In alter intersektionaler Tradition scheinen mir auch Transaktivisten mit einer Motte and Bailey Strategie zu arbeiten. Noch mal zur Erinnerung:
Das Motte-and-Bailey-Argument ist ein von Nicholas Shackel beschriebener argumentativer Fehlschluss, bei dem ein Vertreter einer Theorie versucht, eine Position gegen Kritik aufrechtzuerhalten, indem er diese Position fälschlicherweise mit einer abgeschwächten Version davon gleichsetzt. Die ursprünglich getätigte Aussage ist dabei in der Regel weit hergeholt oder kontrovers. Wird die eigentliche Position angegriffen, wechselt der Vertreter zu einer schwächeren Version, welche nicht die gleiche Aussagekraft hat, aber einfacher zu verteidigen ist. Der Argumentierende kann so behaupten, seine ursprüngliche Position hätte weiterhin Gültigkeit, wenn es den Kritikern nicht gelang, die abgeschwächte Aussage zu widerlegen.
Symbolzeichnung einer Turmhügelburg mit Burghof.
Die Metapher ist an den Aufbau bestimmter mittelalterlicher Burgen angelehnt, die aus einem Burghof (englisch „Bailey“) und einer Turmhügelburg (auch „Motte“ genannt) bestehen. Die Burgbewohner halten sich die meiste Zeit im Burghof auf, doch sobald sie angegriffen werden, ziehen sie sich in die besser befestigte Turmhügelburg zurück.[2] Der Burghof steht dabei für die gewagtere, ursprünglich getätigte Aussage, während die Motte für die abgeschwächte Version der Aussage steht, auf die zurückgegriffen wird, sobald die ursprüngliche Position Widerspruch bekommt.[
Die abgeschwächte besser zu verteidigende Versionen dort sind:
- Wir wollten doch nur wir selbst sein dürfen
- Wir wollen doch nur die entwürdigenden Gutachten die im bisherigen Gesetz enthalten sind abschaffen
- Wir wollen doch nur verhindern, dass Transsexuelle sich selbst umbringen
- Wir wollen verhindern, dass Kinder/Erwachsene in Rollen gezwungen werden und ihr wahres ich unterdrücken
- wir wollen nur andere Möglichkeiten aufzeigen, damit die Kinder, die merken, dass das was für sie ist, wissen, dass sie nicht alleine sind
Die gewagteren Positionen wären:
- Wer eine trans Person nicht bedingungslos und in allen Belangen dem gewünschten Geschlecht zuordnet, der ist transphop und begeht einen Genozid, ja das beinhaltet, das ein Penis weiblich sein kann etc
- Wer sich sexuell für das Geschlecht interessiert, welches die trans Person angibt zu sein, muss bereit sein mit trans Personen Sex zu haben, jede Ablehnung ist Genozid
- jede Hinterfragung von einer Person, die angibt ein anderes Geschlecht zu sein als es ihrem Körper entspricht in irgendeiner Form ist transphob
- Es muss alles so umformuliert werden, dass es jeweils trans Personen einbezieht und sie dazu gehören. Es ist demnach transphob anzuführen, dass nur Frauen Kinder bekommen können (Transmänner können das auch) oder anzuführen, dass Frauen eine Vagina haben (Transfrauen haben einen weiblichen Penis)
- Alles was Frauen können, können Transfrauen auch, weil sie Frauen sind, etwa Perioden haben oder Stillen. Etwas anderes zu behaupten ist transfeindlich
- Nichts ist wichtiger als die gewählte Identität der Transperson zu bestätigen. Es ist vollkommen unwichtig wenn man dadurch die Identitäten von Nichttranspersonen mißachtet. Das haben sie auszuhalten (es ist also zB okay bzw zwingend notwendig die Vagina in Fronthole umzubenennen oder von Gebärmutterhabenden zu sprechen oder anderweitige Bezeichnungen zu verwenden)