Ist es für Frauen inzwischen peinlich einen Freund zu haben und vergeben zu sein?

Der Artikel geht gerade durch die Medien, es wird Zeit, dass ich ihn bespreche:

If someone so much as says “my boyf–” on social media, they’re muted. There’s nothing I hate more than following someone for fun, only for their content to become “my boyfriend”-ified suddenly. This is probably because, for so long, it felt like we were living in what one of my favorite Substackers calls Boyfriend Land: a world where women’s online identities centered around the lives of their partners, a situation rarely seen reversed. Women were rewarded for their ability to find and keep a man, with elevated social status and praise. It became even more suffocating when this could be leveraged on social media for engagement and, if you were serious enough, financial gain.

Es passt zum gegenwärtigen Männerhass in vielen Artikeln ja auch in Deutschland.

Natürlich musste da ein Artikel kommen, dass es peinlich ist, einen Freund zu haben. Das gehört zu den klassischen weiblichen Kampfmitteln: Wenn man etwas sozial nicht gut findet, wie hier das sich auf den Feind einlassen oder gar in einer glücklichen Beziehung mit einem Mann zu sein, dann muss man Beschämungsstrategien anwenden:

Ist es dir nicht peinlich, dass du einen Freund hast? In der heutigen Zeit? Wo lebst du eigentlich, total uncool!“

Der Mann ist in der Hinsicht dann eh nur Mittel zum Zweck und gleichzeitig wird ein sozialer Zwang dazu gesehen einen Freund zu haben und sozialer Zwang auf Frauen ist natürlich schlecht, auch wenn es etwas so simples ist wie verliebt zu sein und mit einem Menschen glücklich zu sein. Deswegen muss man es auch gleich abwerten, als etwas, was man nur für den sozialen Aufstieg oder für Geld macht.

However, more recently, there’s been a pronounced shift in the way people showcase their relationships online: far from fully hard-launching romantic partners, straight women are opting for subtler signs—a hand on a steering wheel, clinking glasses at dinner, or the back of someone’s head. On the more confusing end, you have faces blurred out of wedding pictures, or entire professionally edited videos with the fiancé conveniently cropped out of all shots. Women are obscuring their partner’s face when they post, as if they want to erase the fact they exist without actually not posting them.

Echt? Kenne ich so nicht. Ich könnte es mir bei Promis vorstellen, deren Partner eine gewisse Anonymität haben wollen (wobei das ja kaum möglich ist). Aber ansonsten habe ich das so noch nicht wahrgenommen.

Es macht ja eigentlich auch wenig Sinn seinen Partner zu verstecken aber doch zu sagen, dass man einen hat. Das lädt ja eher dazu ein zu spekulieren, dass man keinen GUTEN Partner bekommen hat, was wiederum den eigenen Wert senkt.

So, what gives? Are people embarrassed by their boyfriends now? Or is something more complicated going on? To me, it feels like the result of women wanting to straddle two worlds: one where they can receive the social benefits of having a partner, but also not appear so boyfriend-obsessed that they come across as quite culturally loser-ish. “They want the prize and celebration of partnership, but understand the norminess of it,” says Zoé Samudzi, writer and activist. In other words, in an era of widespread heterofatalism, women don’t want to be seen as being all about their man, but they also want the clout that comes with being partnered.

Ich bin anscheinend nicht in der derart trendigen Welt. Kennt jemand ein prominentes Beispiel? Wie gesagt, dass ein Partner einfach nicht will, dass er dort mit Gesicht auftaucht, weil das nicht seine Welt ist kann ich mir noch ganz gut vorstellen, auch das sie das akzeptiert. Aber ansonsten?

But it’s not all about image. When I did a callout on Instagram, plenty of women told me that they were, in fact, superstitious. Some feared the “evil eye,” a belief that their happy relationships would spark a jealousy so strong in other people that it could end the relationship. Others were concerned about their relationship ending, and then being stuck with the posts. “I was in a relationship for 12 years and never once posted him or talked about him online. We broke up recently, and I don’t think I will ever post a man,” says Nikki, 38. “Even though I am a romantic, I still feel like men will embarrass you even 12 years in, so claiming them feels so lame.”

Die ganze These scheint mir etwas schwach zu sein. Oder eben eine gute Provokation. Klar kann es blöd sein die Fotos seines Ex löschen zu müssen nach einer Beziehung (wobei: habe ich auch noch nie, aber auch nur, weil meine letzte Beziehung vor Südländerin eher noch vor der Sozial Media Zeit war).

Aber auch dann: Fotos nicht zu posten, weil man sie später vielleicht löschen muss, weil es eh nicht klappt ist auch eher ein Zeichen dafür, dass man ein schlechtes Bild von sich hat.

Eine feste Beziehung hat eben etwas bürgerliches, aber wenn man meint, dass es sich „republican“ anfühlt, dann ist man wahrscheinlich zu links (oder eben noch jung)
Das man etwas darüber frotzelt, dass man vergeben ist, dass gibt es ja schon seit wahrscheinlich ewig. Etwa im englischen der Ausdruck „The old ball and chain“ für die eigene Frau oder „Der Hausdrachen“ oder „Die Alte“ für die Frau im deutschen.
Das ist aber meist eher auf die Ehe bezogen. Entsprechende Lästereien gibt es aber natürlich auch über Beziehungen an sich. Was Leute nicht daran hindert zu hoffen, dass sie den Partner fürs Leben, die wahre Liebe, den Seelenverwandten oder den Kugelmenschen finden.

It’s not just in these women’s imaginations—audiences are icked out by seeing too much boyfriend content, myself included, it seems (as indicated by my liberal use of the mute button). When author and British Vogue contributor Stephanie Yeboah hard-launched her boyfriend on social media, she lost hundreds of followers. “Even if we were still together, I wouldn’t post them here. There is something cringey and embarrassing about constantly posting your partner these days,” she tells me, adding that, “there is part of me that would also feel guilty for sharing my partner constantly—especially when we know the dating landscape is really bad at the moment. I wouldn’t want to be boastful.”

Klar wollen viele wenn sie einem prominenten Folgen etwas von dem sehen und der Partner interessiert weniger. Das hat ja nichts damit zu tun, dass der Partner an sich peinlich ist, nur seine Auftritte in den Sozialen Medien sind eben peinlich.

Sophie Milner, a content creator, also experienced people unfollowing her when she shared a romantic relationship. “This summer, a boy took me to Sicily. I posted about it on my subscribers section, and people replied saying things like, ‘please don’t get a boyfriend!’” She admits that her content perhaps becomes less exciting when she is in a relationship. “Being single gives you this ultimate freedom to say and do what you want. It is absolutely not every woman, but I do notice that we can become more beige and watered-down online when in a relationship—myself included.”

Klar, in einer langen Beziehung zu sein hatte auch bei mir den Nachteil, dass ich keine lustigen Flirtgeschichten mehr erzählen konnte bzw. die die ich hatte aufgebraucht waren und Kinder führten noch dazu, dass wir auch sonst weniger mit Freunden weggehen können, die ihrerseits lustige Flirtgeschichten erleben, die ich dann hier berichten konnte. Wenn das vorher ihr Content war, dann werden Leute, die diesen Content wollen eher abspringen.
Andere mögen darauf keine Lust haben, weil sie das Glücklichsein anderer nicht ertragen und es sie zu sehr daran erinnert, dass sie selbst keinen Freund haben.

From my conversations, one thing is certain: the script is shifting. Being partnered doesn’t affirm your womanhood anymore; it is no longer considered an achievement, and, if anything, it’s become more of a flex to pronounce yourself single.
Da habe ich so meine Zweifel. Gerade für die normale Frau. Klar, es kann für mehr Aufmerksamkeit in den sozialen Medien sorgen, weil Männer ihre Aufmerksamkeit sicherlich eher auf Single Frauen als auf glücklich verliebte richten. Aber soziale Medien sind nicht alles. Im passenden Umfeld wird es eher peinlich sein, dass man immer die ist, die alleine kommt und nie wirklich eine Beziehung halten kann und Frauen lieben es über das Beziehungsunglück anderer oder die Schlampigkeit der Frau die immer nur Sex mit Männern hat zu reden. Aber das ist wahrscheinlich keine so positive Botschaft für einen Vogue Artikel.
As straight women, we’re confronting something that every other sexuality has had to contend with: a politicization of our identity. Heterosexuality has long been purposefully indefinable, so it is harder for those within it, and outside of it, to critique. However, as our traditional roles begin to crumble, maybe we’re being forced to reevaluate our blind allegiance to heterosexuality.
Auf jeden Fall! Natürlich muss das politisiert werden und dann ist die unabhängige starke Single-Frau, die sich nimmt, was sie will und keinen festen Partner braucht natürlich eine nette politische Vorstellung.
Aber: Die meisten Menschen wollen eine Partnerschaft. Sie wollen jemanden der sie liebt und den sie lieben können. Und Heterosexualität lässt sich auch nicht so leicht aufgeben, weil sie einen starken biologischen Kern hat.

Obviously, there’s no shame in falling in love. But there’s also no shame in trying and failing to find it—or not trying at all. And as long as we’re openly rethinking and criticizing heteronormativity, “having a boyfriend” will remain a somewhat fragile, or even contentious, concept within public life.

Das hätte man gerne. Aber natürlich ist „sie findet einfach keinen, der bei ihr bleibt“ ein beliebtes Lästerthema und auf Frauen, die keinen Mann binden können, herabzusehen oder sie abzuwerten (gerade wenn sie sexuell zu offen sind) ist nicht gerade unbeliebt.

Zumal man über Dating zwar eine gewisse Aufmerksamkeit bekommt es aber auch für Frauen sehr frustrierend sein wird, wenn es dort nur um Sex geht und sie fallengelassen werden, wenn man den hatte.

This is also happening alongside a wave of women reclaiming and romanticizing their single life. Where being single was once a cautionary tale (you’ll end up a “spinster” with loads of cats), it is now becoming a desirable and coveted status—another nail in the coffin of a centuries-old heterosexual fairytale that never really benefited women to begin with.

Als provozierende Botschaft nicht schlecht und wenn sie das erreichen wollte: Hut ab! Es hat anscheinend geklappt, es wird darüber diskutiert. Und sicherlich werden ihr auch genug Frauen zustimmen und es hat etwas modernes.