Menstruation und nur Treffen, wenn man Sex haben kann

Gerade tobte ein Shitstorm auf Twitter, wegen eines Tweets indem jemand meinte, dass Menstruationstassen wie Dickpics sind, niemand wolle sie sehen. Das wurde sofort als Angriff auf Frauen an sich verstanden und dementsprechend aufgegriffen. Da ich aber zu der Problematik bereits einen Artikel geschrieben habe soll es hier nur um etwas anderes gehen, was ich in einem Artikel anlässlich des Shitstorms gefunden habe:

Letztes Jahr habe ich jemanden gedated, bei dem ich zum ersten Mal übernachten wollte, als ich meine Tage hatte. Natürlich sind die wieder ganz plötzlich gekommen. Kacke! Wir kennen uns ja noch nicht so lange, was MACHE ich denn jetzt? Couragiert durch meine No-Bullshit-Politik aus dem Jahr 2016 habe ich dann gesagt „Äh du, ich hab meine Tage, darf ich trotzdem kommen?“ Und ehrlich Freunde, ich hätte komplett okay gefunden, wenn er nein gesagt hätte. Ehrlich gesagt habe ich das sogar erwartet. Schließlich konnte ich nicht performen. Meine Ladyparts waren ihm in dem Moment nicht zugänglich, also was soll er mit mir? Was hat er gesagt? „Hä, spinnst du? Klar!“ und er hat nicht mal erwartet, dass ich mich „um ihn kümmere“, wie man so schön sagt. Das war das erste Mal (ich war 29!) dass mir irgendwie der Gedanke kam, dass dieses ganze Tabuisieren der Menstruation eine Lächerlichkeit sondergleichen ist.

Ich glaube, dass das so eine Vorstellung ist, die fast nur Frauen haben. Wenn man eine Frau „datet“, also nicht einfach nur Sex mit ihr haben will, dann dürfte das eine recht normale Sache aus Sicht der allermeisten Männer sein. Dann verbringt man eben so Zeit mit ihr, vielleicht macht man etwas rum, aber ansonsten ist es eben etwas was nicht weiter erwähnenswert ist. Klar, wenn es ein reines Sexdate wäre und man ansonsten kein Interesse an ihr hat, dann wäre es vielleicht etwas anderes (wobei viele Männer es dann vielleicht schlicht als Investition in das nächste Sexdate sehen würden).

Aussagen wie „ich habe aber meine Tage“ habe ich auch schon von Freundinnen in Fernbeziehungen gehört, wobei das da ja noch weniger ein Problem ist (und es genug Praktiken gibt, die auch ohne Kontakt mit Menstruationsblut schön sind, wenn man das vermeiden will). Ich habe es immer eher als schlichten Hinweis gesehen, eine Art von „erwarte aber nicht zu viel Sex und sei dann enttäuscht“

Das oben klingt für mich eher nach schlechten Selbstbewußtsein. Sich selbst nur so wenig Wert zuzumessen, dass ein potentieller Verehrer keinen Spass hat, wenn man keinen Sex hat, finde ich etwas traurig. Auch ihre Freude darüber, dass sie ihm nicht anderweitig befriedigen sollte, geht in diese Richtung. Ich glaube Frauen reduzieren sich da häufiger in solchen Punkten auf Sex als Männer das machen. Aber vielleicht ist diese Furcht schlicht etwas typisches für viele Frauen, weil es ihnen unangenehmer ist als den Männern (zumindest in dieser abstrakten Form, bei der man eh nichts von den Tagen mitbekommt)

Wie wäre da eure Einstellung?

 

 

Patriarchatssondersitzung: Hugh Hefner ist gestorben

Liebe Patriarchatsbrüder, eine große Stütze des Patriarchats ist am 27.09.2017 von uns gegangen:

Hugh Hefner

Hugh Hefner

 

Wie alles begann:

Aged 16, back in his hometown of Chicago, Hefner was rejected by a girl at his high school. Soon after, he began referring to himself as „Hef“ rather than Hugh, changed his wardrobe, and crucially, began drawing a comic strip about himself—the fantasy version of himself, the one that soon began to manifest as his new reality. In 1959, when he wanted to promote his magazine, he again reinvented his self-image, fashioning himself into the walking burgundy robe history remembers.

Das Leben als Playboy:

The Playboy Mansion had a bizarre set of rules for the women who stayed there. There was a 9 p.m. curfew, the Playboy Bunnies weren’t allowed to have other boyfriends (although they often did), and perhaps strangest of all would be the nightly orgies that took place in Hugh’s bedroom.

Well, sort of. Here’s how a former Bunny describes the scene: “Two huge television screens projecting graphic porn lit up the otherwise dark bedroom. In the middle, a very pale man was tending to his own business…The girlfriends, in various stages of undress, were sitting in a semi-circle at the edge of the bed.”

(…)

The nightly sexcapade was just one of the rules in the Playboy Mansion, but none of them were set in stone. Often Hefner would mix up the rules to favor one Bunny over another, turning the whole thing into more of a constant cat-fight.

There are tales of women stealing from each other, fighting over rooms and, of course, who would have Hefner’s affection. He’d tell one girl that he hated how she wore red lipstick while saying to another that he loved the very same red lipstick that she wore. He also gave each Bunny a $1000 allowance for new clothing, but would sometimes withhold it if he felt she wasn’t “giving enough” in the bedroom. By all accounts, it was all the worst aspects of sexual servitude and living in a prison all rolled into one.

Vor dem Siegeszug des Internets war der Playboy für viele Jungs die erste Begegnung mit nackten Frauen.

Hier ein paar Stimmen aus dem Internet zu seinem Tod:

 

„Sexuelles Fanatasieobjekt und Machtfantasie“

Eine paar Tweets zeigen verkürzt eine sehr typische Argumentation:

Verkürzt geht es um folgendes:

  • Feministen führen an, dass Frauen als Sexobjekte dargestellt werden
  • Männer führen an, dass Männer auch stark sexualisiert dargestellt werden, etwa muskelbepackte Helden
  • Feministen führen an, dass die muskelbepackten Helden nicht für die Frauen da sind, sondern für die Männer als Identifizierungsfläche.

Ich hatte zu „Barbie vs. He-Man“ schon mal folgendes ausgeführt:

He-Man ist aus meiner Sicht weniger ein Schönheitsideal als ein Ausdruck eines Helden mit viel Status, der wohl eher auf intrasexuelle Konkurrenz, also Konkurrenzkampf unter Männern ausgerichtet ist. Deswegen bekämpft er sich ja auch mit einer feindlichen Gruppe, Skeletor und Co.

Das zeigt die verschiedene Ausrichtung der Geschlechter eigentlich ganz gut. Bei Frauen ist Schönheitwichtiger, bei Männern Status und Bestehen in der intrasexuellen Konkurrenz. Danach richten sich auch die Spielpräferenzen.
Der Einwand, dass beide Geschlechter mit Puppen spielen, bei Männern würde man sie nur einfach Action-Figuren nennen, geht insofern an der Sache vorbei. Denn die Spielzeuge von Männern und Frauen sind eben nach deren Präferenzen im Schnitt ausgerichtet und dabei wollen eben Mädchen häufiger als Jungen Schönheit, Pflege, Miteinander und Gesellschaft spielen und Männer intrasexuelle Stellvertreterwettkämpfe austragen. Dazu ist eben He-Man besser geeignet als Barbie, Playmobil-Ritter besser als My Little Pony etc.

Das He-Man über sein relativ weiches Alter Ego Prinz Adam ein ziemliches Weichei sein kann macht insofern eine Identifikation oder ein Träumen von der Heldenrolle nur einfacher.

Sowohl die Darstellung leicht bekleideter Frauen als auch muskelbepackter Männer kann insofern sowohl intrasexuelle Konkurrenz ansprechen als auch auf das andere Geschlecht ausgerichtet sein. Letztendlich ist das schlicht eine Frage der Zielgruppe auf der einen Seite und der Frage, mit was der Einzelne sich identifizieren kann. Es gibt sicherlich auch Frauen, die sich gerade mit einer Darstellung wie oben identifizieren könnten. Für sie wäre es auch eine „Power Fantasy“. Anderen wäre es zu sexuell.

 

 

Männer als Objekt und der Habitus der gutbürgerlichen Ehefrau

Schoppe kommentiere zu einem Artikel, in dem eine Frau die Schwierigkeiten von Frauen darstellte und die Männer aufforderte, den Frauen insoweit zuzuhören und zu glauben:

Dass IHRE Realität anders ist als meine, dass Frauen im Schnitt bestimmte Situationen anders erleben, als Männer es tun – das kann ich so ohne Weiteres akzeptieren, und ich glaube es auch. Falsch wird diese Position dann, wenn Frauen denken, dass ihnen die Situation von Männern ganz selbstverständlich präsent sei – oder dass ihnen die Situation von Männern ganz gleichgültig sein können. In beiden Fällen kommt es eben nicht auf ein gegenseitiges Erzählen und Zuhören an, sondern die “Listen!”-Forderung bleibt einseitig. He for She – wie im oben zitierten Text.

Zuhören muss man eben nur den Unterdrückten, den Opfern, den Benachteiligten. Und das kann der Mann in dieser Vorstellung schlicht nicht

Auf solche Texte reagiere ich manchmal ratlos mit dem einfachen Gedanken, dass Leben nun einmal manchmal schwierig und ungerecht sein könne. Ich weiß nicht, wie die Autorin wiederum auf den Gedanken kommt, das sei nur für Frauen so. Aber ich habe eine Hypothese: Sie kommt deswegen auf diesen Gedanken, weil sich hier der Habitus der gutbürgerlichen Ehefrau hält – nämlich der Glaube, dass sie als Frau eigentlich einen Anspruch darauf habe, dass ihr doch jemand die Härten und Schwierigkeiten des Lebens vom Leib halten müsse. Erst vor dem Hintergrund dieses Glaubens wird es dann verständlich, warum auch kleinere Störungen als Symptome einer großen, feindseligen Ungerechtigkeit wahrgenommen werden.

Das finde ich durchaus einen überlegenswerten Gedanken, denn einige Frauen scheinen diese Idee tatsächlich zu haben: Das sie einen Anspruch darauf haben, dass ihr Leben frei von Beeinträchtigungen bleibt und sich ansonsten eben nicht sie zu ändern haben bzw auf die Schwierigkeiten zu reagieren haben, sondern das sich die Welt zu ändern hat. Man könnte das unter „Hypoagency“ fassen, also der Auffassung, dass man selbst nicht verantwortlich ist und andere eben die eigenen Probleme lösen sollen und müssen. Es ist eigentlich interessant, wie nahe der moderne Feminismus mit seinen Prinzipien an Klischees von Weiblichkeit liegt – Das Gefühl ist alles, Verantwortlichkeit für Mißstände besteht nicht, man ist, was man fühlt, es geht um prosoziale Dominanz,

Mir kam dieser Gedanke, als hier mal irgendwann über das Stichwort “Objektifizierung” diskutiert wurde – dass Männer Frauen zum Objekt machen würden. Als ob das für Männer anders wäre. Männer sind noch immer viel weitreichender in der Erwerbsarbeit tätig als Frauen, in aller Regel ohne die Alternative, ebenfalls ganz oder zumindest teilweise zu Hause bleiben zu können und nur Teilzeit zu arbeiten.

Wer sich aber auf dem Arbeitsmarkt anbietet, muss nicht nur akzeptieren, dass er dabei für andere zum Objekt wird, er muss sich – wenn er sich auf diesem Markt einigermaßen vernünftig bewegen will – auch selbst als Objekt sehen: “Was hab ich zu bieten, das anderen nützt?” Möglicherweise ist das ein weiterer Grund, warum so wenige Männer Gender Studies studieren…

Das Männer ebenfalls Objekt sind – das ist im Feminismus wohl unverständlich. Nur dann eben Versorgerobjekt oder etwas anders ausgedrückt „Bankautomat“ oder eben Objekt innerhalb des Arbeitsmarktes.

Hinter der Klage über die weibliche Objektifizierung steht also nicht etwa die Erfahrung, dass Frauen zum Objekt gemacht würden und Männer nicht – sondern ganz im Gegenteil die Erfahrung, dass Männer allgemein viel vollständiger und selbstverständlicher zum Objekt werden. Bei Männern fehlt daher, anders als bei manchen Frauen, in aller Regel der Gedanke, dass es auch anders sein könne. Es fehlt die soziale Erfahrung der bürgerlichen Ehe- und Hausfrau – ein Leben führen zu können, das ein anderer Mensch (nämlich der bürgerliche Ehemann) von den Zwängen der Selbst-Vermarktung eben dadurch weitgehend freistellt, dass er selbst sich umso gründlicher den Marktlogiken unterwirft.

Eben dadurch bleibt das Gespräch, dass die oben zitierte Autorin anstrebt, auch so einseitig: Der Anspruch, auch als Subjekt wahrgenommen zu werden, gilt nur für selbst – und ganz selbstverständlich nicht für ihre männlichen Gesprächspartner (bzw., um etwas exakter zu sein, Gesprächsobjekte).

Der Vorwurf wäre dann also „beide Geschlechter werden auf ihre Art zum Objekt gemacht – aber bei Frauen ist das nicht okay“. Wobei man es modifizieren müsste, da die Sichweise, dass auch Männer Objekte sind im Feminismus gar nicht erst vorkommt.

 

„Mach uns nicht zum Sexobjekt“ vs. „Wer gegen uns ist, der bekommt keinen Sex“

Ich las neulich einen Tweet, den ich interessant fand:

 

„One minute the feminist message is „don’t treat us as sex objects“ and the next it’s „go against us and you get no pussy“

Der erste Teil, die Aufforderung Frauen nicht wie Sexobjekte zu behandeln, ist insoweit klar und eine häufige feministische Forderung. Der zweite Teil, also „Wenn du etwas gegen uns machst, dann bekommst du keinen Sex“ ist weniger tatsächlich ausgesprochener Teil feministischer Drohungen, wohl aber schwingt es als Forderung von Frauen mit, denn das ist letztendlich das große Druckmittel: „Wir ächten dich als Frauenfeind und dann will keine Frau mehr was von dir und du bekommst keinen Sex“

So richtig festmachen kann ich diesen Teil gerade nicht, er klingt aber denke ich häufig mit an, sei es in der Art, wie man Gegner beleidigt oder wie man Kritik in Ablehnung von Frauen allgemein ummünzt.

Es wäre interessant, ob sich dieser Gedanke tatsächlich im Feminismus finden läßt bzw. inwieweit Frauen ihn sonst verwenden.

Der angedrohte „Sexboycott“ und sei es in Form der Ablehnung des jeweiligen Mannes ist sicherlich ein klassisches Druckmittel im Geschlechterkampf

Auch einen anderen Tweet als Antwort darauf fand ich interessant:

„. don’t forget the whole „don’t judge my appearance but u have 2 find me attractive or u r sexist but if u do u r a rapist“ logic“

Das Bewerten einer Frau oder die Wahrnehmung einer Frau als schön und sexy ist falsch, jede Frau muss aber wiederum sexy gefunden werden, weil man sonst ein Fatshamer oder was auch sonst noch immer ist, was einen dann wieder aufgrund der Objektifizierung zu einem Förderer der Rape Culture machen kann.

Ein teilweise passendes Bild dazu könnte dies hier sein:

Dritte Welle Feminismus und Frauen zum Objekt machen

Dritte Welle Feminismus und Frauen zum Objekt machen

 

 

Sexuelle Belästigung und Gruppenschuld der Männer

Die Bloggerin Nandalya schildert unter anderem zwei Fälle sexueller Belästigung:

Die täglichen Übergriffe auf Frauen, die versteckten, oder offenen Belästigungen, waren mir seit jeher ein Gräuel. Und ich kenne genug Heten, die das ebenso sehen. Mit sexueller Orientierung hat das nichts zu tun. Deren Fokus liegt sowieso bei Mann, der Frau gern auf Busen und Po reduziert, als Objekt seiner Lust. Aber lustig ist anders und mit Spaß hat das wenig zu tun. Aktuell gibt es zwei Fälle, die mich wieder rebellisch machen.

Ich verstehe ja nach wie vor nicht, warum viele Feministinnen nicht verstehen, dass Männer häufig tatsächlich auf Sex aus sind und ihnen „Frau als Obkekt“ und deren „Demütigung“ dabei relativ egal sind.

 

Fall 1: Eine Freundin aus der Lesbenszene sucht einen neuen Job. Sie ist gelernte Einzelhandelskauffrau, hat aber auch schon als Bedienung in Kneipen gejobbt. Der Bezirksleiter einer Discounter-Kette bittet sie nach 20 Uhr in einem seiner Märkte zum Vorstellungsgespräch. Vorher habe er keine Zeit sagt er am Telefon. Katja ist ein fraulicher Typ, kurze, dunkle Haare und sehr hübsch. Sie erzählt, wie der Mann sie mit Blicken verschlungen habe. Aber damit kann sie, auch wenn es unangenehm ist.

Spontan habe er ihr eine Stelle als seine Assistentin angeboten. Sie solle dafür dann mit ihm auf Geschäftsreisen und abends mit ihm essen gehen. Bei Katja läuten sofort die Alarmglocken, ihr wird endlich klar, um was es dem Mann wirklich geht. Als sie gehen will erweist sich die Tür als verschlossen. Auf ihre Aufforderung hin sie zu öffnen, hat der Mann nur gelacht und keinen Finger gerührt. Erst als sie droht per Handy die Polizei zu rufen ist er wieder normal geworden. Den Job hat sie natürlich nicht bekommen.

Hier sieht man aus meiner Sicht recht deutlich, dass es ihm um Sex geht. Er wäre sicherlich hoch erfreut gewesen, wenn sie eingewilligt hätte. Ansonsten geht das Verhalten des Mannes natürlich nicht, dass ist klar.

 

Fall 2: Ein heißer Tag im Juli. Irina steht im Supermarkt an der Fleischtheke, sie ist nur knapp bekleidet. Das Miniröckchen bringt ihre langen Beine perfekt zur Geltung, blonde Haare umrahmen ein Feengesicht. Das ärmellose T-Shirt zeigt mehr, als es verbirgt. Und schon ist Mann in seinem Element. Die Lust erwacht, zeigt Frau doch für ihn eindeutige Signale. Und die heißen “Ich will Sex mit dir.” Harter Schnitt. Einspruch, Euer Ehren!

Nur leider gibt es keinen Einspruch für Irina. Der verschwitzte Kerl neben ihr reibt deutlich sichtbar unter dem Blaumann sein Geschlecht. Zwei Jugendliche lachen nur, als der Mann stöhnend in seine Hose ejakuliert. Die Verkäuferin schaut weg, Irina ist schockiert. Die Szene ist genau so passiert. Irina hat uns den Vorfall in Tränen aufgelöst erzählt. Im Supermarkt wollte ihr niemand helfen, Man(n) hat nur gelacht. Irina geht zur Polizei und wir begleiten sie. Bis heute ist der Mann nicht gefunden. Hat man(n) wirklich nach ihm gesucht?

Den zweiten Fall finde ich insbesondere wegen ihrer Wertung interessant. Klar geht es nicht, wenn ein Mann sich öffentlich vor einem befriedigt und dann stöhnend in seine Hose ejakuliert. Aber hier bestand aus meiner Sicht erkennbar keine Gefahr, weil genug Leute da waren. Ich würde vermuten, dass die meisten Frauen das ekelig finden, vielleicht auch etwas lustig, aber sie jedenfalls nicht in Tränen ausgelöst sind. Man braucht auch wohl einen Rape Culture Frame um davon auszugehen, dass die Polizei das sozusagen deckt und nicht nach ihm sucht. Die Frage ist wohl eher, wie sie ihn finden sollen, wenn ihn sonst keiner kennt. Sie können nur eine Beschreibung aufnehmen und dann schauen, ob jemand damit etwas auffangen kann. Die Autorin hat eine andere Sichtweise und vermutet Mißachtung gerade wahrscheinlich, weil eine Frau betroffen ist.

Im folgenden überträgt sie das dann in eine allgemeine Belästigungsgesellschaft, in der so etwas alltäglich ist. Ist es aber aus meiner Sicht nicht. Es sind Einzelfälle, selbst wenn viele Frauen so etwas erleben. Die meisten Männer hingegen behandeln ihre Angestellten korrekt bzw. onanieren heimlich zuhause.

Komplimente dienen der Verdinglichung und Abwertung der Frau

Bei der Mädchenmannschaft geht es um den Umgang mit Komplimenten. Die Autorin klingelt in München zwei Männer vom Radweg und fährt an ihnen vorbei:

Fast war ich schon an ihnen vorbei, als ich in unvergleichlichem Münchnerisch hörte: “Und hübsch aa no!” Ich fuhr weiter und lächelte – um mich gleich danach innerlich zu schelten. Warum um Himmels willen lächelte ich? Hatte ich nicht gelernt, dass das eine unerwünschte, sexistische Grenzüberschreitung war? Dass es sich hier einfach nur um dialektal gefärbtes “Catcalling” handelte, das es zu bekämpfen galt?

Der klassische feministische Widerspruch: Man findet etwas okay, darf es aber eigentlich nicht okay finden. Einfach, weil man es als Grenzüberschreitung ansehen und in einen größeren Kontext einbinden soll. Dabei war es hier aus meiner Sicht recht harmlos: Er hat sie noch nicht einmal auf ihre Schönheit reduziert, sondern in gewisser Weise ihre Durchsetzungskraft anerkannt. Es war auch sonst nicht obzön, kein „geile Titten!“ oder etwas in der Art. Eine recht harmlose Bemerkung zumal klar war, dass sie sich entfernt.

Diese Sache und meine Reaktion darauf beschäftigten mich. Ich dachte an eine Freundin, die während ihres Auslandssemesters in Spanien nach eigener Aussage wesentlich häufiger ungefragten Komplimenten ausgesetzt war. Ihr machte das wenig aus, im Gegenteil: Wenn harmlose Kommentare wie “Hallo Hübsche” kamen, genoss sie die Aufmerksamkeit sogar. Und, so fuhr sie fort, sie fände es eher schade, dass man in Deutschland nie einfach so Komplimente bekäme. Die sexuelle Seite, die man als Mensch ja auch hätte, würde immer ignoriert. Das konnte ich nachvollziehen: Ein wenig Bestätigung der eigenen Attraktivität tut gut. Und doch fühlte ich mich bei diesen Überlegungen unwohl.

Die südlicheren Gegenden Europas gelten da denke ich zurecht als entspannter in dieser Hinsicht und sehen das ganze auch mehr als Spiel zwischen den Geschlechtern an, welches dazugehört und noch nicht einmal einen sexuellen Hintergrund haben muss: Man flirtet und macht Komplimente, weil es zum Leben dazugehört. Aus feministischer Sicht vielleicht erstaunlicherweise tut das diesen Ländern als Urlaubsland für Frauen keinen Abbruch: Im Gegenteil, bei einer heißen Urlaubsaffaire wird der typischen Touristin vielleicht eher ein „feuriger Südländer“ vor Augen stehen als ein zurückhaltender Nordländer. Viele Frauen genießen es vielleicht sogar, wenn sie im Urlaub entsprechende Komplimente hören.

Die weiteren Gedanken:

Zum einen ist da die Heteronorm: Komplimente an Frauen* von Männern* sind eine Hetero-Angelegenheit. Da entsteht eine Normalität, die wirklich nur einen Teil des Gesamtbildes zeigt – Bi-, Homo- oder Asexuelle, aber auch Trans-Menschen bleiben ausgeschlossen. Nicht-heterosexuelle Frauen bekommen Beleidigungen und Anzüglichkeiten an den Kopf geworfen. Zum anderen werden derlei Komplimente nach wie vor nicht wahllos verteilt, sondern zeigen, wer in dieser Gesellschaft “sexuell wertvoll” ist: Dicken Menschen oder Menschen mit Behinderung wird generell eine Sexualität abgesprochen. Diese Komplimente, und das klingt jetzt wirklich entsetzlich, sind auch ein Privileg.

Das kann ich nicht recht nachvollziehen. Warum bleiben bei Komplimenten Bi-, Homo oder Asexuelle oder Transmenschen ausgeschlossen? Ich kann auch einem/einer Homosexuellen sagen, dass ihm/ihr etwas ganz hervorragend steht oder einer Bi-frau sagen, dass sie klasse aussieht. Ich mache auch Frauen, mit denen ich nicht schlafen will, durchaus Komplimente, etwa wenn eine korpulentere Freundin ein schönes Kleid zu einer Feier anzieht. Komplimente sind ja auch teilweise nur eine Höflichkeit, ein Aufmuntern und man muss nicht mit jedem schlafen wollen, dem man ein Kompliment macht. Natürlich fällt mir weibliche Schönheit noch eher auf und es lässt sich auch leichter in einen Flirt einbauen, aber ich kann ja auch nichts dafür, dass ich heterosexuell bin.

Bei der Darstellung, dass das Kompliment ein Privileg ist, zeigt sich auch an einem harmlosen Beispiel, wie stark diese Denkmuster selbst einfache Vorgänge verkomplizieren. Alles kann ein Privileg sein, ein richtiges Verhalten gibt es dann nicht mehr.

Letztendlich aber geht es bei der Vergabe von Komplimenten um Sexualität. In einem bestimmten Code wird mir mitgeteilt, dass ich sexuell interessant für jemanden bin. Da fangen die Probleme an, denn Sexualität ist vermintes Gebiet für Frauen*: Frauen* verlieren eigentlich immer, ob sie nun sexuell eher offen sind oder eher vorsichtig. Neben der Abwertung weiblicher Sexualität wird auch auf Zustimmung der Frau* im Rahmen der Heteronorm häufig kein gesteigerter Wert gelegt. Das betrifft konkret nicht nur Sex, sondern auch die Abbildung von Frauen*, welche Fragen sie gestellt bekommen und wie sie sich zu verhalten haben. Mit meinem Lächeln auf dieses Kompliment, so hatte ich im Nachhinein das Gefühl, gab ich die Bestätigung, dass es in Ordnung ist, mich auch im profanen Alltag als sexuelles Wesen zu betrachten. Dass ich vielleicht sogar darauf Wert legte. Menschen sind nun mal durch ihre Sexualität mitgeprägt, dagegen ist nichts zu sagen. Also alles in Ordnung?

Da sind ja schon wieder einige Knaller drin, erarbeitet anhand eines harmlosen Kompliments: In der Heteronorm ist Zustimmung der Frauen kein Wert gelegt, man will sie nur abwerten. Man will sie anscheinend selbst wenn man sagt „hübsch ist sie AUCH noch“ nur auf Sex reduzieren. Und deswegen darf einer Frau das auch nicht gefallen: Denn damit transportiert sie dann wieder die Vorstellung, dass man Frauen Abwerten und auf ihre Sexualität reduzieren darf. Das dieses Konzept auf wackeligen Beinen steht und ein Kompliment keine Abwertung und keine Reduzierung sein muss, dass scheint da nicht wirklich vorzukommen.

Mitnichten. Als Frau* auch nur zuzugeben, eine sexuelle Natur zu haben, ist nach wie vor, als ob man einen Schwachpunkt offen legt und sich angreifbar macht. Man wird nicht mehr ernstgenommen (es sei denn, man ist Beyoncé). Mein unangenehmes Gefühl kam genau daher, weil ich wusste: Die Geschlechter bewegen sich eben nicht auf demselben Grund. Ein (heterosexueller) Mann kann seiner Sexualität Ausdruck verleihen, ohne verdinglicht zu werden oder sich zu diskreditieren. Politiker können die 5. Frau heiraten, ohne dass es jemanden juckt. Eine Politikerin, die den 5. Ehemann ehelicht? Da würden die meisten doch eher an ihrer Kompetenz zweifeln.

Auch hier aus meiner Sicht eine Überbewertung: Frauen, die mit solchen Komplimenten mit einem Lachen umgehen und es als Spiel sehen, werden glaube ich viel eher ernst genommen und als selbstbewußt angesehen als solche, die daraufhin energisch die Lippen zusammenkneifen und sich solche Abwertungen verbieten. Denn dann haben sie eben nicht erkannt, dass es nur ein harmloses Kompliment, eine Nettigkeit sein sollte.

Lustig auch ihre Vorstellung, dass ein Mann seiner Sexualität Ausdruck verleihen kann, ohne sich zu diskreditieren: Im Gegenteil, gerade die Zurschaustellung männlicher Sexualität wird sehr schnell abgewertet: Als pervers, als „Alle Männer sind Schweine“, als Ausdruck sonstiger Perversität. Weibliche Sexualität wird eher etwas reineres zugestanden. Ein Mann könnte sich auch nicht so sexuell wie eine Frau kleiden ohne eher lächerlich zu wirken.

Das Politikerinnen seltener fünf Mal verheiratet sind ist aus meiner Sicht weniger dem Umstand geschuldet, dass man dann an ihrer Kompetenz zweifeln würde als vielmehr dem Umstand, dass Status Männer attraktiv macht, Frauen aber nicht. Schröder als Bundeskanzler war eben immer wieder für zB Journalistinnen interessant. Sein dadurch bedingter höherer Marktwert macht uns verständlich, dass er eine jüngere heiratet. Bei Merkel würde es uns hingegen wohl eher überraschen.

Nun ging es in meinem Fall gottlob nur um ein Lächeln auf ein Kompliment von einem Fremden. Das verursacht im Normalfall nicht allzu viele Störungen im Alltag. Aber besser wäre es doch, wenn ich mir keine Gedanken machen müsste. Wenn ein Kompliment unschuldig und unbelastet von Gender-Ungleichgewicht sein könnte. Ich würde gerne in einer Welt leben, in der ich bei einem Kompliment egal von wem lächeln könnte. Einfach so.

Klassischer Feminismus: „Jetzt habe ich ja oben dargelegt, dass ein Kompliment heterosexistisch ist, eine Abwertung der Frau und ein Zum-Objekt-machen dieser. Wie schön wäre es in einer Welt zu sein, in der das nicht so wäre“. Nur stellt ihre Bewertung gar nicht auf konkrete Welt-Parameter ab. In jeder denkbaren Welt könnte ihre Bescheibung gelten, dass das Kompliment ein Privileg ist, dass man damit zum Objekt gemacht wird etc. Sie hat auch nichts bewiesen. Sie hat einfach behauptet, dass die Welt schrecklich ist und nutzt diese Behauptung jetzt um die Schrecklichkeit der Welt zu beweisen, denn in dieser Welt ist das Kompliment eben nicht harmlos. Bewiesen ist nichts. Der Beweis dreht sich um sich selbst.