Selbermach Mittwoch

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Unterhalt und das Gefühl, dass es für den Unterhaltsverpflichteten nicht mehr zum Leben reicht an einem Beispiel aus Neuseeland

Ein Bericht aus Neuseeland über die Lasten des Kindesunterhalts:

Ich bin ein in Neuseeland geborener Staatsbürger und lebe nun dauerhaft in Australien. Ich schreibe, um den bleibenden persönlichen Schaden zu dokumentieren, der durch das frühere Kindergelddurchsetzungssystem Neuseelands entstanden ist, das über die Child Support Agency und das Inland Revenue Department verwaltet wurde.

Seit ich gerade achtzehn Jahre alt war, wurde ich unnachgiebig von einem System verfolgt, das kein Verständnis, kein Mitgefühl und kein Maß kannte. Was als Kindergeld bezeichnet wurde, entwickelte sich schnell zu etwas völlig anderem – einer Form der finanziellen Bestrafung, die es mir unmöglich machte, zu leben, zu arbeiten oder mein Leben wieder aufzubauen.

Vierzehn Jahre lang war ich Belästigungen und Zwangstaktiken ausgesetzt, die heute als finanzielle Gewalt anerkannt würden. Das traumatischste Beispiel war eine Lohnpfändung am Heiligabend, die mich über einen Monat lang ohne einen einzigen Dollar zum Leben zurückließ. Dieser Moment und viele andere ähnliche Situationen waren darauf ausgelegt, zu zerschmettern, statt zu unterstützen.

Die finanziellen Grenzwerte des Systems machten das Überleben unmöglich. Während des Zeitraums, in dem ich bewertet wurde – ungefähr von 2001 bis 2015 – betrug der offiziell anerkannte Lebensunterhalt vor der Berechnung nur etwa 11.500 Neuseeland-Dollar pro Jahr, eine absurd niedrige Summe, die nicht einmal Miete und Lebensmittel für eine einzelne Person deckte. Heute hat sich dieser Betrag ungefähr verdoppelt, was beweist, was viele von uns damals bereits wussten: Das frühere System basierte auf unrealistischen und strafenden Erwartungen, die erwerbstätige Eltern unter die Armutsgrenze zwangen.

Diese Berechnungen hatten reale menschliche Konsequenzen. Nachdem die Regierung alles genommen hatte, war ich nicht mehr in der Lage, sinnvoll am Leben meiner Tochter teilzunehmen. Mit Besuchsrechten, die nur einen Tag alle zwei Wochen erlaubten, konnte ich mir oft nicht einmal Benzin leisten, um sie zu sehen, geschweige denn Ausflüge, Aktivitäten oder gemeinsame Mahlzeiten. Das System, das angeblich ihre besten Interessen schützen sollte, machte es mir unmöglich, der Vater zu sein, der ich sein wollte. Es reduzierte Elternschaft auf eine Zahl in einer Bilanz.

Das System raubte mir auch mein Potenzial. Ich lebte in ständiger Angst, dass, wenn ich härter arbeite, mehr verdiene oder versuche, mein Leben zu verbessern, ich im folgenden Jahr durch höhere Berechnungen bestraft würde. Diese Angst prägte jede Entscheidung, die ich als junger Mann traf. Sie entmutigte Ambitionen und hielt mich im Überlebensmodus gefangen. Ich durfte nie eine Zukunft aufbauen, nur eine Vergangenheit begleichen, die von Schulden und Scham definiert war, aus der ich nie entkommen konnte.

Zu allem Überfluss hatte die Mutter meiner Tochter nie eine Vollzeitstelle inne, doch das System war vollständig auf mein Einkommen und meine Anstrengung ausgerichtet. Es belohnte Abhängigkeit und bestrafte Beitrag. Es gab keine Gerechtigkeit, keine gemeinsame Verantwortung und kein Verständnis für die langfristigen Folgen, die dieses Ungleichgewicht für Familien und Kinder haben würde.

Als ob das nicht genug wäre, wurde das Kindergeld bis zum 19. Lebensjahr meiner Tochter weitergezahlt, nur um dann mitten im Jahr gekürzt zu werden, als das Anspruchsalter plötzlich auf 18 Jahre gesenkt wurde. Infolgedessen zahlte ich bis sie etwa 18½ Jahre alt war, ohne Bezug zu einem Studium oder weiterem Bedarf – lediglich aufgrund einer willkürlichen administrativen Änderung, die mich länger zahlen ließ, als erforderlich.

Dann, in meinem letzten Bewertungsjahr, stritt die Behörde mein angegebenes Einkommen ab und entschied, ich hätte mehr verdienen können. Allein aus diesem Grund wurde ich gezwungen, weitere 8.500 AUD an die Mutter meiner Tochter zu zahlen. Es gab keinen Beweis dafür, dass ich mein Einkommen zu niedrig angegeben hatte, nur die Annahme, dass ich mehr hätte verdienen können. Es war eine demütigende und unbegründete Machtausübung, die die gesamte Erfahrung zusammenfasste: Bestrafung für Anstrengung, Annahme statt Fakten.

Die psychische Belastung war enorm. Ich lebte in ständiger Angst und fühlte mich gefangen in einem System, das mich wie einen Kriminellen behandelte, nicht wie einen Elternteil. Es gab keinen Weg zur Rehabilitation, keine Anerkennung von Härte und keine Menschlichkeit im Prozess. Es ging nicht um das Wohl des Kindes, sondern um Kontrolle und Einnahmenerzielung.

Wenn ich heute Beiträge über Mobbing und Suizid lese, denke ich unweigerlich daran, wie viele Leben das Kindergeldsystem stillschweigend zerstört hat. Wenn jemand aufgrund gezielter Belästigung sein Leben nimmt, ist das kein Suizid, es ist institutioneller Totschlag. Die Regierung muss sich bewusst werden, wie viele Männer in jener Zeit unter der Last der Verzweiflung starben, die durch ihre Politik verursacht wurde.

Ich habe Neuseeland verlassen, weil ich mir unter diesem System das Leben dort nicht leisten konnte. Es raubte mir Hoffnung, Zugehörigkeit und Selbstwert. Erst nach meinem Umzug nach Australien konnte ich ein stabiles Leben wieder aufbauen, würdevoll arbeiten und positiv zur Gemeinschaft beitragen. Doch der Schaden kann nicht rückgängig gemacht werden. Meine Tochter hat nun keinen Kontakt mehr zu mir oder ihrer Mutter. Die Jahre der Trennung, Not und emotionalen Distanz, die durch dieses System entstanden, haben Beziehungen zerrissen, die nie vollständig repariert werden können.

Was ich will, ist einfach: Anerkennung. Eine formelle Entschuldigung für die Ungerechtigkeiten, die Männer wie ich erlitten haben, und die Anerkennung, dass das, was im Namen von Unterstützung getan wurde, in vielen Fällen systemischer Missbrauch war.

Ich suche keine Rache mehr. Ich suche Abschluss. Ein Eingeständnis, dass das, was vielen von uns angetan wurde, falsch war und dass keine Regierung jemals wieder Leben durch finanzielle Zwangsmaßnahmen und administrative Grausamkeit zerstören sollte.

Ich habe, da ich keine Ahnung vom neuseeländischen Recht habe und man bei Aussagen von Betroffenen nie genau weiß, wie repräsentativ  diese sind mal ein LLM um Einschätzung gebeten:

Das ist eine gute und wichtige Frage. Ich konnte teilweise verifizieren, dass einige der Angaben — insbesondere zu Regelmechanismen des Inland Revenue Department (IRD) bzw. des Kindesunterhaltsrechts in Child Support Agency / Child Support Act 1991 in Neuseeland — korrekt sind. Aber andere Details aus dem geschilderten Erfahrungsbericht lassen sich aus öffentlichen Quellen nicht eindeutig bestätigen — so dass sich nicht mit Sicherheit sagen lässt, ob alle persönlichen Angaben stimmen. Hier, was man belegen kann — und wo Unklarheiten bleiben:

✅ Was sich belegen lässt

  • Der Unterhalt in Neuseeland (bei „formula assessment“) wurde nach einer Formel berechnet: Einkommen des zahlungspflichtigen Elternteils minus einer „Living Allowance“, multipliziert mit einem Prozentsatz abhängig von der Zahl der Kinder. taxpolicy.ird.govt.nz+2oag.parliament.nz+2
  • Für 2010/2011 etwa: Die „Living Allowance“ reichte — je nach Familien‑ und Wohnsituation — von ca. NZ $ 14.158 (alleinstehend ohne Kinder) bis ca. NZ $ 35.868 (mit mehreren abhängigen Kindern) oag.parliament.nz+2taxpolicy.ird.govt.nz+2
  • Der Ansatz änderte sich mit der Child Support Amendment Act 2013: Seit 1. April 2014 wird bei der Formel­berechnung das Einkommen beider Elternteile berücksichtigt (nicht mehr nur des zahlenden Elternteils), sowie der tatsächliche Betreuungsanteil („care cost percentage“) des zahlpflichtigen und betreuenden Elternteils. taxtechnical.ird.govt.nz+2taxtechnical.ird.govt.nz+2
  • Bei geringerem Einkommen bzw. bestimmten Lebenssituationen kann das berechnete Unterhalts­einkommen auch als „nil“ (also Null) gelten, wenn die Living Allowance und andere Abzüge das Einkommen übersteigen. taxtechnical.ird.govt.nz+2taxtechnical.ird.govt.nz+2

Fazit daraus: Es stimmt, dass das System durchaus mit starren Einkommens‑ und Abzugsregeln arbeitete — und dass bei geringem Einkommen der Unterhalt unter Umständen sehr gering ausfallen oder sich wieder auf null reduzieren konnte. Die historische Spannbreite für Lebensunterhalt (Living Allowance) war bereits relativ niedrig (mindestens ~14.000 NZD/Jahr).

⚠️ Wo sich Angaben nicht eindeutig verifizieren lassen / mögliche Diskrepanzen

  • Der im Text genannte Wert von „ca. NZ $ 11.500 pro Jahr“ als Lebensunterhalt (vor Unterhaltsberechnung) konnte ich nicht als offiziellen Standardwert finden. Öffentliche Dokumente sprechen für 2010/11 von mindestens 14.158 NZD für Alleinstehende ohne Kinder. oag.parliament.nz+1 Möglicherweise gibt es Sonderfälle — aber ein Standardwert von 11.500 NZD ist in den Quellen nicht genannt.
  • Ob tolerierte Pfändungen genau am Heiligabend stattfanden, oder ob Bestrafungs‑/Nachforderungs‑Mechanismen in der konkreten beschriebenen Form (z. B. zusätzlich 8.500 AUD Forderung aufgrund angenommener Einkommens­potenziale) systematisch so durchgeführt wurden — dafür gibt es keine öffentlichen Statistiken oder Berichte, die solche Einzelfälle verifizieren. Öffentliche Quellen beschreiben zwar, dass IRD Einkommen schätzt und bei Unter‑ oder Fehlangaben nachfordern kann. oag.parliament.nz+2taxtechnical.ird.govt.nz+2 Aber ob das im konkreten Jahr, mit den genannten Summen, passiert ist — bleibt unklar.
  • Der geschilderte Effekt, dass Eltern durch das System in „Überlebensmodus“, Armut oder soziale Isolation gedrängt wurden — das ist sehr subjektiv und hängt stark von den individuellen Umständen ab. Solche Langzeitfolgen sind nicht quantifiziert dokumentiert — dafür bräuchte es empirische Studien oder Erfahrungsberichte, die über das Gesetz hinausgehen.
  • Das Alter, bis zu dem Unterhalt gezahlt werden muss: Öffentlich heißt es, ein „qualifying child“ ist in der Regel unter 18 (oder 18 + Schulbesuch). oag.parliament.nz+2Wikipedia+2 Der Bericht nennt Zahlung bis 19. Auch das kann möglich gewesen sein — z. B. bei bestimmten schulischen Bedingungen — aber eine generelle Pflicht bis 19 ist gesetzlich nicht eindeutig dokumentiert.

🎯 Warum das Ganze nicht eindeutig „richtig“ oder „falsch“ ist — und was das bedeutet

  • Das System selbst war — zumindest nach dem öffentlichen Gesetz — so aufgebaut, dass es mit festen Abzügen und prozentualem Unterhalt arbeitete. Das führte bei niedrigen Einkommen tatsächlich zu relativ niedrigen Zahlungen oder sogar keiner Zahlungsverpflichtung, was das Erleben als „hart“ oder „unfair“ erklären kann.
  • Aber persönliche Erlebnisse — Pfändungen, psychische Folgen, soziale Isolation — sind nicht Teil der Gesetzestexte. Solche Erfahrungen sagen sehr viel über das System in der Praxis, aber sie lassen sich öffentlich nur schwer als generelle Systemergebnisse verifizieren.
  • Manche der konkreten Zahlenangaben (z. B. 11.500 NZD) stimmen mit öffentlichen Referenzwerten nicht exakt überein — das deutet darauf, dass persönliche Erfahrungswerte, regionale Unterschiede oder Sonderfälle eine Rolle gespielt haben könnten.

✅ Meine Einschätzung

Ja — es ist wahrscheinlich, dass das frühere Unterhaltssystem in Neuseeland in vielen Fällen sehr restriktiv war und reale Härten erzeugte. Die öffentlich dokumentierten Regeln zeigen, dass es durchaus möglich war, dass Unterhaltszahlungen in vielen Fällen niedrig oder kaum existierend waren.

Gleichzeitig — und das ist wichtig —: **ich kann nicht bestätigen, dass alle Angaben in dem Schilderungskontext — mit exakten Beträgen, Dauer, psychischen Folgen oder Einzelfall‑Ereignissen — objektiv korrekt oder typisch waren. Manche Details sind schlicht nicht dokumentiert, weil sie schlicht persönliche Erlebnisse sind.

Und noch eine Erläuterung: 11.500 NZD waren wohl ca. 5.700–6.900 €,

14.500 NZD wären damals 8.495 € gewesen. Das wären knapp 707 € im Monat vom Jahr umgerechnet.