Modulation aggressiven Verhaltens durch Hirnstimulation: Geschlechterunterschiede

Eine interessante Studie zu Aggression und Geschlechterunterschieden:

A growing body of evidence has shown the key role of the dorsolateral prefrontal cortex (dlPFC) in aggressive behavior, along with the chance of modulating it by means of transcranial direct current stimulation (tDCS). However, the functional interplay between the two cerebral hemispheres in the regulation of aggressive behavior is still unclear. To address this issue, we assessed the effect of bi-hemispheric prefrontal tDCS in 76 healthy adults with a cross-over, double-blind, sham-controlled design. Half of the participants received the anodal stimulation over the right dlPFC and the cathodal stimulation over the left dlPFC (right anodal/left cathodal; Experiment 1), whereas the other half received the anodal stimulation over the left dlPFC and the cathodal stimulation over the right dlPFC (right cathodal/left anodal; Experiment 2). During tDCS, participants underwent the Point Subtraction Aggression Paradigm. All participants were also given self-report questionnaires measuring individual levels of aggression, impulsivity, and empathy to test whether these constructs were associated with the neuromodulation of aggressive responses at the Point Subtraction Aggression Paradigm. Results show a significant increase in aggressive reactions to provocation during right anodal/left cathodal prefrontal tDCS only within males, highlighting a sex-specific effect of the prefrontal neuromodulation that is also associated with individual levels of aggression. These findings provide a new insight into the brain mechanisms that regulate aggressiveness, their sex differences, and their association with dispositional aggressive tendencies.

Quelle: Modulating interhemispheric prefrontal dynamics of aggressive behavior: Sex differences and the association with personal disposition (2025)

Hier eine Zusammenfassung der Studie:

Erst einmal zu den Ergebnissen sehr kurz:

  • Geschlechtsspezifische Effekte: Die Stimulation wirkt nur bei Männern aggressionssteigernd, was auf strukturelle und funktionelle Hirnunterschiede zurückzuführen sein könnte.
  • Hemisphärenasymmetrie: Die Ergebnisse unterstützen Modelle, die eine rechtshemisphärische Dominanz bei Aggressionskontrolle postulieren. Die Erhöhung der rechten dlPFC-Aktivität bei gleichzeitiger Hemmung der linken führte zu mehr Aggression.
  • Persönlichkeitsmerkmale: Höhere Aggressionsneigung verstärkt den Stimulationseffekt, während Empathie protektiv wirkt.
  • Interhemisphärische Balance: Die Befunde deuten darauf hin, dass die Balance zwischen beiden Hemisphären entscheidend für Aggressionskontrolle ist.

Und noch einmal etwas ausführlicher:

Die Modulation aggressiven Verhaltens durch Hirnstimulation: Eine umfassende Erklärung
Die vorliegende Studie von Gramegna und Kollegen untersucht eine hochrelevante Fragestellung: Wie lässt sich aggressives Verhalten durch gezielte Stimulation des Gehirns beeinflussen, und welche Rolle spielen dabei das Geschlecht und persönliche Charaktereigenschaften? Aggressives Verhalten stellt weltweit ein erhebliches gesellschaftliches und gesundheitliches Problem dar, insbesondere bei psychiatrischen Patienten und in forensischen Einrichtungen. Ein besseres Verständnis der neuronalen Grundlagen von Aggression könnte zur Entwicklung wirksamerer Therapien beitragen.

Der theoretische Hintergrund
Die Forscher gehen von etablierten Modellen aus, die zwischen reaktiver und proaktiver Aggression unterscheiden. Reaktive Aggression entsteht als impulsive Reaktion auf Provokation, oft begleitet von negativen Emotionen wie Wut oder Frustration. Proaktive Aggression hingegen ist geplant und zielgerichtet, um bestimmte Vorteile zu erlangen. Bekannt ist, dass Männer generell höhere Werte bei physischer und verbaler Aggression zeigen als Frauen, während bei indirekten Aggressionsformen keine oder umgekehrte Geschlechtsunterschiede bestehen.

Auf neurologischer Ebene spielt der dorsolaterale präfrontale Kortex, kurz dlPFC, eine zentrale Rolle bei der Kontrolle aggressiven Verhaltens. Dieser Hirnbereich ist für exekutive Funktionen, Impulskontrolle und moralisches Denken zuständig. Er steht in enger Verbindung mit dem limbischen System, insbesondere der Amygdala, die bei bedrohlichen Situationen aktiviert wird und unmittelbare aggressive Reaktionen auslösen kann. Der dlPFC übt dabei eine Top-down-Kontrolle aus, die diese impulsiven Tendenzen reguliert. Störungen in diesem System, etwa durch reduzierte Aktivität oder gestörte Konnektivität, können zu erhöhter Aggressivität führen.

Interessanterweise gibt es Hinweise auf eine funktionelle Asymmetrie zwischen den beiden Gehirnhälften. Das motivationale Richtungsmodell der frontalen Asymmetrie postuliert, dass die linke präfrontale Hemisphäre eher mit Annäherungsverhalten und damit auch mit Aggression assoziiert ist, während die rechte Hemisphäre mit Vermeidungsverhalten in Verbindung steht. Frühere Studien haben gezeigt, dass eine erhöhte Aktivität der linken präfrontalen Kortex mit aggressiven Tendenzen einhergeht, während die rechte Seite eine hemmende Funktion zu haben scheint. Allerdings sind die Befunde zur hemisphärischen Lateralisierung nicht eindeutig, weshalb weitere Forschung notwendig ist.

Die Methode: Transkranielle Gleichstromstimulation
Um die Rolle der interhemisphärischen Balance bei der Aggressionskontrolle zu untersuchen, verwendeten die Forscher eine nicht-invasive Hirnstimulationsmethode namens transkranielle Gleichstromstimulation, abgekürzt tDCS. Bei dieser Technik werden schwache elektrische Ströme durch die Schädeldecke geleitet, um die Aktivität bestimmter Hirnregionen zu modulieren. Eine anodal stimulierte Region wird in ihrer Erregbarkeit erhöht, während eine kathodal stimulierte Region gehemmt wird. Das Besondere an dieser Studie ist, dass beide Hemisphären gleichzeitig, aber in entgegengesetzter Richtung stimuliert wurden, um die interhemisphärische Balance gezielt zu verschieben.

Die Forscher rekrutierten insgesamt sechsundsiebzig gesunde Erwachsene, die sie auf zwei Experimente aufteilten. Im ersten Experiment erhielten achtunddreißig Teilnehmer eine Stimulation mit der Anode über dem rechten dlPFC und der Kathode über dem linken dlPFC. Im zweiten Experiment wurde bei weiteren achtunddreißig Teilnehmern die Anordnung umgekehrt: Die Anode lag über dem linken dlPFC und die Kathode über dem rechten. Jeder Teilnehmer durchlief zwei Sitzungen im Abstand von drei bis zehn Tagen: einmal mit echter Stimulation und einmal mit einer Scheinstimulation, bei der das Gerät nach dreißig Sekunden abgeschaltet wurde. Weder die Teilnehmer noch die Versuchsleiter wussten, welche Art von Stimulation gerade angewendet wurde, was methodisch wichtig ist, um Erwartungseffekte auszuschließen.

Die eigentliche Stimulation erfolgte mit einer Stromstärke von eineinhalb Milliampere über fünfundzwanzig Minuten. Die Elektroden hatten eine Größe von fünf mal sieben Zentimetern und wurden mit Kochsalzlösung befeuchtet. Die Stimulation begann bereits drei Minuten vor der eigentlichen Verhaltensaufgabe, um die neuronale Erregbarkeit in den Zielregionen zu verändern, bevor die Teilnehmer mit der Aufgabe begannen.

Die Verhaltensaufgabe: Messung von Aggression
Zur Messung aggressiven Verhaltens verwendeten die Forscher das Point Subtraction Aggression Paradigm, kurz PSAP. Dies ist ein etabliertes computerbasiertes Verfahren, bei dem die Teilnehmer glauben, gegen einen echten Gegner im Nebenraum zu spielen. Tatsächlich ist dieser Gegner fiktiv und wird vom Computer gesteuert. Das Ziel des Spiels besteht darin, möglichst viele Punkte zu sammeln. Die Teilnehmer haben drei Handlungsoptionen: Sie können die Taste A hundertmal drücken, um einen Punkt zu gewinnen. Sie können die Taste B zehnmal drücken, um dem Gegner einen Punkt wegzunehmen. Oder sie können die Taste C zehnmal drücken, um ihre eigenen Punkte für eine gewisse Zeit vor dem Gegner zu schützen.

Entscheidend ist, dass das Abziehen von Punkten beim Gegner, also die B-Taste, keinen finanziellen Vorteil bringt. Dieser Vorgang wird daher als Maß für aggressives Verhalten gewertet, da er dem Gegner schaden soll, ohne dass die Person selbst davon profitiert. Die Häufigkeit, mit der die Teilnehmer diese Taste drücken, wird als SUBTRACT-Antwort bezeichnet und ist der primäre Indikator für Aggression. Die A-Taste repräsentiert gewinnorientiertes Verhalten, also GAIN-Antworten, und die C-Taste steht für selbstschützendes Verhalten, die PROTECT-Antworten.

Zusätzlich zur Verhaltensaufgabe füllten alle Teilnehmer drei Fragebögen aus, um ihre Persönlichkeitsmerkmale zu erfassen. Der Buss-Perry Aggression Questionnaire misst die selbstberichtete Aggressionsneigung in verschiedenen Dimensionen wie physische Aggression, verbale Aggression, Wut und Feindseligkeit. Die Barratt Impulsiveness Scale erfasst Impulsivität in drei Bereichen: motorische Impulsivität, Aufmerksamkeitsimpulsivität und mangelnde Planung. Der Interpersonal Reactivity Index schließlich misst verschiedene Facetten von Empathie, wie Perspektivenübernahme, Fantasie, empathische Sorge und persönlichen Stress.

Die zentralen Ergebnisse
Die Resultate der Studie sind bemerkenswert differenziert und zeigen klare geschlechtsspezifische Effekte. Im ersten Experiment, bei dem der rechte dlPFC stimuliert und der linke gehemmt wurde, zeigte sich eine signifikante Interaktion zwischen der Art der Stimulation und dem Geschlecht der Teilnehmer. Diese Interaktion bedeutet, dass die Stimulation bei Männern und Frauen unterschiedlich wirkte. Konkret erhöhten männliche Teilnehmer während der aktiven Stimulation ihre aggressiven Reaktionen deutlich: Sie drückten die B-Taste in dreiundzwanzig Prozent der Fälle, verglichen mit nur siebzehn Prozent während der Scheinstimulation. Dieser Unterschied war statistisch signifikant. Bei den weiblichen Teilnehmerinnen hingegen zeigte sich überhaupt kein Effekt der Stimulation.

Im zweiten Experiment, bei dem die Elektrodenpositionen vertauscht waren, also der linke dlPFC stimuliert und der rechte gehemmt wurde, fanden sich keine signifikanten Effekte auf das aggressive Verhalten, weder bei Männern noch bei Frauen. Es gab lediglich einen schwachen Trend in die entgegengesetzte Richtung, der aber das Signifikanzniveau nicht erreichte.

Auch bei den gewinnorientierten Antworten, also den GAIN-Reaktionen, zeigte sich im ersten Experiment eine Interaktion zwischen Stimulation und Geschlecht. Männer tendierten dazu, während der aktiven Stimulation weniger auf Punktegewinn zu setzen, wobei dieser Effekt knapp die Signifikanzgrenze verfehlte. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Stimulation nicht nur die Aggression erhöht, sondern auch die Bereitschaft reduziert, sich auf gewinnorientiertes Verhalten zu konzentrieren.

Bei den selbstschützenden Reaktionen, den PROTECT-Antworten, fand sich ein interessanter Unterschied zwischen den beiden Experimenten: Die Teilnehmer des ersten Experiments wählten insgesamt häufiger die Schutzfunktion als die des zweiten Experiments, nämlich siebenundzwanzig Prozent gegenüber neunzehn Prozent. Dies deutet darauf hin, dass die beiden Stichproben möglicherweise unterschiedliche Verhaltensstrategien verfolgten.

Die Rolle der Persönlichkeit
Besonders aufschlussreich sind die Zusammenhänge zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen und den Effekten der Hirnstimulation. Im ersten Experiment fand sich eine positive Korrelation zwischen der Feindseligkeit, einem Unterbereich der Aggression im Fragebogen, und den aggressiven Reaktionen während der aktiven Stimulation. Das bedeutet: Je höher die grundsätzliche Neigung zu feindseligen Gedanken und Einstellungen, desto stärker war die Zunahme aggressiven Verhaltens durch die Stimulation. Dies ist bemerkenswert, denn es zeigt, dass die Hirnstimulation nicht bei allen Menschen gleich wirkt, sondern die bereits vorhandenen Dispositionen verstärken kann.

Außerdem zeigte sich, dass Personen mit höherer empathischer Sorge während der aktiven Stimulation mehr gewinnorientierte Antworten gaben. Empathie scheint also eine Art Schutzfunktion zu haben, indem sie Menschen dazu bewegt, sich eher auf konstruktive, gewinnbringende Strategien zu konzentrieren als auf aggressive oder selbstschützende Reaktionen. Im zweiten Experiment fand sich dagegen eine negative Korrelation zwischen verbaler Aggression und gewinnorientierten Antworten, was darauf hindeutet, dass auch hier die Persönlichkeitsstruktur eine wichtige moderierende Rolle spielt.

Die Fragebogendaten zeigten außerdem erwartungsgemäße Geschlechtsunterschiede: Im ersten Experiment berichteten männliche Teilnehmer höhere Aggressionswerte als weibliche, während Frauen höhere Empathiewerte aufwiesen. Diese Unterschiede spiegeln gut etablierte Befunde aus der psychologischen Forschung wider und könnten erklären, warum die Hirnstimulation bei Männern und Frauen unterschiedlich wirkte.

Die Interpretation der Befunde
Wie lassen sich diese Ergebnisse nun erklären? Die Forscher argumentieren, dass ihre Befunde Modelle unterstützen, die eine wichtige Rolle des rechten dlPFC bei der Kontrolle aggressiven Verhaltens annehmen. Durch die gleichzeitige Erhöhung der Aktivität im rechten dlPFC und die Hemmung des linken dlPFC wurde offenbar eine interhemisphärische Imbalance geschaffen, die bei Männern zu einer Enthemmung aggressiver Impulse führte. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Stimulation des rechten dlPFC nicht nur dessen eigene Aktivität erhöht, sondern über transkallosale Verbindungen auch den linken dlPFC zusätzlich hemmt. Dies könnte zu einer Dysfunktion des inhibitorischen GABAergen Systems führen, das normalerweise aggressive Impulse kontrolliert.

Interessanterweise passt dieses Ergebnis nicht vollständig zu dem motivationalen Richtungsmodell, das eine verstärkte Aktivität der linken Hemisphäre mit Aggression in Verbindung bringt. Stattdessen scheint die Hemmung der linken Hemisphäre bei gleichzeitiger Stimulation der rechten zu erhöhter Aggression zu führen. Dies könnte bedeuten, dass der linke dlPFC normalerweise eine wichtige regulierende Funktion ausübt und dessen Ausfall zu Kontrollverlusten führt. Tatsächlich haben frühere Studien gezeigt, dass Dysfunktionen im linken dlPFC mit antisozialem Verhalten, mangelnder Impulskontrolle und erhöhter Aggression einhergehen.

Die geschlechtsspezifischen Effekte lassen sich durch mehrere Faktoren erklären. Zum einen unterscheiden sich männliche und weibliche Gehirne in ihrer Struktur und Funktion, etwa in der Gesamtgröße, der kortikalen Dichte und der Asymmetrie zwischen den Hemisphären. Diese Unterschiede können dazu führen, dass elektrische Stimulation unterschiedlich ins Gehirn eindringt und verschiedene neuronale Netzwerke aktiviert. Zum anderen spielen Hormone eine wichtige Rolle: Testosteron beispielsweise ist mit aggressivem Verhalten assoziiert und könnte die Reaktion auf die Hirnstimulation modulieren. Nicht zuletzt unterscheiden sich Männer und Frauen auch in ihren psychologischen Dispositionen: Männer zeigen im Durchschnitt höhere Aggressionswerte, während Frauen höhere Empathiewerte aufweisen. Diese Persönlichkeitsunterschiede könnten ebenfalls dazu beitragen, dass die Stimulation bei Männern stärker wirkte.

Die Tatsache, dass die umgekehrte Stimulation im zweiten Experiment keine signifikanten Effekte zeigte, ist ebenfalls aufschlussreich. Die Forscher vermuten, dass dies teilweise an Unterschieden in der Stichprobe liegen könnte. Die Teilnehmer des zweiten Experiments zeigten generell weniger selbstschützende Reaktionen und unterschieden sich auch in einigen Persönlichkeitsmerkmalen von denen des ersten Experiments. Dies unterstreicht, wie wichtig individuelle Unterschiede für die Wirksamkeit von Hirnstimulation sind.

Die Bedeutung für Forschung und Praxis
Diese Studie liefert wichtige Erkenntnisse für unser Verständnis der neuronalen Grundlagen von Aggression. Sie zeigt erstens, dass die Balance zwischen den beiden Gehirnhälften eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle aggressiven Verhaltens spielt. Zweitens macht sie deutlich, dass Hirnstimulation nicht bei allen Menschen gleich wirkt, sondern stark von Geschlecht und Persönlichkeit abhängt. Dies hat erhebliche Implikationen für die Entwicklung therapeutischer Interventionen.

Für die klinische Praxis bedeuten die Ergebnisse, dass Neuromodulation mit tDCS möglicherweise zur Behandlung von übermäßiger Aggressivität eingesetzt werden könnte, etwa bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie oder Demenz. Allerdings müssten solche Interventionen hochgradig individualisiert werden. Es reicht nicht aus, einfach eine Standardstimulation anzuwenden; vielmehr müssen Geschlecht, Persönlichkeitsprofil und möglicherweise auch neurobiologische Faktoren berücksichtigt werden. Die Tatsache, dass höhere Aggressionsneigung mit stärkeren Stimulationseffekten einherging, könnte zunächst paradox erscheinen, deutet aber darauf hin, dass gerade Menschen mit ausgeprägten aggressiven Tendenzen besonders sensitiv für Modulationen dieser Hirnregionen sind.

Auch für forensische Anwendungen könnten die Befunde relevant sein. In Gefängnissen und forensisch-psychiatrischen Einrichtungen stellt aggressives Verhalten ein erhebliches Problem dar. Die Möglichkeit, durch nicht-invasive Hirnstimulation aggressives Verhalten zu modulieren, könnte neue Behandlungsoptionen eröffnen. Allerdings ist hier große Vorsicht geboten: Die Studie zeigte, dass bestimmte Stimulationsmuster Aggression auch erhöhen können, was natürlich unerwünscht wäre. Eine genaue Kenntnis der Wirkmechanismen und sorgfältige individuelle Anpassung wären absolut notwendig.

Einschränkungen und offene Fragen
Die Forscher selbst weisen auf mehrere Einschränkungen ihrer Studie hin. Erstens wurde ausschließlich mit gesunden Teilnehmern gearbeitet, die keine pathologische Aggressivität aufwiesen. Es ist unklar, ob die Ergebnisse auf klinische Populationen übertragbar sind. Bei Patienten mit ausgeprägten Aggressionsproblemen könnten die Effekte stärker oder auch ganz anders ausfallen. Zudem wären in der klinischen Anwendung wahrscheinlich mehrere Stimulationssitzungen notwendig, nicht nur zwei wie in dieser Studie.

Zweitens hat das verwendete PSAP-Paradigma gewisse Limitationen. Es unterscheidet nicht klar zwischen reaktiver und proaktiver Aggression, da die Teilnehmer jederzeit Punkte abziehen können, nicht nur unmittelbar nach einer Provokation. Außerdem wurde nicht überprüft, ob die Teilnehmer wirklich glaubten, gegen einen echten Gegner zu spielen. Zwar haben frühere Studien gezeigt, dass Zweifel an der Echtheit des Gegners die Ergebnisse nicht wesentlich beeinflussen, dennoch wäre eine explizite Überprüfung wünschenswert gewesen.

Drittens wirft die Studie mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Warum genau wirkt die Stimulation nur bei Männern? Welche spezifischen neuronalen Mechanismen sind beteiligt? Spielen Neurotransmitter wie GABA oder Serotonin eine Rolle? Wie lange halten die Effekte an? Und vor allem: Wie könnte eine optimale, individualisierte Stimulation aussehen, die Aggression tatsächlich reduziert statt erhöht?

Fazit und Ausblick
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Studie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der neuronalen Kontrolle aggressiven Verhaltens leistet. Sie zeigt, dass die interhemisphärische Balance zwischen rechtem und linkem dlPFC eine entscheidende Rolle spielt und dass diese Balance durch nicht-invasive Hirnstimulation moduliert werden kann. Die Befunde unterstreichen die Bedeutung geschlechtsspezifischer Ansätze und die Notwendigkeit, individuelle Persönlichkeitsmerkmale zu berücksichtigen.

Für zukünftige Forschung ergeben sich mehrere wichtige Richtungen. Es wären Studien mit klinischen Populationen notwendig, um zu prüfen, ob sich die Befunde auf Menschen mit pathologischer Aggressivität übertragen lassen. Längsschnittstudien mit mehreren Stimulationssitzungen könnten klären, ob kumulative Effekte auftreten und wie nachhaltig die Veränderungen sind. Neuroimaging-Studien, die tDCS mit funktioneller Magnetresonanztomographie kombinieren, könnten die genauen neuronalen Mechanismen aufklären. Und schließlich wären Studien notwendig, die explizit darauf abzielen, optimale Stimulationsparameter für die Reduktion von Aggression zu identifizieren.

Die Ergebnisse mahnen zur Vorsicht bei der Anwendung von Hirnstimulation: Was in eine Richtung wirkt, kann auch in die andere wirken. Eine schlecht kalibrierte Stimulation könnte Aggression verstärken statt reduzieren. Gleichzeitig eröffnen die Befunde aber auch vielversprechende Perspektiven für die Entwicklung neuer, neurobiologisch fundierter Therapien für aggressives Verhalten. Der Schlüssel liegt in der Personalisierung: Nur wenn wir verstehen, wie individuelle Faktoren die Wirkung von Hirnstimulation beeinflussen, können wir diese Technologie sicher und effektiv einsetzen.

(Ja, KI (hier: Claude),aber ich musste noch Laterne gehen

Es ist aus meiner Sicht ein interessanter Beleg für Geschlechterunterschiede. Aber natürlich immer noch ein weiter Weg dahin, dass wir diese genau verstehen