Eine neue Schaukel am Spielplatz, zwei Kinder können schaukeln, an beiden Schaukelplätzen hängen interessante Sitze, fast wie eine Sitzschale, man liegt so halb darin. Schmidt Junior möchte sie ausprobieren, aber leider viele andere auch und wir stellen uns in die Schlange.
Vor uns sind ein Paar mit ihren 2 Kindern. Die Frau redet durchgehend:
„Und dein Bruder sollte wirklich mit uns in den Urlaub fahren, ich weiß gar nicht was er will, es würde ihm gut tun und seinen Kindern erst recht. Die Marie, da haben sie wirklich etwas bei der Erziehung falsch gemacht, die kann ja gar keine Beziehung zu anderen aufbauen. Der würde es richtig gut tun mit unseren beiden zu spielen. Aber mitunter denke ich, er ist einfach zu bequem oder vielleicht einfach zu eigen. Manche Menschen wollen ja gar nicht glücklich sein, die richten sich so ein in ihrem Unglück. Und was ist eigentlich mit deinem Freund Paul, hab ihm ja gesagt, dass das nichts wird mit der neuen Freundin, das hat man schon an ihrer Haltung gesehen, wie sie da immer stand, so leicht vorgeneigt, als müsste sie sich verteidigen. So was strahlt ja was aus, das merkt man sofort, oder?
Er reagiert nicht wirklich. Muss er auch nicht. Es fehlen die Lücken dazu. Er geht mit den Kindern einen Schritt vor. Rückt ihre Mütze etwas zurecht. Das kleinere Kind zieht an seiner Jacke.
„Papa, wann sind wir dran?“
„Ja gleich, Schatz“, sagt er leise.
„Ja, gleich“, wiederholt sie, „aber ihr müsst auch lernen, Geduld zu haben. Das fehlt heute vielen. Geduld, Disziplin, Dankbarkeit – das sind so Grundwerte, weißt du? Ich sag’s ja immer: Wenn man die nicht hat, dann wird das nichts im Leben. Guck dir doch den Sebastian an – der war in der Schule schon so… nachlässig. Und jetzt? Job verloren, Freundin weg. Kein Wunder. Wer sich nie Mühe gibt…“
Langsam schieben wir uns immer weiter an die Schaukel heran. Dann sind deren Kinder dran. Sie setzen sie in die zwei Schaukeln, eine schubst der Mann ein, eine die Frau. Dabei bringt sie weiter ihren Mann auf den neusten Stand:
Die Nachbarn, die haben jetzt tatsächlich wieder einen Hund. Nach dem letzten! Ich mein, man kann doch aus Fehlern lernen, oder? Ich sag’s dir, manche Leute haben einfach kein Verantwortungsgefühl. Ich wünschte ja, die Stadt würde das strenger handhaben. Ach, und gestern, stell dir vor, die Mutter von der Kita hat tatsächlich gesagt, sie findet das neue Konzept zu offen. Zu offen! Ich mein, das ist ja das Ziel, dass die Kinder frei werden, oder nicht? Aber nein, sie will wieder mehr Struktur. Struktur! Manche Eltern wollen doch einfach kleine Soldaten großziehen….“
Dann klingelt ihr Telefon. Sie entschuldigt sich kurz, geht etwas abseits. Im Weggehen hört man
„… Ja, das geht ja so wirklich nicht. Da müssen wir etwas machen, sonst klappt das ja gar nicht…“
Bis der Wind und die Entfernung die Worte verschlucken.
Der Mann steht an der Schaukel und schupst beide Kinder an. Man hört nur das Knarren der Kette und ein paar freudige Geräusche der Kinder.
Sonst ist es ruhig.
Er lächelt.