Durch diese wunderbare Studie entdeckte ich Feminist Queer Crip Theory
Feminist Queer Crip Theory – Überblick
Feminist Queer Crip Theory ist ein interdisziplinärer Ansatz, der Feminismus, Queer Theory und Disability bzw. Crip Studies miteinander verbindet. Er untersucht, wie Geschlecht, Sexualität und Behinderung strukturell verwoben sind und wie gesellschaftliche Normen über Körper, Begehren und Leistungsfähigkeit Machtverhältnisse stabilisieren. Der Ansatz ist intersektional angelegt und geht davon aus, dass es keinen neutralen oder normalen Körper gibt, sondern dass „Normalität“ ein politisch erzeugtes Konzept ist.
Zentrale Ideen
Ein Kernpunkt ist die Kritik an der Normativität des Körpers, also an der Erwartung, dass Menschen gesund, unabhängig, belastbar und produktiv sein müssen. Diese „compulsory able-bodiedness“ funktioniert ähnlich wie die gesellschaftliche Erwartung von Heterosexualität: Sie setzt einen Standard, an dem alle gemessen werden. Feminist Queer Crip Theory zeigt, dass Geschlecht, Sexualität und Behinderung nicht getrennte Bereiche sind, sondern sich gegenseitig beeinflussen und oft durch ähnliche Narrative reguliert werden. Frauen und queere Personen werden häufig als schwach, emotional oder irrational dargestellt, während Menschen mit Behinderungen als abhängig oder unselbstständig gelten. In beiden Fällen stabilisieren diese Zuschreibungen patriarchale und soziale Macht. Der Ansatz kritisiert außerdem das neoliberale Ideal des optimierten, effizienten, autonomen Körpers. Feminist Queer Crip Theory argumentiert, dass Abhängigkeit kein Defizit ist, sondern eine alltägliche menschliche Realität, die sozial gerecht organisiert werden muss. Im Bereich Sexualität setzt die Theorie ein starkes Gegengewicht zur Entsexualisierung behinderter Menschen und betont vielfältige Körper, Lustformen und Zugänge zu Intimität.
Wichtige Autor*innen und Werke
Zu den zentralen Stimmen gehört Robert McRuer, dessen Werk „Crip Theory“ die Verbindung von Queer Theory und Disability Studies entscheidend geprägt hat. Er entwickelt den Begriff der compulsory able-bodiedness und zeigt, wie die Figur des „behinderten Körpers“ als Gegenfolie für neoliberale Produktivitätsnormen dient. Alison Kafer erweitert die Perspektive in „Feminist, Queer, Crip“ um einen dezidiert feministischen Zugang. Sie kritisiert Fortschrittslogiken, die Behinderung als Problem verstehen, das es zu lösen gilt, und fordert politische Strategien, die Behinderung nicht pathologisieren. Autor*innen wie Eli Clare verbinden politische Theorie mit poetischer Erfahrung und arbeiten heraus, wie Vorstellungen von Heilung, Optimierung und Normalität Körper unter Druck setzen. Rosemarie Garland-Thomson wiederum liefert wichtige feministische Beiträge zu Sichtbarkeitspolitiken, Staring, Misfitting und Körper-Normen. Ergänzend wird die Arbeit von Theoretikerinnen wie Mia Mingus relevant, die Konzepte wie Access Intimacy geprägt haben und die Bedeutung gemeinsamer Abhängigkeitserfahrungen hervorheben.
Kernbegriffe
Zentral ist der Begriff „Crip“, eine selbstbestimmte politische Identität, die einen ehemals abwertenden Ausdruck zurückerobert. Compulsory Able-bodiedness bezeichnet die gesellschaftliche Grundannahme, dass Menschen funktional, autonom und „fähig“ zu sein haben. Crip Time verweist auf Zeitmodelle, die mit chronischen Erkrankungen, Behinderung oder psychischen Belastungen verbunden sind und die starre Norm der linearen Produktivität infrage stellen. Misfitting beschreibt die Passung oder Nicht-Passung zwischen Körpern und Räumen und macht damit strukturelle Barrieren sichtbarer als individuelle Defizite.
Warum Feminist Queer Crip gemeinsam gedacht wird
Feminismus zeigt, dass Körper politisch sind und dass Geschlechterrollen Macht organisieren. Queer Theory destabilisiert normative Vorstellungen von Sexualität und Identität. Crip Theory destabilisiert normative Vorstellungen von Körperlichkeit und Funktionsfähigkeit. Zusammen ermöglichen sie eine Analyse, die mehrfachmarginalisierte Positionen sichtbar macht und patriarchale, medizinische und ökonomische Normen zugleich kritisieren kann. Feminist Queer Crip Theory entwirft alternative Politiken von Körper, Abhängigkeit, Care, Begehren und Gemeinschaft, die über die üblichen Kategorien der Identitätspolitik hinausgehen.
Anwendungen
Der Ansatz lässt sich auf zahlreiche gesellschaftliche Bereiche übertragen: auf Schönheitsnormen, Fitness- und Selbstoptimierungsdiskurse, auf die Kritik medizinischer Normalisierung, auf Sexualpädagogik und Pornografie, auf die Organisation von Care-Arbeit oder die Gestaltung von Barrierefreiheit. Feminist Queer Crip Theory macht deutlich, dass Zugang, Beziehung, Intimität, Körperlichkeit und Fürsorge nicht im Rahmen neoliberaler Autonomie-Ideale verstanden werden können, sondern als kollektive Prozesse, die gerechter organisiert werden müssen.
Eigentlich der typische Ansatz aller queeren Theorien:
Aus etwas eine Opferhaltung aber auch etwas machen, was nicht als schlecht sehen kann. Die Bezeichnung als krank lässt „schlechter“ mitschwingen und das darf nicht sein. Also muss über die Opferstellung und das „Anderssein“ eine Sonderstellung herausgearbeteitet werden, aus der heraus man zu den „Besseren“ gehört und von Leuten eine Sonderbehandlung verlangen kann.
Es ist Macht durch Anderssein und das Recht Sonderbehandlungen zu verlangen.