Beschneidung von Jungen: Gesetzesentwurf vorgelegt

Nachdem ein Gericht die Beschneidung von minderjährigen Jungen als Körperverletzung angesehen hat hat die Regierung nun gehandelt und einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der dieses Problem regelt – und die Beschneidung unter besonderen Bedingungen erlauben soll. Der Spiegel berichtet:

Dem Blatt zufolge soll der Entwurf bereits am Mittwoch nächster Woche im Kabinett verabschiedet und danach in den Bundestag eingebracht werden.

Zum Inhalt:

Dem Gesetzentwurf zufolge können Eltern künftig einer Beschneidung ihres Jungen zustimmen, ohne damit ihre gesetzliche Fürsorgepflicht zu verletzen. Allerdings muss der Eingriff, der meist religiös begründet ist, „nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt werden“, zitiert die Nachrichtenagentur dpa aus dem Gesetzestext. Das Wohl des Kindes dürfe dadurch nicht gefährdet werden. Die Abtrennung der Penisvorhaut darf demnach in den ersten sechs Lebensmonaten des Kindes auch von „besonders ausgebildeten“ Vertretern der Religionsgemeinschaften vorgenommen werden. (…)  So dürfen Eltern dem Begleittext des Gesetzentwurfs zufolge in eine Genitalverstümmelung ihrer Tochter „weiterhin keinesfalls einwilligen“. Betroffene ältere Jungen sollen demnach eine Art Recht zum Veto gegen den Eingriff erhalten, das auch respektiert werden muss. Der Einsatz von örtlichen Betäubungs- oder im fortgeschrittenen Alter von Narkosemitteln soll zur Schmerzminderung beitragen. Eltern sollen zudem umfassend über medizinische Risiken und mögliche Folgen des Eingriffs aufgeklärt werden.

Also eine Beschneidung, in die die Eltern – dann wohl beide Eltern, wenn sie das gemeinsame Sorgerecht haben – einwilligen können und die „das Kindeswohl nicht gefährdet“ und zudem unter örtlicher Betäubung, aber auch von Geistlichen durchgeführt werden kann. Die weibliche Beschneidung bleibt ganz ausdrücklich verboten.

Ich hoffe ja, das Ganze kommt recht schnell wieder vor ein Gericht. Entweder über Bundestagsabgeordnete, die dagegen vorgehen oder aber aufgrund anderer Konstellationen, etwa bei einer gerichtlichen Entscheidung, dass eine Beschneidung das Kindeswohl immer gefährdet und daher nur bei besonderen gesundheitlichen Lagen durchgeführt werden kann.

 

 

 

Beschneidung von minderjährigen Jungen strafbar

Das Landgericht Köln hat entschieden, dass die Beschneidung von minderjährigen Jungen auch bei Einwilligung der Eltern strafbar ist:

Der Lawblog dazu:

Nach Auffassung des Landgerichts Köln soll es sich bei der Beschneidung aus religiösen Gründen um eine „schwere und irreversible Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit“ handeln. Diese sei weder durch die Religionsfreiheit noch das Elternrecht gedeckt.

Das hat meiner Meinung nach vieles für sich. Gerade irreversible Eingriffe sollten Eltern nicht ohne weiteres entscheiden können, das Selbstverständnis, dass ihr Kind später ihre Religion annehmen wird und deren religiöse Regeln akzeptieren wird, ist meiner Meinung nach in der heutigen Zeit nicht mehr gegeben. Dies muss dann für männliche und weibliche Beschneidungen gelten.

Udo Vetter weiter:

Die Problematik des Kölner Urteils liegt allerdings auf der Hand. Es verabsolutiert die körperliche Unversehrtheit eines Kindes, das aufgrund seines Alters nicht wirksam in den Eingriff einwilligen kann, gegenüber den religiösen Grundregeln seiner Eltern und deren (grundsätzlich zu achtenden) Wunsch, das Kind ebenfalls in dieser Religion zu erziehen.

Es ist also letztendlich eine Auseinandersetzung mit der Religionsfreiheit. Meiner Meinung nach kann Religionsfreiheit nicht bedeuten, dass man irreversible Eingriffe an seinem Kind vornehmen darf, die dieses vielleicht gar nicht möchte. Die Religionsgemeinschaften werden schon einen Weg darum herum finden und man kann sich ja dann mit 18 Jahren die Vorhaut abschneiden lassen.

Allerdings ist ebenso zu erwarten, dass die Sache mit dem Urteil des LG Köln noch nicht durch ist. Es ist eher anzunehmen, dass sie in Kürze auch noch das Bundesverfassungsgericht, eben aufgrund des Zusammenhangs mit der Religionsfreiheit und dem Elternrecht, beschäftigen wird.

Man darf also gespannt sein, was Karlsruhe entscheidet.

Weibliche Beschneidung

Vorweg, weil es ja ein sensibles Thema ist und das Nachfolgende nüchtern klingt: Weibliche Beschneidungen sind falsch und ich wäre ein glücklicher Mensch, wenn sie komplett stoppen würden.

Weibliche Beschneidungen beschränken die Sexualität der Frau, indem diese schmerzhaft gemacht wird und das Lustempfinden wegfällt/stark reduziert wird. Die Frage ist, welche Prinzipien hier zugrundeliegen. Eine Ausschaltung der Sexualität der Frau kann mehrere Funktionen haben. – Erhöhung der Wahrscheinlichkeit, dass der Ehemann der Vater ist – Schutz der Frauen vor sexueller Konkurrenz Hierzu das Folgende:

1. Erhöhung der Wahrscheinlichkeit, dass der Ehemann der Vater ist

Wenn eine Frau beim Sex keine Lust, sogar Schmerz empfindet, wird gleichzeitig ihr Interesse an einem Seitensprung gemindert. Denn die egoistischen Gene sehen ja keinen direkten Wunsch nach bestmöglichen Nachwuchs vor, sondern nur Lust am Sex mit einem möglichst attraktiven Mann. Die Frau muss insoweit des Nachwuchs wegen den Sex mit dem Ehemann über sich ergehen lassen, wenn sie Kinder will, hat aber kein eigenes gesteigertes Interesse (oder jedenfalls ein geringeres Interesse) an Sex, der eine Fortpflanzung ermöglicht. Es steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder tatsächlich vom Ehemann sind. Dies erhöht wiederum die Bereitsschaft des Mannes in die Kinder zu investieren. Hiervon wiederum können die Gene theoretisch profitieren.

Allerdings ist dies natürlich hart erkauft. Zum einen sind da die Gefahren einer Beschneidung und die damit verbundenen schmerzen, dann der Umstand, dass der Frau eine gesunde Sexualität genommen wird und schließlich auch der Umstand, dass der Mann diese Treue zu Lasten seiner eigenen Sexualität erkauft, da die Frau weniger oft Sex haben will und er damit auch weniger Sex hat. Das wiederum verringert auch die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung. Ein weiterer wesentlicher Faktor wäre aus meiner Sicht, dass Sex erst dann richtig gut ist, wenn beide geil sind und ihn wollen. Insoweit sinkt auch die Qualität des Sexes zusätzlich zur Frequenz. Wird die Beschneidung so durchgeführt, dass zwar der Lustaspekt wegfällt, aber beim Verkehr kein zusätzlicher Schmerz entsteht, dann bliebe immerhin insoweit noch eine Möglichkeit vorhanden, nach der sie mit ihm Sex hat, zu seinen Gunsten. Es blieben zudem noch nichtvaginale Ausweichvarianten. Insoweit fehlen mir aber die Kenntnisse.

Die Beschneidung könnte insoweit ein „Costly signal“ sein, dass die jeweilige Gesellschaft anwendet, um Treue zu betonen. Die Frauen würden damit signalisieren „Wenn du mich heiratest und versorgst, dann sind wir dir treu. Zum Beleg, wie wenig wir an Sex interessiert sind, haben wir uns so verstümmelt, dass uns Sex keinen Spass mehr macht“. Tragisch ist natürlich, dass die Beschneidung an Kindern, die noch keine Vorstellung davon haben, was genau eigentlich geschieht, durchgeführt wird, das Costly Signal also auferzwungen wird.

Hierin besteht denke ich auch der Grund, warum der Brauch sich etablieren kann. Im Vergleich zu einer beschnittenen Frau erscheinen Frauen, die dieses Costly Signal nicht geben, schnell als unsichere Kandidaten. Da wir unsere Meinung nach den vorliegenden Datenset bilden sind damit die Anforderungen an eine treue Frau, also eine, bei der man davon ausgehen kann, dass sie einen nicht betrügt, schnell verschoben. Damit steigt auch das Interesse daran, dass Töcher oder Verwandte dieses Costly Signal senden, da sie ansonsten auf dem Markt nicht vermittelbar sind.

Das Interesse daran, dass der Sohn eine Frau heiratet, die seine Kinder und nicht die eines anderen Mannes gebärt, haben natürlich ebenso dessen männliche und weibliche Verwandten. Diese tragen zudem nicht den Nachteil der entgangenen Sexualität. Dass eine Mutter insofern ihren Sohn dazu anhält „keine Schlampe, sondern ein sittsames, beschnittenes Mädchen zu heiraten“ wäre damit gut erklärbar.

2. Ausschaltung der sexuellen Konkurrenz

Männer wollen mehr schnellen Sex als Frauen. Sex stellt damit ein Machtmittel der Frauen gegenüber den Männern da. Hinzu kommt, dass junge Frauen allgemein als attraktiver gelten als alte Frauen.

Frauen stehen ebenfalls in intrasexueller Konkurrenz um die besten Männer bzw. um Anteile an deren Versorgungsleistungen. Eine Geliebte kann erhebliche Ressourcen entziehen, die eigentlich der Ehefrau zugute kommen könnten oder es kann eine andere Frau Sex anbieten, der die Beziehung insgesamt gefährdet.

Zuviel freier Sex kann allgemein das Risiko erhöhen, dass Männer nicht bereit sind feste Bindungen einzugehen oder stark in diese zu investieren. Anders als bei Männern, die ihre intrasexuellen Kämpfe durch Wettbewerb bzw. direkten körperlichen Kampf austragen, erfolgt der inrasexuelle Konkurrenzkampf bei Frauen eher über die soziale Schiene bzw. verdeckter.

Dies führt dazu, dass Frauen, die ihre Sexualität stark einsetzen, gerade von Frauen geächtet werden. Es erfolgt hier schnell eine Abwertung, ein Mobbing oder gar ein Ausschluß dieser Frauen aus der (Teil-)Gemeinschaft.

Gerade für beschnittene Frauen, die das Costly Signal der sicheren Vaterschaft nutzen (freiwillig oder unfreiwillig) wird die sexuelle Konkurrenz noch größer. Sie können im Gegensatz zu unbeschnittenen Frauen Sex nur zu höheren Kosten anbieten, sind insoweit also nicht konkurrenzfähig. Sie haben damit ein Interesse daran, dass auch die anderen Frauen ihre Sexualität nicht als Waffe gegen sie nutzen können. Sie haben sogar ein Interesse daran, die Sexualität der anderen Frauen weitergehender auszuschalten als bei ihr, sofern es sich nicht um eine Tochter oder andere Verwandte handelt. Letzeres allerdings mit der Einschränkung, dass die nahe Verwandte dennoch vermittelbar bleiben muss und nicht durch die anderen Mitglieder der Gesellschaft als unsichere Kandidatin angesehen wird. Es ist insoweit nachvollziehbar, dass die Beschneidungen durch die Frauen der Gemeinschaft durchgeführt werden.

3. Folgen aus diesen Betrachtungen

Aus diesen Betrachtungen kann man Schlüsse ziehen, wie dem Brauch der Beschneidung am besten beizukommen ist. Möglichkeiten wären:

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass der Vater tatsächlich der Vater ist auf anderem Wege erhöhen (vaterschaftstests?)
  • beiden Geschlechtern deutlich machen, dass Sex wesentlich besser ist, wenn beide ihn genießen
  • Den Frauen und Männern der Gemeinschaft eine Perspektive für ihre Töchter vermitteln, in der sie ohne Beschneidung besser dran sind.
  • den beschnittenen Frauen deutlich machen, dass weitere Beschneidung die sexuelle Konkurrenz nicht zu ihren Lasten veschieben wird

Letzteres scheint mir gar nicht so einfach zu sein. Wenn die unbeschnittene Frau nicht mehr sozial geächtet wird, dann kann sich der Mann im Gegenzug auch mit ihr sehen lassen, ohne seinerseits eine soziale Ächtung zu erfahren. Er hat dann die Möglichkeit eine neue Frau zu nehmen, die Sex mit ihm mag. Die oben dargelegte Falle, dass gerade beschnittene Frauen noch weniger in Konkurrenz mit unbeschnittenen Frauen stehen können, schlägt dabei voll zu. Es bleibt für eine beschnittene Frau insoweit vorteilhaft, eine unbeschnittene Frau zu ächten, wenn sie befürchtet, dass diese in Konkurrenz mit ihr tritt.