Anwältin Asha Hedayati über Gewalt gegen Frauen – Jung & Naiv: Folge 671

„Das (steuerliche) Geschlechtergefälle bei elterlichen Übertragungen: Beweise aus administrativen Erbschafts- und Schenkungssteuerdaten“

Eine interessante Studie macht einen Gender Gap bei Erbschaften bzw bei der Erbschaftssteuer aus:

This study examines how inheritance and gift tax systems in combination with gendered parental transfer behavior strengthen gender wealth inequalities. Gender differences in transfers can be reproduced if men benefit differently than women from tax exemptions. This might happen when men and women receive different types of assets where only some are taxexempted. To investigate gendered parental transfer behavior and gender differences in tax rates, we draw on German administrative inheritance and gift tax data. Women were less likely than men to receive tax-relevant parental transfers, the value of the transfers were lower, and women and men differed in the asset types they received. Moreover, we identify a gender tax gap of 2% for inheritances and 22% for gifts. Our analyses suggest that men benefit more from tax exemptions on business assets. This study adds the tax system as yet another factor implicated in the reproduction of gender wealth inequalities.

Quelle: The Gender (Tax) Gap in Parental Transfers. Evidence from administrative inheritance and gift tax

Das klingt als würden Frauen generell weniger erben und dazu noch deutlich mehr Steuern zahlen auf dieses Erbe: Selbst beim Erben geht es also nicht gerecht zu!

Zunächst ist interessant, welche Erbschaften überhaupt überprüft worden sind:

Something to consider is that these administrative data do not inform about the absolute number and volume of transfers because only those transfers are assessed, which the tax authorities expect to be tax-relevant. Transfers below the tax allowances are checked by the tax authorities but not necessarily assessed. Combining a national representative survey (SOEP) and the administrative data, Bach et al. (2014) estimate that the administrative data cover 31% of all transfers accounting for 73% of the total transferred wealth in 2010. This highlights the skewed distribution of transfers. Because we are interested in gender differences in taxes on intergenerational transfers and tax exemptions vary by the relationship status between donor and receiver, we restrict our sample to parental transfers. Between 2007 and 2020, the tax authorities filed 513,130 cases of transfers from parents to their children. Due to some missing values on the value of actual assessed taxes, our sample decreases to 511,034 parental transfers. From those, 271,087 were gifts and 239,947 were inheritances

Es wurden also nur Erbschaften bewertet, die daraufhin beurteilt wurden, ob sie über den Freibeträgen liegen.

Und es wurden nur Erbschaften von Eltern berücksichtigt, also nicht Erbschaften an Frauen allgemein. Ehefrauen, die üblicherweise jünger sind als die Männer und länger leben und damit auch weitaus eher Erben bleiben also außen vor.

„Erbschaften, die über den Freibeträgen liegen“ lässt auch die allermeisten Erbschaften außen vor. Denn Kinder haben gegenüber ihren Eltern jeweils einen Freibetrag von 400.000 Euro.

Wir reden demnach über Schenkungen und Erbschaften über diesen Beträgen, bei beiden Eltern also sogar 800.000 €

Es wurde dann festgestellt, dass Männer eher Sachen erben die einer günstigeren Besteuerung unterliegen, etwas Gesellschaften oder Wälder.

Hier aus der Studie:

Erbschaften Männer Frauen

In den Bereichen der sehr Wohlhabenden erhalten also die Männer eher Geschäftsanteile übertragen, auch eher „Financial Wealth“ und „Forrest/Land“, Frauen, bei den Erbschaften gibt es auch einen Unterschied aber einen kleineren.

Das erinnert mich immer an eine Fallkonstellation, die ich schon häufiger erlebt habe:

Der Sohn arbeitet irgendwann in der Gesellschaft des Vaters mit. Er hat das passende studiert, er hat früh angefangen, er wurde langsam dazu aufgebaut, den Betrieb irgendwann zu übernehmen. Natürlich hat er auch dementsprechend Arbeit und Schweiß hineingesteckt, schon Geschäftsführertätigkeiten ausgeübt ohne dafür bezahlt zu werden, Überstunden gemacht, sprich: Das gemacht was man so macht, wenn man den Laden mal übernehmen will.

Die Tochter hat Lehramt studiert und arbeitet Teilzeit, weil sie Kinder bekommen hat.

Im Rahmen dieser Arbeit bekommt der Sohn dann, wenn er es richtig macht, eben schon Geschäftsanteile übertragen. Er hat sie sich eben auch erarbeitet. Schenkungssteuer ist evtl trotzdem fällig, weil seine Arbeit ja nicht erfassbar ist. Er will natürlich auch was zu Lebzeiten haben, denn er muss ja wissen, dass er tatsächlich eine Zukunft in dem Unternehmen hat und evtl generiert er ohnehin schon einen Teil der entsprechenden Einkünfte.

Je nach Unternehmen bekommt die Tochter beim Tod der Eltern auch entsprechend Unternehmensanteile, sie kassiert die Dividende und hat aber sonst mit dem Unternehmen nicht wirklich etwas zu tun.

Beim Land und Wald würde ich vermuten, dass der Sohn vielleicht eher auch Jäger war oder etwas in der Art (wozu hat man sonst Wälder?) oder eher interessiert ist die entsprechenden Flächen zu bewirtschaften, während die Tochter daran nicht unbedingt so interessiert ist.

Wäre interessant, ob die Eltern vorher eher beispielsweise ein Firmengelände übertragen und dadurch gewisse Verschiebungen entstehen.

Der Tax Gape scheint sich aber auch ziemlich aufzulösen:

We now turn to the interpretation of Table 5, depicting the regression results predicting the effective inheritance tax. The gender gap in the effective tax rate at the mean amounts to 0.08 percentage points, controlling for the percentile rank of the transfer. In other words, women’s average effective inheritance tax rate is 0.08 percentage points higher than men’s. Although statistically significant, this gap is comparatively small (the gender gift tax gap was 0.55 percentage points). Once we adjusted for the other variables, the gap decreased to 0.07 but stayed statistically significant

Frauen werden also etwas höher besteuert, aber eben minimal, was das Erbe angeht.

Man muss bedenken, das Schenkungen wesentlich besser zu steuern sind als Erbschaften, weil man ja alle 10 Jahre die jeweiligen Freibeträge nutzen kann. Man kann zudem Ausgleiche vornehmen, die hier in der Studie gar nicht auftauchen würden:

Würde man etwas den Kindern alle 10 jahre 350.000 Euro von beiden Elternteilen schenken, dann würde das insofern wenn ich es richtig verstehe bei den Schenkungen in der Studie nicht auffallen.
Würde man den Kindern früh Häuser übertragen, die mit Nießbrauchrechten belastet sind, dann würde ebenso das in vielen Fällen nicht steuerlich relevant sein, weil der Nießbrauch dazu führt, dass der Wert der Schenkung gering ist.

Bei der Beteiligung an einer Familiengrundstücks KG könnten zudem noch weitere Werte übertragen werden, ohne das diese in den Berechnungen auftauchen würden.

Sprich: Die Datenlage ist äußerst dünn und umfasst eventuelle Ausgleichpositionen gar nicht.