„Girl Math“

Ein sozialer Trend ist wohl die „Mädchen-Mathematik“ oder Girl Math:

„Girl Math“ ist der neueste Trend der Generation Z. Damit werden hohe Ausgaben schöngerechnet. Eltern reagieren fassungslos darauf.

Wer einkauft und für ein Produkt zahlt, hat Geld ausgegeben – und somit weniger auf dem Bankkonto. Sollte man zumindest meinen. Anders sieht es bei der Gen Z aus, die momentan eine andere Methode zur Berechnung der Finanzen feiert: Sie nennt sich „Girl Math“, also „Mädchen-Mathe“. In den sozialen Netzwerken finden sich zahlreiche Videos, in denen junge Menschen ihren Eltern mit dieser Methode ihren Umgang mit Geld schönrechnen – meist mit einem Augenzwinkern. Einige Experten sehen aber auch ein Problem in dem Trend.

Wie „Girl Math“ funktioniert, fasst die 25-jährige US-Amerikanerin McKenna auf Instagram sehr gut zusammen: „Alles unter fünf Euro ist umsonst. Alles, was ich mit einem Geschenkgutschein kaufe, ist umsonst. Wenn ich etwas kaufe, aber dann zurückgebe, habe ich Geld verdient. Zu einem Event oder einem Konzert zu gehen, ist umsonst, weil ich die Tickets vor so langer Zeit gekauft habe, dass es gar nicht mehr zählt.“

Bei „Girl Math“ handelt sich also um eine verdrehte Logik, mit der man unnötige Ausgaben vor sich selbst rechtfertigt. „Wir können die Dinge in unserem Kopf rechtfertigen, wie wir wollen – wir können unsere eigenen Regeln aufstellen“, bestätigt auch die TikTokerin Samantha Jane aus Toronto gegenüber dem Online-Portal Buzzfeed. Es würde die Scham verringern, wenn man Geld für etwas ausgibt und man könne sich öfter unbeschwert etwas gönnen. Den Rock habe ich zurückgeschickt, also habe ich doch frisches Geld auf dem Konto, das ich verprassen kann? Meine Karte ist mit Guthaben aufgeladen? Also ist alles, was ich damit bezahle kostenlos, weil das am Kontostand selbst nichts ändert. Nach diesem Schema sind zahlreiche Thesen aufgebaut, die auf TikTok unter dem Hashtag „Girl Math“ kursieren. Hier einige weitere Beispiele:

„Wenn ich etwas in bar bezahle, ist es umsonst.“
„Wenn ich zwei Sachen kaufe, die um 50 Prozent reduziert sind, dann gleicht sich beides aus. Beide sind dann umsonst.“
„Wenn ich mit Freunden Essen bestelle und für alle bezahle und anschließend jeder seinen Anteil an mich zurücküberweist, mache ich Profit.“

Ich habe tatsächlich ein Video dazu gesehen ohne dieses Meme zu kennen und dachte, dass es so unglaublich dumm klingt, dass man es nicht als Überlegungen von einem Selbst ins Netz stellen sollte. Aber gut, als Influencer ist man ja auch immer auf der Sucher nach Content und einen Zug auf den man aufspringen kann.

Natürlich gibt es „Rationalisierungen“ aller Art bei beiden Geschlechter, gerade auch beim Geldausgeben. Die hier sind aber teilweise so dumm, dass es entweder Schocken mit dieser Dummheit sein muss oder aber – da ist es wieder – ein gewisses „Costly Signal“:

Ich kann so bizarre Logik haben und komme dennoch gut durch Leben und gönne mir etwas.

Es würde insofern einen Wunsch nach einem sorgenfreien Leben in einer gewissen Scheinrealität entsprechen, ein sehr gefühlsbetonter Ansatz, der glaube ich insofern bei Männern eher nicht ankommen würde.