Papa ist dann mal weg
Eine Studie zeigt, dass die meisten Mütter Teilzeit arbeiten, weil sich junge Väter auf den Job konzentrieren. Wer weniger Teilzeitarbeit fordert, muss Männer überzeugen.
Man könnte natürlich auch argumentieren, dass die meisten Väter Vollzeit arbeiten müssen, weil die meisten Mütter eine gewisse Zeit aussetzen wollen und dann Teilzeit arbeiten wollen und das leben eben finanziert werden muss. Kommt aber als Idee gar nicht vor.
Und dann geht es so weiter:
Und dann geht es so weiter:
Ob man in Deutschland Teilzeit oder Vollzeit arbeitet, entscheidet sich nicht daran, welchem Lebensstil man frönt. Viel wichtiger ist die Frage, ob man Kinder hat – und ob man Mann oder Frau ist. Denn für Frauen ändert sich, wenn sie Mutter werden, einiges. Sie kümmern sich um die Familie. Männer kümmern sich hingegen weiterhin um ihren Job.Die Zahlen belegen das deutlich. Fragt man Mütter nach ihrer Wunscharbeitszeit, liegt sie fast drei Wochenstunden unter der gewünschten Arbeitszeit von kinderlosen Frauen. Die Tatsache, dass sie sich um Kinder kümmern müssen, spielt eine große Rolle in der Planung ihrer Erwerbsarbeit. Unter den befragten Männern ist das anders: In ihren Vorstellungen von der idealen Arbeitszeit spielt es keine Rolle, ob sie Kinder haben oder nicht.
Für Männer ist die Geburt eines Kindes eher ein Grund, die Arbeitszeit zu erhöhen. Statistiken von 2022 zeigen: Männer mit Kindern arbeiten im Schnitt 36:03 Stunden. Solche ohne Kinder verbringen nur etwas mehr als eine Stunde weniger (34:56) im Job. Ganz anders die Frauen: Sie reduzieren ihre Erwerbsarbeit deutlich von 31:18 Stunden auf 23:39 Stunden.Wenn Väter reduziert arbeiten, dann seltener, um Erziehungsaufgaben zu übernehmen. Weniger als die Hälfte (45 Prozent) von in Teilzeit arbeitenden Vätern gibt als Grund den Wunsch an, mehr für ihr Kind da sein zu wollen. Unter den Müttern sind es hingegen 74 Prozent. Männer sagen, dass sie einfach keine volle Stelle gefunden haben (13 Prozent).Zum allergrößten Teil arbeiten Väter jedoch ohnehin Vollzeit. Männer zwischen dem 31. und 60. Lebensjahr haben durchgängig zu 90 Prozent Vollzeitjobs. Insbesondere in der mittleren Lebensphase, wenn Kinder zu versorgen sind (zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr), ist ein besonders hoher Anteil der Männer vollzeiterwerbstätig – während Frauen im gleichen Alter besonders hohe Anteile an Teilzeiterwerbstätigen aufweisen (40 Prozent und mehr).Wenn Politiker also fordern, dass in Deutschland weniger Teilzeit gearbeitet werden solle, dann können damit nur Mütter gemeint sein. Sie arbeiten laut WSI pro Woche gut elf Stunden weniger als Väter.Der „Lifestyle“ jener Frauen zeichnet sich allerdings vor allem dadurch aus, unbezahlt zu arbeiten. Im Durchschnitt arbeiten sowohl Mütter als auch Väter 60 Stunden pro Woche. Der Unterschied: Mütter verbringen 60 Prozent davon mit unbezahlter Haus- und Sorgearbeit. Väter zu 60 Prozent mit bezahlter Erwerbstätigkeit. Nur zum Vergleich: Ohne Kinder fallen die Gesamtarbeitszeiten von Frauen und Männern mit 51 beziehungsweise 52 Stunden pro Woche nahezu gleich aus. Es ist laut den Zahlen des WSI also nicht so, dass Menschen (meist Frauen), die in Teilzeit arbeiten, weniger Arbeit leisten als die Vollzeitarbeiter (meist ihre Männer). Sie leisten nur mehr von der Arbeit, die nicht entlohnt wird.Der Mechanismus, dass Männer, die Väter werden, die Arbeitszeit eher erhöhen (um Geld für die neu gegründete Familie zu verdienen), während Frauen, die Mütter werden, ihre Arbeitszeit verringern (um für die Kinder zu sorgen), sorgt dafür, dass Männer auch eher Karriere machen. Ihre Arbeitszeit wird zudem höher vergütet als jene der in Teilzeit arbeitenden Mütter. In Deutschland verdienen Frauen im Durchschnitt 4,10 Euro brutto weniger pro Stunde als Männer. Das sind 16 Prozent. Übrigens deutlich mehr als der EU-Durchschnitt, der bei zwölf Prozent liegt.Dies erhöht die finanzielle Abhängigkeit der Frauen. Nur knapp die Hälfte aller abhängig beschäftigten Frauen kann für sich selbst langfristig ihre eigene Existenz sichern. Noch weniger Frauen können das, wenn sie mit ihrem Einkommen auch noch ein Kind absichern wollen. Das gelingt gerade noch einem Drittel. Die Teilzeit, die Frauen wegen ihrer familiären Situation wählen, ist also ein großer Risikofaktor für Kinderarmut, falls die Beziehung scheitert. Selbst wenn Frauen anschließend Vollzeit arbeiten, gelingt es ihnen oft nicht mehr, die Nachteile auszugleichen.(…)
Das Fazit daraus:
Wer möchte, dass Menschen mehr Stunden arbeiten, muss auch die gesellschaftlichen Umstände schaffen, die eine echte Wahlfreiheit des Familienmodells ermöglichen. All das wird von Expertinnen und Experten schon lange gefordert und von Politik und Wirtschaft mit einer Zähleibigkeit umgesetzt, dass Eltern von heute allenfalls darauf hoffen können, dass die Versorgung ihrer Enkel einmal besser sein wird.Deshalb sollten Paare nicht auf die Politik warten. Jeder und jede sollte das Familienbild hinterfragen, das man im Kopf hat und das Denken nach wie vor beherrscht: Vater sorgt fürs Brot, Mutter kümmert sich ums Kind. Dabei sind Lebensmodelle, in denen beide Elternteile in vergleichbarer Weise zum finanziellen Auskommen und zur Versorgung der Kinder beitragen, in vielerlei Hinsicht nachhaltiger. Zum einen, weil der Vater nicht den ganzen Tag im Job unterwegs ist und mehr zur Sorge beitragen kann. Zum anderen liegt nicht der Großteil der finanziellen Verantwortung für die Familie auf seinen Schultern. Beide Partner sind fähig, im Falle von wirtschaftlichen Schwierigkeiten auszugleichen.Den ersten Schritt kann jeder junge Vater selbst tun. Nämlich, indem er nach der Geburt seines Kindes nicht dafür sorgt, im Job „unentbehrlich“ zu werden, sondern dort mehr Zeit zu verbringen, wo er wirklich unentbehrlich ist: bei seinem Kind.
Ich finde es ja erstaunlich, dass der ganze Artikel so geschrieben ist, dass er Männern eine Veranwortung zuweist. Obwohl die Frauen ja auch deutlich machen, dass sie weniger arbeiten wollen.
Dann werden die negativen Folgen davon nur für Frauen dargestellt als wäre da kein Risiko vorhanden. Und nur diese müssen umdenken.
Klar, Sie sagt, dass jeder und jede sein Denken umstellen muss.
Aber bei den Frauen klingt es so als müssten die sich eher aus der Unterdrückung befreien.
Hier einmal ein paar Risiken der Männer:
- Bei einer Scheidung wird der Versorgungsausgleich durchgeführt und jeder erhält die Hälfte der in der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften.
Wenn sie nur wenig gearbeitet hat, dann wird sie mehr von ihm abbekommen - Wenn sie die Kinder betreut hat, dann werden die Kinder nach einer Trennung auch eher bei ihr bleiben. Er wird dann ggfs hohe Unterhaltsforderungen haben. Diese tragen auch dazu bei, dass sie weniger arbeiten muss und weniger in die Rente einzahlt. Das führen Feministinnen üblicherweise seltener an
Und natürlich kommt die Idee, dass Männer eher ihren Job nach dem Gehalt aussuchen, bei Frauen dies in die Partnerwahl einfließt und Frauen häufig ihren Job danach aussuchen, dass er kompatibel mit einem Aussetzen bei der Kinderbetreuung und Teilzeit ist auch nicht vor. Ich kenne viele Frauen, die aus stressigeren Jobs in Behördenjobs gewechselt sind und die mit sehr wenigen Stunden Teilzeit dabei sind. Homeoffice hat das etwas verbessert, weil man es leichter mit der Kinderbetreuung vereinbaren kann.
