Selbermach Samstag

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

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Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Beatrice Frasl: „Das Patriarchat macht krank“

Die Feministin Beatrice Frasl hat ein Buch über das Patriarchat geschrieben zu dem es einen Artikel in der Emma gibt (was nahelegt, dass sie keine intersektionale Feministin ist, sondern eher eine „Klassischere“ Feministin)

Ich habe nicht Rücken, ich habe auch nicht Kopf, ich habe nicht mal Knie. Ich habe Patriarchat. Diese Selbstdiagnose könnte sich wohl so ziemlich jede Frau stellen.

Wohl zumindest die meisten feministischen Frauen. Wobei das nicht bedeutet, dass die Diagnose richtig ist.

Wie ein Tumor strahlt das Patriarchat in alle Bereiche des täglichen Lebens von Frauen. Es verweigert ihnen alles, was mit Macht, Prestige und Reichtum zu tun hat. Es sorgt dafür, dass sie weniger Geld verdienen, dass ihre Arbeit keine Anerkennung findet, dass sie sich Schönheitsnormen unterwerfen und mit ihrem Körper unzufrieden sind, und dass sie aus der Geschichte ausradiert werden. Und es gibt ihnen zeitlebens das allgegenwärtige Gefühl, immer ein bisschen weniger wert zu sein als ein Mann.

Das ist ja das klassische feministische Märchen: Alle Unterschiede beruhen lediglich auf dem nebulösen Patriarchat, welches irgendwie alle Bereich durchsetzt hat und Frauen unterdrückt. Das Frauen etwas anderes machen müssten, etwa andere Berufe wählen, mehr Überstunden machen, sich Partner mit geringeren Einkommen suchen oder einfach akzeptieren, dass nicht jeder schön sein kann, bzw das Männer selbst auch einen erheblichen Druck aufgrund intrasexueller Konkurrenz und intersexueller Selektion erleben, die man genau so gut als Matriarchat bezeichnen könnte, kommt da gedanklich nicht vor.

Das Wissen darum frisst sich durch ihren Körper, nagt an ihrer Würde, ihrem Stolz und an ihrer Psyche. Es ist gefährlich, eine Frau zu sein. Flankierend dazu hat das Patriarchat eine Kultur des Wegschauens installiert. Das erhält ohne große Anstrengung die Macht.

Die Frau ist ausschließlich das passive Opfer – und dabei erstaunlich gebrochen. Das ist dann in gewisser Weise das Gegenstück zur starken unabhängigen Frau. Und gleichzeitig dann wahrscheinlich auch die „Entschuldigung“ dafür, dass die Frau nicht mehr macht: Wer starke Frauen will, der muss eben das Patriarchat beseitigen. Und man kann auch nicht, zb als Arbeitgeber, einwenden, dass Frauen schwächer sind, weil sie eben Opfer des Patriarchats sind.

Aber was wäre, wenn frau das Patriarchat nicht als gottgegebene Gewaltenteilung in der Welt hinnehmen, sondern als eine durch Männer entstandene Krankheit erkennen würde?

Männer quasi also der Virus bzw der Krankheitserreger oder zumindest Verursacher. Das würde natürlich gleich nach „Gottgegebene Gewaltenteilung“ die beste Lösung sein.

Diese Frage stellt die Österreicherin Beatrice Frasl in ihrem Buch „Patriarchale Belastungsstörung“. Die Kulturwissenschaftlerin plädiert dafür, Gesundheit genau wie Kapital, Raum oder Zeit nicht als Privatsache, sondern als Politikum zu begreifen. Geschlecht, Klasse und Psyche stehen in direktem Zusammenhang. Zwangsläufig ist im Patriarchat auch die Gesundheit nicht fair verteilt. Die muss man sich schließlich leisten können. Wer immer stärker belastet wird als der andere, der erkrankt höchstwahrscheinlich auch früher.

Abgesehen davon, dass Männer die meisten gefährlichen Arbeiten machen, auch die Arbeiten mit den den meisten Überstunden/Zeiteinsatz und oft auch dem größten finanziellen Risiko und auch abgesehen davon, dass Männer früher sterben als Frauen ist die Gesundheit natürlich absolut unfair zu Lasten der Frauen verteilt.

Frasl: „Frauen führen zwangsläufig die belasteteren Leben. Und neben den sozioökonomischen Faktoren kommt auch noch Gewalt hinzu, von der Frauen in viel höherem Maß als Männer betroffen sind. Wir werden schon allein durch das Gefühl sozialisiert, Opfer werden zu können“, sagt Beatrice Frasl. Das präge die Psyche grundlegend mit.

Es ist natürlich immer etwas unfair ein Buch nach einem kurzen Ausschnitt oder einem Artikel über das Buch zu besprechen, aber hier klingt es sehr als seien es die üblichen Vorhaltungen, die lediglich aus Unterschieden im Ergebnis Benachteiligungen schlussfolgern. Ein wirklicher Kausalzusammenhang wird da selten ermittelt.

Verkürzt gesagt, macht das auch die Ehe zwischen Frau und Mann. Dutzende Studien zeigen, dass die Institution Ehe Männer psychisch gesünder, Frauen aber kränker macht.

Das wäre ja interessant. Wobei da ja auch noch wenig dazu gesagt wird, dass es „Das Patriarchat“ ist. Vielleicht werden eben nur gesündere Männer geheiratet oder verheiratete Frauen haben eher Kinder, was ja aufgrund der Geburt etc verschiedenste Probleme mit sich bringen kann.

Martin Schröder hatte Studien dazu zitiert, dass Frauen genau so glücklich sind wie Männer und sich im übrigen in den Beziehungen sogar freier fühlen als die Männer.

„Paarbeziehungen und die Dynamiken in ihnen sind ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung von Depressionen, Schizophrenie, Anorexie, Angsterkrankungen und Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Ehen mit Männern sind für Frauen also echte Risikofaktoren“, schreibt die Kulturwissenschaftlerin. Sie hat aufwendige Recherche betrieben, Statistiken, Studien, Fallzahlen zusammengetragen. Es schockiert, so geballt mit Zahlen untermauert vorgelegt zu bekommen, wie wenig in Österreich (in Deutschland ist es nicht anders) für die psychische Gesundheit von Frauen getan wird.

Es wird allgemein wenig für psychische Gesundheit getan. Es gibt nicht mehr Psychologen für Männer als für Frauen. Aber klar: Wenn man davon ausgeht, dass das Patriarchat die Frauen geradezu vorsätzlich und in einer weitaus höheren Anzahl krank macht, dann kann man daraus natürlich ein Frauenproblem machen.

Die Idee, dass Paarbeziehungen und Dynamiken die Leute depressiv oder Schizoprene machen oder zu Borderline etc führen, scheint mir auch gewagt zu sein. All das macht allerdings natürlich Beziehungsprobleme. Meines Wissens nach ist man Borderliner oder man ist es nicht. Sicherlich kann eine ungesunde Dynamik die Symptome deutlich machen, aber die kann dann eben auch durch die Borderlineerkrankung entstehen.

Damit muss Schluss sein.

Ich habe sie mal angeschrieben ob sie mir ein Besprechungsexemplar übersendet. Dann werde ich ausführlicher berichten.