationen die ich kenne. Aber gerade, wenn ich diesen Bereich verlasse, stößt mein Empathie doch schnell an Grenzen und da sind andere Menschen deutlich besser als ich drin. Und das ist für mich noch was, wo ich auf jeden Fall dann arbeiten muss.

Oder zum anderen, ja, ich bin sehr kommunikativ, aber auf nicht initial. Ich mache noch zu häufig, Sachen mit mir selber, mein Kopf aus und kommunizieren auch nicht alles direkt.

Ich sage die Sachen jetzt nicht, um mich selber schlecht zu reden, sondern einfach ein bisschen auch den Druck von mir zu nehmen. Es ist grad rein egoistisch, weil das Bild, was mir gezeigt wird, gefühlt fast nur positiv ist. Und damit will ich ein bisschen brechen, wie gesagt, auch für mich selber.

Und in zweiten Teil würde ich gerne mit einer Frage einleiten. Und zwar, wenn ihr euch mehr umschaut, noch umfällt, und überlegt, welche positiven Eigenschaften ihr mir zuschreibt, wie viele Frauen kennt ihr, die genau diese Eigenschaften haben. Ich bin mir fast sicher, den meisten von euch werden da einige einfallen.

Mein Vorteil ist nur, dass die Latte für uns Männer super niedrig liegt momentan.

Das liegt zum einen daran, glaube ich, dass die Frauen uns Männer gerade einiges voraus sind, gerade beim Thema Emotional Intelligence, aber auch zum anderen, das gerade das Internet und Trash TV ist voll von negativen Beispielen. Ich glaube, jeder kann easy, dieser Welt sich bewegt, zehn Namen aufzählen, die gute Beispiele sind für toxische Männlichkeit.

Und diese Männer sehen wir ständig und denken irgendwann, ey, das werden alle Männer. Und deswegen ist die Latte einfach so niedrig. Ich will nichts sagen, dass die positive nicht Beispiele benennen sollten und die auch feiern sollten. Das sollten wir weiterhin machen, aber wir dürfen nicht vergessen, wo wir stehen und dass wir das Männern gerade nur so feiern, weil wir so weit im Rückstand sind.

Das hat eine positive und eine negative Komponente: Einmal, dass er anführt, dass das Bild von Männern in den Medien so schlecht dargestellt wird, dass es Männern erlaubt einfach besser zu wirken als dieses Negativbild. Dann aber führt er an,  dass Männer weit im Rückstand sind, was angesichts dessen, dass er sich ihre Unsicherheit eben gerade nicht erlauben kann auch etwas unreflektiert ist.

Wäre interessant, wenn es einer gesehen hat und mehr erzählen kann. Es kann schon gut sein, dass ihm das Format zugute gekommen ist, weil man dort eben gerade die Ruhe hat sich vorstellen zu können und sie erst einmal so etwas wie zB die fehlenden Haare nicht sehen konnten.

Interessanterweise hat er auch seinen Kindernichtwunsch anscheinend überdacht, mal sehen ob sie dann tatsächlich Kinder bekommen, was die Situation ja auch wieder verändert.

Mitzunehmen ist: Selbstsicherheit und Ruhe sind Eigenschaften, die einen Mann erheblich voranbringen können. Gerade die Kombination mit kleinen Sachen, die andere dann vielleicht als Schwäche sehen würden („er läuft mit Antirutschsocken rum“) können sich dann ins positive drehen und den Aspekt verstärken

 

„Papa der Clown“

Die Süddeutsche berichtet über eine Interessante Studie:

Abstract
Objectives

Bowlby (1969/1982) described an infant’s smile and pleasant vocalizations as attachment behaviors. However, most research on the formation of attachment relationships centers on the role of the caregiver’s response to child distress, neglecting the role of behaviors that promote proximity in a positive context. This study aimed to 1) explore fathers’ and mothers’ laughter-eliciting behaviors and children’s laughter using a newly developed coding instrument and 2) explore associations between these behaviors, children’s laughter, and child attachment security.

Design
A sample of 144 English- and French-speaking families, with 3- to 5-year-old children, participated in a Laughing Task and a separation-reunion procedure.

Results
Distinct but similar factorial structures emerged for mothers and fathers, both including a Touch and a Movement/Sound factor. Parental strategies were significantly associated with preschoolers’ laughter with both mothers and fathers. The path analysis results indicated that both laughter-eliciting strategies used by fathers were positively associated with children’s laughter which was also positively associated with child attachment security. As for mother–child dyads, only the Touch factor was significantly associated with children’s laughter. Furthermore, child attachment security was not associated with children’s laughter, but was significantly associated with the Movement/Sound factor.

Conclusions
Although fathers and mothers tend to use comparable strategies with similar success in making children laugh, the significance of this relational dynamic may differ in its contribution to the development of attachment security within parent–child dyads.

Quelle: How fathers and mothers make their children laugh: Associations with the security of parent-child attachment relationships

Aus dem Bericht dazu in der Süddeutschen:

Sind die Bücher gelesen und das Licht gelöscht, stellt der Dreieinhalbjährige eine Frage, die er zum festen Teil des abendlichen Bett-geh-Rituals gemacht hat. „Papa“, sagt er mit langem zweiten A, „was machst du gerade?“ In seiner Stimme steckt kaum hörbares Glucksen, denn jetzt hat der Junge Anlass für eine Schmarrn-Antwort geschaffen – denn was soll Papa schon machen? Natürlich sitzt er neben dem Bett oder liegt auch darin. Doch der Vater sagt: „Ich reite auf einem Krokodil zum Bäcker“, weil Unfug mit Tieren hoch im Kurs steht. „Nein“, sagt der Sohn mit lang gedehntem I, kichert und fragt abermals: „Was machst du?“ Noch ein Versuch: „Ich spiele mit Lego mit einem Känguru.“ Der Kleine lacht und fragt wieder. So geht das ein paar Mal hin und her, das Kinderlachen wird lauter, bis die richtige Antwort das Ritual beendet: „Ich liege hier neben dir. Schlaf gut.“
Von Beginn der gemeinsamen Reise an schenken Unfug und Blödelei einem ein Instrument, Verbindungen zu den Kindern zu knüpfen. Das geht früh los, wenn etwa der Vater am Wickeltisch steht, Grimassen schneidet, Geräusche macht oder mit den Armen rudert, bis das Baby fröhlich gluckst und gemeinsame Momente entstehen. Und offenbar scheint es insbesondere die Bindung zwischen Vätern und Kindern zu vertiefen, wenn diese ihre Kleinen zum Lachen bringen.

(…)

Das Psychologen-Team beobachtete 144 Kinder zwischen drei und fünf Jahren, wie diese entweder mit ihren Müttern oder Vätern interagierten. Aufgabe der Eltern war es, ihre Söhne und Töchter zum Lachen zu bringen. Hilfsmittel wie etwa Spielzeuge standen dabei nicht zur Verfügung. Grundsätzlich setzten beide Elternteile dabei ähnliche Strategien ein, wobei die Mütter berechenbarer für die Kinder waren. Sie kündigten eher an, dass sie gleich eine Kitzelattacke starten würden, oder begleiteten ihre Grimassen mit Kinderreimen und -liedern. Väter nutzten häufiger Überraschungen, etwa indem sie einer Kitzelei nur seltsame Geräusche voranstellten, diese aber nicht ankündigten. Auch spielten sie eher damit, Erwartungen zu brechen, Dinge falsch zu benennen oder an Tabus zu kratzen, wie etwa mit bei kleinen Kindern stets hoch im Kurs stehenden Pipi-Kacka-Pups-Witzen.

Da sind zwei interessante Aspekte drin:

  • Männer und Frauen verwenden verschiedene Strategien um die Kinder zum Lachen zu bringen, vielleicht auch einfach weil der Humor und die Art so etwas auszuleben bei Männern und Frauen verschieden ist.
  • Bei den Vätern baut es eher eine Bindung auf als bei der Mutter. Was auch daran liegen mag, dass die Mutter ansonsten bereits mehr Zeit mit dem Kind hat

Die Unterschiede aus der Studie:

Bei Müttern:

  • Kitzeln
  • Kind hochheben/handhaben
  • Raufen (Rough-and-tumble)
  • Physische Ankündigung („Ich kriege dich!“)
  • Verbale Ankündigung der Strategie
  • Necken
  • Tanzen oder andere Körperbewegungen
  • Grimassen/lustige Gesichter
  • Kinderreime/Lieder
  • Lächeln/Lachen

Bei Vätern:

  • Kitzeln
  • Kind hochheben/handhaben
  • Raufen
  • Physische Ankündigung
  • Eigenartige Stimme verwenden
  • Andere Ankündigungsstrategien
  • Tanzen oder andere Körperbewegungen
  • Grimassen/lustige Gesichter
  • Verbale Inkohärenzen (z.B. eine Schildkröte als Pferd bezeichnen)
  • Andere verbale Interaktionsstrategien
  • Das Kind überraschen

Die Unterschiede laut Studie sind insbesondere:

Die Mütter kündigen Strategien eher verbal an, nutzen bekannte Kinderreime und Lieder
Die Väter verwenden hingegen mehr überraschende Elemente, eigenartige Geräusche, verbale Inkohärenzen und sind weniger vorhersehbar

Aus den Ergebnissen:

Bei Vätern:
Die Forscher interpretieren, dass der Weg zur Bindungssicherheit über das gemeinsame Erleben von Freude und Lachen führt. Väter tendieren dazu, destabilisierende Elemente in einem sicheren Kontext zu verwenden (Überraschungen, soziale Normen brechen, unvorhersehbare Verhaltensweisen). Dies erfordert Vertrauen des Kindes in den Vater innerhalb einer sicheren Beziehung. Das Lachen verstärkt diese positive Bindung.

Bei Müttern:
Der Movement/Sound-Faktor wirkt direkt auf die Bindungssicherheit, unabhängig davon, ob er tatsächlich Lachen hervorruft. Die Forscher erklären dies damit, dass:

  • Mütter eher vorhersehbare, tröstende Elemente nutzen (bekannte Kinderreime und Lieder)
  • Diese Strategien eine positive, angenehme Interaktion fördern, die beruhigend und vorhersehbar ist
  • Bei Müttern möglicherweise andere Mechanismen wichtiger sind: Sensitivität und Responsivität gegenüber kindlichen Bedürfnissen
  • Mütter in einer größeren Vielfalt von Kontexten mit Kindern interagieren, während Spiel der Hauptkontext für Väter-Kind-Interaktion ist

Das alles ist interessant und motiviert einen vielleicht auch einfach noch mal seine Kinder zum lachen zu bringen.

Die Darstellung in den Unterschieden ist auch deswegen interessant für mich, weil sie so ganz klischeehaft auch zutrifft. Die Kinder reinzulegen oder ihnen Blödsinn zu erzählen, dass Brechen sozialer Normen, das ist glaube ich einfach ein typischerer Männerhumor (im Schnitt).

Findet ihr euch in Artikel/ Studie wieder?

Selbermach Mittwoch

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