Umgang zu Weihnachten – ein paar Modelle

Gerade die Weihnachtsfeiertage sind im Umgangsrecht immer wieder eine besondere Frage. Denn schon weil es das wohl größte Fest in unserer Kultur ist, und weil es dort gerade für die Kinder auch Geschenke gibt, hat es eine hohe Bedeutung.

Allerdings sind es eben nur drei Tage, was die Verteilung schon wieder schwierig machen kann.

Beliebte Modelle sind:

  • Weihnachten und erster Weihnachtsfeiertag ist das Kind bei der „Hauptbetreuungsperson“, am zweiten Weihnachtsfeiertag hat es Umgang mit dem anderen Elternteil
  • man wechselt sich ab: Ein Jahr ist das Kind Weihnachten durchgängig bei einem Elternteil und dafür Silvester bei dem anderen Elternteil, die Weihnachtsferien werden also sozusagen geteilt, im nächsten Jahr ist es andersrum.
  • Natürlich bei näheren Wohnungen auch: Das Kind geht dann zu bestimmten Zeiten kurz zu dem anderen Elternteil
  • Und für Paare, die sich ganz gut verstehen, trotz Trennung: Zusammen feiern

Gerade Weihnachten und Neujahr ist es aber eben wegen dieser Regelungen für viele auch noch schwieriger, wenn sie in dieser Zeit alleine sind. Wenn sie ihre Kinder nicht sehen dürfen und noch nachdrücklicher den Verlust empfinden.

Mich würde interessieren, wie Leser des Blogs, die getrennt leben, Weihnachten organisieren und wie sie es lieber organisieren würden.

„Weihnachten ist ein Fest für weiße Männer der Mittelschicht, die rückwärts gewandten Utopien nachhängen“

Das Verhältnis des Feminismus zu Weihnachten ist seit jeher gespalten – nicht verwunderlich, bei einem christlichen, also westlichen Fest, in der ein alter vermutlich heterosexueller (?) weißer Mann Geschenke bringt und der Geburtstag eines anderen Mannes, allerdings wahrscheinlich nicht weiß, da aus dem nahen Osten, dafür aber heterosexuell, gefeiert wird. Der Weihnachtsmann ist zwar zumindestens fettleibig, aber er bringt armen weniger als reichen Kindern und allgemein Spielzeuge aus dem Kapitalismus, so dass hier die Ablehnung wohl überwiegen muss.

Natürlich ist es für viele Frauen auch ein stressiges Fest, weil ein Großteil der Vorbereitung, vom Festmahl bis zum Geschenkekaufen, auch an ihnen hängen bleibt.

Hier ein wunderbarer Weihnachtsverriss:

ich  hasse Weihnachten, weil es nicht hält, was es verspricht. Groß angekündigt als Fest der Familie ist es nämlich hier und heute vor allem eines: ein Fest für die Trumps dieser Welt und alle, die es sein wollen. Ein Fest für weiße Männer der Mittelschicht, die rückwärts gewandten Utopien nachhängen und im Punschduft leise vor sich hin säuseln: „Früher war alles besser, so soll es wieder werden“. Nicht umsonst erfreut sich der Slogan „Make America great again“ großer Beliebtheit – jetzt kann man ruhig auch sagen: „Make Weihnachten great again“. Und in diesem Kontext bekommt auch der Ausdruck „weiße Weihnachten“ eine neue Bedeutung. Aber zurück zum Thema Weihnachten ….

Dem Fest, das alte tradierte Rollenmuster festigt: Die Frau und Mutter, die mit ihrer  (am besten blonden und blauäugigen) Kinderschar Kekse bäckt, sich das Weihnachtsessen überlegt, einkauft, zubereitet und die Wohnung putzt. Ein Lobgesang auf die 50er und ihre verbohrten Ansichten über Frauen am Herd, die heute noch düstere Schatten werfen. Nicht umsonst feiern wir die Geburt eines Kindes, das aus einer angeblich unbefleckten Empfängnis hervorgegangen ist. Und auch hier steht nicht die Mutter im Vordergrund, sondern der, der es gemacht hat: Gott. Es ist sein Sohn. Kenn ich irgendwie. Auch der hasigste Ehemann von allen ist fest davon überzeugt, die Kinder habe primär er gemacht. Mein Beitrag war da aus seiner Sicht eher gering. Meint er. Ein Fest, das – zumindest bei mir – keine rührselige Stimmung aufkommen lässt, sondern mich mürbe macht. Mit Mürbteig und Rührkuchen.

Ein Fest, für das ICH allein die Geschenke überlegen, besorgen und natürlich einpacken muss. Für Opa, Oma, Neffen, Kinder und Freunde. Wieso? Weil der Mann an meiner Seite mir da unverbindlich aus dem Weg geht. Wahrscheinlich lässt er mir hier meinen Freiraum. Vielleicht hat er aber auch weder Zeit noch Lust dazu. Und wundert sich dann, warum sein beliebtestes Nicht-Nur-an-Weihnachten-Geschenk – „Make Penis great again“ – wohl gerade aus ist. Wohl Lieferschwierigkeiten wegen Weihnachtsstress und so …

So so, Make Penis great again muss leider ausfallen. Und überhaupt ist Weihnachten viel zu weiß. Schreckliches Fest!

Bitte Weihnachten nicht normalisieren und schon gar nicht zeigen, dass man glücklich ist

Zwar auf die Adventszeit bezogen, aber auch an Weihnachten noch gut verwertbar: Der Weihnachtsartikel der Mädchenmannschaft.

Werbekataloge und -kampagnen erinnern daran, dass ALLE ihren Herzensmenschen zeigen sollten, welchen Stellenwert sie in ihrem Leben haben. Wenn schon nicht durch Schmuck, dann wenigstens durch ein Los für irgendwelche dubiosen Lotterien. Oder was Selbstgebasteltes. Yeah, DIY! Als ob alle, die kein Geld haben, automatisch Zeit und Zugang zu Material hätten, um sich easypeasy und SUPERgünstig edgy Geschenkideen auszudenken.

Oder Adventskalender. Schlimmer als Pärchenbilder sind auf Instagram nur die morgendlichen Dokumentationen der jeweiligen Türchen-Inhalte. Schön für dich, dass du viele Freund_innen hast, die sich die Zeit nehmen können, dir so etwas Aufmerksames zu basteln. Ich meine es nicht ironisch, wirklich. Das ist richtig cool und wenn ich ehrlich bin, hätte ich auch nichts gegen Geschenktüten in täglicher Ration, fast einen Monat lang. Es ist auch völlig okay, sich darüber zu freuen.

Was nicht okay ist, ist durch vermehrte mediale Inszenierung das Feiern von Weihnachten und das Besitzen schöner Adventskalender zu normalisieren. Das Prinzip kennen wir schon von Reproduktion von Heteronormativität durch Hetenperformance allerorts. Wenn ich überall sehe, dass dieses westliche, kapitalistische, klassistische Fest gefeiert wird, dann denke ich erst mal: Das muss so sein, dass machen alle™ und ich bin ganz schön komisch, wenn Christmas-Feels für mich Aversion und Apathie bedeuten.

Klassischer poststrukturalistischer Feminismus. Zeigt mal wieder sehr gut, dass nahezu alles, was man irgendwie in Verbindung damit bringen kann, dass es jemanden gut geht, von Feministinnen als etwas angesehen werden kann, was man besser für sich behält, weil es andere daran erinnert, dass sie nicht glücklich sind  oder zumindest in diesem Bereich keine Glücklichkeit erlangen können.

Vermutlich ist das der eigentliche Grund, warum der Feminismus trotz aller Friedfertigkeit und der gestiegenen Gleichberechtigung in allen Bereichen noch immer von bizarren Unterdrückungsszenarien ausgeht: Darzustellen, dass man nicht unterdrückt wird, ist eine Normalisierung der Nichtunterdrückung und damit ein Affront gegen alle, die sich unterdrückt fühlen.

Also bitte allesamt nicht fröhlich sein. Nichts für andere machen und das nach außen zeigen. Keine Babies oder Kinder in der Öffentlichkeit zeigen, keine Küsse mit dem Partner, dass wäre ja Hetenperformance.

Und auch nicht zeigen, dass man Freundinnen oder Freunde hat. Oder das man ein bestimmtes Fest, welches in der eigenen Kultur fest verwurzelt ist, feiert. Nichts zeigen. Die Mauern höher machen. Neutrale Gesichtsausdrücke. Es soll ja keiner merken, dass es einem besser geht.

Denn wenn keiner merkt, dass es anderen gut geht, dann kann sich auch keiner schlecht fühlen.

So kommt Glück in die Welt.

 

Gendermainstreaming und der Weihnachtsmann

Hier ein schöner Text zum Gendermainstreaming und Weihnachten:

Betrachtet man die zentralen „Figuren“ der Weihnachtszeit im Hinblick auf deren Geschlechter, so wird schnell klar, dass das weibliche Geschlecht hierbei völlig vernachlässigt wird. Weder der Weihnachtsmann, das Christkind, Knecht Ruprecht noch Santa Claus oder das Jesuskind treten im Rahmen von Weihnachten mittels weiblichen Geschlechts auf. Die Charaktere und weihnachtlichen Figuren sind folglich entweder männlich oder neutral. Von einer weiblichen Weihnachtsfigur ist dabei nie die Rede und war es auch nie. Seit jeher wird der „Weihnachtsbote“ als männliche Figur klassifiziert ; Merkmale wie eine raue Stimme, ein langer weißer Bart, ein etwas dicklicher Bauch sowie ein rotes Kostüm sind dabei besonders essentiell. Eigentlich geben bereits diese Merkmale darüber Aufschluss, dass eine weibliche Weihnachtsfigur absolut untypisch und überhaupt nicht passend wäre. Ein weiblicher Weihnachtsmann? – Also eine richtige WeihnachtsFRAU mit weißen langen Haaren, keinem Bart, normaler Figur? Alleine die Vorstellung eines solchen Charakters würde gar nicht erst zu Weihnachten passen.

Tatsache ist, dass die rund um Weihnachten präsenten Weihnachtscharaktere nicht den Prinzipien des Gender Mainstreamings entsprechen. Doch weshalb ist das so? Liegt es vielleicht daran, dass eine Weihnachtsfrau nicht stark genug ist, um den Sack voller Geschenke zu tragen? Und warum wird dem eigentlichen Christkind kein eindeutiges Geschlecht zugewiesen?

Würde man die Thematik „Weihnachten“ den Grundsätzen des Gender Mainstreams gerecht betrachten, so müssten weibliche und männliche Weihnachtsfiguren gleichermaßen existieren und auch so behandelt werden. Diesen Leitsätzen kann jedoch nicht entsprochen werden, da ein Geschlecht, nämlich das weibliche, gar nicht erst existiert, sondern nur das männliche. Folglich existiert im Rahmen von Weihnachten keine Geschlechtergerechtigkeit bzw. Gleichstellung beider Geschlechter, wodurch das Regelwerk „Gender Mainstreaming“ auf Weihnachten und die damit verbundenen Figuren und Charaktere nicht angewendet werden kann.

Scheint also als wäre Weihnachten damit bezüglich der Figuren kein Fall des Gender Mainstreaming. ist ja auch etwas festliches

Ein paar Gedanken zu Familie und Weihnachten

Hier ein paar Gedanken zur Weihnachtszeit:

  • ist man erst einmal von zuhause ausgezogen und lebt getrennt von den Eltern, dann vermisst man schnell die Eigenständigkeit, an die man sich gewöhnt hat: Für viele Eltern scheint es schwierig zu sein, sich daran zu gewöhnen, dass die Kinder inzwischen älter sind und nicht mehr die kleinen Kinder von früher sind. Mit der höheren Selbständigkeit stören einen bestimmte Verhaltensweisen mehr und es kommt hinzu, dass auch die Eltern älter werden und damit mitunter weniger angepasst werden
  • Gerade Mütter haben die Angewohnheit einem über Personen zu erzählen, die man irgendwann mal entfernt kannte, weil sie sich gelegentlich mit deren Müttern unterhalten: „Doch, den kennst du, der war mit dir im Kindergarten“.
  • Wie schaffen es Eltern eigentlich ihren Computer in einen derartigen Zustand zu bringen ohne Ahnung von Computern zu bringen?
  • Der Wunsch, dass bei einem Familienfest alles perfekt ist und traute Familieneinheit demonstriert wird kann zusätzlichen Druck aufbauen, der dann zu einer besonderen Gereiztheit führen kann, die alle besonders dünnhäutig werden lässt.
  • Familienrituale können eine sehr vertraute Atmosphäre schaffen und eine gute Atmosphäre schaffen.