„‚Biologen’ (ihr müsst euch das so vorstellen, als würde man das Wort regelrecht ausspucken!)“

Auf dem Blog „Heroine for one day“ gibt es Berichte aus den Gender Studies, von jemanden, der sie für absurd hält.

Hier ein Auszug:

Ich habe übrigens noch eine Frage, die mir vielleicht jemand von euch erklären kann. Mein unfassbar niedlicher (ich hörte von Leuten, er sei doch so schnuffig und lustig und zum Drücken) Gender-Dozent*in meinte neulich irgendwas von ‘Auf das Gehirn können wir schwer verzichten – wir können es, fallen aber möglicherweise auf.’ Ich musste grad noch einmal herzhaft lachen, als ich den Satz abtippte. Vielleicht lasse ich ihn auch einfach so stehen und jeder denkt sich seinen Teil. Okay, ich lasse ihn so stehen. Zu viel Zynismus, der mir im Gehiiiiiirn (haha! Gehirn!) rumgeistert. Mir fällt auch noch ein, dass der/die/das mit der langen Hose in der Hitze mir immer wieder sagte, dass es ja lediglich darum gehe, die Naturwissenschaften zu hinterfragen! Was denn daran falsch sei!

Nun, natürlich kann man bestimmte Absichten von Forschern hinterfragen. Aber das kann und muss man in so ziemlich jeder Disziplin, meiner Meinung nach. Allerdings gibt es eben auch Fächer, die sind more evil als andere. Ihr könnt es euch schon denken: ja, es ist die Biologie. In meinem ganzen Leben habe ich vorher noch nie das Wort ‘Biologist’ gehört. Genau das sind aber solche Leute wie ich, die die Biologie für bare Münze nehmen und alles damit erklären wollen. Permanent. Wie im Rausch. Jeder weiß ja, was die Endung ‘-ist’ zu bedeuten hat. Hier habt ihr es. Ich bin ein biologischer Fundamentalist. Ein wichtiges Kriterium ist, dass wir grundsätzlich danach gehen, dass es zwar Abweichungen gibt, aber eben auch nur Abweichungen und sie nicht als existierende Alternative anerkennen. Natürlich gab es aber auch ‘Biologen’ (ihr müsst euch das so vorstellen, als würde man das Wort regelrecht ausspucken!), die außerhalb des binären Systems geforscht haben. Das sind Helden. Gender Studies Helden! Männlich und Weiblich sind nämlich auch nur Alternativen. Aber das hatten wir ja schon. Wenn man nur fest genug daran glaubt, dann wird das schon. (ich fange langsam leider an Gender Studies einfach nur noch extrem anstrengend und langweilig zu finden, weil mir bewusst ist, dass meine Argumente bei ihnen nicht ziehen und ich bereit bin zu resignieren. Es ist mir zu absurd als dass ich ernsthaft über ihre Ansätze nachdenken und nach passenden Gegenargumenten suchen könnte, die dann letztendlich eh keinen Effekt haben. Die sind wie Teflon (Sex and the City-Zitate – wuhu! – und eine Klammer in der Klammer!), an denen bleibt nichts haften.. Aber vermutlich ist genau das ihre Strategie. Warten, bis der ‘Gegner’ vor Langeweile und Desinteresse vom Stuhl fällt…).

Und noch einer:

So. And there we have the salad! Unser Gehirn wird geschult darauf in einem binären System – wo es also NUR Mann und Frau gibt, bzw. diese als Einzige der Norm entsprechen – zu denken. Wir werden also regelrecht darauf abgerichtet. Das ist ja ungeheuerlich! Es gibt sozusagen kein Entrinnen für uns. Keinen freien Willen (der tatsächlich auf neurobiologischer Ebene umstritten ist) und somit auch keine Möglichkeit uns an neue Systeme zu gewöhnen oder sein Verhalten selbst zu beeinflussen. Aber ihr werdet euch wundern! Es gibt nämlich DOCH Menschen, die das können! Die in der Lage sind, alles, was ihnen seit jeher Glauben gemacht wurde, es sei die Wahrheit, als Lüge zu enttarnen! Dass es sich sozusagen, um eine Verschwörung gegen die Menschheit handelt, um sie zu verdummen und weiterhin mit der sexistischen und Machtpositionen ausnutzenden Sonstwas (Hier z.B. Film-, Porno-, Kosmetik-, Musik-, Mode-, äh..und was es eben sonst noch so alles gibt -industrie einsetzen) -Industrie Hand in Hand arbeiten zu können. Um die Menschen im Glauben zu lassen, es gäbe nur Mann und Frau, und die haben sich auch noch aufgrund bestimmter Merkmale attraktiv zu finden. Ja, liebe Freunde! Es gibt diese wunderbaren Leute, die uns alle davor bewahren können! Gender Studies-Leute! Sie sind quasi der Günter Wallraff der Universität! Der Inspector Gadget der studierten Elite! Die lassen sich nicht so schnell alles Mögliche erzählen! Es ist okay die Evolutionstheorie anzuzweifeln, immerhin ist es doch ein von Menschen ausgedachtes Konzept, das nur dazu dient, allen so genannten Intersexuellen, Transgender, Queers in verschiedensten Varianten, das Existenzrecht zu entziehen und den Gender Studies ans Bein zu pinkeln! Aber nicht mit den Gender Studies! Nein, nein!

 

Ich wünschte, es wären mehr Menschen so wie sie. Die tausenderlei an Lebensentwurfsformen akzeptieren, außer natürlich die abartigen Familienkonstellationen mit Mutter, Vater, Kind (nur noch mal zur Sicherheit: Es handelt sich hier vielfach um Zynismus.

Ich finde die Berichte interessant und gut geschrieben, sie zeigen schön, wie man auf diese ideologischen Kurse reagieren sollte: Indem man sie nicht ernst nimmt und ihre Inhalte hinterfragt. Ich hoffe auf viele weitere Berichte.

Gender Studies und Ideologie II: Prüffragen auf Unwissenschaftlichkeit und Delegitimierung

In dem E-Book  “Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie Argumente im Streit um Geschlechterverhältnisse”, welches ich bereits hier kurz angerissen habe, findet sich in Kapitel 7 am Ende  einige interessante „Prüffragen“, die dazu dienen soll Kritik an den Genderwissenschaften einzuordnen.

Die folgenden Fragen geben Hinweise darauf, ob es sich bei einer Äußerung um Kritik oder um Strategien der Delegitimierung handelt. Die Fragen wurden aus den Kapiteln dieser Veröffentlichung abgeleitet und gruppiert. Wenn Sie zum Beispiel mit dem Vorwurf konfrontiert sind, bestimmte Texte oder Positionen seien «ideologisch», eine Studie sei «unwissenschaftlich» oder hätte methodische Mängel, können die folgenden Punkte Sie dabei unterstützen, diese Aussage einzuordnen.

Als ich die Fragen gelesen habe fand ich sie schon fast grotesk lustig, da sie auf die Genderwissenschaften angewandt eigentlich recht gut dokumentieren, dass diese unwissenschaftlich sind. Ich erlaube mir auch eine kurze Prüfung meines eigenen Blogs durchzuführen

A) Grundlegende Art der Argumentation

Inwieweit werden die eigenen Aussagen durch Quellen belegt und Sachargumente angeführt?

Da fängt es bereits an. Die Genderwissenschaften haben üblicherweise keine Quellen und Sachargumente, es werden keine Studien zitiert und es besteht wenig Unterbau abseits des Glaubens bzw. Wissens, dass es eben so ist.

Die meisten meiner Artikel enthalten Studien oder Quellen auf die ich meine Ansichten stütze.

Inwieweit lassen die Ausführungen erkennen, dass die Autorin oder der Autor sich mit dem Gegenstand ihrer oder seiner Kritik fachlich auseinandergesetzt hat?

Da ist natürlich die Frage, was man unter fachlich auseinandersetzen versteht. Die meisten Genderwissenschaftler haben sich nur sehr einseitig mit der Sache auseinander gesetzt. Der gesamte biologische Bereich wird üblicherweise ausgeblendet. Die Grundlagen der eigenen Theorien werden wenig hinterfragt und auch nicht mit dem Forschungsstand abgeglichen.

Natürlich ist auch mein Blog nicht neutral. Ich behaupte aber mal, dass man hier einiges zu feministischer Theorie findet und ich mich insoweit weit mehr mit auch anderen Meinungen zu dem Thema auseinander setze.

Ist die Kritik der Textform angemessen? Wird z. B. ein journalistischer Text oder eine Literaturstudie an Maßstäben für eine empirische Untersuchung gemessen?

Leider besteht die Kritik unabhängig von der Textform häufig in Schmähungen a la „Das ist biologistische / sexistische Kackscheiße„. Selten erfolgt überhaupt ein Eingehen auf Kritik. Wenn setzt sich die Kritik häufig nicht mit dem tatsächlichen Text auseinander, sondern eher mit Strohmännern.

Ich würde nicht sagen, dass ich zu hohe Anforderungen an besprochene Texte lege. Wenn man es nicht bereits als zu hohe Anforderung sieht, dass sie über den jeweiligen eigenen ideologischen Bereich hinaussehen und auch andere Theorien besprechen.

Werden die Kritikpunkte angemessen bewertet und in einen Zusammenhang gestellt? Oder werden kleinere (behauptete oder tatsächliche) Fehler überbewertet, um die ganze Studie oder sogar die gesamte Fachrichtung abzuwerten?

Eine ganze Fachrichtung abwerten ist ein guter Punkt, bei dem man eigentlich nur das Stichwort Biologismus nennen muss. Auch mit den Argumenten der evolutionären Psychologie erfolgt überlicherweise keine Auseinandersetzung, sondern eine pauschale Abwertung.

Kritikpunkte werden selten angemessen bewertet, Kritik wird nach Möglichkeit ausgeblendet oder zensiert. Selten wird sich einmal die Mühe gemacht, die Theorien tatsächlich nachzuvollziehen und ihre Hintergründe und Zusammenhänge zu verstehen.

Ich bemühe mich üblicherweise im Zusammenhang zu erläutern und auf die Theorien in den Genderwissenschaften einzugehen. Ich halte die Genderwissenschaften für stark ideologisch und unwissenschaftlich, versuche aber mich mit den jeweiligen Argumenten im Text auseinanderzusetzen und ihnen nicht bereits weil sie aus den Genderwissenschaften kommen die Berechtigung abzusprechen sondern Argumente entgegenzustellen

Ist der Tonfall polemisch oder beispielsweise unangemessen personalisierend oder abwertend? (Wird beispielsweise auf die sexuelle Orientierung von Personen eingegangen, oder wird die sexuelle Orientierung einer Person mit ihrer inhaltlichen Position in Verbindung gebracht?)“

Maskutroll, Evo-Chris, Biologist, du willst ja nur die 50er zurück, du hast keine Ahnung von dem Thema etc. Debatten mit Genderwissenschaftlern werden schnell persönlich. Meist scheitert es aber eher daran, dass man es erst gar nicht zu einer Diskussion kommen lässt. Und natürlich wird auch auf die sexuelle Orientierung eingegangen  – der heterosexuelle CIS-Mann ist ja ein Feindbild für einige aus den Genderwissenschaften. Und wann hätten die Genderwissenschaften schon jemals geäußert, dass man eine bestimmte Meinung nur hat, weil man ein heterosexueller Mann ist? Es wird schwer sein einen diesbezüglichen Fall zu finden.

Üblicherweise versuche ich sehr sachlich zu bleiben. Natürlich erlaubt man sich hier oder da mal eine Spitze. Ich wusste auch nicht, dass ich jemanden schon einmal aufgrund seiner sexuellen Orientierung seine Meinung abgesprochen habe.

Finden sich Formulierungen, beispielsweise Verballhornungen geschlechtergerechter Sprache («MenschInnen») oder Neologismen («Genderismus»,
«Genderisten»), die lächerlich machen sollen?

Formulierungen die lächerlich machen sollen finden sich recht häufig. Von den bereits angesprochenen Maskutrollen bis hin zu Biologist.

Ansonsten versuche ich selbst solche Verballhornungen zu unterlassen.

B) Inhaltliche Ausrichtung

„Wird verallgemeinert, indem nicht auf eine bestimmte Theorierichtung, einen bestimmten Ansatz oder auf bestimmte Autorinnen und Autoren eingegangen,
sondern ein homogenes Bild gezeichnet wird (z. B. «die» Gender Studies)?“

„Die Biologisten haben unrecht“ oder „die evolutionäre Psychologie ist falsche“ oder „biologische Ansätze sind konservativer Backlash“ wären da zu nennen.

Teils Teils. Natürlich gibt es auch in den Gender Studies vorherrschende Meinungen. Die Gender Studies, auch wenn die Autoren das nicht sehen zu wollen scheinen, sind stark poststrukturalistisch und queerfeministisch geprägt. Kritisiert man diese Theorien, dann kritisiert man damit auch den wesentlichen Kern der Gender Studies

Wird unterschieden zwischen 1. Gender-Theorien im Sinne von Grundlagenforschung, 2. angewandter Geschlechterforschung und 3. der Umsetzung von
Gleichstellungsstrategien? Oder werden Übertragungen vorgenommen, die auf eine intendierte Verzerrung einer Fachdebatte schließen lassen können (z. B. Gender in Gender Mainstreaming auf «Geschlechtsidentität» engzuführen)?

Die wenigsten feministischen Theorien oder Texte aus diesem Bereich scheinen mir diese Unterscheidungen zu machen. Verzehrungen einer Fachdebatte werden aber immer wieder gemacht, beispielsweise indem biologische Theorien nicht oder falsch dargestellt werden.

Sicher werde ich den einen oder anderen Begriff falsch verwendet haben. Ein Engführen ist aus meiner Sicht aber für eine Kritik meist gar nicht erforderlich, da die Theorien bereits zuvor umfassend kritisiert werden können. Es fällt aber insofern auf, dass viele Begriffe sehr schwammig verwendet werden, etwa der Begriff Patriarchat.

Inwieweit werden Begriffe angemessen eingeordnet und entsprechend ihrer  fachlichen Bedeutung benutzt? (Wird z. B. der sozialtheoretische Begriff der  «Konstruktion» nicht als pädagogische Strategie kritisiert oder «Dekonstruktion»  mit «Zerstörung» gleichgesetzt?)

Ach wäre es schön, wenn die Gender Studies sich hinreichend bemühen würden, biologische Begriffe angemessen einzuordnen und passend zu benutzen. Häufig werden aber beispielsweise evolutionäre Umstände, die eine Selektion in eine Richtung begünstigen als tatsächliches Denken der Handelnden verstanden (Etwa wenn man darauf abstellt, dass Fortpflanzung ein wesentlicher Umstand ist und dann darauf verwiesen wird, dass viele Leute einfach nur so Sex haben und dabei verhüten)

Werden lediglich Versatzstücke einer Diskussion oder nicht mehr aktuelle Ansätze  als exemplarisch für den Gender-Diskurs herausgegriffen (z. B. mit Denkerinnen der 1970er Jahre Ansätze der Gender Studies heute erklären)?

Sogar die meisten Bücher aus dem Genderbereich, die auf biologische Theorien abstellen, machen dies. Voss beispielsweise hört in seiner Dissertation im wesentlichen in den 70ern auf und widmet der Antike 232 Seiten, den aktuellen Theorien aber nur 5 Zeilen. Gerne wird darauf verwiesen, dass vor 100 Jahren Frauen noch generell die Intelligenz abgesprochen wurde und die heutigen Ansichten deswegen auch nicht ernst zu nehmen seien. Ein Eingehen auf die modernen Theorien findet man so gut wie nicht.

(von Pickup-Diskussionen ganz zu schweigen: Er verwendet einen Neg, also beleidigt er sie, also will er sie kleinhalten, also hasst er Frauen. Er diskutiert Last Minute Resistance, also will er sie vergewaltigen)

Ich meine zu den gängigen Theorien aus dem Genderbereich Artikel zu haben und dabei auch aktuelle Ansätze berücksichtigt zu haben. Wer meint, dass ich wesentliche Theorien aus dem Bereich noch nicht besprochen habe, den bitte ich um Hinweise

„Werden Konzepte der Gender Studies oder des Gleichstellungsdiskurses banalisiert oder umgedeutet, um sie zu delegitimieren (z. B. De/konstruktion)?“

Konzepte aus der Biologie werden üblicherweise umgedeutet und banalisiert. Ein faires Eingehen auf die Argumente findet nicht statt. Als Beispiel verweise ich zB auf diesen Artikel

Wird die rechtliche Gleichheit von Menschen auf Basis vordiskursiver Argumente  («Biologie») in Frage gestellt?

Die rechtliche Gleichheit mit Biologie in Frage zu stellen wäre wohl ein naturalistischer Fehlschluss. Man Frage insoweit aber mal in den Gender Studies zu männlicher Beschneidung und einem umfassenden Sorgerecht für Männer ab Geburt oder eine nicht an Fristen gebundene biologische Vaterschaft. Da gibt es jedenfalls Meinungen, die in diesen Bereichen gegen eine rechtliche Gleichheit sind

C) Wissenschaftstheoretische Ausrichtung


„Welche Wissenschaftsauffassung liegt der Kritik zugrunde? Gibt es einen  Monopol-Anspruch auf Wissenschaftlichkeit (beispielsweise nur bestimmte  Naturwissenschaften seien wissenschaftlich)?“

Von einer Richtung, die Mainstreamwissenschaft mit der Begründung zurückweist, dass sie patriarisch ist und darauf besteht, dass die feministische Wissenschaft hier nach der Standpunkttheorie besser geeignet ist, ist das eine interessante Frage. Nimmt man dann noch TotalRej dazu, dann zeigt sich, dass dieser Grundsatz dort selten umgesetzt  wird.

Ein striktes Nebeneinander aller Forschungsrichtungen im Sinne einer Sphärentrennung oder eines Disziplinverständnisses gibt es meiner Meinung nach nicht. Auch muss die Lösung nicht immer in einer Gemengelage verschiedener Fachrichtungen liegen. Soziale Theorien können natürlich wissenschaftlich durchgeführt werden. In den Gender Studies ist dies jedoch selten der Fall.

„Ist erkennbar, dass aktuelle wissenschaftstheoretische Debatten wahrgenommen wurden?“

In den Gender Studies: Nein. Die gesammte Medizin und Biologie und auch die Spieltheorie wird zum großen Teil ausgeblendet

„Wird ein Ideologie-Vorwurf gemacht, der sich nur auf die politische Gegnerin  bzw. den politischen Gegner bezieht, die eigene Position jedoch als unideologisch setzt? „

Bei biologischen Begründungen wird schnell gefragt, warum man diese Begründung will, es wird also vermutet, dass man sie deswegen vertritt, weil man selbst Vorteile davon hat oder Ideologe ist. Die eigene Ideologie wird – wie auch die Studie zeigt – nicht wahrgenomnen.

„Gibt es implizite oder explizite Bezüge auf unveränderliche «Wahrheiten» oder  Tatsachen, die sich einer Diskussion entziehen können – zum Beispiel durch  Berufung auf Natur/Natürlichkeit, den «gesunden Menschenverstand» oder  Religion/göttliche Bestimmung?“

Das Patriarchat ist Wahrheit, die hegemoniale Männlichkeit sind Wahrheiten. Vieles davon scheint wohl aus deren Sicht auch unveränderlich zu sein. Natürlich sind zudem biologische Gegebenheiten nur langsam zu ändern. Unveränderlich ist in der Biologie aber nichts, wenn man die Zeitskala groß genug wählt.

D) Selektivität
Werden die selbst definierten Wissenschaftlichkeitsstandards auch an das eigene  Werk oder an Arbeiten aus dem eigenen Netzwerk angelegt?

Wie man oben sieht ironischerweise nicht.

„Alles Evolution“ als Wissenschaftlichkeitswächter

Die Heinrich Böll Stiftung hat in ihrer Schriftenreihe ein neues Produkt von Regina Frey, Marc Gärtner, Manfred Köhnen und Sebastian Scheele mit dem Titel „Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie Argumente im Streit um Geschlechterverhältnisse“ herausgebracht, in der unter anderem auch mein Blog erwähnt ist:

Bevor wir auf den Gehalt des Unwissenschaftlichkeits-Vorwurfs eingehen, skizzieren wir die verschiedenen Strömungen der Gender-Gegnerschaft. Es können dabei bezogen auf weltanschauliche Hintergründe und Tätigkeitsfelder grob fünf Gruppen von Gender-Gegner_innen unterschieden werden:

(…)

2.. Wissenschaftlichkeitswächter

Eine andere Gruppe wirft Arbeiten der Geschlechterforschung prinzipiell Unwissenschaftlichkeit vor. Diese Gruppe stellt sich als politisch neutral und nur an der Qualität von Wissenschaft interessiert dar. Die disziplinären Vorlieben sind dabei durchaus verschieden: Ob beispielsweise eine sozialwissenschaftliche Richtung wie der Kritische Rationalismus beim Blog «Kritische Wissenschaft – critical science» (http://sciencefiles.org) oder eine spezifische naturwissenschaftliche Richtung wie die Evolutionsbiologie beim Blog «Alles Evolution» (https://allesevolution.wordpress.com) – gemeinsam ist ihnen die Vorliebe, den Unwissenschaftlichkeits-Vorwurf zum Thema Geschlecht vorzubringen. Bei den Gender-Gegner_ innen genießen diese Einschätzungen den Ruf wissenschaftlicher Autorität und haben beispielsweise durch offene Briefe ein großes Mobilisierungspotential auch über dieses Spektrum hinaus.

Finde ich einen interessanten Titel, der mich insoweit nicht weiter stört. Den Inhalt schaue ich mir dann noch mal gesondert an und schreibe etwas dazu.

Beispiele des Unwissenschaftlichkeitsvorwurf auf diesem Blog:

und hier noch einmal ein Link auf meinen Übersichtsartikel zu biologischen Argumenten

„Patriarchische Wissenschaft“ als Argument für das Patriarchat

In der Standpunkttheorie sollen gerade die Theorien der unterdrückten Gruppen näher an der Wirklichkeit sein. Eine Suche nach objektiver Wahrheit im Sinne empirischer Forschung, die unabhängig von dem Standpunkt des Forschers besteht, sei sinnlos und nicht geeignet, weil sie letztendlich nur die Sichtweise der herrschenden Gruppe, also der hegemonialen Männlichkeit, wiedergebe.

Die gegenwärtige Wissenschaft sei damit auch ein Produkt dieser hegemonialen Männlichkeit und von ihr durchsetzt.

Dazu schreibt Noretta Koertge (zitiert nach Vandermassen, Who is afraid of Charles Darwin, S. 46):

If it really could be shown, that patriarchial thinking not only played a crucial role in the Scientific Revolution but is also necessary for carrying out scientific enquiry as we know it, that would constitute the strongest argument for patriarchy that I can think of! I continue to believe that science – even white, uperclass male-dominated science – i one of the most important allies of oppressed people

In der Tat ist eine Gesellschaft um so freier und auch gleichberechtigter, um so mehr technischer Fortschritt, um so mehr freie Wissenschaft er zulässt, ohne sie von ideologischen Vorstellungen abhängig zu machen. Die Erfolge der „patriarchischen Wissenschaft“ geben ihr insofern recht.

Dagegen wird man wahrscheinlich einwenden, dass die feministische Wissenschaft oder die weibliche Wissenschaft bisher wenig Gelegenheit hatten zu glänzen, weil die patriarchale Wissenschaft ihr nicht genug Platz lässt. Das erscheint mir aber sehr unwahrscheinlich. Die empirische Wissenschaft hat ihre Erfolge gerade errungen, weil sie sich um Objektivität bemüht und auf Fakten, nicht auf Standpunkte abstellt.

Vandermassen führt in ihrem Buch im Folgenden noch einige Beispiele an, in denen seitens der feministischen Wissenschaft bestimmte Entdeckungen als Beleg gerade für die Vorteile dieser herangezogen werden – um dann darzulegen, dass diese klassische Fälle empirischer Forschung sind.

Ein weiteres schönes Zitat von Gross und Levitt (Vandermassen S. 49):

„Feminist cultural analysis has not yet identified any heterofore undetected flaws in the logic, or the predictive, or the applicability of mathematics, physics, chemisty, or – much complaining to the contrary notwithstanding – biology“

 

Gender Studies, Voreingenommenheit und Wissenschaftlichkeit

Leser Peter schreibt in einem Kommentar zum Thema Objektivität in der Wissenschaft:

Absolute Objektivität gibt es nicht, schon klar. Wenn aber eine Geschlechterforschung zentrale Fragen, die es zu beantworten gilt, schon in ihren Glaubensdogmen abschliessend beantwortet, dann befinden wir uns nicht mehr im Bereich der Forschung, sondern (im Fall der GenderStudies) im Bereich der Gesellschaftspolitik. Nicht etwas zu beweisen ist primär ihr Anliegen, sondern etwas zu erreichen. Die “Forschung” hat sodann primär das Ziel, Forschungsergebnisse zu generieren, die dem politischen Ziel dienen und Ergebnisse, die das politische Ziel in Frage stellen, zu ignorieren.

Die Einseitigkeit der GenderStudies, insbesondere ihre Weigerung, kritische Fragestellungen überhaupt zuzulassen, zeigt, dass keinerlei BEMÜHEN vorhanden ist, einen objektiven Standpunkt einzunehmen. Dieser Einwand wird, wie von Joachim vorexerziert, mit der saloppen Feststellung gekontert, dass es (absolute) Objektivität nicht gäbe. Dies ist eine grundsätzliche Absage an wissenschaftliche Methodik.

Die GenderStudies sind bekanntlich von den Analysen Focaults beeinflusst:
Eher ist wohl anzunehmen, dass die Macht Wissen hervorbringt […]; dass Macht und Wissen einander unmittelbar einschließen; dass es keine Machtbeziehung gibt, ohne dass sich ein entsprechendes Wissensfeld konstituiert, und kein Wissen, das nicht gleichzeitig Machtbeziehungen voraussetzt und konstituiert.

Die feministische Schlussfolgerung zu Focaults Ansicht der Verschränkung von Wissen und Macht ist naheliegend: Wer Macht hat, der konstituiert Wissen, wer Wissen konstituiert, der bestimmt, was als wahr und was als falsch zu gelten hat. Genau so operieren Feministen. Nicht das Argument zählt, sondern die Macht, “Wissen” zu generieren und Anschauungen gesellschaftlich zu etablieren. Ein solches “Wissensgenerierung” nenne ich politische Propaganda, die vortäuscht, Wissenschaft zu sein.

In der Tat scheint mir in den Genderwissenschaften ein sehr großer Druck zu herrschen, zu den richtigen Ergebnissen zu kommen, also eine Gleichheit der Geschlechter zu ermitteln und eine Benachteiligung der Frau.

Hingegen müssen andere Wissenschaftler keineswegs bezüglich der Geschlechterfrage und auch nicht bezüglich eine Anlage-Umwelt-Debatte so vorbeeinflusst sein. Wer zB über Transsexualtiät forscht, der will als Mediziner eben neue Methoden finden, die den Wissenstand weiterbringen. Er muss nicht unbedingt eine Ungleichheit von Mann und Frau feststellen.

Zumal hier eben der Vorteil ist, dass man die Zusammenhänge mit bestimmten Genen etc gut überprüfen kann. Was bei dem philosophischen Ansatz der Genderwissenschaften in der Regel nicht gemacht wird.

Fähigkeiten in Verbindung mit den Hormonen (Östrogen / Testosteron)

Helen Fisher et al in einer Studie zu den verschiedenen Fähigkeiten und ihren Zusammenhängen mit den Hormonen:

In a meta-analysis of 150,000 Americans aged 13–22, those whose scores fell in the top 5–10% in math, geometry, mechanical reasoning and engineering were overwhelmingly male (e.g., Hyde, Fennema, & Lamon, 1990). Questionnaire studies in several other countries yielded similar results (e.g., Mann, Sasanuma, Sakuma, & Masaki, 1990). Most young adult men express approximately eight to ten times more testosterone than most women; and it is widely hypothesized that this sex difference in hormone expression contributes to the above sex differences in cognition. Although adult sex differences in cognitive tasks are not suffi- cient evidence for hormonal effects, biological data support this hypothesized correlation. The brain architecture associated with these spatial/mathematical skills has been associated with fetal testosterone (e.g., Geschwind & Galaburda, 1985; Grimshaw, 1995); and bodily levels of testosterone also contribute to spatial/mathematical dexterity across the life span (Janowsky et al., 1994). Further, it has been proposed that greater understanding of spatial, mechanical, mathematical, engineering and other rulebased systems is the result of more short-range and less long-distance neural connectivity, due to the exposure to prenatal androgens (e.g., Manning, 2002). Other traits that may be linked with prenatal testosterone expression are heightened attention to detail, intensified focus, and restricted (narrow) interests (e.g., Baron-Cohen, Knickmeyer, & Belmonte, 2005; Knickmeyer, Baron-Cohen, Raggatt, & Taylor, 2005); and elevated adult levels of testosterone have also been associated with these traits (Dabbs & Dabbs, 2000). It has been suggested that prenatal testosterone expression is also linked with less emotion recognition, eye contact and social sensitivity (e.g., Baron-Cohen et al., 2005), a poorer ability to judge what others are thinking or feeling (Baron-Cohen, 1995); and lack of empathy (Baron-Cohen et al., 2005). Adult expression of testosterone has been correlated with being less polite, respectful, considerate or friendly (Dabbs, 1997; Harris, Rushton, Hampson, & Jackson, 1996); and being more confident, forthright and bold (Nyborg, 1994). Adult levels of testosterone have also been positively correlated with sensitivity to social dominance, drive for rank, the tendency to create dominance hierarchies (e.g., Mazur, Susman, & Edelbrock, 1997), and aggressiveness (e.g., Dabbs, 1990; Mazur et al., 1997). Poor verbal fluency and other language deficiencies have been associated with testosterone priming in the womb (e.g., Baron-Cohen et al., 2005; Knickmeyer, Baron-Cohen, Raggatt, Taylor, & Hackett, 2006; Knickmeyer et al., 2005; Geschwind & Galaburda, 1985; Manning, 2002). Last, a lower (masculinized) second to fourth digit ratio has been associated with high prenatal testosterone (Manning, 2002). Women excel at several linguistic skills in US populations (e.g., Halpern, 1992; McGuinness & Pribram, 1979) and other countries (Mann et al., 1990). Cross-culturally, women also excel at recognizing emotions in faces (e.g., Hall, 1984; McClure, 2000), reading a person’s emotions from voice, gestures and other non-verbal cues (e.g., Hall, 1984; McGuinness & Pribram, 1979) and interpreting a range of mental states (Baron-Cohen, Jolliffe, Mortimore, & Robertson, 1997). Although these sex differences are not sufficient evidence for hormonal effects, studies suggest that nurturance and other prosocial skills are associated with adolescent and adult estrogen activities in human females (Nyborg, 1994) and females of many other mammalian species (Carlson, 2001). Adult estrogen facilitates memory for emotional experiences (Canli, Desmond, Zhoa, & Gabrieli, 2002). Estrogen replacement therapy increases verbal memory (Hogervorst, Williams, Budge, Riedel, & Jolles, 2000). In addition, estrogen receptor modulators can elevate adult working and episodic memory, executive function and verbal skills (Goekoop et al., 2005). Data suggest that fetal steroids affect several adult behaviors (Manning et al., 2000; Nyborg, 1994). Data also suggest that a higher (feminized) digit ratio is positively correlated with fetal estrogen (Manning, 2002). At present, however, there is insufficient evidence that fetal testosterone enhances the growth of the 4th digit or that fetal estrogen facilitates the growth of the 2nd digit.

„Was genau ist dein anliegen, was willst du bewegen mit den biologischen Erklärungen?“

Endolex schreibt nach einer Twitterdiskussion zwischen @diekadda, ihm und mir das folgende:

Lass mich einfach mal kurz annehmen, dass es stimmt, wovon du ausgehst: Dass geschlechtsbedingt im Schnitt verschiedene spezifische kognitive Leistungsverteilungen existieren (und immer existieren werden, davon scheinst du auch auszugehen).

Was genau wäre dein Anliegen damit? Du lehnst nach eigener Aussage Essentialismen ab und gibst Überlappungen zu, kannst also deine statischen Informationen nie auf das Individuum anwenden. Was davon lässt sich das aus deiner Sicht konkret auf den Alltag übertragen? Welche Erklärungen für gesellschaftlich beobachtbare Sachverhalte entstehen für dich daraus?

Was genau versuchst du zu beweisen, zu bewegen? Wenn ich mir dein About auf WordPress ansehe und mal fies unterstelle: Hat es irgendwas mit PickUp zu tun? Ich hoffe nicht.

Die Antwort hierfür, wenn du eine geben magst, fällt vermutlich auch etwas länger aus, und ich werde morgen nicht groß Tweets checken können. Gern lese ich einen Blogpost von dir dazu

Solche Fragen kommen ja häufiger. Ich finde sie nach wie vor komisch. Was ist das Anliegen, wenn man sagt, dass die Welt eine Kugel und nicht eine Scheibe ist? Was will man damit bewegen? Reicht es aus, dass man Männer und Frauen verstehen will, ein Interesse an dem Thema hat, die Forschung überzeugend findet und merkt, dass etwa poststrukturalistische Theorien keinerlei Grundlage haben?

Selbst wenn unsere Welt mit den biologischen Erklärungen die absolute Hölle auf Erden wäre würde es sie genau so wenig falsch machen wie es die Erde flach macht, wenn dies zu einer besseren Welt führen würde.

Und was ist damit gemeint, dass die Theorien nicht auf das Individuum anwendbar sind? Sie sind sehr wohl auf das Individuum anwendbar:

  • Aus biologisch begründeter Homosexualität, die durch pränatale Hormone fixiert wird, ergibt sich, dass man Homossexuelle nicht umerziehen kann und man daher solche Bemühungen lassen sollte
  • aus dem Umstand, dass einige Mädchen, die zB viele pränatales Testosteron abbekommen haben, eher wild und „unmädchenhaft“ sind, ergibt sich für diese, dass man diese dann eben nicht in eine Mädchenrolle zwingen kann.
  • aus dem Umstand, dass Männer und Frauen nur im Schnitt bestimmte Fähigkeiten haben folgt, dass man prüfen muss, welche Fähigkeiten bei einer bestimmten Person vorliegen und nicht nach ihrem Phänotyp entscheiden kann, auch wenn man davon ausgehen kann, dass sich im Schnitt eine gewisse Verteilung nach Geschlecht ergeben kann.

Richtig ist, dass einem Möglichkeiten verloren gehen, sich utopische Welten auszudenken, in denen Männer und Frauen absolut gleich sind. Aber da das eh im Fiasko enden würde, ist das kein wirklicher Verlust.

Ich habe bisher kein Erklärungsmodell gesehen, dass alle auftretenden Fallgruppen in gleicher Weise erklären kann. Das mag daran liegen, dass die für mich interessanten Fallgruppen in den anderen Theorien kaum aufgegriffen werden, aber sie sind nach meiner Meinung dort auch nicht einzubauen.

Wenn andere Theorien, auch gerne gesellschaftliche, mir ein ebenso schlüssiges Gesamtkonzept vorstellen können, dann werde ich es mir natürlich gerne anschauen und die Argumente gegeneinander abwägen.

Sicher neige ich mitunter dazu, alles in die mir bisher am schlüssigsten erscheinenen Theorien einbauen zu wollen. Aber wer versucht das mit seinen Theorien nicht? Meiner Meinung nach gelingt dies durchaus häufig.

Vielleicht ist es einfacher darzustellen, was ich nicht will:

1. Eine Überlegenheit des Mannes darstellen

Nach meiner Auffassung sind die Männer in den biologischen Theorien nicht besser gestellt. Sie sind im Schnitt in einigen Kategorien besser, in anderen schlechter. Ich könnte mir für eine Überlegenheit des Mannes wesentlich bessere Theorien vorstellen, die beim Mann keinen stärkeren Sexualtrieb, keinen Wunsch nach Statusaufbau und keine intrasexuelle Konkurrenz vorsehen.

2. Traditionelle Rollen absichern

Auch das ja ein beliebter Vorwurf. Aber die biologischen Theorien sehen eben gerade keinen Essentialismus vor und aus den evolutionären Theorien folgt, dass „weiblichere Männer“ lediglich eine andere Ausdrucksform und genau so natürlich sind. Den Schnitt oder gar die Extreme insofern für alle verbindlich zu machen wäre unlogisch, aus der biologischen Ausrichtung im Schnitt etwas moralisches zu folgern ein naturalistischer Fehlschluss.

Natürlich ergeben sich aber aus den biologischen Theorien einige Konstanten. Etwa die stärkere Betonung von Wettbewerb bei Männern, die Vorliebe für bestimmte Körperformen, die Vorliebe der Frauen für bestimmte Männertypen im Schnitt und andersherum. Vieles davon stützt in der Tat die Geschlechterrollen, die eben eine Ausprägung davon sind. Allerdings lehne ich viele der traditionellen Rollenverteilungen ab. Ich möchte keine Frau, die unselbständig ist, sich nur für Küche, Kinder, Kirche interessiert (was als Atheist eher schlecht wäre), sondern eine selbstbewußte Frau, die mit mir einvernehmlich die Arbeitsverteilung innerhalb der Familie vornimmt und sich dabei auch am Erwerbsleben beteiligt. Ich finde die traditionellen Rollen in vielen Punkten nicht so erhaltenswert, auch wenn ich der Auffassung bin, dass man einige Punkte zumindest im Schnitt wohl nicht ändern können wird.

3. Mir eine Welt schaffen, in der ich besonders erfolgreich bei Frauen bin und es mir besonders leicht fällt, sie kennenzulernen

Wenn ich mir eine Welt schaffen könnte, wie ich sie wollte, dann wären die Frauen sicherlich nicht so wie sie sind. Sie wären wahrscheinlich wesentlich sexbesessener, weniger emotional, in vielen Bereichen eher wie Männer, nur eben trotzdem sexuell interessant. Es überrascht mich, dass Leute meinen, dass die Gegenwart meine Idealvorstellung von Frauen ist. Warum sollte ich es mir so kompliziert machen

4. weiteres

Vielleicht könnt ihr ja mal darlegen, was alles noch mein Anliegen ist, was ich bewegen will mit den biologischen Erklärungen. Ich werde versuchen dann dazu Stellung zu nehmen.

Also: Fröhliches Christian-Bashing!

(Gerne könnt ihr natürlich auch darstellen, was ihr mit den von euch bevorzugten Erklärungen für Geschlechtergleichheit oder Unterschiede erreichen wollt, was man erreichen wollen sollte oder wie eine perfekte Welt aussehen würde, wenn ihr das erreicht habt, was ihr erreichen wolltet)

Häusliche Gewalt: Frauen und Männer als Täter

Noch gar nicht Thema eines Beitrags hier war „Häusliche Gewalt durch Frauen“. Ein sehr umstrittenes Thema, bei dem einiges darauf hinzudeuten scheint, dass Frauen in einem wesentlich größeren Umfang Täter sind als dies so wahrgenommen wird.

Arne Hoffmann schreibt dazu in einem NOVO-Artikel:

Tatsächlich aber geht körperliche Gewalt in der Partnerschaft zum überwiegenden Teil von Frauen aus, nicht von Männern. Insgesamt 95 wissenschaftliche Forschungsberichte, 79 empirische Studien und 16 vergleichende Analysen in kriminologischen, soziologischen, psychologischen und medizinischen Fachzeitschriften aus den USA, Kanada, England, Dänemark, Neuseeland und Südafrika zeigen auf, dass in Beziehungen die Gewalt entweder überwiegend zu gleichen Teilen von beiden Partnern oder aber hauptsächlich von der Frau ausging. Die Studien stimmen in ihren Erkenntnissen so deutlich überein, dass in der Fachwelt an diesen Verhältnissen nicht der geringste Zweifel mehr existiert. Dass weder Öffentlichkeit noch Politik diese wissenschaftlichen Ergebnisse bisher zur Kenntnis genommen haben, ist vermutlich einer der größten Skandale in der Geschlechterdebatte überhaupt.

Das Ergebnis überrascht bereits, weil Männer das körperlich stärkere Geschlecht sind und üblicherweise auch ansonsten aggressiver auftreten. Die meisten Frauen haben in einem direkten Kampf bereits aufgrund der höheren Körpergröße, dem damit verbundenen höheren Gewicht und dem mehr an Kraft wenig Chancen gegen einen Mann. Natürlich kann dies durch soziale Faktoren ausgeglichen werden: Die Frau kann eine Waffe nutzen, Überraschung oder auch einfach den Umstand, dass man eine Frau nicht schlägt und Gewalt von Frauen gegen Männer wesentlich weniger geächtet ist, weil man eben davon ausgeht, das der Mann sich eher wehren kann.

Ein von mir beobachtetes Beispiel von Frau-Mann-Gewalt verlief wie folgt:

Ich war bei einem Freund zu Besuch. Dessen Wohnung hatte einen Balkon hin zu einer Parkfläche, die ruhig und relativ leer dort lag und auf der kein Betrieb war. Ich stand kurz auf diesem Balkon, mit einem Bier in der Hand und bemerkte ein geparktes Fahrzeug, in dem eine angeregte Unterhaltung, eher ein Streit, zwischen einem Mann und einer Frau stattfand. Ich konnte nicht hören, was sie sagten, aber es war recht deutlich, dass sie ihm diverse Vorhaltungen machte und er in irgendeiner Form nach Entschuldigungen suchte und ihm etwas leid tat. Es war eine Szene, an der ich hängen blieb, mir kurz ausmalte, was er verbrochen hatte und warum sie sich für die Diskussion hier auf dem Parkplatz trafen. Konnten sie zuhause nicht streiten, vor den Kindern oder wem auch immer? Hatte er sie betrogen oder waren sie selbst die verbotene Liebesgeschichte und dies das Ende dieser? Man merkte, dass sie sich immer mehr in ihre Wut hineinsteigerte, immer emotionaler wurde, während er immer stiller wurde, unter dem Ansturm ihrer Emotionen verstummte und sich zurückzog. Sie wollte eine Emotion, eine Reaktion, fing an ihn leicht zu schlagen, sein Gesicht herum zu drehen, ihn zu einer Rechtfertigung zu zwingen, aber er wehrte weiter ab. Schließlich schlug sie wütend immer wieder auf ihn ein, steigerte sich immer mehr, man sah, wie er sich mit seinen armen zu schützen versuchte und das es ihm weh tat, man sah, dass sie das, was sie an Kraft hatte in ihre Schläge steckte. Er schien seine Bestrafung hinzunehmen, vielleicht als angemessene Sühne seiner Schuld, welche auch immer es war. Wie sollte ich mich verhalten? Bei einer Frau in der gleichen Situation hätte ich auf mich aufmerksam gemacht, vom Balkon heruntergerufen, hätte irgendwie gehandelt. Warum sollte ich hier nicht genau so einschreiten? Aber, auch wenn er in einer defensiven Haltung war, die Schläge auf ihn einprasselten und ein Abschnallen und Aussteigen in dieser Situation für ihn wahrscheinlich gar nicht so einfach gewesen wäre, hatte ich Hemmungen mich einzumischen. Eben weil er stärker war, man das Gefühl hatte, dass er sich wehren kann, wenn er denn will, weil ich mich nicht in einen Streit einmischen wollte, bei dem er anscheinend selbst die Einstellung hatte, dass sie sich immerhin zu recht aufregte. Es war ihm gewiss peinlich genug, ich hatte nicht das Gefühl es durch die Einmischung besser zu machen. Dann war es schon vorbei. Sie brach keuchend ab, schmollend, drehte ihren Kopf weg. Er gab seine defensive Haltung auf, sprach noch ein paar Worte in ihre Richtung. Sie antwortete kurz und ohne ihn anzuschauen. Anscheinend ging es darum, hier wegzufahren. Er startete den Motor und sie verschwanden in der Dunkelheit.

Genauso kenne ich auch genug Schilderungen von Gewalt gegen Frauen. Frauen, gerade ältere, die von ihrem Männern schlecht behandelt werden, die einen Haustyrann haben, der sie schlägt, wenn sie nicht das machen, was er will. Auch hier bekommt man meist die Gewalt nicht mit, was nicht bedeutet, dass es sie nicht gibt. Männliche Gewalt wirkt auch auf mich gefährlicher, weil man sich natürlich einen gewalttätigen Mann einfach besser vorstellen kann. Einen gewalttätigen Mann, der eine Frau einschüchtert, der sehr dominant ist, passt gut zu unserer sonstigen Wahrnehmung, während wir bei einer Frau eher andere Machtmittel in einer Beziehung verorten, die weniger körperlich ausgerichtet sind. Gleichzeitig muss man sich denke ich schon bewusst machen, dass der soziale Faktor, dass man als Frau als schwächere einen stärkeren schlagen darf und ein „echter Mann“ sich eben wehren kann diese Form der Gewaltausübung wesentlich einfacher und folgenloser für den Täter machen kann

Gerade der persönliche Faktor in einer Beziehung mag hier dazu führen, dass Gewalt durch die Täterin als gefahrloser angesehen wird, weil sie eben einschätzen kann, wie er sich wehrt oder es eher zu einem schleichenden Übergang mit immer mehr Gewalt kommt.

Zum Einstieg in das Thema noch ein paar Studien:

To study the potential differences that distinguish homicides involving women as victims or offenders from those involving men, we analyzed Federal Bureau of Investigation Uniform Crime Reports data on homicides that occurred in the United States between 1976 and 1987. Only cases that involved victims aged 15 years or older were included. Persons killed during law enforcement activity and cases in which the victim’s gender was not recorded were excluded. A total of 215,273 homicides were studied, 77% of which involved male victims and 23% female victims. Although the overall risk of homicide for women was substantially lower than that of men (rate ratio [RR] = 0.27), their risk of being killed by a spouse or intimate acquaintance was higher (RR = 1.23). In contrast to men, the killing of a woman by a stranger was rare (RR = 0.18). More than twice as many women were shot and killed by their husband or intimate acquaintance than were murdered by strangers using guns, knives, or any other means. Although women comprise more than half the U.S. population, they committed only 14.7% of the homicides noted during the study interval. In contrast to men, who killed nonintimate acquaintances, strangers, or victims of undetermined relationship in 80% of cases, women killed their spouse, an intimate acquaintance, or a family member in 60% of cases. When men killed with a gun, they most commonly shot a stranger or a non-family acquaintance.

Quelle: Men, women, and murder: gender-specific differences in rates of fatal violence and victimization.

In der Biologie würde man wohl davon sprechen, dass es extreme Fälle von „Mate guarding“, also der Kontrolle und des Bewachen von Partnern, damit diese in der Beziehung verbleiben, sind. Ein toter Partner verbleibt natürlich auch nicht in der Beziehung, aber die realistische Androhung von Gewalt erfordert eben biologisch eine Einstellung, die zu Gewalt führen kann, ein „wenn du Mist baust, dann kann ich mich nicht mehr kontrollieren“. Zur Funktion solch starker Gefühle hatte ich schon einmal etwas geschrieben.

Background

Few population-based studies have assessed the physical and mental health consequences of both psychological and physical intimate partner violence (IPV) among women or men victims. This study estimated IPV prevalence by type (physical, sexual, and psychological) and associated physical and mental health consequences among women and men.

Methods

The study analyzed data from the National Violence Against Women Survey (NVAWS) of women and men aged 18 to 65. This random-digit-dial telephone survey included questions about violent victimization and health status indicators.

Results

A total of 28.9% of 6790 women and 22.9% of 7122 men had experienced physical, sexual, or psychological IPV during their lifetime. Women were significantly more likely than men to experience physical or sexual IPV (relative risk [RR]=2.2, 95% confidence interval [CI]=2.1, 2.4) and abuse of power and control (RR=1.1, 95% CI=1.0, 1.2), but less likely than men to report verbal abuse alone (RR=0.8, 95% CI=0.7, 0.9). For both men and women, physical IPV victimization was associated with increased risk of current poor health; depressive symptoms; substance use; and developing a chronic disease, chronic mental illness, and injury. In general, abuse of power and control was more strongly associated with these health outcomes than was verbal abuse. When physical and psychological IPV scores were both included in logistic regression models, higher psychological IPV scores were more strongly associated with these health outcomes than were physical IPV scores.

Conclusions

Both physical and psychological IPV are associated with significant physical and mental health consequences for both male and female victims.

Quelle: Physical and mental health effects of intimate partner violence for men and women

Hier eine Studie von Strauss:

The methodological part of this chapter analyzes the discrepancy between the more than 100 „family conflict“ studies of domestic physical assaults (those using the Conflict Tactic Scales and similar approaches), and what can be called „crime studies“ (i. e. the National Crime Victimization Survey and studies using police call data). Family conflict studies, without exception, show about equal rates of assault by men and women. Crime studies, without exception, show much higher rates of assault by men, often 90% by men. Crime studies also find a prevalence rate (for both men and women) that is a small fraction of the rate of assaults found by family conflict studies. The difference in prevalence rates and in gender differences between the two types of studies probably occur because crime studies deal with only the small part of all domestic assaults that the participants experience as a crime, such as assaults which result in an injury serious enough to need medical attention, or assaults by a former partner. These occur relatively rarely and tend to be assaults by men. The theoretical part of the chapter seeks to provide an explanation for the discrepancy between the Iow rates of assault by women outside the family and the very high rates of assault by women within the family. The sociology of science part of the chapter seeks to explain why the controversy over domestic assaults by women persists and is likely to continue. I argue that neither side can give up their position because it would be tantamount to giving up deeply held moral commitments and professional roles. I conclude that society needs both perspectives. Neither side should give up their perspective. Rather they should recognize the circumstances to which each applies.

Aus dieser Studie:

Family conflict Studies. The near equal rates of assault found by family conflict studies has been attributed to a different set of methodological problems. These include purported defects in the Conflict Tactics Scales or CTS (Straus, 1979; Straus, 1990a; Straus, Hamby, Boney-McCoy, & Sugarman, 1996), under reporting of assaults by male respondents, and failure to take into account self-defensive violence by women and injury. Family conflict studies often interview one partner to find out about the relationship, i.e., what the respondent has done and also what the partner has done. When men are the respondents, they may minimize their own violence and exaggerate violence by their partner. However, that cannot be the explanation for the equal rates because, regardless of whether the information comes from a male or female respondent, family conflict studies have found about equal rates of assault by the male and female partner. Most of the family conflict studies used the Conflict Tactics Scales or CTS, and the near equality in assault rates of assault by men and women has been attributed to purported biases in the CTS (See Straus, 1990a; Straus, 1997, for a discussion of the purported biases). Consequently, it is important to examine studies that used other methods. An early study by Scanzoni, (1978) asked a sample of 321 women what they did in cases of persistent conflict with their husband. Sixteen percent reported trying to hit the husband. Sorenson and Telles’s (1991) analysis of 2,392 households in the Los Angeles Epidemiological Catchment Area Study found that „Women reported higher rates …(than men).“ The National Survey of Families and Households asked „During the past year, how many fights with your partner resulted in (you/him/her) hitting, shoving, or throwing things at (you/him/her)“. (Zlotnick, Kohn, Peterson, & Pearlstein, 1998) analyzed this data for the 5,474 couples in the sample and found very similar rates for assaults by men and women (5% rate for assaults by men and 4% for assaults by women). In my early research, it seemed so obvious that women were injured more often and more seriously than men, and that domestic assaults by women were primarily in self defense, that I did not collected data on injury and self defense. I simply asserted it as a self-evident fact (Straus, Gelles, & Steinmetz, 1980). So, when, in the 1985 National Family Violence Survey, I did ask who was the first to hit, I was surprised to find that half of the women respondents reported they had hit first (Stets & Straus, 1990). Several other studies (Bland & Om, 1986; Carrado, George, Loxam, Jones, & Templar, 1996; Demaris, 1992; Gryl, Stith, & Bird, 1991; Sorenson & Telles, 1991) also found about equal rates of initiation by men and women. Family conflict studies rarely measure who is injured. The original CTS did not obtain data on injury. The CTS2 (Straus, Hamby, Boney-McCoy, & Sugarman, 1996) includes a supplemental scale to measure injury, but retains the system of measuring assaults regardless of injury. However, when injury data has been obtained along with the CTS and this is used as a criterion for estimating „violence,“ the rate drops to a rate that is similar to the extremely Iow rate found in crime studies, and the percentage of assaults by men also increases to approximately the ratio found in crime studies (Straus, 1991; Straus, 1997). These findings further support the idea that one of the main reasons cdme studies find that domestic assaults are overwhelmingly committed by men is because they tend to omit so many assaults that do not result in injury.

Das Bateman-Prinzip, feministische Wissenschaft und das Unwissen der Mädchenmannschaft bezüglich der Biologie

Die Mädchenmannschaft feiert feministische Erfolge:

Das Batemannprinzip sei jetzt endlich, dank der Prinzipien der feministischen Wissenschaft, androzentrische Forschung zu hinterfragen, als falsch erkannt worden. Oder jedenfalls mache das deutlich, dass es feministische Wissenschaft brauchen würde, denn die könne jedenfalls entsprechendes leisten.

Dabei ruft feministische Wissenschaftskritik eigentlich nur in Erinnerung, was jede_r Wissenschaftler_in bedenken sollte: Dass ihre Interpretation von Daten hakt oder es bereits in der These grundlegende Fehl­annahmen gibt.

Ach, wie schön wäre es, wenn der Genderfeminismus diese weisen Worte einfach auf sich selbst anwenden würde. Wenn er einfach mal hinterfragen würde, ob das denn wirklich sein kann mit der Gleichheit der Geschlechter. Dass da die moderne Forschung bereits viele Fallgruppen gefunden hat, die damit nicht kompatibel sind. Aber nein, da sei IDPOL vor.

Aber auf dem Auge ist man eben blind. Dort stellt man lieber auf das Folgende ab:

[…] dass feministische Kritik eine Art notwendiges Tool, ein Hand­werks­zeug darstellt, um bei jedem Forschungsprojekt nochmals eine Qua­li­täts­kon­trolle durchzuführen. Spätestens bei den Ergebnis­inter­pre­tationen sollte also z.B. gefragt werden, ob sich andro­zen­trisch geprägte ge­schlechts­spezifische Einflüsse oder kulturelle Muster eingeschlichen haben könnten. Diese sind dann zu korrigieren.

Ich nehme an die Begründung dafür, dass man nur auf androzentrische Begründungen hin überprüft und nicht auf gynozentrische ist, dass solche in einem patriarchalischen System gar nicht auftreten können, weil Frauen eben keine Macht haben und damit selbst feministische Forschung keine entsprechenden Strukturen produzieren kann.  (vgl. „Warum es keine sexuelle Diskriminierung von Männern geben kann„)

Aber ganz abgesehen davon, hat der Artikel meiner Meinung nach  zwei wesentliche Schwächen:

1. Das Batemannprinzip ist hier nicht durch feministische Forschung hinterfragt worden. Es wurde durch ganz klassische Wissenschaft, die nochmalige Durchführung eines Versuches und die Hinterfragung des ursprünglichen Versuchsaufbaus, hinterfragt.

Es handelt sich um die folgende Studie:

We are unique in reporting a repetition of Bateman [Bateman AJ (1948) Heredity (Edinb) 2:349–368] using his methods of parentage assignment, which linked sex differences in variance of reproductive success and variance in number of mates in small populations of Drosophila melanogaster. Using offspring phenotypes, we inferred who mated with whom and assigned offspring to parents. Like Bateman, we cultured adults expressing dramatic phenotypes, so that each adult was heterozygous-dominant at its unique marker locus but had only wild-type alleles at all other subjects’ marker loci. Assuming no viability effects of parental markers on offspring, the frequencies of parental phenotypes in offspring follow Mendelian expectations: one-quarter will be double-mutants who inherit the dominant gene from each parent, the offspring from which Bateman counted the number of mates per breeder; half of the offspring must be single mutants inheriting the dominant gene of one parent and the wild-type allele of the other parent; and one-quarter would inherit neither of their parent’s marker mutations. Here we show that inviability of double-mutant offspring biased inferences of mate number and number of offspring on which rest inferences of sex differences in fitness variances. Bateman’s method overestimated subjects with zero mates, underestimated subjects with one or more mates, and produced systematically biased estimates of offspring number by sex. Bateman’s methodology mismeasured fitness variances that are the key variables of sexual selection.

Quelle: No evidence of sexual selection in a repetition of Bateman’s classic study of Drosophila melanogaster

Hier fand keine feministische Forschung statt, es wurde nicht gefragt, ob hier ein besonders androzentrischer Blickwinkel überwunden werden muss, es handelt sich um normale „patriarchalische“ Wissenschaft. Allenfalls legt dies dar, dass diese sich ganz hervorragend selbst überprüfen kann

2. Das Batemannprinzip ist bereits seit langer Zeit hinterfragt und in dieser Hinsicht nicht mehr aktuell. Dazu hätte die werte Mädchenmannschaftsautorin, wenn sie schon nicht auf dem Stand der biologischen Forschung ist, wenigstens mal den Wikipediaartikel dazu lesen sollen:

Als Bateman-Prinzip wird in der Fortpflanzungsbiologie die von A. J. Bateman 1948 aufgestellte Theorie bezeichnet, nach der Männchen um die Gunst der Weibchen konkurrieren und versuchen, so viele Weibchen zu befruchten wie möglich. Als Ursache hierfür sieht er vor allem, dass die Gameten des Männchen – die Spermien – im Vergleich zu den weiblichen Gameten kleiner und zahlreicher sind. Damit erklärt er seinen experimentell ermittelten Befund, dass die Varianz des Paarungs- und Fortpflanzungserfolgs bei Männchen größer als bei Weibchen ist, also die Bandbreite des Fortpflanzungserfolgs innerhalb der Männchen größer ist als bei Weibchen. Somit seien Männchen einem stärkeren Selektionsdruck ausgesetzt.

Bei dem Experiment, aus dem Bateman 1948 seine Theorie folgerte, brachte er je vier Weibchen und Männchen einer Taufliegen-Art (Drosophila melanogaster) zusammen. Nach heutigem Stand der Wissenschaft gelten die statistischen Verfahren, die Bateman für seine Schlussfolgerungen anwandte, nicht mehr als hinreichend.[1]

Da es einige Tierarten gibt, bei denen dieses Prinzip in dieser einfachen Form nicht anzuwenden ist, wurde es in der Folgezeit erweitert und verallgemeinert, insbesondere durch Robert Trivers. Im Jahr 1972 machte Trivers deutlich, dass die geschlechtsspezifische Form des elterlichen Investments in die Nachkommen – und nicht das Geschlecht an sich oder die Gametengröße – dafür ausschlaggebend sind, ob sich ein Individuum im klassischen Sinne männlich oder weiblich verhält.

Das hat auch der dem Mädchenmannschaft Bericht zugrundeliegende Wired-Bericht übersehen, aber warum in der ach so kritischen feministischen Wissenschaft auch etwas mehr lesen als den Bericht, der der eigenen Ideologie entspricht? Dabei hat die Autorin Helga sogar Biochemie studiert.

Im Wired-Artikel übrigens wird ein Bild (Quelle) eines Halsbandarassari gezeigt, eine Vogelart, bei der beide Geschlechter bunt sind.

Collared Aracari

Collared Aracari

Der Text dazu:

Among aracaris, a relative of the toucan, males and females possess equally exaggerated, colorful features. Traditional ideas of sexual selection don’t seem to explain why

Schauen wir uns nun einmal das Paarungsverhalten dieser Vögel an:

Als Nistplatz nutzt der Vogel Baumhöhlen, aus denen er gelegentlich bereits dort brütenden König- und Linienspechten abspenstig macht. [6] Häufig handelt es sich aber auch um eine der Übernachtungshöhlen.[7] Sowohl Männchen wie Weibchen beteiligen sich an der Brut, die etwa 16 Tage dauert. Die Küken sind nach ungefähr 6 Wochen flügge, werden allerdings noch einige Wochen nach Verlassen des Nests gefüttert. Neben den Eltern beteiligen sich auch andere Artgenossen an der Fütterung der Küken. Dabei handelt es sich vermutlich um noch nicht geschlechtsreife Jungvögel, die von den Elternvögeln abstammen. Halsbandarasaaris sind bislang die einzige Tukanart, bei der man ein solches kooperatives Brutsystem eindeutig nachweisen konnte. Da aber bei einer Reihe anderer Tukanarten – darunter insbesondere die Schwarzarassaris – die Fortpflanzungsbiologie noch nicht hinreichend untersucht ist, ist nicht auszuschließen, dass dieses Verhalten auch bei weiteren Arten vorkommt.[8] Halsbandarassaris gelten als monogam.

Da beide Geschlechter jeweils gute Versorger für die monogame Beziehung suchen, müssen beide sich einer entsprechenden Selektion stellen und dafür die entsprechenden Zeichen bereit halten.

Wer etwas mehr dazu lesen will, den verweise ich auf Geary, Male Female, der in Kapitel drei ausführlich darstellt, unter welchen Bedingungen Spezien dazu neigen einen Selektionsdruck zu erfahren oder in eine intrasexuelle Konkurrenz um das andere Geschlecht zu treten. Ich zitiere einmal den Passus zu male Choice:

Although male choice has not been found i n all species in which i t has b e e n studied, discriminating males have been found i n dozens of species of insect (Bonduriansky, 2001; LeBas, Hockham, & Ritchie, 2003), many species offish (Amundsen 6k Forsgren, 2001; Berglund 6k Rosenqvist, 2001; Widemo, 2006) and bird (Amundsen 6k Parn, 2006; Pizzari, Cornwallis, 1.0vlie, Jakobsson, 6k Birkhead, 2003; Roulin, Jungi, Pfister, 6k Dijkstra, 2000), and in some mammals ( M . N . Muller, Thompson, 6k Wrangham, 2006; Szykman et al., 2001). Across these species, the traits males use to make i heir mate choices include indicators of female sexual receptivity, the risk of sperm competition, social dominance as determined by female-female compel it ion, female quality, and the quality of parental care the female is likely to provide. A n intriguing possibility is that some of these traits may be honest signals of the quantity or quality of eggs the females carry. The female barn owl (Tyto alba) provides one example. Females display a Varying number of black spots on their breast plumage, and male mate choice indicates the more the better (Roulin, 1999). Although males do not have as many plumage spots as females, they do have some and, again, t h e more the better. Sexy females lend to pair with sexy males and males with sexy mates work harder to provision their offspring. An immune challenge experiment demonstrated that the robustness of the immunsystem is predicted by the number of black breast spots for females but not for males. These spots are indeed an honest indicator of female but not male health and an apparent indicator of the general health and immunocompetence of her offspring (Roulin, Ducrest, Balloux, Dijkstra, 6k Riols, 2003; Roulin, Riols, Dijkstra, 6k Ducrest, 2001). Pizzari et al. (2003) also found evidence for condition-dependent female ornaments in red jungle fowl as well as for direct and cryptic male choice. Female jungle fowl sport red combs, although smaller and less colorful than those described earlier among males; when females have ornaments, they are typically less conspicuous than those of conspecific males (Amundsen 6k Parn, 2006). Females with relatively large combs produce larger eggs with more yolk than their peers, and male mate choices indicate they prefer these females to females w i t h smaller combs. Cryptic male choice was demonstrated by the finding that males transfer more sperm when copulating w i t h females with larger combs; this effect is particularly pronounced for high-status males. Another interesting twist on male choice is found for the paternal pipefish (Syngnathus typhle); in this species males copy the mate choices of other males (Widemo, 2006). Copying presumably reduces the costs of finding a mate, but scientists do not know how often this happens in other species. As I describe i n the Paternal Investment section of chapter 4, the conditions associated with male parenting and male choice differ in important ways from female parenting and female choice. My point for now is that when males shift reproductive effort from mating to parenting, they compete less intensely with one another and become choosier when it comes to mates. This is not to say that male choice is always associated with male parenting. Male choosiness can evolve when females vary greatly in the quantity and quality of eggs they carry or when there are limitations—other than parenting— on males‘ reproductive potential (e.g., as a result of sperm depletion; Saether, Fiske, 6k Kalas, 2001).

Danach folgt ein ebenfalls interessantes Kapitel zu female-female competition, also den Wettbewerb von Frauen um Männer. Ich empfehle insofern das Buch nochmals.

Auch in einen anderen Artikel bin ich darauf schon einmal eingegangen:

Ein Beispiel intrasexueller Konkurrenz ist der Gorilla: Ein Männchen lebt mit einem Harem von Weibchen und dem Nachwuchs, um den er sich durchaus liebevoll kümmert. Er kann sich ziemlich sicher sein, dass es sein Nachwuchs ist, weil er als dominanter Silberrücken des Harems jeden anderen Gorilla vertreibt, der sich seinem Harem nährt. Die Folge sind sehr kräftige und kampfstarke Männchen. Diese Kraft hat sich entwickelt, weil sich jeweils die Gorillamännchen, die die Kämpfe mit anderen Gorillamännchen gewonnen haben, fortgepflanzt haben, gehalten haben.

Ein Beispiel intrasexueller Konkurrenz der Weibchen findet sich beispielsweise bei den Odinshühnchen. Bei diesen übernehmen die Männchen die Brutpflege, die etwa 3 Wochen dauert, während das Weibchen etwa 1 Woche braucht um ein neues Gelege produzieren zu können. Dadurch wird es für die Weibchen interessant um die Männchen zu werben, da für jedes Weibchen, dass zwei Gelege mit 2 Männchen produziert ein anderes Weibchen leer ausgeht.

Ordnet man in dieses Schema den Menschen ein, dann sieht man, dass wir eine Spezies sind, in der väterliche Unterstützung bei der Aufzucht nicht obligatorisch ist. Damit lohnt sich für Männchen das „Genestreuen“ biologisch mehr als für die Weibchen. Und auch wenn Menschenweibchen in Konkurrenz um „gute Männer“ stehen wird dieser Wettkampf bei ihnen nicht um die Darstellung der Versorgungseigenschaft geführt, sondern eben um körperliche Vorzüge (weswegen Frauen Brüste entwickelt haben als Zeichen guter Gene). Wenn die Mädchenmannschaft diesen Gedanken tatsächlich einmal zu Ende denken würde, statt sich einfach nur zu freuen, dass ein aus ihrer Sicht schlechtes Konzept widerlegt wurde, dann würden sie sehen, dass dieser Auslese eine sexuelle Selektion zugrundeliegt und die erfordert in der Biologie zwingend abgespeicherte Attraktivitätsmerkmale, weil sie sonst nicht evolutionär wirken kann. Das aber steht im Widerspruch zu allen genderfeministischen Theorien, die mir bekannt sind. Echte kritische Wissenschaft würde demnach auch eher in den feministischen Theorien selbst aktiv werden als in den Naturwissenschaften.

Deren Selbstüberwachungsmechanismen funktionieren, wie man sieht, auch außerhalb feminstischer Wertungen

Feministische Wissenschaft vs patriarchische Wissenschaft

Leser Chomsky zitiert eine interessante Passage zu feministischer Wissenschaft:

Habe mir gerade gestern wieder einmal ein neues Buch über die Methoden der empirischen Sozialforschung gekauft, dort heisst es über die feministische Sozialforschung und Wissenschaftstheorie:

„Bei „feministischen Ansätzen“ handelt es sich zwar teilweise um empirische Beschreibungen gesellschaftlicher Verhältnisse, diese Beschreibungen werden aber mit Werturteilen und politischen Strategien vermischt. Da keine Trennung von Beschreibungen, Erklärungen, Werturteilen, Hoffnungen und wünschen erfolgt, sind solche Aussagen einer systematischen empirischen und theoretischen Analyse und rationalen wissenschaftlichen Diskussion nur schwerlich zugänglich. Theoretische Aussagen im Sinne von „Wenn-Dann-Sätzen“ oder Allsätzen sind jedoch selten zu identifizieren. Damit handelt es sich bei „feministischen Ansätzen“ nicht um Theorien im Sinne der analytischen Wissenschaftstheorie. In der Soziologie werden Schlagworte wie z.B. „feministischer Ansatz“ häufig auch als „Paradigmen“ bezeichnet (…). Diese Bezeichnung ist falsch. Paradigmen beinhalten immer auch empirisch bewährte Theorien, die hier aber fehlen.…

Die wissenschaftstheoretische Kritik „feministischer Ansätze“ bezieht sich weiterhin auf die Vermischung von Entdeckungs- und Begründungszusammenhang: Aus der möglichen Tatsache, dass Wissenschaftler andere Themen als Wissenschaftlerinnen untersuchen, lässt sich nichts über die Gültigkeit der gewonnenen Ergebnisse folgern. Die Wahl des Forschungsthemas ist sicherlich von vielen Faktoren abhängig, so z.B. auch durch (sicherlich auch sozial definiertes) „Geschlecht“. Aus dieser möglichen Tatsache lässt sich aber nicht die Forderung nach speziellen Forschungsthemen logisch herleiten; dies ist eine letztlich politische Forderung und aus empirischen Gegebenheiten nicht ableitbar.

Der dritte wissenschaftstheoretische Kritikpunkt bezieht sich auf die vorgebliche Verwendung spezieller Datenerhebungs- oder Datenanalysemethoden. Die hierbei anzulegenden Gütekriterien sind aber in keiner Weise „geschlechtsabhängig“; Gütekriterien wissenschaftlicher Forschung sind universell gültig. (…)…

Bei „feministischen Ansätzen“ handelt es sich also weder um eine eigenständige wissenschaftstheoretische Position, noch um eine inhaltliche Theorie (also kein „Paradigma“), noch um eigenständige methodische Erkenntnisse oder Verfahren.“ (Schnell, Rainer/Hill, Paul B./Esser, Elke 2011: Methoden der empirischen Sozialforschung, München, S. 109 f.)

Der Grundgedanke feministischer Forschung scheint mir zu sein, dass man davon ausgeht, dass es keine objektiven Ergebnisse gibt und ganz poststrukturalistisch eh alles Sprache ist. Hinzu kommt die Theorie, dass alles, was geschieht letztendlich ein Kampf um Macht und Gesellschaftsnormen ist. Zwischen diesen beiden Ideen sind alle unliebsamen Ergebnisse anderer Forscher lediglich Versuche Macht im Diskurs zu gewinnen und Rollen zu festigen. Das macht eine eigene feministische Wissenschaft als Gegenwissenschaft notwendig, die genau das gleiche versucht, also ebenfalls Macht im Diskurs gewinnen will, wie aus ihrer Sicht alle anderen Wissenschaften auch.

Weil es keine ideologiefreie Wissenschaft gibt kann man aus dieser Sicht heraus der feministischen Wissenschaft auch nicht vorwerfen, dass sie ideologisch ist. Das ist allenfalls eine Abwehrstrategie der patriarchischen Forschung.

Der Fehler daran ist, dass die übrige Wissenschaft meiner Meinung nach gar nicht so Ideologie geladen ist, wie dies in der feministischen Theorie angenommen wird. Das sie Ergebnisse produziert, die Feministinnen nicht gefallen ist kein Ausdruck der Ideologiegeprägtheit, sondern eben das Ergebnis der Forschungen.

Die Welt ist eben nicht nur Sprache.