Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat eine Entscheidung für Transfrauen/Intersexuelle, genauer Caster Semenya, die innenliegende Hoden hat, im Hochleistungssport verkündet.
Zur Erinnerung aus einem anderen Artikel:
Denn schon im September 2009 hatte die australische Zeitung Daily Telegraph berichtet, dass die Untersuchungen ergeben hätten, Caster Semenya sei ein Zwitter. Sie habe innenliegende Hoden statt Eierstöcke, keine Gebärmutter sowie einen dreifach erhöhten Testosteron-Wert.
Und aus der Wikipedia:
Semenya is an intersex woman, with 5α-Reductase 2 deficiency, assigned female at birth, with XY chromosomes and natural heterogametic testosterone level.
Das ist so direkt aus der Wikipedia aber auch ein wunderbarer Beleg dafür, wie man mit Sprache beeinflusst. Ich vermute, dass es so formuliert ist, weil man davon ausgeht, dass die wenigsten wissen, was „heterogametic“ (nämlich, dass man verschiedene Gameten hat, also nicht XX (=gleich= Frau) sondern XY (=verschieden, von Mann und Frau= männlich). Man lässt also das unbekannte Wort weg und liest nur, dass sie einen „Natürlichen testosterone Spiegel“ hat. Tatsächlich bedeutet es aber, dass sie einen natürlichen Testosteronspiegel für einen Mann und nicht für eine Frau hat. Ich komme etwas vom Thema ab, aber ich finde es einen genialen Täuschungsversuch.
World Athletics hatte im November 2018 in bestimmten Disziplinen für die Teilnahme-Berechtigung in der Frauenklasse einen Testosteron-Grenzwert eingeführt. Dagegen hatte die dreimalige Weltmeisterin 2019 vergeblich beim Cas und 2020 beim Schweizer Bundesgericht geklagt.
Semenya hatte öffentlich gemacht, einen hohen natürlichen Testosteronspiegel zu haben, lehnte es aber ab, sich den neuen Regeln zu unterwerfen. Sie wollte sich keiner Behandlung unterziehen, um ihren natürlichen Hormonspiegel unter einen bestimmten Schwellenwert zu senken und so die 800 Meter laufen zu können. Der Weltverband hingegen stellte fest, dass der hohe Testosteronspiegel einen unfairen sportlichen Vorteil verschafft und verbot Transgender-Frauen den Start in bestimmten Disziplinen.
Für sie stehe viel auf dem Spiel, da die Regeln ihre Karriere unterbrochen hätten und ihren Beruf beeinträchtigten, so die Läuferin. Die Diskussion um Semenya hatte bei der WM 2009 in Berlin begonnen, wo sie als Teenagerin ihre große Karriere begann.
EGMR: Semenya wurde diskriminiert
Der EGMR stellte mehrere Verstöße gegen die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) fest, vor allem gegen das Recht auf wirksame Beschwerde aus Art. 13 EMRK, das Diskriminierungsverbot aus Art. 14 EMRK sowie das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens aus Art. 8 EMRK. Semenya wurde in dem Urteil bestätigt, diskriminiert worden zu sein. Der Gerichtshof befand zudem, dass ihr zweiter Rechtsbehelf gegen die Regeln vor dem obersten Schweizer Gericht zu einer „gründlichen institutionellen und verfahrenstechnischen Überprüfung“ der Regeln hätte führen müssen.
Die Richter befanden nun, dass Semenya bei den Gerichtsverfahren in der Schweiz so ein wirksamer Rechtsbehelf verweigert wurde. Sie habe glaubwürdig dargelegt, warum sie wegen ihres erhöhten Testosteronspiegels diskriminiert werde. Für solche Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts und sexueller Merkmale brauche es „sehr gewichtige Gründe“ als Rechtfertigung. Weil für Semenya so viel auf dem Spiel stand, hätte ihr Anliegen besser geprüft werden müssen, befanden die Richter.
„Besser prüfen müssen“ bedeutet ja erst einmal nicht, dass sie dann nicht wieder zum gleichen Ergebnis kommen. Denn natürlich gibt es gewichtige Gründe sie nicht zuzulassen, die man darlegen kann.
Da kein Eiltempo nach der möglichen Anrufung der nächsten Instanz zu erwarten ist, dürfte für die 800-Meter-Olympiasiegerin von 2012 (London) und 2016 (Rio de Janeiro) ein Start bei den Paris-Spielen eher schwierig zu erreichen sein.
„In der Zwischenzeit bleiben die DSD-Bestimmungen, die vom Exekutivkomitee von World Athletics im März 2023 genehmigt wurden, in Kraft“, hieß es in einer Stellungnahme. Die im März verschärften Transgender-Regeln seien „weiter ein notwendiges, angemessenes und verhältnismäßiges Mittel zum Schutz des fairen Wettbewerbs in der Frauenkategorie“.
Der Frauensport ist halt schlicht tot, wenn keine vernünftige Abgrenzung zu biologischen Sonderfällen möglich ist.
Beantragt die Schweiz die Verweisung an die Große Kammer?
Angesichts der „stark abweichenden Meinungen in der Entscheidung“ der Richter will World Athletics die Schweizer Regierung ermutigen, die Verweisung der Sache an die Große Kammer des Menschenrechtsgerichts zu beantragen, damit „eine endgültige Entscheidung“ getroffen werden könne. Das ist nach Art. 43 Abs. 1 EMRK innerhalb von drei Monaten nach dem Urteil in Ausnahmefällen für jede Partei möglich. Nach Abs. 2 nimmt ein Ausschuss von fünf Richtern der Großen Kammer den Antrag an, wenn die eRechtssache eine schwerwiegende Frage der Auslegung oder Anwendung der Konvention oder eine schwerwiegende Frage von allgemeiner Bedeutung aufwirft.
Die weltweite Debatte um Transmenschen geht über die Leichtathletik hinaus. Auch im Schwimmen, Rugby oder Radsport gibt es Regelungen zu ihrem Ausschluss von internationalen Frauen-Wettbewerben im Sport. Wie heterogen die Meinungen bei dem Thema sind, spiegelt sich auch in dem Urteil der sieben Richter im Fall Semenya wider, die mit nur 4:3-Stimmen zu ihren Gunsten entschieden.
Das sollte die Schweiz dringend machen, denn der Fall hat eindeutig eine höhere Bedeutung. Es geht um die Zukunft des Frauensports. Dort werden dann halt Personen, die keine testosteronbezogenen Besonderheiten haben, im Nachtreffen sein im vielen Bereichen und schlicht keine Preise mehr gewinnen können.
Interessant fand ich, dass in dem Bereich auch noch einige Bilder und Videos zu Caster Semenya in die Öffentlichkeit kamen.
Zum einen dieses Video:
Wenn man sich das Video erst einmal nur anhört würden denke ich die meisten die Stimme für männlich halten. Und auch nur mit Bild würden vermutlich die meisten auf männlich tippen, wenn sie ansonst keine Ahnung haben, wer das ist.
Daneben gibt es Bilder von der Hochzeit:
Und Weihnachten
Und einem Urlaub
Jeweils von Caster und der Ehefrau. Mit der Caster Kinder hat. Die, wenn ich es richtig verstanden habe, durch künstliche Befruchtung mit Casters Sperma entstanden sind.
Es gibt in Casters gesamten Instagramprofil kein Bild, auf welchem man denkt, dass das eine Frau wäre oder man wenigstens das Gefühl hat, dass Caster den Versucht unternimmt als Frau wahrgenommen zu werden.
Es ist alles sehr bizarr.



