Eine Bericht über einen neuen Spielplatz:
Frau Tilkes Angst vor den Minimachos: Mädchen spielen offenbar nicht im Feuerwehrauto
Worum ging es eigentlich? Die Stadt möchte den Spielplatz am Mühlpointweg modernisieren. Dort sollen eine Röhrenrutsche, eine Doppelschaukel und ein Spielgerät in Feuerwehr-Optik installiert werden. Das Mini-Feuerwehrauto bekämpfte CSU-Rätin Tilke vehement. Es gebe schließlich Kinder, die mit der Feuerwehr so gar nichts anfangen könnten – Mädchen zum Beispiel. „Die bringe ich ja noch nichtmal dazu, sich die echten, ausgestellten Feuerwehrautos anzuschauen.“Feuerwehr Weidach in der Nachbarschaft – Feuerwehrauto auf Spielplatz erhitzt die Gemüter
Tilke habe dahingehend Erfahrungen gemacht – und sie wisse nicht, wer aus dem Bauausschuss auch von einem eigenen Erfahrungsschatz sprechen könne. Tilkes Befürchtung: „Das wird ein reiner Macho-Spielplatz.“ Schließlich kämen vermutlich nur Jungs, um dort zu spielen. „Die Mädchen brauchen auch einen Rückzugsort, die gibt’s doch auch überall sonst.“ Das sei ein Aspekt, den niemand bedacht habe, oder? Wie genau das für Mädchen adäquate Spielzeug aussehen könnte und warum ein Feuerwehrauto zum Spielen lediglich Machos anziehen würde, erklärte sie nicht.
„Gott sei Dank“ sind Frauen schon lange in der Feuerwehr, sagt der Bürgermeister
Bürgermeister Klaus Heilinglechner, er war neun Jahre lang Vorsitzender der Feuerwehr in Weidach und jahrzehntelang aktives Mitglied, erklärte, dass es wirklich nicht ungewöhnlich sei, dass Frauen bei der Feuerwehr mitmachen. „Gott sei Dank ist das auch schon sehr, sehr lange so. Sonst kämen wir mit der Einsatzbereitschaft nicht hinterher.“ Tilke ließ sich nicht abbringen. „Ich kann im Sinne der Gleichberechtigung nicht zustimmen. Das wird ein reiner Jungenspielplatz.“ Schlussendlich stimmte der Ausschuss einstimmig zu – inklusive Tilke.
Natürlich sollte man auch die Äußerung einer Person nicht überbewerten. Aber es passt natürlich auch gut in „feministische Stadtplanung“ etc nach der dann eben insbesondere die Interessen der Mädchen berücksichtigt werden sollen.
Der Einwurf, dass ein Feuerwehrauto zu sehr auf Jungs ausgerichtet ist ist insofern interessant, weil die Feuerwehr ja erst einmal etwas neutrales ist. Und wenn man Mädchen für diese begeistern will, dann wäre es ja noch eher interessant, dass sie früh damit in Berührung kommen.
Natürlich könnten die Kinder auch gleich wieder verschreckt werden, wenn sie merken, dass da die Jungs die Feuerwehr belagern. Und sie hätten dann selbst kein „mädchenspezifisches Spielzeug“.
Es bliebe also nichts anderes als statt dem Feuerwehrauto ein Feuerwehr-Einhorn dahin zu bauen, dass ist doch nicht zu viel verlangt.
Wahlweise wäre eine Feuerwehr-Prinzessin akzeptabel.
Natürlich hätte man dann auch gleich wieder mit allen Klischees gearbeitet und insofern auch die Gleichberechtigung verraten.
Feminismus ist nicht einfach.
