Der Göttergatte und das Patriarchat

Wieder mal hat der Feminismus, hier in Gestalt des Fräulein Krawalls (eine Namensgebung, bei der sie anscheinend durchaus keine patriarchalen Strukturen oder verinnerlichten Sexismus sieht, sondern eher ein Spiel mit Klischees) mutig die Strukturen des Patriarchats aufgezeigt:

 

Wo das Patriarchat noch keinen einzigen Kratzer hat: im Forum von chefkoch.de. >>> /via

Welche schreckliche Frauenunterdrückung wird man dort wahrnehmen? Die Frau gefesselt an den Herd? Die Wahrheit ist schrecklicher:

Man findet dort Frauen, die ihren Mann als Göga, kurz für „Göttergatte“ bezeichnen. Und Männer, die diese Bezeichnung selbst für sich in Anspruch nehmen!!!1elf

Schrecklich, atmen wir lieber kurz durch.

Nie zeigt sich das Patriarchat ungebremster als bei dieser Verbindung von – Triggerwarnung  – „Gott“ und „Mann“ in einem Wort, also auch der Erhebung des Gatten zum Gott und damit der Unterordnung der Frau!

Es einfach umgangssprachlich als anderes Wort für Ehemann zu sehen wird dem nicht gerecht.

Es gar einfach als etwas übertriebene Koseform abzutun heißt das Leid unsichtbar machen.

Was aber macht nun der Göttergatte schreckliches:

  • Er hat heimlich die Bratensosse angedickt. Es wurde aber die Packung mit Bratensoße entdeckt. Wie soll man ihn zur Rede stellen?
  • Ein Göga isst keine Gürkchen, sondern verschmäht sie. Es wird nach Abhilfe gesucht
  • Ein Göga soll davon überzeugt werden, mehr Gemüse zu essen.
  • Er mag kein Fleisch mit Nudeln als Beilage, deswegen wird es ihm als Auflauf untergejubelt
  • Er hilft beim Haushalt, macht aber die Gardinen falsch ab, weswegen man sich über ihn lustig macht
  • Er hat eine Mutter, die man mit einem besonderen Gericht beeindrucken will

Also haben wir

  • einen kochenden Mann,
  • einen Mann, der im Haushalt hilft und
  • eine Mutter, die anscheinend beeindruckt werden will.

Klarere Nachweise für ein Patriarchat hat man lange nicht gesehen. Gestützt wird das noch dadurch, dass jemand bestimmte Essenskombinationen nicht mag.

Es wundert dann nicht, dass da auch noch ein „Deutschland-Auflauf“ der wie Bild 2 zeigt recht eindeutig ein „WM-Gericht“ war, als Anzeichen für Nationalismus gedeutet wird.

Hier noch ein paar Stimmen

 

Frauen, die kochen etc übernehmen und sich dazu – in wohl auch einer spassig-ironischen Verwendung des Begriffs „Göttergatten“ – darüber austauschen, sind anscheinend ein Skandal.

Man muss als Feministin wohl mit sehr fest verschlossenen Augen durch die Gegend gehen.

Das Patriarchat ist auch die Hausfrau. Selbst wenn sie sich über ihren Mann lustig macht

Effektive Patriarchatsbekämpfung

In einem Kommentar zum „Anzuggate“ bei den Piraten auf der Seite Popkornpiraten fand sich ein aus meiner Sicht interessanter Kommentar:

Die “Abschaffung des Patriarchats” ist eigentlich ein sehr ernstes und diskussionswürdiges Thema. Schließlich geht es beim Patriarchat um die gesellschaftliche Güterverteilung mit Hilfe des Eigentums- und Erbrechts sowie um die gesellschaftliche Arbeitsteilung mit Hilfe der Lohnarbeit. Der Anzug ist durchaus ein Symbol des kapitalistischen Systems, weil er im Vorstellungsgespräch als Symbol der Unterwerfung getragen werden muss und deshalb durchaus kritisch hinterfragt werden kann.

Leider verschwenden Rya und ihre Gesinnungsgenoss*innen sehr viel Energie, um besitzlose und somit bedeutungslose Randfiguren zu verfolgen: alleinstehende Männer, die sexistische Witze reißen, Frauen, die um ihre Beziehung fürchten, an den Rand der Gesellschaft gedrängte (rechtsextreme) Demonstranten und anzugtragende Handyverkäufer. Aus theoretischen Gründen kämpfen sie für Bevölkerungsgruppen, die eigentlich das Patriarchat stützen und befürworten: weibliche Führungskräfte, orientalische Einwanderer*innen und weltfremde Wissenschaftler*innen.

Eine flexible Vorgehensweise – Großzügigkeit und Humor gegenüber provozierenden Randgruppen sowie Häme und Spott gegen die Eliten des Systems – würde das angestrebte Ziel (“Abschaffung des Patriarchats”) weitaus schneller voranbringen als die militante Verteidigung theoretischer Dogmen gegen eigentlich wohlmeinende Freunde.

Etwas anders formuliert wird daraus: „Wenn die feministischen Theorien stimmen und es ein Patriarchat gibt, warum ist der Feminismus dann so ineffektiv darin, dessen tatsächliche Ursachen anzugreifen?“

In der Tat scheint  sich ja der Feminismus mit allerlei Kleinigkeiten aufzuhalten, sich wegen Kleinigkeiten mit allen möglichen Leuten anzulegen und letztendlich sogar noch bestimmte stützende Gruppen wie weibliche Führungskräfte oder traditionell-konservative Einwanderergruppen zu stützen.

Ein Grund ist sicherlich, dass IDPOL eine enorme Intoleranz gegen Kleinigkeiten begünstigt, da man anhand dieser besser zeigen kann, wie sehr man gegen Dislkriminierungen ist. Zu zeigen, dass man die Kleinigkeiten erkennt ist dann wichtiger als tatsächlich etwas zu bewirken. Dau kommen die Theorien der „Raumeinnahme“, die die Sichtweise, dass man mit dem angreifen von solchen Kleinigkeiten einen grundlegenden Wandeln erreichen kann. Der Glaube, dass mehr Frauen in Führungspositonen bereits die Welt verändern scheint mir auch eine gewisse Nähe zu einem Differenzfeminismus mit Frauen als besseren Menschen zu haben, der im Genderfeminismus gerne verschwiegen wird.

Sicherlich ist die im Kommentar vorhandene Sichtweise eine andere, bei der das Patriarchat noch eher mit dem Kapitalismus gleichgesetzt wird, während andere darin einfach überkommene Regelungen sehen. Auch insoweit wäre aber eine „effektivere Bekämpfung“ möglich.

Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass da auch insoweit einiges an Unstimmigkeiten vorhanden ist. Diese näher herauszuarbeiten könnte interessant sein

Vom Verrat an das Patriarchat und dem Abfischen von Heteraprivilegien durch Sex mit Männern

Auf dem Blog Queerdenke_n schreibt die dortige Autorin in einem Artikel, dass sie zwar einfach auf Menschen steht, unabhängig von deren Geschlecht, aber das Label „Lesbe“ ihr als Identität wichtig ist. Dazu dann das Folgende:

Lesbe bedeutet für mich eine Menge, aber nicht: exklusiv auf Frauen stehend. Und weil es für mich eine Menge bedeutet, benutze ich es gerne. Schließlich fühlt es sich an wie ein wichtiger Teil meiner Identität, dass ich Frauen* liebe. Aber in letzter Zeit habe ich bemerkt, dass sich seltsame Gedanken eingeschlichen haben: Die Angst, dass jemand entdeckt, dass ich auch auf Männer* stehe und mich deswegen eigentlich gar nicht lesbisch nennen darf. Eine Art schlechtes Gewissen. Als könnte mir die Queerness oder Gayness plötzlich abhanden kommen, wenn ich mit einem Typen zusammen wäre und ich mich irgendwie an den Mainstream und das Patriarchat verraten hätte. Ich würde aufwachen und feststellen, dass ich nun alle erdenklichen Hetera-Privilegien abfischen kann und von „echten“ gay Leuten nur noch eine Freundin und Verbündete sein kann. Damit würde allerdings ein wichtiger Teil von mir ausgeblendet werden, nämlich die Gesamtheit dessen, was es für mich bedeutet, nicht straight zu sein.

Es zeigt aus meiner Sicht ziemlich genau auf, was diese Ideologie so interessant macht. Es wird ein Feinbild geschaffen und über klassisches Outgrupping hier von Heterosexualität und Männern eine Ingroup geschaffen, der man sich unter Abgrenzung zur Outgroup und Anerkennung des Feindbilds  zugehörig zeigen kann.

Es zeigt zudem auch, wie wenig diejenigen tatsächlich bereit sind, eigene Privilegien zu hinterfragen, sondern sich lieber in eine falsche Rolle flüchten.

Was eben auch daran liegt, dass das Abstreiten von Privilegien letztendlich in dieser Ideologie die vorteilhafteste Position ist. Wer keine Privilegien hat, der muss sich nicht rechtfertigen. Er kann Teil der Gruppe sein. Er muss sich nicht mit dem Ally-Status abfinden, sondern ist tatsächlich dabei.

Keine Privilegien haben kann damit ein Privileg sein.