Sex initiieren

Der Stern hat einen interessanten Artikel:

. Die Wissenschaft hat zum Glück inzwischen die Frauen als Forschungsobjekt entdeckt – und findet fantastische Dinge heraus. Zum Beispiel, dass viele Frauen „responsive Erregungstypen“ sind. Noch nie davon gehört? Ich auch nicht. Bis ich das großartige Buch „Komm, wie du willst“ der Sexualwissenschaftlerin Emily Nagoski gelesen habe (unbedingte Leseempfehlung).
Meine Wandergesellin bekommt auch große Augen und Ohren. „Responsiver Erregungstyp“, sagt sie mit Fragezeichen in der Stimme. Ich nicke begeistert, denn das ist der Quick Fix für ihr Problem.
Die meisten Männer (und natürlich auch einige Frauen) sind spontane Erregungstypen. Sie gehen die Straße entlang, und plötzlich denken sie aus heiterem Himmel an Sex. Dazu müssen sie nicht mal ein Objekt ihrer Begierde sehen. Sie können in ein Schaufenster schauen, auf ihr Handy glotzen oder in die Luft gucken und out of the blue heiße Gedanken bekommen.
Bei responsiven Typen funktioniert die Erregung anders. Spoiler: Hier kommt nichts aus heiterem Himmel. Responsive Typen haben keine spontane Lust. Sie gehen die Straße entlang und denken an ihre Einkaufsliste. Selbst wenn ihnen ein heißer Typ über den Weg läuft, denken sie an ihre Einkaufsliste.
Was sie jedoch in Wallung bringt, sind sexuelle Handlungen, wie es die „Sexleben-Retterin“ Emily Nagoski schreibt. Wenn der responsive Typ kuschelt, knutscht oder massiert wird, entsteht die Lust. Der Appetit kommt quasi mit dem Essen.
Die Frau in ihren Wanderklamotten bleibt abrupt neben mir stehen. „Das heißt, ich bin völlig normal?“, fragt sie mich. Ich nicke. „Ich bin nicht kaputt?“ Ich nicke. „Und es ist auch nicht meine Schuld, ich bin nicht falsch oder abartig?“ Ich nicke und lache sie strahlend an. „Mit dir ist alles in Ordnung“, antworte ich. Sie sei lediglich ein „responsiver Erregungstyp“. „Deine Art, wie sich Verlangen einstellt, passiert einfach anders“, sage ich. „Du initiierst keinen Sex, aber verspürst, langsam aufsteigende Lust, Erregung und Verlangen, wenn du sexuelle Handlungen erlebst.“
Dein Mann soll ruhig weiterhin den Sex initiieren, und du darfst das genießen, und statt ein schlechtes Gewissen zu haben, weil es wieder nicht von dir ausgegangen ist, kannst du dich entspannen, es genießen und deiner langsam wachsenden Erregung frönen. Die Dame strahlt mich an, bedankt sich und eilt mit schnellem Schritt davon.
Ich freue mich, dass ich helfen konnte. „Manchmal fehlt einfach nur das neueste Wissen“, denke ich mir. „Mein Mann findet mich kompliziert“, sagt da plötzlich eine Stimme leise hinter mir. „Mal mag ich etwas und dann wieder nicht“, sagt die Frau nun lauter und schließt auf zu mir. „Was stimmt mit mir nicht?“ Ich grinse sie an. „Keine Sorge, mit dir ist alles normal, es ist nur der Kontext“, sage ich, und schon bin ich im nächsten Quick Fix.
Der responsive Typ ist ja auch grundsätzlich kein Problem, wenn sie sich meist in Stimmung bringen lässt.
Es wird zum Problem, wenn derjenige der initiiert sich immer wieder eine Absage holt und deswegen frustriert ist.
Dann wäre es eben interessant die Initiierung an den Partner, der eher nicht will abgeben zu können, der dann eben selten abgelehnt würde. Klappt aber eben nicht, wenn sie erst in Stimmung kommen muss.
Das Konzept an sich ist aber auch interessant. Frauen wollen ja auch in vielen Bereichen, dass der andere von sich aus handelt und nicht erst eine Initiierung erforderlich ist. Etwa beim Müllrausbringen oder beim Putzen oder allgemein bei der „mental load“. Ob man da auch als Mann anführen kann, dass man erst positiv in Stimmung gebracht werden muss und es sonst nicht geht?