Selbermach Mittwoch

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Social Media Verbot für unter 16 Jährige in Australien

In Australien sollen Personen unter 16 Jahren nicht mehr auf verschiedenen Sozialen Medien aktiv sein dürfen:

Als erstes Land der Welt wagt sich Australien an ein gigantisches Experiment: Ab dem 10. Dezember um 0 Uhr Ortszeit müssen zahlreiche große Techkonzerne Jugendliche von ihren Plattformen verbannen, die jünger als 16 Jahre alt sind. Wegen der Zeitverschiebung fällt der Startzeitpunkt, ab dem das Gesetz gilt, in Deutschland auf den 9. Dezember um 14 Uhr.
Die Regierung von Premierminister Anthony Albanese begründet das neue Gesetz mit dem Wohl von Teenagern: Junge Menschen sollen davor geschützt werden, zu viel Zeit vor Bildschirmen zu verbringen und Inhalte zu konsumieren, die ihrer Gesundheit und ihrem Wohlbefinden schaden können.

(…)

Das neue Gesetz gilt bislang für zehn Apps: Facebook, Instagram, Kick, Reddit, Snapchat, Threads, TikTok, Twitch, X und YouTube.
Ausgenommen sind mehrere Apps, die laut eSafety vor allem fürs Austauschen von Nachrichten oder zum Spielen genutzt werden, darunter Facebook Messenger, Pinterest, WhatsApp und YouTube Kids. Auch der Messengerdienst Discord und die Spieleplattform Roblox sind nicht betroffen – dabei stehen beide massiv in der Kritik, zu wenig für den Schutz von Minderjährigen zu tun (mehr dazu hier ).
Gut Facebook hat den Vorteil, dass es unter 15jährige ja eh nicht nutzen. Insofern müssen die da vielleicht nicht viel machen. Sie vergessen dann vielleicht ein paar Geburtstage mehr.
Youtube sperren stelle ich mir hingegen schon relativ schwierig vor, weil es die meisten Leute ja eh zumindest auch über den Fernseher als App nutzen.
Im ganzen kann ich mir vorstellen, das bei Konkurrenten er Netzwerke, die noch nicht auf der Liste stehen, gerade die Korken knallen, sie gewinnen dann vielleicht vollkommen neue potentielle Kunden und können die neue „Jugendlichen-App“ werden.
Auch die Hersteller von VPN-Apps könnten an der Sache interessiert sein, auch wenn man dann vielleicht etwas kreativer mit seinem Eintrag und seiner Handynutzung sein muss.
Oder ein paar 18jährige entdecken das Geschäft ein Handy auf sich freizuschalten und dann abzugeben. Das scheint straffrei möglich zu sein:
Die australische Regierung und die Behörde für Internetsicherheit haben bereits klargestellt, dass sie damit rechnen, dass Jugendliche versuchen werden, das Verbot zu umgehen. Zum Beispiel, indem sie gefälschte Ausweise oder mit KI manipulierte Fotos von sich vorlegen. Den Jugendlichen oder ihren Eltern droht aber keine Strafe. Die Verantwortung liegt allein bei den Techkonzernen.
Das lädt ja zu Missbrauch ein. Und selbst die Techkonzerne scheinen ja einiges an Möglichkeiten zu haben:
(…)
Das Gesetz schreibt keine bestimmte Methode für die Verifizierung des Alters vor. Es gibt verschiedene Möglichkeiten dafür. So müssen die Plattformen keine Ausweise überprüfen, sondern können etwa auf deutlich billigere Dienste zurückgreifen, die das Alter der Nutzer aufgrund eines Videos mithilfe künstlicher Intelligenz einschätzen.
Bei einem öffentlichen Test solcher Anbieter zeigten sich deutliche Abweichungen bei der Alterseinschätzung, andere Gutachter stellten »unakzeptabel hohe Fehlerquoten« fest. Die zuständige Behörde kam dennoch zum Schluss, dass die erreichte Genauigkeit für einen ersten Start ausreicht, wenn die Plattformen mehrere Systeme parallel einsetzen.
Der Facebook-Mutterkonzern Meta hat bereits vergangene Woche damit begonnen, Konten auf der Grundlage von Informationen wie dem bei der Erstellung angegebenen Alter zu deaktivieren. Nutzerinnen und Nutzer, deren Konto zu Unrecht gelöscht wird, können ihr Alter mit einem Video von sich oder einem amtlichen Dokument nachweisen. Dabei werden nicht alle Nutzerinnen und Nutzer überprüft, sondern nur im Verdachtsfall – etwa wenn ein Account das eigene Alter von 14 auf 16 Jahre hochsetzen will.
Snapchat begann in Australien Ende November mit der Altersüberprüfung: User in dem Land müssen mit einem amtlich zugelassenen Dokument nachweisen, dass sie mindestens 16 Jahre alt sind. Möglich sei auch eine Gesichtsaltersschätzung mit der Technologie zur Altersverifizierung-App »k-ID«, so Snapchat.
Auch TikTok kündigte an, unter anderem auf Gesichtsaltersschätzung, Kreditkartenautorisierung und die Vorlage eines amtlich anerkannten Dokuments zu setzen.
Wäre interessant, ob sie die einmal durchführen müssen oder immer wieder. Und ob sie biometrische Daten und sonstige Daten mit anderen abgleichen müssen.
Letzteres wäre schon datenschutzrechtlich bedenklich.
Es mag durchaus sein, dass Soziale Medien nicht gut für Jugendliche sind. Aber: Vermeiden wird man sich nicht können. Kleine Kinder sollten bereits kein Smartphone haben, da sollte sich das Problem ohnehin nicht stellen. Kinder, die bereits ein Smartphone haben könnten ohnehin durch Einschränkungen auf den Handys eingefangen werden, die ihre Eltern vornehmen.
Die Idee, dass man erst ab 16 Youtube schauen darf erscheint mir auch recht absurd.
Und auch die Idee, dass jeder, der ein Smartphone oder einen Smart-TV nutzen will sich ausweisen muss finde ich noch bedenklicher. Twitter und Co meinen Pass zeigen? Wo kommen wir denn da hin (Gut, sie haben meine Telefonnummer, was wahrscheinlich schlimm genug ist, aber einen Pass vorzeigen erscheint mir dann doch bei allem Schutz Jugendlicher ein zu großer Eingriff)
Mal sehen ob das vor den australischen Gerichten bestand hat, Klagen dagegen sollen ja schon eingereicht worden sein.
Derweil bin ich gleichzeitig froh, dass meine Kinder gegenwärtig noch zu jung sind um sich in Soziale Netzwerke abgesehen von Youtube zu begeben. Wobei ich es bei Jugendlichen Kindern von Freunden eher so sehe, dass die (gesteuert sicherlich auch durch die Eltern) einen relativ vorsichtigen Umgang zu scheinen haben.