Über Arne habe ich diesen Leserbrief im Stern gefunden:
Meine Freundin hat das von früh auf übernommen und hat mich zu Beginn der Beziehung erst mal lange „getestet“ und zum Teil auch „umerzogen“. Mittlerweile mache ich selbstverständlich die Hälfte der Hausarbeit. Aber ich kümmere mich lieber um Reparaturen als ums Kochen, meine Freundin mag gerne Kochen. Aber sie lässt es nicht zu, dass ich den Bohrer öfter in die Hand nehme als sie, um „alte Rollenbilder“ abzuschaffen.
Wenn ich sie im Restaurant mal einladen will, zückt sie vor mir das Portemonnaie. Überhaupt besteht sie auf getrennte Kassen und einer genauen Abrechnung, sodass jeder immer die Hälfte zahlt. Ich finde das etwas unromantisch, weil ich es schön finde, eine Frau auch mal einzuladen.
Ich finde es auch anziehend, wenn eine Frau sich weiblich kleidet und mal eine ausgeschnittene Bluse oder einen kurzen Rock trägt. Meine Freundin trägt, obwohl sie eine tolle Figur hat, immer Jeans oder Cargohosen und weite Oberteile. Wenn ich mal einer Frau hinterherschaue, die hohe Schuhe und enge Röcke trägt, heißt es gleich: „Du bist ein Chauvinist.“
Wäre mir schon alles zu anstrengend, weil sie anscheinend den Grundsatz verfolgt, dass das private politisch ist. Dabei habe ich natürlich nichts gegen eine Frau, die mich einladen will und kann auch mit getrennter Zahlung leben, aber hier scheint es ein Prinzip zu sein, bei dem sie es nicht ertragen kann, dass er mal zahlt.
Mit Jeans hätte ich jetzt keine Probleme, die weiten Oberteile müsste man mal sehen, aber wenn sie ansonsten eine gute Figur hat würde das vielleicht noch gehen.
Aber gleich mit „Du bist ein Chauvinist“ kommen erscheint mir auch etwas unentspannt. Wobei es vielleicht auch die Frage ist, wie er sie damit durchkommen lässt.
Wir waren zusammen in dem „Barbie“-Film und haben uns danach nur gestritten. Ich fand es nicht so lustig, dass Männer eine so lächerliche Figur abgegeben haben, es gibt ja auch ganz andere!
Den Barbie Film wollen Südländerin und ich auch noch sehen, Kino wird wohl nichts, aber wenn er anderweitig verfügbar ist werden wir uns ihn mal anschauen. Sobald das der Fall war werde ich mich mal an eine Besprechung machen.
Meine Freundin hat über die Unabhängigkeit der Barbies triumphiert, aber ihr ging die Kritik am Patriarchat lange nicht weit genug. Sie sagt oft, dass sie sich auch eine Welt vorstellen könnte, in der die Frauen alle Ämter innehaben und sich nur einen Erzeuger für die Kinder aka einen Samenspender suchen und danach die Männer ausgedient haben. Ich finde das verletzend, denn ich bin auch ein Mann! Und das gerne. Und ich habe wohl weit mehr zu bieten, als sie impliziert.
Klingt nach guten Aussichten für eine faire Partnerschaft. Ich glaube man kann durchaus in einer Partnerschaft leben, in der beide zu bestimmten Themen andere Ansichten haben (Südländerin ist als Südländerin zB relativ glaubig, weil dort Religion einfach zum Leben gehört) aber man muss dann eben entsprechend locker damit umgehen. Wenn sie es also in einem spaßigen Ton gesagt hätte und eine Antwort vertragen hätte, in der er anführt, dass er davon ausgeht, dass Frauen sich erledigt haben, wenn Sexandroidinnen marktreif werde, dann wäre es okay.
Wenn sie es aber ernst meint und insofern bereits einen Männerhass auf der einen Seite und eine weibliche Überlegenheitsideologie auf der anderen Seite entwickelt hat, dann scheint mir die Basis äußerst schlecht.
Von der Dynamik her scheint sie mir hier die dominante zu sein und er scheint nicht so wirklich den Mund aufzubekommen, ist also vermutlich der passivere. Wenn er dominante Frauen mag, dann mag es vielleicht etwas für ihn sein. Allerdings befürchte ich kein gutes Ende.
Ich finde nur, dass Männer und Frauen gleichberechtigt, aber unterschiedlich sind und sein sollen. Männer sollen Frauen beschützen, Frauen können Männer ruhig ein wenig umsorgen. Ich mag Lederjacken und einen 3-Tage-Bart an mir und ebenso lange Haare und feminine Kleidung an einer Frau. Meine Freundin findet das sexistisch und wirft mir vor, ich sei in den 60er Jahren stehen geblieben.
Da scheinen sie in der Tat nicht zueinander zu passen. Ich vermute zwar, dass die meisten Frauen in der Tat der Meinung sind, dass zumindest ihr Freund sie beschützen sollte, wenn es ernst wird. Aber das muss ja nicht etwas für jede Frau sein, schon gar nicht als Anforderung an alle Männer, dazu noch mit dem umsorgen als Auftrag an die Frauen.
Man fragt sich langsam wo überhaupt ihre Basis für eine längere Beziehung ist, bisher kommt das etwas kurz.
Sie ist auch absolut gegen die Ehe, weil sie findet, dass die Ehe eine von den Kirchen erfundene Methode zur Unterdrückung der Frauen ist. Ich finde Heiraten schön und romantisch. Natürlich kann man einen Ehevertrag aufsetzen und regeln, wie man leben möchte. Aber mein Wunsch (und auch die Hoffnung meiner Mutter auf eine Hochzeit) wird einfach so abgetan.
Was etwas fehlt (wenn ich es nicht überlesen habe) sind die Altersangaben hier. Wenn sie 22 ist, dann kann sich das alles noch geben. Wenn sie schon 30 ist, dann sieht es wieder anders aus.
Aber kommen wir mal zu dem, was gut ist:
Ich möchte jetzt nicht alles negativ darstellen. Meine Freundin ist sehr interessant, liebenswürdig und intelligent. Wir haben schon tolle Sachen zusammen gemacht (durch Lateinamerika gereist mit dem Motorrad, sind beide Skilehrer) und können uns auch gut unterhalten.
„Interessant“ ist eine etwas leere Aussage. In welcher Hinsicht interessant? Und tolle Sachen kann man mit vielen Frauen machen, die einen nicht auf eine Samenspende reduzieren wollen.
Aber in letzter Zeit nimmt doch diese feministische Einstellung zu starke Züge an. Das liegt auch an zwei neuen (lesbischen) Freundinnen, die sie hat. Die beeinflussen sie gegen mich und nach den Treffen kommt sie erst mal nach Hause und prüft genau, ob wir auch wirklich gleichberechtigt putzen, arbeiten, reden. Und ich werde dabei oft angeklagt und frage mich, warum. Denn ich habe mir nichts vorzuwerfen.
Haben Sie ein paar Denkanstöße für mich?
Mein Rat wäre: Mach deutlich was du willst, dass es von dir aus nicht klappen kann, wenn sie so negativ ist. Setz ihr ein Ultimatum und wenn sie nicht bereit ist bestimmte Sachen zu ändern (etwa den Freundinnen deutlich zu machen, dass sie es nicht duldet, dass sie sie gegen ihren Freund beeinflussen) dann geh, auch wenn es schwer fällt. Lerne ihr zu widersprechen und Grenzen zu setzen bei der Männerabwertung etc.
Aber vermutlich ist sie zu tief in der Ideologie drin, dass sie es nicht aufgeben will. Dann wirst du aber in der Beziehung eh nicht glücklich werden.
Mal sehen, was die Expertin rät:
Mein Ansatz zur Veränderung dieser Verletzungen in Ihrer Partnerschaft wäre, konsequent von der normativen Ebene (also der Ebene der Regeln und Prinzipien) auf die persönliche Ebene zu gehen. Wenn Ihre Freundin zum Beispiel sagt, dass die Ehe eine Institution des Patriarchats ist, könnten Sie fragen: Wie wollen wir beide denn unser Zusammenleben regeln? Was ist dir wichtig? Mir ist die Romantik wichtig, und ich finde eine Hochzeit romantisch. Wie wollen wir damit umgehen?
Oder: „Deine Freundinnen finden, dass Frauen ohne Mann besser dastehen. Was genau möchtest du mir jetzt damit sagen? Was glaubst du, wie ich mich fühle, wenn ich das von dir höre?“
Wenn Ihre Freundin Sie als Chauvinist bezeichnet, weil Sie bestimmte Kleidung attraktiv finden, könnten Sie sagen: Lass uns doch mal schauen, was gerade zwischen uns beiden passiert und mit unserer Vorstellung von Erotik. Das heißt, dass Sie sich verbal dagegen wehren, in eine Schublade gesteckt zu werden und stattdessen immer wieder auf die „Wir“-Ebene gehen. Ich habe den Wunsch, dich auch mal einzuladen, in einem kurzen Rock zu sehen, respektiert zu werden als Mann. Wie können wir das in dieser Situation gemeinsam hinkriegen?
Ich hoffe, dass diese mühsame, kleinschrittige Arbeit Ihnen beiden dabei hilft, einige Knoten zu lösen, die in Ihrer Beziehung entstanden sind.
Auch nicht verkehrt: Die „Wir-Ebene“ ist ja letztendlich eine Gegenmaßnahme zu „Das private ist politisch“. Wenn sie Sachen nur politisch sehen kann, aber nie auf einer privaten Ebene, dann wird es eben nur etwas, wenn man sich über die Politik einig ist.