Die Komikerin Teresa Reichl zum schweren Leben als weiblicher Comedian:
Schreiben Frauen Literatur, wird das oft „Frauenliteratur“ genannt. Männer aber schreiben „Literatur“. Ähnliches gilt im Kabarett: Eine Mixedshow nur mit Männern ist Comedy, treten nur Frauen auf, ist es eine „Ladies Night“.
Weil man vermutlich gerade ein weibliches Publikum ansprechen will vermute ich. Und vielleicht weil man bei den Männern eher mal mit größeren Namen locken kann?
„Humor von Männern ist objektiv, aber Frauen machen automatisch Frauenhumor, bei dem Männer rein biologisch nicht lachen können.“
Vielleicht finden Frauen häufig Frauenhumor lustiger oder weibliche Comedians bedienen eher Frauenthemen.
Reichl findet: „Auf der Bühne zu stehen ist deutlich schwerer als Frau.“ Sie war oft die einzige Frau bei Poetry Slams, musste sich bei jedem sexistischen Witz entscheiden: mitlachen oder diskutieren und riskieren, als grantige Feministin zu gelten? „Beides ist anstrengend. Deshalb wundert es mich gar nicht, dass sich weniger Frauen trauen, bei Open Mics anzufangen.“
Viele Comedians sind gerade deswegen nicht politisch korrekt, weil Witze immer einen Überraschungsfaktor haben müssen, damit sie witzig sind. Die Grenzüberschreitung auf lustige Art ist gerade das, was Humor ausmacht. Es geht da vielleicht eher darum, dass man etwas als guten Witz erkennt und es inhaltlich nicht zu ernst nimmt.
Deswegen: Ein Comedian sollte bei einem sexistischen Witz natürlich mitlachen. Und am besten eine Pointe zurückgeben. Er sollte auch über sich selbst, seine Gruppe, lachen können. Das ist die Atmosphäre, die Comedy braucht. Und grantige Feministinnen sind eben nicht komisch.
Deswegen: Ein Comedian sollte bei einem sexistischen Witz natürlich mitlachen. Und am besten eine Pointe zurückgeben. Er sollte auch über sich selbst, seine Gruppe, lachen können. Das ist die Atmosphäre, die Comedy braucht. Und grantige Feministinnen sind eben nicht komisch.
Es geht auch anders. Moritz Neumeier lädt Reichl immer wieder in seine Show „Falsch, aber lustig“ ein. Hier fällt auf, wie gut Deutschlands weibliches Humorpotential ist, das andere Veranstalter zu verstecken scheinen.Und doch bescheinigen ihr Männer, ihr Humor sei zu schwul, zu feministisch, zu links. „Das finde ich von ganzem Herzen okay, weil denen die ganze restliche Medienlandschaft gehört. Ich fühle mich wahnsinnig geehrt, dass in meinem Publikum sehr viele junge Frauen und queere Personen sind“, sagt Reichl.
Sie macht – wie viele weibliche Comedians, ich meine mehr als männliche Comedians – Shows für (junge) Frauen (und queere) und wundert sich gleichzeitig, dass es dann eher als Ladysnight beworben wird. Dann mach Humor, der auch gut bei einem gemischten überwiegend nichtqueeren Publikum gut ankommt, dann kann man es allgemeiner Bewerben.
„Es ist nicht so, als würde ich jeden Mann, den es gibt, privat hassen, sondern ich habe einen gesellschaftlichen Männerhass. Ich habe einen Hass auf das System Mann und auf die männlich dominierte Gesellschaft und aufs Patriarchat.“ Was heißt, dass sie jeden Mann „a bissl hasse“, aber nicht aus Prinzip und nicht als Person, sondern „weil ich weiß, dass der Dinge machen und sagen darf, die ich nicht kann – und er checkt es nicht“.
Comedian sein ist ein hartes Brot. Es kann sich wahrhaftig nicht jeder Mann einfach auf die Bühne stellen und ist per Patriarchat lustig. Wäre interessant was sie meint nicht machen und sagen zu dürfen – gerade wenn sie vorher indirekt sagt, dass sie eigentlich mehr Zensur, mehr Korrektheit im Comedybereich will.
Das Leben ist ein Kampf. „Ich habe schon zynische Momente, in denen ich mir denke, ich kann doch nicht mein ganzes Leben lang kämpfen müssen.“ Ihre Freundin, die Autorin und Comedienne Lara Ermer, hat es einmal so formuliert: „Mir reicht’s nicht, dass wir kämpfen, damit es die nach uns einfacher haben. Ich will es einfacher haben.“
Das ist schön. Wer will es nicht einfacher haben. Aber nach oben zu kommen war noch nie einfach. Und vielleicht sind Männer eben eher Grenzenüberschreiter und kommen insofern auch im Comedybereich besser an.
Ihre ganze Existenz, ihr Leben als Frau, sei „politisch“, sagt Reichl. Aber sie steht nicht mit erhobenem Finger auf der Bühne und missioniert. „Durch meine bloße Existenz gewöhne ich Leute daran, dass es Menschen wie mich gibt.“ Die Männer hätten es leichter in ihrem Beruf, sie bekämen mehr Geld, könnten schneller vor mehr Leuten spielen. „Das ist objektiv gesehen erstens unfair und zweitens dumm, unlogisch und nicht zielführend. Dann darf ich wütend sein.“
Sie macht Shows für junge linke Frauen und Queers und wundert sich dann, dass Leute die Sachen für ein breites Publikum machen schneller vor mehr Leuten spielen.
Und das nur weil sie Männer sind.
Nicht etwa weil ihr Programm vielleicht besser ist.