Geschlechterunterschiede im Wettbewerb

Ist da was dran?

Ein paar Überlegungen ins Unreine:

Natürlich wären auch Frauen dann wieder in anderen Bereichen besser geeignet (im Schnitt) und intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen kann man auch als eine Form des Wettbewerbes sehen, der nur eben diskreter abläuft, häufig im verdeckten, während viele Männer Wettbewerb eher offener austragen

Der „Schwanzvergleich“ unter Männern und intrasexuelle Konkurrenz

Zu einer sehr kontrovers geführten Diskussion über das Körper-Geist-Problem brachte Maren einen altbekannten Einwurf:

Herrlisch. Ich hab keine Ahnung von Philosophie, aber mich erheitern die Penisvergleiche hier grade sehr.

Unter einem Penisvergleich oder Schwanzvergleich versteht man letztendlich, dass eine Auseinandersetzung unter Männern nicht um die Sache selbst geführt wird, sondern Teil einer reinen intrasexuellen Konkurrenz ist. Die Penislänge wird dabei sinnbildlich als Wettkampf unter Männern verstanden, bei dem derjenige mit dem längeren Penis gewinnt, also der bessere Mann ist.

Aus Sicht eines Biologen ist diese Metapher interessant, denn aus dieser Sicht ist eine Auseinandersetzung in der Sache natürlich ein Produkt intrasexueller Konkurrenz. Beide sind sehr eng miteinander verbunden. Es geht um Wettbewerb unter Männern, der gleichzeitig auch ein Ergebnis sexueller Selektion von Frauen auf Männer, die möglichst hoch in der Hierarchie stehen.

Wer solche Auseinandersetzungen als „typisch männlich“ der muss sich auch Fragen, wie sie von sonstigen Konkurrenzverhalten abzugrenzen sind und ob man in dieser Hinsicht nicht auch generell von einer höheren Wettbewerbsbereitschaft von Männern ausgehen müsste.

Man könnte zwar einwenden, dass Männer eben einen solchen Wettbwerb persönlicher werden lassen und Frauen hingegen im „guten Wettbewerb“ genauso ehrgeizig sind. Allerdings ist eben auch ein persönlich motivierter Wettbewerb anspornend und dessen entstehen eher geeignet sich in dieser Hinsicht anzustrengen. Zudem scheint mir dieses Bild auch mit einer durch sonstige Daten nicht gedeckten übermäßig positiven Einschätzung von Frauen verbunden zu sein.

So gesehen ist diese Tendenz von Männern zum „Schwanzvergleich“ vielleicht einer der Gründe, warum eine große Zahl von Leistungen erbracht worden sind, wahrscheinlich auch einiges an Kriegen oder anderen Auseinandersetzungen. Es ist vielleicht auch der Grund, warum Männer eher in Spitzenpositionen und anderen Positionen im direkten Wettbewerb vorzufinden sind.

 

Tiefe Stimmen und Politik

Tiefe Stimmen scheinen in der Politik eine gewisse Rolle zu spielen:

Dass die Höhe respektive Tiefe der Stimme die Attraktivität beeinflusst, ist in der Anthropologie an sich nichts Neues. Männer mit tieferen Stimmen werden laut Studien als anziehend, physisch stark und sozial dominant wahrgenommen. Bei Frauen ist die Sachlage etwas komplizierter: Hohe Stimmen gelten einerseits als attraktiv, andererseits scheinen sie der sozialen Dominanz abträglich zu sein.

Anderson hat nun mit der Biologin Susan Peters und dem Politikwissenschaftler Casey Klofstad die Stimme als Faktor politischer Wahlen untersucht. Die drei Forscher baten Frauen und Männer ins Labor, um folgenden Satz ins Mikrofon zu sprechen: „I urge you to vote for me this November“ – „Ich bitte Sie mich im November zu wählen“.

Daraus stellten die drei Forscher Varianten in höherer und tieferer Stimmlage her, die sie wiederum mehr als 150 Probanden vorspielten. Das Urteil war einhellig. Sowohl Frauen als auch Männer entschieden sich für die Kandidaten mit der tieferen Stimme. Eine zweite Testrunde legte Differenzen offen: Kandidatinnen mit sonorem Organ wurden sowohl von Frauen als auch von Männern als kompetenter, stärker und vertrauenswürdiger eingestuft.

Oder wie es die Forscher selbst fassen:

It is well known that non-human animals respond to information encoded in vocal signals, and the same can be said of humans. Specifically, human voice pitch affects how speakers are perceived. As such, does voice pitch affect how we perceive and select our leaders? To answer this question, we recorded men and women saying ‘I urge you to vote for me this November’. Each recording was manipulated digitally to yield a higher- and lower-pitched version of the original. We then asked men and women to vote for either the lower- or higher-pitched version of each voice. Our results show that both men and women select male and female leaders with lower voices. These findings suggest that men and women with lower-pitched voices may be more successful in obtaining positions of leadership. This might also suggest that because women, on average, have higher-pitched voices than men, voice pitch could be a factor that contributes to fewer women holding leadership roles than men. Additionally, while people are free to choose their leaders, these results clearly demonstrate that these choices cannot be understood in isolation from biological influences.

Quelle: Sounds like a winner: voice pitch influences perception of leadership capacity in both men and women

Aus Sicht der Evolution recht einfach zu erklären. Bei Männern lassen tiefe Stimmen auf viel Testosteron und große Brustkästen schließen. Also auf jemanden, der mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit als Sieger aus einem intrasexuellen Konflikt hervorgeht. Es lohnt sich also ihn zu bevorzugen.

Bei Frauen wirken helle Stimmen attraktiver, weil sie auf Östrogene hindeuten. Tiefe Stimmen hingegen deuten eher auf Testosteron hin und damit in der Tat auf mehr Dominanz und Wettbewerbsfähigkeit. Auch das Auseinanderdriften ist damit verständlich.

Hinzu kommt, dass Frauen in einem Kampf um die Anführerrolle gegen stärkere Männer schlechte Karten haben, sofern sie nicht selbst andere Männer auf ihre Seite zogen. Auch nicht die beste Voraussetzung für den Kampf um die Führung, was vielleicht erklärt, warum wir Frauen in diesem Bereich weniger auf unserem Radar haben.

Ungerecht? Ja, natürlich. Aber die Natur ist eben nicht gerecht, moralisch oder gut.

Nachteilig für weibliche Kandidaten in der Politik, dem Betrieb oder andere Führungspositionen? Auch das. Aber es zeigt eben auch wieder, dass wir in solchen Bereichen immer noch von unserer Biologie beeinflusst werden, auch wenn wir das gar nicht in dem Maße merken. Die Leute werden ja nicht darauf abstellen, was eine tiefere Stimme bedeutet, sondern einfach ein bestimmtes Gefühl haben, dass der mit der tieferen Stimme irgendwie vertrauenserweckender, dominanter, anführerhafter klingt.

Ich zitiere noch mal aus der Studie:

Additionally, while people are free to choose their leaders, these results clearly demonstrate that these choices cannot be understood in isolation from biological influences

Wie so häufig.